Jeans Store Hier klicken Neuerscheinungen Cloud Drive Photos Erste Wahl Learn More HI_PROJECT Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Summer Sale 16

Kundenrezensionen

4,8 von 5 Sternen
23
4,8 von 5 Sternen
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:12,99 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 29. April 2001
Das Buch ist faszinierend und erschreckend zugleich. Erich Fromm beleuchtet bis ins letzte Detail die möglichen Erscheinungsformen jeder Art von Zerstörungslust beim Menschen und man liest teils mit Interesse, teils mit Abscheu. Viele Verhaltensmuster kommen einem auf einmal bekannt vor und man wundert sich, mit welcher Selbstverständlichkeit die Destruktivität längst ihren festen Platz in der Gesellschaft hat. Auch wird man durch die Lektüre und das damit zwangsläufig verbundene Nachdenken sensibler für die "Eigenheiten" mancher Menschen. Man entwickelt ein Gespür für die feine Grenze zwischen lebensbejahendem und lebensverneinendem Verhalten in seiner Umwelt. Fromm schreibt klar, schnörkellos und ohne den moralischen Zeigefinger oder gute Empfehlungen. Ein wissenschaftliches Buch, das aber auch für "nur Interessierte" fesselnd ist.
11 Kommentar| 67 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 8. Februar 2001
Im Gegensatz zu seinen populär-wissenschaftlichen Werken wie "Haben oder Sein" und die "Kunst des Liebens" liegt dem Leser hier ein wissenschaftliches Werk vor. Erich Fromm beginnt mit einer Einführung in die Geschichte des Problems sowie einer Klärung der verwendeten Terminologie. Durch seine einzigartige Art des Schreibens leitet er den Leser durch diesen notwendigen und eigentlich zähen Teil, welcher jedoch für das Verständnis seines Buches wichtig ist. Anschließend folgen lehrreiche Einblicke in die Ergebnisse anderer Wissenschaftsbereiche wie Anthropologie, Neuropysiologie und Paläontologie bevor Erich Fromm zur überragenden Behandlung von Aggression, Nekrophilie und Narßismus übergeht. Zum Schluß fügt er einmalige Studien Hitler, Stalin und Himmler betreffend zu, welche dem Leser ein nahezu 100% Verständnis ermöglichen. Somit liegt ein durch und durch logisch gegliedertes Werk, welches durch seine optimistischen sowie lebensbejahenden Ergebnisse verblüfft vor. Ein Meiserwerk der Psychoanalyse.
0Kommentar| 62 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Der Psychologe Erich Fromm zeigt in diesem Buch die Gründe von destruktivem( zerstörerischem) Verhalten auf und beschreibt detailliert anhand von ausführlichen Studien die Persönlichkeit von Hitler, Stalin sowie Himmler. Destruktive Persönlichkeitsstrukturen und deren individuelle und soziale Ursachen führen dazu Leben entweder absolut zu kontrollieren oder zu zerstören und kennzeichnen das Agieren eines destruktiven Menschen.

Woher kommt die Unfähigkeit zu lieben, Empathie zu empfinden und sich sozial zu verhalten?

Im ersten Teil des umfangreichen Buches befasst sich Fromm mit Instinkt- und Trieblehren und in diesem Zusammenhang mit Freuds Aggressionsbegriff, setzt sich mit Konrad Lorenz auseinander und verdeutlicht die Unterschiede im Denkansatz von Freud und Lorenz. Des weiteren thematisiert er die Vertreter der Milieutheorie und die Behavioristen um dann die Unterschiede zwischen Triebtheorien und Behaviorismus herauszuarbeiten.

Im zweiten Teil lotet Fromm die Befunde aus, die gegen die Thesen der Instinkt- und Triebforscher sprechen, beleuchtet dabei neurophysiologische Betrachtungen , das Aggressionsverhalten von Tieren und stellt anthropologische Erkenntnisse vor.
Schließlich verdeutlicht er im dritten Teil die verschiedenen Arten von Aggression sowie Destruktivität und ihre jeweiligen Voraussetzungen.

Fromm grenzt gutartige von bösartiger Aggression ab. Zur gutartigen Aggression zählen u.a. die unbeabsichtigte und die spielerische Aggression und solche , die aufgrund von Freiheitsmangel entsteht. Ausführlich werden dann die Prämissen für bösartige Aggression dargestellt, um letztlich den destruktiven Charakter, der immer auch ein sadistischer ist, zu beschreiben.

Sadismus (und Masochismus) stellen , so Fromm, als sexuelle Perversion nur einen Bruchteil des großen Bereichs Sadismus dar, bei dem kein sexuelles Verhalten im Spiel ist. Das nicht sexuelle sadistische Verhalten zielt darauf ab körperlichen Schmerz bis zum äußersten, auch wenn er zum Tode führt zuzufügen. Folter ist das Instrument des körperlichen Sadismus.

Seelische Grausamkeit, der Wunsch einen anderen Menschen zu demütigen und seine Gefühle zu verletzten, ist nach Ansicht des Psychologen noch weiter verbreitet als körperlicher Sadismus. Diese Art des sadistischen Handelns ist für Sadisten viel weniger riskant, denn dabei kommt keine physische Gewalt , sondern "nur" Worte zur Anwendung. Seelisches Leiden kann aber ebenso intensiv oder noch intensiver als körperliches Leiden wirken. Ein Charakterzug des Sadisten besteht darin, dass er stets nur von Hilflosen, nicht von Starken stimuliert wird. Für den sadistischen Charakter gibt es nur eine bewundernswerte Eigenschaft und das ist die Macht. Den Mächtigen bewundert und liebt er. Er duckt sich gerne vor ihm, verachtet den Machtlosen, der sich nicht wehren kann und wünscht ihn zu kontrollieren und zu beherrschen.

Der sadistische Charakter ist durch Angst vor dem Leben gekennzeichnet, so Fromm.

Sadistische Menschen sind liebesunfähig, weil Liebe für solche Personen ein unsicheres Terrain ist. Geliebt werden setzt voraus , dass man selbst Liebe erwecken kann und Lieben schließt das Risiko ein abgelehnt zu werden und zu scheitern.
Der sadistische Charakter kann nur " lieben", wenn er andere beherrscht, das heißt, wenn er Macht über den Gegenstand der Liebe hat. Ein Sadist fühlt sich stets impotent, unlebendig und machtlos. Deshalb möchte er, dass er den Wurm als den er sich fühlt, in einen Gott verwandeln.

Bei allem sind Sadisten immer unterwürfig und hochgradig feige. Sie können töten und quälen, dennoch bleiben sie ungeliebte, isolierte, angstvolle Menschen, die eine höhere Macht benötigen, der sie sich unterwerfen können.Dies wird an den Beispielen Hitler, Stalin und Himmler verdeutlicht.

Die Ursachen bösartig destruktiven Verhaltens liegen nach Fromm in psychosozialen Fehlentwicklungen. Durch den Mangel an Liebe entsteht Empathielosigkeit und ihre sadistischen Auswirkungen.

Fromm wirbt mit seinem Buch dafür, die gesellschaftspolitischen und familiären Bedingungen so zu verändern, dass zukünftig die Würde der Menschen seitens der Attacken sadistischer Charaktere nicht mehr angetastet wird. Menschen , die in ihrer Kindeit geliebt und akzeptiert werden, mutieren nicht zu Destrukteuren.

Sehr empfehlenswert!
22 Kommentare| 26 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 8. Juli 2001
Was für ein Buch. Wer sein eigenes Denken und Leben bereichern möchte, sollte die "Anatomie der menschlichen Destruktivität" gelesen haben. Fromm's Analysen zum sadistischen bzw. nekrophilen Charakter führen ihn zu einer wichtigen Schlußfolgerung: Der Sadismus ist genauso wie der Akt der Liebe nur eine weitere Möglichkeit, die Welt zu transzendieren, über ihre Grenzen hinauszuschreiten. Derjenige, der selbst nicht lieben kann und somit die Erfahrung des Abgetrenntseins von der Welt und den Menschen nicht auf eine lebensbejahende Weise überwinden kann, der sucht eben diese Trennung auf andere Weise zu transzendieren: Indem er den anderen, den wehrlosen, quält ,in ihn eindringt und ihn auf diese Weise seines Geheimnises beraubt. Schließlich beleuchtet er den Zusammenhang zwischen der vorherschenden "anal-hortenden" Charakterorientierung des Sadisten und dem "marketing charakter" unserer Tage. Was am Ende dieser schonungslosen Lektüre bleibt, ist die Frage, ob das lebendige Gefühl, ob das Herz des modernen Menschen wirklich schon abgestorben ist und der Mensch sich der Maschine weitgehend angepasst hat, oder ob es nicht doch begraben ist unter den 1000 Persönlichkeiten, die der Marketing-Mensch nötig hat, um sich nach bestem Gewissen zu verkaufen zu können.
0Kommentar| 52 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 13. Mai 2007
Viele Psychologen und Biologen haben versucht, den Menschen auf rein biologische und mechanische Kategorien zu reduzieren. Im Gegensatz zu ihnen stellt Erich Fromm Gut und Böse in den Mittelpunkt seiner Theorie. Er sieht er den Menschen als Teil der Gesellschaft, die ihn prägt und die wiederum von den Taten des einzelnen geprägt wird. So kann nicht nur ein Mensch psychisch krank werden, sondern auch eine ganze Gesellschaft. Für mich war dieses Buch ein ungeheures Erlebnis, wie eine Offenbarung. Es stellt das Grauen, das Entsetzliche, das ein Mensch dem anderen antut, wahrhaftig dar, wenn diese Darstellung auch noch so furchtbar ist. Dieses Gefühl des Ausgeliefertseins des einzelnen an eine Gesellschaft, die durchaus nicht vom Guten geprägt ist. Ein Ausgeliefertsein, das in der frühen Kindheit beginnt und für die meisten niemals endet. Das sich in der Furcht vor Autoritäten und den die Gesellschaft prägenden Konventionen äüßert. Das zur inneren Abkapselung von der Umgebung und schweren seelischer Deformationen führen kann. Erich Fromm beschreibt die damit verbundenen Charaktersyndrome wie Narzissmus, Sadismus und Nekrophilie ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Vor allem nicht über ihre weite Verbreitung in der heutigen Gesellschaft. So ist verbaler Sadismus, also z.B Häme und Spott oder die Diskrimierung von Aussenseitern - man denke dabei nur an seine Schulzeit - weithin akzeptierte Praxis. Narzisstischer Größenwahn ist für die meisten Politiker und Wirtschaftsbosse Grundlage ihrer Karriere.

Anders als in der antiken Sage von der Büchse der Pandora, deren Inneres die Hoffnung für immer gefangen hält, ist die Gesellschaft, die den Menschen gefangen hält, nicht unveränderbar. Aber nichts, aber auch gar nichts wird sich verändern, wenn man nicht anfängt, die Wahrheit zu sagen, und sei sie noch so schrecklich. So gesehen ist die Anatomie der menschlichen Destruktivität ein sehr empfehlenswertes Buch.
0Kommentar| 16 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 17. August 2013
In der 60er Jahres des vergangenen Jahrhunderts erregte Konrad Lorenz Buch „Das sogenannte Böse“ große Aufmerksamkeit beim Publikum. Zu einer Zeit, in der die Zerstörung der Welt durch die Atombombe wie ein Damoklesschwert über der Menschheit hing, erschien Lorenz Erklärung von der angeborenen Aggression wie ein unabänderliches Schicksal, welches früher oder später alle Menschen hinwegfegen musste. Beherzt griff Erich Fromm im Jahre 1973 in diese Diskussion ein und stellte seinen psychoanalytischen Ansatz gegen Lorenz Triebtheorie und Skinners Behaviorismus. Das Werk ‚Anatomie der menschlichen Destruktivität’ baut auf Fromms Werk ‚Die Seele des Menschen’ aus dem Jahr 1964 auf, welches bereits die Grundzüge über Nekrophilie enthält.

Siegmund Freud war der erste Sozialwissenschaftler, der einen destruktiven Todestrieb im Menschen vermutete. Lange hatte sich Freud einzig auf den Sexualtrieb gestützt. Gegen Ende seines Schaffens postulierte er einen zweiten, gleichberechtigten Trieb, den Todestrieb. Konrad Lorenz führte Freuds Gedanken fort.

Einen in vielerlei Hinsicht konträren Ansatz vertritt der sogenannte Behaviorismus. Dieser Ansatz geht davon aus, dass menschliches Verhalten angelernt wird und durch Belohnung bzw. Bestrafung manipulierbar ist. „Letzten Endes gründet sich der Neobehaviorismus auf die Quintessenz des bürgerlichen Axioms vom Primat des Egoismus und Eigennutzes gegenüber allen anderen menschlichen Leidenschaften.“ Erich Fromm bezeichnet Skinner als „naiven Rationalisten, der die menschlichen Leidenschaften unbeachtet lässt“.

Triebtheorie und Behaviorismus verbindet die Grundorientierung des Menschen „außerhalb seiner selbst“ und legen damit das Schicksal in fremde Hände. Der Mensch ist für sein Handeln nicht verantwortlich.

Erich Fromm widerspricht diesem Ansatz heftig. Doch wie lässt sich dann die scheinbar sinnlose Grausamkeit der menschlichen Rasse erklären? Warum ist „der Mensch als einzige Spezies eine Spezies von Massenmördern“? Woher kommt das Bestreben, sich gegen sich selbst zu kehren?

Fromm unterscheidet zwischen einer biologisch notwendigen, gutartigen Aggression zur Verteidigung „lebensnotwendiger Interessen“ und einer grausamen, bösartigen Destruktivität: „sie dient keinem Zweck, und ihre Befriedigung ist lustvoll“. „Meine These … lautet, dass Destruktivität und Grausamkeit keine instinktiven Triebe sondern Leidenschaften sind, die in der Gesamtexistenz des Menschen wurzeln.“ Diese Leidenschaften ergeben sich aus dem Charakter und bewirken, „sich in einer bestimmten Weise zu verhalten“. Er verweist auf die Forschungsergebnisse der Neurophysiologen, die bestimmte Hirnbereiche identifizierten, die für aggressives Verhalten verantwortlich zeichnen.

Tiere verhalten sich defensiv aggressiv, wenn sie in die enge getrieben werden, ihr Territorium verteidigen, ihr Lebensraum eingeengt ist oder wenn sie ihre Dominanz beweisen wollen. Nur Raubtiere unterscheiden sich hinsichtlich ihres aggressiven Verhaltens. Gehört der Mensch also zur Spezies der Raubtiere ohne Hemmung zu töten?

Fromm verneint die Frage und glaubt in der Anthropologie genügend Hinweise zu entdecken, die belegen, dass der Mensch mehr Sammler als Jäger war und Kriege vermied. „Der Krieg als Institution war ebenso wie das Königtum und die Bürokratie eine neue Erfindung, etwa aus der Zeit um 3000 v.Chr.“ Die Kriegslust nahm ebenso wie die Beherrschung des Menschen durch den Menschen mit der Zivilisation zu. Die Lust am Töten ist bei manchen, aber nicht bei allen Menschen zu beobachten und kein tierisches Erbe, kein Instinkt.

Zu den Fällen gutartiger Aggression zählt Erich Fromm die „Pseudoaggression“. Darunter versteht er „aggressive Akte, die Schaden anrichten können ohne dass eine Absicht dazu besteht“ (z.B. unbeabsichtigte Aggression, spielerische Aggression und Aggression als Selbstbehauptung). Eine andere Form der gutartigen Aggression ist die defensive Aggression. „Ziel der defensiven Aggression ist nicht Zerstörung, sondern die Erhaltung des Lebens.“ Im Gegensatz zum Tier ist der Mensch in der Lage, zukünftige Bedrohungen einzukalkulieren, gleichzeitig ist er aber auch Manipulationen ausgesetzt (z.B. der Kriegspropaganda). Der zum Leben verdammte Mensch, die „groteske Laune des Universums“, ist mit einem Charakter ausgestattet, als Ersatz für fehlende Instinkte. Auf der Suche nach einem Orientierungsrahmen ist der Mensch verführbar.

Die bösartige Aggression unterscheidet den Menschen vom Tier. „Das Einzigartige beim Menschen ist, dass er von Impulsen zu morden und zu quälen, getrieben werden kann und dass er dabei Lustgefühle empfindet.“ Neurophysiologisch betrachtet ist der Mensch „unfertig, unvollendet und mit Widersprüchen belastet“. Aber er besitzt auch gute Bedingungen für geistiges Wachstum, und wenn sich seine Liebe voll entwickelt, wird die Destruktivität nicht Lebens bestimmend.

Eine besondere form der bösartigen Aggression ist die Liebe zu allem, was tot ist. Fromm spricht vom „Geist der Nekrophilie“. Zum nekrophilen Charakter zählen auch die Vergötterung der Technik, die Fixierung auf Vergangenes, das Beherrschen der Dinge über den Menschen, das Haben statt dem Sein. Die Sinnlosigkeit und Widersprüchlichkeit der Nekrophilie kommen im Ausruf des spanischen Generals Milan Astray zum Ausdruck: „Viva la muerta – es lebe der Tod“. Ausführlich belegt Fromm den nekrophilen Charakter am Beispiel des Diktators Hitler. In der Kindheit halb autistisch, als Jugendlicher extrem narzisstisch, mit einem Mangel an Kontakten zu Menschen und einem Defekt im Wirklichkeitssinn schwang er sich zum Demagogen und Scharlatan auf. Fromm will zeigen, dass es eine „naive Annahme (ist), dass ein bösartiger Mensch leicht zu erkennen ist“. „Man ist nicht in der Lage, ihn als solchen zu erkennen, bevor er sein Zerstörungswerk begonnen hat“. Ähnliches scheint für das Phänomen der Amokläufer zu gelten, die sich jahrelang scheinbar unauffällig verhalten und aus denen es dann plötzlich und unerwartet hervorbricht.

Zusammenfassend stellt Fromm fest, dass der prähistorische Mensch nur ein „Minimum an Destruktivität“ aufwies. Erst die Zivilisation führte zu Destruktivität und Grausamkeit. Die biologische, gutartige Aggression ist notwendig, um die Bedrohung der vitalen Interessen abzuwehren. Sadismus und Nekrophilie sind Charaktereigenschaften und keine angeborenen Triebe.

„Ich bin engagiert“, schreibt Fromm. Er bezeichnet sich seine Haltung als rational gläubig. „Die Basis für den rationalen Glauben an den Menschen ist das Vorhandensein einer realen Möglichkeit für seine Rettung; die Basis für die rationale Verzweiflung wäre die Erkenntnis, dass keine solche Rettung denkbar ist“.
0Kommentar| 7 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
HALL OF FAMEam 12. Juli 2005
°
Erich Fromms 'Anatomie der menschlichen Destruktivität' behandelt menschliche Aggression und Destruktivität aus zahlreichen Perspektiven. Darin beschreibt er, welche sozialen und individuellen Ursachen ein solches Verhalten begründen und zur Kontrollsucht bzw. Zerstörungswut führen. Besonders gelungen finde ich die ausführlichen Studien zu Himmler, Stalin und Hitler.
Insgesamt ist es sicher kein leicht verdauliches Buch, da es einerseits einen guten theoretischen Anspruch an den Leser stellt und andererseits eben nicht gerade von der menschlichen Sonnenseite im Leben handelt. Manche alltäglichen Beziehungen und Gegenheiten erscheinen danach in einem neuem Licht ... schön offensichtlich und erschreckend klarer. Für mich zählt das Buch mit zu den Besten, die ich gelesen habe. Ich würde es dennoch nicht gerade zartbesaiteten Gemütern empfehlen ... Gute-Nacht-Lektüre ist es keine.
~
0Kommentar| 25 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 6. April 2011
In Anatomie der menschlichen Destruktivität erklärt Fromm die Hintergründe der menschlichen Zerstörungswut, die aus einem tiefsitzenden Hass gegenüber dem Leben entsteht. Aufgrund detailierter Zusammenhänge aus den wissenschaftlichen Forschungsbereichen Biologie und der Altertumsforschung zur Entstehungsgeschichte des tierischen und menschlichen Lebens, bis hin zur jetztzeitlichen Menschen- und Tierkunde im Fachbereich Psychologie, Soziologie und den Erkenntnissen aus der Verhaltensforschung im speziellen, erläutert Fromm Wesen und Wirkweise der "gutartigen" wie "bösartigen" Aggression (Angriffs- und Verteitigungsverhalten) bzw. Destruktivität (Zerstörungsverhalten). Diese äußerst wichtigen und fundierten Erkenntnisse aus dem Bereich der Aggressionsforschung, gibt uns den Schlüssel bzw. die Einsicht für eine andere Lebenswirklichkeit, deren Voraussetzung sich auf ein naturverbundenes Einstimmen alles Lebendigen für- und zueinander in gegenseitiger Einheit und Abhängikeit begründet. Im Epilog seines Epos stellt Fromm folgendes fest: "Kritisches und radikales Denken wird nur dann fruchtbar sein, wenn es mit der kostbarsten Eigenschaft des Menschden verbunden ist, mit seiner Liebe zum Leben". Diese Weisheit war meines Erachtens auch der Antrieb und die Intention für Fromm, die grundlegenden Fragen der menschlichen Zerstörungsbereitschaft im Dienste der Menschheit aufzuklären.
0Kommentar| 8 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 3. November 2010
"Die Anatomie der menschlichen Destruktivität" ist sehr anspruchsvoll, sehr dicht und sehr hilfreich. Fromm, einer der Hauptvertreter der humanistischen Psychologie, analysiert inwieweit zerstörerische und gewalttätige Aggression eine unveränderliche menschliche Eigenschaft ist. Fromm geht bei seinen Theorien von Lorenz', Freuds und den behavioristischen Ansichten aus, die er einleuchtend widerlegt. Sehr gut ist die Analyse von Stalin, großartig jene von Himmler und unglaublich fantastisch die umfangreiche Analyse von Adolf Hitler. Ein großartiges Buch, eine Empfehlung für alle, die mehr über die Psyche des Menschen erfahren wollen.
0Kommentar| 8 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 10. März 2016
Fromms Ausführungen sind überaus interessant und auch für Laien gut nachvollziehbar. Ich habe den Eindruck, beim Lesen dieses Buches sehr viel gelernt zu haben. Mein einziger Kritikpunkt ist eine vielleicht auch nur eingebildete Unsachlichkeit, die zu Fromms Zeiten aber vielleicht einfach "normaler" war, fallen doch öfter mal Ausdrücke wie "Muttersöhnchen" etc., die meines Erachtens ein Werturteil innehaben, das der Sachlichkeit des Buches nicht gut tut. Sonst frage ich mich noch, ob Fromm, der ja selbst als Jude geboren wurde, wirklich eine sachliche Beurteilung Hitlers Charakters vorgenommen haben kann, mal ganz abgesehen davon, dass er hierbei jemanden beurteilt hat, dessen Innenleben er gar nicht wirklich kennen konnte.

Alles in allem aber sehr interessant und verständlich, für den Preis auf jeden Fall jedem zu empfehlen, der entweder ein persönliches Interesse an der Sozialpsychologie hegt oder einfach wissen möchte, warum Menschen heutzutage oftmals so aggressiv sind.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden

Benötigen sie kundenservice? Hier klicken