find Hier klicken Jetzt informieren PR CR0917 Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More TDZ HI_PROJECT Mehr dazu Hier Klicken Shop Kindle Unlimited AmazonMusicUnlimited Fußball longSSs17

Kundenrezensionen

3,2 von 5 Sternen
6
3,2 von 5 Sternen
5 Sterne
3
4 Sterne
0
3 Sterne
0
2 Sterne
1
1 Stern
2


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 27. Dezember 2005
'Mozart. Eine Biographie' verkünden Schutzumschlag und Titelseite und führen damit sogleich in die Irre: Denn der im engeren Sinn biographische Teil, der die Chronologie von Mozarts Leben verfolgt, endet bereits nach der Hälfte des ca. 400seitigen Texts; es folgen drei Kapitel zur Ästhetik (ca. 35 Seiten) sowie 12 Kapitel zum Werk, kein systematischer Gesamtüberblick, sondern Kommentare zu wichtigen Werken bzw. Werkkomplexen.
Nun gut, eine gewisse Unschärfe im Titel, aber was soll man sich lange dabei aufhalten, wenn die launige Aufmachung des Buches (Illustrationen von F.W.Bernstein) und gefällige Kapitelüberschriften ("Genie auf dem Sprung", "Harlequin komponiert", "Ein Kapitel für Liebhaber: Die Klavierkonzerte") angenehme, sogar unterhaltsame Lektüre verheißen - und da der Autor im Vorwort vermerkt, man könne überall einsteigen, warum nicht z.B. mit dem Kapitel "Wer spricht da von Wiener 'Klassik'?" aus dem Ästhetik-Teil. Interessante Fragestellung - wie berechtigt ist dieser Begriff eigentlich, den man so leichtfertig benutzt? Ja, das will ich wissen, schlage das Kapitel auf uns lese dann z. B. auf S.236: "Während man die Gemeinsamkeit in klassizistischer Sicht gern als eine zentripedale Kraft sieht, die zur Reinheit, Eindeutigkeit und Geschlossenheit des Systems tendiert, dominieren in Wahrheit die zentrifugalen Kräfte, die von einem idealen Zentrum wegdrängen und eine Vielfalt von Mutationen hervorbringen" ... Nach mehreren solcher Passagen überlege ich, ob mir jemand das Buch wieder so verschweißen kann, dass ich es in die Buchhandlung zurückbringen kann; aber: vielleicht entsprechen andere Kapitel eher meinen Vorstellungen, und so wende ich mich dem biographischen Teil zu.
Eine gewisse Erleichterung: Das ist wenigstens über weite Strecken ein flüssig geschriebener und gut lesbarer Lebensabriss; freilich, gelegentlich wird auch hier das schwere Geschütz der Kulturtheorie aufgefahren ("die Differenz ... die nicht erst seit Derrida das Eigentliche in der Kunst bedingt" S.35) und überhaupt eignet den Ausführungen eine schillernde stilistische Vielfalt: Da wird einmal tiefsinnig-spekulativ räsonniert, wenn die Komponisten eingeteilt werden in "Philosophen" ("jedes Opus ... ist individuelle Ausformung eines übergeordneten Gedankens") und "Sänger" ( "... sind auf Kommunikation angewiesen, können sich nicht allein über Struktur vermitteln", S.48); dann begegnet die betuliche Poesie volkstümlicher Konzertführer (zum Schlusssatz des Violinkonzerts KV 216: "Mit spitzen Schritten betritt eine kleine Primadonna die Bühne; doch schon bald verläuft sich ihre Empörung", S.67); wieder Anderes ist nachlässig hingeschrieben, als habe man es mit einem schwach redigierten Vorlesungsmanuskript zu tun: "Dieser Dr. Ludwig Alois Ferdinand von Köchel ist ein durchaus interessanter Mann gewesen." (S.133)
Über die Werkkommentare des Autors kann ich nur wenig sagen. Ich habe einen Blick in das Kapitel über die Klavierkonzerte geworfen, verspürte allerdings wenig Lust, in diesem Zusammenhang "auf den komplexen Dialog-Begriff von Michail Bachtin zurück[zu]greifen, den er innerhalb seiner Untersuchung karnevalesker Romanstrukturen entwickelt hat" (S.346). Auch den Phrasen des laut Autor "als Mozart-Essayist höchst originelle[n] erste[n] Außenminister[s] der Sowjetrepublik", Georgi W. Tschitscherin, konnte ich wenig abgewinnen ("jedes [der Klavierkonzerte] für sich eine besondere Welt mit unermeßlichem Inhalt", S.357), und als für den simplen Sachverhalt, dass Mozart in einem Konzert Jagdmotive verwendet, das Modewort 'Intertextualität' herhalten musste (S.355), dachte ich, so, jetzt reicht's.
Fragt sich nur noch, an welches Zielpublikum Autor und Verlag eigentlich dachten. Dieses 'Biographie' enthält sicher Material in Fülle, um sowohl Liebhaber als auch Fachpublikum zu verstimmen.
22 Kommentare| 75 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 13. Februar 2007
Das ist, was Amadé Mozart, wie er seinen Namen meist selber schrieb, mit seiner Musik nach Geck geleistet hat. Das ist aber auch, was der Autor mit seinem Buch leistet. Geck ist Musikprofessor und er hat schon über andere grosse Komponisten geschrieben, so über Bach, Mendelsohn und Beethoven. Er ist mithin ein etablierter, grosser Fachmann.

Der Untertitel heisst "Eine Biographie". Das stimmt, aber es ist mehr als das. Der Reihe nach.

Der erste Teil ist die Mozart-Biographie. Geck hält sich eng an die Quellen und er berichtigt manches, was in der Mozart-Biographik, die schon kurz nach seinem Tod anhob, krumm gelaufen war. Mozart wird uns als erfolgreicher, freier Künstler präsentiert, der bis in seine Todesnacht gearbeitet hat und am Abend noch Leute zur Probe zuhause hatte. Alles ist nachvollziehbar und sehr gut lesbar.

Dann gibt es einen zweiten Teil, der sich der Musik widmet. Ich als weitgehender Laie dachte mir, dass mir das zu hoch sein würde. Aber nein, auch dieser Teil erwies sich als interessant und verständlich. Hier wird der Entstehungsgeschichte und den Aufführungsbedingungen nachgegangen und die Eigenarten der einzelnen Opern, der Klavierkonzerte und einigem anderen besprochen. Alles erscheint locker und leicht, gut recherchiert, professoral in der Übersicht und im Ausgreifen in das kulturelle und historische Umfeld, aber elegant und witzig geschrieben.

Zusammengefasst also müsste der Titel heissen: Ein Mozartbuch; sein Leben und seine Musik.

Ich kann dieses Mozartbuch allen empfehlen, selbst denen, die nur wenig mit Musik zu tun haben und nur wenig davon wissen. Es ist eine wirklich feine und dennoch edukative Lektüre, ein sehrsehr gutes Sachbuch, das alles leistet, was ein Sachbuch leisten kann.

Und Mozart ist in der Menschheitsgeschichte einer der seltenen Giganten. Man darf also ruhig etwas über ihn wissen. Dieses Buch ist ihre Quelle!
0Kommentar| 26 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 17. Dezember 2014
Der Titel soll, schreibt der Verfasser in seinem Vorwort, solle vorab deutlich machen, was den Leser erwarte: "eine Darstellung von Leben und Werk, auf neuestem Forschungsstand". Das stimmte schon bei Erscheinen des Hardcovers pünktlich zum Jubiläumsjahr 2006 keineswegs. Vermutlich hat Geck aus diesem Grund auf jeden noch so kleinen wissenschaftlichen Nachweis seiner Theorien verzichtet, und dem Leser stattdessen eine ungemein subjektive, daher verzichtbare Discographie mitgeliefert. "Nicht seichter, aber leichter" als sein wirklich verdienstvolles und wertvolles Bach-Opus solle diese Mozart-Vita werden, verspricht Geck. Doch die Kapitelanfänge zeigen, dass er dieses Versprechen nicht zu halten geneigt war, sondern es nur sich leicht gemacht hat. "Die These sei gewagt: Das ganze frühe künstlerische Wachstum Mozarts hat nichts von Zauberei an sich." Diese These ist nur dann gewagt, wenn der Leser auf dem Niveau von Hindercks-Kutschers 50er-Jahre-Werk "Donnerblitzbub Wolfgang Amadeus Mozart" stehen geblieben ist. Oder: "Allmählich drücken auch i h n die Schulden - den Biographen. Gern begänne er das Kapitel mit einem Blick auf die Werke - die Messias-Bearbeitung KV 572, die drei Preußischen Streichquartette KV 575, KV 589 und 590, das Klarinetten-Quintett KV 581, Così fan tutte und das Streichquartett D-Dur KV 593." Spätestens nach fünf Kapitel ist dem Leser klar: schreiben kann Geck nicht, forschen könnte er, als Professor mit Assistenten im Kreuz, das aber war ihm im Fall Mozart zu mühsam. So hat er von Salieris liegen gelassener Vertonung von Da Pontes Così fan tutte-Libretto offenbar noch nie etwas vernommen und generell einfach aller Mühen der Recherche-Niederungen enthalten.
Bio-Graphie heißt, ein Leben zu beschreiben in seinem Lebensraum. Von dem Lebensraum Mozarts erfahren wir historisch, soziologisch, kulturgeschichtlich, menschlich gar nichts. In der Wikipedia-Vita ist mehr zu erfahren. Dass Geck zwischendrin ansatzweise Werke bespricht, bringt wenig, hält aber auf.
Dass er den Harlequin-Parameter einführt, ist das einzig Originelle. Und was bringt der? Entscheiden Sie selbst.Im Kapitel "Harlequin komponiert", wo also Harlequin mit Mozart gleichzusetzen ist, geht es auf der ersten Seite darum dass, wohlgemerkt im 20. Jahrhundert, Karl Barth, "Vater der dialektischen Theologie, in einem Festvortrag Mozarts 'Freiheit' als diejenige des Evangeliums" pries. Und dann weiter: "Da schlägt Harlequin Purzelbäume und rezitiert unter Gelächter die Anekdote, derzufolge an den Wänden von Barths Arbeitszimmer zwei Bilder hingen: eines von Mozart und eines von dem an grausamer Sittenstrenge unübertroffenen Genfer Reformator Calvin. Und Harlequin lässt uns mit der Frage zurück, ob wohl ein Zusammenhang bestünde zwischen einer Sinnenfeindlichkeit, wie sie bereits in Hegels Definition von der Kunst als 'sinnlichem Scheinen der Idee' niederschlägt, und dem offenkundigen Bestreben Mozarts 'Freiheit' im Geistigen ansiedeln."
Nicht verstanden?
Verstehen soll der Leser wohl nur, dass einmal Harlequin=Mozart und einmal Harlequin=Geck ist (der Anekdoten rezitiert). Also letztlich Mozart=Geck.
Mozart war leider nicht wirklich gut vernetzt. Geck ist es.
Vielleicht erhellt den Anspruch dieses, dank jenes guten Netzwerks als wichtig gelobten Biographie, der Beginn des letzten Kapitels: "Sollte hier vielleicht 'Eine kleine Nachtmusik' KV 525 erscheinen? Immerhin sorgt sie auf diversen Abschiedsfeiern für den beliebten musikalischen Ausklang; und vielleicht hat Mozart sie selbst als Abschiedsserenade komponiert." Vielleicht? Dafür gibt es keinerlei Anhaltspunkte, nie hat das irgendwer behauptet, aber es passt eben gerade. So wie es Geck passte, zum Mozart-Jahr ein Mozart-Buch abzugeben.
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
HALL OF FAMEam 8. Januar 2006
"Wer schreibt hat Vorgänger", weiß der Dortmunder Musikwissenschaftler Prof. Martin Geck, und wenn es um Mozart geht, sind sogar die berühmtesten Denker mit dabei. Musik war allerdings nicht die Stärke des großen Immanuel KANT, und so kommt es, dass KANT instrumentale Musik vergleicht mit "Tapetenmustern oder Rankenwerk auf Bilderrahmen." Ein bisschen mehr Mühe sollte man sich schon geben mit Mozart. Der legendäre Theologe KARL BARTH formulierte dann auch anlässlich eines Festvortrages mit dem Titel "Mozarts Freiheit", wer Mozart höre, der dürfe sich als Mensch fühlen, "als der schlaue Basilio und als der zärtliche Cherubino, als Don Juan, der Held, als der Feigling Leporello, als die sanfte Pamina und als die tobende Königin der Nacht, als die alles verzeihende Gräfin und als die entsetzlich eifersüchtige Elektra, er darf sich als der weise Sarastro und als der närrische Papageno, die in uns alle stecken - er darf sich als dem Tod Verfallene und als der noch und noch Lebende, die wir ja alles sind, verstanden und selber zur Freiheit berufen fühlen." Na, da hat Martin Geck ja festlich Zitierbares ausgegraben. Da wird man schon mürrisch und wie mit kaltem Wasser übergossen, wenn man sich den komprimierten ADORNO durch die Zähne ziehen muss: "Nur darum ist seine Klassizität vorm Vorwurf des Klassizismus gefeit, weil sie am Rande einer Desintegration angesiedelt ist." Was ADORNO, der konsequente Deserteur unter den Denkern, als "dekonstruktivistische" Desintegrationskraft feiert, - dies provoziert den BACH-Sohn Carl Philipp Emanuel zur Schimpfkanonade: "Alles muss närrisch und komisch sein!" Närrisch? Man soll das "Karnevaleske" in seiner Kreativität nicht bagatellisieren. Martin Geck spricht vom "harlekinesquen" Mozartscher Genialität, die wie eine Atempause auftauche zwischen der strengen und vernünftigen Klassik und der zuweilen erdrückende Emotionen erweckenden Romantik. Was MOZART alles leistet, kann man übrigens im Umkehrschluss auch aus dem Gemecker NIETZSCHES herauslesen, der sich über WAGNER äußerst verächtlich ausließ: "Meine Einwände: ... dass ich nicht mehr leicht atme, wenn diese Musik auf mich wirkt; dass alsbald mein Fuß gegen sie böse wird und revoltiert - er verlangt von der Musik die Entzückungen, welche in gutem Gehen, Schreiten, Springen, Tanzen liegen. Protestiert aber nicht auch mein Magen? mein Herz? mein Blutkreislauf? mein Eingeweide?" - MOZART hingegen macht alles richtig. Martin Geck (nebenbei unterstützt durch 28 Zeichnungen des Karikaturisten F. W. Bernstein) formuliert, sich durchaus würdig erweisend dieser vieltönigen Meinungspartitur: "Zwischen BACH und BEETHOVEN das große Aufatmen: keine Predigt, kein Bekenntnis, kein Ethos, kein deutscher Tiefsinn, sondern Freiheit. Freiheit des Agierens, des Fühlens und Denkens." Ich glaube, hätte es für MOZART die Möglichkeit gegeben und hätte er die Zeit überhaupt dazu gefunden, er hätte mit höchstem Vergnügen diese Biographie von Geck förmlich verschlungen.
0Kommentar| 8 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 6. Januar 2017
es git ohne Zweifel einige sehr viel bessere Bücher über dieses Ausnahmetalent,
der vorliegende Band kann sicherlich als ambitionierte Fleißarbeit gelten.

Was allerdings wirklich nervt und einen Lesegenuß nicht aufkommen läßt,
ist die manierierte Art des Autord Geck, der stets von sich in der dritten Person spricht und das auch noch andauernd ....
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 28. Dezember 2005
Jung stirbt, wen die Götter lieben
Senta Berger liest Martin Gecks Buch „Mozart – Eine Biographie“
Von Wolfgang Haan
Kulinarisches Gedudel
„Kennen Sie Mozart?“ – Wie würde wohl die Antwort eines in einer beliebigen Stadt Befragten ausfallen: z. B. eines nichts Böses ahnenden Passanten, unterwegs im Einkaufszentrum, Schall bedudelt und Lärm besudelt aus jeder möglichen und unmöglichen Richtung und Quelle, von Geschäft zu Geschäft hetzend wie ein Schnäppchenjäger im Schlussverkauf: „Das ist doch der mit den Locken und den Kugeln, oder?“ wäre eine der möglichen Antworten – damit läge die Trefferquote immerhin schon bei 50 %. Und auf die Frage „Aber Sie kennen doch bestimmt „Die kleine Nachtmusik?“ wäre vielleicht die Reaktion ein freudestrahlendes: „Ja genau – dida dida dida dumm“.
Aber - kennen wir Mozart? Und ich meine damit nicht die Kaufhausbeschallungs-, Werbe-, Kinofilm- oder Fahrstuhlversion vieler seiner berühmten Kompositionen. Auch nicht den debil schrill lachenden, ständig betrunkenen oder Obszönitäten und Peinlichkeiten verbreitenden Clown aus Milos Formans Oscar gekröntem Film „Amadeus“ aus dem Jahre 1984.
Einen Ausweg für alle Interessierten bietet das exzellente, jetzt bei der Deutschen Grammophon Literatur erschienene Hörbuch mit dem unprätentiösen Titel „Mozart - eine Biographie“. Dieses Hörbuch basiert auf der im Rowohlt Verlag erschienenen gleichnamigen Printausgabe des Gleim-Literaturpreisträgers Martin Geck, seines Zeichens Professor an der Universität Dortmund und Autor zahlreicher, mittlerweile in 12 Sprachen übersetzter, Bücher.
What difference does it make?
Endlich einmal werden Käufer der Printausgabe gegenüber dem Erwerber dieses Hörbuches benachteiligt, denn der Verlag hat den Lebenslauf Mozarts, dem sich die ersten beiden CDs widmen, mit zahlreichen kurzen Musikbeispielen angereichert. Diese Klassik-Clips wurden von so bekannten Persönlichkeiten wie z. B. Claudio Abbado, John Elliot Gardiner oder Karl Böhm eingespielt und sind von ausgezeichneter Klangqualität und dies, obwohl die Laufzeit der einzelnen CDs jeweils fast 80 Minuten beträgt. Das absolute Highlight ist jedoch die dritte CD des Hörbuches, die extra für diese Produktion von Martin Geck zusammengestellt wurde und die in dieser Form einzigartig ist. Auf dieser befinden sich, auch für den musik-wissenschaftlichen Laien leicht verständliche, informative und ausführliche Essays mit musikhistorischen oder – kritischen Anmerkungen zu Mozarts großen Werken wie z. B. der Oper „Don Giovanni“ oder, welche Überraschung, „Eine kleine Nachtmusik“.
Fakten! Fakten! Fakten!
Natürlich kommen auch Freunde knallharter Informationen nicht zu kurz. Auf den ersten beiden CDs befinden sich in geballter Form alle Daten, die das Herz eines jeden Musikbegeisterten höher schlagen lassen werden.
In verkürzter Form gegenüber der Printversion, wobei jeder einzelne Track von einem anderen Musikstück Mozarts eingeleitet wird, erzählt uns der Autor von Mozarts Leben und Leiden, Aufstieg und Fall, Freunden und Feinden, Frauen und Freudenmädchen und vielem mehr. Dabei verzichtet Geck erfreulicherweise auf die wohlbekannten Mozartklischees wie das vom übermächtigen Vater und unterlässt die leider übliche Psycho-Analyse des Verhältnisses von Mozart zu Frauen. Stattdessen erzählt er mit leichter Hand und pointiertem Strich in chronologischer Reihenfolge von Mozarts Leben. Dabei seziert er geradezu genüsslich so manchen überkommenen Mythos, löst vermeintliche Rätsel in heiße Luft auf oder beweist, dass sich angeblich fundierte Fakten aus Zitaten literarischer Werke, z. B. E.T.A. Hoffmanns, abgeleitet haben.
Wienerischer Charme
Senta Berger, gebürtige Wienerin und eine der erfolgreichsten deutschen Schauspielerinnen, trägt mit Ihrer Fähigkeit, dem Text Leben zu verleihen, immens viel zur Atmosphäre des Hörbuches bei. Dabei beschränkt Sie sich nicht nur auf kleine Schwankungen in der Tonhöhe oder Klangfarbe sondern greift dabei auf die volle Klaviatur Ihrer sprachlichen Möglichkeiten zurück. Egal, ob es sich dabei um fremdsprachige Zitate, Zeitungsartikel, Briefe, Passagen aus literarischen Werken oder um Gecks originären Text handelt, stets trifft sie exakt und scheinbar völlig mühelos den richtigen Ton. Das absolute Highlight sind jedoch die Stellen, denen Sie durch einen leichten wienerischen Akzent besonderen Charme verleit oder wenn Sie in breitestem, ordinären wienerischen Dialekt Briefe vorträgt.
Bemerkenswert ist, welche Wärme Sie in Ihre Stimme zu legen vermag. Dadurch bekommt die naturgemäß sachliche Sprache einer Biographie eine zutiefst menschliche, teilnahmsvolle Dimension, die der Figur Mozarts eine bemerkenswerte Fragilität einräumt ohne in Sentimentalität oder Kitsch abzudriften. An den passenden Stellen tritt dadurch das „Genie Mozart“ in den Hintergrund und macht den Blick frei auf die Tragödie des „Wunderkind Mozart“; eines Wunderkindes, dessen Musik sich auch nach über 200 Jahren noch immer ungebrochen größter Popularität erfreut.
Dem Hörbuch liegt ein mehrseitiges Booklet bei, das naturgemäß bei einer Biographie nicht viele Informationen zum Buch enthalten kann. Dafür sind die Daten zum Autor und zur Sprecherin erschöpfend und zu den einzelnen Interpreten hervorragend. Die Trackliste ist, wie von Deutsche Grammophon Literatur gewohnt, präzise und ausführlich und wird noch durch Hinweise auf Neu-Veröffentlichungen anlässlich des 250. Geburtstags Mozarts 2006 ergänzt.
22 Kommentare| 21 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden