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am 7. April 2013
Die letzten Tage der Menschheit"Die letzten Tage der Menschheit" ist einer der Höhepunkte im Werk von Karl Kraus und hat noch heute eine unmittelbare Wirkung auf den Leser. Charaktere der Zeit während des ersten Weltkriegs im Habsburger Reich wurden präzise wiedergegeben, sei es durch historisch belegte Zitate, sei es durch die Verdichtung ihrer Denkweise auf das Wesentliche. Kraus' Drama ist nur schwer ohne erhebliche Einbußen auf die Bühne zu bringen, weshalb die breite Rezeption in Buchform bereits vom Autor angestrebt wurde. Als eine der wichtigsten literarischen Schriften gegen den Krieg, besonders aber als fundierte Analyse martialischer Sprachmuster und ihres Eingangs in die Presse-, Verwaltungs- und Diplomatensprache ist Kraus' Schrift noch immer ein "Muss" für Historiker und alle Freunde von Friedensbestrebungen.
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am 5. Juni 2014
Bei dieser Ausgabe (suhrkamp, 2005) handelt es sich um die so genannte Bühnenfassung des Werks, einer vom Autor selbst vorgenommenen Auswahl von Szenen aus den Letzten Tagen der Menschheit. Es handelt sich daher hier um eine stark gekürzte und umgestelle Version des Originals. Zur Orientierung, in der Originalversion besteht das Werk aus mehr als 200 Szenen und hat 792 Seiten (editio princeps), die hier vorliegende Bühnenfassung enthält 87 Szenen, die unterschiedlich stark gekürzt sind, und umfasst in dieser Ausgabe etwa 225 Seiten.

Karl Kraus hat Die letzten Tage der Menschheit selbst als unaufführbar bezeichnet, eine Aufführung würde nach Kraus etwa zehn Theaterabende beanspruchen, das Werk sei als Lesestück in Dramaform gedacht. Die Bühnenfassung, auf Wunsch der sozialdemokratischen Kunststelle in Wien entstanden, sollte das Werk für eine Aufführung adaptieren.Es kam jedoch zu Kraus' Lebzeiten selbst nie zu einer Aufführung. Erst 1992 kam es zur Veröffentlichung der Bühnenfassung.

Zur Einführung in das Werk empfehle ich den kurzen Essay von Eric Hobsawm "Die letzten Tage der Menschheit -ein Essay" dem ich auch die Angaben zur Geschichte des Werks entnommen habe,

Der Essay von Hobsbawm ist enthalten in:
Balzer, F.-M. und Fülbert, G (2010) Zwischenwelten und Übergangszeiten:
Interventionen und Wortmeldungen. Köln, PapyRossa-Verl.
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am 18. Mai 2012
Die letzten Tage der Menschheit sind zwar sperrig zu lesen, durch die eingefügten Hinweise zu den handelnden Personen aber heutzzutage besser lesbar als viele antiquarisch erhältliche gedruckte Ausgaben. Kraus zeigt die Schrecken des ersten Weltkrieges mit einer ungeheuren Dichte auf, die uns erschauern lässt, wenn man an die Möglichkeiten zukünftiger Kriege denkt. Gleichzeitig wird die Profitmaximierung der Kriegslieferanten genauso entlarvt wie die menschenverachtende Denkweise der Generäle und Kaiser, die dann noch (für ihren Einsatzbefehl zum Gaskrieg?) selig gesprochen wurden.
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TOP 1000 REZENSENTam 23. August 2014
Es gibt verschiedene Ausgaben: Die "Bühnenfassung" ist immer noch lang, doch, wenn, dann empfehle ich: geben Sie sich gleich die ursprüngliche Fassung auf rund 840 Seiten. Und um so etwas wirklich konzentriert zu lesen, ist vielleicht Papier eine gute Idee.

Der Sprachnörgler und Außenseiter Karl Kraus behielt im Ersten Weltkiieg einen kühlen Kopf und notierte die schlimmsten Verirrungen. Für Kraus sind das die sprachlichen Sumpfblüten. Diese montiert er zu Szenen aus Heimat, Etappe und Front. Die dargestellte Ignoranz ist kaum zu fassen. "Bumsti" soll der Habsburger Erzherzog Friedrich tatsächlich zu einem Großkalibereinsatz ausgerufen haben.

Sich selbst hat Kraus wohl weitgehend in die Rolle des "Nörglers" geschrieben. Der sorgt immer wieder zwischendurch für sarkastische Sezierung der Sprachgeschwüre. Kleine Warnung: österreichische Redewendungen und Dialekte kommen vor. Zumindest meiner roten Ausgabe aus der Suhrkamp-Taschenbuchreihe selig mangelt es noch an Fußnoten o.ä. für Lesende ohne Vorkenntnisse.

Ein Buch für einen Leserausch, Eine Buch für viele Notizen, ein Buch zu einem anderen Verständnis des Ersten Weltkriegs. Fünf Sterne.
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am 19. Februar 2013
Wenn von Österreichs Kulturgeschichte die Rede ist, darf vom Autor dieses Werkes nicht geschwiegen werden ;-)

Absolut wertvolle Lektüre. Und das noch für lange Zeit.
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am 7. Juni 2005
Karl Kraus sagte selbst über sein heute wohl berühmtestes Werk, es sei für ein Marstheater gedacht; für ein irdisches Theater hielt er es wohl für zu umfangreich. Für eine ungekürzte Aufführung veranschlagte er immerhin ca. zehn Stunden. "Die letzten Tage der Menschheit" sind eine atemberaubende Collage, zusammengestellt aus authentischen Gesprächsfetzen kurz vor und während des Ersten Weltkrieges, die Kraus akribisch gesammelt hatte und die klarer als jede Analyse verdeutlichen, warum die "Welt von gestern" (Stefan Zweig) untergehen und einer weniger menschlichen Epoche weichen musste, und wie Europa seine Menschlichkeit leichtfertig preisgab.
"Die letzten Tage der Menschheit" beginnen mit einem Vorspiel, dem berühmten "Ringstraßenkorso". In das Ritual der Sehen-und-Gesehen-Werdens bricht die Nachricht, der Thronfolger sei ermordet worden. Aber bricht die Nachricht tatsächlich herein wie eine Urgewalt? -- Mitnichten! Man hat schließlich wichtigeres zu tun, als sich mit dem Tod des in konservativen Kreisen wegen seiner progressiven Ideen nicht eben beliebten Erzherzogs zu befassen. Noch zynischer reagiert man im Kanzleizimmer des Obersthofmeisteramtes, wo der Ablauf des Staatsbegräbnisses, das keines sein darf, organisiert wird. Nach diesem Vorspiel des Stückes (und des Krieges) bricht der Krieg tatsächlich aus, in den das alte Europa hineinschlittert und in dem es schließlich untergehen soll. Kraus muss nichts kommentieren oder hinzusetzen zu dem, was er auf den Straßen und den Caféhäusern, in den Etappen und Schützengräben gesammelt hat; es spricht alles für sich. Die Szenen geben die Stimmung der "kleinen" und "großen" Leute wieder, in der Metropole Wien ebenso wie in der Provinz, bei den Zivilisten ebenso wie beim Militär. Tatsächlich, hier ging die Menschheit einem Ende entgegen, und das dürfte kaum einer besser bemerkt haben als Karl Kraus.
Ergänzungstipp: Helmut Qualtingers Lesung der "Letzten Tage der Menschheit" auf 4 CDs.
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am 2. Juni 2006
Der Erste Weltkrieg brachte zehn Millionen Menschen den Tod und verkrüppelte mindestens ebenso viele. In seinem Drama "Die letzten Tage der Menschheit" entwarf Karl Kraus ein gewaltiges Zeitpanorama, das in vielen grotesken Szenen die ganze Absurdität und Unmenschlichkeit des Kriegsgeschehens zu ermessen versucht. Ohne einen festen Handlungsstrang lässt das Stück Militärs und Zivilisten, historische und erfundene Personen zu Wort kommen. Mit seiner Sprachkunst und seinem ungeheuren Wortwitz entlarvt der Autor ihr unmenschliches Denken, Reden und Handeln. Dabei bedient er sich zahlreicher Originalzitate, deren Aussagen als unwahrscheinlich und unfassbar erscheinen. Jede Aufführung des Mammutstücks bedeutet einen gewaltigen Aufwand, der Autor selbst hat es als unaufführbar bezeichnet. Doch auch für Leser ist der Text nicht immer leicht zu konsumieren, zumal er zum großen Teil im österreichischen Dialekt verfasst ist. Die Offenlegung der Monstrosität des Menschen im und durch den Krieg ist immer noch erschreckend aktuell - wie die vielen weiteren Kriege im 20. Jahrhundert und bis in die jüngste Vergangenheit gezeigt haben. Kraus’ Drama ist darum jedermann immer wieder zur Lektüre zu empfehlen.
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am 6. Oktober 2014
Die letzten Tage der Menschheit
Karl Kraus ist als scharfer Denker und kritiker bekannt. Jetzt, 100 Jahre nach dem 1. Weltkrieg ist das Thema interessant. Karl Kraus legt mit brutaler Offenheit die Verlogenheit und Verantwortungslosigkeit der damaligen Führung in Österreich-Ungarn und Deutschland bloß. Die altmodisch französelnde Sprache der Wiener "besseren Gesellschaft" von damals steht in krassem Gegensatz zu der ehrlichen "Primitivität" der unteren Schichten. Allerdings, das Werk ist wahnsinnig umfangreich, so dass sich vieles - zwar in Variationen - aber doch wiederholt. Für mich ein großes Leseerlebnis!
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am 26. Juli 2014
aber sehr schwierig zu lesen. Wer sich mit der gesellschaftlichen Situation zum Ausbruch des 1. Weltkrieges befassen will, ist damit aufs Beste bedient. Mann, bin ich froh, dass ich zu dieser Zeit nicht gelebt habe.

Unbedingt empfehlenswert.
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am 10. August 2014
und Karl Kraus schrieb ein satirisches und zynisches im jedem Fall ein bissiges und tiefschwarzes Theaterstück über kleine und "große" Leute, Spießer, "Oberlehrer", Nationalisten und - Menschen, wie sie eben so sind. Natürlich ist das Buch schwer zu lesen, aber wer sich einmal da reingelesen hat, kann davon nicht mehr lassen. Scherenschnittartig, aber zielsicher die scharfe Beobachtung von KK der vielen kleinen Geister, Vorläufer allesamt für die noch größere Katastrophe 20 Jahre später. Man muss stellenweise bitter lachen über die Verbohrtheit der einzelnen Charaktere, das geschäftige und unreflektierte Tun der Protagonisten, großartig!
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