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Kundenrezensionen

3,1 von 5 Sternen
5
Glauben und Wissen.
Format: Taschenbuch|Ändern
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am 27. Oktober 2006
Der Begriff „postsäkulare Gesellschaft“ ist eine Wortschöpfung des bekanntesten deutschen Philosophen der Gegenwart, Jürgen Habermas. In seiner hier dokumentierten, um die Laudatio von Jan Philipp Reemtsma ergänzten Preisrede „Glaube und Wissen“ zur Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2001, denkt Jürgen Habermas, an die gerade erst geschehenen Terroranschläge auf die Twin Towers in New York anknüpfend, der Frage nach, wie Religion und Vernunft in einer postsäkularen Gesellschaft zusammenzubringen und philosophisch redlich beschrieben werden können. Er schreibt:

„Säkulare Sprachen, die das, was einmal gemeint war, bloß eliminieren, hinterlassen Irritationen. Als sich Sünde in Schuld, das Vergehen gegen göttliche Gebote in den Verstoß gegen menschliche Gesetze verwandelte, ging etwas verloren. Denn mit dem Wunsch nach Verzeihung verbindet sich immer noch der unsentimentale Wunsch, das anderen zugefügte Leid ungeschehen zu machen. Erst recht beunruhigt uns die Irreversibilität vergangenen Leidens – jenes Unrecht an den unschuldig Misshandelten, Entwürdigten und Ermordeten, das über jedes Maß menschenmöglicher Wiedergutmachung hinausgeht. Die verlorene Hoffnung auf Resurrektion hinterlässt eine spürbare Leere.“

Man spürt, Habermas und die Philosophie sind noch lange nicht fertig mit diesem Verlust. Er mahnt aber nicht nur an die eigene Seite, sondern fordert die Menschen, die religiös denken und die Theologen auf, an diesem Diskurs teilnehmen unter den Bedingungen eines Commonsenses.

Wer mehr von diesem Dialog lesen möchte, sei auf das Gespräch von Jürgen Habermas mit Josef Ratzinger in Tutzing verwiesen, nur kurz bevor jener zum Papst gewählt wurde: „Dialektik der Säkularisierung. Über Vernunft und Religion“, Herder-Verlag 2005
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am 29. Juli 2006
Religion, ein Begriff, der in aktueller Zeit zu neuer Dimension erwachte, seit die Terrorangriffe in NY und der Islamismus als negative und gewalttätige Ausprägung sich breit machte und in einer Intoleranzwelle westlicher Zeitungen gegenüber religiösen Gefühlen ihren Höhepunkte hatte. Glauben und Wissen sucht daher einen neuen Diskurs, den Derrida auf Capri bereits initiierte.

Habermas beginnt auch mit dem Hinweis, dass aktuelle (9/11/ 2001) Dimensionen und Geschehnisse den Begriff der Säkularität neu beleuchten und die Gesellschaft bewegen, in eine so wie er sagt, postsäkulare Struktur hineinzugehen. Die Diskussion um Gentechnik und die Stammzellenforschung zuvor hat diese Dimensionen bereits hervorgerufen. "Nach seinem Bilde erschuf er sie" so die Bibel über Gott im Erschaffungsprozess, so würde heute die Erschaffung im Reagenzglas ebenso zu betiteln sein. Die Frage, welche Anmaßung sich der Mensch aussetzt, weil die mögliche Freiheit unter religösen Gesichtspunkten nicht von Belang wäre.

Religion und Glauben gewinnt damit in der neuen postsäkularen Gesellschaft an Bedeutung, auch deswegen, weil ein Sinnvakuum aufzuheben ist. Nicht aufgehoben ist dadurch die Trennung von Kirche und Staat, die mit Canossa im Jahre 1077 beginnend vollzogen wurde.

Habermas schafft es auf kurzer Strecke manigfaltige Ideen dem Leser auf dem Weg zu geben, so dass die Verzweigungen zu Kant (Religion und Vernunft), Hegel, Derrida (Die Religion)und den Religionkritikern Feuerbach und Marx interessante Exkurse sind, die zum interessierten Weiterlesen anhalten. Insbesondere für den wunderbaren Zusammenhang in der Geschichte von Philosophie und Religion sei ergänzend Heinrich Heine empfohlen, sicherlich auch Voltaire, der den Deismus im Zuge der Aufklärung vorangetrieben hatte.
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TOP 500 REZENSENTam 10. Februar 2012
2001 wurde Jürgen Habermas mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Nur wenige Tage nach den Anschlägen des 11. September setzt er sich in seiner Dankesrede mit dem Verhältnis zwischen Glauben und Wissen in einer säkularen Gesellschaft auseinander. In der Laudatio versucht sich Jan Philipp Reemstma an einer Gesamtwürdigung des Werks von Jürgen Habermas.

In seiner Rede mit dem Titel "Glauben und Wissen" beleuchtet Habermas das noch immer schwierige Verhältnis zwischen den Religionen in einem säkularen Staat. Es sei die Verpflichtung der Mitglieder einer Glaubensgemeinschaft, so Habermas, dafür zu sorgen, dass die jeweiligen Glaubensinhalte nicht mit Gewalt durchgesetzt werden. Das setze einen dreifachen "Reflexionsschub" der Gläubigen voraus: "Das religiöse Bewusstsein muss erstens die kognitiv dissonante Begegnung mit anderen Konfessionen und anderen Religionen verarbeiten. Es muss sich zweitens auf die Autorität von Wissenschaften einstellen, die das gesellschaftliche Monopol an Weltwissen innehaben. Schließlich muss es sich auf die Prämissen des Verfassungsstaates einlassen, die sich aus einer profanen Moral begründen" (14). Die Bedeutung der Fähigkeit, die eigenen Glaubensmaximen durch die Gabe zur Selbstreflexion zu transzendieren, wurde den Menschen gerade in den Tagen nach 9/11 in aller Deutlichkeit ins Bewusstsein gebracht.

In seiner Laudatio knüpft Reemstma an genau diesen Punkt in Habermas Denken an. Er fragt sich, was die Fähigkeit des Menschen, sich und seine Umwelt zu reflektieren, zerstören kann. Diese Frage ist bezüglich von Habermas gesamten Denken von entscheidender Bedeutung, da seiner Theorie und Praxis des kommunikativen Handelns die Fähigkeit zur Selbstreflexion zu Grunde liegt. Reemstma nennt drei Wege der Destruktion: "Denkbar ist eine Zerstörung moderner Rationalität, die den Preis gesellschaftlicher Entdifferenzierung zu zahlen bereit ist. Träger solcher Zerstörung könnte das Militant- und Mörderischwerden der Globalisierungskritik sein [...]. Denkbar ist zweitens eine Selbstdestruktion durch beschleunigt fortschreitende Differenzierung [...]. Schließlich [...] wäre denkbar, dass es den Menschen so an die anthropologischen Substanz geht [...], dass ihm sowohl das Gefühl für die Kontingenz der eigenen Existenz als Voraussetzung der Fähigkeit zur kritischen Aneignung sein eigenes Leben als auch sein Potential der Lebensführung in Eigenregie abhanden kommt" (51). Beim letztgenannten Punkt spielt Reemstma auf Habermas Beiträge zu Gentechnologie an.

Fazit: Beide Beiträge eigenen sich aufgrund ihrer Kürze und inhaltlichen Präzision bestens als Einstieg in das Denken von Jürgen Habermas, der als einer der bedeutendsten noch lebenden deutschen Philosophen gilt.
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am 10. April 2014
Von Habermas bin ich besseres und präziseres gewohnt. Wohl auch ein Buch a la: Mach ich auch noch, bringt was ein - und die Assistenten hjaben was zu tun!
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am 18. Juni 2017
Alle Glaubenswissenschaften sind relativ, weil begrenzt.
Alle Religionswissenschaftler fürchten sich, an den Anfang, die Formel zu gehen: Eins und eins sind zwei.
Glauben ist ja nichts Schlechtes, aber glauben ist nicht wissen.
Glauben wird einem eingetrichtert, auch schon mal gefunden.
Da Glaube immer Zweifel enthält, fürchtet das Individuum intellektuelle Überprüfung und Zusammenbruch seines Universums.
In einen Glauben hineingeboren zu sein, schafft gewisse Geborgenheit in der Gemeinschaft.
Die schöne Geschichte der Erfinder hält zusammen. Doch man lebt nicht das eigene Leben,
Man lebt das Leben der Erfinder.
Jeder weiß das, macht aber mit. Schon komisch.
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