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am 14. Mai 2003
... führt dieses Buch von Dawkins.
Wenn man ein gut geschriebenes Buch über ein wissenschaftliches Thema, wie zum Beispiel über Evolutionsbiologie mit einem lecker belegten, nahrhaften Kanapee vergleicht, dann hat man mit Dawkins Buch gleich ein ganzes kaltes Buffet vor sich.
Es wird die Geschichte von der Entdeckung der Lichtbrechung bis hin zur Spektralanalyse erläutert, es kommen die Quantenphysik und die Neurobiologie zur Sprache. Anthropologie und Astrophysik, Ökologie und Vererbungslehre, dazu etwas Psychologie. Alles ist rechtschaffen und sauber belegt und dabei sehr humorvoll geschrieben.
Daneben wird mit allerhand Aberglauben aufgeräumt und seine Ursachen erklärt. Hier teilt Dawkins ordentlich aus und beschreibt witzig bis beißend-ironisch die typischen Erscheinungsformen des Aberglaubens vom Regentanz bis zum religiösen Massenwahn.
In dem Buch setzt sich der Autor vehement für die Poesie und die Phantasie in der Wissenschaft ein. Es werden zu den einzelnen Themengebieten klassische Gedichte in den Wissenschaftstext eingefügt. Das macht das Buch zu einem literarischen Vergnügen. Dawkins hat auch selbst schriftstellerische Qualitäten zu bieten. Er schreibt spannend, präzise, elegant und bleibt doch stets allgemeinverständlich, und er nennt auch seine Quellen.
Da Dawkins aus dem englischen Sprachraum kommt, zitiert er natürlich hauptsächlich Keats, Shakespeare und andere, um sein Anliegen zu illustrieren. Ein vergleichbarer deutscher Wissenschaftsautor fällt mir aber nicht auf Anhieb ein; ich wünschte, wir hätten einen solchen.
Ich las das Buch mit großem Vergnügen und wachsender Begeisterung. Es ist auch ein empfehlenswertes Geschenk für wissenschaftlich interessierte Leser.
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am 16. September 2003
Da ist Richard Dawkins, dem Autor des "egoistischen Gens" oder des "Blinden Uhrmachers" und zoologischen Rebell, wieder einmal ein Meisterstück gelungen. Ernsthafte Wissenschaft sucht man hier vergeblich, aber wie immer gelingt es Dawkins, wissenschaftliche Theorien so aufzuarbeiten, dass sie selbst für einen Laien verständlich werden.
Das beste an diesem Buch aber ist, dass es die Schönheit der Wissenschaft herausarbeitet. Es zeigt auf, wie faszinierend wissenschaftliche Erkenntnis sein kann und welche Anregung für Musik und Dichtung sie bieten könnte.
An Dawkins begeistert mich am meisten, dass es ihm gelingt, die Dinge auf den Punkt zu bringen. An vielen Stellen denkt man einfach "Ja, genauso ist es!" Gleich die ersten Seiten, wenn er darüber philosophiert, was für Glückskinder wir doch alle sind, bieten ein sprachliches und inhaltliches Highlight. Doch am meisten fasziniert mich das letzte Kapitel "Ein Ballon zum Denken" in dem er über Miniaturisierung sowie die Entwicklung der höheren menschlichen Fähigkeiten nachdenkt und wiederum einen Beitrag zur Memetik (seinem Lieblingskind) liefert. Grundtenor: Vielleicht liegt die Zukunft der "menschlichen" Kultur im Internet und wir werden als Träger derselben überflüssig.
Meine Wertung: interessanter und anregender Lesestoff - 4 Sterne
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am 10. August 2002
Es zeigt sich endgültig, dass Richard Dawkins am besten dazu geeignet ist, den zu früh verstorbenen Carl Sagan als Sprachrohr der Wissenschaft zu ersetzen. Dawkins plädiert in diesem Werk dafür, dass "jedem Poeten, der die Bezeichnung <<Romantiker>> verdient, ... das Herz im Leibe hüpfen (muss), wenn er das Universum eines Einstein, Hubble oder Hawking betrachtet." In bekannter Art und Weise provoziert Dawkins bereits zu Beginn den Leser zum Nachdenken: "Überhaupt zu leben, ist Wunder genug" (Mervyn Peake zitierend). Schreibt Dawkins selbst: "Wir alle müssen sterben, das heißt, wir haben Glück gehabt. Die meisten Menschen sterben nie, weil sie nie geboren werden."
Dawkins beschreibt im ersten Teil des Buches die Wissenschaft und ihre Rolle in unserer neuen Kultur. In einer Art, dass einige seiner Kritiker dazu übergingen ihn außergewöhnlich bissig und persönlich anzugreifen, wobei keiner im entferntesten auch nur ein wissenschaftlich fundiertes Argument hervorbrachte. Wer Dawkins kennt, weiß dass dies ihn nur zu noch größeren Leistungen animiert, so muß also den Kritikern letztendlich gedankt werden. Dawkins schreibt weiterhin über den "Strichcode in den Sternen", "Märchen, Geister, Sternendeuter", "Berechnete Schauer (wo er sich mit den "normalen Abergläubischen, die nicht als hehre Poeten den Regenbogen verteidigen, sondern sich im Rätselhaften aalen und sich verraten fühlen, wenn man ihnen eine Erklärung liefert", auseinandersetzt). In den Schlußkapiteln kehrt Dawkins zu seinen bekannten Grundthemen zurück (Evolution, Genetik etc.), was Naturwissenschaftler tun können; über das genetische Totenbuch; wie die Welt neu verwoben wird und über einen Ballon zum Denken.
Waren schon seine "Der blinde Uhrmacher. Ein neues Plädoyer für den Darwinismus"; "Und es entsprang ein Fluß in Eden. Das Uhrwerk der Evolution"; "Gipfel des Unwahrscheinlichen. Wunder der Evolution" und "Das egoistische Gen" hervorragende Werke, so ihm jetzt endgültig das Meisterwerk gelungen.
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am 30. Mai 2010
Ich bin immer wieder erstaunt, wie zwanghaft Menschen sich an die Vorstellung eines "Sinn des Lebens" klammern und ohne diesen in Depressionen und Hoffnungslosigkeit zu versinken drohen. Für mich war dieser vielbeschworene "Sinn" schon immer einfach das gesamte Leben in seiner vielfältigen und wunderbaren Beschaffenheit an sich. Nach der Lektüre von "Das egoistische Gen" vor über einem Jahrzehnt war ich eher absolut euphorisch gestimmt, wie genial in diesem Universum alles seinen geradezu unglaublich erscheinenden verschlungenen und doch im Grunde so einfach logischen Bahnen folgt, und was für ein Phantasieland um uns herum dadurch geschaffen wurde. Ich liebe es!!! Und gerade dies ist es, was Dawkins in seinem entzaubertem Regenbogen den Lesern verständlich zu machen versucht: Selbst die genaue wissenschaftliche Sezierung und Erklärung unserer Umwelt, nimmt dem wahren Forschenden keineswegs den emotionalen Bezug und Genuß zu alledem, sondern verstärkt ihn eher sogar noch. Und da er sich selbst und auch die geistigen und materiellen Schöpfungen der Menschheit als Teil dieser für uns schier unerschöpflichen Wunderwelt begreifen kann, wird er auch nie in Gefahr laufen, die Bedeutung seiner Existenz durch eine konstruierte Sinnsuche legitimieren zu müssen. Er wird auch ohne dies in der Lage sein, zutiefst glücklich sein zu können - jedenfalls geht es mir seit Jahrzehnten so: Je mehr ich erfahre, lerne und erkenne, desto zufriedener und lebensfroher werde ich - und desto mehr freue ich mich auf jeden neuen Tag, der mir noch mehr Erkenntnisse beschert. Ich danke Dawkins für seinen Teil an meinem Glück, den er mir durch seine brillant geschriebenen Bücher beschert.

Ein wahrer Wissenschaftler ist immer auch ein wahrer Philosoph, auch wenn Außenstehende einem allzu gerne unterstellen, man wäre eine pragmatische und emotionslose "Maschine", nur weil man die Abläufe seiner Umgebung zu begreifen versucht. Sie verstehen nicht, daß eben dadurch nicht wirklich eine "Entzauberung" stattfindet, sondern ganz im Gegenteil ein immer größeres Erstaunen und Bewundern. Vielleicht kann "Der entzauberte Regenbogen" zum Verständnis beitragen. Allerdings fürchte ich, einem "Wissenschafts-Ungläubigen" wird dieser besondere und beglückende Zauber wahrscheinlich eher verschlossen bleiben. Schade eigentlich ...
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am 11. Februar 2003
Dawkins rechnet mit einer Gesellschaft ab, die sich der Wissenschaft zwar in Form von Technik bedient, aber davon nicht mehr verstanden hatals die Kuh von der Botanik, die sie mit Wohlbehagen frisst (Einstein). Gleichzeitg räumt er jedoch mit dem Vorurteil auf, Naturwissenschaften und Poesie wären unvereinbar. Dawkins: "Ein Newton und ein Keats, die einander lauschen, könnten die Galaxien singen hören."
Dieses Buch eröffnet mitunter völlig neue Blickwinkel, das Leben zu betrachten, weshalb es unbedingt lesenswert ist.
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am 28. Oktober 2015
Man fragt sich wirklich ob viele überhaupt nachvollzogen haben, was Richard Dawkins - der alles, was nicht in sein Weltbild hineinpasst, herausselektiert - vorstellt und hiermit impliziert. Dawkins ist zweifelsohne ein toller Naturwissenschaftler, aber gleichfalls ideologisch geprägt, denn er schließt alles, wirklich alles, was nicht mit seinem Weltanschauung konform geht, heraus und diffamiert öffentlich viele Gläubige Menschen, ja überdies setzt er jene als Geisteskranke gleich. Unfassbar! Bei Kreationisten ist manches an Kritik ja ebenso berechtigt, aber des öfteren schießt Dawkins stark übers Ziel hinaus. Die Idee der Meme entsprang dem Gedanken eines genetischen Reduktionismus eines Richard Dawkins. Die Aufklärung der DNA-Struktur wurde zu Recht als ein der größten biologischen Entdeckungen gefeiert. In den folgenden Jahren konnte, auf dem Strukturmodell aufbauend, gezeigt werden wie sich die DNA verdoppelt (was für die Zellteilung und damit für die Vererbung wesentlich ist) und wie die darin enthaltene Information "abgelesen", also Bildung von Eiweißen verwendet wird, dennoch demonstriert die weitere Entwicklung der Genetik einmal mehr, wie eine erfolgreiche wissenschaftliche Disziplin schnell zur Ideologie mutieren kann...Das zeigt schon der Name Molekularbiologie, der ab den sechziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts in Mode kam

Der Sache nach handelt es sich um molekulare Genetik, doch der umfassendere Begriff der molekularen Biologie spricht dem Anspruch aus, die molekularen Strukturen der Vererbung bildeten die einzig wahre Grundlage der gesamten Biologie. In dieser Sicht sind Lebewesen ein Bündel von Genen mit etwas zusätzlichem Drumherum, welches den Genen das Leben komfortabler machen soll. Mit missionarischen Eifer wird dieser genetische Reduktionismus insbesondere von dem britischen Biologen Richard Dawkins vertreten Doch so wichtig auch die Gene als Träger der Vererbung sind, sie sind nicht die alleinige Grundlage aller biologischen Vorgänge. Innerhalb der Zelle agieren die Gene nicht von allein, sie sind auf den Zellkontext und auf spezialisierte Eiweiße angewiesen: Die DNA-Doppelhelix wird gerne als "sich selbst verdoppelnde Struktur" beschrieben. Aber das ist eben falsch, denn für diese Verdopplung sind Enzyme unerlässlich. Auch individuelles Leben beginnt nicht mit nackter DNA, sondern mit einer Zelle, also einer komplexen Maschinerie aus DNA; Eiweißen und anderen Komponenten. Ebenso stand am Anfang des Lebens auf der Erde kein nacktes Gen - wo sollte das herkommen? Die erste genetische Maschinerie an der Schwelle zum Leben war darauf angewiesen, dass um sie herum bereits primitiver Stoffwechsel funktionierte, der die Baumaterialien und die Energie lieferte.

Nach der materialistischen Sicht der Dinge ist Vererbung materialistischer Natur - außer bei der kulturellen Vererbung, die nach allgemeinen Konsens anders funktioniert, nämlich überwiegend als ein Erlernen durch Nachahmung, Richard Dawkins schlug 1976 den Begriff "Mem" (in Analogie zu "Gen") für eine Einheit der kulturellen Vererbung vor: Beispiele für Meme sind Melodien, Ideen, Schlagworte, Kleimoden, Besonderheiten der Töpferei, oder des Baues von Gewölbebogen. Wie Gene sich fortpflanzen, indem sie über Samen- und Eizellen von Körper zu Körper hüpfen, so pflanzen Meme sich fort, indem sie über einen Prozess, den wir im weitesten Sinne als Imitation bezeichnen können - von Gehirn zu Gehirn hüpfen."

Diese Idee erwies sich ebenfalls als eine erfolgreiches Mem, woraus erhellt, dass dieser Begriff einen Bedarf deckte. Der materialistische Philosoph Daniel C. Denett hat den Mem-Begriff zum Eckstein seiner Theorie des Geistes gemacht. Aber dieser Begriff ist zu atomistisch und zu reduktionistisch, weshalb einige Autoren neue Ausdrücke ins Gespräch bringen, mit denen sie zu größeren Gebilden verlinkte Mem-Komplexe bezeichnen, etwa "koadaptierter Mem-Komplex", oder "Memplex". Gerade Atheisten sind vom Begriff "Mem-Komplex" angetan, weil er aus ihrer Sicht - als etwas wie ein geistiges Virus, das die Gehirne anderer infiziert - Religionen erklärt. Sich selbst sehen sie als immun. Aber muss nicht auch der Materialismus solch ein virulenter Mem-Komplex sein, der sich in ihren Gehirn ausgebreitet hat? Vielleicht ist der materialistische Memplex sogar ein besonders aggressives Virus, das seine Opfer in missionierende Atheisten verwandelt und flink von ihren Gehirnen auf möglichst viele andere überspringt. Soviel auch über Meme und ihre Rolle in Kultur und Religion spekuliert wurde, was sie eigentlich sind, blieb dunkel

Dawkins lästert über Parapsychologie, aber, aber:

Richard Dawkins, kämpferischer Atheist und Autor des Buches "Der Gotteswahn", ist Professor für das öffentliche Verständnis von Wissenschaft an der Universität von Oxford. Er ist aktiv in der Vereinigung CSI (früher CSICOP), einer international tätigen Skeptiker-Organisation, und unterstützt tatkräftig James Randi, eines ihrer prominentesten Mitglieder. Zuvor verfasste er Bücher zur Evolutionsbiologie, darunter am bekanntesten "Das egoistische Gen". Im Jahr 2007 besuchte er Rupert Sheldrake, um ihn für seine Fernsehserie "Enemies of Reason" (Feinde der Vernunft) zu interviewen. Richard Dawkins ist ein Mann mit Überzeugungen. Er sieht seine Aufgabe darin, Religion und Aberglaube auszurotten und sie vollständig durch Wissenschaft und Vernunft zu ersetzen. Der britische Fernsehsender Channel 4 bot ihm dazu häufig eine Plattform. In einer zweiteiligen polemischen Sendung im August 2007 unter dem Titel "Feinde der Vernunft" setzte er seine Angriffe gegen die Religion fort, die er im Jahr 2006 unter dem Titel "The Root of All Evil?" (Die Wurzel allen Übels?) veröffentlichte.

Kurz bevor die Sendung "Feinde der Vernunft" gefilmt wurde, teilte mir die Produktionsfirma (IWC Media) mit, dass Dawkins mich besuchen wolle, um mit mir über meine Forschungen zu bislang nicht erklärten Fähigkeiten von Mensch und Tier zu sprechen. Ich zögerte, daran teilzunehmen, doch die Vertreterin der Firma versicherte mir, "dieser Dokumentarfilm wird auf Wunsch von Channel 4 ausdrücklich entschieden ausgewogener sein, als "The Root of All Evil" es war". Sie fügte noch hinzu: "Wir sind sehr daran interessiert, dass dies ein Gespräch zwischen zwei Wissenschaftlern wird, in der es es um die Wege der wissenschaftlichen Forschung geht." Schließlich willigte ich ein und wir machten einen Termin aus. Ich war mir immer noch nicht sicher, was das wohl geben könnte. Würde Richard Dawkins dogmatisch auftreten und alle Fakten abwehren, die seinen Ansichten widersprechen? Oder würde er offen für Neues sein, so dass wir ein angenehmes Gespräch führen könnten?

Der Regisseur bat uns, einander gegenüber zu stehen. Man filmte mit einer tragbaren Kamera. Dawkins fing an und sagte, wir seien uns wahrscheinlich in vielen Dingen einig, und fuhr fort: "Doch was mir bei Ihnen Sorgen macht, ist, dass Sie bereit sind, fast alles zu glauben. Wissenschaft sollte möglichst wenig auf Glauben beruhen."

Ich stimmte zu, dass wir viel gemeinsam haben, und sagte: "Aber was mir bei Ihnen Sorgen macht, ist, dass Sie den Anschein erwecken, ein Dogmatiker zu sein, so dass den Leuten ein schlechter Eindruck von Wissenschaft vermittelt wird."

Er fuhr fort, wenn er in verliebter Stimmung sei, möchte er auch gern an Telepathie glauben, aber dafür gebe es einfach keine Beweise. Alle Forschung auf diesem Gebiet wies er rundweg ab. Dass Wissenschaftler wie er Telepathie ablehnten, verglich er mit der Entdeckung des Ortungssystems der Fledermäuse mittels Ultraschall, das man in den 1940-er Jahren entdeckte und dann auch sehr schnell in der Wissenschaft anerkannte. Wie ich später herausfand, hatte Lazzaro Spallanzani schon 1793 gezeigt, dass Fledermäuse sich zur Orientierung auf ihr Gehör stützen, doch skeptische Gegner wiesen seine Experimente als fehlerhaft zurück, was die Forschung weit über ein Jahrhundert zurückwarf. Doch Dawkins erkannte, dass Telepathie von größerer Brisanz sei als Echoortung. Er sagte: "Wenn es das wirklich gibt, dann stellt es die physikalischen Gesetze völlig auf den Kopf." Und er fügte hinzu: "Außerordentliche Behauptungen erfordern außerordentliche Beweise."

Ich erwiderte: "Das kommt darauf an, was man als außergewöhnlich ansieht. Die meisten Menschen sagen, sie haben Telepathie schon erlebt, besonders beim Telefonieren. Insofern ist das etwas ganz Gängiges. Außerordentlich ist die Behauptung, dass die meisten Menschen sich in Bezug auf ihre Erfahrung täuschen. Wo sind die außergewöhnlichen Beweise dafür?"

Er trug keinerlei Beweise vor, sondern sprach nur ganz allgemein über die Fehlbarkeit menschlicher Urteile. Seiner Meinung nach wollen die Leute einfach gern an "paranormale Erscheinungen" glauben.

Wir einigten uns, dass man kontrollierte Experimente braucht. Ich sagte, dass ich aus diesem Grund genau solche Experimente durchgeführt hätte, unter anderem um herauszufinden, ob Leute wirklich sagen können, wer anruft, wenn man die anrufende Person per Zufallsgenerator auswählt. Die Ergebnisse lagen weit über dem zu erwartenden statistischen Durchschnittswert.

In der Woche vorher hatte ich Dawkins Kopien von einigen meiner Aufsätze zugesandt, die in wissenschaftlich akzeptierten Zeitschriften erschienen waren, damit er sich mit den Fakten vertraut machen konnte.

Dawkins erschien unsicher und sagte: "Ich will hier nicht über Beweise diskutieren." "Warum nicht?" fragte ich. "Dafür haben wir keine Zeit. Das ist zu kompliziert. Und darum geht es in dieser Sendung gar nicht." Dann hielt die Kamera an.

Auch der Regisseur, Russell Barnes, bestätigte, er sei nicht an Beweisen interessiert. In seinem Film solle es einfach um eine Fortsetzung der Polemik Dawkins' gehen.

Ich sagte zu Barnes: "Wenn Sie Telepathie als irrational ansehen, dann ist doch jeder Beweis dafür oder dagegen von entscheidender Bedeutung. Wenn Telepathie wirklich vorkommt, ist es gerade nicht irrational, daran zu glauben. Ich dachte, genau das wollten Sie hier herausfinden. Ich habe von Anfang an klar gemacht, das ich kein Interesse daran habe, an einer miesen Verunglimpfungsshow mitzumachen."

Darauf Dawkins: "Das ist keine miese Verunglimpfungsshow, sondern eine seriöse Verunglimpfungsshow."

"Wenn das so ist", erwiderte ich, "dann liegt hier ein schweres Missverständnis vor, denn mir wurde zugesichert, dass das hier eine ernsthafte wissenschaftliche Diskussion über Beweise werden sollte." Russell Barnes wollte die Mails sehen, die ich von seiner Assistentin erhalten hatte. Er las sie mit offensichtlichem Missvergnügen und sagte dann, die Zusicherungen, die man mir gegeben hatte, seien unzutreffend gewesen. So packte das ganze Team ein und ging wieder.

Schon seit langem verkündet Richard Dawkins seine Überzeugung, dass parapsychologische Phänomene ein Humbug seien. Leute, die das vertreten, sind seiner Ansicht nach Betrüger und Scharlatane. Diese Ansicht sollte durch seine Sendung "Feinde der Vernunft" untermauert und weiter bekannt gemacht werden. Fördert er mit solchen Aktionen aber wirklich "das öffentliche Verständnis von Wissenschaft", wie es sein Lehrstuhl in Oxford ausweist? Ist Wissenschaft dazu gedacht, Vorurteile zu verbreiten, eine Art fundmentalistisches Glaubenssystem? Oder ist sie nicht eine Methode zur Erforschung des Unbekannten?
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TOP 50 REZENSENTam 18. September 2011
Inhalt:
In 'Der entzauberte Regenbogen' berichtet der Evolutionsbiologe Richard Dawkins von Spektralanalyse und Regenbögen, von Licht und Farbwahrnehmung, von Radio- und Schallwellen, von Wundern und Märchen, von Astrologie und Scharlatanerie, von Wahrscheinlichkeitsrechnung und Statistik, von Ritualen und Magie, von egoistischen und kooperativen Genen, von Sehen und Hirnforschung, von Linguistik und Sprachentwicklung, von Genen und Memen. Dabei geht er unter anderem auf Phänomene und Erkenntnisse der Physik, der Genetik, der Neurowissenschaften, der Evolutionsbiologie, der Astronomie und der Linguistik ein.

Mein Eindruck:
'Der entzauberte Regenbogen' liest sich (wie von Dawkins gewohnt) einfach, ist unterhaltsam, bisweilen bitterböse, oft amüsant und immer spannend. Dawkins erklärt Sachverhalte dabei so anschaulich und lebendig, dass auch Laien seinen Gedankengängen folgen können.

Besonders gut gefallen hat mir die Fülle an Fachgebieten, die der Autor behandelt, und die Vielzahl an Phänomenen, von denen Dawkins berichtet. So kann man als Leser viel Neues lernen und wird nebenbei auch noch perfekt unterhalten.

Mein Resümee:
Spannend, lehrreich und oft amüsant.
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am 7. Februar 2014
Dawkins: Ich mag ihn. Seine bisherigen Bücher habe ich mit größtem Vergnügen gelesen. Mit dem entzauberten Regenbogen tu' ich mir schwerer. Einerseits: Er besitzt die Gabe, komplexe Vorgänge einfach darzustellen und dem Laien verständlich zu machen. In der Evolutionslehre hat er tolle didaktische Arbeit vollbracht. Das kann man nicht genug wertschätzen. Andererseits ist er mir mit dem entzauberten Regenbogen ein wenig auf den Senkel gegangen. Wir Dawkins-Leser wissen doch alle, dass Kreationisten bescheuert sind. Wären ich Kretionist, würde ich Dawkins eh nicht lesen. Warum also wütet er permanent gegen Leute, die wissenschaftliche Denkweise, Evidenz etc. ohnehin ablehnen? Schlimmer noch, er gibt in manchen Aussagen den Beleidigten. Klar, einem Denker ist dummes Gewäsch ein Greuel. Aber es ist zwecklos, darüber immer und immer wieder zu jammern oder zu argumentieren. Wer die positive Botschaft nicht versteht, der wird auch die negative Kritik nicht fressen. Ihn jammert es, dass manche Leute einen "Zauber" nicht entzaubert sehen wollen. Er lamentiert, dass manche Leute den großen Newton der Regenbogenschändung bezichtigten, nur weil er das Licht mit dem Prisma in die Regenbogenfarben zerlegt hat. Aber was kümmert mich das Gewäsch solcher Leute? Will ich doch gar nicht lesen!

Dawkins läuft zu Hochform auf, wenn er sich in seinem eigenen Metier bewegt. Sobald er die Biologie verlässt, verlässt ihn auch die Gabe zur griffigen und allemal stimmigen Formulierung. Offen gestanden war ich bei seinen Erklärungen zur statistischen Wahrscheinlichkeit immer in der Versuchung, nachzurechnen. Nicht, weil ich ihm nicht traute, sondern weil seine Darlegungen zuweilen arg umständlich sind.

Dann kommt er mit Überlegungen, die eigentlich zur Beweistheorie gehören: Was ist beweisbar, was nicht? Da kommt er wieder mal ins Schleudern, wird langatmig und kann einem dann doch nichts Neues sagen. Und bleibt unscharf. Die Hauptsätze der Thermodynamik heißen Hauptsätze, weil sie die Arbeitsgrundlagen sind, auf deren Unterbau man alle Beobachtungen erklären kann. Widersprüche dazu sind noch nicht bekannt geworden. Schön, aber um das zu erfahren, kaufe ich keinen Dawkins, das können andere besser erklären.

Noch eins: Es spricht nichts dagegen, sich eine Anordnung von Atomen als aneinandergepappte Kügelchen vorzustellen. Solange solch ein Bild von der Doppelhelix (oder irgendeiner Kristallstruktur) mit den Beobachtungen übereinstimmt, ist das hilfreich und DESHALB in Ordnung. Dann aber zu erklären, dass solch eine Struktur eigentlich aus viel leerem Raum bestehe, in dem sich verloren ein paar Atomkerne und Elektronen bewegen, das ist wenig zielführend und sagt mir, dass er vielleicht die neuere Atomphysik nicht verstanden hat. Elektronen sind halt keine kleinen negativ geladenen Popel, die um große positiv geladenen Popel kreisen. Solche Vorstellungen sind Hilfsskrücken; zur Erklärung biologischer Prozesse und Reaktionen braucht man sie nicht wirklich. Tatsache ist, dass sich das Wesen von Elementarteilchen unserer sinnlichen Wahrnehmung total entzieht. Auf dieser Ebene sind allein Formeln gültig (und auch dass nur, bis die nächste Physikergeneration ein besseres System mit vielleicht anderen Formeln erarbeitet hat). Wieder ein Feld, auf denen sich Dawkins einfach nur schlecht schlägt.

Fazit: Dawkins hat uns verschiedene physikalischen Phänomene aus seiner (breiten) Allgemeinbildung erklärt, wobei er, wie es nicht anders zu erwarten ist, nicht überall kapitelfest ist.

Ich erlaube mir deshalb, Goethe zu zitieren: "Getret'ner Quark wird breit, nicht stark". Herr Dawkins, schreiben Sie bitte weiter über Biologisches. Mathe und Physik hole ich mir von anderen Quellen: Beutelspacher, Feynman und so weiter.
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am 5. Januar 2014
Das Buch fasst sehr kurzweilig die aktuelle Forschung zu diversen Themen unserer heutigen Zeit zusammen und eignet sich auch für Heranwachsende. Gut und leicht lesbar sowie einfach zu verstehen. Schönes Buch.
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am 12. Februar 2009
Dieses Buch ist gewissermaßen die Vorlage für all die Eckhart-von-Hirschhausen-oder Vince-Ebert-Büchlein, die da gegenwärtig die vorderen Rängen der Bestsellerlisten besetzen. Nur: Hirschhausen, Ebert & Co sind nicht Dawkins, weder als Wissenschaftler noch als Literaten. Ich glaube auch nicht, dass Dawkins bei Schmidt&Pocher aufträte... Wer also das "Original" haben will und nicht bloß comedymäßig aufgebretzelte Kopien von Kopien von Kopien, sollte zu Dawkins greifen. Es lohnt sich.
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