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Kundenrezensionen

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am 17. März 2013
selten habe ich ganze Abschnitte eines Buches übersprungen, in Gewißheit nicht viel zu verpassen. Der Geschichte fehlt es an Tiefe und an einem spannenden Erzählton. Die Situation einer Epidemie bietet so viel Raum für Tragik und Elend (gerade unter beschränkten medizinischen Möglichkeiten), in diesem Buch wird dies aber nur angekratzt. Stattdessen wird sich auf einen, sich von Gott im Stich gelassenen, Protagonisten und seinen inneren Konflikten beschränkt. Er hadert mit Gott und seinem Schicksal, das aber leider so jämmerlich und selbstbemitleidend, daß der Konflikt irgendwann nervt. Es fehlen spannende Dialoge und den Figuren Ecken und Kanten.
Wenn man schon ungefähr auf Seite 80 nachschaut, wieviel Seiten noch gelesen werden müssen, ist es ein schlechtes Zeichen für eine Geschichte...
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am 27. August 2011
Bucky Cantor ist im Jahr 1944 erst 23 Jahre alt und kommt als Sportlehrer direkt vom College, als er die Aufsicht über den Sportplatz einer Highschool während der Sommerferien in Newark übernimmt. Als es in der Stadt zu einer Polioepidemie kommt, versucht er Ruhe zu verbreiten, auch noch als einer seiner Lieblingsschüler zu Tode kommt. Als weitere Schüler sterben und er von Eltern beschimpft wird, das Rennen in der Hitze hätte die Polioepidemie ausgelöst, verlässt er Newark und fährt zu seiner Verlobten Marcia, die als Lehrerin in einem Sommercamp in Indian Hill arbeitet. Als es auch dort zu einem Fall von Polio kommt, bricht Buckys heile Welt endgültig auseinander.
Philip Roth benennt seinen Roman nach der griechischen Rachegöttin 'Nemesis' und so hadert auch die Hauptfigur Bucky Cantor in diesem bewegenden Roman immer wieder mit seinem Gott, der neben dem Zweiten Weltkrieg auch noch die Kinderlähmung in die Welt gebracht hat. Was Bucky als bösen Willen seines Gottes ansieht, bezeichnet der Erzähler aber als 'Tyrannei der Umstände' in die Bucky verwickelt wird und die sein Leben prägen. Der Roman ist bis in die kleinen Details wunderbar geschrieben und das Schicksal von Bucky, dessen Leben durch sein starkes Pflicht- und Verantwortungsgefühl vorgezeichnet scheint, lässt einen als Leser betroffen und traurig zurück.
Eine bewegende Geschichte, die einen auch nach dem Lesen des Buches noch gefangen hält und zum Nachdenken bringt.
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am 9. Februar 2011
Wieder einmal geht es bei Philip Roth in seinem neuen Roman um Glück und Unglück, um Schuld, Sühne, Moral und Verzweiflung.
Der Autor fabuliert aber nicht wie in seinen zuletzt erschienenen Romanen über das Alter und seine Gebrechen; dieses Mal geht es um eine Polioepidemie im Jahr 1944, von der viele Kinder dahingerafft werden, und die in ihren Auswirkungen tiefe Spuren bei dem Helden der Geschichte hinterlässt.

Bucky Cantor ist Sportlehrer im jüdischen Viertel von Newark/ New Yersey und einer der wenigen jungen Männer, die nicht im mörderischen Zweiten Weltkrieg kämpfen mussten. Er war nicht diensttauglich und sieht seine Aufgabe in seiner Rolle als Bezugsperson für seine Jungs, die er in der Schule, an Wochenenden und in den Ferien auf dem Sportplatz trainiert. Die Krankheit "Kinderlähmung" platzt wie eine Bombe in das friedliche Leben der Stadt. Niemand kennt den genauen Verlauf der Krankheit. Es gibt keine Heilungsverfahren, keine Impfung, und in vielen Fällen endet sie mit dem Tod und häufig mit schwerster Behinderung. Wie soll man sich verhalten, wie vorbeugen, um sich zu schützen?
Heute kann sich kaum jemand mehr vorstellen, wie ernsthaft und bedrohlich diese Krankheit einmal war. Sie verkörperte die Apokalypse des vergangenen Jahrhunderts, bis man zu Beginn der sechziger Jahre einen Schutz gegen sie erfand.

Bucky Cantor gerät in das Räderwerk der Folgen dieser Krankheit, erkrankt selber und lebt mit dem Gefühl der Verbitterung und der Schuld, seinen Schülern die Krankheit womöglich weitergegeben zu haben, sein restliches Leben lang.

Der Kontrast zwischen dem jungen, sportlichen, gut erzogenen und in seine erste Liebe vernarrten Helden und dem, was aus ihm wird, kann nicht gravierender ausfallen.

Philip Roth behandelt die tiefen moralischen Konflikte, in die sich der Held verstrickt. Subjektive Wahrnehmung von Schuld und Anklage gegen Gott behandeln die eine Seite der Geschichte; Selbstanklage und falsch verstandenes Ehrgefühl zeigen die andere Seite. Nach dreißig Jahren trifft Bucky eher zufällig einen seiner ehemaligen Schüler. Ein langer Dialog mit diesem, der sich als einer der Jungen vom Sportplatz zu erkennen gibt, und den das gleiche Schicksal wie Bucky ereilt hat, zeigt die unterschiedlichen Folgerungen, die jeder aus seinem persönlichen Geschick gezogen hat. Bucky verkörpert den Märtyrer und Selbstankläger; sein ehemaliger Schüler hat sein Schicksal angenommen und ist zufrieden und glücklich geworden. Letzterer spricht vom "Zufall" und vom "Glück", die man haben kann. Bucky aber schmäht einen Gott, der eigentlich diesen Zufall und das Glück verkörpert.

Philip Roth ist der hervorragende Erzähler, den wir aus vielen seiner Werke kennen. Das Thema hat ihn gepackt wie immer. Die Reflexionen des Helden Cantor sind mit der üblichen Tiefenschärfe gezeichnet. Weise, ein wenig sarkastisch und gelegentlich bissig zeichnet Philip Roth den Helden als den Irrgläubigen, der am Leben scheitert, weil er zu verbissen an die eigene Allmacht glaubt.

Philip Roth ist und bleibt der bemerkenswerte Erzähler, dessen neueste Bücher man immer wieder mit Freude liest.
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Warum lässt Gott uns leiden? Dies ist eine Frage, die Theologen seit Jahrhunderten bearbeiten. Philip Roth gibt eine Antwort, die überzeugt. Es ist erstaunlich, wie dieser Autor eine Grundfrage der Menschheit angeht. Da ist ein Mensch, der vom Schicksal nicht gerade bevorteilt wurde. Dieser Mr. Cantor ist wie ein Vorsänger ein unumstößliches Vorbild. Er setzt sich ein für seine Schutzbefohlenen, man könnte meinen, so einen Lehrer oder Pädagogen wünscht man sich. Es geht um Liebe, es geht um Verantwortung, es geht um die Antwort auf das Leiden. In Amerika grasiert die sogenannte Kinderlähmung (Polio), während die amerikanische Jugend ihr Leben im Kampf gegen Hitler und Japan aufs Spiel setzt. Mr. Cantor darf auf Grund seiner Kurzsichtigkeit nicht in den Krieg ziehen. Er setzt sich für die Jugend in Amerika ein. Ein überzeugender Sportpädagoge setzt sich ein, möchte trotz Polioepidemie nicht aufgeben. Die Liebe führt ihn weg von seiner Aufgabe und gleichzeitig hin zur Nemesis, zur Überheblichkeit. Mr. Cantor erkrankt schließlich auch an Polio, nimmt das Leiden auf sich und lehnt die Liebe ab. Sein Leben wird zur Aporie der Theodizeefrage. Erzählt wird diese Geschichte von einem Jungen, der Mr. Cantor als Vorbild sah und auch an Polio erkrankte, allerdings ist dieser Erzähler Atheist und nicht geprägt von einem kindlichen Gottesglauben wie Mr. Cantor.
Philip Roth erzählt diese Theodizeeproblematik in genialer Weise. An manchen Stellen meint man, das zieht sich, das ist zu viel Erzählung, doch zum Schluss erkennt man als Leser, es muss so zäh sein, damit man gefühlsmäßig nachvollzieht, worum es geht.
"Nemesis" ist eine geniale Antwort auf eine immer wieder gestellte Frage der Menschen. Es ist eine bessere Antwort als sie Theologen oft geben. Als Theologe wünscht man sich, dass Theologen endlich redlich werden und ist fasziniert von der Art wie Philip Roth literarisch antwortet. "Nemesis" ist eine Pflichtlektüre für jeden Menschen, wenn er sich als Mensch mit dem Menschsein auseinander setzen will. Danke an Philip Roth!!!
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am 3. März 2011
Der Roman spielt zur Zeit des zweiten Weltkrieges. Vor dem Hintergrund der kriegerischen Ereignisse in Europa breitet sich in einem Stadtteil Newarks die Epidemie Polio immer weiter aus. Erzählt wird die Geschichte des jungen, sehr ambitiösen Sportlehrers Bucky Cantor, der seine Schüler fördern und aus ihnen verantwortungsbewusste, starke Persönlichkeiten machen möchte. Durch seine schwere Kurzsichtigkeit wird er selbst nicht, entgegen seinem Willen, als Soldat rekrutiert, umso mehr versucht er seine Pflicht, die ihm seine Grosseltern beigebracht haben, in der Heimat zu erfüllen. Bucky verliebt sich in Marcia, die schöne, intelligente, aus sehr gutem Hause stammende Lehrerin und erträumt sich mit ihr eine lebenslange Gemeinschaft. Seine Entschlossenheit, Disziplin und die zunehmend sich ausbreitende Krankheit lassen ihn aber auch immer mehr an sich selber und Gott zweifeln.

Ein sehr eindringliches Buch, dass einem über Schicksalsfügung und der Existenz Gottes nachdenken lässt. Für mich eine absolut lesenswerte Erzählung, in sehr gepflegter Sprache. Die Übersetzung weist ein paar kleine stilistische Fehler auf, die jedoch bei einer Neuauflage sicher behoben werden.
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am 6. Mai 2011
Im Sommer 1944 wird die Stadt Newark im Nordosten Amerikas von einer Polioepidemie heimgesucht. Während ein großer Teil der Bevölkerung seine Kinder in Sommercamps am Land vor der Kinderlähmung zu schützen versucht, hat Bucky Cantor ein junger Sportlehrer, die Aufsicht über den Sportplatz und versucht dort, den Kindern einen geregelten und unbeschwerten Sommer zu ermöglichen. Doch der Ring der Krankheitsfälle zieht sich immer enger zusammen und bald schon gibt es die ersten schweren Erkrankungen in der Sportgruppe von Mr. Cantor.

Zu diesem Zeitpunkt - im Jahr 1944 - herrscht also Krieg an zwei Fronten. Während die Soldaten in Europa und im Pazifik gerade die alles entscheidende Schlacht führen, kämpfen die Einwohner der Stadt gegen einen unsichtbaren Feind, von dem sie nicht einmal wissen, wie er zu besiegen ist. Die ersten Todesfälle folgen, Kinder mit 14 Jahren sterben innerhalb von 48 Stunden. Bucky's Freundin Marcia kann ihn schließlich dazu überreden, zu ihr in ein Sommercamp zu kommen und dort die Aufsicht über eine Schwimmgruppe zu übernehmen. Doch kaum ist Mr. Cantor im Camp angelangt, treten dort die ersten Poliofälle auf ... ist er womöglich der Bote des Todes?

Philip Roth hat eine sehr spannende und tragische Geschichte geschrieben. Nicht nur, dass man als Leser atemlos mitverfolgt, wie sich eine großteils tödliche Krankheit ausbreitet, parallel dazu wird man auch Zeuge des inneren Konflikts, den Bucky Cantor mit Gott hat. Warum - so lässt der Autor seinen Protagonisten denken - warum hat sich Gott dazu entschlossen ein Kindermörder zu sein?

Ich kann das Buch als sehr lesenswert empfehlen. Es gewährt uns Einblicke in eine längst vergangene Zeit, zeigt die Hilflosigkeit und Unwissenheit im Umgang mit Viruserkrankungen, die Ängste und Sorgen der Menschen, die z. B. einen Sohn im Krieg verlieren und einen anderen durch Kinderlähmung und die daraus resultierenden inneren Konflikte mit einem Gott, der sich als gnadenlos erweist.

Zusatzinfo: Nemesis ist die Göttin des gerechten Zorns - auch Rachegöttin genannt.
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am 12. April 2011
Ich bin ein Bewunderer der Bücher von Philip Roth. Sobald ein neues erscheint, "verschlinge" ich es und war bisher auch nie enttäuscht. Anders was das Leseerlebnis bei "Nemesis". Eine konstruierte Geschichte mit einem unerträglichen Protagonisten, der vor lauter Moral, Anstand und Ehrgefühl so realistisch ist wie ein Alien von einem anderen Stern. Nein, es war kein Vergnügen, diese Geschichte zu lesen, sie war haarsträubend und - das ist ein Novum! - ich habe viele Seiten einfach überschlagen, weil ich das Moral-Gellalle von Bucky einfach nicht aushalten konnte. Ich hoffe sehr, dass Philip Roth sich vielleicht ein wenig mehr Zeit für sein nächstes Buch nimmt und dann zu seiner Form zurück findet. Denn Philip Roth ist und bleibt für mich einer der besten zeitgenössischen Autoren überhaupt.
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am 8. Februar 2011
Mit "Nemesis" legt Philip Roth ein weiteres Meisterwerk vor in Sachen sprachliche Brillanz, Komposition und anhaltender Wirkung beim Leser. Die Geschichte spielt im Jahr 1944. In Europa und im Pazifik tobt der Weltkrieg, in den Bucky Cantor, die Hauptperson des Buchs, wegen seiner extremen Kurzsichtigkeit nicht eingezogen wird. So unterrichtet er in den Sommerferien in der Stadt Newark Sport. Die Stadt wird zu dieser Zeit von einer schnell anschwellenden Polio-Epidemie heimgesucht, die auch die Kinder nicht verschont, welche Bucky Cantor tagtäglich anvertraut sind. Als das Leid zu gross und die Sehnsucht nach Marcia, seiner grossen Liebe, zu stark wird, verlässt Bucky die Stadt Newark und siedelt in das Sommercamp in den Bergen über, wo auch Marcia als Betreuerin arbeitet. Die vermeintliche Rettung wird aber zur eigentlichen Apokalypse für den weiteren Lebensweg von Bucky.

Die Geschichte pendelt intensiv um vier Themen: Liebe, Verantwortung, Sühne und Rechtfertigung Gottes. Liebe: Bucky und Marcia lieben sich vorbehaltlos, können aber ihre Beziehung durch Buckys Willen nicht vor der medizinischen Katastrophe retten, die sich um sie herum abspielt. Verantwortung: Wie weit geht die moralische Verpflichtung Buckys, angesichts der drohenden Ansteckung mit einer potenziell tödlichen Krankheit bei seinen Schülern in Newark zu bleiben? Sühne: Es stellt sich die Frage, ob ein Mensch, der ohne Absicht Unheil verbreitet sich selbst dafür bestrafen muss um einer imaginären Verantwortung gerecht zu werden. Rechtfertigung Gottes: angesichts der um sich greifenden Krankheit und des Todes von Kindern empfindet Bucky Abscheu vor Gott - ein altes Thema mit unerschöpflichen Reserven für die Moralphilosophie.

Der Roman ist stilistisch bravourös, direkt, intensiv und frei von jeder Gefühlsduselei. Dabei wirkt er seltsam unmodern und dies nicht bloss durch die Präsenz der Epoche, in der er angesiedelt ist. Dennoch besticht Roth ein weiteres Mal durch seine Methode, die existenziellen Fragen im Leben eines Menschen anhand einer einfachen und klar erzählten Handlung aufzuzeigen. In vielem bleibt sich der Autor treu. In der Geschichte brodeln widerstreitende Gefühle; das Handeln der Menschen ist rein rational nicht zu erfassen; das Individuum bestimmt über sein Schicksal selbst, mögen auch die Konsequenzen aufwühlend und traurig sein. Wie immer bei Roth entbehrt der Roman jeglichen Humors. Der Autor bleibt streng, realistisch und - in Bezug auf das Schicksal Bucky's - unerträglich subjektiv.

Und noch etwas: Philip Roth wird seit vielen Jahren als Anwärter auf den Literaturnobelpreis gehandelt und geht doch jahr für Jahr leer aus. In vielen Werken Roths gibt es explizite Schilderungen von Sex. Hier nicht. Roth gesteht der Liebe der Protagonsiten zwar Sex zu, tut dies aber auf so jugendfreie Art, dass ich versucht war, dahinter einen Schlüssel zum Ballsaal in Stockholm zu sehen. Mit "Nemesis" sollte Roth sogar für das bigotte Nobelpreiskomitee akzeptabel geworden sein. Liebe, Verantwortung, Sühne, Gott - und das alles ohne Sex. Bleibt nur die Aufmunterung des beeindruckten Lesers: Dieser Schriftsteller braucht keinen Nobelpreis!
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am 24. Mai 2011
Nach den positiven Rezensionen, die ich in mehreren Zeitungen gelesen hatte, war "Nemesis" von Philip Roth eine echte Überraschung für mich: so schlecht hatte ich mir das Buch gar nicht vorgestellt. Dabei wäre das Thema durchaus interessant gewesen und hätte Stoff für eine gute Geschichte hergegeben. Doch die Umsetzung! Im Grunde hätte sich die Quintessenz in wenigen Zeilen wiedergeben lassen: "Ein sich selbst bis zum Erbrechen bemitleidender und jammernd anklagender Sport-Fetischist verzweifelt an seinem Gott, den es vielleicht gar nicht gibt, und wenn doch, dann ist es ein böser Gott." Bucky kann einfach nicht begreifen, dass der Mensch nicht alle Dinge im Leben begreifen kann, und er will es nicht begreifen.
Leider wird uns die Botschaft so eingetrichtert, dass jede Seite des Buches zu viel ist. Roth spart nicht mit epischen Vorverweisen auf eine Katastrophe und lässt leider nicht einen Topos der Literaturgeschichte aus, um seine Botschaft an den Leser zu bringen: als Beispiel sei der Topos des "Locus amoenus" genannt: Bucky flieht aus der poliovergifteten Stadt Newark in die Idylle der Berge. Die jetzt beschriebene Landschaft ("grün, Bäume, Wasser, saubere Luft") ist das Gegenmodell zu Newark. Man hätte diesen Topos schon bei Boccaccio im 14. Jh. in weniger kitschiger Form nachlesen können. Zweiter Topos: Die Liebesszene auf der Insel (SCHMALZ hoch drei) findet statt, während in der Ferne ein Gewitterdonner zu vernehmen ist (epischer Vorverweis auf die sich anbahnende Katastrophe). Liebesszenen zwischen zwei Menschen, die lange auf diesen Moment gewartet haben, finden immer im Gewitter statt... zumindest wenn es sich um kitschige Literatur oder Filme handelt. Am Ende des Buches wird mittels der "Speer-Metapher" noch einmal die Botschaft an den Leser gebracht: der Speerwerfer Bucky als derjenige, der - zumindest denkt er das - das Polio-Virus an die Kinder weitergibt. Es wurde ja im Verlauf des Buches immer mal wieder das Virus mit dem Speer verglichen, der ein Kind trifft. Die am Ende des Buches beschriebene Szene des Speer werfenden Bucky soll uns diese "message" noch einmal mittels einer Metapher deutlich machen.
Zu den Schwächen des Buches gehört auch die Übersetzung. Vielleicht wäre es im englischen Original besser. So kommt das Ganze dermaßen gestelzt-preziös daher ("er tauchte in die Reinheit des Wasser..."), dass man kaum mehr als 20-30 Seiten am Stück verkraften kann. Am schlimmsten sind die permanenten Übersetzungen von englisch "would" mit "würde". Dabei wird "would" nicht unbedingt, ja eher selten, im Deutschen mit "würde" übersetzt. "Would" wird z.B. auch zum Ausdruck einer gewohnheitsmäßigen Handlung gebraucht, dann wird es im Deutschen gar nicht übersetzt. Auch wird es zum Ausdruck der Zukunft in der Vergangenheit gebraucht (indirekte Rede z.B.), dann ist es im Deutschen mit Konjunktiv wiederzugeben ("she said she would pass tomorrow" - "sie sagte, sie komme morgen vorbei"). In der Nemesis-Übersetzung wimmelt es pro Seite mit "würde"-Formen, die die deutsche Sprache verunglimpfen und den Stil noch gestelzter und steriler wirken lassen.
Im Übrigen gelänge es einem guten Autor, die Scham und Schuldgefühle des Bucky mit stilINTERNEN Mitteln auszudrücken. Statt dessen bleibt die Sprache steril und Roth setzt einen Erzähler ein, der uns dauernd sagen muss, dass Bucky sich schämt und schuldig fühlt. Das haben andere Autoren vor Roth besser hingekriegt. Ich bin froh, dass ich jetzt durch bin und es nicht noch paar Seiten mehr hat!
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am 7. April 2011
Bucky ist ein Sportler, ein Speerwerfer, ein Bild von einem Mann, der im Sommer 1944 nur von seiner extremen Kurzsichtigkeit davon abgehalten wird, wie ein altgriechischer Krieger den Speer - pardon, die Gewehrkugeln - auf deutsche oder japanische Feinde abzufeuern. Stattdessen muss er als Playground Director auf einem städtischen Sportgelände in Newark hilflos mitansehen, wie seine Schützlinge von einem anderen Feind - Polio - niedergemacht werden. Und wenn wir schon im alten Griechenland sind, hier die Tragödie: Bucky flieht und verursacht erst dadurch den Super-GAU für sich, seine Liebsten und für seine Schutzbefohlenen. Jedenfalls sieht er das so. Niemand sonst kann ihm irgendeinen Vorwurf machen. Er aber wählt als Strafe ein Gefängnis: Die Einsamkeit, in der er - selbst von Polio teilgelähmt - für die kommenden Jahrzehnte seinem verlorenen glücklichen Leben nachhängt...

"Bucky wasn't a brilliant man - he wouldn't have had to be one to teach phys ed to kids". Ein bisschen einfach gestrickt, sowie stur und humorlos muss man schon sein, um wie Bucky sich auch dreißig Jahre später nicht verzeihen zu können und immer noch an der Frage zu knabbern "Why" ?, "Warum lässt Gott so etwas zu ?". Das sind ja nun nicht sonderlich originelle Fragen. Die Art, wie Philip Roth sie hier abhandelt, wird vor allem interessant durch den Gegenpol von Bucky, den Erzähler der Geschichte, ein Schüler, der damals im Sommer 1944 auf dem von Bucky Cantor geleiteten Playground mitgespielt hat. Der auch an Polio erkrankte und eine Teillähmung zurückbehielt. Der ganz pragmatisch nach einer harten Jugend das Beste daraus gemacht hat und heute mit Frau und Kindern als selbständiger Architekt erfolgreich ist. Der Atheist ist. Dessen philosophische Ansicht zu den damaligen tragischen Ereignissen sinngemäß "Shit happens" lautet. Und den doch die Jahrzehnte überdauernde Verbitterung von "Mr. Cantor" auch nach dreißig Jahren selbst nicht ganz verlassen hat.

Es ist diese letzte Wendung, der aus dem Schatten tretende Erzähler "Arnie", der aus dieser kurzen Geschichte etwas Großes macht. Hat man sich zuvor an der Klischeehaftigkeit der Figuren und der konventionellen Sprache und Erzählweise gestört, so fügt sich das alles am Ende zu einem Ganzen zusammen, das nicht besser komponiert sein könnte. Der Erzähler verachtet, ja hasst seine Hauptfigur. Dies zeigt sich schon in der Sprache seiner Erzählung. So nennt er ihn lächerlicherweise "Mr. Cantor", wenn er persönliche Situationen schildert, später verwendet er mit Vorliebe das herablassende "Bucky".

Warum der Erzähler Arnie seinen früheren Playground Director Mr. Cantor so hasst, wird am Ende des Buchs deutlich. Er schildert dort, wie Bucky Cantor in der Blüte siner Kräfte den ihm anvertrauten Jungen eine beeindruckende Demonstration seiner Fähigkeiten als Speerwerfer gibt. Seine Kraft und Perfektion heben ihn in eine Höhe mit altgriechischen Athleten, ja Göttern. Und dreißig Jahre später trifft Arnie ihn wieder, seinen altgriechischen Gott. Als körperliches und geistiges Wrack, der auch nach drei Jahrzehnten noch davon überzeugt ist, durch eigenes Verschulden oder von einem bösartigen Gott zerstört worden zu sein.

Mr. Cantor, die Nemesis des pragmatischen Atheisten Arnie, der in seiner Hybris dachte, aus eigener Kraft auf dem Boden des blinden Zufalls ein Leben aufbauen zu können, ohne sich über den tieferen Sinn des Erlittenen oder an der Frage, ob ein Gott ihm einen Pfeil in den Rücken geschossen hat, Gedanken machen zu müssen.
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