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am 10. August 2005
Ich sags gleich raus: Franzen hat mich mit seinen "Korrekturen" gepackt, wie schon seit Jahren kein Autor. Natürlich waren die Erwartungen gegenüber dem Frühwerk etwas geschmälert. Und wer - und davon gehe ich bei den meisten aus - die "Korrekturen" schon intus hat, wird zumindest phasenweise enttäuscht. sein. Gut, die Rahmenhandlung ist fast spannender, fast realistischer, wenngleich etwas weltverschwörerischer. Doch um die Story geht es nicht, es geht um die Darstellung der Charaktere und natürlich um die detailverliebten Darstellungen, die manchen Lesern ja auch langatmig vorkommen können. Mag der Autor hier noch nicht so perfekt gewesensein, wie später bei den Korrekturen, so liegt vielleicht gerade darin die Faszination. Mal ähnelt die Detailtreue den Korrekturen, mal ist sie weit schwächer ausgeprägt. Das ist nicht unspannend.
Aber: Die beiden Hauptcharaktere werden brilliant dargestellt, und zumindest ich habe - obwohl von Alter und Sozialistion doch eher den Korrekturen-Helden mehr zugetan - beim Lesen nicht absetzen können, wurde vom Autor noch mehr gepackt als bei den Korrekturen, zumindest phasenweise.
Natürlich ist das alles subjektiv: Schon auf den ersten Seiten fand ich "Schweres Beben" zumindest gut, dann begann eine Phase, in der mir das an "Korrekturen" erinnernde Strickmuster langweilig wurde - aber nur kurz, dann war ich drinnen und wollte immer nur mehr, mehr und mehr - so wie seinerzeit schon bei den Korrekturen, nur war diesmal meine Gier noch unbändiger.
Ich weiß nicht, ob man "Schweres Beben" nicht besser vor "Korrekturen" lesen sollte, aber auf alle Fälle ist es neben seinem Hauptwerk das empfehelenswerteste Buch von Franzen - und wie gesagt, mich hat es unglaublich gepackt.
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VINE-PRODUKTTESTERam 2. September 2007
"Schwere Beben" entstand 1992 und weist stilistisch bereits den Weg zum Nachfolger "Die Korrekturen". Wieder wird das Innenleben einer Familie, der Familie Holland, akribisch seziert. Wieder wechselt Franzen innerhalb des Romanes die Perspektive und zerlegt den Roman dafür in vier Teile, chronologisch geordnet und doch subtil mit Rückblenden angereichert, die dem Leser zum rechten Zeitpunkt das eben Nötige enthüllen. Doch Franzen wäre nicht Franzen, würde er es sich und uns so einfach machen, denn jeder Teil des Romanes beinhaltet subtile Perspektivwechsel, als wolle er damit unterstreichen, dass im Leben nichts so ist, wie es scheint, dass alles in Bewegung ist: die weiten Passagen, die im wesentlichen und sehr akribisch Louis Holland begleiten, enfant terrible der Familie und überhaupt nicht zufrieden damit, dass seine Mutter dank einer Erbschaft jetzt Millionärin ist und sich augenblicklich daran macht, das Geld auszugeben; jene Passagen, am Anfang und am Ende des Romanes, legen den Fokus zunächst und sehr kurz auf seine schnöselige Schwester Eileen. An dem Punkt, an dem sich Louis von seiner Freundin Renee Seitchek trennt, im Mittelteil, wechselt Franzen die Perspektive und übergibt den Stab an Renee, die die Geschichte durch ihre geradezu detektivische Arbeit nunmehr vorantreibt, und doch beginnt er diesen zweiten Teil zunächst mit einer eingehenden Skizzierung ihres Studienkollegen Howard Chung. In dem Moment jedoch, in dem ein Anschlag auf sie verübt wird, wechselt er zurück zu Louis, der gerade im Haus seines Vaters Bob ankommt, um sehr schnell und unvermittelt auf diesen überzuspringen und ihm und seinen Erinnerungen Raum zu geben, die einiges von den Hintergründen der Geschichte zu enthüllen haben.
Und Franzen wäre nicht Franzen, wenn sich der Titel (im Original "Strong Motion") nur auf die Erdbeben-Serie bezöge, die den Großraum Boston heimsucht und als erstes Louis' exzentrische Großmutter zum Opfer hat. Denn damit, genauer mit ihrem bereits erwähnten Erbe, beginnen die Probleme, brechen alte Konflikte auf und entstehen neue Kontakte.
"Seit acht Jahren versuche ich, meinen Sender politikfrei zu machen", erklärt der Exilrusse Bressler Louis Holland, der als Techniker in seiner Radiostation arbeitet. "Es ist mein amerikanischer Traum - ein Sender, in dem den ganzen Tag geredet wird (keine Musik, das wäre ge-mo-gelt!), ohne dass EIN Wort über Politik fällt. Ein Radio, das den ganzen Tag Wortbeiträge bringt und keine Ideologie. Reden wir über Kunst, Philosophie, Humor, das Leben. Reden wir darüber, was es heißt, ein Mensch zu sein. Und je näher ich meinem Ziel komme - man kann es in Grafik zeigen, Louis -, je näher ich meinem Ziel komme, desto weniger Leute chören mir zu!"
So wie die Vision von Louis' Chef scheitern muss, weil Politik zu dem gehört und sich einmischt in das, was es heißt, ein Mensch zu sein, so drängt das Große und Ganze quasi als Beweis auch in das Leben der Familie Holland und stellt sie vor eine Zerreißprobe.
Und so ist auch dieser Roman das Psychogramm einer Familie und gleichzeitig das eines ganzen Landes, einer ganzen Gesellschaft. Denn je mehr Louis' Freundin Renee, die engagierte Seismologin, sich mit den Ursachen der Erdbebenserie um Boston beschäftigt, um so mehr gerät sie in einen Umweltskandal, der ein bezeichnendes Licht auf die amerikanische Wirtschaft wirft und darauf, dass - wir ahnten es - die Moral vor der Tür zu bleiben hat, wenn es ums ganz große Geld geht. Ein Konflikt, der wiederum in die Familie Holland hineingetragen wird, denn hinter den ganzen Vorgängen steckt ausgerechnet der Chemiekonzern Sweeting-Aldren, dessen Großaktionärin Louis' Mutter durch das Antreten ihrer Erbschaft plötzlich ist. Und so verwebt Franzen die Wege all seiner Protagonisten kunstvoll und leichthändig und erweist sich einmal mehr als ein Robert Altman der Literatur.
Franzen macht schon bei diesem Roman alles richtig: die Sprache ist ausgefeilt (und gut übersetzt), die Geschichte melancholisch und humorvoll zugleich und der Plot an den richtigen Stellen gebrochen. "Schwere Beben" bietet somit 685 anregende Seiten mit hervorragender amerikanischer Literatur.
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am 10. Dezember 2005
Melanie, frisch gebackene Alleinerbin eines Multi-Millionen-Erbes, wird ihres neuen Lebens nicht froh: ihre Tochter heult sich die Augen aus, weil sie ihr vom Vermögen nichts abgibt. Ihr hochintelligenter, aber in ihren Augen missratener Sohn Louis, dessen einziges Manko das Fehlen jeglichen Interesses an Konsumgütern ist, verachtet sie wegen ihrer Egozentrik und ihres Geizes und ihr Ehemann bekifft sich lieber, statt mit ihr zu reden – geschweige denn andere Dinge gemeinsam zu tun. Genüsslich seziert Franzen in seinem Roman „Schweres Beben“ die amerikanische Familie und den American-Way-of-Life ohne jedoch ein hoffnungsloses Bild der amerikanischen Jugend zu präsentieren.
Wie ein Domino-Effekt setzt ein Erdbeben eine Kette von Ereignissen in Kraft, deren Zusammenhang anfangs nicht offensichtlich ist. Das „Schwere Beben“, so der Titel des Romans, haut Louis volltrunkene Großmutter dergestalt von den Beinen, dass sie an den Folgen stirbt. Die Freude über das 22 Millionen Dollar schwere Vermächtnis tröstet Melanie, Louis Mutter und Allein-Erbin, schnell über den Verlust der ohnehin unbeliebten Verwandten hinweg. Doch ans Teilen denkt die egozentrische Mutter nicht. Weder Louis, einer Mischung aus Bill Gates und Woody Allen, noch ihrer Tochter Eileen, Abziehbild von Cameron Diaz, will sie einen Cent abgeben.
Zufällig lernt Louis die Seismologin Renee kennen, die die Ursachen der Beben erforscht. Diese findet bei ihren Recherchen zu den merkwürdigen Erdbeben ein Gutachten des Chemiekonzerns Sweeting-Aldren aus dem hervorgeht, dass dieser Konzern seit über 20 Jahren illegal giftige Abwässer in unterirdisch angelegte Reservoirs entsorgt. Diese brisante Entdeckung bringt die beiden in Lebensgefahr und sie haben ihre Liebe Not, unbeschadet zu entkommen. Apropos Liebe: natürlich verlieben sich die Beiden ineinander, streiten, verlassen und versöhnen sich wieder bis zum Tränen treibenden Happy End. Doch Franzen beschränkt sich nicht auf die Elemente des Kriminal- und Liebesromans. Durch viele größere und kleinere Episoden flichtt er geschickt gesellschaftskritische Töne in den Plot. So prangert er die Macht der Fernsehprediger genau so an wie die bigotte Moral der Amerikaner. Er scheut sich auch nicht vor Kritik an der überbordenden Reagan-Administration oder an der Profitgier Multi-nationaler Konzerne.
Das dieses Mammutwerk weder langatmig noch überfrachtet wirkt, verdankt man dem Umstand, dass es sich hier um eine brillant verfasste „autorisierte Lesefassung“ handelt, die die manchmal bemängelten Längen der Buchausgabe vermeidet, ohne dabei selbst kleinste Details unter den Tisch fallen zu lassen. Franzens ganz besondere Kunst liegt in der Ausgestaltung seiner Dialoge. Als Beispiel empfehle ich hier auf der zweiten CD den dritten Track. Unglaubliche 8 Minuten braucht die völlig entnervte Melanie, um Louis dazu zu bringen, sie nicht mehr zu dem ererbten Vermögen zu befragen. Diese intensive, ironische, überzeichnende und witzige Grundhaltung durch zieht den gesamten Roman.
Dass dem Hörer auch ja nicht die kleinste Anspielung verloren geht, dafür sorgt Gerd Wameling mit seinem ausgeklügelten Vortrag. Gerade die Szenen, in denen sich Louis Mutter Melanie, dem gespielten Nervenzusammenbruch nahe, theatralisch Verzweiflung mimend, in Selbstmitleid ergeht, sind einfach großartig und wahnsinnig witzig. Dabei gelingt es dem Sprecher spielend, den Hörer über die gesamte Laufzeit an den Kopfhörer zu fesseln. Seine prägnante, jedoch nie unangenehme Stimme geht auch bei Bahnhofsansagen nicht in die Knie sondern setzt sich im Ohr des Hörers fest. Das Hörbuch wird in einer stabilen Schmuckbox geliefert, dem ein informatives Booklet beiliegt. Einziger, und wirklich winzigster Kritikpunkt ist das fehlende Namens- und Ortsregister, das den Hörgenuss noch vervollständigen würde, welcher jedoch bisher kein einziger Hörverlag mitliefert.
Fazit: Nicht nur die Erde, sondern auch das Zwerchfell zittert bei diesem Hörbuch. Franzen ist ein begnadeter Erzähler, dem man eventuelle Längen gerne verzeiht und sich an seiner Detailfülle und genauen Recherche ergötzt. Ein positivistischer Roman, ein Spiegel der Gesellschaft, ein Liebesroman und ein Öko-Thriller – all diese Komponenten vereint Franzen ohne sich dabei in Klischees oder Kitsch zu verlieren. Dieser Roman wärmt mehr als ein Kaminfeuer.
(C) Wolfgang Haan
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"Schweres Beben" - der Titel lässt schon einiges erahnen.

Man kann ihn in unterschiedlicher Weise interpretieren. Zum einen geht es in diesem Roman ganz konkret um Erdbeben: immer wieder finden Erdbeben statt und treiben die Handlung voran. Aber sie sind auch eine Metapher für zwischenmenschliche Beziehungen.

Im Großen und Ganzen geht es in diesem Roman um Konsumgier, Wirtschaftskriminalität, Umweltschutz, Abtreibung, Religion, Liebe und persönliche Verantwortung.

Aber es dauert ein paar Seiten, bis die Handlung dynamisch und spannend wird, denn Jonathan Franzen geht nicht nur auf viele Themen ein, sondern auch auf Nebensächlichkeiten und Biografien von Randfiguren.

Man liest auf fast 700 Seiten nicht nur einen Roman, vielmehr hat man den Eindruck, zwischen mehreren Romanen zu zappen, einem Kriminal-, einem Familien-, einem Liebes-, einem Entwicklungs- und einem Campusroman; sie sind miteinander verknüpft:

Der Krimi beginnt damit, dass die Seismologin Renée Seitchek eine schockierende Entdeckung macht: die Erdbeben sind größtenteils auf kriminelle Machenschaften eines Chemieunternehmens zurückzuführen.

Der Familienroman wiederum zeigt eine Familie, die auseinander driftet. Mutter und Tochter sind gesellschaftlich angepasste Egoistinnen, die ihre materiellen Interessen wahrzunehmen wissen. Vater und Sohn zeichnen sich durch Nonkonformismus und Gleichgültigkeit gegenüber finanziellen Belangen aus. Gezeichnet ist ein Konflikt zwischen Sohn und Mutter. Diese erbt einen Teil der Aktien des kriminellen Chemieunternehmens, und so wird die Brücke zwischen Familienroman und Kriminalroman geschlagen.

Der Sohn Louis liebt Renée, was zum Liebesroman hinüberleitet.

Der Entwicklungsroman führt vor, wie aus dem unentschlossenen, teilweise aggressiven Einzelgänger Louis, ein milder und versöhnlicher Mensch wird, der sich in die Gesellschaft zu integrieren beginnt.

Bleibt als letztes der Campusroman, welcher in einem geologischen Institut der Harvard-Universität, besonders in dem dortigen Computerraum, spielt, wo Nachwuchswissenschaftler nicht gerade einträchtig ihren Forschungen nachgehen.

Trotzdem hat der Roman ein durchgehendes Thema, die Umweltzerstörung. Auch im unsensationellen Alltag wird der Blick immer wieder darauf gelenkt, wie sehr die Abfälle der Industriegesellschaft die Welt verschandeln. Aufzählungen von weggeworfenen hässlichen Gegenständen durchziehen den Text.

Keineswegs erschwerend war für mich, dass Franzen oftmals unangekündigt in der Zeit hin- und her springt (dies ist eine "Eigenheit", die ich schon in den "Korrekturen" faszinierend fand). Es könnte natürlich für den ein oder anderen Leser eine echte Herausforderung werden, an jeder Stelle den Überblick über die Zeit zu behalten, in der die momentane Handlung spielt.

Franzen punktet wieder deutlich im sprachlichen Bereich. Lange Schachtelsätze, die sich teilweise über ganze Absätze ziehen, sind keine Seltenheit, doch sind sie stets so formuliert, dass man beim Lesen nie den Überblick verliert. "Schweres Beben" ist wunderbar zu lesen und macht auch auf sprachlicher Ebene einfach Spaß.

Fazit:

Ein Gesellschaftsbild zu zeichnen anhand einer Familiensaga - das ist Franzens hohe Kunst.

Thematisch hat Franzen sein Buch ziemlich vollgepackt, oftmals schweift er in seiner Erzählung ab und verlangt von seinen Lesern dadurch einen langen Atem. Inhaltlich ist "Schweres Beben" durchaus interessant und auch hochaktuell, ein spannender und tiefsinniger Roman, der den Leser in die Abgründe der amerikanischen Gesellschaft entführt.

Das Buch hat einen unwiderstehlichen Humor zwischen ironisch und giftig. Franzen erzählt in grandios unerbittlichen Dialogen und verwebt virtuos Charaktere, private Beziehungen und soziales und politisch-wirtschaftliches Geschehen ineinander.

"Schweres Beben" ist moralisch und zynisch, heftig und sanft, komisch und traurig zugleich, ein bunter, lauter, leidenschaftlicher, wütender, manchmal aber auch romantischer Roman.

Wer "Die Korrekturen" gern gelesen hat, dürfte "Schweres Beben" nicht reizlos finden. Es enthält bereits einige Charaktere und Konstellationen, die in "Korrekturen" aufgegriffen und variiert werden. und wer einen Liebes-, Familien-, Gesellschafts- und Katastrophenroman in einem vollgepackten Paket ertragen kann, der ist bei "Schweres Beben" an der richtigen Adresse.

Anmerkungen zum Hörbuch:

Auch der Hörbuchliebhaber kann sich entspannt zurücklehnen, denn man hat eine sorgsam gekürzte Lesung im CD-Player, die alle Handlungsstränge enthält und nur die vereinzelt bemängelten Längen präzise ausräumt. Die Handlung wird so geschickt verdichtet, dass man tatsächlich nichts vermisst.

Den unverwechselbaren "Franzen-Ton" vermag Gerd Wameling präzise zu treffen und vermittelt dem Hörer somit die gesamte im Text schlummernde Emotionswelt. Er hat ein unglaublich wandlungsfähige Stimme und macht dadurch die Lesung - ohne Musik und Geräusche - recht abwechslungsreich. Er individualisiert jeden Protagonisten und brilliert bei der Herausarbeitung versteckter Pointen. Sehr lustig ist Louis' Chef beim Radiosender, ein eingewanderter Russe. Folglich verleiht ihm Wameling einen russischen Zungenschlag, der allerdings schon einen gehörigen amerikanischen Einschlag beim gerollten R anklingen lässt. Auch das Tempo versteht er einfühlsam zu regulieren, so dass der Hörer mitbekommt, wann eine Rückblende beginnt. Und in zärtlichen Szenen wie zwischen Renee und Louis ist er unschlagbar in seiner feinfühligen Darstellung. Ein echter Pluspunkt. Da kann man schon mal über seine Charleys-Tante-Stimme für bestimmte Frauenfiguren hinwegsehen ;-)

Das Booklet bietet Informationen zu Autor, Sprecher und Produktion.
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am 18. Mai 2006
Dieses Werk mag vielleicht nicht ganz so virtuos sein wie "Die Korrekturen", jedoch ist "Schweres Beben" nicht weniger ein Beweis für den Scharfsinn und makellose Aufmerksamkeit die Jonathan Franzen seinen Büchern widmet. Franzen erschafft so reale Situationen, Figuren und Gefühle, kreiert so scharf beobachtete Dialoge (eine Spezialität des Autors), dass es manchmal schon fast weh tut; er ist großer Meister darin verschiedene Plots brilliant miteinander verschmelzen zu lassen und -niemals- kitschig zu werden, egal was er macht.

Ich musste dieses Buch nach dem ersten Mal sofort ein zweites mal lesen, genau wie bei "Die Korrekturen".

Grandios
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am 9. Januar 2009
Ich habe alle Bücher (die auf Deutsch verfügbar sind) von Jonathan Franzen gelesen, aber dieses übertrifft alle! Obwohl "Die Korrekturen" als sein bestes Buch gehandelt wird, hat mich dieser Roman weit mehr mitgenommen und mitgerissen! Vielleicht liegt es daran dass ich mich mit der Protaginistin irgendwie identifizieren kann, vielleicht liegt es an den sehr gut recherchierten Hintergundgeschichten (Umweltverschmutzung, Seismologie), jedenfalls kann ich dieses Buch nur weiterempfehlen! Spannend und interessant und zum "Dazulernen"!
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am 4. Oktober 2005
Franzen packt in sein Buch ein ganzes Spektrum von Gegenwartsproblemen, nicht nur der USA und ganz und gar nicht "veraltet", bloß weil die Erstveröffentlichung mehr als 10 Jahre zurückliegt. Die Probleme mit Umweltverschmutzung und Streit um Abtreibung sind zäh genug um Jahrzehnte zu überdauern.
Und immer aktuell sind die Probleme der Protagonisten Louis und Renee mit sich selbst, mit einander und mit ihrem illustren Verwandten- und Freundeskreis, den Franzen mit viel Einfühlungsvermögen und (nie langweiliger)Akribie schildert.
Der Plot ist eigentlich einfach - und aus US-Katastrophenfilmen wohl bekannt: Chemiekonzern vergiftet die Umwelt (durch unerlaubte Entsorgung in kilometertiefen Erdschichten), junge Wissenschaftlerin kriegt das raus und wird bei einem Attentat schwer verletzt.
Aber alles was Franzen drumherum erzählt macht den Roman erst lesenswert und dafür könnte er ruhig noch 200 Seiten dicker sein.
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Dieser Roman ist der zweite im Schaffen Jonathan Franzens und es ist, so meine ich, nicht der schlechteste aus der Reihe amrikanischer zeitgenössischer Autoren.
Wenn man sich wie jemand, der noch nichts von diesem Autor gelesen hat, in dieses Werk vertieft, so wird mit einem Schlag klar, daß hier ein sehr großes Talent schreibt.
In ungleich selbstsicherer Art und Weise sich in die Seelen der einzelnen Personen zu vertiefen und dennoch das, was wir Humor oder gar Komik der Situationen nennen, nicht zu unterschätzen, das nenne ich z.B. große Kunst.
Hier in "Schweres Beben" wird die Familie der Hollands so haargenau beschrieben, daß man sie sich wirklich fast einverleibt.
Louis, der Protagonist ist dabei auf Augenhöhe des Autors gehoben, wird jedoch auch
immer wieder sehr dfifferenziert betrachtet.
Seine Schwester Eileen gibt das perfekte selbstsüchtige sichere Persönchen her, das man wohl heute in so mancher Familie wiederfindet und Vater und Mutter sind ebenfalls sehr getroffen wiedergegeben.
Da stirbt plötzlich die Großmutter und es ist nicht mehr wie früher.
Nachdem sich herausstellt, daß auch in der gleichen Zeit ein leises Erdbeben stattgefunden hat und eine Erbschaft angetreten werden soll, verweben sich die Realitäten derart, daß ein vielsträngiger Roman mit unglaublichen realen und schönen wie erstaunlichen Geschehnissen sich vor den geistigen Augen der Leser ausbreitet. Mittelpunkt des Geschehens (und Höhepunkt) ist dann die sich anbahnende großartige Liebesgeschichte zwischen Louis und der jungen Seismologin Renee Seitchek.
Wer feststellt, daß in den USA die großen zeitgenössischen Romane wie die von Morrison, DeLilo oder Pynchon ("Länderbericht USA" 2004) vielleicht nicht so wahrgenommen werden wie es nötig wäre und daher lieber Auster oder Franzen lesen, sagt das wohl nicht ohne Grund.
Jonathan Franzen aber ist einer, der es uns genau zeigt, wie wir sind und zu welchen komischen wie menschlichen Zügen wir fähig sind, die große Liebe natürlich eingechlossen.
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am 16. Dezember 2006
Ein spannendes Buch. Vor zwei Monaten gelesen - und aktuell passiert exakt das Beschriebene in Basel. Unheimlich. Selbst die aktuell Verantwortlichen schleichen sich exakt wie im Buch beschrieben aus der Verantwortung. Siehe [...]
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am 17. November 2005
Nachdem ich nach "Die Korrekturen" und "Die 27ste Stadt" nun auch noch "Schweres Beben" gelesen habe, weiß ich es mit Sicherheit:
Franzen HAT das alles extra für mich geschrieben!
Ich werde mit Sicherheit alle drei Bücher mindestens noch ein zweites Mal lesen und zwar in der Reihenfolge, wie sie geschrieben wurden.
Ganz einfach, weil Franzen so wunderschöne Sachen schreiben kann.
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