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Kundenrezensionen

4,6 von 5 Sternen
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am 12. November 2005
Lems Erzählung quellt über von "futurologischen" Einfällen und damit einhergehendem sprachlichen Witz. Anfangs erscheint der Verlauf der Erzählung etwas willkürlich, so als ob Lem diese Geschichte nur zum Anlass nimmt, um in Form einer literarischen Fingerübung eine Reihe von Ideen zu sammeln und auzuprobieren. Doch in der zweiten Hälfte des Buches beginnen sich die an Nonsens grenzenden Ideen allmählich zu einer bitterernsten Darstellung einer möglichen Welt zu strukturieren: einer Welt der "Pharmakokratie", in der die schmutzige Wirklichkeit hinter dem halluzinogen erzeugten schönen Schein verschwindet ("Realyse").
Spätestens dann wenn das tatsächliche Ausmaß der "Realyse" ans Licht kommt, wird dem Leser klar: Diese Erzählung ist vor allem ein rasendes Gedankenexperiment (ein spielerisch umgesetzter Vorgänger vom Film "Matrix"). Anders als in seinen großen Romanen (u.a. "Fiasko") schert sich Lem diesmal nicht um wissenschaftlichen und anthropologischen Realismus (der ihn himmelweit über den durchschnittlichen Science-Fiction-Literaten hebt), aber er beweist dafür, dass er die gewöhnlichen Science-Fiction-Fantasien dermaßen im kleinen Finger hat, dass er mit ihnen ein tragikomisches und gedankenreiches Spiel treiben kann, das wie nebenbei zum Spiegel unserer Wirklichkeit wird.
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am 9. September 2003
Viele Menschen, die ich kenne, haben den Futurologischen Kongreß nach circa 20 Seiten aus Kapitulation vor der unheimlich dichten Handlung wieder zurück ins Bücherregal gestellt. Und in der Tat, hier passiert auf den ersten Seiten mehr als in anderen kompletten Romanen. Die Ereignisse überschlagen sich förmlich, für den einen oder anderen möglicherweise zu viel des Guten.
Leider. Denn der Anfang im Hotel ist erst ein Vorgeschmack auf die eigentliche Haupthandlung, die auf alles bis dahin Gebotene an Unterhaltungswert, Kreativität, Wortwitz und überraschenden Wendungen noch eins draufsetzt. Man wird mit offenem Mund und offenen Augen auf die Buchstaben starren, sich bewusst werdend, dass Erfindungen wie die Matrix im Grunde gar nicht mehr als eine aufgeblasene Zelluloid-Variante von Stanlislaw Lems genialen Ideen sind. Mehr Andeutungen zum Inhalt würden jedem, dem dieser Lesespaß bisher vergönnt war, allerdings zu viel vorweg nehmen.
Es sei nur so viel gesagt: Wer hier nicht zuschlägt, dem entgehen die vielleicht kurzweiligsten 140 Seiten der Literatur-Geschichte.
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am 2. Oktober 2001
Literarisch auf allerhöchstem Niveau, sprachlich packend, inhaltlich zum Denken anregend - fängt man an, dieses Werk zu lesen, so kann man gar nicht mehr aufhören! chapeau bas. Eines der packendsten und wertvollsten Bücher des 20. Jahrhunderts. Ein Muss für jeden Liebhaber... mit Science Fiction hat das wenig zu tun, so reell wirkt es in den heutigen Tagen. Der Film "Matrix" kopiert zwar einzelne Elemente aus diesem Buch, bleibt jedoch weit hinter der Story, dem Einfallsreichtum und den Reflexionen dieses Werkes zurück. Ich lege es jedem ans Herz, der beim lesen auch gerne denkt.
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am 19. September 2004
Ijon Tichy, Held vieler Lem-Romane und Erzählungen, besucht einen futurologischen Kongreß in einem revolutionsgefährdeten südamerikanischen Staat. Die Futurologen scheinen in ihrem Luxushotel gut abgeschirmt - als die Rebellen dennoch angreifen, setzt die Regierung neuartige chemische Kampfstoffe (sog. „Benignatoren") ein, um die Rebellen in friedfertige, ungefährliche Zeitgenossen zu verwandeln. Unter dem Einfluss dieser Halluzinogene beginnt für Tichy eine unglaubliche Irrfahrt, bei der sich Realität und Fiktion mehrfach vermischen. Sie führt ihn in eine nahe Zukunft, in der sämtliche Wahrnehmungen und Empfindungen der Menschen durch chemische Stoffe gesteuert werden und in der nur wenige Individuen das Recht und die Möglichkeiten besitzen, die „Wirklichkeit" wahrzunehmen. Als Tichy diese „Wirklichkeit" erblickt, sieht er eine sterbende Welt für die es keine Hoffnung zu geben scheint.
Lem schildert die Geschichte dieser düsteren Zukunftswelt mit einem solchen Feuerwerk an brillanten Ideen, unerwartenden Wendungen und genialen Wortschöpfungen, dass die Lektüre einer Achterbahnfahrt gleicht - man kommt kaum zum innehalten und kann nicht fassen, dass das (Lese-)vergnügen so schnell zu Ende sein soll. Die große Vielzahl interessanter und durchdachter Einfälle zu möglichen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Entwicklungen ist typisch für Lem und macht ihn - auch im komischen - zu dem Meister der anspruchsvollen Science-Fiction.
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am 4. Januar 2000
Schicht über Schicht türmen sich die Realitätsebenen in diesem Abenteuer des Sternenfahrers Ijon Tichy, schon nach zehn Seiten weiss man nicht mehr, was wahr ist und was nicht - Tichy geht es allerdings auch nicht besser. In atemberaubendem Tempo rast er durch diese ebenso unglaubliche wie ungeheure Geschichte, und wenn der Alptraum endlich vorüber ist, bleibt eine nachhaltige Beklemmung, denn: Ist das die Realität, was ich sehe, oder ist es auch nur eine weitere Ebene ... ?
Spannender und beunruhigender als beispielsweise der Kinofilm 'The Matrix' ist 'Der futurologische Kongress' eines der besten und wichtigsten Bücher zum Thema VR - und wird täglich aktueller. Ein Meisterwerk von Stanislaw Lem - und eine unbedingte Empfehlung! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 10. Mai 2006
Voller Details steckt dieses kleine Buch, voller absurdem und hintergründigem Humor, voller Wortschöpfungen und Überraschungen.
Wie die Erinnerung an einen Fiebertraum mag es einem im Nachhinein erscheinen und doch wird man fast traurig sein, dass es nach knapp 140 Seiten schon zu Ende war.

"Der futurologische Kongreß" blieb mir weit lebendiger in Erinnerung als viele 1000 Seiten Schmöker. Manch anderes Werk über das momentan beliebte Thema Realität wirkt dagegen, sei es Film oder Roman, plötzlich belanglos.

Für Fans von Utopien, die es mit ein wenig Anspruch aufnehmen, ist es ein Pflichtkauf. Allen anderen sei es wärmstens empfohlen, als ungewohntes Leseerlebnis.
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am 28. August 2015
innerhalb von 3 tagen durchgelesen - der schreibstil ist etwas gewöhungsbedürftig, hat man sich jedoch eingefuchst - macht es spass und hat sogar ein amüsantes ende. ich würde es nicht nochmal lesen, aber um auf endzeitszenariogedanken zu kommen bzw. sich entführen zu lassen ist es einen ausflug wert.
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am 19. Juni 2009
"Der futurologische Kongress" ist ein skurriles Meisterwerk, voll von schwarzem Humor und düsteren Prognosen. Verschiedene Schichten der Realität mischen sich darin so stark, dass man stellenweise an seinem eigenen Verstand zu zweifeln beginnt. Nebenbei schafft Stanislaw Lem eine Vielzahl an zukünftigen Begriffen, die ihresgleichen sucht und gelegentlich schon stark verwirren kann. Dem Titel zum Trotz hat das Buch allerdings nicht allzu viel mit Science Fiction zu tun - es handelt sich eher um ein Gedankenexperiment, dessen Elemente vielfach von der moderneren Science Fiction aufgegriffen wurden (Beispiele: Total Recall, Matrix, eXistenZ, Die Uhrwerk-Orange u. ä.).

Interessant ist vor allem, wie es dem polnischen Autor gelungen ist, neben all der Düsterkeit, die dieses Werk zweifellos umgibt, den bei ihm schon immer latent vorhandenen Humor einzubauen und auf die Spitze zu treiben. Das funktioniert nur stellenweise über Situationskomik. Der Großteil des Witzes wurzelt allein in Stil und Sprache. Es macht einfach unglaubliche viel Spaß, die Dialoge zwischen der Hauptfigur und dem nicht minder skurrilen Professor Trottelreiner zu verfolgen.

Aber auch wenn der Faktor "Humor" in diesem Werk um einiges höher ist, als in den anderen Büchern von Stanislaw Lem, verliert man nie den ernsten Hintergrund der Geschichte aus den Augen. Gerade dieser Teil ist es nämlich, der das Buch trotz seiner geringen Seitenanzahl so wichtig macht und einen Eindruck im Leser hinterlässt, den andere Romane auf 1000 Seiten nicht schaffen. Die ständige Frage: "Was wäre, wenn die Welt ganz anders aussieht, als wir sie wahrnehmen?" wird hier auf eine Art und Weise beantwortet, die bei genauerer Betrachtung das Blut in den Adern gefrieren lässt. Nicht ob der Abstrusität von Lems Antwort, sondern einfach aufgrund dessen, dass die Vorstellung, es könnte so sein wie im Buch, gar nicht einmal so abwegig ist. Eine Meisterleistung des Autors, die ihresgleichen sucht und nur mit der Höchstnote belohnt werden kann. Der Begriff "Meilenstein" wird heute geradezu inflationär verwendet - auf dieses Buch trifft er jedoch ohne Vorbehalte zu.
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am 16. Januar 2015
Vor allem der Sturz in die Zukunft aus dem Keller heraus ist eine Reise in die Gegenwart. Darum sind Autor und Held auch in der Welt der unbegrenzten Möglichkeiten nicht gelandet. Lem reicht uns – das Gift der Gerechtigkeit, der hohlen hohen Liebe und des Glaubensrausches. Und warum schnauben die Menschen der schönen neuen Welt? Das ist unsere Hetze, die Jagd nach dem Schein ohne wirkliche Arbeit. Was haben wir unter dem Schönen Braten? Einen Haufen – DrecksArbeit Schuld Schulden und ein falsches Bewusstsein – unterm Knusper liegt der Knauser, wahrscheinlich die Sparsamkeit als schlimmstes der Übel, der ganze Batzen furchtbarer Hoffnung. Nicht die Tatsache, dass Pandora die Hoffnung nicht aus der Büchse lässt und Lem den Protagonisten und Leser auch zurückhält, ist das Übel, sondern das Prinzip Hoffnung selbst ist es am Ende, und damit wo es hingehört.

Das ist eine schwer lustige und höchst hintersinnige Sci-Fi-Parodie. Nur Lachen siegt über die blöde Zukunfts-Hoffnung und Witz hilft uns gegen die leeren Waren-Wünsche der Gegenwart.
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am 1. Januar 2006
„Der futurologische Kongreß“, an dem Wissenschaftler aus aller Welt, darunter der Raumfahrer Ijon Tichy, teilnehmen, steht dieses Jahr unter keinem guten Stern. Auf der Strasse kämpft eine brutale Militärregierung mit Insurgenten, schon bald werden auch die Teilnehmer des Kongresses in die Kämpfe verwickelt und müssen in die Kanalisation flüchten, um den chemischen Kampfstoffen zu entkommen. Immer wieder verliert Tichy das Bewusstsein, schläft ein oder halluziniert, bis er Wirklichkeit und Einbildung kaum mehr voneinander unterscheiden kann.
Tichy wird nach schweren Verletzungen in Tiefschlaf versetzt und erwacht im Jahre 2039, wo mittlerweile das Zeitalter der Psychemie (Wortschöpfung aus „Psyche“ und „Chemie“, in der Bedeutung dem heutigen Begriff „Neuro-Chemie“ nicht unähnlich.) angebrochen ist. Alle Sinneseindrücke und Empfindungen werden mit Drogen beeinflusst, es gibt keine Wirklichkeit mehr, die nicht chemisch manipuliert wäre. Besucher eines Kaufhauses etwa, werden schon vor dem Eintreten mittels eines Zerstäubers über der Tür, in eine chemische Wolke gehüllt, welche die entsprechenden Gefühle provoziert und einem in Kauflaune versetzt.
Widerständler gegen das Regime werden gnadenlos mit „Nächstenliebe“ bombardiert, bis sie sich um Schläge bettelnd vor ihren Feinden auf die Knie werfen. Aber die lückenlose Manipulation klappt nicht immer: Auch Polizisten bekommen Prügel, nachdem sich ihre Sauerstoffmasken als durchlässig erwiesen haben, und bitten die Revoluzzer um ein paar zusätzliche „Watsch´n“.
Ausser minderwertiger Nahrung wird nichts mehr produziert in dieser Welt, wozu auch? Geht man ins Kino, Theater, zur Wahl, ins Freibad oder auf Urlaub, genügt ein sanfter Sprühstoß über der Eingangstür. Man glaubt dann nur noch, man wäre in Urlaub gewesen, hätte einen Film gesehen oder seine Stimme abgegeben. Ist auch billiger. Wozu der Aufwand, eine reale Zivilisation in Betrieb zu halten, wenn die Illusion genauso befriedigt? Und weniger Arbeit macht?
Die meisten Bewohner dieser surrealen Welt scheinen kein Problem zu haben mit dieser Art der Führung. Denn es gibt kaum noch Situationen, in denen man sich aufraffen, anstrengen oder überwinden müsste; die entsprechende Chemie wird die richtige Einstellung schon herbeizaubern!
Die Welt -so wie sie ist- wird nur noch von einigen Auserwählten wahrgenommen: mittels einer Pille, welche sämtliche durch Drogen überlagerte Illusionsschichten abträgt und den Blick frei gibt auf die Wirklichkeit. Aber die will niemand sehen: denn die ist hässlich, stinkt und selbst die Nahrung ist der reinste Dreck. Ohne die ständige, chemische Manipulation des Bewusstseins würde schon längst niemand mehr hier leben wollen. Die echte Welt wurde zur Müllhalde, grau und verdreckt. Der Rest: die Farben und Formen, die Düfte, das alles ist Halluzination.
Ein Lesevergnügen der besonderen Art, weil das Buch in einer völlig irren Welt spielt, die der unseren immer ähnlicher wird.
(Dieser Satz mag sinnwidrig erscheinen, ist er nach dieser Lektüre aber bestimmt nicht mehr.)
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