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Kundenrezensionen

4,1 von 5 Sternen
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am 4. Dezember 2012
Was ist es, was den Menschen zum Menschen macht? Diese philosophische Frage stellt sich David Mitchell und sucht in seinem fantasievollen Roman eine literarische Antwort. Am Beispiel von sechs Schicksalen aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft schildert er, wie sich die Idee wahrer Menschlichkeit wie ein Funke durch die Jahrhunderte trägt, immer wieder aufflackert, nie ganz erlischt. Mitchell erzählt beispielhaft, worin sich Menschlichkeit zeigt. Seine Helden müssen sich in ganz verschiedenen Situationen gegen Gewalt, Herrschsucht und Unbarmherzigkeit stellen, müssen sich als Menschen behaupten. Und wenn die Macht zur Übermacht wird, bleibt Ihnen manchmal nur die Flucht oder der Tod, um den kostbaren Funken zu bewahren.

Das poetische Bild vom Wolkenatlas löst beim Leser sofort Assoziationen aus: ein blauer Himmel, vor dem sich Wolkenberge türmen, mal sanft segelnd, dann wieder auseinander strebend, sich überlappend oder gar einander verschlingend. Wie ein Patchwork-Teppich mutet das an. Genauso hat David Mitchell seine Geschichten aufgebaut: zwar ist jeder Handlungsstrang in sich abgeschlossen, jedoch tauchen immer wieder Verweise auf die anderen Geschichten auf. Das vernetzt den Roman in sich, versinnbildlicht aber auch, dass unser Heute etwas mit dem Gestern und dem Morgen zu tun hat.

Das Patchwork-Prinzip findet sich auch als stilistisches Mittel des Romans: Da steht der bürgerliche Bildungsroman in Form eines Reisetagebuchs neben der klassischen Liebestragödie in Briefen, der spannende Umweltkrimi neben der aberwitzigen Pensionärskomödie, die technokratische Sciencefiction-Vision neben dem apokalyptischen Endzeitdrama. Mitchell schreckt auch nicht davor zurück, die Orthographie eines Textes der Sprache seines Helden anzugleichen. Das liest sich anfangs ungewöhnlich, ist aber wirkungsvoll. Ein weiterer dramaturgischer Einfall ist der Aufbau des Buches. Die Mehrzahl der Geschichten wird in zwei Teilen erzählt, was dem Leser ermöglicht, Motive der anderen Geschichten in der laufenden Erzählung zu entdecken und das Mit-einander-verwoben-sein der Schicksale zu erkennen.

Man kann darüber streiten, ob die Seelenverwandtschaft der Helden durch ein gemeinsames Mal hätte symbolisiert werden müssen, welches einen Eindruck von Reinkarnation vermittelt. Bemerkenswert dagegen ist, dass bei Mitchell nicht nur integre Charaktere zu Trägern der Menschlichkeit auserkoren sind. Jedem Mitglied unserer Gattung kommt die Aufgabe zu, das Wesen des Menschseins zu behaupten. Wohin die Menschheit abdriften könnte, wenn sie sich zur Schöpferspezies erhebt, zeigt Mitchell in seinen Zukunftsschilderungen. Aber auch dort bleibt noch ein Hoffnungsschimmer, solange sich Menschen noch einen Funken Humanität bewahren.
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am 6. Februar 2013
Was lesen Sie am liebsten? Seefahrergeschichten? Historische Romane? Krimis? Humorvolle Gegenwartsliteratur? Düstere Dystopie? Oder sogar Fantasy, die darüber hinausgeht? Was wäre, wenn es ein Buch gäbe, das den Versuch unternehmen würde, all diese - uns zu Genüge bekannten - Genres des Literaturbetriebs miteinander zu verweben?

David Mitchell unternimmt genau diesen Versuch, indem er sechs scheinbare Einzelschicksale über einen Zeitraum von mehreren hundert Jahren miteinander verknüpft: Das Tagebuch eines Schiffsreisenden, die Briefe eines jungen, verlorenen Komponisten an einen Freund, die Geschichte einer Journalistin, verfasst im Stile eines Kriminalromans, die amüsante Odyssee eines in die Jahre gekommenen Verlegers, der auf der Flucht, unabsichtlich in die Fänge einer Vorhölle von Altenheim gerät, das Verhörprotokoll eines rebellierenden Klonmädchens und eine Lagerfeuererzählung aus einer martialischen, postapokalyptischen Welt. Das klingt verrückt und zusammenhangslos? Das ist es keineswegs. Eine Verbindung besteht immer. Sechs Geschichten: jede anders geschrieben, jede auf ihre Weise mitreißend, jede miteinander verbunden.

"Der Wolkenatlas" ist nur auf den ersten Blick eine esoterische Fantasterei über Reinkarnationen und Seelenwanderung. Dahinter steckt viel mehr: Mit sprachlicher Finesse, Witz und reichlich Tiefgang gelingt es Mitchell nicht nur, ein realistisches Portrait der jeweiligen Epoche abzuliefern, spannende Geschichten zu erzählen und den Leser schlicht weg gut zu unterhalten, sondern auch, einen ethischen Diskurs über das Wesen des Menschen anzustimmen; über Macht und Unterdrückung, Nächstenliebe und darüber, was es heißt, Entscheidungen zu treffen.

Ein großartiges, ein kluges Buch, das den Leser im Sturm erobert, wenn er sich denn darauf einlassen möchte, und anschließend völlig erschöpft zurücklässt, schließlich hat man doch irgendwie das Gefühl, sechs Romane in einem gelesen zu haben. Die Qualität der deutschen Übersetzung ist ebenfalls hervorzuheben: Jede Zeit hat ihre eigene Sprache; ihre eigene Schreibung und ihren eigenen Stil.

Ob die, im November in die deutschen Kinos kommende, Verfilmung des "Wolkenatlas" diesem Dampfhammer eines Romans gerecht werden kann, bleibt sicherlich abzuwarten. Das Lesen lohnt sich jedoch allemal - egal in welchem Genre man eigentlich beheimatet zu sein glaubt.
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am 1. März 2013
Von David Mitchells großartigen Roman hörte ich zugegebenermaßen erst, als bereits die Verfilmung ihren Kinostart feierte. Und ehrlich gesagt hätte ich weder den Trailer zum Film angeschaut, als auch das Buch gelesen, wäre ich nicht zu einer Kinovorstellung von “Cloud Atlas” eingeladen worden. Da ich es nicht mag, eine Literaturverfilmung anzuschauen ohne das Buch zu kennen, kaufte ich mir kurzerhand “Der Wolkenatlas” und begann zu lesen. Zwar schaffte ich es nicht vor dem Film, aber die ersten Geschichten im Roman konnten mich bereits überzeugen – und auch nach der Verfilmung verlor der Roman keinesfalls mein Interesse.

Sechs verschiedene Geschichten, Schreibstile, Epochen erzählen von den Leben und Schicksal sechs verschiedener Menschen. Da ist das Expeditionstagebuch von Adam Ewing, die Briefe des jungen Komponisten Robert Frobisher an seinen lieben Freund Rufus Sixsmith. Die Journalistin Luisa Rey, die auf einer Party auf den alten Rufus Sixsmith trifft und von ihm etwas erfährt, das ihre Neugier weckt. Der ein wenig kuriose Verleger, Timothy Cavendish, der von seinem Bruder in ein Altenheim gesperrt wird. Eine leider sehr realistische Version einer möglichen Zukunft, von der eine genomierte Duplikantin erzählt. Und schließlich eine noch erschreckendere Geschichte von dem jungen Zachry, der in einer Welt lebt, in dem unsere jetzige Welt verschwunden ist und die Menschheit wieder zu ihren Ursprüngen zurückkehrt.

Auf den Inhalt möchte ich nicht näher eingehen – ich kann nur jedem Einzelnen ans Herz legen, diesen einzigartigen Roman selbst zu lesen. Im ersten Teil werden abwechselnd die sechs Geschichten bis zur Hälfte erzählt – geordnet nach der Jahreszahl, in der sie spielen – bis auf die letzte Geschichte. Diese wird in einem Zug erzählt und bildet den Wendepunkt des Ganzen. Hinter jedem Satz steckt – leider – sehr viel Wahres dahinter und ich denke, man wird nicht alles beim ersten Lesen verstehen. Doch nach der sechsten, vollständig erzählten Geschichte, werden in umgekehrter Reihenfolge nun die restlichen Geschichten und Schicksale dieser Menschen zu Ende erzählt. Es ist faszinierend, wie sich eine Geschichte in die andere fügt. Sowohl im ersten als auch im zweiten Teil. Die Aussage dahinter ist simpel: die Schicksale wiederholen sich und jede unserer Handlungen bestimmt unsere als auch die Zukunft unserer Kinder und Mitmenschen.

Die verschiedenen Schreibstile mögen den ein oder anderen Leser verwirren, mir hat diese Abwechslung sehr gut gefallen. Es steigert die Spannung und vor allem aber zeigt es sehr deutlich die Unterschiede – spielt jede Geschichte schließlich zu einer anderen Zeit. Da ist es natürlich, dass das Expeditionstagebuch eine altertümlichere Sprache trägt, als die Briefe im Jahr 1931.

Was kann man hier noch mehr sagen? Nichts. Ich lege “Der Wolkenatlas” jedem ans Herz, es sollte jeder gelesen haben, ob man lieber Fantasy, Jugendbücher, Krimis oder doch nur Biografien liest. Meiner Meinung nach ist dieser Roman absolut zeit- und genrelos und David Mitchell hat unfassbar großartige Arbeit geleistet. Sehr viele, kaum wahrnehmbare Kleinigkeiten sind in die einzelnen Geschichten verwoben, einige Anspielungen und noch mehr, was eine sehr präzise Arbeit und eine genaue Wahrnehmung des Lesers erfordert. Aber es lohnt sich, jedes einzelne Wort zu lesen. Und da die Verfilmung zum jetzigen Zeitpunkt läuft ist meine Empfehlung: den Roman zu lesen, wenn im Hintergrund der Soundtrack der Verfilmung läuft. Wem der Film gefallen hat: Buchvorlage bitte auch lesen!
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am 19. Mai 2015
Die negativen Rezessionen haben mich anfangs, nun ja, sehr abgeschreckt.
Irgendwas von Rechtshreibfähler und langweilig...
Von wegen. Die Epochen sind in möglichen Schreibstilen verfasst, was es sehr autenthisch macht.
Man muss die Idee des Buches verstehen, damit das Lesen freude bereitet.

Für mich, eines der besten Bücher seit langem.
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TOP 500 REZENSENTam 20. August 2012
Schon lange eigentlich, wollte ich etwas von David Mitchell lesen, dass nun dieser Roman wohl in die Verfilmung geht, war wohl für mich der letzte Auslöser den es brauchte, um sich an die 668 (!) Seiten heran zu wagen. Mitchell blättert hier in verschiedenen Etappen verschiedene Geschichten auf, die nach meinem Dafürhalten viel zu weitläufig und auch zu komplex sind, nicht zuletzt dadurch, dass jede Erzählung nur zur Hälfte erzählt wird bis man in der Mitte des Buches anlangt und dann gehts wie in die zweite Runde, wo jede begonnene erzählte Hälfte nach und nach wie im Rückwärtsgang fertig erzählt wird.

Der Autor verlangt dem Leser einiges an Durchhaltevermögen ab, wirkliche Identifikationsfiguren hat es hier eigentlich nicht, mitunter las ich teilweise wirklich grauenhafte Passagen, die Unverständnis bei mir generierten und ich den Verdacht nicht los werde, ob sich hier Mitchell nicht ein wenig verzettelt hat...? Ich konnte weder Begeisterung, noch einen Lesesog bei mir feststellen, eine beizeiten zähe Lektüre ohne grosse Spannung, fadem Auslauf, einzig die Story um die Journalistin Luisa Rey wars dann noch, das mich bei der Stange gehalten hat, ansonsten kann ich wirklich KEINE der hier aufgeführten 5*Rezensionen auch nur annähernd nachvollziehen...

Das Erzählen von verschiedenen Erzählstilen mag in gewisser Weise seinen Reiz haben, hat aber auch die Tendenz auszulaufen und sich irgendwie abzunützen, was man anfangs noch genial empfand, mündet manches mal immer mehr in eine monotone Tonart, die einen nicht wirklich befriedigt. Man muss dann schon sehr genau nach jenen Krümeln suchen, wo oder was denn die Geschichten miteinander zu tun haben sollen. Irgendwie verflacht das Ganze spätestens hier, für mich ist dieser Roman trotz Bestellerstatus und Preisen eine echte Enttäuschung, leider. Dieser Roman ist in solch einer überdimensionierten Weitläufigkeit angelegt, dass man sich wirklich fragt, um was gehts hier eigentlich bitte schön? Gehts um die Wirtschaftskriminalität in punkto Atomenergie? Geht es um Waffentaugliches Uran? (Um den Wahn um Macht noch mehr zu vergrössern?) Geht es um den Wahn, auf andere Menschen oder geklonte Kreaturen Macht auszuüben? Geht es darum darzustellen, wie gegen die Willen anderer gehandelt wird?

Und was soll dieser ganze Quatsch mit Reinblütlern, Seife die getrunken wird, wir lesen von Frischlingen und Duplikanten, geht es darum eine Zukunftsvision zu skizzieren, wir (geklonte) "Menschen" nach unseren Vorstellungen für uns gefügig und unseren Vorstellungen gemäss formen und dirigieren können? Welch eine grauenhaft unverständliche Horror-Zukunftsvision???!!! Spätestens hier (S.259) wo geklonte Kreaturen Barcode-Chips implantiert bekommen, oder Seelen implantiert werden, beginnt mich dieses Buch regelrecht anzuwidern! Der Leser wird also in eine Zeitreise hinein katapultiert vom 19. Jahrhundert bis weit unser jetziges Zeitalter hinaus. Ein Autor der mit Wort und Sprachkreationen aufwartet und vielleicht damit den Leser bei der Aufmerksamkeit hält. Ein Roman, bei dem man Gefahr läuft sich zu verlaufen, man weder Lesegenuss und eine wirkliche literarische Bereicherung orten kann...In Slooshas Crossing (319) finde man die Sprache zwar urkomisch, nur ...verlor ich immer mehr den Zusammenhang, hee, um was gehts jetzt genau?

Duplikantenhalsbänder, Seelenimplantatoren, 3D-Stimmen, Untermenschen, Vollstrecker, Oratoren, Fünfter Katechismus, Bluttank, verstrahlter Regen, zum Lächeln genomiert, Entsternung, implantierte Barcodes, untote Seelen und DNA-Schnüffler, nein danke! (Aus Sonmis Oratio entnommen)

Zitat: "Im Reich der Jugend haust so manche untote Seele." (513)

Vielleicht haben wir es ja hier mit einem untoten Roman zu tun, wer weiss...
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am 23. November 2012
Erzählstruktur, Stil und Detailfreude sind so fabelhaft kombiniert, dass es eine Freude ist, das Buch zu lesen und es hat mich gefesselt.
Ich habe mir anschließend auch den Film angesehen und glaube ohne das Buch zu kennen, wäre ich - zu mindestens bis zum 1. Drittel - recht verwirrt gewesen.
So werde ich das Buch noch einmal genießen und Feinheiten entdecken.
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am 4. September 2016
Das Buch-überspannende Thema findet sich in den Bereichen Wiedergeburt, Schicksal, Zukunft, Macht, Gewalt, Flucht, Liebe - eben den großen Fragen der Menschheit. Mitchell setzt sich ein hohes Ziel, all diese Themen in einem Buch adäquat zu vereinen, und erreicht es im Endeffekt nicht ganz. Denn es ist ein wiederkehrender Blick auf das leider immer gleiche Böse im Menschen, das den Überbau prägt.
Dazu gibt es noch Kapitel-spezifische Themen - zB Musik bei Frobisher im Jahr 1931. Jedes der mehr oder weniger zusammenhängenden Kapitel stellt eine eigene Zeitebene dar und Mitchell verwendet für jede einen eigenen Stil bzw. ein eigenes Stilmittel, wie etwa Tagebuch oder Interview. Stil/mittel, Sprache und Zeit sind also aufeinander abgestimmt, wie es sich gehört - handwerklich ist der Wolkenatlas top. Das hat mir gut gefallen und nur beim Zachry-Kapitel (das einzige ungeteilte) ist die Sprache etwas mühsam, aber nicht störend. Insgesamt besteht das Buch aus 6 Kapiteln in 11 Teilen. Für genauere Infos in punkto Gliederung und Zeit empfehle ich die wikipedia-Artikel, denn das hier en détail anzuführen, würde den mir selbst gesetzten Rahmen (keine überlangen Rezensionen) sprengen. Das liest sich möglicherweise komplizierter als es ist, man lasse sich davon bitte nicht abschrecken, man findet schnell hinein und der Roman ist es wert, nicht zuletzt, um zu sehen, zu lernen und zu genießen, wie sich eine große Geschichte komponieren und verweben lässt.
Nun zum Negativen:
Leider fehlt mir ein Twist, ein Clou oder ein Aha-Erlebnis - ich warte vergeblich auf etwas Großes, dem Buch und Mitchells Arbeit Würdiges - denn den Cloud Atlas zu schreiben war sicher viel Arbeit. Mitchell belohnt in meinen Augen leider weder sich noch uns mit einem grande finale. Auf Seite 475 steht der Satz, der den Roman perfekt beschreibt: "Als ginge es in der Kunst um das Was und nicht um das Wie!" Bitte mich nicht falsch verstehen, als Autorin gefällt mir das natürlich, sonst hätte ich das Buch nicht fertig gelesen. Und als Science Fiction Fan hat mir am meisten die dystopische Geschichte "Sonmi Oratio" gefallen. Aber der Roman hat auch seine Längen, wird aber glücklicherweise nie wirklich fad. Mir persönlich fehlt sehr der Katechismus von Sonmi, und der Schluss vom Zachry-Kapitel ist mir zu unbefriedigend. Das alles zusammen reicht noch locker für 4 Sterne. Für mich ist der Wolkenatlas sogar ein Klassiker, wenn auch kein perfekter (für mich gibt es perfekte Bücher und ich habe einige davon schon gefunden und gelesen).
Wer jetzt die 667 Seiten nicht lesen möchte, was ich nachvollziehen kann, sich für das Buch bzw. die Thematiken trotzdem interessiert, ist mit dem Film (siehe meine Rezension) sehr gut bedient, der ist nämlich großartig (was auch Mitchell selbst sagt) und dauert "nur" ca. 165 Minuten.
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am 7. Dezember 2015
Der Wolkenatlas

Anspruchsvoller Roman für intelligente Leser mit sechs Handlungssträngen in unterschiedlicher Form und Fassung, die sprachlich an die jeweilige Zeitschiene perfekt angepasst sind und in ihrem Aufbau vom Standard abweichen. Der Leser erfährt, dass alles, was eine Zivilisation ausmacht führt letztlich auch zu ihrem Untergang und auch was einen Menschen menschlich macht. Einer der besten Romane die ich je gelesen habe.
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am 15. November 2009
Hatte mich schon Mitchells Roman "Chaos" in seinen Bann gezogen, so finde ich, dass der "Wolkenatlas" qualitativ noch einmal darüber hinaus geht. Tatsächlich kann man ihn lesen als Sammlung einzelner, lose miteinander verwobener Geschichten. Und jede ist für sich genommen "ein guter kleiner Roman". Doch das macht noch nicht die eigentliche Faszination aus. Vielmehr passiert in dem Werk Folgendes: es wird Zeit aufgefaltet und wieder zugefaltet, von der Vergangenheit (Anfang 19. Jahrhundert) bis in die Zukunft (ca. 24. Jahrhundert) und wieder zurück. Auf dem Höhepunkt des Romans wird dies von einer der Romanfiguren (einem Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts) auch selbst reflektiert: er spricht dort über das Entfalten der Zeit "in Form eines V".

Der Zusammenhang zwischen den einzelnen zeitlichen Episoden ist kein logischer. Das heißt, es gibt keine durchgängige Handlungslogik, wie man das meist in Romanen kennt. Und doch sind die Zusammenhänge zwischen den einzelnen "Teilromanen" deutlich mehr als nur ein willkürlicher Zufall. Die Menschen in ihnen haben über die Jahrhunderte hinweg miteinander zu tun, auch wenn sie nichts voneinander wissen oder manchmal von ihren Vorgängern nur noch deren verbliebenen Symbole antreffen (das Schiff "Princess", welches auch im 20. Jahrhundert noch im Hafen von Buenas Yerbas liegt, die im 22. Jahrhundert als Klon entstandene junge Frau Somni, deren Legende sie 200 Jahre später zur Göttin der kleinen überlebende Zivilisation auf Hawaii gemacht hat). Und so weit die Schere der Zeit auch auseinanderklafft, da ist das gemeinsame Thema der menschlichen Gier, die Frage "Welche Kräfte setzen sich langfristig durch, und warum tun sie es?". Und dicht daran angeschlossen ist da immer wieder die Schilderung, wie Menschen andere Menschen abhängig machen und für ihre Zwecke ausnutzen.

In allen Romanteilen vorhanden ist die Frage: "Wie entsteht und wirkt Abhängigkeit, Sklaverei, Unterdrückung?" Scheinbar ist die Sklaverei im 20. Jahrhundert überwunden: es herrscht die Wirtschaft, Konzerne erzeugen neue Abhängigkeiten. Doch durch die Entwicklung der Gentechnologie entstehen dann die "gezüchteten Sklaven", die Klone. Und nach dem Untergang der Zivilisation findet selbst in den kleinen Überlebendengruppen erneute Sklaverei statt. Allerdings gespiegelt: denn jetzt sind es die "Wilden", welche die "Zivilisierten" versklaven. Im Kern aber ist dann auch diese Sklaverei der längst vergangenen gleich geblieben. Neben diesen "großen" Abhängigkeiten, geht es immer wieder auch um die individuellen Abhängigkeiten: eines Notars von seinem falschen Arzt, eines enterbten Komponisten von seinem reichen Vater und ebenso reichen Brotgebers, eines Sicherheitsangestellten von seinem Arbeitgeber, eines alten Mannes von den herrischen Pflegekräften zum Beispiel.

Das Symbol, welches alle Episoden am offensichtlichsten miteinander verbindet ist unscheinbar: ein kometenförmiges Muttermal, welches selbst bei dem Klon bzw. der Klonin nicht "weggenomiert" werden konnte. Und es sind die Träger dieses Symbols, welche sich in ihrer je eigenen Umgebung über die scheint's unüberwindlichen Gegebenheiten von Abhängigkeit und Unterdrückung hinwegsetzen: "Tropfen in einem Ozean voller Tropfen", so heißt es am Ende.

Zusammen mit der sehr gelungenen, fantasievollen, oft auch humorvollen Sprache halte ich das Buch für einen hervorragenden Roman.
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am 6. April 2017
Nachdem mich sein Roman „der 13. Monat“ ziemlich geflasht hatte, kaufte ich mir gleich den nächsten. Das sollte man manchmal halt nicht machen. Der Wolkenatlas ist formal ein interessantes Experiment: Sechs verschiedene Erzählebenen aus sechs verschiedenen Epochen laufen parallel und haben „irgendetwas“ miteinander zu tun. Leider bleibt der Inhalt dabei auf der Strecke.
Ich nhabe danach den Film gesehen, der mir besser gefiel als das Buch (was ja selten der Fall ist).
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