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  • Fiasko
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Kundenrezensionen

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am 9. September 2007
"Das Fiasko " ist in meinen Augen einer der besten Romane zum Thema "Kontakt", der jemals geschrieben wurde.
Ich möchte die Handlung nicht noch mal durchkauen, das wurde bereits in den anderen Rezessionen erledigt, sondern jedem der das Buch bis zu Ende gelesen hat empfehlen, es noch mal zu tun, mit dem Wissen das er nach der Lektüre hat.
Ich finde es lohnt sich, denn nun erscheint die Geschichte in einem völlig anderen Licht.

Achtung, ab hier wird gespoilert.

Viele Rezensenten gehen wie die Besatzung davon aus, das es auf der Quinta einen festgefahrenen globalen Konflikt gegeben hätte, doch ich bin davon überzeugt dass dem nicht so ist.
Genau genommen war diese falsche Annahme die Ursache der Katastrophe.
Das ist es, worum es Lem ging.
Der Mensch ist nicht in der Lage das wirkliche Fremde zu erkennen wenn es ihm begegnet, er muss es verzerren und verfälschen, bis er es seiner Erfahrungswelt einpassen kann, und sei es mit dem nuklearen Hammer.
So geschieht es in "Das Fiasko" .
Die Menschen kamen voller menschlicher Erwartungen, menschlicher Erfahrungen und menschlicher Ängste auf der Quinta an und fanden dort folgerichtig nur ein Spiegelbild irdischer Verhältnisse vor.
Sie stießen auf eine Reihe rätselhafter Erscheinungen und bastelten sich daraus ein verheerend falsches Bild der Situation auf dem Planten zusammen.
Was sie nicht alles für Theorien ausbrüteten, eine ausgefeilter(und falscher ) als die andere.
Ein kalter Krieg, Militärstäbe die sich sonst wie tief eingegraben haben, Massen von Kampf Satelliten und und und.
Jede Entdeckung wurde von ihnen mit aller Gewalt in ihr von der Erde mitgebrachtes Muster gepresst und ergab so ein Zerrbild, das direkt in die Katastrophe führen musste.

Doch wird all dies erst mit den letzen Satz des Buches überhaupt klar.
Der Leser stolpert die ganze Zeit eben so im Dunkeln wie die Protagonisten, eine Glanzleistung von Lem.
Erst mit dem Wissen über die körperliche Beschaffenheit der Quintaner eröffnet sich ein völlig anderer Blick auf die Geschehnisse und die Irrtümer der Hermes-Besatzung.

Der erste und entscheidende Fehler bestand darin, dass die Menschen während der ganzen Expedition völlig selbstverständlich davon ausgingen, dass ihnen die Quintaner in irgendeiner Weise körperlich ähnlich wären.
Sicher sehr entfernt, aber doch so weit, dass sich eine ähnliche Erfahrungs- und Lebenswelt annehmen ließ.

Eine so beschränkte Sicht musste zwangsläufig in die Katastrophe führen.

Hier ein paar Dinge, die die Menschen aus Unkenntnis der Natur der Quintaner falsch einschätzten

1. Während einer genauen Untersuchung des Planeten wurden an einigen Stellen große Kalziumablagerungen unter der Planetenoberfläche gefunden.
Weil man an einen planetaren Konflikt glaubte wurden daraus Massengräber und die Quintander dadurch "böse". Der Massenmord an ihnen war daher moralisch gerechtfertigt.
Dass diese "Gräber" Ansammlungen vom höchst lebendigen Quintanern darstellten haben die Menschen nie erfahren.
Nur Parvis war dieser winzige Moment der Erkenntnis vergönnt, bevor er von der Hand seiner Kameraden starb.

2. Den Planeten umkreiste ein "unfertiger" künstlicher Eisring, an dem nicht mehr gearbeitet wurde.
Für die Menschen ein klarer Beweis für einen Konflikt, denn der Ring kühlte den Planeten ab und sorgte für sintflutartige Regenfälle
Für Wesen die "menschenähnlich" wären sicher eine unangenehme Situation
Aber für die Quintaner möglicherweise optimale Lebensbedingungen und daher vielleicht genau das Ziel der Operation.

3. Die Menschen gingen sie davon aus, dass die Quintaner sich auf der Planetenoberfläche bewegen würden (wie Menschen ), etwas wie Augen hätten und früher einmal Jagd betrieben haben mussten.
Deshalb spielten sie ihnen mit einem Laser eine Art Schattentheater auf den Wolken vor.
Hier waren gleich alle drei Annahmen waren falsch

Es lassen sich noch mehr solche "Missverständnisse" finden und es lohnt sich auf jeden Fall, das Buch mehr als einmal zu lesen.

Ps:
Ob es sich bei Parvis wirklich um Pirx handelt wird im Buch nie geklärt,
das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Für mich ist er es.
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am 4. Januar 2006
Ein Grundthema von Stanislaw Lem ist: Das wirklich Fremde können wir gar nicht wirklich erkennen. Wir finden immer nur uns selbst, unsere Irrtümer,unsere falschen Vorstellungen von dem was ANDERS ist. Entweder wir gehen uns selbst in die Falle (Solaris), oder gehen dem speziellen Unerklärlichen in die Falle (Der Unbesiegbare), oder stehen ihm hoffnungslos irritiert gegenüber (Eden) oder, wie im vorliegenden Buch FIASKO,wir planen mit allen Unwahrscheinlichkeiten im Gepäck eine Begegnung mit dem Fremden, haben fast Glück und werden zum Schluss doch wieder überrascht mit dem absolut Aussergewöhnlichen, dass das Fremde in sich birgt. So wird die Expedition, die so gut startete, in den letzten Sätzen des Buches doch noch ein Fiasko. Das Fremde bleibt Fremd. Stanislaw Lem gelingt es mit diesem Buch, wie in keinem anderen,eine echte Pointe zu diesem Grundthema zu bringen. Erst der letzte Satz des Buches, nach einem stetigen, fast unerträglichen, und sehr hohen Spannungsaufbau, ist quasi die Pointe und wirkt philosophisch schockierend. Hammermässig sarkastisch. Lem-Böse. Der Leser bekommt mit diesem Buch eine tatsächliche Ahnung von dem was FREMD ist (Vergleichbar gut: "Picknick am Wegesrand" der Brüder Strugatzki). Dieses Buch, mit seinem Maschinen-mythischen Beginn, ist echtes "Gehirnfutter" und eines der besten Bücher zum Thema AUSSERIRDISCHES, und irgendwie gefällt es mir besser als Solaris.
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TOP 500 REZENSENTam 7. August 2002
Jeder stellt sich die Frage "Wie verläuft der Erste Kontakt"? Die Menschen, lange auf der Suche nach einer anderen Intelligenz im All, entdeckt endlich ihre Nachbarn. Doch wie Kontakt aufnehmen? Kontaktieren sie uns zuerst? Wir sie? Sind sie feindlich? Haben sie Angst? Schicken sie uns weg? Laden sie uns ein? Aber was ist.... wenn garnichts passiert?
Dieser Frage sieht sich die Besatzung des Raumschiffes gegenüber, die den Ersten Kontakt mit einer neu entdeckten Spezies herstellen soll. Dabei besteht die Besatzung durchweg aus Wissenschaftlern bis auf eine Ausnahme. Ein Raumpilot gelangt durch einen Unfall der in einer ausführlichen Vorgeschichte (die an sich schon ein eigenes Buch wert wäre) beschrieben wird an Bord des Raumschiffes und wird eher unfreiwillig zum Hauptdarsteller der Geschichte.
In typischer Lem Manier dreht sich die Geschichte um die Menschen und "ihre" Technik, die Menschen und ihr Umgang mit dem fremden und nicht zuletzt um ihren typischen Anthropomorphismus, der ständig bestrebt ist ihre eigenen Eigenschaften auf ihre Umgebung und ihnen Fremdes zu projizieren.
Entfernt an das Meisterwerk "Solaris" erinnernd, stehen sie hier wieder vor einer fremden Macht die von sich aus keinerlei Informationen preisgibt. Das philosophische Element dieser Begegnung kommt hier klar heraus: Die Erkenntisse die wir von etwas gewinnen, was von sich aus keine Informationen hergibt,werden ausschließlich von unseren Fragen bestimmt. Wir erfahren immer nur das, was wir erfragen können - die Art der Frage bestimmt dabei die Antwort und läßt uns über die Hintergründe im Dunkeln. Dabei stellt sich die Besatzung hintergründig nicht nur einmal die Frage: Fragen wir in die richtige Richtung?
Was wir nicht erfragen können - das, an was wir nicht von uns aus denken - das bleibt im Dunkel...
So entwickelt sich die Begegnung zwischen Menschen und Unbekannten zu einer einseitigen - der Gegenüber agiert nicht, er reagiert nur, und manchmal nicht einmal das.
Die Spannung die Lem aus dieser Geschichte zieht ist fesselnd. Aus dem Unwillen aufzugeben entwickelt sich alles in eine Richtung die den Leser miträtseln und miterahnen läßt.
Das Finale ist kräftig und wer Lem kennt der weiß - das Ende des Buches ist erst der Anfang des eigenen Denkens.
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am 11. Dezember 2000
Stanilaw Lem gehört zu meinen unumstrittenen Favoriten. Obwohl sich mit grossen Ausnahmen praktisch jedes seiner Bücher im Genre "ScienceFiction" bewegt, vermag er vom Grundthema her Szenarien behandeln, welche im eigentlichen nicht auf SciFi-Boden basieren. Wohl finden seine Geschichten im benannten Umfeld statt - in Raumschiffen, auf fremden Planeten usw. - doch sind es abgesehen von den Geschichten Ijon Tichy's meistens nicht die Abenteuer an für sich, welche mich von anhin in seine Welt entführt/verbannt haben, vielmehr die erstaunlich realistischen Zwischentöne, welche schlussendlich das Geschehen formieren. Auf "Solaris" werden beispielsweise intimste Gedanken und Sehnsüchte materialisiert, die untereinander nicht bloss der Existenz willen, sondern der inhaltlichen Aussagekraft wegen verschwiegen werden. (Bsp. Pädophile Homosexualität) So findet die Geschichte "FIASKO" wohl in einem fernen Sonnensystem statt, doch man ergötzt sich auch hier nur zum kleinen Teil an "kosmischen" Bildern und SciFi-Szenarien. Diese werden auch mit Liebe zum Détail beschrieben (Eisring um den Planeten), doch vielmehr sind es die Konflikte, die in diesem Umfeld entstehen. Der erste Kontakt zu einer anderen Zivilisation, von welcher nicht einmal das Aussehen bekannt ist, wird mit anfänglich zwei theoretischen Entwicklungsmöglichkeiten, bzw. einer Grundfrage thematisiert: Wird unsere Ankunft freundliche oder feindliche Reaktionen auslösen? Der effektive Konflikt zwischen den beiden Rassen und den Menschen untereinander gestaltet sich in der dritten, zuvor nicht bedachten Form des ÜBERHAUPT NICHT stattfindenden Kontaktes und man könnte mögliche Parallelen zu Solaris entdecken, wo die fehlende Möglichkeit zur Kommunikation in jeglicher Form mehr Fragen als Antworten liefert: WEISS man von unserer Existenz? Ist der Nicht-Kontakt Summe vorerst feindlicher - oder geheimer Absicht? Gibt es dort möglicherweise militärische Einheiten, die vor dem "offiziellen Kontakt", vor Einbeziehung der eigentlichen Zivilisation eigene Abklärungen tätigt? Wie können wir Aufmerksamkeit erlangen wenn keine Reaktion erfolgen, wie weit dürfen/können wir an der Oberfläche kratzen, ohne ein Fiasko zu riskieren? Gleichzeitig ist man darüber informiert, was eine Fehlhandlung auslösen KÖNNTE, denn der Raum im besagten Sonnensystem weist kriegerische Spuren massenhaft anwesender Überwachungssateliten auf, deren übermässig vorhandene Anzahl keine Logik aufweist. Auch in Solaris ist der Protagonist über mögliche Konsequenzen bewusst, nur weiss er nicht, aufgrund welcher früherer Handlungen diese erfolgt sein könnten. Der grössere Teil des Buches beinhaltet demnach massenhaft Spekulationen auf mögliche Auswirkungen, schildert grundverschiedene Überlegungen einzelner Wissenschaftler auf ein und dasselbe Problem, bevor das nächste thematisiert wird. Dies könnte (und wird) einigen StarTrek-Fans und ähnlichen SciFi-Freaks missfallen, denn die weitere Entwicklung der Geschichte ist trotz der "fiktiven" Ausgangslage unheimlich realistisch und deshalb für meinen Geschmack überaus genial. ERGO: Wer eine ernsthafte, leicht mystische, streckenweise sehr theoretisch behandelte Auseinandersetzung einer phantastischen, actiongeladenen First-Contact-Alien-Version vorzieht, ist mit diesem Roman besser bedient, als ihm möglicherweise recht ist.
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am 23. November 2001
„Fiasko" ist genau das Gegenteil, nämlich kein Lesereinfall, sondern für mich die Leseentdeckung der letzten Jahre schlechthin. Auf der realen Ebene werden die Erlebnisse eines „Piloten" geschildert, der, bei einem Rettungsunternehmen verunglückt, Jahrhunderte später sich reanimiert auf einer Weltraummission zur Kontaktaufnahme mit einer unbekannten Lebensform wiederfindet. Kubrick-Fans werden sich über den Supercomputer „GOD", das Pendant zu „HAL", freuen, Laienwissenschaftler über die ausführlichen und fantasievoll detaillierten Schilderungen zukünftiger Sideraltechnologien, der Oberflächenphänomene fremder Gestirne oder der Manipulationen von Kollapsaren. Aber da ist noch eine weitere, tiefgründigere Ebene, auf welcher mehrere der „letzten" Fragen gestellt werden: Wie entwickeln sich Kulturen, gibt es Verständigungsmöglichkeiten unter ihnen? Kann es „gutgemeinte" Gewaltanwendung geben, darf der „Klügere" dem weniger Klugen seine Hilfe aufzwingen? Wie laufen gruppenpsychologische Prozesse ab, gibt es objektive Entscheidungen, wie sieht sie aus, die Kraft, die stets das Gute will, und doch das Böse schafft? Dieses Buch hat mich auf vollständig neue Ideen und Überlegungen gestoßen, was mir trotz reichlicher Lektüre schon seit Ewigkeiten nicht mehr passiert ist.
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am 23. Oktober 2004
Der Protagonist ist sich seines Ichs nicht sicher. Nach Jahren aus dem Eis gerettet, weist sein Gehirn Gedächtnislücken auf und er kann nicht sicher von sich sagen wer er ist. Zumindest das Archiv kann helfen seine Person auf zwei Vermisste einzugrenzen.
Der Gerettete nimmt an einer Expedition zu einem ferne Planeten teil, auf dem die Wissenschaft intelligentes Leben vermutet. Nach der Ankunft wird sehr schnell klar, das der Stand der Wissenschaft dort, dem der Erde gegen Ende des zwanzigsten Jahrhunderts entspricht. Die Entdecker werden sehr früh bemerkt. Doch extremes Misstrauen beherrscht die Situation. Der Bordcomputer mit dem vielsagenden Namen GOD hat seine Schwierigkeiten, adäquate Übersetzungen zu liefen: „Die Hilflosigkeit, die GOD vor diesen Tausenden Fotos erkennen ließ, machte dem Menschen bewusst, dass in dieser auf scheinbar absolut objektive Informationsverarbeitung ausgerichtete Maschine dennoch ein Erbteil Athropozentrismus geronnen war." Oder anders: „Man wollte etwas erfahren über eine fremde Vernunft, und man erfuhr, welch enge Geistesverwandtschaft zwischen den Menschen und Ihren Computern bestand."
Auf dem Planeten stehen sich zwei Mächte feindlich gegenüber. Jede Form der Kontaktaufnahme wird als Vorteil für die Gegenseite interpretiert. Man ist nicht an Kontakt interessiert. Auch die Entdecker stehen unter Druck, wollen endlich auf den Planeten, was ihnen immer wieder versagt wird. Die fatale Entscheidung eine Machtdemonstration abzugeben und den begleitenden Mond zu sprengen endet in einer Katastrophe. Alle Beteiligten sprechen sich gegenseitig Vorwürfe aus.
Der Planet hat viele Rätsel; es regnet ständig dort und allem Anschein nach sind die Bewohner auch noch dafür verantwortlich. Alle Begriffe, die mit Bewegung im Zusammenhang stehen, gehen ins Leere. Da fällt doch die Entscheidung, der Protagonist erhält die Erlaubnis den Planeten zu besuchen.
Stanislaw Lem's letztes Romanwerk setzt sich schwerpunktmäßig mit nicht irdischer und künstlicher Vernunft auseinander. Er stellt dabei treffend heraus, das Begriffe nicht eins zu eins übersetzbar sind. Eskimos haben über einhundertfünfzig Begriffe für Schnee. Eine fremde Rasse, für die Eigenbewegung unbekannt ist, dürfte für die Menschheit vor unvorstellbare Dialogprobleme stellen, an denen sich selbst unsere Computer schwer tun. Der Roman ist spannend und kompakt geschrieben. Neben Solaris sicher eines der besten Werke von Stanislaw Lem.
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am 6. Oktober 2013
Ich habe in meiner Jugend ein paar von Stanislaw Lems Geschichten gelesen, die mir (damals) sehr gut gefallen haben. Das war schon ein deutlich anderes Niveau als die Masse der Sci-Fi-"Literatur" ohne nennenswerten Anspruch, die damals wie heute den Markt flutet.
Das gleiche lässt sich durchaus auch über dieses Buch sagen, und es ist gewiss selbst kein "Fiasko". Ein gutes Buch ist es aber in meinen Augen eindeutig nicht.

Dazu liest es sich zu dröge, wegen der allgegenwärtigen philosophischen Betrachtungen, die zu langatmigen Monologen (des Autors) ausufern, der dürftigen Charakterisierung der Hauptfiguren, den selbstgefälligen Latein-Sinnsprüchen und der anstrengend herbeifabulierten Zukunftstechnologie - anstrengend daran finde ich, wie unter Verwendung zahlreicher Fremd- und wissenschaftlich anmutender Fantasiewörter diese Technologie einerseits als selbstverständlich vorhanden dargestellt wird, andererseits dann doch wieder seitenlange Detailschilderungen die Abläufe nachvollziehbar machen sollen. Was bei mir nur begrenzt Erfolg gezeitigt hat.

Man kann all das sicherlich auch genau gegenteilig bewerten, es als das Besondere des Romans preisen, als das, was sein hohes Niveau ausmacht. Ich meine hingegen, dass es nicht reicht, sich in den Ausdrucks- und Stilmitteln von der Masse zu unterscheiden. Die Art und Weise, wie das geschieht, muss den Leser auch mitnehmen bzw. mitziehen. Und das gelingt hier nicht richtig - bei mir persönlich jedenfalls nicht.

Und wie sieht's mit der Geschichte aus, mit deren zweifellos tiefgründigen philosophischen Dimension?

Ich schätze, man muss die ziemlich pessimistische Sicht der Menschheit (und hochentwickelter Lebewesen generell), die Lem hier entfaltet, im zeitgeschichtlichen Kontext sehen, dem vom Ende der 1980er Jahre. Als es schien, wir müssten bis in alle Ewigkeit mit der Drohung des globalen nuklearen Holocaust leben. Gefangen in einer Logik der wechelseitigen militärischen Hochrüstung und Abschreckung.

Zwar haben die Nachfahren von uns heutigen Menschen, die in 'Fiasko' unter gigantischem Aufwand zu einer Expedition aufbrechen, um mit einer außerirdischen Intelligenz Kontakt aufzunehmen, ganz offenbar nationalistische und ideologische Konflikte weitestgehend überwunden. Die Erfahrungen ihrer jahrtausendelangen Vorgeschichte scheinen ihr Denken trotzdem noch tiefgreifend zu prägen.

[Achtung: leichte SPOILER]
Wie sonst wäre zu erklären, mit welcher Anmaßung sie die rätselhaften Zustände auf dem fremden Planeten nach menschlichen Mustern deuten? Und noch viel wichtiger: Warum sie sich zu einer ungeheuerlichen Eskalation der Mittel hinreißen lassen, bei ihren Versuchen, mit den Außerirdischen in Kontakt zu treten?

Die mutmaßlichen Schwierigkeiten, mit einer Alien-Intelligenz zu kommunizieren, die sich in einer womöglich gänzlich anders verlaufenen Evolution herausgebildet hat, werden hier durchaus gelungen aufgezeigt. Damit habe ich kein Problem.
Was ich jedoch für eindeutig unglaubwürdig, für weit überzogen halte, das ist besagte Eskalation, die von vermeintlich brillanten Wissenschaftlern, den allerbesten Köpfen jenes zukünftigen Menschenvolks, herbeigeführt wird. Und die schlussendlich zu dem titelgebenden Ergebnis führt ...
[/SPOILER-Ende]

Somit basiert die Quintessenz des Buches auf einem in meinen Augen absurden Handlungsverlauf. Absurd aus heutiger Sicht, wohlgemerkt; zur Entstehungszeit gab es vielleicht gute Gründe, sich menschliches Verhalten so unverbesserlich auszumalen.

----

Fazit: "Interessant" für den, der von Sci-Fi nicht nur kurzweilig unterhalten werden will - bestimmt. "Genial", wie manche Rezensenten meinen, ist das Ganze aber aus meiner Sicht auf gar keinen Fall. Und das nicht nur wegen der fragwürdigen Kern-Handlung.
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am 15. April 2007
Die Menschheit hat es endlich geschafft, eine hochentwickelte Technologie zu entwickeln, mit denen Reisen durch das All möglich sind.

Dann wird ein Planet endteckt, auf dem Leben existiert. Dieses muß zudem aufgrund der entdeckten Signale und Aktivitäten höher entwickelt sein.

Da man jetzt nicht mehr allein im Weltall ist, schickt man eine Expedition dorthin, um Kontakt zu knüpfen.

Als man eintrifft, stellt sich heraus, daß die Nationen des Planeten in einer Art Stellungskrieg stigmatisiert sind. Durch weißes Rauschen ist Funkkontakt unmöglich.

Kampfsatelliten halten sich gegenseitig im Schach.

Durch eine selbst herbeigeführte Naturkatstrophe ist der Planet ständig unter Wolken verborgen und es regnet fast immer.

Die Außerirdischen haben keinerlei Interesse an einer Kontaktaufnahme.

Da die Menschen nun aber den weiten Weg zurückgelegt haben, soll auf jeden Fall ein Kontakt hergestellt werden.

Notfalls auch mit Gewalt...

Lem spiegelt das Verhalten der Menschen kolossal in diesem Roman.

Der Kalte Krieg findet auf einem fremden Planeten statt. Die hochgerüsteten nationen sind mit sich selber beschäftigt und nur darauf bedacht, daß der andere keinen Vorteil erlangt.

Eine dritte Macht wird eher als Bedrohung angesehen.

Und die so fortschrittlichen Menschen?

Diese wollen sich unbedingt bemerkbar machen. Dazu setzen sie auch ihre überlegende Waffentechnologie ein.

Der Wahnsinn der Menschen wird hier eindrucksvoll deutlich gemacht.

Man kann die politische Situation heute wie damals wunderbar in diesem Roman wiederfinden.

Das Ende mußte ich mehrmals lesen, um endlich herauszufinden, was denn die Außerirdischen sind und wie sie aussehen.

Das wird imgesamten Roman nie deutlich gesagt, sondern kann man nur aus anderen Passagen des Romanes herleiten.

Für mich der intelligenteste und bemerkenswerteste SF-Roman, den ich kenne.

Lem hat sich mit diesem Roman selbst übertroffen.
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am 9. März 2017
Wie soll man sich mit einer fremden Intelligenz verständigen, von der man weder weiss, wie sie aussieht und wo sie ist und wie sie sich entwickelt hat. Ist es überhaupt sinnvoll, den Kontakt zu Aliens zu suchen - und wenn man sie dann gefunden hat: Worüber soll man reden?
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am 16. August 2016
Laut wikipedia handelte es sich um eine "Auftragsarbeit" für den S. Fischer Verlag, und Lem habe einen Vorschuss angenommen ohne eine Idee für die Handlung. Die Handlung wurde dann "irgendwas mit Hinweis auf SDI und so".

Ich habe das Buch vor knapp 30 Jahren gekauft und bereue es noch heute.

Die Charakter der handelnden Personen sind ziemlich flach, man hätte die Leute auch A, B, C und D nennen können. Sogar der "Held" ist nur ein beliebig ersetzbarer Mitarbeiter. Die Dialoge lesen sich wie ein Protokoll einer Arbeitsgruppe von gelangweilten Geisteswissenschaftlern. Zwischendurch gibt es mal etwas Handlung, und zwar alles so aufgebläht, dass das Buch doppelt so dick wie "Transfer" wurde, obwohl der Inhalt eher was für eine Kurzgeschichte von 10-20 Seiten wäre.

(leichte spoiler)

Die Geschichte ergibt nicht wirklich Sinn: die Bewohner weigern sich zu kommunizieren. Warum, bleibt im Dunkeln. Nachdem das Erdraumschiff zwei Terroranschläge durchführt, gibt es Kommunikation und sogar "zähe Verhandlungen", und nur ein Mann darf für kurze Zeit den Planeten besuchen (Obwohl die Erdlinge ja überlegen sind). Leider arbeitet der Mann nicht sehr professionell, und vergisst sich wie abgesprochen zu melden, was zu einem dritten Terroranschlag führt. Die wage Beschreibung der fremden Wesen erfolgt erst in den letzten Seiten des Buchs - und zwar so schlecht, dass ich immer gedacht habe, ich hätte das Buch nicht verstanden. Erst die wikipedia Lektüre zeigte, dass da wirklich nicht mehr war. Natürlich gibt es Leute, die meinen diese Unklarheiten seien Teile der Genialität des Autors, anstelle zu erkennen "Aber der Kaiser ist ja nackt!"

Es war Lems letztes Buch. Das ist auch gut so.
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