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am 1. November 1998
Mit „Gesellschaft der Gesellschaft" liegt jetzt Niklas Luhmanns opus magnum vor. Mit beeindruckender Konsequenz analysiert er anhand der komplexen strategietheoretischen Entscheidungen und begrifflichen Festlegungen des einleitenden Kapitels sämtliche Großthemen der Soziologie und führt sie einer umfassenden Neubeschreibung zu, die mit den soziologischen Klassikern seit Weber und Durkheim nicht zimperlich umgeht; gleiches gilt für liebgewordene Prämissen der Semiologie und Evolutionstheorie, von denen im seitenweisen Takt Abschied genommen wird.
Leider ist von leichter Kost nicht guten Gewissens zu reden. Dafür ist Luhmanns Soziologie die bisher einzige, die der Entfaltung von Paradoxie von Anfang an nicht aus dem Wege geht; Rationalitäts- und Erkenntniskritik ist ein altbekannter Topos der intrawissenschaftlichen Auseinandersetzung um die Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnis. Bisher wurde dieser Konflikt unter Bezug auf theologische, apriorisch-transzendentale oder biologische Begrifflichkeiten scheinbar befriedet. Luhmann geht einen Schritt zurück, nimmt den infiniten Regreß und die Selbstreferenz an und entwickelt einen komplexen Begriffsapparat, mit dessen Hilfe man die früheren Lösungen der Erkenntnisproblematik seit Hegel als eine historische Notwendigkeit der Beobachtungen autopoietischer Systeme auflösen kann.
Die Tragweite, oder besser gesagt: die Universalität seiner Theorie läßt sich auch daran messen, daß sich selbst die zweite soziologische Großtheorie des „Kommunikativen Handelns" von Jürgen Habermas in ihren Zielen und Auswirkungen nun als operativ geschlossenes System beschreiben läßt, dem die lebensweltliche Fundierung normativer Maßstäbe zukommt, nachdem sich die Wissenschaft aus der Wertbegründung spätestens mit Nietzsche und Weber verabschiedet hat. Ein Schelm, wer darin lediglich eine besonders subtile Form von Rache sieht.
Zum jetzigen Zeitpunkt scheint die breitenwirksame Rezeption der „Gesellschaft der Gesellschaft" an den sozialwissenschaftlichen Fakultäten eher schleppend anzulaufen. Glücklicherweise, denn: noch läßt sich Luhmann aus einem Guß genießen, ohne daß man ihn gleich wieder häppchenweise ( in Seminaren ) entstellen müßte.
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am 29. April 2009
Sicherlich: sie kommen in Umfang und Terminologie schon recht respekteinflößend daher, die beiden Bände von Luhmanns "Summa". Gleichwohl bietet das Buch aber eigentlich nicht mehr - das aber immerhin - als die grandiose Entfaltung einer These, die er in seinem 1987 veröffentlichten Aufsatz über "Tautologie und Paradoxie in den Selbstbeschreibungen der modernen Gesellschaft" schon skizziert hat: Die moderne Gesellschaft, so der zentrale Gedanke, ist als ganze nicht in den Blick zu bekommen, weil man nicht von draußen draufgucken kann. Wer aus der Binnenperspektive in der Gesellschaft etwas über die Gesellschaft sagen wolle, der verstrickt sich in logische Antinomien, in Tautologien (die Gesellschaft ist eben die Gesellschaft) oder in Paradoxien (die Gesellschaft ist nicht die Gesellschaft).

Das haben, so werden versierte Kritiker jetzt einwänden, ähnlich auch schon andere gesagt. Adorno zum Beispiel im letzten Essay der "Minima Moralia". Bisher hat aber, das sei zur Entgegnung auf den Einwand gesagt, noch kein Theoretiker so systematisch rekonstruiert, mit welchen Beobachtungstricks in der Gesellschaft ein Blick aufs Ganze der Gesellschaft suggeriert wird. Vor allem hat bisher auch kaum ein Theoretiker so gründlich Verzicht geleistet auf die Suggestion, dass es in der Gesellschaft einen privilegierten Ort gäbe (die Kunst, die Liebe, die Wissenschaft, die Lebenswelt oder was auch immer), von dem es dann doch möglich sei, das Ganze in den Blick zu bekommen.

Der immer nur relativ klarsichtigen Selbstbeobachtung der Gesellschaft in der Gesellschaft dienen zum einen die Medien. Diese suggerieren Weise eine Verdoppelung der sozialen Realität und entwerfen so gewissermaßen einen spiegelnden Himmel über der sozialen Welt, in der der Beobachter das Ganze zu sehen meint. Daneben bietet auch die zeitliche Unterscheidung zwischen unterschiedlichen historischen Entwicklungsstadien der Gesellschaft einen Blick aufs soziale Ganze. Eine weitere Alternative ist der Blick auf das Funktionieren sozialer Teilsysteme oder Systemteile, der den Anschein erweckt, dass man vom Teil aufs Ganze schließen könne. Und schließlich produziert vor allem die moderne Gesellschaft immer wieder neue explizite Selbstbeschreibungen (als Kapitalismus z.B. oder als Risikogesellschaft oder als Moderne oder als Postmoderne), die alle den Eindruck erwecken, dass man das Ganze im Blick habe.

All das wird von Luhmann stilistisch gut lesbar dargestellt und in bewährter, leicht augenzwinkernd ironischer Manier entfaltet. In vielerlei Hinsicht bietet er dabei einen erhellenden Blick auf die Selbstbeobachtung der Gesellschaft. Was bei aller Ironie und allen Hinweisen auf unhintergehbare Paradoxien zwar auch erwähnt, aber nicht in der gebotenen Breite entfaltet wird, ist der Umstand, dass Luhmanns eigene These von der funktionalen Differenzierung der modernen Gesellschaft, die These dass die moderne Gesellschaft nicht mehr primär in Schichten gegliedert ist, sondern in operational autonome Funktionssysteme (Politik, Recht, Wissenschaft, etc.) selbst auch einen Blick von drinnen aufs Ganze impliziert. Auch die These, dass ein Blick aufs Ganze heute nicht mehr möglich sei, impliziert ja eine Aussage übers Ganze der Gesellschaft. Auch diese These erscheint letztlich als ein eine Arbeitshypothese, ein Bild, das einen heuristischen Wert besitzt, aber nicht schlechterdings wahr ist. Nun, immerhin weist Luhmann so deutlich wie kaum jemand vor ihm auf die allgemeinen wie auch auf die eigenen Beobachtungsprobleme einer jeden Gesellschaftsbeschreibung hin.

Insgesamt bietet Luhmanns Buch einen großartiger Überblick über zentrale Aspekte der modernen Gesellschaft - und durchaus einigen Lesespaß. Lediglich in einer Hinsicht bietet das Buch nicht das, was einige Leser sich vielleicht von der Lektüre erhoffen: Wer "Die Gesellschaft der Gesellschaft" gelesen hat, bekommt hier keine kurze Zusammenfassung der Bücher über die einzelnen Subsysteme. Das hier besprochene Werk thematisiert eben "nur" die Probleme bei der Beschreibung der Gesellschaft als ganzer. Das ist, so lautet eine der zentralen Thesen Luhmanns über die moderne Gesellschaft, etwas grundsätzlich anderes als eine Beschreibung der Teilsysteme. Es wäre ja auch fast schade, wenn man nach 1149 Seiten Text schon meinen müsste, mehr habe Luhmann dem interessierten Leser nicht zu sagen. Insofern ist das Buch kein Ersatz- sondern eher ein solider Einstieg in die Lektüre der anderen Bände über die "Wirtschaft der Gesellschaft", das "Recht der Gesellschaft", die "Politik der Gesellschaft" (usw.).
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am 25. August 2016
Luhmann erklärt, für Luhmann einfach was er unter Autopoiesis versteht und überträgt das Konzept konsequent auf alle Bereiche der Gesellschaft. Dabei nimmt er Bezug zur Kommunikation und stellt die Trennung von System und Umwelt dar. Für alle die mit etwas Vorwissen zu Luhmann ausgerüstet sind und sich thematisch mit seiner Systemtheroie beschäftigt haben, oder dies wollen sind die Bände sehr gut geeignet
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am 20. Juni 2016
Warum wird Luhmann in den Sozialwissenschaften kaum noch zur Kenntnis genommen? In diesem Werk findet man eine sehr gelungene Basis für die Entwicklung einer Gesellschaftstheorie! Mehr als aktuell!
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am 10. Januar 2011
Ich persönlich finde die hier zu lesenden Rezensionen zu Luhmanns Werk ebenso anmaßend und unergiebig wie Luhmanns Werk selbst.

Die begeisterten Rezensenten überbieten sich sogleich darin, mitzuteilen, dass das Werk "keine leichte Kost" sei. Das Lob gilt dann natürlich erst mal ihnen selbst - klar, ernennen sie sich damit doch zu Mitgliedern jener intellektuellen crème de la crème, die (im Gegensatz zu einfältigen Geistern wir mir) solch schwere Kost verstehen, verdauen und auch noch brilliant paraphrasieren können (wenn auch das Vokabular verdächtig an das Soziologesisch der Phrasen - Dreschmaschine erinnert). Und die zugleich das Herrschafts- und Geheimwissen haben zu beurteilen, dass Luhmann sich vollkommen zu Recht "im Seitentakt" von den Ergebnissen seiner Vor-Soziologen verabschiedet. Klar doch, seine Vordenker der letzten 2500 Jahre haben ja auch eine so unbrauchbare Aftersoziologie abgeliefert, dass ein paar Zeilen des Meisters genügen, sie auf dem Müllhaufen der Geistesgeschichte zu entsorgen. Aber wer sagt mir, das man sich nicht demnächst auch von Luhmanns Thesen wieder verabschieden muss? Und von denen desjenigen, der Luhmanns Thesen verwirft, danach auch wieder? Und wer liefert mit die Kriterien dafür, das zu entscheiden?

Könnte es vielleicht sein, dass stubengelehrte Philosophen und Gesellschaftstheoretiker wie er und vor ihm schon der Evangelist Johannes, wie Hegel, Fichte, Heidegger, Adorno oder Habermas unter einem zwanghaften Drang litten und leiden, die Wirklichkeit zu kategorisieren und auf Phänomene zurückzuführen, die sie sich zuvor selbst ausgedacht haben - wie ein Kartograf, der anfängt, das Gitternetz, das er über die Karte legt, erst für einen Teil der Landschaft zu halten, dann für wichtiger als die Landschaft selbst und schließlich für ein eigenständiges und hochinteressantes Objekt seiner eigenen Erkenntnis?

Soweit es das vor-naturwissenschaftliche Zeitalter angeht, mag es ja noch entschuldbar sein, dass kluge Köpfe versucht haben, die Frustration und den Schmerz über ihre lückenhafte Erkenntnis mit Spekulationspflastern und Begriffskorsetten zu lindern; seit es aber die Teilchenphysik, die Molekularbiologie, die Relativitätstheorie und die Evolutionslehre gibt, gibt es meiner Überzeugung nach keinen Grund mehr, die Welt mit Wortgeklingel statt mit evidenzbasierten und nachprüfbaren Methoden erklären zu wollen. Philosophie und Soziologie erklären nichts, was die Naturwissenschaft nicht besser erklären könnte. Für mich gehört Luhmann in die Grabbelkiste und die Beschäftigung mit ihm in die Kategorie untauglicher Versuch am untauglichen Objekt.
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