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am 7. Februar 2008
Viele Schüler haben es schon immer gewusst: Schule und Gefängnis haben einiges gemeinsam. Michel Foucault beschreibt in seinem Buch "Überwachen und Strafen" die Entwicklung des juristischen Strafsystems von der öffentlichen Anwendung von Martern -häufig bis zum Tod- hin zum, den Augen der Öffentlichkeit verborgenem, Entzug der Freiheit im Gefängnis. Dabei zeigt er, dass mit der Entwicklung der Gefängnisstrafen gleichzeitig die ganze Gesellschaft gefängnisähnlichen Strukturen unterworfen wurde -oder mit anderen Worten: Die Gesellschaft wurde diszipliniert.

Zunächst fand diese Disziplinierung in den Institutionen statt. Beim Militär, in der Schule, in den Fabriken und Hospitälern wurde wie im Gefängnis, nur nicht so rigoros, über die Körper und die Zeit der "Insassen" verfügt. Sie hatten zu einer festgesetzten Zeit an einem festgesetzten Ort zu sein und mit Ausnahme der Kranken mussten sie auch bestimmte Aufgaben in einer bestimmten Zeit erledigen. Um dieses für die Gesellschaft nutzbringende Verhalten sicherzustellen, wurden die Menschen überwacht, Prüfungen unterzogen und, falls sie ein unerwünschtes Verhalten zeigten, bestraft. Mit dem Aufbau einer staatlich organisierten Polizei schließlich fand die Disziplinierung auch außerhalb der Institutionen statt und weitete sich auf die ganze Gesellschaft aus. Spätestens an diesem Punkt erkennt der Leser, dass auch heutige staatliche Maßnahmen wie die Computerüberwachung, das Sammeln von Fluggastdaten und Telefonverbindungen oder die Überwachung öffentlicher Plätze mit Kameras nicht nur der Terrorismusbekämpfung dienen, sondern dass sie auch eine moderne Art der Disziplinierung der ganzen Gesellschaft sind. Diese Erkenntnis macht das Buch heute noch interessant und aktuell, obwohl es sich mit der Vergangenheit beschäftigt und die Originalausgabe schon 1975 erschienen ist.
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am 9. Juli 1999
Ich habe das Buch "Überwachen und Strafen" als Grundlage für meine Diplomarbeit mit dem Titel "Disziplin" im Breich Psychologie genommen und bin auch nach mehrmahligem Durcharbeiten noch immer beeindruck von Foucaults Werk. Er analysiert Stück für Stück, wie sich das Verhalten der Menschen im Laufe des Jahrhunderts in Sachen Kontrolle, Disziplin und der Überwachung samt Bestrafung bei Fehlverhalten geändert hat. Seine Schlußfolgerungen sind ernüchternd und in ihrere klaren Heranleitung kaum zu widerlegen: Im Laufe der Zeit haben wir die Mechanismen aus Überwachung und Bestrafung so weit verinnerlicht, daß wir heute schon allein beim Gedanken an eine Tat die laut Gesellschaft bestrafungswürdíg ist, den inneren Zensor aufrufen der uns in die Schranken weißt. Die Kontrolle ist in uns.
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In Überwachen und Strafen will Foucault mehr als nur die Entstehung des Gefängnisses nachzeichnen. Es geht ihm um die wechselseitigen Beziehungen zwischen Ökonomie, Politik und Wissenschaft, aus denen sich ein eigentliches Strafsystem gebildet hat. Als historischen Fokus wählt Foucault die Entwicklung der Strafen in Frankreich zwischen 1750 und 1850. In diesem Zeitraum wurde die öffentlich vollzogene körperliche Strafe durch die verborgen bleibende Haftstrafe abgelöst. Statt der körperlich schmerzhaften Züchtigung ging es nun darum, das Innere des Sträflings zu verändern. Die dabei angewandten Strafmechanismen sind für Foucault Ausdruck eines gesamtgesellschaftlichen Disziplinierungssystems. Unter Zuhilfenahme historischer Quellen entwickelt er seine Gedanken zur Entstehung der "Disziplinen", die den Einzelnen in Form eines Normierungsnetzes umgeben. Das Gefängnis erscheint sogar als Ort, an dem durch das Sammeln von Wissen die Grundlagen für die modernen Humanwissenschaften gelegt wurden. Die nicht immer einfache Sprache ist Ausdruck des Bemühens, jedes simple Erklärungsmuster zu vermeiden. Dennoch ist das Buch streckenweise fesselnd und die Analysen zur "Mikrophysik der Macht" bleiben jederzeit nachvollziehbar.
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am 10. April 2015
Als ungeübter Leser, muss man sich auf Foucault schon einlassen. Mit einem gewaltigen Atem taucht er in die Tiefen, an den Ursprung unserer heutigen Zivilisation, er wirkt dabei wie ein Außerirdischer der versucht zu verstehen wie wir Menschen so geworden sind. Er seziert Verhaltensweisen bis ins letzte Detail und leitet davon die Entwicklung eines Justizapparates ab.
Überwachen und Strafen sind Instrumente die im Laufe der Geschichte immer feiner aufeinander abgestuft wurden, und heute mit der Prothese der Digitalisierung unsichtbar werden. Die Religionen implantierten als Erste die Vorstellung in uns, dass wir "beobachtet" werden. Sie gewährleisteten ein zur Unterwerfung williges Volk. Das war Grundlage für ein patriarchisches Wirtschaftssystem, eine Revolution von denen nur wenige profitierten. Das Gefängnis scheint nur als Ablenkungsmanöver zu dienen, um zu verschleiern das unser gesamtes Gesellschaftssystem zum Gefängnis ausgehöhlt wurde. Schulen, Hospitäler, Irrenanstalten und Vereine sind Disziplinierungsanlagen in der Individualität gleichgeschaltet wird. Vor allem die immer feineren Abstufungen die sich aus diesem Optimierungsprozess ergeben. Mit Ihnen wird auch der Begriff der Normalität geboren. Die Straftat als Abweichung, beschreibt auch ihre eige Ökonomie: an Hand der Arbeit durch Inhaftierte, oder eine Beispiel der Gegenwart die Geschwindigkeitsüberschreitung als "nützliche" Einnahmequelle...
Sehr empfehlenswert, tolles Buch und Nachschlagewerk.
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HALL OF FAMEam 19. Januar 2010
Foucault hat u.a. mit seiner Untersuchungs-Richtung "ÜBERWACHEN UND STRAFEN" einen der wesentlichsten Grundzüge der Gegenwarts-Gesellschaften aufgedeckt, hinter denen die Analysen Sigmund Freuds oder Alfred Adlers wie Primaner-Arbeiten verblassen. Seine Theorie der MACHT-ausübenden Institutionen hat an Aktualität, was ein Nietzsche oder Kafka noch nicht formulieren konnte. Nietzsches Schreiben war eher ein folgenloses Nörgeln. Kafkas Texte sind zwar wie Alpträume (oder extreme Satire) - aber gab es je eine politische Wirkung von Literatur? Foucault ist nachhaltiger in seinem Einfluss. Vielleicht, weil die französische Gesellschaft Philosophie ernster nimmt als die deutsch sprechende? Nach Foucault hat das Christentum Unterwürfigkeit und Korpsgeist erst vorbereitet, dann zementiert. Dies konnten sich die nachfolgenden neo-konservativen Konsumgesellschaften global zunutze machten. "Die Bourgeoisie ist intelligent, scharfsichtig und berechnend. Keine Herrschaftsform war jemals so furchtbar und damit so gefährlich, so tief eingewurzelt." Die neo-konservativen Eliten reduzieren sukzessive mittlerweile unwidersprochen die bürgerlichen Rechte, sei es Meinungsfreiheit, Kündigungs-Schutz etc. - sie subventionieren die Spielschulden global tätiger Banker-Cliquen aus Steuergeldern und feuern kritisierende Gewerkschafter wegen vorgeschobener Bagatellen in die Arbeitslosigkeit und in das Existenz-Minimum. Scharfsinnig und berechnend wird von oben nach unten tyrannisiert - nur mit feinen, marmornen Methoden und mit den hektographierten Textbausteinen der Verwaltung. Das an den Pranger gestellt zu haben war Verdienst Foucaults. Resümee: Man wünscht sich den in den westlichen Gesellschaften meistens nicht hinterfragten Dressur-Systemen Familie und Beruf, Verein und Parlament (Fraktionszwang, ein deutsches Wort) diskutierende Gegner wie ein Foucault es war. Seine Thesen müssten in Talk-Shows gelangen, nicht die täglichen beschwichtigenden und verharmlosenden TV-Nebelschleier - damit sich die Kunst verbreite, "nicht dermaßen regiert zu werden..."
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am 12. Februar 2006
"[Z]u einer ausnutzbaren Kraft wird der Körper nur, wenn er sowohl produktiver wie unterworfener Körper ist." (S.37)
Ein Buch, das mich nachhaltig beeindruckt. Foucault entwirft eine Theorie über ein Machtkonstrukt, das zwar keinen totalitären Herrscher besitzt, aber alle Subjekte, die in ihm leben, unterwirft. Alle im System werden überwacht, aber strafen paradoxerweise zugleich.
"Das Individuum ist zweifellos das fiktive Atom einer >>ideologischen<< Vorstellung der Gesellschaft; es ist aber auch die Realität, die von der spezifischen Machttechnologie der >>Disziplin<< produziert worden ist." (S. 250)
Was im Leben so oft absurd erscheint, aber nicht zum lachen stimmt, erhält mit diesem Buch eine nachvollziehbare Logik. Umso absurder erscheint der Gedanke daran, dass diese Absurdität ihre eigene Geschichte hat. Foucault zeigt wie das von statten ging.
Foucault gehört zu den wenigen Dingen im Leben, die man wirklich kennen sollte. Die Mt. Everest Besteigung kann getrost warten. Die wahren Abenteuer sind im Kopf. "Die Seele: Gefängnis des Körpers" (S.42)
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am 27. Juli 2014
Überwachen und Strafen von Michel Foucault ist das Standardwerk über Gefängnisse und ihre Entstehung.
Ein Überblick wie seit der Antike bestraft und wie Gefängnis ein Ort der Arbeit wird.
Herausragender Klassiker!
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am 12. Mai 2013
Das Buch wurde schnell geliefert. Ich brauchte es für meine Diplomprüfung. Das Buch war gut leserlich, aber wenn ich es nicht für die Uni gebraucht hätte, hätte sicher nicht gelesen.
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am 4. April 2014
Das erste, was beim Lesen dieses Buches auffällt, ist die Grausamkeit, mit der der Autor seine Leser zwingt, in aller (völlig unnötigen) Ausführlichkeit die Bestrafung eines Menschen durch "Vierteilung" bei lebendigem Leibe, mitzuerleben !!
Sprache schafft allerdings Wirklichkeiten.....
Schon hier entpuppt sich Foucault nicht als ein echter Gegner von Folter und Gewalt, sondern auch als jemand, der dem eigenen Trauma durch selbst erfahrene Gewalt nicht entkommen kann. Der Versuch, durch Intellektualisierung, Beschreibung und Protest gegen jede gewaltsamen Normierung (des Geschlechts) durch den Staat das eigene innere Chaos in den Griff zu kriegen, scheitert: Foucault betrieb bis zu seinem frühen AIDS - Tod selbst aktiv und passiv Folter und Gewalt im Rahmen seiner homosexuellen, sado-masochistischen Neigung.
Man sollte Foucault mit diesem Wissen und vor diesem Hintergrund lesen: ein bedauernswerter, gescheiterter Mensch
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