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Kundenrezensionen

4,6 von 5 Sternen
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Rudolf Nurejew war schlechthin "der" Tänzer des vorigen Jahrhunderts, der schöne Mann aus der verbotenen Stadt Ufa, der Waffenschmiede der ehemaligen Sowjetunion.In diese Stadt wurden damals die Intellektuellen verbannt, wenn sie Zwangsarbeit leisten mussten. Dort wuchs das Kind "Rudik" auf, und der dann schon berühmte Tänzer Rudolf Nurejew setzte sich 1961 in den Westen ab und erlangte Weltruhm. Es gibt natürlich jede Menge Biographien über ihn und Colum McCann hat diese mit Sicherheit alle gelesen.
Er arbeitet sich in seinem Roman an diesen realen Daten und Gegebenheiten entlang. McCann geht es um den Menschen hinter dem Hauch seines ihn umgebenden Glanzes. Aber er stellt sich vor, wie alles gewesen sein könnte: Die armselige, karge Kindheit in Kriegszeiten; die Jugend im stalinistischen Russland-wahrlich keine Zeit in der man sich als Künstler entfalten konnte.Spät erst hat dieser wunderschöne Tatarenjunge "Rudnik" zu tanzen angefangen, gefördert von der Ballerina Anna, die nach Ufa verbannt war und sein Talent dort entdeckte.Und dann der Westen. Nurejew, der umjubelte Star, dem man schon in der ersten Saison in Paris nicht nur Rosen, Narzissen, Liebesbriefe, Unterwäsche, Hotelschlüssel und erotische Polaroidfotos auf die Bühne warf, sondern immer auch Todesdrohungen und Glasscherben.
Mit einer Aufzählung dieser Dinge, die auf die Bühne fliegen, fängt dieses Buch an und es endet mit einer Aufzählung der Dinge, die nach Nurejews Tod versteigert werden. Was bleibt von seinem Leben übrig? Den Tod selbst erwähnt McCann nicht. Wir wissen, er starb 1993, im Alter von nur 55 Jahren.
Es beginnt in den Kriegswirren in einem Hospital in Ufa. McCann beschreibt in diesem Buch das Elend von Soldaten so eindrucksvoll, wie man es wohl nicht noch einmal wieder finden wird. Die russischen Soldaten kehren heim, haben ihre Schuldigkeit getan, werden in Ufa abgeladen, wo sie keiner sieht, mit amputierten Gliedmaßen, mit schwersten Verletzungen. Und das Kind "Rudik" tanzt für sie, da tanzt er zum ersten Mal, findet sein erstes Publikum, erhält den ersten Beifall von diesen schwer verletzten Soldaten. Ein unter die Haut gehendes Kapitel.
Aber es gibt in diesem Buch auch ein ganz berauschendes Kapitel, dass sich über 45 Seiten hinzieht und dass man wirklich liest ohne das Buch aus der Hand zu legen. Das ist das Kapitel welches erzählt wie der homosexuelle Rudolf mit seinem Freund Victor nachts durch New York streift. Ruhelos, von einer Schwulenbar zur anderen, von einer Sauna zur anderen. Morgens landen sie schließlich am Schlachthof, bei den Lastwagenfahrern. Dort findet man da dann noch in einem Fahrerhaus einen letzten Partner. Unruhig, eckstatisch, egozentrisch und auf der Suche nach dem Spiel mit dem Feuer, nach abnormer Sexualität natürlich.
Zwischen den Kapiteln dann die Stationen eines Lebens. Aus seiner Sicht, aus der Sicht seiner Familie und der seiner Freunde. Jedes Kapitel hat eine andere Melodie. Es wird niemals langweilig. Und es liest sich auch wie eine Chronik des vergangenen Jahrhunderts, es ist das Portrait der Zeit in der der Eiserne Vorhang fällt.
Ein späteres Kapitel beschreibt dann wie sein Freund Victor an Aids stirbt. Das Wort Aids erwähnt McCann nicht, es kreist über diesem Kapitel. Es ist ein trauriges und elendes Ende. Wir wissen, auch Nurejew hat seinen homosexuellen Freiheitsdrang, seine sexuelle Lust bitter bezahlt. Er ist auch wie sein Freund an Ads gestorben.
Dann der Glanz der zahlreichen Parties nach den Ballettpremieren. Übrigens ist vom Tanz selber gar nicht so viel die Rede. Nurejew selber ist der Tanz, Es heißt einmal:"Er ist zu Hause im Königreich seiner selbst". Und wenn er in die Luft springt, hat man das Gefühl, er wird nie wieder auf den Boden kommen.
Nurejew war unwahrscheinlich schön und faszinierend, ein Fanatiker seiner Kunst. Faszinierend ist auch dieses Buch, es ist spannend, poetisch, es ist lebendig und belebend. McCann, ein irischer Autor der seit Jahren in New York lebt, ist ein Geschichtenschreiber wie wir wirklich nur wenige kennen. Und ob die Geschichte die er hier erzählt wahr ist oder nicht, das ist schließlich ganz egal, sie ist auf jeden fall wahrhaftig. Sie bringt uns einen der größten Künstler des vergangenen Jahrhunderts sehr nahe und zeigt darüber hinaus auch den Preis auf, den man zahlen muss, um so ein begnadeter Künstler zu sein.
Das Buch muss man einfach lesen, weil es wunderbare Literatur ist.
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am 20. November 2005
Der rote Einband ist schon Sinnbild der Leidenschaft, die diesen Roman treiben wird. McCanns Geschichte des Balletttänzers Nurejew nahm mich mit wie selten ein Roman. Angefangen in der Trostlosigkeit der Sowjetunion nach dem zweiten Weltkrieg, über den kometenhaften Aufstieg nach der Flucht in den Westen findet dieser Roman sein Finale wieder in der Sowjetunion, in die Nurejew, nach seine Flucht in der Heimat geächtet, für 48 Stunden kurz vor dem Tode seiner Mutter zurückkehren darf. Dazwischen wechseln Tempo und Stil der Geschichte immer wieder mit dem Blickwinkel von Nurejews Begleitern: die Ruhe und Gelassenheit von Schuhmacher und Haushälterin die den von sich selbst Getriebenen Momente der Ruhe geben, die hysterisch-hektische, erotisierende Triebhaftigkeit die seinen Liebespartnern innewohnt und die disziplinierte, dem Tanz hingegebene Spannung seiner Partnerinnen. Dazwischen: Nurejew, seine Familien und seine Ziehfamilie. Allesamt hin- und hergerissen, ja zerrissen von der Suche nach Wärme, Liebe und Anerkennung für Nurejew und für einander. Die Geschichte eines Lebens, die Einblicke in Milieus und Zeiten gibt, in die man sonst selbst kaum reisen kann und die manchmal den Atem raubt.
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am 19. April 2005
...das ist die Realität Nurejews gewesen, welche dem Autor zu erfassen voll und ganz gelungen ist - jedoch eben nicht durch reine historische Faktentreue, sondern duch Wandel der Sprache, der Rollen, der Gescwindigkeit, der Farben. Der Leser wird hineingezogen in einen wilden, schönen Strudel des Fühlens und Erlebens, wird Teil des Hin- und Herschwingens zwischen Äufbäumen gegen sozialistische Unterdrückung und Opfer werden von kapitalistischen Auswüchsen, spürt die Verzweiflung im Hetzen von Mensch zu Mensch und Affäre zu Affäre - einfach ein tolles Buch.
Literarisch ein Genuß.
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Ein Buch wie ein Tanz um die Legende Rudolf Nurejew. Dumpf beginnt er, dieser Tanz, in den ärmlichen Verhältnissen der russischen Stadt Ufa.Aber dort leuchtet ein Stern. Der heranwachsende "Rudik", der die Verwundeten des Zweiten Weltkriegs mit seinem Vortanz Vergangenheit vergessen läßt.Ballerina Anna erkennt dieses großartige Talent und fördert es.Schon bald ist Rudik Star des St. Petersburger Ensembles und schließlich, nach einem Gastspiel in Paris,"verrät" er seine russische Heimat. Er wird zum Star, zum schillernden Stern der westlichen Welt. Keiner, der ihn nicht kennt, nicht bewundert,nicht von ihm verzaubert wird, von seinem Tanz nicht und nicht von seiner Persönlichkeit.Und Nurejew ist es, der verwöhnte Fanatiker seiner Kunst,er ist es, dem eins versagt bleibt, was er sich am sehnlichsten wünscht: von seiner Mutter erkannt zu werden.
Die Zerrissenheit seiner Seele, das ist das Thema von Colum McCann.Wer war er wirklich, wie hat er tatsächlich gefühlt,wie sehr konnte wirklich andere Menschen lieben, dieser begnadete, egozentrische Tänzer?
Lassen Sie sich auf diesen Tanz ein. Der Autor hat eine hervorragende "Tanzkomposition" geschrieben. Ein exentrischer, außergewöhnlicher, sehr intimer Tanz.
Dieses Buch ist kein Film. Es ist ein Buch. Gott sei Dank. Wenn Sie die ersten "Schritte" gelesen haben,werden Sie leicht mittanzen können oder Sie werden es lassen!
Ein Buch wie ein Theaterabend eben... nur noch besser!
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am 2. Oktober 2015
Der Roman wird aus der Erzählperspektive verschiedener Weggefährten Rudolf Nurejews (1938-1993) erzählt. Das Leben Nurejews beginnt in der Sowjetunion kurz vor Beginn des zweiten Weltkrieges. Bereits als Schuljunge tanzt er für verwundete Soldaten, es zeichnet sich bald ab, dass das Kind besondere musikalische Talente besitzt. Privater Ballettunterricht bei professionellen Primaballerinen und eine staatliche Ausbildung führen ihn ins Leningrader Kirow-Ballett.

Im Jahre 1961 emigriert Nurejew in den Westen. Seine erstklassige Karriere führt in weltberühmte Theater in Paris und New York, wo er mit zahlreichen bekannten Künstlern arbeitet und lebt. Er führt ein ausschweifendes Leben, sein ungehobelter Charakter und seine exaltierten Charakterzüge werden ebenso eindrücklich beschrieben wie seine tiefe Melancholie und Sehnsucht nach seiner Mutter und der Heimat. Ein kurze Rückkehr gelingt schliesslich.

Colum McCann hat einen hervorragend recherchierten Roman über einen weltberühmten Tänzer und ausserordentlich spannenden Menschen geschrieben. Jede Handlung und jeder Ort ist atmosphärisch dicht nachempfunden. Ausserdem ist das Buch ein beeindruckendes Zeitzeugnis.
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"Dies ist ein Roman. Mit Ausnahme einiger Personen des öffentlichen Lebens,..., sind alle hier geschilderten Personen, Namen und Ereignisse frei erfunden." Gut, sehr gut sogar, dass McCann diese Zeilen seinem Roman vorangestellt hat, könnte man ihn doch sonst problemlos als Biographie missverstehen, so gut, so sprach- und bildgewaltig sind sie beschrieben, die fiktiven Personen, Namen und Ereignisse um die Legende Nurejew. Gezeichnet wird aus unterschiedlichsten Perspektiven das Bild eines Besessenen. Und es bedarf keiner besonderen Begeisterung für das klassische Ballett, um sich von dieser Besessenheit anstecken zu lassen, Neugier auf und Freude an besonderen Charakteren und ihren Geschichten reicht. Ein großartiger, perfekt recherchierter Roman, unbedingt zu empfehlen.
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am 30. Juni 2008
Da ich kein Ballettkenner oder -fan bin, habe ich keine Biographie erwartet/erwünscht. Trotzdem muß ich sagen, daß ich im Mittelteil das Buch öfters gerne gegen die Wand geklatscht hätte. Für diese 60 Seiten "Nurejew-Splitter" habe ich 5 Tage gebraucht, dermaßen ärgerlich waren sie mir. Es hat mich unglaublich geärgert, mit welcher Arroganz dort Namen der Zeitgeschichte hingestreut werden, und der Leser, der das Pech hat, diese nicht zu kennen, im Dunklen steht, weil er nicht mal googeln kann bei Vornamen: Jacques (Derrida), Ninette (de Valois), Richter (Swatislaw o.s.ä.). Diese 3 kannte ich zufällig, dafür sind mir mind. 15 entgangen.

Ich kann nur vermuten, daß es die verdammte Absicht des Autors war, uns diesem Menschen, dieser Seele "Nurejew" nicht näherkommen zu lassen. Nach genug Ärgern habe ich mich entschieden, daß dieser Weg genial ist.

Die Sprachmächtigkeit des Autors ist grandios. Das Buch beginnt dermaßen stark mit der Heimkehr der russischen Soldaten. Mehrmals las ich diesen Abschnitt. Die Errichtung des Bades für die Soldaten in einem Gewächshaus durch die Frauen. Unvergeßlich. Usw.

Wann immer ANDERE über "Nurejew" schreiben, ist es spannend, informativ, warm, aber nur deshalb, weil wir soviel über diese "Anderen" erfahren, über das Leben in Russland, zu dieser Zeit, und m.E. sind DAS die Hauptfiguren des Romans. Seine Tanzlehrerin, deren Mann und deren Tochter, seine Schwester, Mutter, Vater, ein Bühnenarbeiter, ein namenloser Konkurrent in der Tanzschule, sein Freund Viktor, und nicht zuletzt seine Haushälterin und sein Schuhmacher (wunderschöne Liebesgeschichte). Nur diese Menschen werden wirklich lebendig in dieserm Buch.

Die Figur "Nurejew" dient lediglich als Brennglas. In den 60 Seiten des Mittelteils, um den sich alles nur um ihn dreht, schwirrt er umher wie ein Kolibri, und näher werden wir ihm nicht kommen. NIE spricht er selbst. Und der Autor ist schlau genug, ihm keine Worte in den Mund zu legen. Der Tänzer Nurejew WAR eine Bühnenfigur, die zahllose Menschen inspiriert hat, die einen Zauber verströmt hat. Und dabei bleibt es hier auch. Auch der Leser sitzt hinten im Saal, schaut auf die Bühne und kann diesem Menschen nicht näherkommen, was genau den Zauber ausmacht.

Vielleicht kann man einem Menschen auch nicht näher kommen als im Vorspann: was alles auf die Bühne geworfen wurde, wenn er tanzte, und im Nachspann: was alles versteigert wurde, nachdem er tot war. War schon sehr ergreifend, wieviel eine Liste von Dingen aussagen kann, und daß selbst wenn keiner was über uns schreibt, eine Liste unseres Nachlasses intimer und entlarvender ist als alles, was jemand über uns schreiben könnte.

Ich werde dieses Buch jedenfalls nicht vergessen.
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VINE-PRODUKTTESTERam 30. Juni 2007
Rudolf Nurejew - der Ballett-Tänzer schlechthin. Das Buch - keine Biografie - erzählt sehr abwechslungsreich von seiner Kindheit, seinem Aufstieg und deutet das Ende leider nur an.

Begonnen wird mit Paris 1961: eine Aufzählung, was in seiner ersten Saison auf die Bühne geworfen wurde.

Es folgt Buch 1: Sowjetunion 1941-1956; Leningrad, Ufa, 1956-1961; Ufa, Leningrad 1961-1964. Es wird aus dem Blickwinkel der ersten Tanzlehrerin erzählt, in Form von Tagebucheintragungen der Tochter der Tanzlehrerin, Julia, wo Rudolf am Anfang seiner Karriere unterkommt. Erwähnt werden die Schwierigkeiten, die seine Familie und seine Freunde in der Sowjetunion haben, nachdem Rudolf sich abgesetzt hat. Und so ergibt sich aus Bruchstücken der Werdegang.

Buch Zwei 1961-1971 Schlaglichter aus der Sicht von Rudolf selbst.

Buch Drei New York 1975 Viktor Pareci berichtet. Das ist das Kapitel, das direkt und für meinen Geschmack etwas zu ausschweifend über die sexuellen Neigungen der beiden und auch anderen Protagonisten berichtet.

Leningrad 1975-1976 Julia adoptiert nach ihrer Scheidung ein Kind. Eine Rahmenhandlung.

Die 80er Jahre Paris, London, Caracas. Jetzt berichtet die Haushälterin von Rudolf, Odile.

Buch Vier Ufa, Leningrad 1984 Jetzt wieder aus der Sicht der Schwester und Julia. Rudolf reist in die Sowjetunion ein und besucht die Familie und Julia.

Das Ende des Buches ist eine unvollständige Aufzählung von Objekten der Rudolf-Nurjew-Sammlung, die versteigert wurden und welche Preise erzielt wurden. Soviel zu seinem Tod.

Sein Reichtum und die Armut der Familie stehen in einem krassen Gegensatz und sind schockierend. Er lässt ein ganzes Orchester einfliegen, die Familie hat nicht genügend zu essen und friert. Rudolf hat einen unberechenbaren Charakter und ist eine exzentrische Persönlichkeit, die nicht immer gut zu seinen Mitmenschen ist. Das beschattet seinen glänzenden Stern etwas.

Seine künstlerische und gegen Ende seines Lebens choreografische Leistungen kommen m.E. zu kurz. AIDS wird nie erwähnt, man muss es schon wissen, dass er daran gestorben ist. Seine HIV-Erkrankung und die letzten Jahre seines Lebens werden im Buch ausgelassen, was schade ist, denn es hätte das Bild abgerundet. Trotzdem lesenswert.
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am 26. Juli 2006
Colum McCann hat sich mit diesem Roman selbst übertroffen. Ist man einmal in der Geschichte drin, möchte man gar nicht mehr aufhören zu lesen. Wer Exzentriker mag, liegt mit der Lebensbeschreibung Rudolf Nurejews genau richtig. Diese Beschreibung ist zwar sehr künstlerisch und überaus geschickt geschrieben,wird aber trotzdem nie anstrengend,sondern fördert eher eine unterhaltsame Lektüre...

Sehr empfehlenswert,auch für Leute,die sich überhaupt nicht fürs Ballett interessieren.
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Colum McCann ist für mich einer der besten zeitgenössischen Autoren - weil er so besondere Themen findet und weil er scheinbar mit den Stilen spielt. In Wahrheit spielt er nicht damit, er beherrscht sie.
In dem Roman "Der Tänzer" ist ihm etwas ganz Besonderes gelungen:
Er erzählt diese Geschichte aus den verschiedensten Perspektiven, lässt Verwandte, Begleiter und Weggefährten des Nurejew subtil und eindringlich zu Wort kommen und verleiht jedem einzelnen eine eigene Sprache.
Das ist die hohe Kunst des Romans, wenn der Autor nicht selbst spricht, sondern sprechen lässt und die Worte immer authentisch klingen.
Obwohl mich die Figur des Tänzers zunächst gar nicht interessierte und ich diesen Roman kaufte, weil ich alle Bücher von McCann nicht nur lesen, sondern auch besitzen will, hat mich dieses Buch gefesselt.
Die morbide Traurigkeit der alten Sowjetunion habe ich nie eindringlicher gesehen. Die rastlose Getriebenheit des Künstlers konnte ich beim lesen spüren, seine Zerrissenheit, die Eitelkeit, die Sehnsucht - alles atemberaubend erzählt.

Carla Berling
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