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Kundenrezensionen

3,7 von 5 Sternen
30
3,7 von 5 Sternen
Format: Taschenbuch|Ändern
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am 14. Mai 2017
... ist dieses frühe Werk von Franzen, in dem die Besonderheit und Eindrücklichkeit seines Stils aber bereits ihre fesselnde Wirkung entfalten.
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am 10. August 2005
Ich sags gleich raus: Franzen hat mich mit seinen "Korrekturen" gepackt, wie schon seit Jahren kein Autor. Natürlich waren die Erwartungen gegenüber dem Frühwerk etwas geschmälert. Und wer - und davon gehe ich bei den meisten aus - die "Korrekturen" schon intus hat, wird zumindest phasenweise enttäuscht. sein. Gut, die Rahmenhandlung ist fast spannender, fast realistischer, wenngleich etwas weltverschwörerischer. Doch um die Story geht es nicht, es geht um die Darstellung der Charaktere und natürlich um die detailverliebten Darstellungen, die manchen Lesern ja auch langatmig vorkommen können. Mag der Autor hier noch nicht so perfekt gewesensein, wie später bei den Korrekturen, so liegt vielleicht gerade darin die Faszination. Mal ähnelt die Detailtreue den Korrekturen, mal ist sie weit schwächer ausgeprägt. Das ist nicht unspannend.
Aber: Die beiden Hauptcharaktere werden brilliant dargestellt, und zumindest ich habe - obwohl von Alter und Sozialistion doch eher den Korrekturen-Helden mehr zugetan - beim Lesen nicht absetzen können, wurde vom Autor noch mehr gepackt als bei den Korrekturen, zumindest phasenweise.
Natürlich ist das alles subjektiv: Schon auf den ersten Seiten fand ich "Schweres Beben" zumindest gut, dann begann eine Phase, in der mir das an "Korrekturen" erinnernde Strickmuster langweilig wurde - aber nur kurz, dann war ich drinnen und wollte immer nur mehr, mehr und mehr - so wie seinerzeit schon bei den Korrekturen, nur war diesmal meine Gier noch unbändiger.
Ich weiß nicht, ob man "Schweres Beben" nicht besser vor "Korrekturen" lesen sollte, aber auf alle Fälle ist es neben seinem Hauptwerk das empfehelenswerteste Buch von Franzen - und wie gesagt, mich hat es unglaublich gepackt.
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VINE-PRODUKTTESTERam 2. September 2007
"Schwere Beben" entstand 1992 und weist stilistisch bereits den Weg zum Nachfolger "Die Korrekturen". Wieder wird das Innenleben einer Familie, der Familie Holland, akribisch seziert. Wieder wechselt Franzen innerhalb des Romanes die Perspektive und zerlegt den Roman dafür in vier Teile, chronologisch geordnet und doch subtil mit Rückblenden angereichert, die dem Leser zum rechten Zeitpunkt das eben Nötige enthüllen. Doch Franzen wäre nicht Franzen, würde er es sich und uns so einfach machen, denn jeder Teil des Romanes beinhaltet subtile Perspektivwechsel, als wolle er damit unterstreichen, dass im Leben nichts so ist, wie es scheint, dass alles in Bewegung ist: die weiten Passagen, die im wesentlichen und sehr akribisch Louis Holland begleiten, enfant terrible der Familie und überhaupt nicht zufrieden damit, dass seine Mutter dank einer Erbschaft jetzt Millionärin ist und sich augenblicklich daran macht, das Geld auszugeben; jene Passagen, am Anfang und am Ende des Romanes, legen den Fokus zunächst und sehr kurz auf seine schnöselige Schwester Eileen. An dem Punkt, an dem sich Louis von seiner Freundin Renee Seitchek trennt, im Mittelteil, wechselt Franzen die Perspektive und übergibt den Stab an Renee, die die Geschichte durch ihre geradezu detektivische Arbeit nunmehr vorantreibt, und doch beginnt er diesen zweiten Teil zunächst mit einer eingehenden Skizzierung ihres Studienkollegen Howard Chung. In dem Moment jedoch, in dem ein Anschlag auf sie verübt wird, wechselt er zurück zu Louis, der gerade im Haus seines Vaters Bob ankommt, um sehr schnell und unvermittelt auf diesen überzuspringen und ihm und seinen Erinnerungen Raum zu geben, die einiges von den Hintergründen der Geschichte zu enthüllen haben.
Und Franzen wäre nicht Franzen, wenn sich der Titel (im Original "Strong Motion") nur auf die Erdbeben-Serie bezöge, die den Großraum Boston heimsucht und als erstes Louis' exzentrische Großmutter zum Opfer hat. Denn damit, genauer mit ihrem bereits erwähnten Erbe, beginnen die Probleme, brechen alte Konflikte auf und entstehen neue Kontakte.
"Seit acht Jahren versuche ich, meinen Sender politikfrei zu machen", erklärt der Exilrusse Bressler Louis Holland, der als Techniker in seiner Radiostation arbeitet. "Es ist mein amerikanischer Traum - ein Sender, in dem den ganzen Tag geredet wird (keine Musik, das wäre ge-mo-gelt!), ohne dass EIN Wort über Politik fällt. Ein Radio, das den ganzen Tag Wortbeiträge bringt und keine Ideologie. Reden wir über Kunst, Philosophie, Humor, das Leben. Reden wir darüber, was es heißt, ein Mensch zu sein. Und je näher ich meinem Ziel komme - man kann es in Grafik zeigen, Louis -, je näher ich meinem Ziel komme, desto weniger Leute chören mir zu!"
So wie die Vision von Louis' Chef scheitern muss, weil Politik zu dem gehört und sich einmischt in das, was es heißt, ein Mensch zu sein, so drängt das Große und Ganze quasi als Beweis auch in das Leben der Familie Holland und stellt sie vor eine Zerreißprobe.
Und so ist auch dieser Roman das Psychogramm einer Familie und gleichzeitig das eines ganzen Landes, einer ganzen Gesellschaft. Denn je mehr Louis' Freundin Renee, die engagierte Seismologin, sich mit den Ursachen der Erdbebenserie um Boston beschäftigt, um so mehr gerät sie in einen Umweltskandal, der ein bezeichnendes Licht auf die amerikanische Wirtschaft wirft und darauf, dass - wir ahnten es - die Moral vor der Tür zu bleiben hat, wenn es ums ganz große Geld geht. Ein Konflikt, der wiederum in die Familie Holland hineingetragen wird, denn hinter den ganzen Vorgängen steckt ausgerechnet der Chemiekonzern Sweeting-Aldren, dessen Großaktionärin Louis' Mutter durch das Antreten ihrer Erbschaft plötzlich ist. Und so verwebt Franzen die Wege all seiner Protagonisten kunstvoll und leichthändig und erweist sich einmal mehr als ein Robert Altman der Literatur.
Franzen macht schon bei diesem Roman alles richtig: die Sprache ist ausgefeilt (und gut übersetzt), die Geschichte melancholisch und humorvoll zugleich und der Plot an den richtigen Stellen gebrochen. "Schwere Beben" bietet somit 685 anregende Seiten mit hervorragender amerikanischer Literatur.
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TOP 500 REZENSENTam 29. November 2006
Man kann der Problematik schwerlich ausweichen, dass man ein Buch eines Autors liest, das einen fasziniert, man dann anschließend sich dem weiteren Werk dieses Autors annimmt, auf frühere Werke stößt und enttäuscht wird. So ging es mir nach der Lektüre von Franzens Meisterwerk ‚Die Korrekturen’ mit seinem Erstlingswerk ‚Die 27ste Stadt’, was mich dennoch nicht davon abhielt, den zwischen diesen beiden entstandene Roman ‚Schweres Beben’ zu lesen.

Der Umwelt-Liebes-Wirtschaftsroman zeigt zweifelsohne das enorme Talent Franzens. Seine Dialoge sind meisterhaft, die Charakterisierung der Hauptfiguren, neben der gesamten Familie Holland vor allem die junge Seismologin Renée, ebenfalls. Man wird von den Dialogen regelrecht aufgesogen, so sarkastisch, so realistisch schreibt er.

Für mich persönlich spielt Franzen jedoch mit zu vielen Themen auf einmal: Umweltkatastrophen ausgelöst durch Wirtschaftsinteressen, die Abtreibungsproblematik und ihre Auswüchse in den USA gemischt mit religiösem Fanatismus, Familienpsychogramme im typisch-amerikanischen Mittelstand, Liebesgeschichte zweier Außenseiter. (Auch die ‚Korrekturen’ wären für mich noch einen Deut genialer ohne den Ausflug ins Baltikum.)

Die ‚Korrekturen’ mit der Familie Lambert im Mittelpunkt bleiben für mich mit Abstand das Meisterwerk Franzens und ein Meilenstein in der amerikanischen Gegenwartsliteratur. ‚Schweres Beben’ gefällt mir allerdings deutlich besser als ‚Die 27ste Stadt’. Und damit muss man ihm eines lassen: Er wird bisher von Roman zu Roman – für die er sich ausreichend Zeit lässt – besser. Ich bin gespannt, ob er diese Entwicklung mit seinem nächsten Werk halten kann, oder zumindest nicht abfällt.
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Nicht immer ist Lesen das wahre Vergnügen. Manchmal ist es fast wie Arbeit. Dann nämlich, wenn man sich vorgenommen hat, vom Autor eines der besten Romane der letzten zehn Jahre auch die beiden Vorgängerwerke zu lesen. "Schweres Beben" ist genauso umfangreich wie Korrekturen, es wird wieder eine Familiengeschichte erzählt, es ist auch von Jonathan Franzen - aber das waren dann auch schon die Gemeinsamkeiten. Der zweite Roman von Franzen ist lediglich Durchschnittsware. Ein Plot auf Michael Crichton-Niveau etwas literarisch aufgewertet. Und gerade das stört. Immer wieder unterbricht Franzen den Erzählstrang durch langatmige Beschreibungen von Stadtvierteln, wirren Gedankenspielen seiner Protagonisten und in die Länge gezogenen Dialogen. Mein Gefühl: hier übt einer für den ganzen großen literarischen Wurf. Dies soll ihm aber erst in seinem nächsten Roman gelingen.

Trotz der knapp siebenhundert Seiten kann ich mich mit keiner der Figuren der Romanfamilie Holland anfreunden. Weder mit der lieblosen Mutter, der oberflächlichen Tochter, den Alt-68er-Vater und auch nicht mit der Hauptfigur Louis. Franzen scheint sie alle selbst nicht zu mögen. Und obwohl Louis detailliert beschrieben und erzählerisch minutiös begleitet wird, bleibt diese Figur seltsam farblos.

Auf dem Buchrücken steht: ...eine der schönsten Liebesgeschichten unserer Zeit". Vielleicht bin ich ja gefühlskalt, aber von Liebe habe ich in diesem Buch überhaupt nichts gelesen. Wenn die in vieler Hinsicht merkwürdige Beziehung zwischen Louis Holland und der Wissenschaftlerin Renee wirklich eine der schönsten Liebesgeschichten unserer Zeit sein soll, dann müssen wir uns ernsthaft Sorgen um unsere Zeit machen. Er ist mit ihr zusammen, weil keine andere sich für ihn interessiert, verlässt sie sofort, als die junge hübsche Lauren wieder auftaucht und kommt schließlich wieder zu ihr zurück, weil die biestige Lauren ihn nicht ran lässt. Sie nimmt ihn, weil er nicht locker lässt, sich penetrant bei ihr festsetzt und ihr scheinbar sowieso alles egal ist. Am Ende entscheiden sich beide für den Spatz in der Hand, weil die Tauben auf dem Dach für beide unerreichbar sind.

Was gut rüberkommt und das Buch trotz allem doch lesbar macht, ist die Beschreibung der Lieblosigkeit der Mutter, die Entfremdung und Kälte zwischen den Geschwistern und die durchaus spannende Geschichte über ein sich unethisch verhaltenes Chemieunternehmen. Das wars dann aber auch.
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am 31. Juli 2005
Eigentlich war es ja schon vorher klar: Wenn ein Verlag sich nach einem großen Erfolg entschließt, frühe Werke des Autors zu veröffentlichen, ist die Enttäuschung in aller Regel vorprogrammiert! Nach der "27ten Stadt" im vergangenen Jahr so leider auch mit "Schweres Beben", ein Franzen aus dem Jahr 1992.
Wieder stellt der Leser fest, dass nur "Korrekturen" die Tiefe und das Format eines großen Romans haben!
Dabei beginnt das neue Buch von Jonathan Franzen durchaus vielversprechend: Wieder findet sich der Leser recht schnell in die Handlung rein, wieder geht es um eine Durchschnittsfamilie, ihren inneren Zusammenhalt, ihre Brüche, ihre Lebenslügen.
Erzählt wird diesmal von einer Familie mit zwei erwachsenen Kindern, die anlässlich des Todes der Stiefgroßmutter zusammenkommt, die durch ein Erdbeben plötzlich zu Tode kam. Schamlos zanken sich die Familienmitglieder um das stattliche Erbe, während sich zeitgleich eine Liebesgeschichte anbahnt zwischen dem Sohn und einer Seismographin, die das Beben untersucht... soweit so gut! Dieser Stoff gibt schon einiges her und Franzen gelingt es auch auf den ersten hundertfünfzig Seiten Spannung zu erzeugen. Dann jedoch flacht das Buch mehr und mehr ab und Franzen schafft es nicht mehr, den Leser bei der Stange zu halten. Natürlich liegt die Messlatte bei diesem Autor besonders hoch, vielleicht hat man auch zuviele ähnliche Geschichten in den letzten Jahren gelesen, denn amerikanische Familiengeschichten liegen ja durchaus im Trend! Dennoch, mit Korrekturen hat Franzen Maßstäbe gesetzt, einen Nerv getroffen! So warte ich gespannt auf ein wirklich neues Buch von ihm!
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am 10. Dezember 2005
Melanie, frisch gebackene Alleinerbin eines Multi-Millionen-Erbes, wird ihres neuen Lebens nicht froh: ihre Tochter heult sich die Augen aus, weil sie ihr vom Vermögen nichts abgibt. Ihr hochintelligenter, aber in ihren Augen missratener Sohn Louis, dessen einziges Manko das Fehlen jeglichen Interesses an Konsumgütern ist, verachtet sie wegen ihrer Egozentrik und ihres Geizes und ihr Ehemann bekifft sich lieber, statt mit ihr zu reden – geschweige denn andere Dinge gemeinsam zu tun. Genüsslich seziert Franzen in seinem Roman „Schweres Beben“ die amerikanische Familie und den American-Way-of-Life ohne jedoch ein hoffnungsloses Bild der amerikanischen Jugend zu präsentieren.
Wie ein Domino-Effekt setzt ein Erdbeben eine Kette von Ereignissen in Kraft, deren Zusammenhang anfangs nicht offensichtlich ist. Das „Schwere Beben“, so der Titel des Romans, haut Louis volltrunkene Großmutter dergestalt von den Beinen, dass sie an den Folgen stirbt. Die Freude über das 22 Millionen Dollar schwere Vermächtnis tröstet Melanie, Louis Mutter und Allein-Erbin, schnell über den Verlust der ohnehin unbeliebten Verwandten hinweg. Doch ans Teilen denkt die egozentrische Mutter nicht. Weder Louis, einer Mischung aus Bill Gates und Woody Allen, noch ihrer Tochter Eileen, Abziehbild von Cameron Diaz, will sie einen Cent abgeben.
Zufällig lernt Louis die Seismologin Renee kennen, die die Ursachen der Beben erforscht. Diese findet bei ihren Recherchen zu den merkwürdigen Erdbeben ein Gutachten des Chemiekonzerns Sweeting-Aldren aus dem hervorgeht, dass dieser Konzern seit über 20 Jahren illegal giftige Abwässer in unterirdisch angelegte Reservoirs entsorgt. Diese brisante Entdeckung bringt die beiden in Lebensgefahr und sie haben ihre Liebe Not, unbeschadet zu entkommen. Apropos Liebe: natürlich verlieben sich die Beiden ineinander, streiten, verlassen und versöhnen sich wieder bis zum Tränen treibenden Happy End. Doch Franzen beschränkt sich nicht auf die Elemente des Kriminal- und Liebesromans. Durch viele größere und kleinere Episoden flichtt er geschickt gesellschaftskritische Töne in den Plot. So prangert er die Macht der Fernsehprediger genau so an wie die bigotte Moral der Amerikaner. Er scheut sich auch nicht vor Kritik an der überbordenden Reagan-Administration oder an der Profitgier Multi-nationaler Konzerne.
Das dieses Mammutwerk weder langatmig noch überfrachtet wirkt, verdankt man dem Umstand, dass es sich hier um eine brillant verfasste „autorisierte Lesefassung“ handelt, die die manchmal bemängelten Längen der Buchausgabe vermeidet, ohne dabei selbst kleinste Details unter den Tisch fallen zu lassen. Franzens ganz besondere Kunst liegt in der Ausgestaltung seiner Dialoge. Als Beispiel empfehle ich hier auf der zweiten CD den dritten Track. Unglaubliche 8 Minuten braucht die völlig entnervte Melanie, um Louis dazu zu bringen, sie nicht mehr zu dem ererbten Vermögen zu befragen. Diese intensive, ironische, überzeichnende und witzige Grundhaltung durch zieht den gesamten Roman.
Dass dem Hörer auch ja nicht die kleinste Anspielung verloren geht, dafür sorgt Gerd Wameling mit seinem ausgeklügelten Vortrag. Gerade die Szenen, in denen sich Louis Mutter Melanie, dem gespielten Nervenzusammenbruch nahe, theatralisch Verzweiflung mimend, in Selbstmitleid ergeht, sind einfach großartig und wahnsinnig witzig. Dabei gelingt es dem Sprecher spielend, den Hörer über die gesamte Laufzeit an den Kopfhörer zu fesseln. Seine prägnante, jedoch nie unangenehme Stimme geht auch bei Bahnhofsansagen nicht in die Knie sondern setzt sich im Ohr des Hörers fest. Das Hörbuch wird in einer stabilen Schmuckbox geliefert, dem ein informatives Booklet beiliegt. Einziger, und wirklich winzigster Kritikpunkt ist das fehlende Namens- und Ortsregister, das den Hörgenuss noch vervollständigen würde, welcher jedoch bisher kein einziger Hörverlag mitliefert.
Fazit: Nicht nur die Erde, sondern auch das Zwerchfell zittert bei diesem Hörbuch. Franzen ist ein begnadeter Erzähler, dem man eventuelle Längen gerne verzeiht und sich an seiner Detailfülle und genauen Recherche ergötzt. Ein positivistischer Roman, ein Spiegel der Gesellschaft, ein Liebesroman und ein Öko-Thriller – all diese Komponenten vereint Franzen ohne sich dabei in Klischees oder Kitsch zu verlieren. Dieser Roman wärmt mehr als ein Kaminfeuer.
(C) Wolfgang Haan
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am 4. Juni 2013
Nach der gigantischen Enttäuschung, welche mir »Die 27ste Stadt« bereitet hat, Franzens Erstling, habe ich »Schweres Beben« lange liegen lassen und nun doch noch gelesen. Sehe es allerdings nicht als Liebes- oder Familienroman, wie auf dem Klappentext vermerkt, sondern als Sozialroman mit mehreren verflochtenen Handlungssträngen und Themen, breit angelegt und deskriptiv ausladend, dadurch wohl auch eine gewisse Geduld einfordernd. Da werden dann schon mal universitäre EDV-Systeme der frühen 90er oder bestimmte Gegenden von Boston etwas genauer unter die erzählerische Lupe genommen, ohne daß dies zur Handlung beitragen würde. Muß man schon mögen. Es ist eben kein rein von der Handlung getragener Roman. Wer ein Buch sucht, das einfach nur vorwärts geht, der liegt hier mit Sicherheit falsch. Mir aber hat es in seiner Art gut gefallen. Bei weitem nicht so stark wie die Rabbit-Romane von John Updike, die einfach in einer anderen Liga spielen, wie sie Realität und Zeitgeschichte einfangen, aber doch spannende Unterhaltung der konstruierten Art. Und definitiv kein Liebesroman, dazu ist der Realismus zu groß, der in allen Charakteren die kalkulierenden und rationalisierenden Seiten ausleuchtet, so daß niemand dort ungebrochen sympathisch wirkt, und dazu ist auch zuviel Umweltkrimi eingewoben. Mit den »Korrekturen« kann ich es nicht vergleichen, da ich sie noch nicht kenne.
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am 17. Februar 2010
Eine Serie von leichten bis mittelschweren Beben im Großraum Boston bringt zum Ende der 1990er Jahre hin das Leben einer ganzen Familie in Bewegung.
Der plötzliche Tod der reichen Erbtante infolge eines dieser Beben führt die Familie zunächst aus verschiedenen Teilen der Staaten zusammen, nur um sie dann mit immer größer werdenden Brüchen, sowohl in den Beziehungen zueinander als auch im moralischen Fundament, zu konfrontieren. Die komplizierte Liebe von Louis, dem Sohn bzw. Enkel besagter Familie, zu einer Seismologin führt dann in einem wiederum von Beben begleiteten Showdown zur Aufdeckung eines großen Industriekomplotts und indirekt auch zur Klärung einiger Konflikte innerhalb der Familie, nachdem deren zahlreiche Leichen im Keller entdeckt werden.

Vorher bearbeitet Franzen aber sehr gekonnt noch Themen wie den Aufstieg der U.S.A. auf Kosten der Indianer und der Umwelt, die Fragwürdigkeit fundamentalistischer Ansichten zum Thema Abtreibung sowie die Fragwürdigkeit des kapitalistischen Systems insgesamt ab. Und als Bonus gibt es eine leider zu kurz geratene Waschbärengeschichte.

Was als die offensichtliche, große Parallele der Geschichte etwas aufgesetzt wirkt - die Erdbeben als Entsprechung zu den inneren Verwerfungen in der Familie - wird von Franzens Fabulierlust schnell vergessen gemacht.
In seinem zweiten Buch gibt es zwar noch einige recht offensichtliche Schönheitsfehler - etwa die oben angeführte Parallele oder auch die zum Teil nicht wie üblich lebendige Charakterzeichnung. So bleibt dem Leser etwa Louis, eine der Hauptpersonen, übers gesamte Buch gesehen merkwürdig fremd, während sein Schwager trotz deutlich kürzerer Passagen schnell plastisch wirkt.

Dennoch kann man insgesamt schon einige von Franzens großen Stärken hier versammelt finden - die fast epische Wucht der Entwicklung, die scheinbare Unvermeidlichkeit der Geschehnisse aus psychologischer Sicht und die wieder sehr unterhaltsamen und lehrreichen Exkurse, die für mich die Höhepunkte im zweiten Teil des Buches darstellen.
Auch wenn die Meisterschaft der Korrekturen" hier tatsächlich noch nicht erreicht wurde überragt dieses Buch aus meiner Sicht doch sehr Vieles von dem, was alljährlich auf den Buchmarkt schwappt. Ich kann die Lektüre nur empfehlen!
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am 25. August 2010
Jetzt habe ich es geschafft, mit Mühe, aber doch! Ich schreibe nun keine Inhaltsangabe, steht ohnehin schon - dankenswerter Weise - vielfach da.
Vieles ist schon vorweg genommen, was dann die 'Korrekturen' ausmacht. Genauer Blick, explizite Beschreibungen, ein gewisser Fatalismus, eine große Müdigkeit wegen der Mühe der Figuren, ihren Platz im Leben zu finden. Es war anstrengend und schwer zu lesen, man muss sich das Buch erarbeiten. Ich hatte den Eindruck, es wurde in einer ziemlich deprimierten Stimmung geschrieben. Es sind Passagen von großer Genauigkeit erhalten, psychologisch gesehen, aber es sieht auch nach viel Recherche aus bei den aufgegriffenen Spezialthemen. Das Buch hat mir nicht eigentlich gefallen, aber ich bin trotzdem froh, dass ich es gelesen habe. Literatur muss ja nicht unbedingt gefällig sein, manchmal kommt eine große Schönheit heraus durch das genaue Lesen, einfach durch die Tatsache, dass es Schriftsteller gibt, die so gut schreiben können, dass man zwischen den Zeilen etwas liest, was ja gar nicht da steht. Das ist metaphysisch, das können nur die Besten. Ich sah große Affinität zu Philip Roth in diesem Buch, obwohl Franzen Roth keineswegs imitiert, die Affinität sehe ich mehr seelischer Art. Es sind die Figuren doch sehr neurotisch oft, das ist oft anstrengend zu lesen, aber es lohnt sich. Es werfen sich viele Fragen auf, zum Beispiel welche Freiheiten hat ein Indivduum, welche Bedingungen haben Liebe und Beziehung, überhaupt Franzens immer großes Thema Familienbeziehungen. Dieses Buch hat ein versöhnliches Ende, das war dann eine Art Belohnung für die Treue zu diesem Buch, die Tapferkeit es zu lesen durch die ganzen Wirrnisse hindurch. Ein sehr gutes Buch.
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