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Kundenrezensionen

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am 23. Januar 2009
Wer das Buch zur Hand nimmt, sollte keine Illusionen haben, denn es bietet keinen Trost, es liefert keine Hoffnung und das Ende ist endlos-traurig. Trotzdem gehört es zu den besten und faszinierendsten Werken, die ich je gelesen habe. Es ist die Angst vor dem Verlust des Existentiellen, die uns im Leben zu so vielen Fehlern und Ungerechtigkeiten führt, die uns Fehlentscheidungen treffen lässt und die den Drang zur ständigen Veränderung auslöst. Das ist Roths Thema und er beschreibt es an der unsteten und zum Teil ungerechten Lebensführung seines Protagonisten. Roth macht deutlich, dass derjenige, der sich dem Tod abwendet, indem er um sich herum stets neues Leben erfindet, am Ende seiner herzlosen Macht besonders ausgesetzt ist. Denn Trost findet nur der, der Menschen um sich hat, die ihn auf seinem langen Weg treu begleiten. Wer die zuvor aufgegeben hat, stirbt allein. Ein großes Buch!
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am 17. August 2006
Philip Roth Jedermann

Hanser Verlag

In seinem soeben erschienen Roman schreibt Philip Roth über das Alter. Es ist sein unvergleichlich realistischer, klarer und reflektierter Sprachausdruck, der mich auch an diesem Buch fasziniert.

Dieses Mal steht nicht Zuckermann, sondern Jedermann für das Alter Ego des Dichters.

Es ist ein unbekannter Er, von dem berichtet wird.

Und warum fesselt diese Erzählung so ungemein?

Wer von uns kennt nicht die Gedanken, die einen zu besonderen Zeiten überfallen, sich fortspinnen, an Vergangenes und Gegenwärtiges anknüpfen, Erinnerungen hochkommen lassen und wie an einem Faden diese Gedanken zu einem Ganzen zusammenfügen?

So geht es diesem Er, der für Jedermann stehen kann.

Er, ehemaliger Artdirektor, lebt im Ruhestand in einem Seniorendorf an der Küste in New Jersey und malt.

Durch seine Gedanken wandern die eigenen Kinder, vergangene Ehen, Liebesaffären, das Sterben des Vaters, der Mutter--- und er denkt an seinen großen, vitalen Bruder, den er um seine Gesundheit beneidet. Bei diesem Er, der seit seinen fünfziger Lebensjahren immer wieder an koronaren Verschlüssen leidet, und der sich wiederholt operativen Eingriffen unterziehen muss, vermischen sich die gegenwärtigen Ängste mit denen aus früher Kindheit, wenn er selber oder der Vater, Onkel schwer erkrankt war. Seine Söhne aus einer geschiedenen ersten Ehe bleiben unversöhnlich ihm gegenüber, eine Tochter aus einer anderen, ebenfalls geschiedenen Ehe, bleibt ihm eng verbunden und er ihr.

Seine verflossenen Ehefrauen gewinnen in nur kurzen Anmerkungen Profil, und dass er seit Jahren alleine lebt und einsam ist, wird erkenntlich.

Es geht in diesen Erinnerungen auch um das zerronnene Glück und die Einsicht, dass Sex und Erotik nicht alles ist, sondern dass die zuverlässige, stete Nähe eines Ehepartners ein Glück sein kann,--das er verspielt hat!

Philip Roth gelingt es wunderbar, aus dem Vergangenen zur Gegenwart zu kommen, in der das Lebensende immer näher rückt.

Scharf und geschliffen versteht er, das auszusprechen, was andere nur denken mögen: dass der Tod einem jeden sicher ist, dass sich die Frage stellt, wie dieser Tod sein wird, dass es möglich ist, ein Ende vorzeitig herbeizuführen,--und dass doch am Ende niemand sich dieses Nichts vorzustellen vermag, das den Tod ausmacht.

Hier ist kein Satz zu viel geschrieben und kein Gedanke vergessen worden.

Dass dieses Buch ein pessimistisches ist, weil am Lebensende nun einmal die Zeit sich verkürzt, es keine Hoffnungen auf Zukünftiges mehr gibt und die emotionalen Glücksmomente sich verflüchtigen, das alles macht dieses Buch zu einem lesenswerten, nachdenklich stimmenden und in weiten Teilen die Gefühle alter Menschen spiegelnden Werk.

Ich finde es großartig!
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am 22. November 2006
Dem Buch reist sein Ruf voraus. Man weiß die ganze Geschichte, die eine ernüchternde ist, bevor man es zum ersten Mal in der Hand hat. Mehr noch reist ihm sein Titel voraus. 'Jedermann' gemahnt nicht nur jeden Leser daran, dass auch er mit diesem sterbenden Menschen beschrieben ist, sondern erinnert auch an Hugo von Hofmannsthal Theaterstück 'Jedermann' aus dem Jahre 1911. Dort ist Jedermann bekanntlich ein Reicher, der kein Mitleid mit seiner ärmeren Umwelt hat, bis ihn der Tod holen kommt und er gezwungen wird, Demut zu zeigen und wieder gottesfürchtig zu werden. Hofmannsthal wiederum bezieht sich auf mittelalterliche Vorbilder wie Mysterienspiele. Das Thema ist also ein altes. Es geht um die schlichte aber bedeutsame Tatsache, dass wir sterben, und nichts, was wir lieben, überdauert die Zeiten. Was hat Philipp Roth diesem Thema Neues zuzufügen? Die Frage ist schon absurd. Es ist dasjenige Thema, dem seit Urzeiten nichts Neues hinzugefügt werden kann ' und zugleich ist es das Thema, an dem sich jeder einzelne Mensch bis in die Unendlichkeit abarbeitete, würde er nicht vorher abberufen.
Der Jedermann, von dem hier geschrieben wird ist ' oder vielmehr war ' ein Werbefachmann. Das Buch beginnt mit seiner Beerdigung. Von einer höheren Warte aus betrachtet der Verstorbene die versammelte Trauergemeinde, wie jeder einzelne nach vorne tritt, eine Schaufel Erde auf den Sarg wirft. Reden werden gehalten, die das Leben des Verschiedenen Revue passieren lassen. Es handelt sich bei dieser Beschreibung also um eine Phanatsie, die wohl jeden von uns einmal heimgesucht hat: Unserer eigenen Beerdigung beizuwohnen und am Grad der Trauer, die wir uns natürlich sehr groß vorstellen, die eigene Bedeutung in der Welt zu taxieren.
Auf dem Friedhof soll auch das Buch enden. Vor seinem voraussichtlichen Tod besucht der Protagonist seine zukünftige Grabstätte und führt ein Gespräch dem Totengräber über die Praxis des Begrabens von Menschen. Eine äußerst interessante Passage über das Schicksal des Menschen in der Welt, wenn es sie nicht schon gäbe, und zwar bei der berühmten Totengräberszene im Hamlet.
Zwischen diesen beiden Schlüsselszenen wird vom Leben des Werbefachmanns erzählt, über seine drei gescheiterten Ehen, seine beruflichen Erfolge, sein Unvermögen Verantwortung zu übernehmen, sein Unvermögen, das Leben überhaupt gestalterisch in die Hand zu nehmen und von seinen Krankheiten. Von diesen vor allem. Es ist der Bericht über einen langsamen Verfall, ein zunehmendes Siechtum, immer vor der Folie einer blendenden Gesundheit, eines idealen Körpers. Schon in der Kindheit wird die Lendenoperation als abnorm wahrgenommen, als Fehler der Schöpfung.
Hierin besteht vielleicht das ungemein Zeitgenössische dieses Romans bei einem allen Zeiten übergreifenden Thema: Es ist die Selbstverliebtheit unserer Gesellschaft in die Jugend. Jugend und Gesundheit sind in diesem Buch die einzig verbliebenen Werte. Weit davon entfernt einen - wenn auch nur minimalen ' Grad an Weisheit erreicht zu haben, versucht noch der Siebzigjährige junge Frauen aufzureißen. Es ist ihm neben dieser Form der Selbstbestätigung nicht gelungen, sein Leben auf andere Werte zu gründen, obwohl er die Möglichkeit dazu gehabt hätte. Bitter trauert er Phoebe, seiner zweiten Frau, hinterher, die er schamlos betrogen hat. Der Protagonist verbleibt in seinem Handeln ein kleiner Junger, der dazu verdammt ist, in einer sinnentleerten Welt sein ewiges Bubendasein zu fristen.
Allein der Diamant, den er in seinem noch jungen Leben im Juweliersgeschäft seines Vaters betrachtet, verspricht Ewigkeit. Hätte er ihn doch Phoebe geschenkt. Die anthropologische Obdachlosigkeit, die hier so existentiell daherkommt, ist nämlich im Grunde selbst gemacht. Sie ist zugleich Zeichen unserer Zeit, die an nichts mehr glaubt.
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Es ist weniger der Tod, mit dem sich Philip Roth in seinem neuen Buch beschäftigt, als Krankheit und Siechtum im Alter. Dieser kurze Roman, der mit dem klaren, geschliffenen Stil einer Kurzgeschichte daherkommt, beschreibt den körperlichen Verfall und das Sterben eines Durchschnittsmenschen mit, für heutige Verhältnisse, unauffälliger Vita: Behütete Kindheit, Karriere in der Werbebranche, 3 gescheiterte Ehen. Söhne die ihn verachten, eine Tochter, die ihn trotz seiner Eskapaden stur liebt. Auch in seiner eigenen Einschätzung ist er kein "guter" Mensch. Sex bietet ihm immer wieder nur kurzfristige Erlösung und Ablenkung von sich selbst.

Fazit: Den Tod hält jeder aus, viele fürchten ihn nicht einmal. Wie kann man aber den Weg dorthin aushalten, wenn er nicht kurz und schmerzlos ist? Wie tief wurzelt die Hoffnung in uns? Philip Roth hat sich sehr souverän und tiefgründig mit den Zumutungen des Alterns auseinandergesetzt. Leider werden in unserer infantilen Gesellschaft, die ewige Jugend zum Fetisch hat und ständige Verdrängung praktiziert, nur wenige Leser zu diesem Meisterwerk greifen. Schade.
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am 18. August 2006
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Vom Friedhof aus zurückgeschaut auf ein gar nicht so langes Leben, in dem der Protagonist vieles falsch, aber auch einiges richtig gemacht hat. Gar kein besonderes, außergewöhnliches Leben, der Protagonist könnte Jedermann heißen. Zu früh die falsche Frau geheiratet, diese später wegen der richtigen verlassen, und die richtige später gegen eine deutlich jüngere eingetauscht. Dann im Alter weggezogen aus Manhattan, endlich angefangen um zu malen und feststellt, dass er das auch gar nicht will. Krankheiten, Operationen, Siechtum, Tod.

Normalerweise werden alte Männer langatmiger, aber was Philip Roth, immerhin fast so alt wie sein Protagonist, mit seinem neuesten Roman vorgelegt hat, ist kurz und prägnant. Auf 170 Seiten spannt er ein Leben auf, das alltäglich und erschreckend zugleich ist.

Eines der schönsten Bücher der letzten Zeit, zudem ('tschuldigung) lesefreundlich und schön gestaltet. Auf jeden Fall kaufen und lesen.

Der Titel der Rezension ist eine Erkenntnis, die den alten Mann an der Starfish-Beach ereilt, und der Ratschlag unten sind die Worte, die er mal seiner Tochter gesagt hat, und die seine Tochter ihm auf die letzte Reise mitgibt.

«Halt dich tapfer, und nimm es, wie es kommt.»

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am 28. August 2006
Ohne der Notwendigkeit des Todes, keine Möglichkeit des Lebens. Diese nur auf den ersten Blick verstörende Sicht auf unser Dasein schockiert auch den "Jedermann" in Hugo von Hofmannsthals weltberühmten Theaterstück. Philip Roths neuer Roman hat mit Hofmannsthals "Spiel vom Sterben des reichen Mannes" allein gemeinsam, dass der Tod eine zentrale Rolle spielt.

Alter, Verfall und Tod. Roths Roman handelt hauptsächlich davon. Und er zeigt: in jedem Anfang liegt bereits das Ende beschlossen. Im Rahmen eines "Spiegel"-Interviews mit Voller Hage antworte Roth auf die Frage "Aber nichts hilft, wie es in Ihrem Buch heißt, gegen die Erkenntnis, "dass man geboren wird um zu leben und statt dessen stirbt" entsprechend: "Nein, da hilft nichts. Die Leute tun ihr Bestes, um dieses Wissen beiseite zu schieben. Es gibt diejenigen, die den Trost einer Religion haben, die ihnen ein ewiges Leben verspricht. Ich verstehe nicht, wie es ihnen gelingt, das zu glauben."

Ist "Jedermann" also ein Alterswerk, ganz ohne Trost? Ja, auch das. Und alles ganz gewöhnlich. Denn tatsächlich handelt der neue Roman von Philip Roths von einem ganz gewöhnlichen Mann. Wir lesen die Geschichte eines Lebens, wie es normaler nicht sein könnte. Berührt es uns deshalb so stark? Philip Roth spielt das Lied vom Tod famos. Das Gefühl, da sich bei der Lektüre einstellt, hat Patrik Revilo in der "Osnabrücker Zeitung" sehr treffend beschrieben: "Welche Wohltat, am Leben zu sein - allein, um solche Bücher lesen zu können."

Der letzte Vorhang ist gefallen. Philip Roths neuer Roman beginnt mit dem Ende. Auf einem verfallenen Friedhof in Newark wird ein Mann begraben. Am regennassen Grab versammeln sich seine ehemaligen Kollegen aus einer Werbeagentur nebst seinen beiden Söhnen aus erster Ehe und die Tochter aus zweiter Ehe. Von den drei Ex-Ehefrauen findet sich nur eine an. Es werden Reden gehalten, Tränen fließen spärlich. "Das war das Ende. Nichts Besonderes war gesagt worden.", schreibt Roth.

Philip Roth erzählt mit Rückblenden vom Leben dieses Jedermanns, von diesem Nicht-Besonderen. Von dessen jüdischer Herkunft, seiner beruflichen Karriere und seinen Liebschaften und Ehen. Vor allem aber über seine Gebrechen. Die zunehmen, je älter er wird. Mit jedem Krankenhausaufenthalt wird er sich seiner Verletzlichkeit stärker bewusst. Verbittert stellt er fest: "Das Alter ist kein Kampf, das Alter ist ein Massaker". Daran kann er freilich nichts ändern. Im Alter wird er einsam. Er, denn er an keinen Gott glauben mag, stirbt denn auch ohne Trost - "befreit vom Sein, ging er ins Nichts, ohne es auch nur zu merken."

Philip Roth hat für sein Werk bereits alle renommierten Literaturpreise abgeräumt. Neben den Pulitzer-Preis für "Amerikanisches Idyll" erhielt er auch den Pen/Faulkner-Preis für "Der menschliche Makel". Im Jahre 2001 wurde er von der American Academy of Arts and Letters mit der Goldmedaille für Belletristik ausgezeichnet.

Vielleicht ist der Nobelpreis für Literatur tatsächlich nicht das höchste Gütesiegel, das einem Buch zukommen kann. Aber allerspätestens mit "Jedermann" wäre Philip Roth ein in jedem Falle würdiger Preisträger. Dies gilt umso mehr, als das sich die ehrwürdige Jury in Stockholm mit der Vergabe des Preises an Fo, Jelenik und Pinter in den letzten Jahren ohnehin nicht mit Ruhm bekleckert hat. Mosern hilft hier nicht weiter. Aber für 2006 bleibt doch die Bitte: Augen auf, Stockholm!
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am 4. Juli 2014
Er ist ein Jedermann, bezeichnet sich als Durchschnittsmenschen. Dreimal war er verheiratet, hinterlässt drei Söhne, die ihn hassen, was er nicht begreift, und eine Tochter, die ihn vergöttert, was er ebenso wenig begreift. Nach einem Leben voller Fehler, auf die er nun mit Reue, nachdenklich, ab und an selbstanklagend und mit Unverständnis für das eigene Tun und den Lauf der Geschichte zurückblickt, nimmt das eigene Vergehen, der Weg durch Krankheiten, die Endlichkeit des Körpers eine immer zentralere Rolle ein.

Jedermann ist ein Buch über Verlust, Reue, das Leben, das Alter und das Sterben. Es ist ein Buch von gescheiterten Beziehungen, von den Gründen, die zum Scheitern führen und von falschen Entscheidungen, die dem Leben eine Prägung geben. Es ist ein Buch des Lebensabends voller Rückbesinnung, von Krankheiten, die aus dem Nichts kommen und ein Buch des Todes, der – drohend bevorstehend – das Leben reflektiv wiedererleben lässt. Schlussendlich muss der Jedermann des Buches erkennen, dass er vor seinem Tod nicht fliehen kann, dass er ihn annehmen muss – wie so vieles mehr.

Ein tiefgründiger Roman über das ganz alltägliche Leben und einen ganz normalen Menschen. Sprachlich klar, inhaltlich gewaltig, umfasst er ein ganzes Leben auf wenigen Seiten, die dicht gefüllt sind und beim Lesen doch irgendwie leicht dahingleiten.

Fazit:
Ein tiefgründiger Roman über das ganz alltägliche Leben und einen ganz normalen Menschen. Sehr empfehlenswert.
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am 28. Oktober 2007
Mit 'Jedermann' ist Philip Roth ein weiterer Hoehepunk in seinem literarischen Schaffen gelungen. Das freut umso mehr, als dass das Vorgaengerbuch 'Verschwoerung gegen Amerika' im Vergleich zum Rest von Roths Werk eher schlechter abschneidet (als fast einziges seiner Buecher).

Mit 'Jedermann' findet Roth jedoch wieder zurueck zu seiner besonderen Extraklasse, die er Zeit seines Lebens in praktisch allen seinen Buechern zu erkennen gegeben hat. Wieder (wie zuletzt schon in 'Das sterbende Tier') geht es auschliesslich um den Themenkomplex von Liebe, Alter und Tod, gepaart mit dem Umstand Mann zu sein.

Getreu seinem Motto, nur ueber sich selbst schreiben zu koennen, da er selbst das einzige ist, das er kennt, ist es geradezu zwingend, dass der inzwischen ins hoehere Alter eingetretene Roth (mittlerweile 74) sich derart intensiv mit (seinem) Altern und bevorstehenden Tod beschaeftigt.

Trotz aller Tragik gelingt es Roth jedoch wieder, Ironie und Witz zu transportieren und damit einen gleichzeitig zutiefst anruehrenden, teilweise schockierenden und dennoch immer unterhaltsamen Roman vorzulegen.

Seine einzigartige Meisterschaft und Klasse hat auch im hohen Alter in keiner Weise nachgelassen - es scheint sogar, dass sie sich vollendet: Kein ueberfluessiges Wort, jeder Satz trifft, jedes Bild wirkt - und wie immer behaelt er sich den beruehrensten Moment und Hoehepunkt fuer ganz zum Schluss auf. Roth braucht nicht mehr viele Seiten um seinen Punkt zu machen.

Fuer mich ist Philip Roth ohne Zweifel der groesste zeitgenoessische Schriftsteller. Von 'Goodbye, Columbus' bis zu 'Jedermann' - jeder Roman ein Meisterwerk. Seine Inspiration scheint nie zu enden und seine Meisterschaft mit den Jahren zu wachsen. Immer anruehrend, immer witzig, immer unterhaltend und immer das Leben, und insbesondere das Leben als Mann, in der Moderne des 20. Jahrhunderts reflektierend. Ich hoffe noch viele weitere neue Romane von Philip Roth lesen zu koennen.
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am 10. September 2006
Bestehen die schönsten Tage des Alters aus der Sehnsucht nach den schönsten Tagen der Kindheit und Jugend?

Philip Roth lässt in seinem neuen Roman das Leben eines namenlosen ER Revue passieren.

Ohne jede Sentimentalität berichtet der 73jährige Autor über drei gescheiterte Ehen, den schlechten Kontakt zu den beiden Söhnen, Krankheit, Verfall und Stillstand im Leben seines Hauptprotagonisten.

Roth schildert die Ängste eines alternden Menschen, die Einsamkeit und den verzweifelten Versuch, zumindest einen Teil der Vergangenheit festzuhalten.

Hätte ich das Buch vor zehn, zwanzig oder mehr Jahren gelesen, hätte ich mich sicher gefragt, was der Autor mir damit sagen will.

Heute ahne ich: Es ist nicht nur eine Geschichte. Es könnte das Leben sein. Vielleicht meines... vielleicht auch das Jedermanns...

Ein lesenswertes Buch!
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am 16. Januar 2009
Jedermann, ein Durchschnittsbürger der gehobenen Mittelschicht, wird nach drei gescheiterten Ehen, einer längeren Krankheitsgeschichte mit implantierten Bypässen und Stents und einsamen Jahren in einem Rentnerghetto mit Anfang siebzig beerdigt.

Sein Name bleibt dem Leser unbekannt. Die Rückblende auf sein Leben beginnt mit seiner Kindheit, in der er als Neunjähriger erstmals mit dem Tod konfrontiert wird: im Krankenhaus, in dem sein Bettnachbar, ebenfalls ein Junge, nach einer Magenoperation stirbt. Aus dem zuverlässigen Knaben, der für seinen Vater, der einen Juwelierladen besitzt, Diamanten im Umschag per Bus zum Goldschmied bringt, wird ein erfolgreicher Art Director in einer New Yorker Werbeagentur, zu dessen Welt Shootings, Reisen, Models und Sex gehören.

Als Jedermann kurz vor dem Ende seines Lebens steht, muss er sich eingestehen, dass er seine Familien zerstört, drei Kinder einer intakten Kindheit beraubt und sich schließlich von seinem älteren, immer hilfsbereiten Bruder entfremdet hat, auf den er neidisch wurde. Neidisch auf dessen Erfolge als Investmentbanker, dessen intakte, langjährige Ehe, die vier prächtige Söhne hervorbrachte, dessen Sportlichkeit und unverwüstliche Gesundheit. Nur zu Nancy, seiner geschiedenen Tochter aus zweiter Ehe, hat er eine starke Bindung. Seine gerade gereiften Pläne, mit ihr und ihren Kindern zusammenzuziehen, zerschlagen sich, da ihre Mutter einen Schlaganfall erlitten hat und nun ihrerseits mit Nancy zusammen wohnen soll.

Kurz vor seinem letzten OP-Termin, den er nicht überleben sollte, begibt er sich zum Friedhof, auf dem seine Eltern begraben liegen, in der Vorahnung, dass er selbst bald hier beerdigt wird. Roth schildert meisterhaft die Begegnung mit dem Totengräber, der Jedermann genau sein makaberes Handwerk erklärt. Die 100 Dollar Trinkgeld sind zwar für den letzten Dienst dieses Mannes an seinen Eltern, aber wohl auch im Hinblick auf die bevorstehende eigene Beerdigung gedacht.

Der Roman erzählt von Scheitern und Reue, vom Altwerden, vom Verlust der Gesundheit und vom Nicht-akzeptieren-Wollen des eigenen Todes. Das Erstaunliche ist, dass es der Autor geschafft hat, ein solches Jedermann-Leben auf nur 170 Buchseiten umfassend zu beschreiben.

Philip Roth ist einer der ganz Großen der Weltliteratur. Dass der vielfach ausgezeichnete Autor den Literaturnobelpreis nicht bekommen hat, ehrt ihn, wenn man sich so manchen bizarren Missgriff des Nobelpreiskomitees in den letzten Jahren vor Augen führt. Ein solch bedeutender Schriftsteller hat es nicht nötig, sich in eine Reihe mit Jelinek, Pinter oder LeClezio zu stellen.
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