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Kundenrezensionen

4,8 von 5 Sternen
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am 8. Dezember 2015
Der Text Bernhards wird durch die Vorlese- und Vortragskunst Holtzmanns noch verstärkt und bewirkt dadurch eine sehr viel intensivere Auseinandersetzung mit dem Text als es das alleinige Lesen erreichen würde, denke ich. Das gilt auch für Wittgensteins Neffe und Holzfällen.

Für einige Leser wird vermutlich Bernhard erst durch die Stimme von Holtzmann erlebbar und erträglich. Auf jeden Fall ist es eine amüsante und verblüffende Erfahrung. Wenn ich jetzt Bernhard lese, habe ich meist die Stimme Holtzmanns im Kopf, was mir aber sehr angenehm ist.

Die CD Fassung ist ganz geringfügig gekürzt, was mich aber nur an einer Stelle gestört hat, und zwar als es um die Charakterisierung des Burgenlandes (Herkunft Irrsigler) ging.
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Um alte Meister und große Geister dreht sich Thomas Bernhards rabenschwarze Komödie, ein sich im Sprachwitz dramatisch entfachendes Feuerwerk. Reger, ein extrem negativ eingestellter Musikphilosoph, dessen Artikel in der britischen »Times« erscheinen und folglich in Österreich unbekannt bleiben, bestellt seinen Freund und Verehrer Atzbacher, einen Schriftsteller, der seit 17 Jahren an einem Werk schreibt, ohne auch nur eine Zeile davon veröffentlicht zu haben, ins Kunsthistorische Museum. Dort hockt er in fester Gewohnheit seit dreißig Jahren jeden zweiten Vormittag, um Fehler in den Bildern der alten Meister zu entdecken. Fast immer trifft man ihn im Bordone-Saal vor dem »Bildnis eines weißhaarigen Mannes« von Tintoretto, wo er auch seine Frau kennen lernte, deren Tod er nur durch Pflege seiner regelmäßigen Ticks zu überwinden glaubt. Hier sinniert Reger ungestört und bei stets gleicher Temperatur darüber, was in der Welt, besonders jedoch in Österreich, schlecht ist. Dritter im Bunde ist der Museumsaufseher Irrsigler, ein einfältiger Burgenländer, der sich im Laufe der Jahre Regers Sichtweise angeeignet hat und ihn immer wieder gern zitiert.

Reger philosophiert über die Unerträglichkeit der Staatskunst. Er zerfetzt das literarische Waldesrauschen eines Adalbert Stifters, diesem literarischen Umstandsmaler mit stümperhaftem und verlogenem Stil, als unerträglichen Kitschmeister. Er bezeichnet Anton Bruckner mit seinem religiös-pubertären Notenrausch und stupidem, monumentalen orchestralen Ohrenschmalz als einen Komponisten, der die Musik verwischt habe. Er nimmt den Philosophen Martin Heidegger aufs Korn, diesen lächerlichen nationalsozialistischen Pumphosenspießer und verheerend größenwahnsinnigen Voralpenschwachmatikus, der fremde große Gedanken mit der größten Skrupellosigkeit zu eigenen kleinen Gedanken mache. Lediglich die Toiletten im »Hotel Ambassador«, wo er jeden Nachmittag zu finden ist, haben es ihm wegen ihrer Reinlichkeit angetan.

Bernhard schafft mit seinem aus einem einzigen Gedanken gezogenen Text in Reger die Figur des Anti-Künstlers, eines Menschen, der sich darin versteht, anerkannte »große« Kunstwerke abzuwerten und in Frage zu stellen. Er greift damit direkt den überlebten Geniemythos des 19. Jahrhunderts an und versucht, ihn zu zerstören.
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Thomas Bernhard beschließt mit "Alte Meister" die 'Trilogie der Künste', die mit "Der Untergeher" ihren Anfang und durch "Holzfällen" fulminant fortgesetzt wurde. Auf zweithundert Seiten erstreckt sich ein gigantisches Panorama an literarischen, musikalischen und kunsthistorischen Bezügen, die durch bitterböse Analyse und Kritik demontiert und verunglimpft werden.
Thomas Bernhard "erzählt" die Geschichte von zwei alternden Herren, die sich alle zwei Tage im kunsthistorischen Museum treffen, um dort vor Tintorettos Gemälde "Weißbärtiger Mann" zu sitzen und über Kunst und Literatur, das Leben und das Sterben zu reden.

Dabei unterteilt sich der bernhardsche Monolog in zwei Abschnitte: der Ich-Erzähler Atzbacher begibt sich eine Stunde vor dem eigentlichen verabredeten Zeitpunkt ins Museum und beobachtet seine "Verabredung" Reger und reflektiert; seien es Gesprächsinhalte, Meinungen oder geäußerte Kritiken: der Leser erhält ein glänzendes Bild der scharfzüngigen Dialoge. Dabei verliert sich Reger stellenweise zwar in (un)geahnte Hasstiraden, das Miterleben derselbigen macht jedoch - typisch Bernhard - sehr viel Freude. In der zweiten Hälfte treffen die beiden alten Männer (oder Meister?) aufeinander, setzen sich vor Tintorettos Gemälde und unterhalten sich.

Wie es der Leser von Thomas Bernhard gewohnt ist, sind die zweihundert Seiten (in der Suhrkamp Werkausgaben-Edition) absatzlos und durchgängig geschrieben. Dem Leser wird keine Zeit gegeben, sich auszuruhen, sich von den philosophischen, zynischen Exkursen in die klassische Musik, die klassische Literatur oder klassische Kunst zu erholen. Das Mitdenken, teilweise sogar eine Internetrecherche werden vorausgesetzt, insofern man die benannten Stücke, Gemälde oder literarischen Texte nicht kennt - sprechen die beiden nämlich über ein bestimmtes Kunstwerk und der Leser kennt es bereits oder hat es auf seinem heimischen Bildschirm wird aus dem Sezieren, dem Zerstückeln und Demontieren seitens Reger ein visuelles Geschehen. Aber nicht nur die Künstler und Dichter bekommen die intellektuelle Bratpfanne über den Hinterkopf geschlagen, nein, auch Lehrer, Haushälterinnen und Ärzte (und viele mehr) bekommen einen kräftigen Schlag versetzt.

Der Untertitel "Komödie" ist dabei wörtlich zu nehmen, denn zu keinem Zeitpunkt hat Thomas Bernhard so viel Spaß gemacht wie in "Alte Meister". Die Unbändigkeit, die Stringenz der Boshaftigkeiten und Kritik lassen einen durchweg schmunzeln - und das Schöne ist, dass ich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl hatte, dass Bernhard sich wiederholt und Altbekanntes erneut verwendet. Die eingebaute, tragische Liebesgeschichte erhält zwar keine solch durchdringende Intensität wie die Familiengeschichte in "Korrektur", dennoch wissen auch diese Sequenzen zu überzeugen.
Der Satz "Der denkende Mensch ist von Natur aus ein unglücklicher Mensch" (S. 68) steht dabei jedoch stellvertretend für die Thematik des ganzen Romans, denn die ständige Analyse und das daraus resultierende fehlende Können, ein Buch oder Gemälde wirklich genießen zu können, machen aus den alten Männern traurige, bemitleidenswerte Gestalten, die außer ihren sich wiederholenden Treffen nichts mehr besitzen, dass ihnen Glück verspricht.

Die Ausgabe vom Suhrkamp-Verlag ist erneut ein bibliophiler Hochgenuss. Der schöne Einband, das Lesebändchen und das spannende sowie interessante Nachwort runden das - ohne Zweifel - brillante Werk Thomas Bernhards gekonnt ab. Durch den hohen Preis ist diese Ausgabe unter Umständen aber eher etwas für Bernhard-Fans oder für Sammler toller Werkausgaben.

Abschließend zitiere ich erneut das 'enfant terrible' der deutschsprachigen Literatur:
"Wir können anschauen, was wir wollen, wir können hingehen, wo wir wollen, wir schauen nur in Bosheit und Niedertracht und in Verrat und Lüge und in Heuchelei und immer nur in nichts als in absolute Niedrigkeit hinein, gleich was wir anschauen, gleich, wo wir hingehen, wir sind mit Bosheit und mit Lüge und Heuchelei konfrontiert." (S. 131f.)
In diesem Sinne: Viel Spaß beim Lesen.
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am 1. Juli 2011
Die Handlung von "Alte Meister" orientiert sich an einem Bericht der Romanfigur Atzbacher. Hauptfigur ist jedoch der 82jährige Reger, ein äußerst kunstbeflissener und nicht weniger pedantischer Kolumnist der Times, der jeden zweiten Tag außer Montag das Kunsthistorische Museum in Wien besucht und es sich dort seit Jahrzehnten, auch über den Tod seiner Frau hinaus, zur Gewohnheit gemacht hat, reglos auf der Bordone-Saal-Sitzbank sitzend das Gemälde "Der weißbärtige Mann" von Tintoretto zu studieren. Reger besitzt die seltsame Eigenschaft, jedem Kunstwerk auch noch der berühmtesten oder wegen ihrer Meisterschaft geschätztesten Künstler bis ins kleinste Detail auf den Grund gehen zu wollen und deren fundamentale Fehler aufzuzeigen. Atzbacher selbst, ebenso Pedant wie Reger, ist Schriftsteller, der bislang noch kein einziges schriftstellerisches Werk vollenden und daher auch nicht veröffentlichen konnte. Reger hat Atzbacher zu einem Treffen ins Museum gebeten, um diesem - wie Atzbacher glaubt - etwas wichtiges mitzuteilen...

Auf den ersten Blick liest sich "Alte Meister" wie ein typischer "Bernhard". Der Text ist wie für Bernhard typisch geradezu musikalisch orchestriert, und der Leser wird gleichsam in die Handlungsstränge des Romans "eingesogen". Die Sprachmelodik der breiten Raum einnehmenden Schimpftiraden der bernhardschen Charakterere erreicht immer wieder in wellenartiger Regelmäßgkeit seine Höhepunkte, was den Roman zu einem echten Leseerlebnis macht. Die gesamte Partitur der zentralen bernhardschen Themen wie die Schmähung Österreichs und seiner Einrichtungen, Menschen- und Massenfeindlichkeit, die Pedanterie und das Außenseitertum der Hauptfigur, das Scheitern an einer Sysiphos-Aufgabe, Anziehung zum und Abstoßung vom Kunstbetrieb sowie elitäre Kunstbetrachtung wird zudem in breitem Unfang bedient. Hiermit könnte man sich vielleicht noch zufrieden geben, wenn nicht inmitten der immer wieder von neuem abgefeuerten und sich über Seiten hinweg ausgebreiteten Schmähtiraden der Verdacht aufkäme, dass das Nörgeln zu einem reinen Selbstzweck geworden ist. Viel zu oft hat man als Leser leider den Eindruck, dass dem Konstrukt des fortwährenden Anprangerns und Verunglimpfens der rechtfertigende Unterbau fehlt. Sicher wird man auch bei vielen anderen Werken Bernhards stellenweise den Eindruck haben, dass das "Warum" des Nörgelns nicht einsichtig wird, bei keinem jedoch zeigt sich dieser Befund so deutlich wie bei "Alte Meister". Nicht zuletzt die - überschaubare - Handlung leidet unter der missglückten Gewichtung der Nörgelpassagen, die für sich gesehen deutlich über die Hälfte des Textes ausmachen. Eine nähere Begründung für all dies wird nicht geliefert. Vielleicht mag Bernhard mit dem Untertitel "Komödie" noch den Gedanken gehabt haben, dieser solle das Ausmaß dieser Fehlgewichtung glattbügeln. Überzeugend ist dies insgesamt dennoch nicht. Schließlich ist bemerkenswert, dass der Roman letztlich mit einer vergleichsweise einfallslosen Botschaft daherkommt. Die alten Meister, so Reger am Ende, seien kein Ersatz für einen geliebten Menschen. Eine Botschaft, die gewiss nur jenen als erhellend erscheint, die sich von der Wirklichkeit längst in den literarischen Elfenbeinturm zurückgezogen haben - am Ende wohl nur Thomas Bernhard selbst.
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am 30. Juni 2008
Der Musikphilosoph Reger, der seit 36 Jahren jeden zweiten Vormittag (ausser montags) ins Wiener Kunsthistorische Museum geht (der Nachmittag wird im Ambassador verbracht), um dort im Bordone Saal gegenüber Tintorettos Bild "Der weißbärtige Mann" über den Sinn des Lebens, die Kunst, Politik und viele andere Themen zu sinnieren. Der Platz auf der Sitzbank im Bordone Saal wird Reger seit Jahrzehnten vom treuen Saaldiener Irrsigler (der den Job nur gewählt hat, weil er, nachdem er bei der Polizei wegen physischer Schwächen ausgemustert wurde, sich zugunsten der Uniform, aus rein praktischen Gründen, entschieden hat) quasi reserviert. Der 82-jährige Reger bittet Atzbacher (ein Schriftsteller, der sich dem Veröffentlichtwerden verweigert- ein Alter Ego Thomas Bernhards) ausnahmsweise an einem darauffolgenden Tag (noch dazu ein Samstag, ein Tag an dem Horden von lauten russischen, italienischen und anderen Touristen durchs Museum geschleift werden) um 11.30 zu einem Treffen. Das Buch beginnt damit, dass Atzbacher Reger aus einem benachbarten Saal heraus beobachtet, da er sicherheitshalber zu früh gekommen ist, um dann pünktlich um 11.30 vor Reger erscheinen zu können. Den Grund für diese Inkonsequenz Regers erfahren wir erst am Schluss. Vor der Erklärung lesen wir Regers Gedanken und Schimpftiraden, bei denen u.a. die österreichische Politik, Adalbert Stifter, Anton Bruckner, Staatskünstler, Burgenländer, Haushälterinnen, Kirchendiener (ja sogar der Papst) und die Toiletten in den Wiener Kaffeehäusern schlecht aussteigen. "Alte Meister" ist wahrscheinlich auf den ersten Blick das heiterste Buch Thomas Bernhards, wobei diese Heiterkeit an der Oberfläche bleibt, wie in jeder doppelbödigen Komödie ist das Heitere eigentlich das Traurige und vize versa. Irgendwie ist dieses Buch aber auch das einzige Buch Thomas Bernhards, das so etwas wie eine Liebesgeschichte in sich birgt. Regers Liebe zu seiner verstorbenen Frau ist für mich der emotionelle Mittelpunkt in diesem als Komödie betitelten Prosawerk. Der Schluss ist überraschend und arabesk heiter.
Thomas Bernhards Prosa ist einzigartig, unvergleichlich und überhaupt nicht spröde, sie ist spritzig, geistreich und fesselnd. Um ein Meisterwerk wie "Alte Meister" wirklich genießen zu können, sollte man vielleicht doch einen ganzen Abend (inkl. Nachmittag...) Zeit haben, oder das Buch maximal auf 2-3 Tranchen aufgeteilt lesen, da es sich nur dann in seiner Schönheit entfalten kann, wenn man Thomas Bernhards Linien so folgen kann, wie er schreibt, also im Prinzip, ohne Absätze und einem Zug.
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am 1. April 2010
Ich bin Schülerin und ich habe dieses Buch in der Schule gelesen.
Das sagt denke ich schon einiges über die Qualität des Buches aus, wenn es mir trotzdem gefallen hat. Derweil ist es auch das einzige Buch, dass ich von Thomas Bernhard kenne und gelesen habe und ich fands zum Todlachen.
Was mich jedoch fasziniert hat, war, dass ich eine der wenigen in der Klasse war, der das Buch wirklich gefallen hat. Gut, die Niederösterreicher haben schon gelacht, als Berhard über die Burgenländer hergezogen hat, aber wirklich begeistert waren sie nicht, aber so ist das nunmal, wenn man etwas in der Schule liest. Ich, für meinen Teil, hatte fast das ganze Buch hindurch einen Grinser auf den Lippen (was ich normalerweise nur beim SMS schreiben habe^^) und ich halte Bernard (jetzt von meinem überaus niedrigen literarischen Wissensstand her) für einen der witzigsten österreichischen Autoren ever, obwohl er schon einen kleinen Knall gehabt haben muss (aber welcher Künstler, oder besser noch Mensch, hat das nicht?).
Also auch wenn ich mich jetzt widerhole: Ich habe das in der Schule gelesen und es hat mir trotzdem gefallen. Es muss gut sein!!!
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am 5. Januar 2011
"Alte Meister", eine grandiose Abrechnung mit dem Kunstbetrieb (sowohl der Kunstschaffenden als auch der selbst ernannten so genannten Kunstkritiker). Eine Komödie im Romanformat aus dem Jahr 1985. Jeder (oder fast jeder) bekommt hier sein Fett weg: Stifter, Heidegger, die Kunstkritiker, die Lehrer und vor allem immer wieder Österreich. Bernhard bewegt sich hier wie selten zuvor zwischen anarchischer Polemik und geist- und wortreichem Witz. Es finden sich Sätze und Denkschöpfungen von unendlicher Schönheit in disem Roman (etwa: "...Heidegger:der Denkspießer, ein urdeutscher Philosophiewiederkäuer, eine unablässig trächtige Philosophiekuh, die auf der deutschen Philosophie geweidet und darauf jahrzenhtelang ihre koketten Fladen fallen gelassen hat..."). Der Roman, besser die Komödie, liest sich ungemein geschmeidig, Bernhard, der "Sprachbeherrscher", verführt den Leser zu einer zügigen, dennoch intensiven Lektüre, die als ein guter Einstieg in das Werk des Autoren gelten kann. Pflichtlektüre sollte die Komödie allen Kunstkritikern sein, die glauben vor Genialität zu strotzen, wenn sie, sprachlich verarmt und unausgebildet, einen beliebig austauschbaren deutschen Gegenwartsrunterhaltungsroman zum Meisterwerk der Weltliteratur ernennen oder eine notdürftig zusammengeklebte Ausstellung von Skizzen eines zweitrangigen Provinzmalers als einmalig preisen. Bleibt nur zu sagen, dass derjenige, der den Text ernst nimmt, selber schuld ist.
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am 14. Dezember 2016
Die Schwäche der alten Meister und der Kunst überhaupt liegt darin, dass sie uns - obwohl wir sie in guten Tagen als einzig selig machende Gefährten gewählt haben - dann, wenn es eng und schwierig wird, nicht helfen können; sich für unser Leben also schlicht als sehr unzureichend erweisen, sagt Reger.

Obendrauf setzt unser Erzähler das Faktum, dass es noch nicht einmal diese besondere Zuspitzung braucht. Nein, schon wenn man Satz für Satz eines Klassikers genau ins Auge fasst und analysiert, beginnt das Meisterwerk zu bröckeln und es bleiben nur Enttäuschungen. Besonders Stifter, Bruckner und Heidegger blüht im Buch dieses Schicksal (vermutlich kann im Falle Stifter niemand, der schon mal den Witiko zu lesen versucht hat, widersprechen).

Soweit, so bekannt, möchte man sagen. Wie soll uns auch dieses geniale aber doch tote Zeug bei unserer konkreten Lebensbewältigung helfen? Es ist eine neue Unmöglichkeit, die uns Bernhard serviert und wortreich beklagt. Da sitzt Reger im kunsthistorischen Museum und sinniert über diese Fakten im Angesicht des weißbärtigen Mannes von Tintoretto, der als Ideal genauso brüchig ist, wie alle anderen - noch dazu einen Doppelgänger in England hat - und ihm trotzdem bei seiner Betrachtung als immerwährendes Labsal dient.

Außerordentlich für einen Roman Bernhards ist die Errettung, die uns der Erzähler schildert.

Eines Tages setzt sich im Museum eine Frau neben ihn auf die Bank und erweist sich bei näherer und unvorhergesehener Bekanntschaft als seine eigentliche Lebensrettung. Als Lebensinhalt. All die Jahre an seiner Seite. All die Jahre bis zu ihrem Tod.

In Erinnerung bleibt, dass Reger dann nach einigen Wochen Schockstarre nach ihrem Tod seine Rituale wieder aufnimmt. Er geht wieder ins Museum. Er trifft einen alten Freund. Er möchte wieder ins Burgtheater. Kleist! Der zerbrochene Krug! Schon wieder so ein alter Meister. Eine entsetzliche Vorstellung.
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am 1. August 2004
Thomas Bernhard. Alte Meister. Ein typisches Spätwerk des Autors. Der typische Humor. Das typische Beschimpfen der Welt, insbesondere Österreichs und der katholischen Kirche. Doch eines ist anders als bei den übrigen Werken. Es ist ein Liebesbuch. Wiedergegeben werden in ihm die Gedanken und Wort Regers, eines 82-jährigen "Musikphilosophen". Dieser hat vor ca. einem Jahr seine Frau verloren, mit der er zuvor jahrzehntelang zusammen gelebt hatte. Als diese plötzlich starb, wurde Reger erst bewusst, dass die von ihm sehr geliebte Frau das Höchste war, das er besaß. Die Kunst, von Reger sein Leben lang als das Höchste angesehen, kann ihm die Frau nicht ersetzen. Diese und weitere Gedanken Regers werden von Bernhard auf höchst ergreifende und rührende Weise geschildert. Wie fast sämtliche Werke Bernhards kann ich Alte Meister bedenkenlos empfehlen.
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am 31. Oktober 2014
Man kann über Reich-Ranicki denken, was man will und sicherlich hat er das Bernhard-Bild vielen Lesern auf lange Zeit verstellt. Womit er allerdings Recht hatte ist dies: jeder gute literarische Text müsse doppelbödig sein. So wie auf die meisten anderen Texte Bernhards, trifft diese Aussage auch auf Alte Meister zu.
Auf der Oberfläche von Alte Meister vollzieht sich eine gewaltige Kritik am Pakt der Kunst mit der kirchlichen und staatlichen Macht, an ihrer Tendenz sich generell auf die Seite der Macht zu stellen, anstatt der Aufklärung und dem Fortschritt der Menschheit zu dienen, wie am Bedürfnis des Menschen zu lügen und zu verfälschen, dem Bedürfnis nach blinder Harmonisierung also im Allgemeinen. Und unter dieser Oberfläche zerbröckelt diese Kritik an der menschlichen Unzulänglichkeit solchen "idealen Forderungen" (nach Ibsens Wildente) zu entsprechen.
Das Buch zeichnet sich aus durch eine virtuose Verwebung von Zeitebenen, ein Wechselspiel von Motiven und einen zurückhaltenden Beobachter (Atzbacher), dessen Urteil über Reger der Leser genauso gerne dem Text entnehmen würde, wie er sich einen Einblick in Regers "Denkgeheimnis" wünschte.
Das ist eines der Bücher, das noch bei der dritten Lektüre neue Details offenbart.
Aber auch ohne tieferes Eindringen wird der Leser unterhalten, wenn Bernhard seinen Wortwitz auf Geistesgrößen anwendet und Karikaturen aus ihnen macht.
Allen Leuten, die nicht unbedingt einen klar chronologisch strukturierten Plot brauchen, sei dieses Buch also empfohlen.

PS: Was das Wort "Trilogie der Künste" angeht, so ist das eine künstliche Einteilung, die aus der Literaturwissenschaft stammt, kommt also auf keinen Fall von Bernhard selbst. Das wollte ich nur anmerken.
Wiewohl eine solche Einteilung bequem ist, erklärt sie meines Erachtens nicht eben viel.
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