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So lautet einer der zentralen Sätze in diesem beeindruckenden und gleichzeitig erschütternden Buch: Erica spricht diesen Satz anlässlich eines Treffens der 2. Generation von Holocaust-Überlebenden aus.
"Ich habe nicht lieben gelernt" sagt Erica; "Ich passe nicht in diese Zeit" ihr hochbegabter und Philosphie studierender Bruder Paul. Die beiden sind die Kinder von Eltern, die vor den Nazis aus Wien fliehen mussten (und auch konnten). Ericas Mutter ist polnische Jüdin und Kommunistin; ihr Vater "arischer" Wiener und Sozialist: damit sind beide extrem gefährdet. Die Flucht nach England gelingt; nach diversen Odysseen (Internierung; Transport nach Australien) kommen die beiden wieder zusammen und erleben das Kriegsende in England. Nach wenigen Jahren kehren sie - im Wesentlichen auf Betreiben des Vaters - nach Wien zurück.
Hier beginnt das Verhängnis: Die Mutter, deren Eltern sowie viele Verwandte in Treblinka ermordet wurden, kann sich in Wien und Österreich nie eingewöhnen. Sie sieht in jedem Wiener einen Nazi (etwas übertrieben, aber im Ansatz gar nicht so falsch); keiner will von den NS-Grausamkeiten etwas gewusst haben (auch nicht neu!) Ihre "Rache" trifft allerdings die Falschen: sie beginnt ihre Familie zu tyrannisieren - und diese zerbricht daran. "Hinter mir die Sintflut" lautet das Motto der Mutter. Ergebnis: der Vater von Erica, der sich seelisch - und nicht nur das - schon lange von seiner Frau entfernt hat, stirbt auf einer griechischen Insel während einer seiner vielen Reisen (und wird hier auch bestattet); Erica wird es übelgenommen, dass sie von daheim auszieht; Paul betreut jahrzehntelang seine Mutter - und zerbricht daran. Wenige Wochen nach ihrem Tod verschwindet er; nach eineinhalb Jahren findet man die Reste seiner Leiche in einem Wildschweingehege im Wienerwald. Er hatte Selbstmord verübt - hochbegabt, aber lebensuntüchtig.
Erica Fischers Familiengeschichte, in die sie sehr viele Familiendokumente (Briefe etc.) eingearbeitet hat, zeigt auf beeindruckende Weise, wie eine Familie an den historischen Grausamkeiten des 20. Jahrhunderts zerbricht; allerdings auch das Fehlen einer privaten Gegenstrategie (vor allem bei Mutter und Sohn), die vielleicht ein positiveres Leben ermöglicht hätte!
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