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am 18. Juli 2007
Foucault ist zwar immer gut zu lesen, aber nicht immer einfach zu verstehen. Wer wissen will, was Foucault wichtig ist, was ihm Sorgen macht und welche Probleme er faszinierend findet, ist neben Einführungen in sein Werk mit diesem Buch sicherlich gut bedient.
Dem Interview voran führt Wilhelm Schmid '- Professor für Philosophie '- in das Werk Foucaults ein. Schmid ist ein erstklassiger Foucault-Kenner. Anderen Foucault-Kennern dürfte diese Einleitung nichts Neues bringen, für denjenigen, der zum ersten Mal Kontakt mit Foucault hat, bietet sie einen knappen, guten Überblick. Im Anhang findet sich zudem ein Überblick über die deutschsprachigen Publikationen Foucaults.
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am 17. Juni 2009
"Alles hat heutzutage einen Gipfel erreicht, aber die Kunst, sich geltend zu machen, den höchsten."
(Balthasar Gracián, 1601-1658)

Wir wollen Gracián so verstehen, dass es nicht die Exploration der Geltung nach außen, d.h. für andere ist, sondern die Exploration nach innen, nämlich sich selbst aus den Erfahrungen heraus zu reflektieren. Verständiges Denken ist für Heraklit (ca. 500 v.Chr.) höchste Vollkommenheit und die Weisheit ist, Wahres zu sagen und zu tun nach dem Wesen der Dinge (Fragment 112). Mit dieser Option tritt Foucault (1926-1984) an, den "Menschen als Erfahrungstier" zu entfalten, in dem er seinen Schaffensraum vom "Wahnsinn und Gesellschaft" bis hin zum "Willen zum Wissen" diskursiv beleuchtet. Nur weiß er auch, dass es stimmt, was seine Leser durchaus offen ihm sagen, dass nämlich das was er schreibe /sage, nur Fiktion ist. Schreiben über Modelle der Vergangenheit, wie in "Überwachen und Strafen", werden aus der Erfahrung der Modernen beeinflusst und erzeugen einen "Wandel in unserem Verhältnis zu uns selbst und zur Welt, [...] in unserem Verhältnis zu unserem Wissen". Foucault räumt insofern ein, dass Einiges seiner Werke überholt ist, aber dass in allem Erfahrung steckt, die er machen konnte, weil er seine Texte zur Prüfung den Lesern gab. Und "Erfahrung ist etwas, aus dem man verändert herausgeht". Schreiben ist somit für Foucault keine a posteriori Angelegenheit, als wenn das Schreiben dem Denken folgt. Vielmehr ist jedes Buch entwickelt entlang den Ideen und Erfahrungen, die es begleitet hat. Und jede Erfahrung führt zu neuem Denken und neuer Philosophie, nicht als Institution, sondern als Lebenskunst.

Foucault ist Experimentator des Lebens und kein Theoretiker, der von einem System ein deduktiv erzeugtes Lebensmodell ableitet. So gilt Kant als derjenige, der aus dem Apriori der reinen Vernunft seine praktische Vernunft herleiten und zu einem kategorischen Handlungsmodell erweitern konnte. Foucault befindet sich hier in gänzlicher Opposition, schreibt, "um [sich] selbst zu verändern", nicht, um dasselbe zu denken, wie zuvor. Dem Tun ist damit Rückblick immanent - auf sich selbst. Bücher Foucaults sind demnach "bestenfalls Werkzeuge - und Träume".

Foucault ist eigentlich Hegelianer. Die Literatur Nietzsches und Batailles hat ihn jedoch gänzlich verändert. In "Die Ordnung der Dinge" spricht er davon, dass der Mensch tot sei. Nach Nietzsches Aphorismus des Tollen: "Gott ist tot", ist es nun der Mensch; nicht an sich, sondern in seiner Bedeutung, die sich zeigt in der Verlagerung der Problemstellungen: weg von allen Fragen des Individualismus, der Innerlichkeit,hin zur Rückkehr zu den Fragen des Seins, der Ordnung, die nicht nur den Menschen betreffen. Für Foucault ist es auch der Mensch, der im Stillstand verhaftet bleibt. Für ihn gilt somit Aufbruch und Selbstkonstruktion und vor allem die "Sorge um sich". Wie Nietzsche unmissverständlich sagt, das Eine wird, dass mehr ist als die zwei, die es schufen. Die, die das nicht wollen, heißen letzte Menschen. So gilt auch für Foucault, sich selbst aus der bewussten Erfahrung in weitere Grenzerfahrungen zu bringen, in der das "Subjekt von sich selbst entrissen wird, um sich zukünftig daran zu hindern, derselbe zu sein".

All dieses ist Erfahrung als Methode der Entwicklung, in Relativierung der Methoden und hin zu einer Spannung der Subjektivierung. Diese Spannung - bei Sloterdijk (03/2009) ist es die Vertikalspannung - ist Nietzsches Basis, sich nicht fort, sondern hoch zu entwickeln.

Foucaults Anliegen liegt bei ihm selbst und dann in der Vermittlung zum Leser. "Ich unternehme meine Analysen nicht, um zu sagen: seht, die Dinge stehen so, sondern weil ich meine, dass das, was ich sage, geeignet ist, die Dinge zu ändern." Und final lässt sich feststellen: "Ich sage alles, was ich sage, damit es nützt."

Der Leser kann mit Foucault zur Erfahrung kommen oder zur Methode einer Sorge um sich. D.h. aus Erfahrungen lernen zu wollen. Sein Leben zu ändern bedarf manchmal eines Sloterdijkschen Imperativs oder einfach nur den alten platonischen Gedanken, sich selbst zu überwinden oder der Foucaultschen Empfehlung, "die Subjektivität zu verschieben und sich neu zu konstruieren". Es ist in gewisser Weise eine Art Schülerverhältnis und man fühlt sich an die Meisterworte Senecas erinnert, die er seinem Schüler Lucilius im 34. Brief sagte: "du bist mein Werk" und dieser Ausdruck war nicht mehr als ein Ausdruck des pädagogischen Eros. Seneca wusste wie alle zuvor genannten, dass es von dem Selbstformungswillen des Schülers / Lesers abhängt.

Das Vorwort von Wilhelm Schmid (der über Glück schreibt) ist bestens und gibt einen Überblick über die Schaffensperioden eines großen Philosophen, vom dem Sloterdijk sagt, seine Erkenntnisse seien für das 22. Jahrhundert. Nun, die Gelegenheit ist schon heute.
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