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Kundenrezensionen

4,2 von 5 Sternen
33
4,2 von 5 Sternen
Postdemokratie (edition suhrkamp)
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:10,00 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime


am 8. Mai 2017
Dieses Buch sollte jeder lesen, der sich Gedanken über unsere Gesellschaft und deren Zukunft macht. Auch wenn man nicht mit allem übereinstimmen muss, so regt es doch an.
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am 8. Februar 2009
Wer eine wissenschaftlich-dialektische Analyse erwartet wird mit diesem Buch sicher enttäuscht werden. Es handelt sich schließlich um ein Essay und ein Essay setzt Akzente. Collin Crouch lässt in der Tat positive Aspekte des demokratischen Prozesses weg, um diesem Buch jene Schärfe zu verleihen, die es benötigt um ein wichtiges Signal zu setzen: Seht her, die Demokratie ist gefährdet.

Er beschreibt die Demokratie als Parabel. Er sieht den Höhepunkt der Demokratie überschritten und macht dies an einigen Punkten fest. Seine Argumente sind insgesamt Neoliberalismus-, Kapitalismus-, Regierungs-, Institutionen- und Globalisierungskritisch. Er sieht keine Rückkehr zu den Zeiten vor der Hochphase der Demokratie, sondern eine Fortentwicklung der Gesellschaft mit schwindenden demokratischen Elementen.

Das Buch beleuchtet die Probleme unserer Demokratie. Meiner Meinung nach ist das Bild, welches hier gezeichnet wird, jedoch ein wenig ZU düster. Den Begriff Postdemokratie finde ich insofern misslungen, als dass dieser das Ende, das zeitlich "nach" der Demokratie konstatiert. Dem kann ich nicht zustimmen, aber die Tendenz ist durchaus vorhanden und ein - nennen wir es mal Aufschrei - auch gerechtfertigt.

Es sei erwähnt, dass diese Rezension aus Sicht eines Lesers geschrieben ist, dessen politische Grundeinstellung sich weitgehend mit der des Autors deckt. Ich denke dies sollte man fairerweise kommunizieren, damit man einschätzen kann wie ich zu einer Wertung von 4/5 Sternen gelangt bin.

(+) Gute Bestandsaufnahme der Probleme der Demokratie
(+) Angenehmer, verständlicher Schreibstil
(+) Hoffentlich ein aufrüttelnder Text

(-) Übertrieben pessimistisches Bild (bei Durchaus verständlichem Zweck dieser Darstellung)

Ich würde dieses Buch jedem empfehlen, der sich kritisch mit der Entwicklung der modernen Demokratie befasst.
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am 9. Dezember 2016
Colin Crouch analysiert auf den Punkt und messerscharf den Zustand der so genannten liberalen Demokratie der Gegenwart. Es gibt zwar von Land zu Land dezente Unterschiede, aber im Großen und Ganzen ähneln sich die Systeme mehr als sie sich unterscheiden. Daher sollte dieses Bücherl dringend und schleunigst Pflichtlektüre für alle Politikerinnen und Politiker werden, bevor und/oder während sie diesen ihren Beruf ausüben, sowie zumindest für Studierende der Politikwissenschaften. Die Thesen, Beobachtungen und Analysen von Crouch sind zu wichtig, um sie sich nicht permanent vor Augen zu halten.
So hat die so genannte liberale Demokratie nicht mehr unbedingt etwas mit der Ur-Idee von Demokratie zu tun: die "liberale Demokratie" wird beherrscht von (neoliberalen) wirtschaftlichen Interessen und manipuliert bzw. gesteuert von deren Lobbys; für die diesen Lobbys hörigen PolitikerInnen ist öffentlichkeitswirksames Selbstmarketing das Wichtigste - es geht nicht mehr wirklich um Inhalte, sondern um Stichworte und Emotionen. Wahlen verkommen immer öfter zu Alibiaktionen, in deren Vorfeld Spindoktoren Wahlkämpfe planen und kontrollieren. Die Bevölkerung verkommt so zum manipulierbaren Wahl- bzw. Stimmvieh.
Für mich persönlich können Gestalten wie Donald Trump nur in einem postdemokratischen Gesellschaftszustand "gewählt" an die Macht kommen (dem amerikanischen Wahlsystem sei Dank). Aber in Europa brauchen wir gar nicht so sehr mit Steinen werfen, wir haben selbst genügend Rechtspopulisten, die mit Hilfe von passiv-aggressiver NLP (als Pseudorhetorik) und Schmutzkübelkampagnen an die Macht drängen. Ich empfehle hierzu nachdrücklich eine Recherche zur beängstigend einflussreichen Organisation Cambridge Analytica.

Die Kapitel im Überblick:
1. Was heißt "Postdemokratie"?
2. Das globale Unternehmen
3. Soziale Klassen im postdemokratischen Zeitalter
4. Zur Lage der Parteien
5. Postdemokratie und die Kommerzialisierung öffentlicher Leistungen
6. Und jetzt?

Crouch ist nicht unbedingt Pessimist, aber seine Analysen verheißen eher nichts Gutes für den zukünftigen Zustand unserer "liberalen Demokratie". Wobei erwähnt werden muss, dass Crouch explizit erwähnt, dass Postdemokratie kein nichtdemokratischer Zustand ist und überwindbar ist: "...sich eine sehr große Zahl von Menschen lebhaft an ernsthaften politischen Debatten und an der Gestaltung der politischen Agenda beteiligt und nicht allein passiv auf Meinungsumfragen antwortet; daß diese Menschen ein gewisses Maß an politischem Sachverstand mitbringen und sie sich mit den daraus folgenden politischen Ereignissen und Problemen beschäftigen.“ Es liegt also auch zu einem guten Teil an uns selbst, das postdemokratische System zu überwinden!
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TOP 1000 REZENSENTam 11. März 2013
Colin Crouch verliert sich nicht in politischen Orakeln, sondern weist wissenschaftlich belastbar nach, daß den Staaten des Westens das Attribut des Demokratischen nicht mehr zukommt und sie insofern Züge von "Ancien Regimes" entwickeln. Insofern jedoch die Demokratie offiziell als identitätsstiftend und existentiell beschworen wird, diagnostiziert Crouch hier die "Krankheit zum Tode" im politischen Sinne.
Das traditionelle Selbstverständnis, Demokratie beruhe auf politischen Debatten engagierter und anspruchsvoller Menschen, ist für Crouch Geschichte. Zwar werden noch Wahlen abgehalten, aber sie verkommen zu einem Spektakel, das Teams von PR-Experten im Stil des üblichen Medienklamauks aufführen, während die Bürger zunehmend apathisch auf die "Inszenierung politischer Marken" reagieren.
Obwohl die demokratischen Institutionen formal intakt sind, entwickeln sich politische Verfahren auf vordemokratisches Niveau zurück. Entscheidungen erfolgen eben nicht mehr im Diskurs, sondern in den engen Zirkeln von Spitzenpolitikern, Wirtschaftsführern, Beratern und Lobbyisten, die zudem ihre Posten untereinander tauschen.
Insbesondere die Linke ist mit ihren egalitären Projekten nicht nur gescheitert, sondern befördert den Prozeß der Entdemokratisierung: "New Labour" und die davon inspirierte SPD reagierten auf den Niedergang der traditionellen Arbeiterschaft damit, sich der Wirtschaft nicht nur anzudienen, sondern selbst deren Politik zu betreiben, indem sie immer mehr öffentliche Güter der vermeintlich effizienten Wirtschaft überließen, die allerdings nur eines besser verstand als der sich degradierende Staat - die perfekte Präsentation. Die Fähigkeit des Staates, mit schwindendem Selbstvertrauen seine eigene Dekonstruktion zu betreiben, gilt Colin Crouch als extremste Form, nach der Unternehmen die zeitgenössische Gesellschaft dominieren. Das "New Public Management" radierte die Grenze zwischen Wirtschaft und Politik aus.
So wie die Politik als Showgeschäft betrieben wird, gestalten sich die Parteiprogramme und wird die Rivalität der Parteien selbst immer farbloser. Es sinkt die politische Bildung der Bürger, die kaum mehr in der Lage sind, "die politische Tagesordnung aktiv vorzugeben". Die Politiker indes "kümmern sich vor allem um die Belange einer Handvoll Wirtschaftsführer, deren spezielle Interessen höflich in die Sprache der Leitlinien der öffentlichen Politik übersetzt werden". Die Parteien werden Firmen; Berlusconis Forza Italia stellt dafür das Supermodell dar.
Klassisch linke Argumentation liegt Crouch fern. Er stellt klar, daß soziale Gleichheit national stets zu Lasten der Freiheit ging, die die Bürger immer weniger zu handhaben verstanden. Namentlich sozialdemokratische Regierungen folgten neoliberalen Vorstellungen, betrieben mit dem Ausverkauf des öffentlichen Bereichs direkt die Auszehrung der Demokratie, da sich das Prinzip der Gerechtigkeit nicht der Logik der Betriebswirtschaft unterwerfen läßt. Als der Staat sich noch als externe Regulierungsinstanz verstand, benötigten seine Politiker und Beamten ein Ethos, das einen anderen Kodex forderte als in der Wirtschaft üblich und erforderlich.
Für Crouch ist die traditionelle Demokratie ein Auslaufmodell, wenn es nicht gelingt, den Kapitalismus als Wirtschaftsordnung zu bewahren, aber am Ausüben der Macht zu hindern. WTO, OECD und die demokratiedefizitäre EU verhindern genau dies. In der Wiederbelebung der Parteien, in der Stärkung der "Bürgerversammlung" und in der Mobilisierung "neuer sozialer Identitäten" sieht Crouch gewisse Chancen. Der Rechten gesteht er zu, die Probleme der Globalisierung zwar zu erkennen, aber in der Konzentration auf Einwanderern zu personalisieren, anstatt die wahren Ursachen auszumachen - "die großen Unternehmen und ihr ausschließlich profitorientiertes Verhalten, das Gemeinschaften zerstört und auf der ganzen Welt die Verhältnisse instabil werden läßt".
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TOP 1000 REZENSENT VINE-PRODUKTTESTERam 29. Mai 2010
Seit der italienischen und britischen Erstauflage im Jahre 2003 gilt das Werk als ein Klassiker in Sachen Auflösungserscheinungen von Demokratie. Mit dem Begriff Postdemokratie schuf der Politikwissenschaftler einen Terminus, der sich an das Paradigma Aufstieg-Blüte-Verfall anlehnt und somit all jene interessiert, die schon lange glauben, dass die Demokratie den Bach herunter geht. Zumal Crouch selbst sehr dezidiert untermauert, dass Postdemokratie auch ein Synonym ist für Politikverdrossenheit, Sozialabbau und Privatisierung. Nichtsdestotrotz greift Crouch tatsächlich zahlreiche Aspekte auf, über die alle nachdenken müssen, die nicht unreflektiert und ungefragt in einem Prozess mit fortgerissen werden wollen, in dem die Konturen der Macht schon längst Formen angenommen haben, die nicht mehr mit den gesetzten Institutionen der Demokratie übereinstimmen.

In insgesamt sechs Abschnitten setzt sich Crouch mit dem Thema auseinander. Nach einer ausführlichen Definition des Begriffs Postdemokratie und einer Beschreibung ihrer Erscheinungen, die alle in einer Ent-Institutionalisierung, Ent-Formalisierung und De-Regulierung zu finden sind, widmet sich der Autor den Rahmenbedingungen in Form der Weltwirtschaft und der in ihr operierenden globalen Unternehmen. Die Infrastrukturen, in denen sich diese Konglomerate bewegen, sind strategisch den nationalen Politikformationen überlegen. Anhand der Konkurrenzstiftung der Standorte durch die globalen Player beschreibt Crouch überzeugend, wie desolat es um die Machtstellung des lokalen Souveräns bestellt ist: In einem fortschreitenden Prozess der gegenseitigen Unterbietung werden alle Voraussetzungen und Werte, die ein Gemeinwesen ausmachen, zugunsten des nackten Überlebens geopfert. In einem weiteren Kapitel beleuchtet Crouch die Auswirkungen dieser Entwicklung auf die sozialen Klassen, deren Konturen sich mit der Globalisierung nicht nur verwischt haben, sondern auch neuen Funktionseliten hervorbrachten, die jenseits staatlicher Legitimation und Rollenbeschreibung operieren. Die Auswirkungen sind bis in die politischen Parteien zu sehen, die dem Verlust ihrer Massenbasis allzu oft mit der Kopie dieser Funktionseliten begegnen wollen, was sie nicht selten zu tragikomischen Erscheinungen degenerieren lässt und ihr Ansehen in einer längst veränderten Wählerschaft nur noch verschlechtert. Letztendlich wird ein Blick auf die wachsende Privatisierung von Leistungen geworfen, die in Hochzeiten der Demokratie immer als hoheitliche Aufgabe staatlicher Institutionen gewertet wurde.

Alles in allem handelt es sich bei dem Buch um ein vom Umfang her übersichtliches, aber reichhaltiges Kompendium an Fragestellungen, die allesamt essentiell sind, wenn wir es mit einer Weiterentwicklung der Demokratie ernst meinen. Obwohl der phänomenologische Ansatz auf den ersten Blick vernünftig erscheint, zeigt er gerade zu dem Zeitpunkt, an dem die Gedanken sich der Frage nach Lösungsansätzen widmen sollten, seine Schwäche: Man verharrt in der Falle der institutionellen Erosion. Da ist es zielführender, sich dem zu widmen, von dem die Demokratie ausgeht, d.h. dem Menschen respektive dem Volk. Nur wenn dort eine kritische, veränderungsaffine Entwicklung einsetzt, lohnt es sich noch, über Institutionen nachzudenken.
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am 2. Januar 2015
Mit „Postdemokratie“ hat der Verfasser Colin Crouch nicht nur ein Buch, sondern zugleich einen zentralen Begriff der heutigen Debatte über Politikverdrossenheit geschaffen. Crouch beschäftigt sich mit dem widersprüchlichen Phänomen, daß die Demokratie als Staatsform einerseits weiter verbreitet sei, denn je. Sie stehe damit zu Beginn des 21. Jahrhunderts auf ihrem weltgeschichtlichen Höhepunkt. Andererseits gäbe es jedoch keinen Grund für Optimismus, wenn man die „Gesundheit des politischen Systems“ unter anderem in den Staaten Westeuropas betrachte. Also auch in der Bundesrepublik Deutschland. Demokratische Institutionen existieren zwar noch formal, würden aber von Politikern und Bürgern nicht mehr mit Leben gefüllt.

Unter Postdemokratie versteht Crouch „ein Gemeinwesen, in dem zwar nach wie vor Wahlen abgehalten werden, Wahlen, die sogar dazu führen, daß Regierungen ihren Abschied nehmen müssen, in dem allerdings konkurrierende Teams professioneller PR-Experten die öffentliche Debatte während der Wahlkämpfe so stark kontrollieren, daß sie zu einem reinen Spektakel verkommt, bei dem man nur über eine Reihe von Problemen diskutiert, die die Experten zuvor ausgewählt haben. Die Mehrheit der Bürger spielt dabei eine passive, schweigende, ja sogar apathische Rolle, sie reagieren nur auf Signale, die man ihnen gibt. Im Schatten dieser politischen Inszenierung wird die reale Politik hinter verschlossenen Türen gemacht: von gewählten Regierungen und Eliten, die vor allem die Interessen der Wirtschaft vertreten.“

Die Errungenschaft der Demokratie, daß der normale Mensch sich auf der politischen Bühne Gehör verschaffen könne, werde verdrängt. Die Eliten hätten schnell gelernt, wie man Menschen steuert und manipuliert. Der Bürger sei gelangweilt und immer stärker mit den Problemen des Alltags beschäftigt. Die Mitarbeit in politischen Organisationen ginge zurück und am Ende bliebe sogar die Wahlverweigerung.

Die Macht von Wirtschaftseliten und die Unterordnung allen Lebens unter kapitalistische Verwertungsinteressen macht Crouch als Hauptgegner des Bürgers aus, der vergeblich versucht, seinen Interessen politisches Gehör zu verschaffen. Das zentrale Anliegen jeder Regierung sei wirtschaftlicher Erfolg. Entsprechend anfällig sei die Politik für Wünsche und Drohungen der Wirtschaftslobby. Wo aber zugleich auch die Menschen in politische Apathie verfielen, werde der Staat zum Selbstbedienungsladen der Wirtschaftsverbände.

Zu dieser Selbstbedienung gehöre z.B. die Privatisierung des Staates. Womit sich Geld machen lasse, das werde privatisiert und von der Wirtschaft gerne in Eigenregie übernommen. Was unprofitabel sei, verbleibe beim Staat und die Zeche zahle der Bürger bei gleichzeitigem Qualitätsverlust der öffentlichen Dienstleistungen und Angebote.

In Sachen Unternehmenssteuern würden die Regierungen erpreßt und die finanzielle Last schließlich auf die Allgemeinheit umgelegt. Es finde unter dem Druck der Wirtschaft ein Unterbietungswettkampf zwischen den Staaten statt, dem die Arbeitnehmerrechte zum Opfer fielen. Das Problem für die Demokratie laut Crouch: „Unternehmen sind nicht einfach nur Organisationen, sondern Konzentration von Macht. […] Je mächtiger das Unternehmen als Organisationsform wird, desto mächtiger werden die Individuen, die diese Position besetzen. […] Die Klasse, die ohnehin die Ökonomie beherrscht, dominiert nun auch den politischen Bereich.“ Die Politik öffne sich zudem gerne für privatwirtschaftliche Einflüsse. Die Politik unterwerfe sich z.B. dem Informationsvorsprung privater „think tanks“, mache sich von privaten Geldern abhängig und öffne ihre Büros für Wirtschaftsvertreter. Dort angekommen, können diese sogar an Gesetzen mitschreiben, von denen sie hinterher selbst profitieren. Crouch hebt in diesem Zusammenhang die unrühmliche Rolle deutscher Politiker besonders hervor.

Wenn die Wirtschaftslobby soviel macht hat, fragt man sich natürlich, welche Rolle die Parteien heute eigentlich noch spielen. Die Parteien in der heutigen „Postdemokratie“ haben laut Crouch die Verbindung zum Bürger verloren. Selbst die unteren Reihen der idealistischen Parteiaktivisten seien von den elitären Machtzentren abgekoppelt. Bedeutender Faktor dieser Entwicklung sei die „enorme Ausweitung der Berater- und Lobbyistenzirkel im Umfeld der Politiker. Auch wenn sich drei Gruppen unterscheiden lassen (Spitzenpolitiker, Berater und Lobbyisten), so wechseln die Individuen in der Praxis zwischen diesen Positionen hin und her, zusammen machen sie das Feld aus, in dem Politik als Beruf stattfindet.“

Crouch, könnte man meinen läßt dem Leser nicht viel Hoffnung auf Besserung. Und in der Tat sieht er selbst in naher Zukunft keine Besserung der Mißstände. Dennoch ruft Crouch den Leser zum Protest auf. Es gelte, den globalen Finanzkapitalismus einzudämmen und zum Gegenangriff überzugehen. Die Wirtschaft habe bewiesen, daß sie ihre Finger nicht aus der Politik lassen kann, und zwar egal, ob es ihr gut oder schlecht gehe. Es müsse daher Regeln geben, welche die Geld- und Personalbewegungen zwischen Lobby, Beratungsunternehmen und Parteien verhindern oder zumindest sehr stark reglementieren. Dies wäre natürlich zuerst Aufgabe der Politik. Das Dilemma der Bürger bestehe jedoch darin, daß die heute verantwortlichen Parteien und ihre Art der Politik „selbst Teil des Problems der Macht der ökonomischen Eliten geworden“. Crouch fordert daher eine Kombination von sozialer Bewegung und Parteiarbeit: Fortgesetzter Druck auf die Parteien von außen und eigene Mitarbeit in Parteien könnten zum Ziel führen.

Wohin das z.B. führen könnte? Statt Parteienfinanzierung in eigener Sache, direktdemokratische Entscheidungen darüber, was eine Partei an Geld bekommt. Bürgerversammlungen nach antikem Vorbild für die Kommunalebenen. Bürgerdiskussionen und -entscheide über Parlamentgesetze.
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am 3. April 2017
Ich finde das Buch super! Ein sehr umfassendes Thema wird binnen weniger Seiten und gut strukturierter Kapitel zusammengefasst und relativ detailliert wiedergegeben. Es werden auch historische Hintergründe ermittelt!
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am 29. Dezember 2010
Jeder der sich nicht mit Seitenlangen Spiegel-Berichten über kunterbunte Partei-Rangeleien beschäftigen mag, sondern die wahren Hintergründe unserer verworrenen und verfilzten Demokratie erfahren möchte, ist dieses kleine Büchlein ein willkommener Leckerbissen.

In jedem Kapitel gab es für mich so einige Aha-Effekte. Die Demokratie durchläuft laut Autor eine parabelförmige Entwicklung, in der sie sich zum Scheitelpunkt hin voll entfaltet, und nun im 21.Jahrhundert wieder an Kraft verliert. Welche Triebkräfte die Demokratie schwächen, hinterleuchtet Colin Crouch ausgesprochen gut. Die Sprache ist klar und die Argumentation sehr objektiv, wodurch ein negativer Beigeschmack vermieden wird, auch wenn der Autor die Themen Privatisierung, Kapitalismus und Liberalisierung mit Skepsis betrachtet.

Ich hätte mir nur mehr historische Bezugspunkte gewünscht.
Aber jene Beispiele, die Crouch hier vorführt, gehen treffsicher in seine Argumentation ein.

Ein schöner Essay, sehr aktuell und wärmstens zu empfehlen!
Oder wie weit wollen wir noch in demokratische Apathie versinken?
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am 1. Dezember 2008
Colin Crouch legt in Postdemokratie seine These zum aktuellen sowie absehbaren Zustand der Demorkatie dar. Die Kernaussagen seiner Analyse ist dabei (stark verkürzt) dass die wirtschaftliche zu sehr mit der politischen Elite verbunden ist, dabei zu viel Einfluss gewinnen und dadurch weitere Problemen entstehen, die die demokratische Grundpfeiler angreifen.
Anders als in vorherigen Rezensionen bemängelt wird, finde ich die Aussagen und den Stil weder sonderlich polemisch noch übertrieben. Crouch behauptet nicht dass alle demokratischen Elemente bereits zerfallen wären and auch seine Lösungsansätze sind doch recht gemäßigt und weder antikapitalistisch noch in sonstiger Weise extrem. Wenn man natürlich davon ausgeht, dass das derzeitige poltische System die Krone der Demokratie ist, wird man dies vielleicht etwas anders sehen.
Ingesamt ein durchaus lesenswertes Buch. Als Kritikpunkt würde ich persöhnlich sehen dass Crouch sich vielleicht etwas zu sehr auf die Wirtschaft, Partein und co. konzentriert hat und andere mögliche Aspekte (wie z.B. Massenmedien) nicht aussreichend diskutiert.
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VINE-PRODUKTTESTERam 21. Mai 2008
"Post Demoracy" des englischen Politikwissenschaftlers Colin Crouch gehört heute schon zu den führenden Diagnosen westlicher Gesellschaften.
Nach seiner Auffassung zeigen ale westlichen Staaten Anzeichen der Postdemokratie, womit Tendenzen der Ablösung des Wahlvolkes als Souverän gemeint ist, da die Politik Entscheidungsprozesse an Lobbygruppen und Expertengremien abgibt, während politische Führer sich auf mediale Präsenz und Marketing verlegen. Damit werden die demokratischen Mechanismen der politischen Willensbildung durch Wahlen und Abstimmungen immer mehr obsolet. Kennzeichen dieser Postdemokratie stellen Rückgang der Wahlbeteiligung, der Ansehensverlust der Politiker und der Verfall des Gemeinwesens dar.
Vor dem Hintergrund einer sich immer weiter von den Wählern entfernenden Politikerklasse und der Abgabe nationalstaatlicher Kompetenzen an intransparente suprastaatliche Organisationen wie die EU ein hochaktuelles Buch, welches gerade den politisch Interessierten zu empfehlen ist.
Unbedingte Kaufempfehlung.
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