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Kundenrezensionen

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am 12. Dezember 2002
Die Verbindung von Kertesz und dem im Titel zitierten Rimbaud liegt in ihrer Existenz als Schriftsteller. Das ist, wie Kerteszs Buch zeigt, radikal zu verstehen: Er verliert sich da in den Rändern seiner Identität, wo er das Erlebte nicht mehr selbstverständlich in Literatur umformen kann. Er ist nur da mit sich selber identisch, spürt sich nur da, wo er schreibt. Diese Suche nach den richtigen Namen für Personen und für die Dinge selbst, eine Tätigkeit, die mit der Frage nach der Identität unmittelbar verknüpft ist, gewinnt durch direkte oder verborgene Hinweise auf Wittgenstein an Tiefe.
Diese Erkenntnis manifestiert sich in einer Reihe von Apercus an verschiedensten Orten der Welt. Dabei spürt man, wie präsent der Holocaust ist, wie anwesend das Abwesende. Als Jude zu einer Identität zu finden ist für Kertesz zu einer Unmöglichkeit geworden.
Die Lektüre der kurzen, leicht zu lesenden, aber nachhaltig nachwirkenden Abschnitte lohnt sich auf jeden Fall. Sätze von unendlicher Tiefe stehen neben flüchtigen Erlebnissen im Europa des ausgehenden 20. Jahrhunderts, in dem die ganze, furchtbare Geschichte unheilvoll anwesend ist.
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am 19. April 2014
Imre Kertész beschreibt sein Nomadenleben zwischen den Metropolen, fühlt sich als Flüchtiger, nirgends zu Hause ausser im Schreiben und auch das scheint ihm abhanden zu kommen. Viele seiner Gedanken führen nach Auschwitz zurück, zeigen die Präsenz, die dieser Ort und seine Vergangenheit, noch immer haben. Die Vergangenheit entzieht sich seinem Verständnis, er kann sie nicht fassen, nicht einordnen, weiss nur, dass er sie nie los wird und sie sein Leben begleitet, bedrückt, oft unterdrückt.

Ich – ein anderer ist eine Suche nach der Identität. Imre Kertész reist gedanklich und real durch Zeit und Ort, reiht Erinnerungen, Erlebnisse, Situationen aneinander, versucht sich darin zu finden und bleibt sich doch immer fremd. Die einzig sicheren Merkmale sind sein Judentum, Auschwitz als Vergangenheit und das, was ihn dazu anhält, beides immer wieder zu thematisieren und damit sich selber neu zu finden: Das Schreiben.

"Meine einzige Identität ist die des Schreibens. (Eine sich selbst schreibende Identität.)"

Fazit:

Leicht zu lesen, schwer zu verarbeiten – psychologisch tief, menschlich offen bietet das Buch Einblicke in das Leben eines Menschen, der auf der Suche nach seiner eigenen Identität ist. Sehr empfehlenswert.
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am 2. Juli 2001
Die Erkenntnis "Ich ist ein anderer" stammt ursprünglich von Rimbaud, wie man weiß. Was haben Rimbaud und Kertész gemeinsam? Nicht viel, sollte man denken. Der eine wird im kollektiven Gedächtnis als Ewigjunger überleben, der andere als immer schon zu Alter. Und doch gibt es eine Gemeinsamkeit. Beide haben sie ihr Sach auf nichts gestellt, aufs Nichts, aufs Ich - aufs Schreiben. Mehr haben sie nicht als das, was das Schreiben ihnen schenkt(e). Darum zeichnet ihr Schreiben eine brillante existentielle Qualität aus. Sie meinen es ernst, da das Schicksal es ernst mit ihnen meinte; Rimbaud beendete sein Leben als Waffenhändler in Afrika, Kertész begann das seine in Konzentrationslagern. Erstaunlicherweise jedoch bedeutet vollkommene Ernsthaftigkeit in der Literatur eine Luzidität und Selbstabgelöstheit, die man landläufig eher mit Heiterkeit assoziiert. Allein, um dieses (goethische) Paradox zu studieren, lohnt sich die Lektüre dieses schmalen Bändchens.
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TOP 1000 REZENSENTam 4. April 2013
Es ist 1999 und der ungarische Autor Imre Kertész reist durch Europa. Das ist für ihn nicht selbstverständlich, schließlich hat man seine persönliche Freiheit 40 Jahre lang in einer Zelle eingesperrt, wie er das sozialistische Regime nennt. Ist Identität ohne so eine persönliche Freiheit überhaupt möglich? Zumal Kertész sich nun alles andere als frei fühlt. Eigentlich steckt er immer noch in Auschwitz. Das ist sein vernichtender Horizont, vor dem alles definiert werden muss und jegliche Definition verliert. "Ich bin im Nichts aufgewachsen", schreibt er. Sein Sein scheint ihm letztlich vergeblich. Den Moment des Handelns, des widerständigen Handelns gegen seine Gebrandmarkung, habe er letztlich verpasst. Nur Zeuge kann er noch sein. Und diese Rolle erfüllt er beobachtend und schreibend. Oft ist das Ergebnis seiner Beobachtungen auf diesen Reisen sehr poetisch, wie folgende Beschreibung eines Brunnens in Basel: "vor dem Theater ein Brunnen mit Mobile, kataton oder manisch sich bewegende wasserspeiende, wasserschluckende, wassermessende, wassergießende, im Wasser sich drehende Apparate, ein niederschmetternder Anblick". So geht es assoziativ von Seite zu Seite, immer an den jeweiligen Beobachtungen und Erfahrungen entlanggehangelt. Sie sind die Quelle für ernsthafte Refelxionen über die Gesellschaft, das Leben und den Menschen. Oder aber sie stehen einfach da für sich. Jedenfalls bilden sie zusammen eine anregende Lektüre.
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am 31. Dezember 2005
„Was sind meine höheren Fähigkeiten?“ fragt sich der Protagonist dieses dünnen Romanheftes, nachdem er auf einer Konferenz einem alten Freund in die Arme läuft, an den er sich allerdings nicht erinnern kann. Auch kann er die Bewunderung des Fremden (für seine Bücher) nicht nachvollziehen:
„Ich bin der einzigen Inspiration dieses Landes nicht gefolgt: jenem permanenten verführerischen Sirenengesang, der zum seelischen, geistigen und physischen Selbstmord verleitet, und das zeugt von einer gewissen Vitalität. Doch wäre es höchst unbesonnen, ja verblendet, dieses Minimum als Sieg zu werten.“ Eine Persönlichkeit –nein, das war er nicht. „Alles ist falsch (durch mich, wegen mir: meine Existenz verfälscht es)“, resümiert er in Erinnerung an seine Kriegsgefangenschaft.
Eine verzweifelte Suche nach der eigenen Identität beginnt, wohl wissend, dass sie ins Nichts führt. „Ich“ ist eine Fiktion, bei der wir bestenfalls Miturheber sind. Ich ist ein anderer“, erinnert sich der Protagonist an Rimbaud´s Worte.
„Ich – ein anderer“ ist ein existentielles Dokument eines 1929 geborenen Prager Juden, der sich auf die Suche begibt nach dem Essentiellen, den Kern seines Lebens und dabei seine eigene Jugend wieder findet. Trotz der Erkenntniß, das Leben-langes-leiden bedeutet und Wahrheit nur um den Preis eines ungeheuerlichen Schmerzes zu erkennen ist, findet Kertész eine späte Zufriedenheit.
Imre Kertész gelang 1975 mit seinem Buch „Roman eines Schicksallosen“ der internationale Durchbruch, gewann mehrere Preise und wurde 2002 für sein Lebenswerk mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.
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am 23. Mai 2003
"ich-ein anderer" steht in starker Verbindung mit den Erlebnisberichten aus "Roman eines Schicksalslosen". Dennoch sind manche Teile recht verwirrend, da sehr viele Fremdwörter benutzt werden, die man normalerweise nicht gebraucht, manchmal gar nicht kennt, dadurch wird die Handlung manchmal etwas unklar. Dennoch halte ich dieses Buch für sehr gelungen, da es die Erfahrungen in "Roman eines Schicksalslosen" näher erleutert.
Den Titel "ich-ein anderer" halte ich für sehr gut gewählt, da Kertesz seine Existenzfrage immer wieder durch Zitate von bekannten Philosophen (z.B. Kant) bestätigt.
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