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am 22. Juli 2009
Weniger die Jugend Castros und die Zeit vor der Revolution interessieren Skierka. Er betrachtet in dieser sehr materialreichen Biografie die Gedankenwelten und äußeren Einflüsse, die Castro formten und die für seine Gesinnungssprünge bestimmend waren. Aber es sind nicht Wechsel in seiner Gesinnung, sondern sein Pragmatismus und seine Anpassungsfähigkeit, die ihn so erscheinen lassen. Eingebettet in ein äußerst schwieriges Umfeld - die USA versuchten unzählige Male und auf ebenso vielen Wegen, ihn los zu werden - mußte er sich einen Schutzschirm suchen. Und der war zur damaligen Zeit die Sowjetunion. Ab diesem Zeitpunkt behauptete er, schon immer Marxist-Leninist gewesen zu sein. Aber das waren sein Bruder Raúl und Che Guevara. Trotzdem war er nie linientreu, konnte dem sowjetischen Kommunismus wenig abgewinnen, wurde aber auch von dort aus mißtrauisch beäugt.
Castro war immer "Castroist". Sein Weltbild fußt auf seiner Ausbildung bei den Jesuiten, die ihn Disziplin, Ordnung und kritisches Denken lehrten. Der Wert des Menschen und seine Souveränität sind für ihn die Grundprinzipien der Revolution. Der Kapitalismus gefährdet diese Werte, ebenso die auf Wahlen und einem Mehr-Parteien-System beruhenden westliche Demokratie.
Castro war bis zu seinem Rückzug aus der Politik 2008 der am längsten dienende Staatschef der Welt. Er zeichnet sich durch hohe ethische Ansprüche, geringe materielle Interessen und einen großen persönlichen Mut aus. Rückblickend auf seine Ära ist ihm wohl klar, daß er vieles nicht erreicht hat. Aber er hat den Cubanern ein beispielhaftes Gesundheits- und Bildungssystem gegeben - in unseren Augen wenig, aber sehr viel mehr, als die meisten Menschen in Lateinamerika und anderen Drittweltländern haben.
Trotz des Materialreichtums liest sich das Buch flüssig und spannend. Skierka hat viele Originalzitate aus dem Spanischen und Englischen selbst übersetzt, so daß das Buch auch eine bedeutende Sammlung von Castro-Zitaten darstellt. Erwähnt werden auch die Verquickungen von CIA, Mafia und Exilkubanern in die Ermordung von John F. Kennedy.
Fazit: Wer über Castro und Cuba reden will, sollte dieses Buch gelesen haben!
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TOP 1000 REZENSENT VINE-PRODUKTTESTERam 11. August 2009
Fidel Castro ist ohne Zweifel eine der bekanntesten Persönlichkeiten der letzten einhundert Jahre. Spricht man von Kuba, so kommt man unweigerlich auch auf Ché Guevara oder eben Fidel Castro zu sprechen. Doch während Fidels Freund Ché, ebenso wie viele der politischen Feinde des kubanischen Staatsmannes, längst tot ist, kann scheinbar weder die Zeit noch die Geschichte dem Führer der kubanischen Revolutuion etwas anhaben.
Geboren am 13. August 1926 wird Fidel in diesem Jahr wohl seinen 80. Geburtstag feiern - gehasst von seinen Feinden; bewundert, verehrt oder doch mit Hochachtung bedacht vom Rest der Welt.
Wer ist dieser Mann, der seit 1959 die Geschicke des karibischen Inselstaates leitet und in all den Jahren sowohl Großes erreicht hat, als auch mit enormen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte und heute auch im eigenen Land nicht mehr nur geliebt wird? Kuba ist das einzige Land in Lateinamerika, in dem es ein für alle zugängliches kostenloses Gesundheitswesen gibt, in dem die Analphabetenrate auf dem niedrigsten Stand ganz Lateinamerikas ist. Die Kubaner sind mit Recht stolz auf das Erreichte. Aber die wirtschaftlichen Probleme, die besonders seit den achtziger Jahren das Land vor große Herausforderungen stellen, bewirken eine riesige Unzufriedenheit der Bevölkerung. Ein Abweichen vom eingeschlagenen Weg, weg vom kubanischen Sozialismus, hin zu kapitalistischer Produktionsweise wird es unter Fidel Castros Regierung auf keinen Fall geben.
Wie aber schafft es der "Maximo Lider" immer wieder, die Zügel fest in die Hand zu bekommen? Während das sozialistische Wirtschaftssystem, von dem Kuba in hohem Maße ökonomisch und auch politisch abhängig war, nur noch Geschichte ist, hat es Fidel Castro geschafft, die Ergebnisse der kubanischen Revolution von 1959 bis heute zu retten! Und das trotz eines übermächtigen Nachbarn USA, der mittels Embargos, Mordkomplotten und militärischen Schlägen seit 1959 versucht, den Karibikstaat in die Knie zu zwingen.
Dass Kuba heute immer noch ein unabhängiger und weltweit politisch anerkannter Staat ist, verdankt es vor allem auch Fidel Castro.
Volker Skierka, der von 1989 bis 1992 als Korrespondent der "Süddeutschen Zeitung" in Lateinamerika tätig war und Kuba aus eigener Anschauung kennt, hat eine hervorragende Biografie verfasst, die es vermag, den Leser mit dem Phänomen Fidel Castro vertraut zu machen. Eine Vielzahl von Quellen und Interviews ermöglichen es dem Autor, bemerkenswerte Fakten zu vermitteln. Es lässt sich nicht vermeiden, dass die Biografie Fidel Castros vor allem ab 1959 auch eine politische Geschichte Kubas ist.
Die vorliegende Darstellung ist durchweg gelungen, überzeugt durch reiches Faktenmaterial, hervorragende Erläuterungen und einen gut lesbaren Text. Gelungen vor allem auch die prophetische Darstellung, was sein wird, wenn Fidel sterben sollte. Hier zeigt Skierka deutlich, welche Perspektiven Kuba ohne Fidel hat.
Eine rundum gelungene Biografie, die jedem, der sich für Kuba interessiert, hiermit ans Herz gelegt wird!
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am 12. August 2006
Volker Skierka, mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis ausgezeichneter Redakteur, hat - wie Henning von Löwis im Deutschlandfunk bilanziert hat, die Biographie eines Mythos, eines lebenden Denkmals geschrieben. Sie ist ausführlich und beschreibt Castros Leben - eingebunden in die Geschichte Kubas. Diese Lebensbeschreibung der Person Castros leistet das, was eine politische Biographie tun sollte: die Wechselwirkung zwischen Biographiertem und Gesellschaft aufzeigen. Castro ist Kuba und prägt mit seinem Charisma dessen politisches System. Schon die einleitenden Sätze des Castro-Freundes Garcia Marquez verdeutlichen die eiserne Willenskraft dieses umstrittenen Charismatikers: "Eines ist sicher: Wo immer er sein mag, wann immer und mit wem auch immer - Fidel Castro ist da, um zu gewinnen. Ich glaube nicht, dass es jemanden auf der Welt gibt, der ein schlechterer Verlierer sein könnte als er. Sein Verhalten angesichts einer Niederlage...scheint einer persönlichen Gesetzmäßigkeit unterworfen zu sein: er wird es einfach nicht zugeben, und er wird keine Ruhe finden, ehe er es nicht geschafft hat, die Bedingungen umzukehren und einen persönlichen Sieg daraus zu machen." Diese Worte Garcia Marquez, nicht umsonst am Beginn dieser Biographie, erklären viel vom Wesen Castros. Innen-, Gesellschafts-, Wirtschafts- und Außenpolitik werden ausführlich - mit zahlreichen, i.d.R. englischsprachigen Quellen - dargestellt. Die Kubakrise aus Castros Sicht ist ausführlich dargestellt.

Doch das Verdienst dieser Biographie ist ein anderes: es zeigt mir, warum Castro es geschafft hat, eine Revolution zu initieren und erfolgreich zu Ende zu führen. Seine - nicht geringe - Popularität wird verdeutlicht. In der Tat scheint er einer der letzten großen charismatischen Führungsfiguren zu sein - egal, wie man zu diesen steht.

Doch auch die Schwächen des Modells Kuba verschweigt Skierka nicht: den Aufbau des autoritären Systems, die Verfolgung politischer Gegner und auch die Wirtschaftskrise, die das Land erschüttert. Diese differenzierte Darstellung weicht wohltuend von früheren Darstellungen ab, die lediglich die "Erfolge" Kubas im Blick haben - und dennoch sollte man konzedieren, dass es den Kubanern heute vergleichsweise besser geht als vielen lateinamerikanischen Ländern heute und in jedem Falle besser als unter der Diktatur des Vorgängers Batista.

Ob sein Werk Bestand hat? Darüber vermag auch Skierka keine Auskunft zu geben, wobei seine Voraussage, dass Raul Castro, falls er seinen Bruder überlebe, mit Sicherheit zur neuen Führung gehören würde, durchaus zuzutreffen scheint.

Neben dem schon legendären Klassiker von E. Galleano über Lateinamerika ("Die offenen Adern Lateinamerikas") lernt man in dieser Biographie viel über die Geschichte Kubas und Lateinamerikas und die Politik der USA gegenüber ihrem "Hinterhof" kennen - Skierka lässt keinen Zweifel daran, dass die - aus seiner Sicht verfehlte Politik der USA gegenüber Kuba - zur Machtübernahme Castros entscheidend beigetragen hat.

Henning von Löwis Urteil: "Es ist nicht einfach, die Biographie eines lebenden Denkmals zu schreiben. Der erste deutsche Castro-Biograph hat die Aufgabe bravourös gemeistert" kann ich daher nur uneingeschränkt zustimmen. Ich habe so viel über Kuba und seine Geschichte erfahren, wie bislang in keinem anderen Werk.

Gerade angesichts des wohl endgültig erfolgten Machtwechsels auf Kuba aufgrund der Abgabe seiner Ämter und dem Aufstieg seiner "Jünger" Chavez in Venezuela oder Morales in Bolivien bleibt das Interesse an Castro und den Bedingungen seines Aufstieges auch über seinen Abgang hinaus interessant. Wer sich darüber informieren möchte, ist mit dieser, der m.E. besten deutschsprachigen Castro-Biographie, sehr gut beraten. Auch anlässlich seines jetzt erfolgten 80. Geburtstags ist diese Darstellung am besten geeignet, mehr über diese schillernde Persönlichkeit der Zeitgeschichte zu erfahren. Unbedingt lesenswert!
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am 5. Mai 2007
Diese Frage scheint auf Kuba eindeutig. Daran lässt auch das Buch keinen Zweifel.

Vor allem die Herausarbeitung Castros' Charakter hat mich sehr beeindruckt. Die Schilderung seines Charisma steht dabei gar nicht so sehr im Vordergrund - sie wird allein durch die bloße Fülle der Informationen dieses Buches, bezogen auf Castro und die kubanische Geschichte, indirekt deutlich. Dass - wie ich anderen Rezenssionen entnommen habe - sein Privatleben ob seiner Abschottung kaum Erwähnung findet, stört nicht im geringsten. Außer man ist als Leser mehr an seinen Hobbies als an seinem politisch-ideologischen Kampf interessiert. Und dass dieser zum Leidwesen der USA nachhaltig zu werden scheint, verdeutlicht ein Blick auf die Entwicklungen Südamerikas (Chavez und Morales).

Insgesamt finde ich diese Biografie herrvoragend. Sie ist spannend, verständlich, sehr flüssig geschrieben und gibt tiefe Einblicke in Leben und Wirken des "Maximo Lider" sowie in 50 Jahre Weltgeschichte. Außerdem ist sie objektiv, was man von wenigen Biografien und von noch wenigeren Texten über Kuba und Castro sagen kann. Deshalb: sehr empfehlenswert.
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am 30. Juni 2008
Wir erfahren in diesem Werk die Biographie der Karibik-Insel Kuba zu Zeiten Castros und von der Biographie Fidel Castros eben nur soviel, wie er gegenwärtig Kuba i s t . Sein Privatleben hat er ja auch erfolgreich abgeschirmt: keine Chance für Paparazzi, Journalisten, Voyeure!
Die Geschichte Kubas unter Castro ist indessen interessant genug: seine revolutionären Ideen, die immer wieder angeblich nur sein Volk und sein Land in den Mittelpunkt stellen - egal wie kurzsichtig oder wie weit vorausschauend, wie richtig oder wie falsch seine Politik auch sein mag. Seine unabdingbare persönliche Freiheitsliebe, die ihn über all die Jahrzehnte dem mächtigen Gegner USA trotzen läßt, hinterlassen in jedem Fall - wenn nicht Be-wunderung - dann immerhin doch Ver-wunderung über diesen erstaunlichern Kubaner, der wie kein anderer Staatsmann der Gegenwart ein so hohes Maß an Charisma auf sich zu vereinigen weiß. Selbst seine Feinde können dazu nur nolens-volens mit dem Kopf nicken. Wichtige Aufschlüsse gibt der Autor zu Kubas Rolle in den weltweiten Krisen. Das Embargo und die Intrigen der USA mit ihren zahlreichen Attentatversuchen, wie auch die Wortbrüchigkeit der Sowjets bringen wohl - wenn es denn wahr ist - eine bewundernswerte Solidarität der Kubaner in Krisenzeiten ans Licht: sehr fleißig und ohne zu murren stehen sie hinter ihrem Maximo Lider und packen zu anstatt zu jammern. So gewinnt dieses tapfere kleine Volk die Sympathie der LeserInnen. Immer mit Fragezeichen, ob es denn wirklich so war und ist ? Wir erfahren zudem staunend, daß Kuba einen hohen Bildungsstandard und fast gar kein Analphabetentum vorzuweisen hat, daß ferner sein Gesundheitssystem seinesgleichen sucht - und nicht nur in Lateinamerika. Doch auch das liest sich ein bißchen wie Propaganda, der man nicht vollauf trauen kann. Kubas Diktator - diese Bezeichnung fällt übrigens nicht ein einziges Mal (!!) - kontrolliert mit unglaublicher Akribie bis ins kleinste Detail alles und jeden: Abhöranlagen von hohem technischen Standard ohne Ausnahme, kein Telefonat, kein Email verläßt das Land unkontrolliert. Journalisten - und sicher auch der Autor - wollen schließlich wiederkommen dürfen und nicht zur persona non grata erklärt werden. Daß natürlich Abschottung nach außen auch immer Unfreiheit, gehemmte Weiterentwicklung und somit Fortschrittsfeindlichkeit bedeutet, weiß auch Castro. Doch diesen Machtverlust kann und will er nach so vielen Jahrzehnten, in denen er sogar das kommunistische Sowjet-Rußland überdauert hat, nicht als Schlußpunkt an sein Lebensende gesetzt sehen. Er will der der Gewinner bleiben - koste es, was es wolle - und nicht als Verlierer in die Geschichte Kubas eingehen. Inzwischen hat sein Bruder die Regierungsgeschäfte übernommen - ganz im Sinne des Maximo Lider - mit ersten, ganz schwachen Andeutungen von zaghaften Veränderungen.
Was mir an dem Buch fehlt, sind Tabellen aller historischer Daten von Fidel Castro wie von Kuba und parallel dazu vom allgemeinen relevanten Weltgeschehen im Anhang, die immer mal wieder zum Nachschlagen geeignet sind. Das wäre eine Bereicherung. Ein paar mehr Ereignisse aus Castros Privatleben gehörten ebenfalls dazu, wenn der Titel sich als persönliche Biographie von Fidel Castro versteht. Man hat das Gefühl, daß der Autor seinem Titelhelden nie wirklich persönlich begegnet ist und daß Fidel Castro und sein Land alles in allem nur aus einer deutlichen Distanz beobachtet wurden. Deshalb nur 4 Sterne für das ansonsten empfehlenswerte Buch. Doch wenn man sich über die tatsächliche Situation der Gegenwart in Kuba informieren will, muß man schon auf andere Informationsschriften zurückgreifen. Selbstverständlich gibt es solche Insider-Reports.
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am 22. November 2003
Eine bemerkenswert kurzweilige Biographie, teilweise spannend mit einem Funken Ironie, ohne an Ernst zu verlieren.
Castros Leben aus der Distanz eines Historikers betrachtet ohne zu Heroisieren aber auch nicht abwertend. Die Hintergründe die zur Kuba-Krise führten, die Ermodung Kennedys, der Bruch mit Che', das bis heute noch gültige Embargo gegen Kuba, sowie Fidel Kastro als Privatperson werden betrachtet.
Aber auch die Menschenrechtssituation in Kuba wird nicht außen vor gelassen.
Schockierend sind die Beschreibung von Terrorattacken die allem Anschein nach mit Wissen und Unterstützung der USA gegen Kuba durchgeführt wurden (Einsatz biologischer Kampfstoffe, Endlaubungsmittel).
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am 17. April 2016
Der "tropische Sozialismus" von Fidels Kuba übt eine seltsame Anziehungskraft auf alle Linken aus (von denen es ja heute nicht mehr viele gibt), so als sei es der Beweis, dass es auch noch einen Sozialismus jenseits der grauen Tristesse von Sachsen-Anhalt gibt. Allerdings bleibt Tristesse auch im Sonnenschein am weißen Strand das, was sie ist. Das Buch zeigt beides: das starke Selbstbewusstsein, die wieder gewon-nene nationale Identität der Kubaner und die deprimierenden Folgen einer voluntaristischen Wirtschaftspolitik, die zudem unter einem Wirtschaftsembargo leidet, dessen Sinn heute selbst dem eingefleischtesten Imperialisten rätselhaft bleiben muss. Von der Einschüchterung und Verfolgung all derer, die es wagen eine andere Meinung zu vertreten als der alte Mann und sich damit als "Konterrevolutionäre" qualifizieren, ganz zu schweigen. Ihnen bleibt oft nur das offene Meer.
Das durch die USA durchgesetzte Embargo ist ja heute völlig widersinnig. Von Kuba geht spätestens seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion keinerlei Gefahr mehr aus. Und nicht zufällig wird die Opposition gegen eine solche restriktive Politik in den USA immer größer: Die größten US-amerikanischen Unternehmen scharren schon ungeduldig in den Startlöchern, um den Start auf einen neuen Markt nicht zu verpassen. Den Sozialismus besiegt man nicht mit Waffen oder Embargos, sondern mit OBI-Baumärkten, das sollten die USA von Deutschland gelernt haben. Dass es einige Tausend kubanische Exil-Hardliner in Florida gibt, ist leicht zu verstehen, nicht aber, wie eine Regierung sich von einer derartigen marginalen Gruppe am Nasenring durch die Arena ziehen lässt. Das Buch zeigt uns Kuba, aber in erster Linie ist es eine Biographie Fidel Castros (wobei die Frage ist, inwieweit das nicht weitgehend das Gleiche ist). Er ist der Erfinder des "Fidelismus" (ja so heißt das wirklich!). Er hat lange Zeit die Bestrebungen des kubanischen Volkes so weit verkörpert, dass es ohne Aufstand und Staatsstreich die größten Entbehrungen - materiell wie politisch - ertragen hat. Dennoch - oder gerade deshalb - ist Fidel von dem Virus befallen, das alle Alleinherrscher aufweisen: Von dem egomanischen Bewusstsein, dass es ohne ihn nicht geht. Dass nun nach 50 Jahren Alleinherrschaft, argumentiert wird, dass es immer so weitergehen muss, da ja kein Nachfolger "aufgebaut" wurde, ist so absurd wie lächerlich. Die Aufgabe eines Revolutionärs - zumindest eines, der sich ernsthaft der Demokratie verpflichtet fühlt - ist es, eine gute Politik für sein Land zu machen und nicht, seinen Nachfolger "aufzubauen". Das sollte - ganz altmodisch - Sache des Volkes sein.
Das Buch ist umfassend und lies sich gut. Besonders haben mir das Kapitel über das Verhältnis von Fidel/ kubanische Regierung zum Glauben bzw. zur katholischen Kirche gefallen und dasjenige über sein Verhältnis zu den Intellektuellen. Das Buch ist eine Kompilation, d.h. der Autor hat eine Menge Bücher über Kuba gelesen und daraus ein neues gemacht. Warum nicht. Allerdings wäre es noch besser, anschaulicher und lebendiger geworden, wenn er persönliche Eindrücke von seinen Reisen, Gespräche mit Interviewpartnern etc. in den Text integriert hätte.
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am 29. August 2004
Dies war meine erste Castro- Biografie, und ich muss sagen, dass ich das Buch um einiges klüger zugeschlagen habe, als geöffnet. Ich war nicht sonderlich vertraut mit dem Thema Kuba und der Revolution, dafür bin ich mit meinen 15 Jahren wohl noch zu jung. Trotzdem war es für mich kein Problem das Buch zu lesen: Der Autor holt auch einmal weit aus und beschreibt die politische Lage etc., damit man eine gute Basis hat, um das, was Castro tut, zu verstehen. Es ist nicht nur seine Biografie, sondern auch eine Geschichte Kubas und der Weltpolitik im letzten Jahrhundert.
Ich war fasziniert von der Leichtigkeit, mit der Volker Skierka dieses Thema in Worte fasst, von der Ironie, die er teilweise benutzt, und beeindruckt von dem umfangreichen Fachwissen, das dieser Mann haben muss und das der sehr gut vermitteln kann.
Der Autor erwähnt auch, dass kaum Quellen über Fidels persönliches Leben vorliegen - es wird sogar ein Zitat dazu angebracht. Also wie wissenschaftlich über etwas schreiben, worüber man keine festen Informationen hat? Und Unwissenschaftlichkeit kann man diesem Buch wirklich nicht vorwerfen.
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am 29. August 2006
Ich wollte etwas über Castro erfahren und entscheid mich für die Biographie von Skierka. In zwei Tagen hatte ich sie regelrecht verschlungen, weil sie auf sehr viele Quellen zurückgreift, weil sie in ihrem Umfang überschaubar ist und weil sie sehr geschickt die Geschichte Lateinamerikas mit einfließen lässt. Skierkas Schreibstil ist flüssig und sehr verständlich.

Außerdem lässt dieses Buch im Vergleich zu Castros Autobiographie wenig Platz für eine Selbstdarstellung des Portraitierten.
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am 28. Juli 2003
Man erfährt viel zu wenig über Fidel Castro persönlich, es ist eher ein Buch über die Geschichte Kubas. Diese ist natürlich interessant, allerdings erwartet man von einer Biographie etwas Anderes! Außerdem bringt der Autor meiner Meinung nach viel zu stark seine subjektive (kapitalistische)Meinung zu diesem Thema mit ein. Dabei greift er auf allgemein gängige Thesen zurück, die oft nicht gründlich recherchiert wirken.
Dennoch ist es gut geschrieben und interessant zu lesen. Den Kauf bereue ich deshalb nicht, auch wenn ich, um wirklich etwas über Castro zu lernen und ihn zu verstehen , noch weitere Bücher über ihn lesen muss.
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