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Kundenrezensionen

3,5 von 5 Sternen
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3,5 von 5 Sternen
Des Schweizers Schweiz: Aufsätze (suhrkamp taschenbuch)
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:7,00 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime

am 26. März 2008
Woran erkennt man, dass ein Buch veraltet ist? Vielleicht unter anderm daran, dass ihm vom Verlag nachdrücklich eine "stete Aktualität" bescheinigt wird. Peter Bichsels "Des Schweizers Schweiz" ist ein Paradebeispiel dafür. Die sechs Aufsätze, die das Buch enthält, entstanden zwischen 1967 und 1989; aber jene Schweiz, die Bichsel beschreibt, gibt es längst nicht mehr - und hat es so wahrscheinlich auch nie gegeben. Inzwischen ist die Schweiz seit vielen Jahren Vollmitglied der Vereinten Nationen, die gesellschaftliche Bedeutung des Militärs ist stark zurückgegangen, und Aufenthaltsbewilligungen für Schweizer in der EU gibt es längst nicht mehr. Beim besten Willen: dieses Buch, vom Suhrkamp-Verlag unter Zuhilfenahme sämtlicher editorischer Tricks auf knapp hundert Seiten gestreckt, ist nicht mehr aktuell!

Doch es ist nicht nur die mangelnde Aktualität, die an den Essays stört. Nichts gegen gelungene Provokationen, aber vieles von dem was Bichsel abliefert, wirkt reichlich abgestanden und matt. Man spürt beim Lesen der Essays förmlich, dass Bichsel sich nur zu gerne als Nestbeschmutzer sähe, als "unbequem", wie sich auch Grass, Böll und Jens immer selbst am liebsten sahen. Aber wenn Bichsel seine Landsleute als reaktionär, selbstgerecht und selbstzufrieden darstellt, dreht sich seine Argumentation derart im Kreise, dass man ihm am liebsten zurufen möchte: "Nun gib doch mal Butter bei die Fische." Und abgesehen von mangelnder Argumentationstiefe: Wer wäre nicht gegen Selbstzufriedenheit und -gerechtigkeit? Zudem ist es auch nicht gerade die feine Art, einem ganzen Volk, ob dem eigenen oder anderen, pauschal Fremdenhass zu unterstellen. Auch sprachlich rumpelt es manchmal in den Essays, so zum Beispiel wenn Bichsel die direkte Demokratie als die "idealste" bezeichnet. Wenn er darüberhinaus darlegt, dass die Arbeit eines Malers oder Bildhauers eine "politische" ist, so erinnert das eher an DDR-Rhetorik oder einstmals gängige Sprache in linken Künstlerkreisen. Heute wirkt es eher unfreiwillig komisch, ebenso wie der Beginn von Bichsels anbiedernder Rede vor Arbeitervertretern: "Ich bin stolz, selbst Mitglied der Gewerkschaft Bau und Holz zu sein."

Ein guter Essayband über die Schweiz, der über die gängigen Klischees hinausgeht, müsste also mal wieder geschrieben werden - wie könnte er aussehen? Er könnte durchaus mit einigen spannenden und erfreulichen Fakten aufwarten: Die Schweiz ist einer der wenigen europäischen Staaten, der sich nicht ethnisch definiert. Sie ist eine der offensten Gesellschaften Europas, die es wie wohl kaum eine andere versteht, heimatverbundene Provinzialität mit Weltoffenheit zu verbinden. Und sie ist eine Gesellschaft, die sich im wesentlichen selbst organisiert und regelmässig den Mut findet, bei Volksentscheiden für Ûberraschungen zu sorgen, deren dezentrale, auf Wettbewerbsföderalismus basierende Wirtschaftspolitik staatlichen Bürokratismus von vorneherein begrenzt und dem Einzelnen grossen Freiraum lässt. Und ein solcher Essayband könnte sich reiben, an nach wie vor vorhandenem Bünzlitum und unflexiblem, quadratischen Denken oder am Phänomen Blocher und der dahinter stehenden Gesinnung. Letztendlich aber sollte jener zu schreibende Essay vielleicht zu einem positiven Ergebnis kommen: dass die Schweiz bei weitem nicht so reaktionär ist, wie Bichsel sie gerne gehabt hätte, und die Mehrzahl ihrer Bewohner vielleicht doch nach wie vor bereit ist, "der Freiheit eine Gasse" zu bahnen.
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am 29. September 2004
Bichsels "des Schweizers Schweiz" sollte meines Erachtens nach zur Pflichtlektüre eines jeden Schweizers gehören; aber auch wenn man sich nicht zu den stolzen Eidgenossen zählen darf, ist dieses Werk sehr empfehlenswert. Es zeigt Mechanismen auf und hinterfragt auf ernüchternde Weise Verhaltensmuster der Schweizer. Auch wenn die Essays zeitlich nicht mehr ganz frisch sind, haben diese keineswegs an Aktualität verloren - ganz im Gegenteil. Leider.
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