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Kundenrezensionen

4,2 von 5 Sternen
37
4,2 von 5 Sternen
Mephisto: Roman einer Karriere
Format: Taschenbuch|Ändern
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am 18. Dezember 2016
Mephisto aus dem Jahre 1936 ist ein historischer Schlüsselroman und könnte eigentlich vom Thema her sehr spannend sein. Der gleichnamige Kinofilm mit Klaus Maria Brandauer hatte seinerzeit einen Oskar erhalten, aber eine vergleichbare Ehre wurde dem Buch leider nicht zuteil. Ganz im Gegenteil. Die Zeitgenossen haben das Buch eher kritisch kommentiert. Und nach der Lektüre schliesse ich mich eher den kritischen Stimmen an. Schlüsselroman deshalb, weil hinter jedem Charakter eine reale Person der damaligen Zeit steht.

Zunächst aber kurz noch zum Inhalt. Der begnadete Schauspieler Hendrik Höfgens macht Karriere im Dritten Reich und schafft es bis nach Berlin als Intendant des bedeutendsten Theaters in der Hauptstadt. Er will um jeden Preis seinen Beruf weiter ausüben, Erfolge haben und nicht ins Ausland gehen, obwohl auch ihm die kriminellen Machenschaften der nationalsozialistischen Partei nicht verborgen bleiben. Er hat Erfolge in Hamburg und will trotz des dortigen Freundeskreises weiter nach oben. Die Bewerbung in Berlin ist erfolgreich. Er arbeitet zunächst zu niedrigem Lohn und ist überzeugt, dass diese Übergangsphase bis zum grossen Ruhm zu überstehen ist. Er heiratet in eine berühmte Familie ein, obwohl ihn die Frauen generell und im speziellen diese Frau gar nicht so richtig (sexuell) begeistern. Homoerotische Tendenzen spricht Klaus Mann aber nicht direkt an. In Berlin brilliert er schliesslich als Mephisto in Goethes Faust. Eine Rolle, die ihm auf den Leib geschrieben scheint. Er bricht alle Publikumsrekorde und ist karrieremässig ganz oben angekommen. Seine Ehe ist (natürlich) längst zerbrochen, seine Geliebte aus Deutschland verbannt. Die Einsamkeit tritt in sein Leben.

Klaus Mann spricht hier prophetisch die schlimmsten Ahnungen aus, die sich dann tatsächlich bewahrheiten: Diskriminierung der Juden und aller Andersdenkenden, Konzentrationslager, politische Morde und Völkermorde, Gleichschaltung der Medien, Eroberungskriege im Osten und Rachefeldzüge im Westen. Und natürlich der unausweichliche Untergang. Man kann wieder einmal nicht verstehen, dass niemand diesen Wahnsinn aufhalten konnte. Aber vielleicht war Klaus Mann weniger ein zuverlässiger Prophet als vielmehr ein geborener Schwarzmaler; leider hat er sich später sogar umgebracht. Trotz mächtiger Stimme konnte er diesen Wahnsinn nicht aufhalten.

Mit Mephisto hat Klaus Mann ein Denkmal für Gustav Gründgens geschaffen. Diesen Schauspieler konnte man nach dem Krieg sogar noch im Kino bewundern. Mit Will Quadflieg als Dr. Faust und ihn selbst als Mephisto in seiner phantastischen Maske. Wer dies gesehen hat, kann nur bestätigen, mit welcher Genialität dieses Stück umgesetzt wurde. Und man kann sicherlich auch diese unbedingte Gier nach Theater, Applaus und Erfolg verstehen, die im fremdsprachigen Ausland so nicht möglich gewesen wäre. Also dann das geringere Übel: sich den Mächtigen an den Hals werfen, Hermann Göring hofieren und unter seinem Schutz Karriere machen. Koste, was es wolle. Er hat privat genauso seine Seele verkauft, wie es Goethe im Faust vorgezeichnet hatte.

Jetzt noch zur Kritik. Mit einem Satz: das Buch ist schlecht geschrieben. Der persönliche Hass trieft aus jeder Seite (so anscheinend auch Lion Feuchtwanger, S. 402 des Nachworts). Das «aasige Lächeln» von G.G. erwähnt der Autor auf jeder dritten Seite. Er schreibt von aussen, er nennt die Fakten wie ein Journalist und zusätzlich wird jede Handlung von G.G. mit negativen Adjektiven versehen. Was im Inneren von Gustav Gründgens vorgehen könnte, interessiert Klaus Mann anscheinend gar nicht. Er ist ein Schuft und mit jedem geschriebenen Satz versucht er, diese Tatsache seinem Publikum klar zu machen. Gerade interessant gewesen wäre der Blick in die Gedanken- und Gefühlswelt von H.H. bzw. G.G. So hat man als Leser gar keine Wahl. Klaus Mann versucht mit aller Kraft, die geringste Sympathie für Hendrik Höfgens im Keim zu ersticken. Sehr einseitig das Ganze.

Klaus Manns Schwester Erika war ja mit Gustav Gründgens verheiratet. Klaus Mann selbst hat zusammen mit diesen beiden Theaterstücke gespielt. Aber plötzlich war alles aus. Die Manns haben Deutschland verlassen, Gründgens ist geblieben - der Karriere wegen. Vielleicht war Klaus Mann sogar in Gründgens verliebt und hat nicht überwunden, dass er die Schwester unglücklich gemacht hat und die gemeinsamen Werte verraten hat. Dem Tagebuch hat er anvertraut, er hätte wiederholt «zärtlich von Gründgens» geträumt (Seite 395).

Zum Schluss muss ich allerdings eingestehen, dass es doch spannend war, das Buch zusammen mit den geschichtlichen Ereignissen und den Lebensläufen der beschriebenen Schauspieler zu verfolgen und mir selbst ein Bild der damaligen Zustände zu machen. Als reine Unterhaltung ist das Buch aber sicherlich nicht zu empfehlen. Wer die Analyse liebt und neugierig ist, wie es gewesen sein könnte, und über sprachliche Schwächen hinwegsehen kann, dem kann ich das Buch empfehlen. Und Klaus Mann hat genau den Menschentyp beschrieben, der es nach der Machtergreifung aufgrund materieller Interessen versäumt hat, Hitler zu stoppen.
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VINE-PRODUKTTESTERam 9. März 2013
Der Roman "Mephisto" erzählt die Geschichte des begabten Schauspielers Hendrik Höfgen, der während der Weimarer Republik in Hamburg erfolgreich ist, mit dem Sozialismus sympathisiert und in pervers angehauchten Unterwerfungsspielchen mit der Schwarzen Juliette seine wahren Höhepunkte erlebt. Er heiratet opportun in gute Kreise und überhaupt - er bewegt sich so geschickt durch die eine Welt die sm zerbrechen ist, dass ihm letztendlich auch das Nazi-Regime nichts nachsagen kann und er zum Publikumsliebling und Star avanciert.

Höfgen ist durch und durch unsympathisch - man fühlt sich jeder Person näher als ihm. Selbst den ur-nazi Hans Miklas möchte man mal in den Arm nehmen weil er so verloren ist, während man einen Höfgen nur meiden möchte. Klaus Mann behauptet vehement, in diesem Buch einen Typus und keine Person porträtiert zu haben. Das ist einerseits glaubhaft. Es gibt ihn, diesen Typ. Es gab ihn vermutlich bei den Nazis, bei den Kommunisten, in der Kirche - und es gibt ihn heute - in einer globalisierten Welt - wo man behauptet zum Wohl der Allgemeinheit zu arbeiten aber die Fabriktüren der brennendne Fabrik verschliesst. Angeblich weil man nicht wusste, dass Menschen umkommen könnten. Man kennt ihn, den der mit der Belegschaft auf Du ist, aber die Worte aus der Kaffeepause geschickt nutzt, um seine eigene Stellung bei der Vorgesetzten zu sichern. Ja, das nehme ich Herrn Mann ab.

Trotzdem glaube ich ihm nicht. dass er nicht in Gustav Gründgens mehr als nur ein Vorblid für diesen Typus gesehen hat. Zu stark ist die Namensparallele, zu sehr die Identifikation mit dem Mephisto, zu viele Handlungsstränge sind aus dem echten Leben gegriffen. Sorry, Herr Mann, ich denke schon, dass das durchaus ein Feldzug war.

Als Lesestoff vielleicht sprachlich ein klein wenig verstaubt aber unbedingt zu empfehlen. Ich habe es anno 85 in der 10. Klasse zum ersten Mal gelesen und fand es damals sehr gut, noch heute gefällt es mir bestens. Eben weil es dem Leser einen Typus vorstellt, den er im echten Leben erkennen und auf der Hut sein sollte, der Bezug zu echten Personen macht die Lektüre um so spannender.
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TOP 500 REZENSENTam 5. April 2012
Zeitlos, obwohl doch eigentlich zeitlich genau verortet. Der Schauspieler Hendrik Höfgen steigt zu Beginn des 'Dritten Reiches' zu einem der gefragtesten Schauspieler Deutschlands auf. Höfgen ist durchaus begabt, aber auch vor Ehrgeiz und Neid derart zerfressen, dass er zu allem bereit ist, um den Aufstieg zu schaffen. Dazu schließt er ein Bündnis mit den Spitzen des Regimes und wird der persönliche Schutzbefohlene von Hermann Göring. Unliebsame Menschen verschwinden von nun an von der Bildfläche und Höfgens Karriere schreitet unaufhaltsam voran.

"Er lügt immer, und er lügt nie. Seine Falschheit ist seine Echtheit - es klingt kompliziert, aber es ist völlig einfach. Er glaubt alles, und er glaubt nichts. Er ist ein Schauspieler" (187). Klaus Manns Roman "Mephisto" wurde 1936 veröffentlicht und in Deutschland natürlich sofort verboten. Höfgen wird als ein durch und durch verkommener Mensch gezeichnet, der nach oben buckelt und nach unten tritt, sich regelmäßig von einer Prostituierten auspeitschen lässt, zu freundschaftlichen Bindungen unfähig ist, sich im Selbstmitleid suhlt und nur ein Ziel im Leben hat, nämlich den eigenen beruflichen Erfolg: "Aus guten Gründen - indem er nämlich von sich auf die anderen schloß - rechnete er stets mit der selbstsüchtigen Infamie seiner Mitmenschen" (235).

Höfgen steht repräsentativ für einen Charaktertypus, der auch heute noch in zahlreichen Variationen vorzufinden ist. Aufstieg um jeden Preis, Kontakte wichtiger als Kompetenz, den moralischen Kompass ausschließlich am eigenen Vorwärtskommen ausrichtend; heute spielt sich das Beispiel Höfgen täglich in Tausenden von Familien, Betrieben und Vereinen ab. Das wirklich entscheidende hierbei ist, solche Charaktere nicht, auch wenn es schwerfällt, zu verteufeln, sondern zu erkennen, wie viel von diesen eigentlich in einem selbst stecken: "Ich meine: steckt nicht in jedem rechten Deutschen ein Stück Mephistopheles, ein Stück Schalk und Bösewicht? Wenn wir nichts hätten als die faustische Seele - wo kämen wir denn da hin?" (276)

Fazit: Große Literatur im zeitlosen Gewand! "Mephisto" ist zurecht in jedem ernstzunehmenden Literaturkanon zu finden.
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am 3. Januar 2009
Klaus Manns »Mephisto« erschien 1936 in einem Exilverlag. Der Roman handelt vom Aufstieg des einfachen Bühnenschauspielers Hendrik Höfgen, welcher unter den Nationalsozialisten bis zum Intendanten des Berliner Staatstheaters aufsteigt.

Als Vorbild für seinen »Mephisto« Hendrik Höfgens diente K. Mann der Werdegang Gustaf Gründgens, selbst Staatsintendant, dessen Entwicklung K. Mann intensiv beobachtet hatte, weil Gründgens bis 1929 mit K. Manns Schwester Erika verheiratet war. Dieser Hintergrund macht den Stoff besonders glaubwürdig. Die Nähe zwischen dem fiktiven und dem realen Intendanten führte aber auch dazu, dass der »Mephisto« bis 1981 nicht in Deutschland gedruckt wurde: Der Adoptivsohn Gründgens hatte vor Gericht ein Verbot erwirkt, weil er in dem Roman eine Verletzung des Persönlichkeitsrechtes seines Adoptivvaters sah. Die Brisanz des langwierigen Prozesses um den Druck des »Mephisto« führte dazu, dass dieser Roman wohl heute als der bekannteste Roman K. Manns gilt.

Zu Lebzeiten beharrte K. Mann darauf, dass sein Roman mehr als nur ein Schlüsselroman um den Charakter des Intendanten sei. Tatsächlich gelingt dem Schriftsteller neben der feinfühligen Charakterstudie (K. Mann hätte wohl von der Studie eines Typus gesprochen), eine wirkliche interessante Gesellschaftsstudie des Deutschlands ab 1926 bis zum Regime der Nationalsozialisten vor Kriegsausbruch. Dabei finden die Milieus der Künstler, Arbeiter, Aristokraten, aber auch der Kommunisten und der Nationalsozialisten, von der untersten Ebene bis hoch zur Naziführung bei K. Mann Beachtung. Es gelingt K. Mann ein erschütternd klares Bild der damaligen Verhältnisse, dass auch viele Vergleiche zu dem heutigen Umgang mit Nationalsozialismus in der Öffentlichkeit zulässt.

Es heißt, K. Mann habe bis zu letzt ein gespaltenes Verhältnis zu seinem »Mephisto« gehabt, den er sein »böses Buch« genannt haben soll. Tatsächlich hat dieses Buch sowohl eine anziehende- als auch abstoßende Wirkung auf den Leser. Das liegt daran, dass der Roman zum einen sehr romantisch ist. Hendrik Höfgen wird nicht einseitig als Bösewicht beschrieben. Seine Person ist sehr ambivalent und immer ringt er darum, sein Handeln vor seinem eigenen Gewissen (Gewissen?) zu verantworten. So wird die Unmoral eines opportunistischen Künstlers demaskiert, welcher den faustischen Pakt eingeht.

In diesem Buch kann man viel über die Wirkung des Nationalsozialismus auf seine Anhänger lernen, über die Differenz zwischen Propaganda und diktatorischer Realität, und über die menschlichen Abgründe, die ein grenzenloser Opportunismus mit sich bringt. Dabei ist der »Mephisto« auf eine sehr eindringliche Art erzählt, sodass man dieses Buch gar nicht mehr aus der Hand nehmen kann. Stark auch, wie K. Mann Symboliken und Zitate aus Goethes »Faust« mit seinem »Mephisto« verflechtet. Uneingeschränkt empfehlenswert.
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am 28. Februar 2003
Klaus Mann stellt in seinem Roman Mephisto, der mittlerweile bereits zur Weltliteratur zählt, den von Karrierestreben beherrschten Schauspieler Hendrik Höfgen, welcher mit seiner zwiespältigen Moral in der NS-Gesellschaft zu Ruhm und Ehre gelangt, in den Mittelpunkt. Das Werk erschien 1936 im Exil, da sich Mann 1933 selbst gezwungen sah, Deutschland nach der Machtübernahme Hitlers schnellstmöglich zu verlassen. Typisch für die Exilliteratur war der bemüht „aufklärende" und kontroverse Stil, der als Denkanstoß für den Leser angedacht war. Zusätzlich stellt „Mephisto" allerdings auch Klaus Manns persönliche Abrechnung mit dem faschistischen Regime im Allgemeinen und dem Typus des bürgerlichen Intellektuellen, welcher sich auf Kosten seiner Ideale angepasst hat, im Besonderen dar. Er selbst war bekannt für seine gesellschaftskritische Haltung, wodurch eine Rückkehr nach Deutschland für ihn zwangsläufig mit Inhaftierung oder gar Tod verbunden war.
Angelehnt an historische Personen und Ereignisse zeigt Thomas Manns Sohn auf seine Weise den Werdegang eines deutschen Schauspielers, der sich anfangs im Provinztheater einen Namen macht, jedoch immer auf den nächsten Schritt seiner Karriere fixiert ist. Der zur Zeit der Weimarer Republik bekannte „Kulturbolschewist" schließt in Aussicht auf eine glanzvolle Laufbahn am Staatstheater 1933 einen Pakt mit der zuvor verabscheuten nationalsozialistischen Macht. Am Ende ist Höfgen selbst derjenige, der zur Marionette der Einflussreichen wird, und verdammt ist ihr Komödiant zu bleiben.
Dieses Werk ist ohne Frage eine Meisterleistung. Es ließt sich zwar relativ einfach, stellt jedoch keine leichte Unterhaltungskost dar. Die Thematik, der komplexe Sprachstil und die verzweigen Motive, Symbole, sowie historischen Zusammenhänge verlangen dem Leser einen gewissen Anspruch ab.
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am 20. Oktober 2016
Also das Buch ist wie immer sehr schnell gekommen und es ist auch alles in Ordnung. NIr steht hier in der Beschreibung das es auf englisch wäre!!! Es ist aber in deutsch geschrieben (was ich auch gut so finde). Das müsste man eventuell mal ändern.
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am 6. Mai 2004
Angeregt von dem Film "Mephisto" mit Klaus-Maria Brandauer in der Hauptrolle als Hendrik Höfgen und - genial! - Rolf Hoppe als Göring habe ich das Buch gelesen. Es schildert exemplarisch die Situation der Künstler in einem totalitären Staat, hier dem Dritten Reich. Anspielungen an den bekannten Theaterintendanten und Faust-Darsteller Gustav Gründgens sind im Buch evident. Klaus Mann war zeitweise mit ihm verwandt, da seine Schwester mit Gründgens zeitweise verheiratet war - die "Barbara" im Roman.
Das Buch schildert die Karriere des zunächst kommunistischen Provinzschauspielers Hendrik Höfgen, der jedoch nicht wie Max Reinhardt und andere Schauspieler nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten 1933 emigriert, sondern im Land bleibt. Opportunistisch passt er sich den Machthabern an. Dennoch leidet Höfgen auch unter der Situation - immerhin hat Höfgen im Roman und auch Gründgens in der Realität versucht, Regimegegnern und Juden zu helfen und zu retten - ein mutiger Akt in einem totalitären System. Dies kommt in dem Buch zu kurz, da Klaus Manns Hass auf Gründgens sehr stark durchscheint. Dennoch hat mich das Buch unwahrscheinlich gefesselt: es zeigt exemplarisch das Leben der Künstler in einem totalitären Staat: wer sich nicht anpasst, wird zertreten. Hendrik Höfgen flüchtet direkt vor der Realität in die Schauspielerei: so ist es kein Wunder, dass er auf Vorwürfe - im Buch in Auseinandersetzung mit einem kommunistischen Idealisten am Ende des Romans, im Film am Ende im gleißenden Licht, welches Göring auf ihn strahlen lässt, erklärt, er könne nichts für die Realität - er sei doch nur Schauspieler.
Es ist sicherlich leicht, heute den Stab über Gründgens und Höfgen zu brechen. Deutlich wird jedoch, wie schwer Widerstand in einer totalitären Diktatur gewesen ist: es fand eben nicht jeder den heldenhaften Mut zum Widerstand oder zur Emigration. Klaus Mann zeigt in seinem Buch auch, wie Höfgen unter dieser Feigheit leidet - obwohl das Werk insgesamt eine beißende Satire auf die Nationalsozialisten wirft. Es entstand 1936 und so ist es bewundernswert, mit welchem Scharfblick Mann die totalitären Zustände im Reich Hitlers entlarvt - der Einzelne, das Individuum mit seinen Nöten zählt nichts, es wird im Widerstand gegen das System entweder zertreten oder es passt sich - seelenlos - an. Insofern scheint mir der Roman mehr zu sein als reine Satire - es ist ein zutiefst trauriges Buch über den "unpolitischen Deutschen" - wie Klaus Manns Vater, Thomas Mann, sich und seine Generation bezeichnet hat.
Wie eine Staatsform - die Diktatur - jede kulturelle Blüte ersticken kann, wenn Primitivität, Banalität und Borniertheit zusammentreffen und die Macht erlangen - dies zeigt dieser sehr eindrucksvolle Roman, der - wie Feuchtwangers zur selben Zeit entstandenes Buch: "Der falsche Nero" - ebenfalls ein Schlüsselroman über die Zustände im nationalsozialistischen Deutschland und mit dem vorliegenden Buch in vieler Hinsicht vergleichbar - meines Erachtens ein Meisterwerk der Exilliteratur darstellt. Ob er der Person Gustav Gründgens' (die Höfgen aller Dementis des Autors zum Trotz doch wohl darstellt)allerdings gerecht wird, dies ist eine andere - und für mich offene - Frage.
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am 24. Januar 2007
Es ist interessant, dass Klaus Mann selbst zu seinem im Nachhinein erfolgreichtsten Werk, dem Roman "Mephisto", ein äußerst distanziertes Verhältnis hatte und es ein "kaltes und böses Buch" nannte. Er liebte seinen Tschaikowski-Roman "Symphonie pathétique" viel mehr und hielt später den "Vulkan" für sein bestes Werk. Mir persönlich geht es ähnlich. Ich finde andere seiner Werke noch spannender und gelungener. Nichtsdestotrotz halte ich "Mephisto" für ein wichtiges und auch ein "gutes" Buch. Das liegt gerade daran, dass Klaus Mann sich hiermit nicht ausdrücklich an Gustav Gründgens rächen wollte, wie so oft behauptet wird, sondern einen Zeitroman und das typische Porträt eines charakterlosen Karrieristen verfassen wollte. Mit Gustav Gründgens hatte er sich bereits ausführlich in der Figur des Gregor Gregori in "Treffpunkt im Unendlichen" beschäftigt - dort stand tatsächlich dieser Mensch im Vordergrund. "Mephisto" ist ungleich politischer - hier geht es um jeden, der seine Überzeugungen verrät und sich mit den Nazis arrangiert. Dass Klaus Mann das Geschehen im 3. Reich nicht detailliert aufzeigen kann, liegt daran, dass er sich nun mal glücklicherweise im Exil befand, was man ihm nicht zum Vorwurf machen kann. Ich finde es hingegen spannend, wie scharf dieser Blick von außen ist: Klaus Mann erkennt das Unwirkliche, Lächerliche, Verlogene der Machthaber, anstatt sie nur zu dämonisieren und somit Deutschland gleichermaßen schon wieder zu entschuldigen. Das ist natürlich sehr unbequem für den Leser, wie die ganze Thematik unbequem ist. Trotzdem sollte man sich ihr stellen, und die Beschäfigung mit diesem Buch ist ein wichtiger Beitrag dazu. Ich empfehle jedoch jedem, der mit "Mephisto" nicht zufrieden war, noch den "Vulkan" zu lesen, einem weiteren Zeitroman, der die Thematik noch vertieft.
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am 5. September 2012
Ich moechte einmal versuchen, die Geschichte des Schauspielers Hoefgen-Gründgens aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Klaus Mann bemüht sich in diesem Buch mit ganzer Seele, seinen ehemaligen Freund und Schwager Gustav Gründgens negativ darzustellen, und es ist ihm in jeder Hinsicht gelungen. Als auktorialer Erzähler schiebt er Hoefgen unentwegt niederträchtige Gedanken in den Kopf. Nichtzuletzt ruinieren die perversen sado-maso Episoden vollkommen das Gesamtbild des Schauspielers. Es ist verständlich, dass Gründgens und später sein Adoptivsohn die Verbreitung des Buches unterbunden haben.
Bei der aufmerksamen Lektüre des Romans wird jedoch auch deutlich, dass Hoefgen-Gründgens ein ausgezeichneter Schauspieler war. Sein großes Glück bestand darin, dass er unter den Nazis weiterspielen durfte. Sein großes Pech bestand darin, dass er dafür mit ihnen auf gutem Fuß stehen musste. Hoefgen-Gründgens ging es jedoch einzig darum, Schauspieler zu sein. Und wer Inszenierungen mit Gustav Gründgens in Filmaufnahmen gesehen hat weiß, er war ein außerordentlich talentierter Schauspieler. Mir tut Leid, dass er dafür vor den Nazis katzbuckeln musste. Wohlgemerkt, er selbst hat sich niemals an Greueltaten der Nazis beteiligt. Vielleicht sollten wir unsere Wut in dieser Hinsicht auf Nazi-Politiker, SS-Führer und KZ-Folterknechte richten. Ueberdies denke ich, wer Gründgens Verbrechen anlasten will oder auch nur eine unlautere Lebensführung, der sollte dies korrekterweise in einer authentischen Biographie dokumentieren und nicht in einem Roman, in dem sich Wirklichkeit und Fiktion vermischen bis die Person zu einem lächerlichen Gesamtbild verzerrt wird. Literatur kann nicht zu einem Medium werden, um das Image von bekannten Persoenlichkeiten zu ruinieren.
Klaus Mann weist geschickterweise darauf hin, dass er in seinem Buch einen "Typus" darstellen wollte und keine reale Person. Doch umso mehr empoere ich mich! Wir sollten lernen, einen Künstler nach seinem Koennen zu beurteilen. Wenn er Kompromisse mit der Politik eingeht, so ist das eine Schande für die Politik, die Sympathiebezeugungen abzwingt, um sich im Sattel zu halten. Der Künstler sollte in dieser Hinsicht mit Nachsicht behandelt werden und ausschließlich nach dem Wert seiner Kunst beurteilt werden. Daher gilt: Gustav Gründgens war ein einzigartiger Schauspieler und wird den deutschen Goethe-Liebhabern stets zu Herzen sein.
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am 26. Januar 2005
"Mephisto" - Das Buch wurde in der BRD lange Zeit verboten, weil es für die Richter eine simple persönliche Rache eines unbedeutenden Exilliteraten gegen einen hohen Träger der deutschen Kultur war (so in etwa die Argumentation). Doch mit dieser Einschätzung irrten die Richter: Als das Werk 1981 - theoretisch immer noch illegal - in der BRD neu veröffentlicht wurde, schnellte es sofort auf die Topposition der Bestsellerliste. Diese "Auszeichnung" allein sagt noch nichts über die Qualität eines Werkes aus - aber in diesem Fall war der Verkaufserfolg berechtigt. "Mephisto" ist keineswegs eine simple Rache, sondern der Versuch, die Mitläufer während der nationalsozialistischen Herrschaft und ihre Motive zu analysieren. Hendrik Höfgens, der Hauptprotagonist des Werkes, ist zwar halbherziger Kommunist, wechselt aber bei der Machtergreifung Hitlers 1933 die Seiten, weil er seine Karriere als Schauspieler nicht aufgeben will und daher den Pakt mit dem Teufel eingeht. Er mutiert dabei keinesfalls zu einem überzeugten Nazi, sondern geniesst "nur" die Aufmerksamkeit, die er vom neuen Regime erhält.
"Mephisto" ist keineswegs ein "Schlüsselroman". Es ist zwar unbestritten, dass mit Hendrik Höfgens der Schauspieler Gustaf Gründgens gemeint ist, aber - wie Klaus Mann betont - geht es in der Charakterisierung nicht um die PERSON Gründgens, sondern um den TYPUS eines typischen Mitläufers. Klaus Mann hätte genausogut den Dirigenten Fürtwängler in den Mittelpunkt seines Werkes setzen können. Er tat es nicht, nicht weil er Gründgens für besonders schlimm hielt (im Gegenteil), sondern weil er ihn zufällig besonders gut kannte (seine Schwester Erika war mit ihm verheiratet).
Genau dieser kleine, aber feine Unterschied macht "Mephisto" zu einem Weltklassewerk, das mit Ironie (zuweilen auch bissigem Zynismus) und einer sehr schön eingesetzten Sprache der Frage nachgeht, weshalb ein an und für sich unpolitischer und intelligenter Mann in den Bann des Nationalsozialismus geraten konnte.
Das Werk ist - meiner persönlichen Meinung nach - eines der besten Bücher, die im Exil geschrieben wurde. Es sei hiermit jedem zu empfehlen.
Am Schluss sei noch darauf hingewiesen, dass Klaus Mann - als er nach dem Krieg mitansehen musste, wie die Karriere des "Mitläufer" Gründgens weiterhin steil nach oben zeigte, als wenn nichts geschehen wäre und in direkter Reaktion auf diesen weiterhin anhaltenden Erfolg des Schauspielers kein westdeutscher Verlag bereit war, "Mephisto" zu veröffentlichen - 1949 aus Enttäuschung und Resignation freiwillig aus dem Leben schied. Durch diesen Umstand bekommt das Werk eine noch stärkere Prise Aktualität, als es sonst schon hat. Unbedingt lesen!
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