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Kundenrezensionen

4,8 von 5 Sternen
11
Eine Anthropologin auf dem Mars: Sieben paradoxe Geschichten
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:10,99 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime

am 19. Juli 2015
Nach ""Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselt" liegt hier der zweite Band um Menschen vor, deren Gehirnfunktion von unserer abweicht, sei es durch Krankheit oder Verletzung, sei es angeboren.
Für Menschen die sich mit der Funktion unseres "Denkapparates", der nicht nur denken kann,beschäftigen wollen, eine spannende Lektüre.
Exemplarisch 2 Fälle:
Da ist einmal der Mann, der als Kind seine Sehfähigkeit weitgehend einbüßt: Nach 45 Jahren, in denen er nur hell-dunkel unterschied, wird er jetzt auf Bitte seiner Ehefrau operiert. Trübe Linse raus, Kunstlinse rein, und schon sieht die Sehrinde die Welt, wie wir sie auch sehen. schön wär's.
Oliver Sacks schildert eindrucksvoll, daß das Sehen ein sehr komplexer Vorgang ist, der nicht nur aus dem intakten anatomischen "Material" besteht, sondern ein Prozeß, den wir im Verlauf insbesondere der Kindheit erst lernen,nämlich das, was wir sehen, auch zuordnen zu können, was das Hirn erst lernen muß. So weiß, der Mann dank seines lange trainierten Tastsinnes , was z.B. ein Würfel ist, aber das neu gesehene Bild eines Würfels kann er nicht zuordnen, je nach Blickwinkel, ist ein Würfel jedesmal ein anderes Objekt.
Ein Blinder hat nicht so eine Vorstellung von Raum wie ein Sehender, er hat bei Ereignissen nicht Bilder, die sich ändern, er hat Zeitabläufe, die vergehen, wenn etwas passiert. Das junge Gehirn ist noch plastisch, es werden Verbindungen geknüpft, es ändert sich durch Lernen, diese Fähigkeit geht zunehmend verloren. Der Mann wird mit seiner neuen Gabe nicht glücklich.

Der zweite vorgestellte Mensch ist die bekannte Autistin Temple Grandin, die manch Leser vielleicht aus dem bewegenden Film "Du gehst nicht allein" mit der tollen Claire Danes als Hauptdarstellerin bekannt ist. Sie ist eine hochintelligente Tierpsychologin, große Teile der US-amerikanischen Viehwirtschaftsbetriebe sind mit Anlagen nach ihren Entwürfen ausgestattet, die eine tiergerechtere Haltung, aber auch das Schlachten von Nutztieren, speziell Kühen , für die Tiere weniger qualvoll machen.
Temple Grandins Defizit liegt unter anderem auf der Ebene des Erkennens und Bewertens Non-verbaler Konversation, die in der Regel gut 80% des Informationsaustaussches ausmacht. Sie kann gesprochenes Wort nicht in den richtigen Kontext bringen, sie nimmt alles wörtlich, erkennt nicht, was jemand ungesagt vermittelt. Was wir instinktiv, unterbewußt dem Gegenüber entnehmen, muß sie intelligent, deduktiv erfassen, was eine lebenslange Anstrengung erfordert, Sie legt sich ein zunehmendes Erfahrungslexikon zu, in dem sie intellektuell blättern muß, während Normalos "es infach drauf haben". Andererseits denkt sie genial in Bildern, wie nicht wenige Autisten. Ihre Anlagen entwirft sie nicht am Reißbrett, sie baut sie auf, in dem sie sie innerlich sieht, aus verschiedenen Perspektiven betrachtet, Fehler erkennt und korrigiert. Erst wenn sie in der Vorstellung perfekt sind, bringt ihre Hand sie "automatisch" zu Papier, während ihr Hirn sich bereits mit anderen Dingen beschäftigt.

Erheblich mehr Detais von sieben zum Teil phantastischen Menschen mit spezifischen Defekten, aber auch Fähigkeiten, beschreibt Oliver Sacks, das Buch gibt einen interessanten Anstoß, sich weiter mit dem Thema Hirnforschung, einem ungeheuer weitem Feld, zu beschäftigen.

Doc Halliday
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am 19. November 2013
In seinem Buch stellt Oliver Sacks sieben außergewöhnliche Menschen vor, die neurologisch relevante Befunde haben. Alles ganz ungewöhnliche und interessante Geschichten - wichtig war für uns der Bericht von Oliver Sacks über die Autistin Temple Grandin. Es ist eine überaus bereichernde Literatur, wenn man sich mit der Geschichte von ihr beschäftigt. Nicht nur der bekannte Neurologe Sacks hatte Zweifel an der Biografie von Temple Durch die gläserne Tür - Lebensbericht einer Autistin und der folgenden, fast unglaublich erfolgreichen Lebensgeschichte. In seinem Bericht schildert er nun die Außensicht auf Temple Grandin - diesen Blick gab es bis zu dem Zeitpunkt noch nie. Allein deshalb lohnt es sich, dieses Buch zu lesen.
Sacks ging übrigens recht vorsichtig in die Begegnung und war trotzdem schon nach kurzer Zeit mittendrin: Inklusive eines Tests ihres Berührungsapparats, der "Quetschmaschine"....

Als Antwort hieß das nächste Buch von Temple Grandin Ich bin die Anthropologin auf dem Mars - Mein Leben als Autistin - jetzt auch als eBook.
Auch von Temple Grandin: Ich sehe die Welt wie ein frohes Tier. Eine Autistin entdeckt die Sprache der Tiere
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am 1. Dezember 2010
Leider ist der Klappentext nicht wirklich dem Buch getreu: Es geht nicht primär um Individuen, die einen Aspekt des "In-der-Welt-seins" verloren haben, sondern die auch einen oder gar viele andere Aspekte gewonnen haben! Im Grunde genommen geht es um eine der Menschheitsfragen schlechthin: Was ist die Realität, was ist der Mensch und was ist "normal"? In sieben Fallgeschichten wird unser Verständnis davon völlig auf den Kopf gestellt und möglicherweise unser bisheriges Bild vom Menschen überdacht.

Der farbenblinde Maler verlor aufgrund eines Autounfalls sein Farbensehen, ein kleiner Bereich im Gehirn ist ausgefallen. Doch was sieht er wirklich, eine schwarz-weiß Welt oder doch viel mehr, was jedoch einem "Normalsehenden" verborgen bleibt? Diese und sechs weitere erstaunliche Geschichten präsentiert uns der Neurologe Oliver Sacks; von einem Hippie, der weder Vergangenheit noch Zukunft kennt, sondern ewig in seiner Zeit verharrt bis zur (recht berühmten) Autistin Temple Grandin, die sich eine Umarmungsmaschine baut und so die fehlende menschliche Nähe kompensieren kann. Auch gewohnt humoristisch erzählt: der Chirurg mit den tourette'schen Ticks, der dennoch einwandfrei arbeiten oder gar ein Privatflugzeug fliegen kann.

Liest man sich diese Fallstudien durch, so erfährt man ein komplett anderes Weltverständnis, welches aber nicht schlechter ist als unser altbekanntes. Winzige neurologische Ausfälle können einen Menschen derart verändern, dass er von seinen Mitmenschen als "unnormal" bezeichnet wird. Jedoch bringen diese Ausfälle nicht nur Negatives mit sich, sondern verhelfen manchmal zu Inselbegabungen (in der Kunst, Mathematik oder Mnemotechnik) oder verschaffen dem Betroffenen eine komplett andere Sicht auf die Welt. Dies reicht sogar so weit, dass sie ihre Krankheit nicht als Krankheit, sondern als unerwartete Gabe sehen können.

Oliver Sacks schafft es hier, neurologische Fallgeschichten auch für Laien spannend und unterhaltsam zu erzählen. Dadurch, dass das Buch in mehrere kleine Erzählungen unterteilt ist, wird man nicht allzu sehr mit neuen Eindrücken und Informationen erschlagen.
Der Titel ist übrigens jener autistischen Temple Grandin gewidmet, die zu Sacks sagte, sie fühle sich manchmal wie eine Anthropologin auf dem Mars, da für sie Menschen sehr fremde Wesen sind, die sie noch weitreichend erforschen, aber nie ganz begreifen kann.

Absolut empfehlenswert und ein guter Einstieg in Sacks Neurologie-Bücher.
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am 17. Mai 2014
Oliver Sacks erlaubt uns einen besonderen Blick auf den Zusammenhang von Kopf und Körper, von Geist, Seele und Leib. Zwar kennt man diese Geschichten schon zum Teil, aber ihr bleibender Welt liegt darin, dass wir dadurch mehr Einsicht in die scheinbar verschlossene Welt des Autismus oder das bizarre Verhalten von Tourette-Personen erhalten -- ich sage absichtlich nicht, Patienten, denn ob etwas pathologisch ist, hängt auch sehr vom Blickwinkel ab -- von außen und auch von innen.
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am 12. Dezember 2016
Wissenschaftsbuch des Jahres bei "Bild der Wissenschaft" 1995
für mich das beste bisher von Oliver Sacks
sehr genau hingeschaut, alle Blickwinkel beleuchtet
Super Buch !
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am 21. April 2015
Bin durch Zufall darauf gestoßen und muss sagen: Ein wunderbares Buch fesselnd und teilweise unglaublich und interessant - absolut weiter zu empfehlen
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am 17. Januar 2010
Sieben besondere Menschen stellt Oliver Sacks in diesem Buch vor: einen farbenblinder Maler; einen schwer hirngeschädigten jungen Mann, dessen Bewusstsein im Jahre 1970 stehen geblieben ist; einen Chirurgen mit Tourette-Syndrom; einen Blinden, der sein Augenlicht wiedergewinnt; einen Maler, der wie besessen detailgetreue Bilder seines Heimatdorfes zeichnet und zwei Autisten (einen jungen Maler und eine erfolgreiche Ingenieurin).
Das besondere an Sacks' Geschichten ist, dass sie (meist) nicht in einer Klinik oder einem Labor spielen, sondern im Alltag der beschriebenen Personen. Sacks besucht sie zu Hause, auf ihrer Arbeit, verbringt ihre Freizeit mit ihnen und baut zu jedem von ihnen eine besondere, fast freundschaftliche Beziehung auf. Sacks bleibt zwar Neurologe, ist neugierig, beobachtet, testet Hypothesen, legt dabei aber keinen Wert auf allzu große ärztliche Distanz.
Lesenswert ist das Buch v.a., weil Sacks den Leser an seinen Ideen und Beobachtungen unmittelbar teilhaben lässt. Mich fasziniert, dass es Sacks gelingt, unser Selbstverständnis, unser Bewusstseinszustand sei der einzig richtige, in Frage zu stellen. Auch eine Autistin, die sich auf der Erde wie eine "Anthropologin auf dem Mars" fühlt oder ein farbenblinder Maler, können mit ihrer Art, die Welt zu sehen, zufrieden leben. Sicher vermissen sie Erfahrungen, die ihnen nicht (mehr) zuteil werden. Trotzdem möchten viele der Betroffenen ihre Defizite gar nicht mehr missen.
Wunderbar gelingt es Sacks auch, anhand der Fallgeschichten wissenschaftliche Erkenntnisse über Gehirn, Bewusstsein und die beschriebenen Störungen zu vermitteln.
Das Buch ist für Laien und Fachleute gleichermaßen gut geeignet und lässt den Leser über die Vielfalt menschlicher Erfahrungswelten staunen.
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am 2. Juni 2006
... kann ich Ihnen als Lohn für die Lektüre dieses spannenden Buches versprechen. Sie lernen in diesem packenden Buch vieles über die Funktionsweise des Gehirns; denn erst anhand des Defekten und Ausgefallenen wird deutlich, wie unser Gehirn normalerweise arbeitet.

Doch das Buch bietet viel mehr als nur eine Sammlung anschaulicher Fallbeschreibungen. Oliver Sacks kann hervorragend erzählen und ist ein breit gebildeter, überaus einfühlsamer Autor, der stets versucht, seinen Patienten in ihrer Persönlichkeit gerecht zu werden und den Menschen als Ganzes darzustellen. Er kann sich aber auch selbst auf die Schippe nehmen und humorvolle Kritik am Umgang des Wissenschaftlers mit seinen Patienten üben.

Oliver Sacks hat nach seinem Welterfolg "Der Mann der seine Frau mit einem Hut verwechselte" hier nun sieben Fallgeschichten bizarrer neurologischer Erkrankungen ausführlich vorgestellt. Teilweise kennt man sie bereits aus dem früheren Buch, es wird die Lebensgeschichte der einzelnen Personen weitererzählt, wie im Fall des visionären Landschaftsmalers, der stets sein Heimatdorf Pontito malt. Es gibt aber auch neue, wie die Geschichte der autistischen Professorin Temple Grandin, die sich besonders mit dem Verhalten von Kühen auskennt.

Teilweise werden philosophische Aspekte unseres Daseins angesprochen und zwischendurch Vergleiche aus der bildenden Kunst und Literatur herangezogen. Man kann zudem vieles über die Gedankenwelt speziell behinderter Menschen (Tourette-Syndrom und Autismus) erfahren. Das Buch fördert die Toleranz im Umgang mit diesen im wahrsten Sinne des Wortes Andersdenkenden und erfreut durch seine querdenkerischen Ansätze und großen Gedankenbögen. Es ist ein Lesevergnügen für alle neugierigen, naturwissenschaftlich interessierten Leser und eignet sich für diese auch als Geschenk.
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am 10. September 2007
Sieben Geschichten über fehlgeschaltete Synapsen, zu krumme Gyri, zu graue Hirnmasse: Oliver Sacks versteht es hervorragend die Geschichten über nicht richtig funktionierende Hirnmassen auf eine wirklich berührende Art und Weise dem Leser nahe zu bringen. Ich beschäftige mich täglich mit Menschen mit ähnlichen Problemen und es ist ein toller Blickwinkel, den dieses Buch erschließt. Der "Wahnsinn" ist fast greifbar.
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am 24. März 2001
Ein weiterer Band von Sacks' Fallstudien, die uns bereits in "Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte" faszinierten. Doch waren es in Letzterem noch 24 Patienten, welchen Sack sich literarisch widmete, sind es hier nur noch 7, was bedeutet, dass die einzelnen Geschichten wesentlich ausführlicher und detaillierter behandelt werden - und ich bin mir nicht so ganz sicher, ob dies für den Leser immer positiv zu beurteilen ist. Manches mal nämlich kann man sich des Eindrucks der Langatmigkeit nicht erwehren. Doch nichtsdestotrotz ist "Eine Anthropologin..." ein sehr informatives und nicht minder wichtiges Buch, vor allem für neurologisch interessierte Laien.
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