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Kundenrezensionen

4,5 von 5 Sternen
12
4,5 von 5 Sternen


am 5. Mai 2003
Mishima erzählt von der Kindheit und Jugend eines Helden, der schwächlich ist und häufig kränkelt, von der Großmutter aufgezogen wird, und nach und nach das Wesen der menschlichen Interaktion zu durchdringen versucht - auf ganz eigene Art und Weise. Er hat seltsame Träume und Phantasien, in denen viel Blut und nackte Männer eine Rolle spielen. Seine erste Erektion bekommt er, als er ein Gemälde sieht, das den Heiligen St. Sebastian darstellt, gekleidet nur mit einem Tuch um die Hüfte, durchbohrt von Pfeilen. Fortan onaniert er mit solchen und ähnlichen Bildern im Kopf. Unser Protagonist ist homosexuell, aber er begreift es nicht, will es nicht begreifen, weil ihm die nötigen Vergleiche, Informationen, gesellschaftlichen Parameter nicht zugänglich sind. Stattdessen versucht er, die Konventionen und Umgangsformen seiner Umwelt nachzuahmen, sogar zu verinnerlichen: Er kreiert seine Maske, das Außenwesen, während in ihm ein Konflikt schwelt, dem er nicht Herr wird. Das Problem gipfelt in der "Liebe" zur zarten Sokomo, eine Liebe, die er sich nur einredet, während seine Begierden in einer ganz anderen Liga spielen.
Das Buch ist trotz seiner Kürze etwas zäh und langatmig, aber detailreich und stark auf Reflexion angelegt, was aufgrund der stark bevormundenden Erzählweise zu einer nicht angemessenen Würdigung von Thematik und Geschichte führt. Legt man jedoch Sozial-, Kultur- und Weltgeschichte des Entstehungszeitraums zugrunde, verändert sich der Leseeindruck. Es entsteht ein mutiges, ehrliches und lehrreiches, allerdings nur mäßig gut erzähltes Dokument von großer emotionaler Tiefe, das einen Eindruck davon vermittelt, wie es in einem jungen Menschen aussieht, der seine Andersartigkeit entdeckt, sie aber um jeden Preis verheimlichen muß. Auch vor sich selbst.
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am 18. Juli 1999
Yukio Mishima, zwielichtige Gestalt der japanischen Literatur, beging 1970 öffentlich angekündigtes Harakiri. Ähnlich extrem wie sein Leben, sind auch seine Bücher. "Geständnis einer Maske" erzählt vom Selbstfindungsprozess eines jungen Menschen, der mit ganz ungewöhnlichen Gedanken und Gefühlen erst einmal zu Recht kommen muss. Sexualität, lustvolle Gewaltexzesse und merkwürdige Wünsche spielen eine wichtige Rolle in den Gedanken des jungen Mannes, der aber, als er erkennt, was seine Umwelt von ihm erwartet, eine Maske aufsetzt und den Normalen spielt. Neben dieser psychologisch sehr interessanten Angelegenheit, bietet das Buch außerdem einen interessanten Einblick in das Leben der Japaner in den letzten Jahren des Krieges.
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TOP 1000 REZENSENTam 17. Mai 2015
"...kann es so etwas wie Liebe ohne irgendwelche sexuelle Begierde überhaupt geben? Ist dies nicht eine klare und einleuchtende Absurdität?" Dies fragt sich der Ich-Erzähler an einer Stelle in dem 1949 veröffentlichtenden Erstlingsroman "Geständnis einer Maske" des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima. Als der Roman 1949 in Japan erschien, erschütterte er die literarische Öffentlichkeit, wegen dem alle bisherigen Konventionen spregenden Thema. Im Roman wird der progressive Prozeß des Sich-Bewusstwerdens eines schwachen, introvertierten und kränklichen Jungen, der seine Sexualität, eigentlich seine Homosexualität, entdeckt, geschildert. Mishima zeichnet meisterhaft, mit analytischer, selbstreflexiver und erzählerischer Kraft die Stadien einer privaten Selbstentdeckung, die prototypisch für eine ganze Generation von Männern mit homosexuellen und homoerotischen Neigungen steht. Der junge, heranreifende Protagonist bedient sich dabei bekannter Legitimierungsstrategien, wie zum Beispiel der Selbstrechterftigung durch die Berufung auf kanonisierte Homosexuelle und Homophile wie Winckelmann, Platen, Michelangelo oder Proust. Auch mit den sexualwissenschaftlichen Studien eines Magnus Hirschfeld mit ihren Theorien über die Invertierten schließt der Ich-Erzähler im Verlaufe seines Reifeprozesses Bekanntschaft, die ihm, obwohl sie mehr oder weniger die Homosexualität als biologisch angeborene Krankheit erklären, seltsamerweise ein "vorübergehendes Gefühl der Erleichterung" veschaffen, eine Erleichterung die daraus resultiert, dass man endlich den Namen für sein Leiden kennt.

Der Ich-Erzähler, Sohn einer heruntergekommenen Hochbeamtenfamilie, wächst als Kind bei seinen Großeltern auf. Schon seine früheste Erinnerung steht im Zusammenhang einer unbewussten sexuellen und homoerotischen Erregung. Als er am Nachmittag an der Hand seiner Mutter oder seines Dienstmädchens einen Abhang hinaufklettert, erscheint vor ihm ein junger Latrinenreiniger, der den Abhang mit den Eimern voller Kot herunterkommt. Dem jungen Ich-Erzähler fällt vor allem die "enganliegende, dunkelblaue Hose" auf, die "die untere Hälfte seines Körpers klar hervortreten" lässt und er spürt eine Sehnsucht in sich, die "wie ein stechender Schmerz ist". Die mystische Beziehung von Eros und Unreinheit, zu der sich später noch der Gedanke an den Tod hinzugesellen wird, bleiben beim Ich-Erzähler fixiert. Bei seiner sexuellen Entdeckungs- und Bewusstseinsreise spielen vor allem zwei Bilder eine entscheidende Rolle. Das eine stellt einen Ritter in voller Rüstung auf einem Schimmel dar, ein Schwert in die Höhe schwingend. Kurz darauf stößt er auf die Identität des Ritters: es handelt sich um ein Bild, dass Jeanne d'Arc darstellt. Die Entdeckung der Weiblichkeit seines Ritters erfüllt ihn mit Widerwillen. Das andere Bild ist die Reproduktion eines berühmten Gemäldes von Guido Reni: Der Heilige Sebastian. Der Anblick des halbnackten, von Pfeilen durchbohrten muskulösen Körpers dieses strahlenden Jünglings erweckt in dem Knaben sadomasochistische Phantasien, die zu seinem ersten Orgasmus, seiner ersten Ejakulation führen.

Dies ist der Anfang eines eigenartigen, sexuellen Begehrens, das vom Drang nach Agonie und blutiger Ekstase gekennzeichnet ist. Mishima zeigt mit psychologischer Tiefgründigkeit und Schärfe, wie bestimmte Bilder, Gestalten und Figuren aus der Kindheit und Pubertät unser zukünftiges sexuelles Begehren prägen, wie sie unsere sexuellen und erotischen Neigungen auf bestimmte Objekte festlegen und fixieren. Es gibt keine eindimensionale, sich in eine Richtung entwickelnde, natürliche, normale, für jedermann gültige und gleiche Sexualität, sexuelles Begehren besteht im Wesentlichen, wie der Ich-Erzähler sehr schnell feststellt, im "Auswahlprinzip", "so daß schließlich ein ganzes System von Neigungen und Abneigungen zustande kommt." Der Ich-Erzähler hat sehr früh schon eine Auswahl "getroffen". Ungehobelte Arbeiter (wie der Latrinereiniger), kräftige Matrosen, Soldaten, Schweißgeruch, Haarwuchs in den Achselhöhlen und die Vorstellung von einem gewaltsamen Tod dieser dunklen Objekte der sexuellen Begierde bevölkern die Phantasie des Ich-Erzählers: "In meiner Phantasie schlachtete ich auf diese Weise so manchen griechischen Soldaten, so manchen weißen arabischen Sklaven, viele Prinzen wilder Stämme, Liftboys, Kellner, junge Burschen, Offiziere, Zirkusakrobaten... Ich war wie ein Wüstling, der irrtümlicherweise die Menschen umbringt, die er liebt, weil er nicht weiß, wie er seine Liebe zum Ausdruck bringen soll."

Schon sehr früh wird dem heranwachsenden Ich-Erzähler klar, dass er "die wahre Natur seiner sexuellen Neigungen" vor der Umwelt verbergen muss. Mishima greift ein Motiv der abendländischen Literatur auf, nämlich die Vorstellung des Lebens als Bühne, um zu verdeutlichen, dass der Ich-Erzähler vor der Außenwelt eine Rolle auf dieser Bühne spielen muss, "ohne jemals mein wahres Ich zu zeigen." Um seine Umwelt zu täuschen, setzt er sich eine Maske auf, die seine wahre Identität verdeckt. Die Tarnung ist ihm derart gut gelungen, dass er imstande ist, in vollkommener Anonymität zu leben. Selbst sein Name bleibt unbedeutend. Nur ein einziges Mal wird er erwähnt: Der Ich-Erzähler heißt Kochan. Seinen wahren sexuellen Neigungen kann Kochan nicht entfliehen, denn überall lauern Versuchungen. Die erste Versuchung, in die der Ich-Erzähler gerät, erscheint in Gestalt eines älteren Mitschülers, Omi, der mit allen Attributen vitaler Überlegendheit ausgestattet ist und beim Ich-Erzähler widersprüchliche Gefühle weckt. Die Vitalität von Omi zeigt sich besonders in ihren stark sexuell determinierten Eigenschaften: sportlich begabt, von makellosem Körperbau, besitzt er zudem "ein großes Ding" und habe es schon mit Mädchen getrieben. Der mit einer makellosen Nacktheit ausgestattete ältere Mitschüler Omi wird zur leibhaftigen Verkörperung einer sexuellen Obsession, bei deren Betrachtung der Ich-Erzähler in Bewunderung, Begierde, aber auch Eifersucht verfällt. Hinter seiner selbstgewählten Maskerade widmt sich der pubertäre Kochan seiner "schlechten Gewohnheit", der Onanie.

Im weiteren Verlauf des Romans geht der nun zwanzigjährige Kochan, ein Jahr vor Kriegsende, auf die Universität, wo er Jura studiert. Ungelöste Konflikte brechen von neuem auf und der Ich-Erzähler muss sich endlich eingestehen, dass er kein sexuelles Verlanen dem anderen Geschlecht gegenüber verspürt: "Am bedeutungsvollsten erschien mir dabei, daß die anderen Jungen schon bei dem bloßen Wort "Frau" ungewöhnlich erregt wurden. Sie wurden bereits rot, wenn das Wort ihnen auch nur in den Sinn kam. Mich andererseits vermochte das Wort "Frau" so wenig sinnlich zu beeinflussen wie meinethalben die Worte "Bleistift", "Wagen" oder "Besen"." Zugleich muss er aber gesellschaftlich überleben können. Die Maske bietet ihm erneut Zuflucht. Diesmal aber dient sie der Selbsttäuschung: Er bildet sich ein, ein Mädchen ohne irgendwelche fleischliche Begierde lieben zu können. Der Versuch, sich der Schwester eines Studienfreundes, der siebzehnjährigen, zarten, verträumten, ein wenig kindischen Sonoko körperlich und sexuell anzunähern, misslingt und zeigt den Selbstbetrug in aller Deutlichkeit: "Schließlich lag sie tatsächlich in meinen Armen. Sie atmete heftig, wurde feuerrot und schloß die Augen. Ihre Lippen waren kindlich und schön. Doch weckten sie nicht das geringste Begehren in mir. Dennoch hoffte ich, daß jeden Augenblick etwas in mir geschehen würde - gewiß, dachte ich, wenn ich sie küsse, werde ich sicherlich dabei das Normale in mir entdecken, meine unverfälschte Liebe. Ich preßte meine Lippen auf die ihren. Eine Sekunde verging. Ich empfand nicht das geringste Lustgefühl. Zwei Sekunden. Noch immer das gleiche. Drei Sekunden... Da verstand ich alles." Auch ein Bordellbesuch scheitert und dem Ich-Erzähler wird klar, dass er seiner wahren sexuellen Natur nicht entkommen kann.

Einen Ausweg aus diesem Dilemma bietet ihm der Tod. Der Krieg bringt die Möglichkeit der ersehnten Befreiung in Form des plötzlichen Todes, des verdeckten "natürlichen" Selbstmordes mit sich. Der Gedanke entpuppt sich als getarnte Todessehnsucht. Als jedoch der Zweite Weltkrieg zu Ende geht, der erhoffte Tod durch die Bomardierung Tokios nicht stattfindet, findet sich der Ich-Erzähler in einer für ihn brenzligen und heiklen Situation. Während der Ausnahemzustand des Krieges bestimmte gesellschaftliche Pflichten, Erwartungen und Konventionen in den Hintergrund rückte, bedeutet die Kapitulation Japans das Ende des Krieges und kündet dem Ich-Erzähler an, "daß jetzt fürchterliche Zeiten begannen. Es bedeutete, daß ich trotz allem, was mich zu dem trügerischen Glauben gebracht hatte, solch einen Tag niemals zu erleben, schon am nächsten Tage mit diesem "alltäglichen Leben" eines Mitgliedes der menschlichen Gesellschaft würde beginnen müssen. Diese Worte allein machten mich zittern." Das Ende des Krieges bedeutet auch das Ende des traditionellen Lebens in Japan. Es beginnt die Coca-Cola-Kultur, mit Tanzlokalen, Swing-Kapellen und Texas-Hemden. Am Ende des Romans geht der Ich-Erzähler mit der inzwischen verheirateten Sonoko in ein solches Tanzlokal. In dem Hinterhof des Lokals sieht er einen schönen, muskulösen Jüngling, mit nacktem Oberkörper und tätowierter Brust und wird dabei von sexueller Begierde überwältigt. Damit schließt sich der Kreis.

Mishima hat mit "Geständnis einer Maske" einen großen psychologischen Roman geschrieben, die Entdeckungsreise der eigenen sexuellen Identität wird von ihm schonungslos ehrlich beschrieben mit eindrucksvoller analytischer und poetischer Kraft.
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am 15. Juni 2013
Der Ich-Erzähler des Romans berichtet rückwirkend über die Zeitspanne seines Lebens von der Kindheit bis ins junge Erwachsenenalter. Das umfasst ungefähr die Zeit von 1925 bis ein paar Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges.

Homosexualität und ihre gesellschaftliche Unvereinbarkeit in Japan der damaligen Zeit führen zu Reflexion und Analyse eines Seelenlebens und sind das Thema dieses Buches. Die Romanfigur seziert sich selbst, legt Innenansichten frei. Dabei merkt man den Kampf des Protagonisten, etwas in Worte zu fassen, was er selbst nicht richtig be-greifen und er-greifen kann. Der Leser wohnt einer inneren Zersetzung bei, die gleichermaßen quälend und im Kontext heutiger Maßstäbe sinnlos erscheint.

Bestürzt liest man, dass der Protagonist nach zähem Ringen und kräftezehrendem Versteckspiel schlussendlich zu der Erkenntnis gelangt, dass er nicht mehr Mensch, sondern nur noch Kreatur ist.

Dabei prangert der Autor nie an, schreit die Ungerechtigkeit, die diesem Leben innewohnt, nicht laut hinaus, sondern richtet den Blick ausschließlich nach innen.

Die beklemmende Eindringlichkeit des Textes entsteht durch die schonungslose Ehrlichkeit, mit der berichtet wird und durch die autobiografischen Züge die im Roman mitschwingen.

Trotzdem ist das Buch in Abschnitten etwas zäh und fordert dem Leser Geduld ab. Thematisch ein hochkarätiges Buch, besticht es in der erzählerischen Kraft leider nicht in gleichem Maße. Jedoch blitzen immer wieder Textstellen hervor, die aphoristisch anmuten und den Text glänzen lassen.

Beispiele:
S. 115
Romantikern ist ein leises Mißtrauen dem Intellekt gegenüber eigen, und diese Tatsache führt oft zu jener an sich unmoralischen Handlung, die man Tagtraum nennt. Im Gegensatz zur allgemeinen Annahme handelt es sich beim Tagtraum nicht um einen intellektuellen Vorgang, sondern eher um einen Fluchtversuch vor dem Intellekt…

S. 143
Gefühle entziehen sich einer festen Einordnung. Statt dessen schweben sie wie winzige Partikel in der Atmosphäre frei im Raum umher, und ihr Hauptmerkmal ist die Unbeständigkeit.

Der Roman ist absolut lesenswert und ein emotionales Schwergewicht.
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am 31. Januar 2012
Dieses Buch kann durchaus als eine Art Psychogramm eines Außenseiters gelten. Der Ich-Erzähler bemerkt bereits in dem Rückblick auf seine Kindheit, dass er homosexuelle Veranlagungen besitzt und beschließt, dies hinter einer Maskerade der Normalität zu verstecken. Bald schon freundet er sich mit dem Mädchen Sonoko an, doch trotzdem sind seine heimlichen Phantasien weiterhin präsent.
Eindringlich und zugleich analytisch beschreibt Mishima die Innensicht des Erzählers, welcher in Kriegszeiten eine sehr große Sehnsucht nach dem Tod verspürt, zugleich aber auch selbst zu feige ist, einem nahen Tod ins Auge zu blicken. Der Kontakt zu anderen Geschlecht wird als befremdlich und zugleich sehr distanziert beschrieben, während der Protagonist nicht davor zurückschreckt, seine geheimen, zum Teil auch gewaltätigen Gelüste in aller Sorgfalt zu durchdenken und seinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Hierbei wirkt der Schreibstil für einen Roman der Nachkriegszeit auffallend poetisch; so füllt der Autor seine Beschreibungen und Analysen mit bildreichen, wenngleich auch häufig destruktiven Metaphern.
Ein Roman, ausgestaltet mit poetischer Kraft und autobiografischen Bezügen zu Mishimas Person selbst, den ich Kennern japanischer Literatur ans Herz legen möchte.
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am 31. Mai 2005
Mishima erzählt von der Kindheit und Jugend eines Helden, der schwächlich ist und häufig kränkelt, von der Großmutter aufgezogen wird, und nach und nach das Wesen der menschlichen Interaktion zu durchdringen versucht - auf ganz eigene Art und Weise. Er hat seltsame Träume und Phantasien, in denen viel Blut und nackte Männer eine Rolle spielen. Seine erste Erektion bekommt er, als er ein Gemälde sieht, das den Heiligen St. Sebastian darstellt, gekleidet nur mit einem Tuch um die Hüfte, durchbohrt von Pfeilen. Fortan onaniert er mit solchen und ähnlichen Bildern im Kopf. Unser Protagonist ist homosexuell, aber er begreift es nicht, will es nicht begreifen, weil ihm die nötigen Vergleiche, Informationen, gesellschaftlichen Parameter nicht zugänglich sind. Stattdessen versucht er, die Konventionen und Umgangsformen seiner Umwelt nachzuahmen, sogar zu verinnerlichen: Er kreiert seine Maske, das Außenwesen, während in ihm ein Konflikt schwelt, dem er nicht Herr wird. Das Problem gipfelt in der "Liebe" zur zarten Sokomo, eine Liebe, die er sich nur einredet, während seine Begierden in einer ganz anderen Liga spielen.
Das Buch ist trotz seiner Kürze etwas zäh und langatmig, aber detailreich und stark auf Reflexion angelegt, was aufgrund der stark bevormundenden Erzählweise zu einer nicht angemessenen Würdigung von Thematik und Geschichte führt. Legt man jedoch Sozial-, Kultur- und Weltgeschichte des Entstehungszeitraums zugrunde, verändert sich der Leseeindruck. Es entsteht ein mutiges, ehrliches und lehrreiches, allerdings nur mäßig gut erzähltes Dokument von großer emotionaler Tiefe, das einen Eindruck davon vermittelt, wie es in einem jungen Menschen aussieht, der seine Andersartigkeit entdeckt, sie aber um jeden Preis verheimlichen muss. Auch vor sich selbst.
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VINE-PRODUKTTESTERam 3. Dezember 2007
Berühmte Japanische Autoren brachten sich um, nachdem sie vorher über ihre Seelennot geschrieben hatten, so etwa Dazai Osamu in seinem autobiographischen Roman "Gezeichnet" oder Ryunosuke Akutagawa in der Novelle "Das Leben eines Narren". Zu dieser Kategorie gehört auch Mishima mit dem vorliegenden Werk.

Der Autor beschreibt, wie er nach und nach seine Homosexualität entdeckt, Diese hat bei ihm eine sehr blutrünstig-sado/masochistische Ausrichtung, ist also, im üblichen Sprachgebrauch, besonders "schlimm". Dabei schildert Mishima nicht so sehr die Genese, als vielmehr die frühen Sympthome seiner "Perversion": wilde Träume, Empfindungen und Eindrücke, die ihn gleichermassen überfluten, und gegen die er sich nicht wehren kann. Wie ein rasender Strom trägt ihn sein Schicksal fort, und auch der Versuch sich mit einem Mädchen zusammenzutun und nach aussen eine rechtschaffene, heterosexuelle Rolle zu spielen, retten den Verlorenen nicht. So bleibt auch der Versuch in einem Bordell seine Männlichkeit zu beweisen erfolglos. Der Zerrissene kann lediglich versuchen seine wahre Natur hinter einer Maske zu verbergen, und das macht er ausgesprochen gut, hat er es doch von kleinauf gelernt seine wahren Gefühle zu verbergen, erst unbewusst, dann mit eigenem Wissen.

Man fühlt mit Mishima, weil die Schilderungen mit seinen ersten Kindheitserinnerungen beginnen und man ihn zu kennen glaubt wie einen Bruder oder eine Schwester. Wie einem Seelenverwandten teilt er dem Leser alle seine Geheimnisse und Gefühle mit. Dabei ist er nie weinerlich oder pathetisch. Vielmehr schreibt er wie jemand, der gleichermassen entsetzt und fasziniert ist von seinem Anderssein. Das überträgt sich auf den Leser und keine Zeile dieses Bekenntnissromans ist langweilig.

Es ist das Schicksalhafte und auch die Todessehnsucht die einen fesseln und mitleiden lassen (Mitleid ist nicht die schlechteste Eigenschaft!). Die todessüchtigen Bilder und Metaphern machen verständlich, warum der Autor so früh Selbstmord beging, wenn er auch persönliche Motive mit gesellschaftlichem Protest zu verbinden, vielleicht auch zu kaschieren suchte.
Der Roman, wurde schön aus dem Japanischen ins Deutsche nachgedichtet.
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am 3. Februar 2002
Wenn man die tragischen Umstände des Todes von Yuko Mishima verstehen will, so muss man dieses Buch lesen. Die stark autobiographischen Züge legen Zeugnis ab über den Leidensweg jedes Andersdenkenden und -fühlenden. Sei dies nun in Asien oder hier bei uns in Europa.
Ein irritierendes Buch, dass unweigerlich zu einer Auseinandersetzung mit der eigenen Einstellung führt und die eigene Toleranz in Frage stellt.
Ich habe das Buch in einem Zug durchgelesen, dabei aber immer wieder gelitten. Bin ich wirklich so tolerant, wie ich es denke und wieviele Menschen gibt es, die sich aufgrund unsinniger Moralregeln verstecken müssen.
Ein Buch, dass die Augen öffnet aber nicht in einer depressiven Phase gelesen werden darf.
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am 10. Juni 2011
Ich habe dieses Buch noch nicht zu Ende gelesen. Doch muss ich sagen, dass mich die Posie und der bewusste Selbstgebetrug sehr berührt. Ich persönlich durchlebe zwar nicht was der Autor durchlebt aber die Verhaltensweisen und die Gefühle des Autors kann ich sehr gut verstehen. Auch wenn diese auf einer ganz anderen Ebene spielen, wenn man mal von meiner Person ausgeht.

Nun zurück zu dem Buch. Diesen Werk hätte man auch "Das traurige Manifest" nennen können. Homosexualität war zu dieser Zeit noch verpönter als heute. Ich musste dieses Buch, welches gleichzeitig so abstoßend und anziehend wirkte, manchmal zur Seite legen.

Abstoßend ist dieses Werk, weil es immer fort von einer Todessehnsucht durchzogen ist.
Anziehend, weil die Sprache so poetisch und bildhaft und doch so direkt ist ohne auch nur ein Quäntchen vulgär zu wirken. Es enthält eine subtile Erotik, dass doch unterschwellige Gefühle bei dem Leser hervorruft. Jedenfalls ging es mir so, da ich in diesen Momenten durch die Augen des Autors gesehen habe.

Zitat: Starker Stoff.
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am 3. Februar 2014
Hat mich zwar nicht durchgehend gefesselt, aber trotzdem ein ausserordentlich interessantes und
gut geschriebenes Werk, das eine eigenartige Faszination auszuüben imstande ist.
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