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Kundenrezensionen

3,8 von 5 Sternen
87
3,8 von 5 Sternen
Der menschliche Makel (Die amerikanische Trilogie, Band 3)
Format: Taschenbuch|Ändern
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TOP 500 REZENSENTam 4. Oktober 2003
Das Buch erzählt die Geschichte von Coleman Silk, einem amerikanischen College Professor, der kurz vor seiner Pensionierung wegen einer missverständlichen und politisch inkorrekten Äußerung in das Fadenkreuz der Heuchler und Superguten gerät und im Zorn das Institut verlässt, das er Jahrzehnte hindurch maßgeblich geprägt hatte. Als enttäuschter und verbitterter Pensionär beginnt er eine Liaison mit der vierunddreißigjährigen Putzfrau Faunia Farley, was sowohl bei seinen Kindern wie auch bei der akademischen Umgebung zum Anlass für Abscheu, Entsetzen und Abgrenzung wird. Doch die späte Liebe, so Coleman Silk, ist die wahre und ultimative Leidenschaft, denn es gibt nicht mehr viel außer ihr, und so verklammern sich Professor und Putzfrau, „einer Frau, die nicht mehr reift, aber auch noch nicht welkt", in einer weltlosen Symbiose ineinander, bis sie beide einem raffnierten Mordanschlag von Faunias geschiedenem Mann, dem gestörten Vietnam Veteran Lester Farley erliegen. Das ist im wesentlichen die Geschichte, und doch ist damit das Wesentliche über das vorliegende Buch gerade nicht gesagt. Das wesentliche an dem vorliegenden Buch ist zweierlei: zunächst die staunenswerte Imagination, mit der sich Roth in die Innenwelt der Protagonisten hineinversetzen kann. Coleman und Faunia, das weltlose Liebespaar, die bigotte Dozentin Delphine Roux, der gestörte Lester Farley und ein fiktiver Autor, der die Geschichte miterlebend-kommentierend entwickelt, werden in ihren komplexen Motiven und Werdgängen so transparent, dass der Leser am Ende einen jeden verstehen kann, sogar den Professor, der seine negride Herkunft als „menschlichen Makel" sein Leben lang vor seiner Umgebung zu verbergen wusste. Das ist mehr als die meisten Bücher mit literarischem Anspruch leisten. Noch beeindruckender aber ist ein zweites: der leichte, dahinschwebende Stil, die geschliffene und von tiefer Lebenseinsicht durchtränkte Sprache, in der Roth erzählt und fabuliert, ein schier unendliches Labyrinth von Metaphern, Assoziationen und Verweisen, meisterhaften Miniaturen und einer kaum noch steigerungsfähigen Anschaulichkeit. „Einsamkeit", so heißt es an einer Stelle des Buches, wird erträglich, wenn es gelingt, „die Stille in Fülle zu verwandeln". Man könnte ergänzen: Oder wenn man ein so wunderbares Buch wie das vorliegende liest.
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am 15. August 2017
Das Beste am Roman sind die Wikipedia-Artikel, die ich mir im Zusammenhang mit dem Thema Vietnam, Vietnam-Krieg, Korea (Empörung) und Indochinakrieg durchgelesen habe.
Erst Wikipedia hat mir klar gemacht, wie weit der Roman zurück bleibt hinter dem, was wirklich passiert und passiert ist und dass die Lebenslüge des Protagonisten niemals an die Zivilisationslüge heranreicht, die in allerlei verdeckten Operationen staatlicherseits ebenso ein Doppelleben etabliert und eine ganze Nation in Desinformation hält wie der Romanheld seine Umgebung.
Diese Analogie finde ich, hat Roth - grundsätzlich oral fixiert - ganz schlecht herausgearbeitet.

Außerdem:
'Der menschliche Makel' sollte eher als 'Die amerikanische Krankheit' betitelt werden,
als das stete Bemühen das zu denken, von dem man annimmt,
es werde einen anderen dazu bringen,
einem selbst wohlwollend alle Türen für das eigene Fort- und Weiterkommen zu öffnen.
Dieser Kontrollwahn sorgt dafür,
dass sämtliche Alltags- und Lebensregungen daraufhin abgeklopft werden - noch bevor sie geschehen sind -
welche Reaktionen sie beim anderen heraufzubeschwören vermögen.
Also überlegt man krampfhaft,
welche Krawatten- und Sockenfarbe man zum Rendevous anzuziehen hat
und den Reigen sämtlicher Interpretationen und Schlüsse,
die der andere daraus ziehen könnte, um sich schließlich - über den imaginären Kopf des anderen hinweg -
für eine Farbe zu entscheiden, die weder für Geschmack noch Vorliebe steht,
sondern reines Kalkül ist.

Es ist diese amerikanische Selbstentfremdung - im Roman besonders einer Französin in den Mund gelegt -
der selbst Roth nicht entkommt und bis zur Neige zelebriert,
indem er seine Protagonisten bis zur Selbst- und Lesererschöpfung abwägen lässt,
welche Folgen welches Tun haben wird: Man macht sich den Kopf des anderen. Man macht sich verrückt.

Deswegen finde ich den Roman als gesellschaftliches Produkt ganz anregend,
indem, was geschrieben und nicht geschrieben steht und wie,
aber als Literatur eher langatmig, umschweifig, wiederholend, ausufernd und ermüdend.
Selbst die Sexszenen sind offenbar, und damit marktgerecht, für ein puritanisches Publikum - wahrscheinlich bereits im Übermaß schockierend - geschrieben und führen damit zur Frage:
Wie würde der Autor eigentlich schreiben, wenn er seine Werke nicht verkaufen wollte/müsste/sollte?
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am 14. Februar 2008
"Der menschliche Makel" gehört zu Roth's besten Romanen, wie ich finde.

Als die Geschichte verfilmt wurde, war ich zunächst kritisch. Die Verfilmung konnte nicht an das Buch heranreichen (eine Verfilmung kann dies schon aufgrund der begrenzten Zeit nicht), aber ich war positiv überrascht. Selten habe ich so eine gekonnte Auswahl von Buchinhalten in einer Verfilmung wiedergefunden. Hinzu kamen hervorragende Schauspieler... Sir Anthony Hopkins, Nicole Kidman, Gary Sinise, Ed Harris.

In einer Kritik zur Verfilmung ([...]) schrieb die Autorin, die Beziehung der "mondschönen, glatten" Nicole Kidman zu dem alten Herrn sei unglaubhaft. Doch es ist im Film wie im Buch eine der Besonderheiten, die so unglaublich für die Ahnungslosen wie wahr für die Wissenden erscheinen. Die Enthüllung, dass der weißhäutige Coleman Silk von dunkelhäutigen Eltern stammt, war jedenfalls mindestens so überraschend, ob im Roman oder im Film. Auch die Romanfigur muss offensichtlich "weiß" genug gewesen sein, um überzeugen zu können.

Der Roman enthüllt eine Reihe von menschlichen Makeln. Sie sind zwar nicht alle so offensichtlich wie der Rassismus, der Antisemitismus und die Verlogenheit einer äußerlich prüden Gesellschaft im Zusammenhang mit dem Clinton-Lewinski-Skandal, aber für den sexuellen Kindesmissbrauch und die im-Stich-gelassenen PTBS-Betroffenen gibt es ebenso hervorstechende wie auch subtile, feine Hinweise.

Wie treffend ist da der Titel, der unter anderem auch dafür steht, was Menschen wie Faunia fühlen, die missbraucht wurden: Ein Leben lang mit einem Makel besetzt sein, sich gebrandtmarkt fühlen. Daher die Identifikation mit der Krähe, die ebenso wie Faunia "angefasst" wurde. Faunia fühlt sich genauso gefangen, und abgegrenzt von ihresgleichen. Sie fühlt sich nur von der Krähe verstanden, weil diese in ihren Augen ihr Schicksal teilt. Ihre Beziehung zu dem wesentlich älteren Coleman Silk passt zu ihrem Leben; sie sucht permanent, die Kontrolle über ihr Leben zu erlangen, muss aber immer wieder scheitern, da sie das Trauma nicht verarbeitet, sondern sich damit abgefunden hat. Wohl auch aufgrund des zusätzlichen schweren Schicksalsschlages durch den Tod ihrer Kinder.

Auch das ständige Wiedererleben von Kriegserlebnissen oder anderen einschneidenden Ereignissen wird als "Makel" von den Betroffenen empfunden. Insbesondere bei den Vietnam-Veteranen kam zu den ohnehin vorhandenen Gefühlen, man werde - oder gelte auch nur als - verrückt, die tiefe Erschütterung der gesellschaftlichen Ächtung hinzu, die das Trauma in den meisten Fällen verstärkte oder sogar erst hervorrief.
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am 25. November 2002
Vereinnahmend ist diese Geschichte und komplett desillusionierend, was die Selbstverwirklichung im törichterweise am meisten bewunderten Land der Welt betrifft. Ganz im Gegensatz zu anderen Kommentatoren bin ich der Meinung, alles daran ist realistisch - so ist das Leben, zumindest kann es so sein, ohne sich dabei anzustrengen. Geradezu genial ist die plötzliche Enthüllung, daß man es bei der Hauptfigur mit einem Schwarzen zu tun hat... es ist, als müßte man sich immer wieder die Augen reiben, um es denn doch zu begreifen und das eigene Gelinktsein als persönliche Vorurteilsbereitschaft anzuerkennen. Man muß eine Weile darauf herumbeißen. Das hatte pädagogischen Pfiff, obwohl es einige Kommentatoren vielleicht gar nicht bemerkt haben. Schön und tiefsinnig die Aussage am Ende, daß es der Würgegriff der Geschichte sei, der uns leicht zum Schicksal wird. Andererseits lehrreich und wahr, daß niemand hoffen darf, derart hartherzig und karrierezentriert spielen zu dürfen mit den Koordinaten seiner Geburt, ohne dafür zahlen zu müssen. Als jemand, der schon ein paar Jahrzehnte auf diesem Planeten ist, rufe ich es den Jüngeren zu: Schaut's euch genau an, diese Hybris kommt vor den Fall; die Maßlosigkeit des Zorns sowieso. Also, es ist eine moralische Geschichte, die unsere Vorstellung vom Leben sowohl problematisieren als auch voranbringen und "bilden" kann.
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am 4. Juli 2010
Als Professor der Literatur, sowie Dekan der Universität könnte sich Colemann mit seinen 71 Jahren längst in den Ruhestand begeben, doch er genießt die Macht und das Ansehen, das ihm seine Tätigkeiten einbringen.

Eines Tages im Vortrag fällt ihm auf, dass zwei Studenten zwar eingeschrieben sind, aber noch nie in der Vorlesung erschienen sind. Aus dem Bauch heraus fragt er, ob es dunkle Gestalten wären, die das Seminarlicht scheuten. Dieser Satz wird ihm zum Verhängnis, denn plötzlich kehren sich alle gegen ihn, nennen ihn einen Rassisten und bauschen die Sache sinnlos auf. Colemann nimmt den Vorfall zunächst nicht besonders ernst, weil doch jeder die Absicht (nämlich keine böse) hinter seinen Worten erkennen muss. Tatsächlich jedoch schafft er es nicht mehr, seinen Namen reinzuwaschen und plötzlich sieht er sich vor den Scherben seines Lebens.

Auch wenn dieser Inhalt bisher schon genug für ein ganzes Buch wäre, stellt es für den Autor Philip Roth nur die Einleitung der ersten 10 bis 20 Seiten dar. Die weitere Geschichte beschäftigt sich einerseits mit dem Hadern von Colemann, der seine neue Situation nur schwer begreifen kann und immer wieder Versuche unternimmt, wieder zum angesehenen Mann zu werden, der er immer war. Auf der anderen Seite gibt es immer wieder Rückblenden bzw Erinnerungen an die Vorgeschichte, sodass man einen sehr guten Bezug zum Protagonisten bekommt.

Ich finde es extrem gut gelöst, wie man einen Eindruck erhält, wie Colemann sich selbst sieht und auch wie er von anderen gesehen wird, jeweils vor und nach diesem Vorfall. Das Eigen- und Fremdbild weichen doch teilweise stark voneinander ab. Das Buch schönt nichts, man spürt die Fehler und Schwächen des Protagonisten, aber auch die Motive dahinter. Auch wenn man zwischendurch immer wieder geneigt ist, ins Schwarzweiß-Denken abzugleiten, schafft man es in dieser Lektüre nicht. Es werden auch die Perspektiven anderer Personen, die in Bezug zu Colemann stehen, sehr gut dargestellt und auch hier schafft man die Schwarz-Weiß-Sicht danach nicht mehr, durchzuhalten.

Auf der einen Seite gibt es das, was "man" normalerweise tut oder nicht tut. Auf der anderen Seite stehen die Gedanken und Gefühle der handelnden Personen, die jeweils ihre Motive ausleben und man erkennt, dass sie einfach in ihrer Situation teilweise so handeln "müssen", auch wenn es gesellschaftlich nicht in Ordnung sein mag.

Fazit: in meinen Augen eine hochwertige Lektüre, die man aber nicht in 10-Minuten-Happen vor dem Einschlafen lesen kann, weil man sich schon doch in die Geschichte hineindenken muss. Bietet viel Stoff für Diskussionen!
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am 9. Mai 2013
Ich habe das Buch gekauft, weil ich es für eine Pflichtlecktüre gehalten habe, beziehungsweise habe ich schon davon gehört. Es ist leider sehr klein geschrieben. Der Story ist nicht jedermanns Geschmack.
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HALL OF FAMEam 21. Februar 2007
Philip Roths Roman "Der menschliche Makel" erzählt vom Zerfall der Familie, vom Scheitern des "American Dream", von der Trostlosigkeit akademischer Karrieren und vor allem von dem vergeblichen Versuch, mit sich und seinem Leben ins Reine zu kommen. Weitere typisch Roth'sche Themen sind: die Folgen eines sexuellen Missbrauchs, der körperliche Zerfall alt gewordener Männer, die Einsamkeit selbstbewusster Karrierefrauen sowie Mord aus Verzweiflung und Leidenschaft. Was wie ein klassischer amerikanischer Campusroman beginnt, entpuppt sich als überaus spannendes Sittengemälde der selbstvergessenen bildungsbürgerlichen amerikanischen Gesellschaft im ausgehenden 20. Jahrhundert. Anhand der Hauptfigur, des über 70-jährigen Universitätsprofessor Coleman Silk, der durch eine Affäre um Rassismus und Sex tragisch zu Fall gebracht wird, erzählt Philip Roth mit psychologischer Tiefgründigkeit von der Illusion, im "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" seine Lebenslügen bis zum Tod aufrechtzuerhalten.
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am 15. Juli 2017
Ich musste mir dieses Buch als Pflichtlektüre für die Schule kaufen und dies ist nun mein eindruck nachdem ich das Buch gelesen habe

Pro:
-Sehr Gute story zwar etwas verwirrend manchmal aber echt gut

Kontra:
-extrem schwer zu lesen
-Oft kommen im Buch zeitsprünge von einer zeit zur anderen, welche man nicht sofort erkennt
-Manchmal ech barokk geschrieben sodass man sätze mehrmals lesen muss um sie zu verstehen

Fazit
Ich finde dieses Buch eigentlich ganz okay,wegen der guten Story aber leider wird dies alles verdeckt durch die Kontra Punkte wie z.b. dass das Buch schwer zu lesen ist
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am 15. März 2002
"Menschlich", das Adjektiv vor dem Makel, auf dem Umschlag etwas kleiner gedruckt als das Substantiv, ist - natürlich - der Kern der Angelegenheit. "Menschlich", so gern benutzt, dieses überaus freundliche Wörtchen, "humanitär", sofern es um größere Gruppen geht, und ach so häufig in seiner Negation - un-menschlich. Es ist ein seltsames Wort, quasi selbstdefiniert, aber eigentlich qualitätslos, genaugenommen völlig aussagefrei, denn Menschen sind *alles*: Gut, böse, neidisch, freundlich, brutal, feindselig, kleingeistig, heimtückisch, geil, machtversessen, sozial, unsozial, asozial. Der Begriff sagt nichts, außer: Er gilt nur für Menschen. Denn Menschen sind - natürlich - einzigartig auf der Welt. Jeder Mensch ist menschlich. Das Menschsein ist der Makel, der Titel eine Tautologie.
Der einundsiebzigjährige Coleman Silk blickt auf eine großartige akademische Laufbahn zurück, war jahrelang reformfreudiger Dekan des - durch seine Arbeit - hochreputierten Colleges von Athena, irgendwo in den Berkshires, und Professor für klassische Literatur, beliebt, geachtet, fast berühmt. Doch die Karriere endete abrupt. Ein eigentlich harmloser Satz, fallengelassen beim Überprüfen der Anwesenheitsliste, rief die selbsterkorenen Moralwächter, die Neider, die Karrieristen auf den Plan. Als Coleman von "dunklen Gestalten, die das Seminarlicht scheuen" deklamierte, um sich über zwei Studenten lustig zu machen, die noch keine der Vorlesungen im laufenden Semester besucht haben, brach eine Welle der moralischen Entrüstung über ihm zusammen. Denn jene Studenten waren Schwarze. Der Rassismusvorwurf, zunächst von Silk verlacht, der nichts von der Hautfarbe seiner Schützlinge wußte, aber in kurzer Zeit zur massiven Bedrohung angewachsen, zerstörte nicht nur die Laufbahn, negierte in kurzer Frist alle Erfolge des langen, fruchtbaren Lebens, sondern führte auch zum Tod von Colemans Frau.
Roths Alter Ego, Schriftsteller Nathan Zuckerman, freundet sich mit Silk an, Monate nach dessen Rückzug aus dem College, Wochen nach dem Tod von Iris Silk. Beide alten Männer, Zuckerman inzwischen diogenesisch zurückgezogen lebend und seit einer Prostataoperation impotent, nähern sich behutsam an, nachdem Zuckerman abgelehnt hat, die Geschichte Silks zu schreiben, was jener inzwischen selbst versucht. Bei langen Gesprächen enthüllt sich das Leben Silks, der währenddessen - unter anderem dank Viagra - ein Verhältnis mit einer 34jährigen Putzfrau pflegt. Highschool, Navy, viele Frauen, heimliches Boxen, das erste College, eines nur für Schwarze. Denn Coleman Silk ist selbst ein Schwarzer. Nach dem Tod des strengen, hochgeschätzten Vaters entschied Coleman, sich die ungewöhnlich helle Farbe seiner Haut zunutze zu machen - und gab sich als Weißer aus. Fünfzig Jahre trug er dieses Geheimnis mit sich, verborgen auch vor der eigenen Frau, bis ausgerechnet der Vorwurf des Rassismus ihn dazu bringt, sich einer einzigen Person zu offenbaren: Dem selbst mehr und mehr in den Hintergrund tretenden Erzähler Nathan Zuckerman.
Während im Weißen Haus die Lewinsky-Affäre tobt, seziert Roth, fantastisch erzählt, die Biographien seiner eindringlichen Protagonisten, diejenige des leidenden Professors, seiner Familie, seiner jungen Freundin, einer Analphabetin, die bereits jede Form von Leid erlebt hat, der neidischen Karrierefrau Delphine Roux, Silks Hauptwidersacher, Vertreterin des energischen, mitleidlosen Feminismus - und des durchgeknallten Vietnam-Veterans, mit dem Silks junge Freundin verheiratet war.
Aufgesetzte Moral, von gewaltiger Zerstörungskraft, Scheinheiligkeit, Vordergründigkeit. Philip Roth entwirft mit leisen, aber mächtigen Worten ein Bild der Gesellschaft, die nicht mehr unterscheiden kann oder *zu sehr* unterscheidet zwischen der inneren und der äußeren Moral, die Schwierigkeiten damit hat, zu differenzieren zwischen medialen und realen Persönlichkeiten, die angesichts der Inflation von Öffentlichkeit keine Privatheit mehr zuläßt oder anerkennt. Roth dringt in seine Figuren ein, läßt *Menschen* wachsen auf diesen 400 Seiten, von unglaublicher Plastizität, Authentizität, weckt Mitgefühl, Verständnis, sogar für die Antagonisten.
Unglaublich.
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am 1. Mai 2002
Wer Philip Roth kennt, weiß wie ausführlich er erzählen kann, manchmal hart und heftig, vor allem in der Sexualität mit Wörtern, die andere Autoren nicht so gern in den Mund nehmen. Also, machen Sie sich auf was gefasst! Aber wenn Sie mehr wissen wollen über die Unterdrückung und die Lebensatmosphäre der Schwarzen in der Zeit vor und nach dem 2. Weltkrieg, wenn Sie die Lebensgefühle eines Vietnamveteranen verstehen wollen und wenn Sie die Absurdität der "political correctness" erkennen möchten, dann sind Sie bei P. Roth gerade richtig. Ohne im Detail auf den Inhalt einzugehen, das können Sie bereits in den anderen Rezensionen treffsicher nachlesen, bleibt eine ausführliche Beschreibung der Kleinstadtatmosphäre in Neuengland in der Gegenwart. Präzise beschreibt Roth die Lebensumstände und Gedankenwelt der beteiligten Personen. Er führt uns in die politische Debatte der Vereinigten Staaten der letzten 50 Jahre und beteiligt uns an der Auflösung eines Kleinstadtkrimis, der wahrlich kein Kriminalroman ist. Roth zeigt, wie in seinen letzten Büchern, das er zu den größten lebenden Autoren der Gegenwart gehört: Auf einer Stufe mit Marquez, Kundera und den vielen andere Literaten aus den USA. Unbedingt zu empfehlen!
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