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am 27. Mai 2006
Schon der bis zum Schluss berstend volle Vorlesungssaal in der Frankfurter Uni dokumentierte das große Interesse an diesem "Aufklärer" alter Tradition.
Bis zum Ende der fünf Sitzungen wurde der Zuhörer immer wieder mit rhetorischen Ohrfeigen aus dem intellektuellen Wachkoma gerissen, bisweilen eingelullt, an der Nase herumgeführt und ob der eigenen Trägheit und Manipulierbarkeit beschämt.
Gemäß dem Tucholskyschen Verdikt, nichts sei schwieriger, als sich im offenen Widerspruch zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen "Nein", entwickelte Menasse eine hochaktuelle, provokante Wiederauferstehung der engagierten Literatur, auf der Folie, dass sich jede Literatur an dem Anspruch zu messen habe, was sie zur gesellschaftlichen Realität ihrer Zeit beizutragen hat. Fast geht es weniger um den im Titel hergestellten Bezug zu Schopenhauer, als vielmehr um bewusst "Unzeitgemäße Betrachtungen". Literatur- und Philosophiegeschichte wird gegen den Strich gebürstet und auf ihren politisch-sozialen Gehalt abgeklopft: am Ende steht plötzlich ein zerzauster Karl Marx mit seinem "Kapital" als bürgerlicher Bildungsroman, der die heutigen katastrophalen Zustände einer globalisierten Welt besser beschreibt, als was uns die Huntington oder Fukujama weiszumachen versuchen. Und so schließt Menasse, dass Politik nichts anderes heiße, als richtiges Handeln in der Polis, und Poetik nichts anderes, als Selbsterfindung.
Wir sind Schöpfer unserer Lebensrealität, wir sind nicht Papst, wir sind Gott!
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am 19. September 2006
Der österreichische Schriftsteller Robert Menasse hat 2005 die Frankfurter Poetik-Vorlesungen gehakten. Mit diesem unbeirrbaren Intellektuellen hatte man sich einen besonders kritischen Geist an den Main geholt. Und er hält in seinen Vorlesungen, was er verspricht. Er beschreibt, wie besonders nach dem 11. September 2001 nicht nur in Amerika, sondern auch in Europa, der Geburtsstätte der Aufklärung,, alle Grund- und Menschenrechte plötzlich zur Debatte standen. Er kritisiert in scharfen Worten die Resignation und Zwangsläufigkeit, mit der auch von
"aufgeklärten" Zeitgenossen die Phänomene der Globalisierung hingenommen oder gar gerechtfertigt werden.

Und er beschreibt den Anspruch an die Literatur und den Anspruch des Schriftstellers an seinen Leser:
"Jeden Einzelnen von Ihnen, der zunächst nichts anderes will als das, was der Held eines bürgerlichen Bildungsromans will, und der zunächst nichts anderes tut, als den Anspruch der Helden der klassischen bürgerlichen Bildungsromane auf seine Weise und nach seinen Möglichkeiten umzusetzen, nämlich: sich zu bilden und seinen vernünftigen Platz in der Gesellschaft zu suchen.
Würden nur zehn Prozent der Bevölkerung diesen Anspruch, der der bürgerlichen Gesellschaft als leeres Bildungsgut immanent ist, umzusetzen versuchen und würden sie nichts anderes tun, als das beim Wort zu nehmen, was Ihnen Wort für Wort ins Haus geliefert wird -es würde die bürgerliche Gesellschaft, in ihrer heutigen Verfaßtheit sprengen (...) Warum sind Sie nicht auf den Barrikaden und fordern die Verwirklichung des bloß dem Schein nach Verwirklichten: Demokratie. Würden Sie die Demokratie beim Wort nehmen -es würde alles zusammenbrechen, das können Sie mir glauben. Aber Sie tun es nicht. Davon muß ich in meiner Arbeit ausgehen. Was sagt das über unsere Lebensrealität aus ? Und, viel beschämender, was sagt das aus über uns, die angeblichen 'Helden' unserer Romane ?"

Menasse hat eine gnadenlose Polemik vorgelegt über unsere Gesellschaft und Zeit und so durchaus angeknüpft an die Tradition, die der Ort der Vorlesungen nahe legt: der Adorno-Hörsaal in der Frankfurter Universität.
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am 2. August 2006
Nichts ist so sicher wie das Gegenteil und genau dieses ist eine Notwendigkeit des Ganzen. Wahr ist das Ganze, sagte Hegel und Menasse schließt damit die Negation des Wirklichen konsequent ein. Nein, eigentlich mehr, denn mit dem Gegenteil einer nur scheinbar demokratischen Gesellschaft sieht er diese erst möglich. Aus dem Schlaf einer sich selbst abschaffenden Demokratie will er nur erwecken und schreibt seine eigenen terroristischen Gedanken, die dem Terror huldigen als die einzige Maßnahme, die alte Dialektik der dualen Welt vor 1989 wieder herzustellen. Synthesen sind eben nur aus der Sicht Hegels aus den Thesen von Pro und dem Anti möglich und genau das versucht RM in brillanter, konsequenter Weise zu vermitteln. Überspritzung der Gedanken kann nicht, nein! muss sein, um mit Hilfe kognitiver Dissonanzen selbstkritische Fragen zu stellen, die das eigene Selbst in einen neuen Horizont bringt, der bekanntlich immer der selbe bleibt, wenn der Standpunkt sich nicht ändert.
Globalisierung ist dann nicht nur eine Frage des Kapitals, welches um die Erde zieht, um vermehrt zum Besitzer zurückzukommen, (Revenue heißt es bekanntlich im amerikanischen) sondern muss auch in einer sozialen Struktur möglich sein, ohne den nationalen Status, gemeint ist, sich selbst zu verlieren.

Menasse schreibt über Literatur, vorgeblich, und verschwendet im wahrsten und besten Sinne die Menge seiner Gedanken an die Welt, die nun in einem Meer (Mehr) unendlich neuer Ideen Wege finden müssen, Marx und Hegel als Romanciers des 19. JH zu begreifen, die Vernunft eines Spinozas, Descartes oder Kant neu zu begreifen. Seine Ideen reiben sich an der Moral, die in und als letzte(r) Instanz so wirklich wird, dass sie den Dualismus, etwas zu schaffen, was anschließend aus selbigen Gründen abzuschaffen gilt, als Credo der modernen Welt geltend macht. Einen Krieg aus moralischen Gründen gegen Atombomben anzudrohen, die gegen die zivile Bevölkerung gerichtet sind, kann nur dem einfallen, der bisher als einziger dieses Drama aus moralischen und kriegsbeendenden Gründen vollzogen hat.

Menasses Welt scheint beliebig, weil sie im Denken alles erschaffen kann. Es gibt keinen Halt vor Nichts und Niemand, ob nun Gott, Papst oder das Kapital. Im Grunde sind alle gleich, solange man sie in Kategorien der Kritik, der Vernunft oder Dialektik packt. Oder ins Bild, welches in der sequentiellen Wiederholung zur Bildung wird, aber nur dann, wenn die Wiederholungsfrequenz selbst bestimmt bleibt. Das Fernsehen entmündigt durch Wiederholung, die Bilder z.B. des 9.11. sind mittlerweile Kopfbilder, die weit weg von eigenen Gedanken in die Abhängigkeit falscher Wiederholungen gelaufen sind. Zurück zur Selbstbestimmung, zum eigenen Bilde und zur Bildung, die frei und dem Mut des eigenen Gedanken verbunden ist. Nichts anderes wäre dann die Folge, als dass "die Dingwelt wieder mit Menschen besiedelt wäre".

Das Schöne an Menasse ist, dass er - um zu erschrecken - selbst vor Gewalt nicht zurückschreckt, die sich letzten Endes als pure Fiktion entpuppt. Auch wenn Schopenhauer Pate seines Buchtitels ist und RM die Welt von der Fiktion der Vorstellung und der Kraft des Willens in eine Realität revolutionärer Gedanken zurückholen möchte, scheint mir, dass Spinoza sein Vorbild ist, denn dieser sagte, "Nur wenn ich nicht alles tun darf, kann ich alles denken."
Lob an die unvoreingenommene Denkkunst eines Robert Menasse.
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am 16. September 2011
Der österreichische Schriftsteller Robert Menasse hat mit der Zusammenfassung seiner Frankfurter Poetikvorlesungen aus dem Jahre 2005 unter dem Titel 'Die Zerstörung der Welt als Wille und Vorstellung' ein kulturpolitisches Pamphlet vorgelegt, das radikal und gnadenlos direkt, ja zwingend zum nachdenken, kritisieren, vor allem aber zum diskutieren anregt.

Menasse, der gleich zu Beginn seiner Vorlesung feststellt: Was Sie in diesen Poetik-Vorlesungen also auf keinen Fall bekommen, ist eine Poetik. Was also soll ich Ihnen erzählen?, zerstört zunächst einmal jedwede Erwartungshaltung. Vielmehr macht er mithilfe einer gehörigen Portion Polemik Neugier auf mehr. Denn was ist es dann, das der Autor hier vermitteln möchte? Was soll ich in einer Poetikvorlesung, die angeblich keine ist? Menasses Antwort darauf folgt prompt: Unsere Zeit. Unser Leben. Unsere Lebenszeit. Darüber will ich reden und so meinen literarischen Anspruch vielleicht erklären können.

Aufdecken will der Autor. - Uns, den Bürgern, die Augen öffnen für unsere angeblich unbändige System-Gutgläubigkeit. In welcher die Globalisierung in ihrer Ungerechtigkeit zwar erkannt, jedoch als schicksalsträchtig hingenommen werde. In der die Ökonomie ALLES sei und der Arbeiter als revolutionierende Klasse versagt habe, laut Menasse sogar nie die Chance hatte zu funktionieren. Aufmerksam machen will Menasse auf das fehlende Engagement der Menschen, die nur kopfschüttelnd zusähen, wie die gesellschaftlichen Errungenschaften eines von unseren Vorfahren hart erkämpften Sozialstaates nach und nach abgebaut würden.

Robert Menasse prophezeit den ewigen Kreislauf der Geschichte. Die Zerstörung der Welt, die nötig sei, um als Konsequenz auf diese unvermeidlich erscheinende Zerstörung, eine ganz neue Welt zu erschaffen. Als zerstörungswürdigsten Feind sieht er das weltweite Kapital, das sich wie eine Fessel um unsere demokratischen Institutionen gelegt habe, vor allem aber auf europäischer Ebene ihr Unwesen treibe. So stellt Menasse die Idee der Europäischen Gemeinschaft ad absurdum, sieht sie lediglich als Handlungsorgan des Kapitals.

Obwohl Menasse permanent auf die Geschichte verweist, verschweigt er an dieser Stelle die säbelrasselnde Vergangenheit Europas, dessen Gemeinschaft doch erst durch die Einrichtung jener übergeordneten Instanz friedlicheren Zeiten entgegen blickte. Die Europäische Union mag kein Erfolgsrezept auf ganzer Linie sein, doch ist sie auch keineswegs nur eine von Bossen gelenkte, ferngesteuerte Institution, wie Menasse sie hier entwirft. Denn auch wenn der ein oder andere europäische Bürger abfällig abwinken mag, seinen indirekten Einfluss kann er dennoch nicht verleugnen. Die Möglichkeit das Wahlrecht auszuüben, haben derzeit rund 376 Millionen EU-Bürger. Trotzdem nutzten 2009 lediglich 162 Millionen davon ihr Recht (und ihre Pflicht) unser aller Europaparlament mitzugestalten.

Robert Menasse macht in seinen Vorlesungen zwar auf viele Defizite unserer heutigen Gesellschaft aufmerksam, versäumt es jedoch Lösungsvorschläge aufzuzeigen. Bleibt die Frage, ob dies überhaupt seine Intention war. Immerhin ruft er zur Neuerschaffung der Welt auf, unter der Prämisse: Wir sind Gott! - Dieser Aufruf vermittelt zwar den Anschein von Hilflosigkeit, hat aber dennoch Methode. Denn Menasses insgesamt gut strukturierte Argumentation seiner Erkenntnisse kann ein erster Schritt zu Veränderung sein. Darüber hinaus macht es einfach Spaß seinen polemisch formulierten Gedanken zu folgen und weiterzudenken. Letztendlich, und von einem Literaten wohl nicht anders zu erwarten, macht Menasse dann doch noch den Versuch einen Bogen von der Politik zur Poetik zu schlagen, indem er den Leser grübelnd mit der Frage zurücklässt, was denn eine politische Poetik überhaupt sei.
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