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am 6. November 2013
Zugute halten muss man dem Autor, dass er sich Mühe gegeben hat und seine Quellen in angemessener Form dargestellt hat. Jedoch hat er auf Grund seines Verzichts von weiteren Quellen bzw. durch die Nutzung ihm nicht politisch "angenehmer" Quellen seine Arbeit nicht zur Gänze bewältigt.
Häufig unterstellt er in wenig wissenschaftlicher Weise Dinge die er nicht beweisen kann und versucht durch seine Meinung ein gewisses Gutmenschentum an den Tag zu legen. Dabei vergisst er, was der Historiker zu tun hat und unterlässt seine Kernaufgabe. Meist rutscht er in den Bereich der Vermutungen ab und verlässt dabei den Blickwinkel des objektiven Wissenschaftlers.
Seine wesentliche Quelle, ein Brief Eickes aus dem Jahr 1933, versucht er als Brief an Göring darzustellen. Wobei die Quellenlage hierzu mehr als dürftig ist.
Zusammenfassend: Ein typisches Buch aus der Reihe: "Ich möchte Geld machen, ohne etwas zentral Neues zu veröffentlichen!"
Man kann jedem empfehlen, dieses Buch NICHT zu kaufen. Über die Person Eickes und seine Geschichte gibt es bessere Veröffentlichungen, welche weniger kosten und nicht in den Bereich "ich muss noch etwas weiter ausholen und noch mehr Vermutungen anstellen" abgleiten.
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am 3. März 2014
Der sich als „Täterforscher“ (23) verstehende Niels Weise widmet sich in seiner Arbeit dem politischen Aktivisten, Organisator des KZ-Systems und dem Soldaten Theodor Eicke. Dieser sei für ihn nicht nur „Täter“, sondern durch seine „Dachauer Schule“ auch „Tätervater“ (26). In Dachau schuf Eicke ein nationalsozialistisches Musterlager, dessen Lagerordnung später in allen Konzentrationslagern übernommen wurde. (27) Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt auf den Jahren 1930 bis 1934, in der er vom Führer der SS-Standarte 10 in der Pfalz zum „Inspekteur der KL“ aufstieg (KL steht für Konzentrationslager). Hier liegen auch die Stärken des Buches, da es Weise gelingt, tatsächlich sehr viel Neues zum Leben von Eicke zu präsentieren. Dessen Soldatenbiographie hingegen kommt entschieden zu kurz, das liegt wohl auch am mangelnden Wissen des Autors über den Zweiten Weltkrieg, die Waffen-SS und den Einsatz der „Totenkopf“-Division.
Das Hauptproblem der Biographie liegt in ihrem Ansatz. Wer sich einer historischen Person unter dem Gesichtspunkt nähert, bei ihm handle es sich um einen Täter, also einen Verbrecher, hat in einem wesentlichen Punkt bereits die für eine gerechte Beurteilung notwendige Objektivität aufgegeben.
Keine Frage, Eicke verstand sich als „politischer Soldat“ im Dienste Adolf Hitlers. Sein Streben galt, die ihm verhaßte Weimarer Republik durch das Dritte Reich zu ersetzen. Bei den Auseinandersetzungen scheute er auch nicht den Einsatz von Gewalt gegen Andersdenkende. Dies jedoch muß im Kontext der bürgerkriegsähnlichen Umstände der Jahre 1929 bis 1933 gesehen werden, in der Gewalt als „Mittel der Politik“ von allen Seiten angewandt wurde.
Am 17. Oktober 1892 im lothringischen Hudingen in Elsaß-Lothringen geboren, war Eicke seit 1909 im Militärdienst und wurde am 2. August 1914 Unterzahlmeister beim I. Ersatzbataillon des 22. Infanterieregimentes in Zweibrücken. Er nahm ab 1916 an den Stellungskämpfen an der Aisne teil. Am 1. April 1919 wurde Eicke aufgrund der Heeresverminderung aus dem Heeresdienst entlassen.
Der Autor schildert Eickes Bemühungen, zunächst in Thüringen im Polizeidienst Fuß zu fassen, wobei ihm sein „cholerischer Charakter“ Schwierigkeiten bereitet habe, was Weise jedoch mit Quellen nicht belegen kann. Dies trifft auf viele seiner Behauptungen zu, die oftmals reine Spekulationen bleiben.
Seit 1. März 1923 arbeitete Eicke bei BASF, ab 1925 als Sicherheitskommissar in der Abteilung Abwehr für Industriespionage des Werkschutzes.
Die Schikanen der französischen Besatzungsmacht und der durch sie unterstützte Separatismus in der Pfalz bildeten einen günstigen Nährboden für den Aufstieg der NSDAP. Die Pfalz entwickelte sich zu einem „nationalsozialistischen Mustergau“. (56) Gauleiter war seit März 1926 Josef Bürckel. Eicke trat am 1. Dezember 1928 in Frankenthal in die Partei (Nr. 114.901) und am 20. August 1930 die SS ein (Nr. 2921). Er gelangte in einem steilen Aufstieg innerhalb von zwei Jahren an die Spitze der SS in der Pfalz. Zwischen 1930 und 1932 erarbeitete sich Eicke einen Ruf als regional bekannter SS-Führer. Auf seinen Einsatz gingen zahlreiche Gründungen von SS-Trupps zurück. Zu Hilfe kam ihm sein ausgesprochenes Charisma und ein ausgeprägtes Kameradschaftsgefühl, daß ihn veranlaßte, mittellose SS-Männer zu beköstigen, zu bekleiden und zu beherbergen. Hier bereits entstand das Bild von „Papa Eicke“, das bis weit über 1945 hinaus zahlreiche seiner Untergebenen pflegten.
Am 6. März 1932 wurde Eicke unter dem Vorwurf des Bombenbaus verhaftet. Die Anschuldigung stimmte, jedoch hatte er auf Befehl von Gauleiter Bürckel gehandelt, den Eicke nun deckte. Nach der Verurteilung am 16. Juli erhielt Eicke eine sechswöchige Haftverschonung. Nach einer Verlängerung des Hafturlaubes tauchte er unter und setzte sich nach Südtirol ab. In Italien leitete Eicke am Gardasee das Lager Malcesine für politische Flüchtlinge aus Deutschland
Nach der Rückkehr in die Heimat geriet er in eine Parteiintrige, da Bürckel ihn als Mitwisser aus dem Weg haben wollte. Eicke wurde wegen „gemeingefährlicher Geisteskrankheit“ in Schutzhaft genommen und in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Bei der Frage, wer die Festnahme befohlen hatte, widersprechen sich die Quellen. Weise meint, der Befehl gehe auf Himmler zurück. Himmler war aber erst seit 1. April 1933 Polizeichef Bayerns, Eicke jedoch saß seit 24. März in der Psychiatrie. Rein formal konnte Himmler seine Verhaftung gar nicht befohlen haben. Die Aufhebung der Schutzhaft erfolgte dann nach ärztlichem Attest, daß Eicke nicht geisteskrank war.
Am 26. Juni 1933 trat Eickes den Dienst als kommissarischer Kommandant in Dachau an. Weises These, Eickes Schutzhaft in der Psychiatrie sei eine pädagogische Maßnahme Himmlers gewesen, ist spekulativ und an den Haaren herbeigezogen. Dasselbe gilt für seine Ansicht, Eicke habe Himmlers Erziehungsmethoden übernommen und in den SS-Totenkopfverbänden angewandt. Weise führt dafür u.a. Beispiele von Disziplinarstrafen an, die völlig normal für bewaffnete Streitkräfte sind (öffentliches Rügen bei Verstoß gegen die Grußordnung, Degradierung und Haft bei Diebstahl mit Sachschäden im betrunkenen Zustand usw.). Daß Theodor Eicke Kommandant des KZ Dachau wurde, war – laut Weise - bei genauerer Betrachtung Zufall (11), da der Posten gerade vakant geworden war.
Eickes Rolle als „Inspekteur der KL“ und seine Verwicklung in dem Mord an Ernst Röhm sind lange bekannt. Weise kann hier nichts substantiell Neues mitteilen.
Ab 1936 widmete sich Eicke hauptsächlich der Aufstellung und Ausbildung der SS-Totenkopfverbände zu einem militärischen Verband. (275) Es folgten Einsätze beim Einmarsch ins Sudetenland, in Prag und in Polen.
Anfang Oktober 1939 begann die Aufstellung der SS-Division „Totenkopf“. Eicke formte aus dem Grundstock der Totenkopf-Standarten die Division „Totenkopf“ mit rund 15.000 Mann. (283). Aktive Hilfe in bezug auf Ausbildung und Ausrüstung kam von der Wehrmacht, die ja bereits die SS-Verfügungstruppe unter ihre Fittiche genommen hatte. Sie stellte damit eine einheitliche und qualitativ hochwertige Ausbildung bei allen deutschen Streitkräften sicher.
Im Frühjahr 1940 wurde die „Totenkopf“-Division für den Aufmarsch im Westen der 2. Armee unter Generaloberst Maximilian von Weichs unterstellt. Von Weichs inspizierte die Division dreimal und war voll des Lobes über den Ausbildungsstand.
Am 19. Mai hatte die Division zwischen Le Cateau und Cambrai erste Gefechtsberührungen mit französischen Truppen. Nach dem Übergang über den Canal du Nord kam es im Raum Arras zu einer ersten Krise, da die deutsche 3,7 cm-Pak gegen angreifende britische „Matilda“-Panzer wirkungslos war.
Eicke führte von vorne. Seinem Entschluß ist es zu verdanken, daß am 24. Mai der La-Bassée-Kanal überschritten und am anderen Ufer ein Brückenkopf gebildet werden konnte. Auch bei den Kämpfen der folgenden Tage um Locon und Le Cornet Malo führte Eicke wiederum persönlich die Angriffe. Beim sogenannten Massaker von Le Paradis, das von Angehörigen des SS-„Totenkopf“-Infanterieregimentes 2 am 27. Mai verübt worden sein soll, hätten Angehörige der Division „Totenkopf“ unter der Führung des SS-Obersturmführers Fritz Knöchlein 89 Gefangene des 2. Royal-Norfolk-Regimentes standrechtlich erschossen. Eine kriegsgerichtliche Untersuchung ergab, daß die Engländer zuvor Dum-Dum-Geschosse verwendet und mit Hakenkreuzfahnen eine Kapitulation vorgetäuscht hatten. Zu einem ordentlichen Verfahren gegen Knöchlein ist es nie gekommen. 1948 vor ein britisches Siegertribunal gestellt, wurde er 1949 in Hameln hingerichtet.
Weise berichtet über angebliche weitere Kriegsverbrechen von Angehörigen der „Totenkopf“-Division, die jedoch ohne Beleg bleiben. Er deutet einen Eintrag im Kampfbericht „Gefangen: 25 Franzosen. Gefallen: 44 Neger“ als verschlüsselten Hinweis auf die Tötung von 44 Schwarzen. (291) Auch ein angeblicher „Wettbewerb“ (292) über die Zahl der „erledigten Neger“ bleibt unbewiesen. Daß die Division grundsätzlich keine Gefangenen gemacht habe, lasse sich nicht belegen, muß der Autor – allerdings versteckt in einer Fußnote – dann doch einräumen. (291, FN 295). Weise „belegt“ viele Behauptungen mit Zitaten aus der Sekundärliteratur, die er keiner kritischen Würdigung unterzieht, sondern als „Tatsachen“ präsentiert.
Kein gutes Haar läßt der Autor an den Publikationen der Erlebnisgeneration, so seien „die Veröffentlichungen der HIAG und andere aufgrund ihres apologetischen, revisionistischen und teilweise manipulativen Inhalts für eine wissenschaftliche Untersuchung nicht zu gebrauchen.“ (20-21) Durch ihre Nichtbeachtung verbaut sich Weise jedoch einen wesentlichen Erkenntnisgewinn, was sich auf die Qualität seiner Arbeit negativ auswirkt. Wer als Historiker glaubt, die Wahrheit zu ergründen, ohne alle wesentlichen Quellen zu Wort kommen zu lassen, hat seinen Beruf verfehlt
Im Ostfeldzug sollte die Division im Verband der Panzergruppe 4 unter Erich Hoepner durch das Baltikum nach Leningrad vorstoßen. Wieder führte Eicke von vorn. Am 6. Juli 1941 fuhr er auf eine Mine und wurde schwer verletzt. Dafür, daß die Division „ausgesprochen wenige Gefangene machte“, gibt es auch auf diesem Kriegsschauplatz keinen Beleg. Im Gegenteil: Allein vom 17. bis 22. August 1941 – also innerhalb von nur fünf Tagen - machte sie laut Tagesmeldung vom 22. August 1941 3.640 Gefangene. Um das zu erfahren, muß man allerdings auf die bei Weise so verpönte Divisionsgeschichte von Wolfgang Vopersal zurückgreifen. (Vopersal, Bd. 2a, S. 310)
Nach dem Durchbruch durch die Stalin-Linie war der Weg nach Leningrad frei. Die Division geriet südlich des Ilmensees erneut in schwere, verlustreiche Kämpfe. Weise schreibt, die Division habe „bis Ende August 4.900 Gefallene zu verzeichnen.“ Auch diese Angabe übernimmt er unkritisch aus einem Werk der Sekundärliteratur, und sie ist falsch. Tatsächlich sind Verluste in Höhe von 4.854 Soldaten gemeint, wie aus dem Lagebericht vom 30. August hervorgeht. (Vopersal, S. 342) Die Masse dieser Verluste fiel nur zeitweise aus, bis die Soldaten ihre Verwundung oder Erkrankung – dasselbe Dokument meldet einen enormen Anstieg von Ruhr-Kranken – wieder auskuriert hatten. So betrug die Einsatzstärke der Division am 10. August 10.103 Mann, die Verpflegungsstärke jedoch 14.606 Soldaten. Demnach waren 4.503 SS-Angehörige nicht einsatzfähig, d.h. krank oder verwundet, und da sie bei der Division geblieben sind, demnächst wieder frontverwendungsfähig.
Dasselbe von Weise leichtfertig ignorierte Werk von Vopersal (498) listet mit Datum vom 9. November 1941 die Divisionsverluste seit Beginn des Ostfeldzuges mit 8.993 Mann auf – davon waren 1.739 gefallen, 6.924 verwundet, 257 vermißt und 64 krank in der Heimat. Als Ersatz seien 4.434 Soldaten zugeführt worden. Daß die Division de facto nahezu aufgerieben worden sein soll, wie Weise behauptet (299), läßt sich durch die bei Vopersal publizierten Quellen eindeutig widerlegen.
Eine am 24. September losbrechende russische Offensive scheiterte „nicht zuletzt am fanatischen Widerstand der Totenkopf-Division“, wie Weise hervorhebt und nennt als Beispiel SS-Sturmmann Fritz Christen, der allein zwei Tage abgeschnitten an seinem Pak-Geschütz ausharrte und 13 Sowjetpanzer sowie weit über 100 Angreifer ausschaltete. (300) Das Schlüsselwort ist hier fanatisch, und das ist bei Weise eindeutig negativ konnotiert. Offenbar wäre es laut Verfasser weniger verwerflich gewesen, den Widerstand aufzugeben, niedergemacht zu werden oder in Gefangenschaft zu verhungern. Hier offenbart sich ein eklatanter Mangel an Einfühlungsvermögen und Unkenntnis der historischen Situation, in der sich die Soldaten befanden. Auch Rotarmisten kämpften fanatisch, d.h. unter Überwindung des menschlichen Lebensrettungsinstinktes und leisteten Widerstand bis zuletzt. Anders wären etwa Leningrad und Stalingrad von den Sowjets nicht erfolgreich zu verteidigen gewesen.
Anfang Dezember 1941 startete die sowjetische Großoffensive, die die 16. Armee, zu der die „Totenkopf“ gehörte, im Raum Demjansk einkesselte. In zwei Kampfgruppen aufgeteilt – die eine führte Eicke, die andere Max Simon – wehrte sie alle russischen Angriffe ab. Ihrem Widerstandsgeist wurde das Halten des Kessels zugeschrieben, was Weise – ohne Gegenbeleg – für „übertrieben“ (301) hält.
Anfang Mai 1942 wurden Eicke alle Heeres- und SS-Verbände im Kessel unterstellt. Weise schreibt (303): „Eickes neues Korps bestand aus weniger als 14.000 Mann, den Überlebenden von ehemals sechs Divisionen.“ Der Autor bleibt sich in seinen Fehlern treu: Diese 14.000 Soldaten sind die noch kampffähigen Reste von ehemals sechs Divisionen, überlebt hatten natürlich weit mehr. Zahlreiche Verwundete lagen in den Lazaretten, viele wurden durch die Luftwaffe ausgeflogen, was Weise wüßte, wenn er Vopersals Schilderung (654) gelesen hätte.
Mitte Oktober wurde die Division zur Neuaufstellung nach Südfrankreich verlegt. Sie habe bis zu diesem Zeitpunkt Verluste von rund 80 Prozent erlitten (304). Die Zahlen, die Vopersal (750-51) angibt, zeigen ein anderes, aber ebenfalls erschreckendes Bild. Am 11. September 1942 betrug der Ist-Stand 6.409 Mann gegenüber einer Soll-Stärke von 18.079 Soldaten. Die Verluste betrugen demnach knapp zwei Drittel. Vopersal schreibt (751): „Von den kriegserfahrenen Stämmen […] sind nur noch versprengte Reste vorhanden.“
Weise schlußfolgert: „Diese hohe Verlustquote war […] auf ihre [der Division] fanatische Kampfweise in der Defensive und vor allem auf die irrsinnigen Haltebefehle Hitlers und Eickes“ (304) zurückzuführen. Wie so viele Behauptungen Weises bleiben auch diese unbelegt. Um zu diesem Schluß zu kommen, müßte er die Verlustraten anderer im Kessel kämpfender Einheiten zum Vergleich heranziehen, was er nicht tut. Und des weiteren müßte er erklären, warum die Haltebefehle „irrsinnig“ sein sollen, waren sie doch Voraussetzung für den Entsatz des Kessels und die Rettung von Tausenden von Landsern.
Das Urteil über diese Arbeit ist geteilt. Der Leser erfährt aus dem politischen Leben Eickes einige neue Details, jedoch zeigt Weise einen erstaunlichen Mangel an militärischem Verständnis bzw. Wissen zu Funktion und Abläufen in Truppenverbänden. Weises Exkurse zu Mentalität, Treue und Korpsgeist in der Waffen-SS belegen oft seine Unkenntnis. Eicke hegte sicher keine „Aversion gegen das Militär“ (365), sondern eine Abneigung gegen überkommene Methoden der Menschenführung und längst entleerte Rituale in der Wehrmacht. Es ist nichts daran auszusetzen, wenn sich der Kommandeur um seine Soldaten kümmert, daß er sich zu ihnen setzt und sie in ihrer Sprache anspricht. Hier zeigt sich Eickes Führungsstil als der Zeit voraus, denn er weist hin zur modernen Menschenführung in der Bundeswehr. Sein Einsatz für seine Männer ging so weit, daß er Anfang Oktober 1942 mit einer Befehlsverweigerung die Herauslösung seiner stark angeschlagenen Division aus der Front erzwang. Daß seine Soldaten ihn dafür verehrten, ist nachvollziehbar.
Deutlich wird, daß die nachgeborene junge Historikergeneration sehr „aktenverliebt“ ist und Informationen aus erster Hand von Zeitzeugen leichtfertig beiseiteschiebt. Wer aber voreingenommen forscht, kann nur zu Fehlurteilen kommen.
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am 16. November 2013
Eine beeindruckende Forschungsleistung!

Der Autor rekonstruiert auf der Basis teilweise völlig neuer Quellen den kruden Karriereweg eines Mannes, der sich durch Brutalität, Durchsetzungswillen und weltanschaulichen Fanatismus bis in die höchsten Ränge der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie vorgearbeitet hat. Angesichts einer ziemlich verkorksten Jugend, einer wenig rühmlichen Teilnahme am Ersten Weltkrieg und großer Halt- und Planlosigkeit nutzte Eicke den radikalen Nationalsozialismus sowohl zur Identitätsfindung als auch als Karrierechance. Dabei ging er buchstäblich über Leichen.

Seine Loyalität zum System stellte er unter anderem bei der Ermordung Ernst Röhms unter Beweis. Als Kommandant des Konzentrationslagers Dachau und "Inspekteur der Konzentrationslager" trug er wesentlich zur Systematisierung und Ausdehnung des NS-Terrorsystems bei, mehrere Generationen von SS-Wachleuten und auch Kommandanten lernten in der "Dachauer Schule" Eickes, wie man menschenverachtendes Denken in mitleidloses Töten umsetzt. Bemerkenswert auch Eickes Karriere als Führer der SS-Totenkopfverbände. Hier ersetzte er offensichtlich fehlendes militärisches Können durch dummes Draufgängertum, was viele seiner Männer das Leben kostete.

Umso erstaunlicher ist die Verehrung, die "Papa Eicke" teilweise noch heute bei den Gestrigen genießt. Weise entzaubert diesen, wohl nur durch Eickes frühen Tod auf dem Schlachtfeld 1944 ermöglichten und durch die NS-Propaganda aufgebauten Mythos gründlich.

Ein Höhepunkt der Studie ist sicherlich Weises Analyse von Eickes Zwangsaufenthalt in der Würzburger Psychiatrie, in die ihn Himmler vorübergehend einweisen ließ. Erstmals wertet der Autor dazu die bisher unbeachteten Akten der Würzburger Universitätsklinik aus. Dort wurde Eicke ausgerechnet von Werner Heyde behandelt, dem späteren Organisator der Euthanasie".

Klare Kaufempfehlung - nicht nur für Historiker!
11 Kommentar| 8 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 17. November 2013
Das vorliegende Buch zeigt, dass auch in der Öffentlichkeit weniger bekannte Persönlichkeiten der deutschen Vergangenheit ein unglaubliches Potenzial zur Aufarbeitung des Zeitgeschehens bieten. Es bietet klare Information zur Persönlichkeit von Eicke. Als Beleg dienen dem Autor hierbei unzählige Quellen. Er macht genau das, was von einem Historiker erwartet wird, er informiert umfassend. Das bezieht auch den Aufenthalt Eickes in der Würzburger Psychiatrie mit ein. Manch ewig Gestrigen mag diese klare Darstellung vielleicht ein Dorn im Auge sein.
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