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Kundenrezensionen

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am 18. Januar 2012
... und das vielleicht schönste, das ich je gelesen habe.

Nach meiner ersten Begegnung mit Hesse während der Schulzeit, bei der mich der "Steppenwolf" so überhaupt nicht begeistern konnte, wagte ich mich vor einigen Jahren an "Narziss und Goldmund" heran. Ein Wagnis, das sich lohnte! Mittlerweile ist es zu meinem absoluten Lieblingsbuch avanciert. Hesse erzählt die Geschichte der beiden ungleichen Freunde so einfühlsam, so tiefgründig - und dennoch so angenehm leicht und bildhaft. Kurzum: ein wunderbares Buch.
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am 29. Oktober 2012
...fragte ich mich, gewarnt von der Unmenge an Interpretationen, Würdigungen und Analysen seines (Gesamt-)werks, wie ich mich der Erzählung vorurteilslos nähern kann. Ich kaufte die DVD "Siddhartha", sah mir mit meiner Frau den Film an, las Udo Lindenbergs Buch "Mein Hermann Hesse", stöberte in Zitaten aus seinem Werk und riskierte einen Blick in vorliegende Rezensionen.
Ein Gespräch mit meiner Tochter, die mir in diesem mit einem Zitat aus der Erzählung deren Lektüre wärmstens empfahl,war, wie sich später herausstellte, ebenfalls eine gute Vorbereitung.
Früher, im Stress des Alltags, hätte ich wohl nicht die Geduld u n d Zeit aufgebracht, diese Erzählung zu Ende zu lesen.
Jetzt las ich sie in Ruhe, blickte dann und wann auf Narziß und Goldmund in mir.
Der Wunsch, mich mit Hesses Leben und Werk näher vertraut zu machen, reift nach der Lektüre.

Dann und wann werde ich mich dabei an folgenden Gedanken von ihm erinnern:

"Wahr ist an einer Geschichte immer nur das,
was man glaubt."

H.Hesse "Heumond"

Ich empfinde Genugtuung darüber, dass Hermann Hesse 1946 der Literaturnobelpreis verliehen wurde.
Die Entscheidung über die Verleihung des Friedensnobelpreises 2012 für die Europäische Union wäre ohne Hesses Spuren im Denken und Handeln der Europäer vielleicht so nicht getroffen worden.
Vergeblich wartete ich anlässlich seines 50.Todestages auf eine umfassende Würdigung von Hesses Persönlichkeit und seines Werks in den Medien. Ich empfinde diesen Umstand als Kratzer auf der 2012er Friedensnobelpreismedaille.
Vielleicht aber sind mir umfangreichere Würdigungen nur entgangen.
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am 18. August 1999
Das ist die Geschichte von Goldmund, einem Klosterschüler, der von seinem Freund Narziss in die Weite Welt geschickt wird. Narziss, ein asketisch lebender Mönch und Denker ahnt den Künstler in Goldmund und möchte, dass dieser diese Seite lebt und deshalb das strenge Kloster verlässt. Was folgt, ist die Beschreibung einer langen Wanderschaft, auf der Goldmund versucht das Bild seiner Mutter in sich zu finden. Er begegnet der Liebe, der Pest und der Kunst, und alles in allem ist es die Odyssee eines rastlosen Mannes, der seine Ruhe nur in der Bildenden Kunst findet, in der Abbildung der Bilder, die er im Herzen trägt. In einer wunderbaren Sprache zeichnet Hesse das Bild zweier Freunde, die sehr wichtig füreinander sind, voneinander lernen, obwohl sie meist getrennt voneinander und generell zwei völlig verschiedene Typen sind. Dieser Roman ist eine Mischung aus Abenteuer, Psychogramm und Sprachkunst. Manchmal macht er etwas traurig, zeigt er doch immer wieder die Vergänglichkeit des Menschen - alles in allem ein sehr aesthetischer und vollendeter Roman. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 28. Dezember 2006
Die Frage dürfte Hermann Hesse zu diesem Roman getrieben haben. Schließlich handelt Narziß & Goldmund von einer Freundschaft die durch absolute Gegensätze gekennzeichnet ist. Doch wie auch in der Physik ziehen sich Gegensätze an, verkörpert durch den Denker Narziß und den Lebemann Goldmund. Beide zu anfangs im mittelalterlichen Mariabronn in einem Kloster. Der eine als junger über allen stehender Gelehrter, Narzß, und der andere, Goldmund, der von allen geschätzte Jüngling. Gegenseitig voneinander fasziniert werden sie zu Freunden, doch stehts bleibt Narziß der Führer und Goldmund sein Schüler. So klärt der Meister seinen Schüler eines Tages über dessen Natur auf, Goldmund ist erschüttert, doch er sieht die Wahrheit ein und bekennt sich zu seiner Natur. Die Wege trennen sich. Narziß bleibt im Kloster und führt das Leben eines Gelehrten während Goldmund die Welt erkundet, erleidet, ja erlebt. Die Jahre vergehen und die Welt hat Goldmund gebeutelt, doch wie durch einen Wink Gottes treffen sich die beiden Freunde wieder, am Ende ihres Weges. Es gibt viel zu erzählen.

Hesse hat mit Narziß & Goldmuund einen weiteren zeitlosen Klassiker geschaffen, keineswegs auf einer Stufe mit Siddharta oder Camenzind, nein, aber für sich genommen ein schönes Kleinod, gespickt mit allerlei Weisheiten und viel Sinn für die Schönheit, sei es des Geistes oder der Natur. Für alle Hesse-Liebhaber ein Muss, für alle anderen ein Wink des Schicksals, oder ein Spiel der Worte, in Gedanken an den größten deutschen Dichter aller Zeiten.
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am 15. November 2005
Ich liebe Bücher ja im allgemeinen aber dieser hier ist mir besonders ans Herz gewachsen. Narziss der Geiste, der Asket, der Denker, der Logiker, der Gelehrte, steht hier im krassen Gegensatz zu Goldmond dem Liebenden, den Lebensdurstigen, den Eigenwilligen, dem Wanderer.
Dieses Buch kann einem sehr gut lehren das Besitz nichts ist und Liebe, Freundschaft und Mitgefühl alles.
Niemand allerdings kann die absolute Frage wer von den beiden nun das bessere Leben hatte eindeutig beantworten und genau das macht für mich auch die totalitäre faszination diese Buches aus.
Ein absolutes MUSS !!
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am 31. Januar 2016
Können Bücher glücklich machen? Dieses hier definitv.

Thomas Mann beschrieb das Buch wie folgt: "Hesses Roman "Narziß und Goldmund" setzt mit großer sprachlicher Schönheit ein und scheint in einer mittelalterlichen Zeitlosigkeit zu schweben, die dem poetischen Bedürfnis dieser rohen Aktualität widerstrebenden Geistes entspricht, ohne darum seine schmerzliche Fühlung mit den Problemen der Gegenwart zu leugnen.... ein wunderschönes Buch mit seiner Mischung aus deutsch-romantischen und modern-psychologischen, ja psychoanalytischen Elementen....eine in ihrer Reinheit und Interessantheit durchaus einzigartige Romandichtung."

Ich finde vermutlich nicht so schöne Worte wie Thomas Mann, war jedoch nicht minder beindruckt als ich es das erste Mal mit Anfang 20 las. In einer extrem verlotterten Taschenbuchausgabe aus der Bücherei. Ich liebte es vom ersten Moment an. Und tue es bis heute. Alle paar Jahre schnapp ich es mir wieder (inzwischen nicht mehr auf der Warteliste der Bücherei, sondern als Bestandteil einer schönen Hermann Hesse Gesamtausgabe) und tauche darin ab. Es ist für mich wie ein geliebter Urlaubsort, ein schönes Hotel, ein bestimmter Strand, an den man immer wieder zurück kehrt, weil man weiss, es ist immer schön dort, man kann dort immer auftanken und entspannen.

Als junger Mensch begeisterte mich am meisten daran die (damals für mich wirklich gänzlich neue) Idee jeder dürfe, nein jeder müsse so sein wie er ist. Heute unter dem Schlagwort Authentizität sicherlich manchmal etwas überstrapaziert, war das für mich ein mentaler Durchbruch. Wieviel Leid in einer Seele entsteht, wenn sie einem falschen Vorbild nach eifert, es zu kopieren versucht, ihre eigene Natur hartnäckig verleugnet. So wie Goldmund, einer der beiden Hauptfiguren, es in seiner Jugend tut mit dem Ziel seinem Lehrer, dem nüchternen Denker Narziss, gleich zu sein. Und wieviel schöner, leichter ihm das Leben wird, als er nicht länger versucht den Denker zu kopieren, sondern seiner Künstlerseele und seiner Freude an den Schönen Dingen des Lebens nachgibt. Schöner - trotz aller neuen Hindernisse und Beschwerden die dieses neue Leben mit sich bringt. Die nun aber "seine" Hindernisse sind.

Später war es die schöne Sprache die mich zunehmend faszinierte. Wie macht er das? Bilder im Kopf entstehen zu lassen, die allesamt wirken, wie durch mildes Spätnachmittags-Sonnenlicht betrachtet. Glücklich macht mich beim Lesen auch immer wieder Goldmunds Reise, nicht nur die innere, sonder auch die äußere durch die Welt, das unterwegs sein. Wahrscheinlich ist Narziss und Goldmund der erste Roadmovie gewesen ;-)

Eine sehr oft zitierte Passage des Buches lautet:

"Es ist nicht unsere Aufgabe, einander näherzukommen, sowenig wie Sonne und Mond zueinander kommen oder Meer und Land. Wir zwei, lieber Freund, sind Sonne und Mond, sind Meer und Land. Unser Ziel ist nicht, ineinander überzugehen, sondern einander zu erkennen und einer im andern das sehen und ehren zu lernen, was er ist: des andern Gegenstück und Ergänzung."

Oft wird dieses Zitat als "Liebes-Statement" gebraucht. Für mich es beschreibt einen wesentlichen Kern meines gesamten Denkens: Weniger Zeit zubringen, andere sich ähnlich zu machen, oder sich selbst anpassen, keine Überzeugungsarbeit leisten, dass der eigene Weg der "bessere" sei, sondern versuchen die Gesamtlandschaft zu erkennen, warum ist jeder so wie er ist, wie kann man ihm helfen zu sich zu finden. Und dann - so meine Überzeugung, die ich wohl mit Hesse teile - passt auch alles zusammen und ergibt Sinn.
Danke für dieses wunderschöne Stück Weltliteratur!
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am 17. Juni 2009
Ich bin ein echter Hermann Hesse Fan und habe auch schon so gut wie alle Werke von ihm gelesen und habe mir zu manchen Werken auch die entsprechende Lesung gekauft.Leider muss ich sagen, dass die Lesung bei Narziß und Goldmund nur wenig gelungen ist - und zwar weil es sich um eine gekürzte Version handelt.
Wenn man bereits das Buch hierzu gelesen hat und die Ausführungen und die wunderschöne Sprache darin mag wird man von diesem Hörbuch an einigen Stellen sehr enttäuscht sein.Es werden sehr viele Stellen ganz einfach weg gelassen, so dass eine abgehackte Handlung entsteht, die an einigen Stellen auch keinen Sinn mehr ergibt.Ich verstehe nicht, warum man wenn man sich doch schon die Mühe macht dieses Werk auf CD zu bringen es auf diese Art "zerstört".Das was gelesen wird ist natürlich sehr schön und man erreicht beim Hören auch eine gewisse Tiefe - allerdings nur bis zu dem Punkt, an dem man feststellt, dass da etwas wichtiges weg gelassen wurde und die Handlung an einem ganz anderen Punkt wieder einsetzt.
mein Fazit:
Wenn man das Buch bereits gelesen hat und davon begeistert ist sollte man sich diese CD nicht kaufen.Es fehlen einfach zu viele Stellen die man aus dem Buch bereits kennt.Schade...
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am 12. Mai 2008
Ich persönlich bin völlig unbefangen an Hesses 'Narziss und Goldmund' herangegangen. Ich hatte bewusst keinerlei Interpretation gelesen, keine literaturgeschichtliche Einordnung - nichts.
Und fand mich so einfach als naiver, moderner Leser vor dem Buch wieder.
Und es hat mich sehr berührt.
Zwei Menschen stehen da im Zentrum. Zwei wunderbar tief ausgearbeitete Figuren. Narziss, der ältere, unterrichtet den jüngeren Goldmund als Lehrer in einem Kloster. Schon früh erkennt der Ältere aber, dass der Jüngere für dieses Leben nicht geschaffen ist. Mit sensibler Einfühlung und Mut eröffnet er seinem Freund und Schüler, was er meint, dass diesem fehle: nämlich die Erinnerung an Kindheit und Mutter. Wie vom Blitz getroffen werden dem Jüngeren die Augen geöffnet: und er überwindet die fehlgeleitete Lebensplanung, um aufbrechen zu können, hinaus ins pralle Leben. Hier nun beginnt das Buch ein weiteres Mal und lässt uns teilhaben an Goldmunds Fahrten, an seinen Abenteuern mit Frauen und Jahreszeiten, mit Gaunern, Herzögen und Stadthaltern. Ein wenig beginnt das Buch nun an Tiecks Franz Sternbald zu erinnern, das Hesse ein großes Vorbild gewesen sein muss.
Und genauso wie in Hesses 'Siddharta' auch, lernt Goldmund sich durch die Liebe zu vielen Frauen und durch das wilde Erleben langsam selbst kennen: bis er schließlich Jahre verweilt in der Werkstatt eines Malers, um zu lernen, die inneren Bilder zu gestalten.
Um Kunst geht es, um Lebensziele, um den Sinn des Lebens, um das, was überdauert, um das Vereinigen von Leben und Tod, um Psychoanalyse, um das Bild der Mutter, um Geist und Gefühl geht es.
Wenn Goldmund nach Jahren unter widrigen Umständen seinen Freund Narziss wiederfindet, begegnen sie sich, als wäre kein Tag vergangen - und doch als zwei neue Menschen - der eine, voll von Leben, Sünde, Liebe und Tod, der andere vergeistigt und zurückgezogen, auf abstraktes Konzentriert und auf Wesentliches beschränkt.
Ich habe auf jeder Seite viele viele Zeilen angestrichen, so bewegt hat mich das Buch.
Da hat ein neuzeitlicher Autor noch einmal den Mut zu einer romantischen Schwärmerei, die echt wirkt - da hat ein Autor noch einmal die Größe, nicht ironisch sein zu müssen, nicht postmodern, sondern einfach emotional, liebend, weinend, schreiend - und dies ohne Hysterie und mit Würde.
Die Hauptgestalten aber auch die vielen vielen liebenswerten Nebengestalten werden mich weiter begleiten.
Und die beiden Pole, Narziss und Goldmund, stehen mir in ihrem Widerspruch viel lebendiger ins Herz hinein, als alle Thomas Mannschen Tonio Krögers und alle Hauptmannschen Figuren und alle Georg Büchnerschen Woyzecks.
Dasselbe Thema wird bearbeitet wie in den Werken der eben Genannten, derselbe Inhalt, dieselbe Aussage wird erreicht, dasselbe gesagt, dasselbe gewollt - aber auf einem emotional unschlagbaren Niveau.
Hier finde ich den älteren Hesse in seiner Vollendung, hier empfinde ich ihn nicht altväterlich belehrend und doch letztlich unreif, wie es mir manchmal mit ihm ergangen ist - sondern einfach nur weise. Ich habe dann im Umschlag nachgeschlagen: er war über 50 als er dieses Buch schrieb.
Ich zolle ihm meinen Respekt.
Absolut lesenswert.
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am 23. April 2005
Durch sein mystisches Werk mit mittelalterlicher Zeitkulisse hat Hesse den menschlichen Konflikt thematisiert welcher im Suchen nach authentischer Identität entsteht. Die gegensätzliche Charakteren tragen das Thema des Konflikts zeitlos in die Gegenwart. Goldmund glaubte, dass seine Berufung die Kirche sei. Er glaubte dies auf Grund eines komplexen Hintergrundes, weil sein Vater dies für den richtigen Weg hielt und dies nicht zuletzt um Mutters Sünden wettzumachen. Goldmund fügte sich dieser, ihm wesensfremden Stimme, doch auf Kosten seiner wahren Berufung. Er wäre dabei, hätte er diesen Weg weiterverfolgt, innerlich verkümmert.
Es ist bemerkenswert, dass der Klostermönch Narziss, Goldmunds Lehrer und Mentor, selbst die Einsicht gegeben ist, dass Goldmund nicht für das Klosterleben geschaffen ist, und schon gar nicht für analytisch intellektuelle Übungen, eine Disziplin welche im Mittelalter auch durch die Klöster (als einzige Lehrinstitutionen) vermittelt wurde. Damit werden auch menschlichen Eigenschaften wie die des analytisch denkenden und des kreativen einander gegenübergestellt.
Die Quintessenz Hesses Gedanken liegen jedoch noch auf einer viel tiefgründigeren Ebene, denn bei Hesse gibt es keine schwarz-weiss Malerei: Hesse ist der Magister der Bi- und Multipolaritäten, der Farben und Schattierungen und überhaupt der Vielfalt des Lebens. Hesse beherrschte die Sensibilität Ambivalenzen zu sehen, insbesondere in sich selbst. Hesses Gabe tiefgründiger Einsichten menschlicher Schwächen ist ihm aber nicht nur Segen, sie macht ihn gleichzeitig auch verwundbar und Idealismus anfällig. Allerdings nur dann, wenn er sich mit menschlichen Unzulänglichkeiten nicht abfinden konnte. Der Steppenwolf - welcher er in seiner Krisenzeit schuf, ist eindeutiger Nachweis eines solchen Ringens mit sich selbst, durch welchen Hesse einiges an Selbstverurteilung aufarbeiten konnte. Der zeitgenössische Pragmatiker belächelt ihn ungerechterweise, indem er solche Verhaltensweise zur introspektiven Nabelschau bagatellisiert.
In N&G könnte man Idealismus vermuten, denn weder die eine noch die andere Biographie, Narziss' noch Goldmunds', erfüllt Hesses ideale Vorstellung eines vollwertig menschenwürdigen Lebens. Hesse, jedoch, über alle Zweifel erhoben, war der Überzeugung, dass jedes Leben dunkle Flecken und Gefahren in sich birgt. Im Fall N&G birgt nicht nur Goldmunds Rückzug ins Egozentrische, Fallgruben, doch auch Narziss' Extrem einer totalen Hingabe an Konformität. Mit der Bejahung solcher Ambivalenzen als Teil der Realität des Menschlichen zeigt sich Hesse, insbesondere dann wenn er dies auch für sich selbst zu akzeptieren gelernt hat, unversehens einer tiefgründigen Realität wahrnehmend.
Narziss wusste vielleicht nicht zuletzt, dass Goldmunds Weg ein anderer sein muss, weil er in ihm auch das sah, was er in sich selbst verdrängt hatte. Hesse bringt die Potenz menschlicher Vielfalt im Aufbau seiner Charakter in durchdringender Weise zur Geltung; in jedem der beiden existiert etwas vom anderen. Narziss, dem das streng reglementierte Klosterleben auch nicht immer über alle Zweifel erhoben war, 'befohl' Goldmund in die Welt hinaus, die er im Innersten selbst auch zu begehren wüsste, dies sich jedoch nicht zugestehen durfte. Anderseits fand Goldmund, in seinem tiefen Respekt für das selbst kontrollierte Leben Narziss, die Konturen seines einstigen Vorbildes in seiner geschnitzten Statue wieder. Jeder sieht im anderen etwas von dem reflektieren was er selbst begehrt, für dessen Ausdruck es im jeweilig anderen jedoch kein Platz zur Verwirklichung gibt.
Nachdem ich die meisten von Hesses Werken kenne, möchte ich behaupten, dass Hesse im Narziss und Goldmund seine Kernaussage - die der Tugend des Eigensinns - des Werdens eines Menschen zu dem wer er im Grunde genommen ist, am besten zum Ausdruck bringt. Hesses Gabe ist zweifellos, dass er diese, an und für sich philosophisch- psychologische Einsicht in poetischer Form darstellen vermochte. Ein magisches Werk, das es verdient von jeder Generation wieder von neuem zu entdecken.
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am 13. April 2012
Wie kein zweiter Schriftsteller trifft Hermann Hesse mit seinen Werken bei mir immer wieder einen Nerv.
In "Narziss und Goldmund" erzählt er die Geschichte von zwei aussergewöhnlichen Jungen, die das genaue Gegenteil des jeweils anderen verkörpern, sich dabei gegenseitig ergänzen und einander, trotz ihrer unterschiedlichen Lebensentwürfe, in Liebe verbunden bleiben.
Narziss ist ein junger Gelehrter in einem Kloster. Gebildet, hübsch und verehrt, aber auch hochmütig und unnahbar, verkörpert er das Prinzip von Geist und Pflichterfüllung und steigt schliesslich zum hochgeachteten Abt des Klosters auf.
Goldmund strebt seinem von ihm vergötterten Freund zunächst nach, wird jedoch am Ende seiner Lehrzeit "vom Weibe" in die Welt gelockt. Er geht auf eine mehrjährige Wanderschaft, auf der ihn der Leser begleitet. Seiner jugendlichen Schönheit und seines Charmes wegen fliegen ihm die Frauenherzen förmlich zu, und er kostet das Leben als Vagabund genüsslich aus. Wahre Liebe erfährt er dabei nicht, keine der Frauen bittet ihn zu bleiben, und er leidet mal mehr, mal weniger unter der rasch vergänglichen Liebe seiner Gespielinnen. Neben amourösen Abenteuern erlebt er auch allerhand Schreckliches, das seinen Blick auf die Welt ändert, leidet Hunger, begeht ein, zwei Morde und erfährt das Elend der Pest, ehe er endlich die Bestimmung findet, die ihm sein Freund Narziss vorausgesagt hat: die Liebe zum künstlerischen Gestalten. Doch auch die Kunst vermag Goldmund nicht an einen Ort zu binden, im Gegenteil empfindet er nach einiger Zeit grossen Widerwillen dagegen, dass Kunst zu Kommerz verkommt. So setzt er seine Wanderung fort, bis er erneut einer Frau verfällt, beim Ehebruch ertappt wird und dem Tod am Strick entgegensieht. Ausgerechnet sein alter Freund Narziss rettet ihn vor dem Galgen und lädt ihn als Gast in das Kloster ihrer Jugendjahre ein.
Nun empfinden sich die beiden Freunde als einander ebenbürtig - der eine ein Meister des Geistes, der andere ein Meister der Gefühle - und gestehen sich ihre Liebe. Doch Goldmund zieht es nach einiger Zeit erneut auf Wanderschaft, da er seiner von Zwängen freien Jugend nachtrauert. Der Versuch, sie wieder aufleben zu lassen, misslingt. Er kehrt als schwer kranker Mann zurück, hat in all der desillusionierenden Verzweiflung jedoch seinen inneren Frieden gefunden.
In "Narziss und Goldmund" stellt Hesse die Lebenswege der beiden Protagonisten als unversöhnliche Lebensentwürfe gegenüber: auf der einen Seite das Verlangen nach Freiheit, die Sucht nach Abenteuer, die Suche nach Liebe; auf der anderen das Streben nach Ordnung, nach Wissen und einem geregelten Dasein. In meinen Augen stellt dies den ewigen Konflikt zwischen Jugend und Alter dar. Wer hat nicht in jugendlichem Übermut von der Erstürmung der höchsten Gipfel geträumt, um dann dieses Vorhaben mit zunehmendem Alter aufzugeben und sich mit den Tälern zufrieden zu geben? Hesse ergreift dabei eindeutig Partei für Goldmunds Lebensweise: das Leben mit all seinen Wagnissen leben, um dann zufrieden sterben zu können, anstatt nie wirklich gelebt zu haben - oder prosaischer: "It's better to burn out than to fade away".
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