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am 1. Juni 2001
Dieses Buch ist eine -auch für Laien verständliche- Einführung in die ganzheitliche Trauminterpretation. Erich Fromm beschreibt sowohl die Geschichte der Traumdeutung als auch die Traumdeutung von Freud und Jung. Insgesamt ist das Buch sehr anschaulich geschrieben und enthält auch viele praktische Beispiele von Träumen und deren Auslegung. Jedoch muß man an einigen wenigen Stellen zweimal hinsehen, da er Fachbegriffe benutzt, die er nicht erklärt. Auch hätte der Teil der Traumdeutung noch etwas ausführlicher sein dürfen. Das Buch erweckt auf jeden Fall Neugierde auf weitere Literatur.
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am 28. April 2010
Tiefe Einblicke in das Innere der Psyche

In diesem Buch begibt sich der renommierte Gesellschafts- und Psychoanalytiker in die intime Welt der Träume und Gefühle. Da das Träumen seit Urzeiten dem Menschen eigen ist, wird zunächst die Symbolik der Träume untersucht und dabei die Mythen und Sagen der jeweiligen Völker herangezogen. Diese geben bereits wichtige Anhaltspunkte für die jeweilige Traumdeutung (welche Bedeutung hat ein Vogel, ein Baum, eine Schlange in der jeweiligen Kultur).

Am wichtigsten jedoch ist der Zugang zum Unterbewusstsein: im Traum reflektiert der Mensch innere und äußere Einflüsse seines Lebens und stellt dabei seine eigenen Regeln auf. Im besten und schönsten Fall sind das Regeln jenseits von Zwängen und Schwerkraft.

Der Weg ins Unterbewusste beinhaltet jedoch auch den Zugang zu seelischen Abgründen. Vor allem wiederkehrende Angst- und Albträume sind Anzeichen von -häufig längst vergessenen- Zurücksetzungen und Verletzungen. Dabei bietet sich dem verletzen Menschen jedoch auch die Möglichkeit, seine Vergangenheit erneut aktiv zu durchleben und aufzuarbeiten. Seelische Wunden können dann verheilen oder zumindest vernarben.

Erich Fromm gibt in seinem Buch tiefe Einblicke in die Traumdeutung. Er bezieht sich dabei auch auf andere Autoren wie C.G. Jung und Sigmund Freud und erläutert zahlreiche Fallbeispiele. Aufgrund der Komplexität des Themas ist "Märchen, Mythen, Träume" kein einfaches Buch, aber dennoch sehr informativ und auf alle Fälle lesenswert.
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am 26. Januar 2013
Zu Erich Fromm, Märchen, Mythen, Träume – Eine Einführung in das Verständnis einer vergessenen Sprache

Der Titel dieses Buches kann zu der Annahme verleiten, dass es im Wesentlichen um die Deutung von Träumen geht. Der Untertitel scheint dies zu bestätigen. Aber das hieße, das Werk von Erich Fromm nur halb oder oberflächlich lesen. – Dieses rororo-Bändchen sollte man nicht zur schnellen Orientierung mit Bezug auf die Traumdeutung und deren Symbolik heranziehen. Denn Fromm gewährt auch der Analyse von Mythen und ihrer symbolischen Sprache breiten Raum. Die Heranziehung von Schriften der Philosophen Sokrates/Platon und von Dramentexten des Tragödiendichters Sophokles aus der vorchristlichen Zeit bietet ihm reiches Material. Dazu später mehr.
In den Kapiteln zur Traumdeutung ist zunächst eine Unterscheidung von Bedeutung. Es gibt erstens die frühe, nicht-psychologische, zweitens die psychologische Traumdeutung. Zu eins: anfangs glaubten die Menschen, dass die Seelen Verstorbener im Traum erscheinen und Botschaften von Menschen oder Geistern außerhalb des Menschen zu überbringen hätten. In zwei dagegen ist der Traum als Ausdruck der eigenen Seele des Träumers zu deuten. In dieser psychologischen Traumdeutung wird der Traum mit der Persönlichkeit des Träumers in Beziehung gebracht. Einleitend setzt E. Fromm sich aber auch deutlich von Freud und
dessen These ab, nach welcher Träume „Ausdruck der irrationalen und asozialen Natur des Menschen“ sei. Aber auch der Sichtweise von Jung kann er nicht beipflichten. Demnach wären Träume „Offenbarungen einer den einzelnen transzendierenden unbewussten Weisheit.“ Beide also sieht er durch die neuere (und seine, Fromms) psychologische Traumdeutung überholt.
Einen großen Teil seiner Arbeit widmet Fromm dann der Beschreibung und Deutung von Träumen in exemplarischer Hinsicht. Ein Leser, der selber (seine)Träume nicht zu verstehen glaubt, kann hier womöglich zu Einsichten kommen. Wenn auch nicht alles einem jeden plausibel erscheinen mag, so ist eine solche Studie doch höchst lesenswert.
Über „die höhere Vernunft unserer seelischen Prozesse im Schlaf“ haben sich auch andere von Fromm hervorgehobenen Traumdeuter Gedanken gemacht. Es sind dies die Forscher R. W. Emerson und Henri Bergson. Beide würdigt er durch die Hineinnahme ihrer Ansichten in sein Werk. Emerson sagt: „Träume besitzen eine dichterische Integrität und Wahrheit. In dieser Rumpelkammer und Abfallgrube des Denkens herrscht auch eine gewisse Vernunft. (…) Sie irritieren uns durch ihre Unabhängigkeit von uns, und trotzdem erkennen wir uns in diesem verrückten Durcheinander wieder und verdanken unseren Träumen eine Art Hellsicht und Weisheit.“ Emerson spricht von einer „unbekannten Intelligenz“, aus der, wenn deutlich betrachtet, dem Menschen auch Entscheidungshilfen gegeben werden. Denn der Mensch, so sagt nicht nur Fromm, träumt hauptsächlich dann, wenn er sich in einer Krise befindet, wenn er vor Entscheidungen steht, die ihn seit langem beschäftigen. – In die Geschichte der Traumdeutung nimmt er nun auch Bergson auf. Von ihm sagt Fromm, dass er die originellsten und interessantesten Theorien entworfen hat. Er betont, wie übrigens auch Freud, dass „wir nichts vergessen und dass das, woran wir uns erinnern, nur ein kleiner Ausschnitt aus unserem Gesamtgedächtnis ist. „Unsere Erinnerungen bilden in einem gegebenen Augenblick ein einheitliches Ganze, eine Pyramide, …, deren unaufhörlich bewegter Gipfel mit unserer Gegenwart zusammenfällt und mit dieser in die Zukunft taucht.“ Fromm legt weiterhin dar, inwiefern er mit der Traumtheorie Bergsons übereinstimmt und worin sich die beiden unterscheiden. Sein Fazit: Träume haben sowohl an unserer irrationalen Natur teil als auch an unserer rationalen Natur.

Nun zu den Mythen: Erich Fromm wirft, wie oben angedeutet, ein kritisches Auge auf die Deutungen bzw. Analysen heutiger Literaten im Hinblick auf die vorchristlichen Kunstwerke. Er widerlegt besonders die Interpretationsergebnisse zu den Tragödien des Sophokles. Hier kommt er zu interessanten und überzeugenden Sichtweisen.
Fast ein Viertel des Volumens seines Werkes widmet er der Betrachtung des Faktums, dass Sophokles zu einer Zeit schrieb, da die Menschen sich noch in der Auseinandersetzung befanden hinsichtlich der Ablösung des Matriarchats durch das Patriarchat. Der Ödipusmythos (das erste der Dramen-Trilogie) von Sophokles, wird nun aus der geschichtlichen Situation der damaligen Zeit erklärt . (Er sieht übrigens diese drei Dramen als Einheit, will sie als zusammenhängendes Werk verstanden wissen.)
Er zeigt, dass der Mythos, in dem es bekanntlich um Ödipus geht, dem geweissagt worden ist, dass er seinen Vater erschlagen und seine Mutter heiraten wird, "nicht als Symbol der inzestuösen Liebe zwischen Mutter und Sohn, sondern als Rebellion des Sohnes gegen die Autorität des Vaters in der patriarchalischen Familie zu verstehen ist".
Der Vater-Sohn-Konflikt ist folglich eines der Hauptthemen der 3-teiligen Tragödie. Wie der Leser Fromms erkennen muss, spielen also ganz andere Intentionen eine Rolle als jene, die in neuzeitlichen Interpretationen (für die Schüler) nachlesbar sind. Er zeigt, dass auch Freud noch an dieser Deutung festhielt: "Der Ödipusmythos ist das hervorragende Beispiel für Freuds Methode der Mytheninterpretation und bietet (ihm, Fromm) gleichzeitig die Möglichkeit, eine abweichende Auffassung darzulegen, welche nicht in sexuellen Wünschen, sondern in der Einstellung zur Autorität - einem der wichtigsten Aspekte zwischenmenschlicher Beziehungen - das Hauptthema des Mythos sieht."

Auch seine Analyse des Werkes "Der Prozess" von Kafka " eröffnet dem literarisch geschulten Leser neue Erkenntnisse. Ich verzichte hier auf genauere Aussagen.
Schließlich liefert auch der „Schöpfungsmythos“ Fromm eine große Angriffsfläche.

In keiner Zeile des gesamten Werkes von Fromm finde ich (trotz dieser heiklen Thematik) Tendenzen zur Abwertung des Weiblichen. Sehr aufschlussreich aber komplex: die Gründe für den Niedergang des Matriarchats, sowie die Gründe für den Sieg der patriarchalen Weltanschauung. Aber „Gerade die nachdrückliche Betonung der Wichtigkeit des Menschen gehört zum Prinzip der matriarchalischen Welt, so wie Bachofen sie beschrieben hat“ (S. 141). Beide Gesellschaftsformen und Grundhaltungen müssen in eine Gesamtsicht eingehen. – Was das genauer heißt, lässt sich auch aus der Lektüre eines Werkes von Hanna Wolff ersehen, die in ihrem Werk „Jesus der Mann, Die Gestalt Jesu in tiefenpsychologischer Sicht“, sagt: „Menschsein an sich gibt es nicht, Menschsein gibt es vielmehr immer nur in zwei Möglichkeiten, entweder im ‚Modus der Männlichkeit’ oder im ‚Modus der Weiblichkeit’. (…) Zur Vollentwicklung der Person gehört es, dass sowohl die männliche wie die weibliche Seinsform in jedem Menschen verwirklicht wird“. – Lesen kann zu bedeutenden, befreienden Erkenntnissen führen.
Helena Zern
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ein Schmetterling, oder ob ich vielleicht ein Schmetterling bin, der jetzt träumt, er sei ein Mensch." Tschuangtse (S.12)

Fromm zeigt in dem Buch drei Ansätze zur Traumdeutung: erstens Freuds Auffassung, dass alle Träume Ausdruck der irrationalen und schlechten Natur des Menschen seien; zweitens Jungs Ansicht, dass die Träume Offenbarungen einer unbewussten Wahrheit seien; drittens dass die Träume jede Art von Seelentätigkeit ausdrücken. Fromm definiert Träumen als Seelentätigkeit unter Schlafbedingungen. Für ihn sind Träume und Mythen wichtige Mitteilungen von uns selbst an uns selbst. (S.17)

Er geht bei seinen Betrachtungen auf Sokrates in Platons Phaidon ein, ferner auf das Traumbuch von Artemidor von Daldis, auf Kants und Voltaires Traumtheorie; auf Goethe; auf Thomas von Aquin der vier Arten von Träumen unterscheidet; auf Gedanken von R.W. Emerson und Nietzsche und Fromm führt den Leser in die Geschichte der Traumdeutung ein.
In dem Kapitel "Die Kunst der Traumdeutung" bespricht er einige konkrete Fälle sehr ausführlich. Am Ende des Buches geht er auf die symbolische Sprache im Mythos, Märchen, Ritual und Roman ein. Dazu bespricht er den Ödipusmythos; den Schöpfungsmythos; Rotkäppchen; das Sabbatritual und Kafkas Roman "Der Prozeß".

Das Buch ist recht lesenswert und macht dem Leser bewusst ein Traum kann als Stimme unseren niedrigeren oder unseres höheren Selbst zu verstehen. Die Symbolsprache ist nach dem Autor eine Fremdsprache die jeder von uns lernen sollte. Leider fehlten mir in dem Buch Erklärung zu den üblichen oder typischen Traumsymbolen, die Informationen gibt es in diesem Buch Das Handbuch der Traum-Symbole: Die Bildsprache der Träume verstehen und nutzen
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am 4. Dezember 2005
Der Psychoanalytiker Erich Fromm befasst sich damit, inwieweit
man in Träumen Zugang zu den vergessenen Symbolen, zu einer
unbewußten Sprache der Seele, der Instinkte, des Wissens unserer
Altvorderen durch die Träume vorzudringen vermag und sich ihnen wiederfindet. Fromm versteht die Traumsprache als eine Kunst, die es zu erlernen gilt, dazu braucht man Kenntnisse, Erfahrung, Talent und Geduld und ich glaube es kann auch ganz schön sein, mit anderen Menschen, auch mit seinem Psychiater über seine Träume zu sprechen, denn ich glaube dem Fachmann kann so ein Traum viel über den Seelenzustand des Träumenden verraten. Ein Psychoanalytiker hilft, die Symbole zu verstehen
der Träumer trennt das Tagesgeschehen von den Märchen und Mythen
und gemeinsam schauen sie was die Mythen und Märchen im Alltagsleben zu bedeuten haben. Sinnvoll ist es ein Traumtagebuch zu führen
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am 4. November 2014
Alleine der Gedanke, dass wir eigentlich schon immer alle in der selben Sprache träumen ist sensationell. Und macht nach der Lektüre dieses Buches großen Sinn.

Mich persönlich hat das Buch dazu gebracht nicht mal nur so "schlafen" zu gehen, sondern wirklich in mich reinzuhören - und die dahingedösten Gefühle und Eingebungen im Halbschlaf zu notieren. Hat mir einige sehr sehr starke Erkenntnisse über mich selbst beschert.
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am 20. März 2015
Mit der Schrift ‚Märchen, Mythen, Träume. Eine Einführung in das Verständnis einer vergessenen Sprache (The forgotten language. An introduction to the Understanding of Dreams, Fairy Tales and Myths)’ wendet sich Erich Fromm dem Thema der Traumdeutung zu. Der Autor vertritt die These, dass allen drei Gattungen eine „universale Sprache“ zugrunde liegt, welche die moderne Menschheit nicht mehr beherrscht oder doch nur mit großer Mühe zu dechiffrieren vermag. Diese Sprache beruht nicht auf der Logik des wachen Verstandes, sie bedient sich bildhafter Symbole. Im Wachzustand ist unser Organismus und Verstand darauf fixiert, reale Eindrücke der Außenwelt zu verarbeiten. Im Schlaf, „wenn wir mit uns allein sind, wenn wir in uns hineinblicken können, ohne dabei von dem Lärm und Unsinn gestört zu werden“, sind diese Zwänge aufgehoben. „Unser waches Leben ist mit der Aufgabe ausgefüllt zu handeln, im Schlaf sind wir von dieser Aufgabe befreit“. Wir konzentrieren uns auf unser Innerstes und bewegen uns frei in Raum und Zeit.

Die Grundlagen für die moderne Traumdeutung legte Siegmund Freud vor über 100 Jahren. Seine „Entzifferung“ des Traums wurde zum Schlüssel der Psychoanalyse. Seine Theorie basiert auf dem Modell, dass im Traum infantile, irrationale, amoralische Wünsche in Erfüllung gehen. Die Kunst des Psychologen besteht in der Übersetzung des offen zu Tage liegenden, „manifesten“ Traumes in die verborgene, „latente“ Traumbotschaft (z.B. Ehrgeiz, Inzest).

Der Schüler Freuds, Carl Gustav Jung, hingegen maß dem Traum eine höhere, positivere Bedeutung bei. Der Traum wird zu einer transzendentaler Offenbarung, einer Quelle der Weisheit mit religiöser Spiritualität.

Erich Fromms Theorie geht über den infantilen Ansatz Freunds hinaus, der nur die niederen Triebe unterstellt, bleibt aber hinter Jungs transzendentalem Ansatz zurück. Fromm plädiert für eine ganzheitliche Sicht; im Traum kann „das Schlechteste wie auch das Beste in uns zum Ausdruck kommen“. Im Gegensatz zu Freud berücksichtigt Fromm nicht nur Kindheitserlebnisse, sondern bezieht auch das aktuelle Tagesgeschehen in die Deutung ein. Träume sind für Fromm Beispiele „in denen die Seele Gedanken und Urteile mit einer Klarheit und Schönheit zum Ausdruck bringt, wie sie der Träumer in seinem wachen Leben nicht erreicht“.

Ein Kapitel hat Fromm der Geschichte der Traumdeutung gewidmet. Er geht zurück auf die Traumdeutung unserer Vorfahren und der ‚primitiven’ Völker, die in Träumen die Stimme von Geistern und Gespenstern erkennen wollten. Die Indianerstämme Nordamerikas sehen in den Träumen eine religiöse Botschaft. Träume galten auch als Fenster, das uns einen Blick auf zukünftige Ereignisse gewähren wollte und uns vor Gefahren und Krankheiten warnen konnte. Bedeutende Denker wie Cicero, Voltaire und Kant lehnten die Traumdeutung rundweg ab. Der Talmud hingegen hob die besondere Bedeutung des Traumes in einem schönen Vergleich hervor, den Fromm öfter zitiert: „Ein ungedeuteter Traum gleicht einem ungelesenen Brief“.

Welche „Weisheit vergangener Tage“ in Märchen und Mythen verbogen liegen, erläutert Fromm an ausgewählten Beispielen.

1. Der Ödipuskomplex
Als „Kern der Neurose“ bezeichnete Siegmund Freud den Wunsch des kleinen Jungen, seinen Vater zu töten, um die Gunst der Mutter zu erreichen. Er nannte diesen Sachverhalt Ödipuskomplex in Anspielung auf den Vatermord und Inzest des Königs von Theben.

Erich Fromm hingegen erkennt keinen Hinweis auf Ödipus Liebe zu seiner Mutter Iokaste. Er formuliert eine Hypothese, „dass der Mythos nicht als Symbol der inzestuösen Liebe zwischen Mutter und Sohn, sondern als Rebellion des Sohnes gegen die Autorität des Vaters in der patriarchalischen Familie zu verstehen ist und dass die Heirat von Ödipus und Iokaste nur ein sekundäres Element, nur eines der Symbole für den Sieg des Sohnes ist, der den Platz des Vaters mit allen seinen Privilegien einnimmt“. Fromm zieht auch die beiden weiteren Dramen des Sophokles, ‚Ödipus auf Kolonos’ und ‚Antigone’, die sich mit dem Schicksal von Ödipus und seinen Nachkommen befassen, hinzu und sieht seine These bestätigt: In ‚Ödipus auf Kolonos’ bricht der Konflikt zwischen Ödipus und seinen Söhnen aus, in der ‚Antigone’ setzt sich Haimon gegen seinen Vater Kreon zur Wehr. Bachofen hatte in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts auf den Konflikt zwischen matriarchalischem und patriarchalischem Prinzip hingewiesen und das Mutterrecht als das ältere angenommen. Ödipus Aufbegehren versteht Fromm als „ein Angriff der Vertreter des besiegten matriarchalischen Systems gegen die siegreiche patriarchalische Ordnung“. Antigone verteidigt wie Ihr Vater das Mutterrecht, das „Prinzip der Gleichheit aller Menschen, das Prinzip der Achtung vor dem menschlichen Leben und das Prinzip der Liebe“.

2. Der Schöpfungsmythos

Glaubt man dem babylonischen Schöpfungsmythos, dann fand vor der Erschaffung der Welt ein Kampf zwischen der ‚Großen Mutter’ (Tiamat) und dem männlichen Gott Marduk statt. Mit Marduk siegte das männliche, kriegerische Element. Die Bibel verschweigt diese ‚Vorgeschichte’, in der Bibel herrscht das Patriarchat und die Frau wird dem Manne untertan. Doch alle Mythen mit einem Schöpfergott kämpfen mit dem Problem, dass nur Frauen Kinder fruchtbar sind und gebären können. Nur mittels Hilfskonstruktionen (Marduk kann ein zerstörtes Kleid wiederherstellen, Gott erzeugt Eva aus der Rippe Adams, Apollo und Athena werden aus dem Kopf des Zeus geboren etc.) gelingt es den männlichen Herrschern, Ihre Schöpferkraft unter Beweis zu stellen.

3. Rotkäppchen

Oberflächlich betrachtet symbolisiert das Märchen von dem jungen Mädchen, das vom rechten, tugendhaften Weg abkommt und dem bösen Wolf zum Opfer fällt, nach Freuds Theorie eine Warnung vor der Gefahr der Sexualität. Berücksichtigt man aber die Spannungen aus dem Geschlechterprinzip, dann stehen sich Frau (Rotkäppchen) und Mann (Böser Wolf) gegenüber und das Weibliche obsiegt über das Männliche.

4. Sabbatritual

Bereits 1927 hatte Erich Fromm das jüdische Ritual der Sabbat Heiligung analysiert. In den Zehn Geboten wird der siebte Tag der Schöpfung als Ruhetag gefeiert. Da der allmächtige Schöpfer eines solchen Ruhetages nicht unbedingt bedurfte, wirft Fromm die Frage nach dem verborgenen Sinn dieses Tages, den Christen und Muslime in ähnlicher Form feiern, auf. Erich Fromm folgert, dass der Sabbat mehr als nur ein „’Tag der Ruhe’ im modernen Sinn“ ist. Vielmehr vermutet er, dass am Sabbat die Natur geheiligt und jedes Eingreifen in die Schöpfung als „Störung des Gleichgewichts zwischen Mensch und Natur“ vermieden werden soll. „Der Sabbat ist der Tag vollkommener Harmonie zwischen Mensch und Natur“.

5. Kafkas Roman ‚Der Prozess’

Als „hervorragendes Beispiel für ein in symbolischer Sprache geschriebenes Kunstwerk“ beschreibt der Autor Franz Kafkas Roman ‚Der Prozess’. Der Protagonist K. durchlebt einen Alptraum. Aus unbekanntem Grund wird er verdächtigt und verhaftet. Fromm vergleicht die Verhaftung/Arretierung von K. mit einer Blockierung der Entwicklung. Schlimmer als die äußere ist die innere Gefangenschaft, in der sich der Angeklagte befindet. Unglückseliger als der blinde Gehorsam, den K. gegenüber Respektspersonen an den Tag legt, ist der Mangel, seinen Mitmenschen Liebe und Zuneigung zu schenken. Erst in der Stunde des Todes erkennt er seinen Fehler und folgt nicht mehr der „Stimme des autoritären Gewissens“, sondern der „Stimme der Humanität“.

Fazit: Ein weiteres wunderbares, leicht verständliches Werk Erich Fromms, geprägt vom humanistischen Glauben an die Menschheit und der Überzeugung, dass allen Träumen und Märchen ein tiefer Zauber zugrunde liegt.
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am 28. Juni 2016
Viele "wissenschaftliche" Aspekte der Traumdeutung werden hier wirklich schön anschaulich und nachvollziehbar dargestellt, ganz nüchtern und sachlich aus psychoanalytischer Sicht ohne esoterisches Gefasel. Für meinen Geschmack aber insgesamt zu wenig Traumdeutung und zuviel Märchen und Mythen... trotzdem sehr kurzweilig.
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am 21. Februar 2016
"Mythen, Märchen, Träume" ist mal wieder eines der sehr empfehlenswerten Bücher von Erich Fromm. #Er entwickelt das Thema wie immer für den Leser sehr verständlich, benutzt dabei eine einfache, klare Sprache und entführt uns in eine Welt, die uns sicher auch sehr beeinflusst.
Ich habe es sehr gern gelesen, wie alles von Erich Fromm.
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am 12. Oktober 2006
Ein kleines Taschenbuch mit viel Inhalt gibt eine gute Grundlage für alle weiterführende Traumdeutungs-Literatur. Mehr noch, dies ist eigentlich eine Einführung in das menschliche Unterbewusstsein. Fromm schreibt anschaulich und führt zahlreiche, leicht verständliche Beispiele an.

Man liest das Buch gern, zügig und mit steigendem Interesse.
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