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am 17. März 2002
Der Autor Gerhard Roth, Professor für Verhaltensphysiologie an der Universität Bre-men, wird dem von ihm selbst vorgegebenen Anspruch gerecht zu erklären, „wie das Gehirn unser Verhalten steuert“. Auf 489 eng geschriebenen Seiten gibt er einen umfassenden Überblick über folgende Kapitel: Er erklärt die modernen Theorien der Verhaltenssteuerung, beschreibt ihre Geschichte und die gesellschaftlichen Zusam-menhänge, in der diese Theorien entstanden sind. Des weiteren gibt er einen Abriss über die Entwicklungsgeschichte der Menschheit.
Relativ viel Raum nimmt die Beschreibung der biologischen und vor allem physiolo-gischen Vorgänge im Gehirn ein. Er beschreibt den Aufbau des Gehirns, die rele-vanten Vorgänge und Zusammenhänge, die unser Handeln steuern und ermögli-chen. Im besonderen sind dies die allgemeinen kognitiven und exekutiven Anteile, die Bereiche, die für die Motorik, die Sprache und die kognitiven Funktionen im enge-ren Sinne zuständig sind. In den Abschnitten, in denen die Gedächtnisleistungen des Menschen beschrieben werden und das Denken im allgemeinen erklärt wird, ver-sucht der Autor auch eine Beschreibung der Kreativität in Zusammenhang mit ihren neuronalen Grundlagen.
Ohne sich auf eine „Schule“ festzulegen wird das Bewusste und Unbewusste be-schrieben, beginnend mit den neurobiologischen Zusammenhängen bis hin zu „nicht-physikalischen“ Phänomenen.
Entsprechend dem Titel des Buches kann der Leser sich in das Kapitel Gefühle ver-tiefen, zuerst mit einer Beschreibung der Emotionen bis hin zu einem geschichtlichen und philosophischen Exkurs. Neben der quantitativen Beschreibung der Gefühle werden in einem gesonderten Kapitel „Starke Gefühle“ z.B. Stress und Angst be-schrieben und erklärt.
Im letzten Abschnitt des Buches wird auf das Handeln eingegangen, auch hier wie-der sehr breit die Vorgänge im Gehirn beschrieben, aber auch die Relevanz, die un-ser Handeln von dem der Tiere unterscheidet, nämlich die Willensfreiheit und Auto-nomie.
Hervorzuheben an dem vorliegenden Buch ist seine gute Lesbarkeit. Manche Ab-schnitte sind sogar richtig interessant und spannend beschrieben, andere hingegen für ein Buch, das nicht im engeren Sinne zu den medizinischen oder psychologi-schen Fachbüchern zählt, zu detailliert und damit auch etwas verwirrend. Trotz der inhaltlichen Tiefe bringt es der Autor fertig, in den Kapiteln, in denen es angebracht ist, auch die nötige Breite zu liefern. Er stellt verschiedene Theorien nebeneinander, ohne zu sehr zu werten, und geht auf die geschichtlichen, gesellschaftlichen und philosophischen Zusammenhänge ein.
Das vorliegende Buch ist gerade wegen seiner gelungenen Kombination aus Fach-kompetenz und guter Lesbarkeit nicht nur für Laien oder als Lehrbuch in Schulen geeignet, sondern auch für Fachleute zur Auffrischung ihres Wissens zu empfehlen.
Ronald Herb-Hassler
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am 20. Dezember 2002
Roths Buch ist über weite Strecken eine Zusammenfassung bekannter Befunde; allerdings geht es bei der Darstellung von Befunden auch um die korrekte Wiedergabe. Das ist allerdings bei Roth nicht immer der Fall. Vor allem sein Argument gegen die Willensfreiheit, welches er massgeblich auf die Befunde von Libet und Haggard und Eimer stützt, verdankt sich über weite Strecken einer verkürzten Darstellung der Daten und der eigentlichen Versuchsaufbauten.
Im Prinzip ist es legitim, Befunde "eingefärbt" darzustellen. Allerdings ist es nicht legitim, zu "vergessen", dass man eine sehr einseitige Darstellung der Befunde vorlegt. Eben dies tut Roth im entscheidenden Teil über die Willensfreiheit.
Auch die philosophische Diskussion ist eher dürftig, und zum Teil schlicht historisch falsch (vor allem, wenn Roth auf Kant Bezug nimmt).
Roth scheint grossen Wert darauf zu legen, seine Leser zu überzeugen, und es mag ihm auch bei denjenigen gelingen, die nicht die Ressourcen haben, seine Befunde mit den Originalquellen zu vergleichen. Aber bei wissenschaftlichen Kollegen ist Roths Buch weniger gut angekommen (zB Beckermann, Libet selbst, Heckhausen, Walters, usw.), und das mit gutem Grund.
Fazit: Das Buch ist verführerisch, aber nur deshalb, weil es mit Befunden und Daten sehr nachlässig und selbstdienend umgeht. Es geht nicht darum, viele Menschen zu überzeugen, sondern darum, seriöse Argumente vorzulegen. Das ist in diesem Buch allerdings nur teilweise der Fall, wie jeder selbst überprüfen kann, der sich den Originalquellen zuwendet.
44 Kommentare| 147 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Ein grosses Kompliment an Autor und Verlag. Die Taschenbuchausgabe von "Fühlen, Denken, Handeln" ist so vollständig überarbeitet und aktualisiert worden, dass ich auch allen interessierten Besitzern der 2001 erschienenen Hardcover-Ausgabe die Anschaffung empfehle. Die Wissenschaft vom Gehirn ist so im Fluss, dass uns ihre renommiertesten Vertreter fast täglich mit Neuigkeiten überraschen. Und wer wirklich auf dem neusten Stand sein will, kommt am Internet und seinen Newsgroups nicht vorbei. Von Standardwerken oder Bibeln zu sprechen verbietet sich bei diesem Thema. Aber die Publikationen der letzten Jahre haben zumindest gezeigt, welche Autoren etwas zu sagen haben und auch verstanden werden. Zu ihnen gehört zweifelsohne Gerhard Roth.
Die Grundstruktur der Version 2001 wurde zum Glück beibehalten. Es bestand angesichts des überraschenden Erfolges auch kein Handlungsbedarf für grosse Änderungen. Stark überarbeitet wurden aber die wichtigen Kapitel "Das Bewusste und das Unbewusste" und "Starke Gefühle". Die Erkenntnisse der Neurologen sind zum Teil so bahnbrechend, dass sie die Gesellschaft in den nächsten Jahrzehnten umkrempeln werden. Damit wächst aber auch die Pflicht der Wissenschaftler, ihren Elfenbeinturm zu verlassen und Übersetzungsarbeit zu leisten. Gerhard Roth macht beides in beispielhafter Weise. Wer die Gelegenheit hat, ihn live zu hören, soll sie ergreifen. Wer sich lieber im Sofa von Neuem überraschen lassen will, soll dieses Taschenbuch kaufen.
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am 22. April 2013
Mit meiner Beurteilung komme ich etwas spät, da ich erst jetzt auf das Buch aufmerksam wurde.
Bevor ich das Buch las, habe ich die Beurteilungen und Kommentare anderer zu diesem Buch gelesen.
Für den allgemeinen Bildungsbürger" ist es einigermaßen mühevoll, je nach Auffassungsgabe und Vorkenntniss, sich durchzuarbeiten, für den Fachmann wird es leichter sein, der dann ggf. auch einige Dinge anders diskutiert sehen möchte. Die fachliche Belastbarkeit kann ich nicht beurteilen, habe aber auch keinen Anlass oder Hinweise darauf, dass hier etwas zu beanstanden wäre. Zumal dann nicht, wenn der Autor selbst verschiedenste Meinungen und Ansätze darstellt und deren Widersprüchlichkeit nicht verhehlt.
Das Buch schafft nicht nur einen historischen Überblick über die Entwicklung der Neurowissenschaften, sondern umreißt den Stand der Hirnforschung der letzten Jahrzehnten. Es ist enorm faktenreich und zeigt die große Komplexität neuronaler Vorgänge, sprich: die nach neustem Stand herausgearbeiteten Erkenntnisse zur Funktionsweise und Informationsbearbeitung in unserem Hirn.
Was mir besonders an dem Buch gefallen hat ist, dass Roth, hier nicht vordergründig die eigenen Ergebnisse seiner Arbeit darstellt, sondern eine breit angelegte Palette von Ergebnissen anderer Fachkollegen dar- und gegenüberstellt und vieles kontrovers diskutiert. Das war sehr angenehm. Roth bewertet diese Arbeiten in ihrer Deutungstiefe und ist um eine philosophische Wertung bemüht. Was ebenfalls sehr erhellend war, sind die Hinweise auf Lücken und Unbestimmtheiten. Eines kann dem Leser aber nicht genommen werden. Der herausgehobene Nimbus des Menschen ob seines Geistes" wird in mehrfacher Weise wiedereinmal geschmälert. Aber wer damit zurecht kommt, dass wir eben auch nur ein Stück Natur sind, wird diese, sich von vielen Seiten her erhärtenden Bestimmungstendenz verschmerzen.
Roth ist Naturwissenschaftler und Philosoph. So schreibt er auch. Und die Natur des Objektes macht es schwer hier einen Schnelllesestoff zu verfertigen. Für alle, die sich auf die Schwierigkeit des Themas einlassen wollen wird es ein Gewinn sein und dann vielleicht sogar echte Begeisterung entfachen. Ich hatte meine Mühe damit, aber auch enorme Freuden daran.
Für alle, die am wissenschaftlichen Diskurs im engeren Sinne nicht teilnehmen aber an der gesellschaftlichen und philosophischen Auseinandersetzung interessiert sind, und Ihr Wissen auf diesem Gebiet erweitern wollen, ist das Buch wärmstens zu empfehlen. Der Fachmann wird sicher Quellliteratur bevorzugen.
Vielen Dank Herr Roth, dass Sie mich an Ihrem Tun teilhaben lassen.
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am 9. März 2002
Der diesjährige Träger der URANIE-Medaille der Uranie, Berlin, die unter anderem auch einige Nobelpreisträger erhalten haben, ist deshalb mit dieser Ehrung ausgezeichnet worden (die Laudation hielt der Regierende Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit mit der Bitte an Roth, ihm einige nützlichen Erkenntnisse für die Politik zu vermitteln), weil Gerhard Roth es in der Tat ausgezeichnet versteht, komplexe - fast unverständliche - wissenschaftliche Erkenntnisse und Inhalte gerade verständlich an Nichtwissenschaftler zu vermitteln, ohne dass es dem wissenschaftlichen Gehalt abträglich wäre. Das Wort "Wissenschaft" bedeutet: "Wissen schaffen". Dies gelingt Gerhard Roth ausgezeichnet. Um die komplexe Materie der Zusammenarbeit diverser Hirnareale für das tägliche Leben und das Verstehen der Arbeit des "Ichs" nachzuvollziehen, ist es Roth verzeihlich, dass er anfänglich einen umfangreichen historischen Abriss durch die Entwicklungsgeschichte und die Psychoanalayse gibt, um dann die "Funktionsweise" des ICHs zu erklären zu versuchen, was zwangsläufig zu einer Entmystifizierung desselben führt und gleichzeitig ein angenehmes Verstehen hinterläßt. Die in seinem neusten Buch - die anderen sind allesamt ausgezeichnet - vorgestellte moderne Sichtweise auf die ehemalige Teilung der Ratio von der Emotio, wird auf kurz oder lang weitreichende Veränderungen erleben. So freilich auch in der Philosophie und erst recht in der Juristerei. Der Jurist wird sich umgewöhnen müssen: die juristische Sicherheit ist in Gefahr. Vorsicht also, was es zukünftig angeht, Schuldzuweisungen auszusprechen.
Nehmen wir die Anregung Roths am Ende seines Buches auf und führen einen öffentlichen Diskurs und prüfen unser bisheriges Wissen anhand der modernen Erkenntnisse(in Wahrheit uralten Mechanismen) über die Arbeit des ICH als Verwalter unseres SEINS. Es ist nicht alles Gold was glänzt.
"Denken, Fühlen, Handeln" ist all jenen zu empfehlen, die sich mit Zusammenhängen und Verknüpfungen der sogenannten menschlichen Seelenlandschaft mit der sogenannten Aussenwelt beschäftigt. Insbesondere den psychotherapeutisch Arbeitenden und den Juristen. Es ist wegen der verständlichen Mitteilungsart eigentlich jedem zu empfehlen, der sich für 'sich' interessiert. Die merkwürdige Katharsis nach der Lektüre lautet: Hab' ich's doch gewußt!
Leider ist der Preis eine Eintrittsbarrière für die, die zwar interessiert aber nicht ausreichend ausgestattet sind. Der Kaufpreis entspricht rund zehn Schachteln Zigaretten; der Inhalt aber nicht bloß Schall und vorallem nicht Rauch; wenn auch der Kopf schon dabei rauchen kann.
M.Burg - Schriftstellerisches Herz und juristischer Kopf
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am 19. März 2014
Gerhard Roth versteht es, wie kaum ein anderer, das komplizierte Gefüge von Denken, Fühlen, Handeln darzustellen.
Seine Sprache ist auch für den Laien verständlich - trotz des hochkomplexen Themas - und greift dabei viele Themen
des Alltags von uns allen auf.
Absolut lesenswert! (wie die Neuauflage des Buches auch beweist!)
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am 5. August 2015
Denken Fühlen Handeln v. Gerhard Roth war gut lesbar und ist sehr interessant für Leute mit Interesse an Philosophie, Psychologie, Soziologie etc. Etwas ermüdend sind seitenweise Fachchinesisch m.ausführlichen Beschreibungen des Gehirns , die man als Laie dann doch eher diagonal liest.
Trotzdem insgesamt Lektüre mit Gewinn !
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am 2. Februar 2007
Jedem dem das Geheimis des menschlichen "Wesens" am Herzen liegt findet hier zwar nicht die Antworten seiner innersten Fragen dennoch interessante Gedanken und Hinweise. Gerhard Roth bietet eine Fülle an Informationen, cerebralem und fächerübergreifendem Detailwissen welches zeitweise den nicht medizinisch oder pathologisch fachkundigen Leser wie mich teilweise überschüttet. Auch wenn oftmals es schwierig ist allen Gedankengängen folgen zu können so muß der Grund hierfür nicht unbedingt in der Darstellung des Stoffes gesucht werden sondern in der unglaublichen Komplexität der Materie des menschlichen Gehirns begründet sein. Gerhard Roth bringt nicht nur die funktionalen Areale des menschlichen Gehirns dem Leser näher sondern baut auf beeindruckende Weise Brücken zu philosophischen Fragen anderer wissenschaftlicher Fachbereiche. Wir erhalten Informationen über revolutionäre Experimente zur Überprüfung der Frage der Determiniertheit von Willensbildung (Libet,Haggart,Eimer) die Begriffe wie Bewußtsein und Willensbildung in einem völlig neuem Licht erscheinen lassen. Ebenfalls bekommen wir kurze Einblicke über verschiedene Definitionen der Begriffe wie Gefühle, Emotionen, Persöhnlichkeitsmerkmale "The big Five" und deren biophysikalischen Zusammenhänge mittels Neurotransmitter wie Serotonin, Dopamin, Testosteron, Oxytocin, Noradrenalin und Acetylcholin. Wir erfahren daß wesentliche Entscheidungen unseres Tun und Handelns nicht durch unser Bewußtsein dem Arbeitsgedächtnis oder Cortex erfolgen sondern eher durch das im Unterbewußtsein arbeitende limbische System initiert werden welches durch Emotionen(Hippocampus), historischem Gedächtnis(Pesöhnlichkeitsidentität) und Gefühle(limbische Kerne, Amygdala) gesteuert oder getriggert werden.

Gerhard Roth stellt niemals den Anspruch absolute Antworten auf wichtige philosophische Fragen zu haben sondern überläßt es dem Leser selber seine Schlüsse zu ziehen oder sich auf den Weg zu machen weitere Literaturrecherchen zu unternehmen. Es ist kein Buch was ich jedem empfehle gelesen haben zu müssen, es ist ein Buch welches für den der sich für das menschliche Gehirn interessiert viele neue Aspekte bieten kann.

2007, Andreas Graefenstein
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am 31. Mai 2012
Wieder einmal beweist Gerhard Roth, dass er nicht nur neurowissenschaftliche Expertise besitzt, sondern es weiterhin schafft dieses Expertenwissen für die Philosophie des Geistes fruchtbar zu machen. Dabei wird wird dem Leser ein detaillierter Überblick über die Neurophysiologie des Menschen gegeben, bevor man sich in den späteren Kapiteln den philosophischen Problemen des Geistes widmet.
Durchweg empfehlenswert!
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am 12. April 2009
Neuauflage: Zwei Jahre nach der 1. Auflage erscheint eine neue, vollständig überarbeitete Auflage in der preisgünstigen Taschenbuchreihe STW. Der Umfang wurde um mehr als 100 Seiten auf nunmehr 600 Seiten erweitert. Davon umfasst das aktualisierte, kompetent ausgewählte Literaturverzeichnis allein 28 Seiten.

Die bewährte Grundstruktur im Aufbau der Thematik wurde beibehalten. Der Leser erhält nicht nur einen fundierten und detaillierten Überblick über die neurophysiologischen Grundlagen der aktuellen Hirnforschung, sondern auch eine vorzügliche Zusammenfassung der brisanten Diskussionen und Fragestellungen bzgl. der Willensfreiheit des Menschen.
Insbesondere dienen hierzu drei neu verfasste Exkurse, die interdisziplinär aktuell im Rampenlicht der Fachdiskussionen zwischen Neurobiologen, Kognitions- und Sozialwissenschaftlern sowie Philosophen stehen; es sind: Das Geist-Gehirn-Problem: Gelöst? Lösbar? Unlösbar?", Neurobiologie und Psychoanalyse. Oder: Hatte Freud Recht?" und Freier Wille, Verantwortung und Schuld".
Die Hauptthese Gerhard Roths lautet: Obwohl wir uns in unseren Handlungen bzw. Entscheidungen frei fühlen, sind diese Prozesse neurophysiologisch zwar aufgrund ihrer Komplexität nicht vorhersehbar, jedoch determiniert. Anders ausgedrückt: unser sogenannter freier Wille ist für uns in der subjektiven Ich-Perspektive" erfahrbar und damit real; in der Perspektive des forschenden Naturwissenschaftlers vollziehen sich jedoch alle neurobiologischen Prozesse empirisch gesetzmässig und deterministisch. Die epochale Anschlussfrage mit bedeutenden Auswirkungen auf die Sozial- und Rechtswissenschaften ist hiermit neu zu stellen: Ist der Mensch eine Marionette seiner Gehirnprozesse? Zur Beantwortung dieser Fragen oder besser zur Beschäftigung mit dieser wichtigen Problematik, die uns als Menschen auf der Suche nach unserem Selbstverständnis persönlich bedrängen, leistet die Lektüre von Roths Buch Hervorragendes.

Die Quintessenz des Rezensenten: Wenn Roth und seine neurobiologischen Kollegen den Freien Willen" in ihren gehirnphysiologischen Versuchsanordnungen nicht finden und nicht nachweisen können (vgl. Libets Experimente, S. 518 ff.), so sollten wir dennoch fest an ihn glauben, um verantwortungsvoll als Homo sociologicus" handeln zu können; zugleich bedeutet diese Verantwortung auch die neurobiologische Ursachen unseres Handels als Homo neurobiologicus" weiter zu erforschen, zu verstehen und angemessen zu berücksichtigen.

Fazit: Das Buch ist ein klarer Kauf mit den Attributen: preiswert, kompetent, fundiert, interdisziplinär und last but not least gut verständlich.

Dr. Achim Schmetz Februar 2004 in Freiburg i.Br.
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