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Kundenrezensionen

3,8 von 5 Sternen
30
3,8 von 5 Sternen
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am 5. April 2002
Erst läuft ein Mann durch Berlin, dann einer Frau nach. Ab und zu arbeitet Arthur als Kameramann, aber nur wenn ihm der Auftrag gefällt. Sein Freundeskreis ist klein, aber fest wie eine Burg. Wer würde da nicht neidisch? Der Neid verwandelt sich in Mitleid, sobald man weiß, dass Arthurs Rastlosigkeit durch den Unfalltod seiner Familie entstanden ist. Er ist auf der Suche nach dem, was verschwindet, was niemand vermisst, nach der Unschärfe. Auf seinen Streifzügen durch Berlin begegnen ihm immer wieder die Geister der Vergangenheit, und einige reale Begegngen haben etwas Allegorisches. Eine dieser Begegnungen wird zur Obsession und heißt Elik. Sie promoviert über die Geschichte einer vergessenen Königin. Aus Emanzipation und Protest hält sie daran fest. Es ist eine schmerzhafte Liebesgeschichte. Aber beide merken, dass sie noch mehr fühlen können, als sie sich zugetraut haben.
Symathisch ist die Abwegigkeit der Tätigkeiten. Wer wird Arthurs Film je sehen oder Eliks Dissertation lesen, falls sie fertig werden? Wenn es ihnen egal ist ...
Die Dämmerungen, die Arthur sammelt, entsprechen irgendwie den Quellenverweisen, denen Elik hinterherreist, und die sie mit dem gleichen Respekt behandelt, wie er gefrorene Fußabdrücke. Arthurs Foto von Frau und Kind sind wie die Narbe auf Eliks Wange. In ihm bricht bei den Stadtspaziergängen erlebte Geschichte wieder auf. Sie setzt ihre Ansicht von Geschichte entgegen, nach der in seinen Erinnerungen die Geschichte noch zu frisch ist, um sich nicht an ihr zu überheben.
Dieses Buch strömt über vor Geistern. Eine Freundin von Arthur sammelt Fotos von Wolken und Strandformationen aus den 1920er Jahren. Man muss annehmen, der Titel des Buchs will einer Beseelung alles dessen gedenken, was Erinnerungen hervorruft. Die Frage, was von Geschichte bleibt, beantwortet Elik sinngemäß mit: Alles was aufgeschrieben ist. Man bekommt gewaltigen Respekt vor dem Mittelalter eingeflöst, und ein schlechtes Gewissen, weil man die geheimen Verweise in der Bibel auch nicht entziffern kann. Tanzmusik ist nichts gegen Hildegard von Bingen. Die Protagonisten sind von dem gegenwärtigen Getriebe abgestoßen, und nähren sich doch von ihm. Vielleicht ist auch das ein Grund für Arthurs Rastlosigkeit und die Erhabenheit seines Philosophenfreundes, dass die Entwicklung über sie hinweggeht, ohne dass es einer Bedeutung bedarf.
Das Buch ist nur spannend, wenn man sich etwas für Berlin, aber umso mehr dafür interessiert, wie Geschichte Menschen zurücklässt und in ihnen weiter- oder wieder auflebt.
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am 28. Dezember 2004
Der Kameramann Arthur Daane, der seine Frau und seinen Sohn bei einem Unfall verlor, zieht mit seiner Kamera durch die verschneite deutsche Hauptstadt. Er versucht all das festzuhalten, was er "die anonyme Welt" nennt, also Dinge die alltäglich sind, die aber anscheinend niemand wahrnimmt, so wie Fußspuren im Schnee, Bäume aus verschiedenen Sichtweisen uvm. Dabei kommt es immer mal wieder vor, das er sich vergangener Situationen besinnt und dies mit soviel Hingabe, dass ihm alles Gegenwärtige wie Schein vorkommt. Warum filmt er? Es ist sein Projekt, er weiss es selbst nicht, aber er ist sich sicher das sich diese filmischen Fragmente irgendwie irgendwann mal zu einem grossen Puzzle zusammenfügen und dadurch die Antwort auf so viele Fragen geben werden.
Zwischen seinen Streifzügen trifft er sich mit Freunden mit denen über Dinge wie Vergangenheit, Metaphysik, Mystik, Kunst, Religion, Musik, Politik (vordergründig natürlich deutsch-holländische) uvm diskutiert wird. Der eine Freund ist Philosoph, der andere Künstler, die dritte Physikerin. Vier Freunde aus drei verschiedenen Ländern und jeder bringt von sich und seiner Vergangenheit, seinem Land, seinem Beruf etwas mit ein in diese Diskussionen. Doch eigentlich ist Arthur nie wirklich dabei, nie sagt er viel, ist immer gleich wieder mit der Kamera unterwegs.
Bis er schließlich die Studentin Elik trifft. Auch sie muss mit ihrer Vergangenheit fertig werden. Und plötzlich "scheint" alles so anders zu sein...
Und die ganze Geschichte erzählt mit der typischen "Nooteboom-Melancholie".
Dies ist ein Buch was man immer wieder lesen kann, eben weil es soviel darin zu entdecken gibt. Bei jedem neuen Lesen wird man mehr aus "Allerseelen" ziehen können. Aufgrund der Themendichte und natürlich auch der Themen (siehe oben) selbst, vielleicht nicht ein Buch für jeden. Man sollte schon für philosophische Fragestellungen offen sein und sich darauf einlassen, dann wird man ein sehr kluges und lehrreiches Buch über Liebe, Vergangenheit bzw. Vergangenheitsbewältigung und über soviele andere alltägliche Kleinigkeiten entdecken.
Freunde von Mulisch' "Entdeckung des Himmels" werden wohl auch dieses Buch mögen. LESEN!
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am 6. Juli 2005
Der holländische Dokumentarfilmer Arthur Daane wandert durch das Berlin der späten Neunziger, beobachtet Menschen, sich selbst, sucht nach Szenen im Dämmerlicht, anonymen Spuren der anderen, seiner selbst, des Lebens, der Vergangenheit.
Der Mann hat Frau und Kind verloren, im Austausch gegen die Freiheit, sich beliebig auf der Welt zu bewegen, und er hat sich das zerrissene, vergangenheitsschwangere Berlin als einen der Hauptsitze für sein Dasein gesucht, zumal er hier Freunde hat, Künstler wie er, selbstverständlich - den eloquenten und genau beobachtenden Schriftsteller Arno Tieck, den scheu-originellen Bildhauer Victor etwa. Und dann trifft er auf die junge Elik Oranje, eine Geschichtsstudentin, die sich exzessiv mit einer mittelalterlichen Königin befaßt, zu der es sehr wenig Material gibt. Eine ganz seltsame Romanze beginnt. Auch Elik ist auf der Suche nach glaubhaften Spuren der Vergangenheit.
"Allerseelen" dreht sich um die Bedeutung des Menschen, seinen Nachlaß, um die Nichtexistenz von Zukunft, die Schwierigkeiten bei der Betrachtung der Vergangenheit. Es geht um die Reduktion, die jede Art von Geschehenem erfährt, um die Ausweglosigkeit jedes Rekonstruktionsversuches, es geht um Hoffnung, Selbsterkenntnis und nicht zuletzt Liebe.
Das Buch beginnt spröde, vereinnahmt aber rasch, bietet viele wunderschöne Bilder, intelligente Diskussionen und warmherzig gezeichnete Figuren.
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am 21. Mai 2009
Cees Nooteboom kennt die Deutschen so gut, daß man über der Lektüre neidisch und vornehm blaß werden muss.
Wie kann es einem Niederländer gelingen, derart tief in die seelischen Irrungen und Wirrungen der Neudeutschen einzutauchen? Er beschreibt die Befindlichkeiten der Berliner Gesellschaft um das Jahr 2000 herum, die Geburt einer neuen Nach-Mauer-Epoche und die ihr zugrundeliegenden philosophischen und Politischen Haltungen und Standpunkte. In der Figur eines befreundeten Philosophen beleuchtet der Schriftsteller das Befremden des klassisch Gebildeten in einer neuen, oberflächlichen, ein wenig strukturlosen Zeit des gegenseitigen Nebenander. Ein Philosoph, der in seinem Unbehagen in und mit der aktuellen Kultur nicht versteht, warum es heute möglich sein kann, daß Menschen, die niemals wirklich ein Buch gelesen und hinreichen verstanden haben, akademisch geprägte, gesellschaftliche Rollen spielen dürfen.
Nooteboom beschreibt die Teilung, die Mauer so plastisch, daß man unmittelbar an seine letzte Interzonenreise per IC durch Betonschleusen samt Lokfahrerwechsel erinnert wird, längst Vergessenes drängt sich auf. Er beschreibt die spezifisch Berlinerische, grotesk unfreundliche, halbrussische Menschenspezies der bundesrepublikgeschädigten KDV, Intellektuellen, Linken, Aussteiger, allesamt grundlegende Elemente des sich um die Jahrtausendwende entwickelnden neuen Soziotopsmit Sicht auf Polen. Wo Herr Lehmann im Grotesken seiner Zeit verbleibt, gelingt Nooteboom die kulturell-wissenschaftlich-historische Sicht der Dinge in klar gefaßten, greifbaren, nachvollziehbaren Gedankengängen. Nun gut, eine Liebesgeschichte ist auch dabei, es handelt sich schließlich nicht um Politologie, sondern um einen Roman. Gut gelungene Volkspsychologie, Anregung zur Lektüre, Anregung zum Wiederhören von John Cage, muss gelesen werden. Die Übersetzung liest sich sehr gut. Ich werde mir sicherlich noch mehr von Nooteboom besorgen.
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am 5. Dezember 2007
Cees Nooteboom ist etwas geglückt, was in der modernen Literatur leider nur allzu selten gelingen will. Sein Roman ist mehr als schnöde Lektüre, nämlich ein Wortgemälde, das die Stadt Berlin durch den Protagonisten zu einem wahren und greifbaren Ort macht. Dass es nicht wirklich eine Geschichte gibt, ist da zweitrangig. Und obwohl ich normalerweise relativ schnell lese, habe ich mir hier Zeit gelassen. Denn das verdient das Buch. Jedes Wort muss man fühlen, jedes Bild fast sinnlich entdecken. Und am Ende wundert es einen nicht, dass man mehr mitgenommen hat als eine interessante Leseerfahrung. Denn nach der letzten Seite wird man auch etwas mehr über sich selbst gelernt haben.
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am 4. Januar 2005
Allerseelen hat Cees Nooteboom sein Buch genannt und diese Seelen bilden tatsächlich eine beobachtende Schutzgemeinschaft über den Protagonisten Arthur Daane. Mit seiner Kamera durchstreift er zwanghaft immer wieder das winterliche Berlin, nimmt in lähmender Langsamkeit Bewegungen auf, manchmal sind es nur die Füße in einer U-Bahn oder die schnellen Schritte über verschneite Gehwege. Er trauert. Seine Frau und sein Sohn sind bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen und er findet nur schwer in das normale Leben zurück. Wenn da nicht seine Freunde wären. Freunde, die bedingungslos zu ihm halten, die er zu jeder Tages- und Nachtzeit aufsuchen kann. In einer Bibliothek findet er eine neue Liebe. - Auch jemand, der sich schwer tut, neue Verbindungen zu knüpfen. Aber das Zusammensein hat seinen beglückenden Wert. So recht traut jedoch Daane nicht seinem Schicksal. Er lässt sich als Fotoreporter nach Asien verpflichten und verbringt dort viele Monate. Und seine Liebe verschwindet ohne große Ankündigung. Nun muss er endlich aktiv werden, er reist ihr nach bis nach Holland und bis nach Spanien. Manchmal ist es ein quälend zu lesendes Buch, man möchte dem Protagonisten wirklich einmal die Kamera aus der Hand schlagen und ihm zurufen:" Schau das Leben mit deinen Augen an und fixiere nicht alles durch deine Kameralinse!" Trotzdem ist es ein schönes Buch mit vielen gut beobachteten Detailschilderungen. Gerade, wer Berlin so schätzt wie ich, sollte sich dieses Buch gönnen.
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am 16. Juni 2015
Der Prophet gilt wenig im eigenen Land, dem Schriftsteller geht es zuweilen ebenso. Cees Nooteboom ist so einer, auf den dies zutrifft, die Rezeption seines erzählerischen Werkes ist in Deutschland intensiver als in seiner holländischen Heimat. Neben dem Feuilleton ist dies vermutlich dem Engagement Siegfried Unselds für seinen Autor zu danken, «Allerseelen» hatte den berühmten Verleger, wie er schrieb, beim Lesen an die großen Flaneure des zwanzigsten Jahrhunderts erinnert. Der Handlungsort Berlin kurz nach der Wiedervereinigung erklärt zudem die besondere Beachtung dieses 1999 veröffentlichten Romans in Deutschland, er gilt als der beste Berlin-Roman der jüngeren Zeit.

Arthur Daane, unverkennbar das Alter Ego des Autors, ist geradezu der Prototyp eines Flaneurs, ein 44jähriger niederländischer Filmemacher, der vor zehn Jahren bei einem Flugzeugunglück Frau und Kind verloren hat und inzwischen zum Einzelgänger geworden ist. Sein Beruf zwingt ihm eine unstetige Lebensweise auf, er ist viel auf Reisen und nirgendwo richtig zu Hause, es zieht ihn aber immer wieder nach Berlin, wo er gute Freunde hat. Da ist der deutsche Philosoph Arno Tieck, eine Romanfigur, die an Rüdiger Safranski erinnert, mit dem der Autor befreundet ist, ferner der holländische Bildhauer Victor und die russische Physikerin und Galeristin Zenobia, ein debattierfreudiges Dreigestirn, das sich regelmäßig in einem Pfälzer Weinlokal trifft. Seine älteste Freundin, die in Amsterdam lebende Erna, mit der er fast täglich telefoniert, stellt mit ihrer lebensklugen Art einen Anker für ihn dar, sie erdet ihn regelmäßig, wenn er mal wieder in höheren Sphären schwebt. Denn Arthur, der durch Berlin streift in den Wartezeiten zwischen seinen Filmprojekten, der nicht jeden Auftrag annimmt und nur soviel arbeitet, wie unbedingt sein muss, der Galerien, Ausstellungen, Museen, Bibliotheken besucht, regelmäßig in bestimmten Cafés und Restaurants anzutreffen ist, er betätigt sich auf seinen Streifzügen nicht nur physisch als Flaneur, er ist es auch psychisch. Permanent auf der Suche, ohne genau definieren zu können, was er denn sucht, hat er seine Kamera meistens dabei und filmt für seine private «Sammlung» speziell das, was kommerziell nicht verwertbar ist, unbedeutende Details und Fragmente zumeist, die er irgendwann zu einem großen Ganzen fügen will.

In einem Café trifft er auf eine junge Frau, die extrem verschlossen ist und seltsam abweisend bleibt auch dann, als sie sich näher kommen. Sie arbeitet verbissen an einer Dissertation über eine nahezu vergessene spanische Königin, diskutiert lebhaft mit seinen Freunden, verschwindet aber immer wieder ganz abrupt und ohne Abschied. Als Arthur nach einem mehrwöchigen Filmauftrag aus Japan zurückkommt, ist sie wieder verschwunden, mühsam spürt er sie im Nationalarchiv in Madrid auf. Sie sei schwanger geworden, habe abtreiben lassen, - beide trennen sich im Streit. Als Arthur nach einem Raubüberfall aus dem Krankenhaus entlassen wird und erfährt, sie sei nach Santiago abgereist, widersteht er dem Impuls, ihr nachzureisen.

Der Roman hat abgesehen von der kurzen eingelagerten Beziehungsgeschichte kaum Handlung, er stellt eine Kollage von Episoden, Reflexionen, Theorien über Geschichte, Nationen, Politik, städtische Kultur und vor allem über Kunst dar, von einem auktorialen Erzähler aus Arthurs Perspektive erzählt und von einem der Antike nachempfundenen «Chor» in kurzen Intermezzi kommentiert. Es ist der Kampf gegen das Vergessen, an «Allerseelen» als Gedenken an die Toten zelebriert, der Arthur umtreibt, ihn ausufernde philosophische Diskussionen führen lässt, der Chor aber resümiert am Ende: «Und wir? Ach wir …» Mit seiner Themenfülle und den vielen Bezügen und Querverweisen ist dieser ebenso kopflastige wie blutleere Roman eine Fundgrube für den philosophisch interessierten Leser, permanent zu einem Weiterdenken anregend, welches man kaum als kontemplativ bezeichnen kann.
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am 16. November 1999
Ein ernstes, tiefsinniges und sehr nachdenklich stimmendes Buch. Hervorzuheben sind vor allem die Anfangspassage (Spaziergang durch das winterlich verschneite Berlin) und die zarte Liebesgeschichte. Dazwischen verliert das Buch teilweise sein Tempo und die Abschweifungen nehmen überhand. Alles in allem trotzdem ein empfehlenswertes Buch (besonders dann, wenn man die leisen Töne bevorzugt).
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am 3. August 2007
Jeder Mensch verarbeitet einen Verlust anders. Artur Daane benutzt seine Kamera dazu, Stimmungen, Bilder in einer verschneiten Stadt einzufangen, um so ein Abbild seines Innern zu erschaffen. Allerseelen trifft als Titel des Romans wie selten einer sonst die Gemütslage, die Cees Nooteboom beschreibt. Ein Feiertag, ein Tag, an dem man aussetzt, in sich kehrt, Gräber aufsucht, sich dem Vergangenen stellt. Es ist ein Sinnieren über den Tod ins Leben hinweg, ein Innehalten im ständigen Fluß des Alltags, eine Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit, der Daane durch seinen Beruf ausgesetzt ist.

Und doch bewahrt ihn der Rückzug nicht davor, einer Frau zu begegnen, die ihn wegen ihrer Geheimnisse fasziniert. Arthur Daane ist niemand, der sich auf Grund eines tragischen Schicksal aufgibt, er bleibt nur mitten in der Bewegung stehen, schaut sich um, schaut genauer hin und findet sich wieder, indem er verschüttete Gefühle freilegen kann. Fast ein Liebesroman, ein Roman, der den großen Fragen unserer Zeit nicht ausweicht. Zu Ende gelesen bedauert man es fast.
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am 29. September 1999
Wunderbar und echt Nooteboom: Sobald man glaubt, dass die ganze Philosophiererei nun doch langweilig wird, tritt er einen schnell in den Hintern und bringt einen zurueck auf die Erde. Herrlich, wie der Held nur Fuesse fotografiert. Das tut jemand, der vor Menschen Angst hat. Ein Genuss.
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