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  • V.
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Kundenrezensionen

4,1 von 5 Sternen
14
V.
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:11,99 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime


am 7. April 2012
Thomas Pynchon veröffentlichte diesen Roman mit nur sechsundzwanzig jahren. Er gewann damit hochdotierte Preise, und wurde quasi sofort zu den größten amerikanischen Schriftstellern gezählt. Der Stil ist konventioneller als in späteren "Büchern" (ich gehe mit dem Begriff Roman bei Pynchon vorsichtig um.), zeigt aber schon die späteren Qualitäten. Die Hauptfiguren sind gegensätzlich angelegt, sie werden nur durch ihre obsessive Getriebenheit verbunden, die jede auf eine andere Art auslebt. Natürlich scheitern sie letztenendes kläglich, aber wer Pynchon kennt weiß dass das bei ihm gängig ist.
Ich habe oft gehört, das V schwer zu lesen wäre, und eines der unbeliebtesten Bücher von ihm, aber dem muss man wiedersprechen. Die Struktur ist vorhersehbar, sie stiftet nur in den ersten paar Kapiteln Verwirrung. Eine Erzählung mit einfacherer Struktur ist wohl nicht zu finden. Als Einstieg in das Werk trotzdem nur bedingt geeignet, aber eine schöne Ouvertüre zu "Die Enden der Parabel", das sowieso, auch vom Sujet her sehr ähnlich zu V ist.
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am 25. Dezember 2017
Von den großen Romanen Pynchons wohl der zugänglichste, vielleicht auch der, der am saubersten aufgeht. Die fieberhafte Suche nach V, wer oder was das auch immer sein mag, zieht sich zwar über mehrere Erdteile und durch mehrere Generationen, doch nach einer kurzen Orientierungsphase lässt sich relativ leicht nachvollziehen, wie sich welcher Handlungsstrang jeweils aus den anderen ergibt. Zwar spart Pynchon auch hier schon nicht an Vorn- und Rückgriffen, an Geschichten in der Geschichte und fragwürdigen traumartigen Sequenzen, doch das Material bleibt im Gegensatz zu späteren Werken überschaubar. Man muss auch als Fan der Einfallsfülle Pynchons zugeben, dass das dem Text gut tut. So liest sich V streckenweise wie ein vorteilhaft zurechtgestutztes Gravity's Rainbow, und ausgerechnet der Erstling des Jahrhundertautors wirkt vergleichsweise abgeklärt, fast wie ein Alterswerk.
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am 9. August 1999
Der 1937 geborene Thomas Pynchon ist mit diesem 1963 veröffentlichten Erstlingsroman auf Anhieb in die vorderste Reihe der experimentalistischen amerikanischen Gegenwartsliteratur vorgerückt. Wie andere US-Autoren verweigerte er sich konsequent dem bürgerlichen Literaturbetrieb. "V." ist ein Episodenroman, aber ebenso ein Kriminal- und phantastischer Roman. Herbert Stencil, einer der Romanhelden, erfüllt das Vermächtnis seines Vaters, der unter rätselhaften Umständen auf Malta ums Leben gekommen ist, um dem geheimnisvollen V. auf die Spur zu kommen. Benny Profane dagegen gammelt mit der "Ganzen Kaputten Bande" durch New York der 50er und 60er Jahre. So verschieden ihre Charaktere, so ist ihr Schicksal dasselbe, sich in einer Welt zurechtzufinden, die von Gewalt, Armut und Gedränge geprägt ist. Thomas Pynchon präsentiert dem Leser ein Handlungsgeflecht von Figuren und Ereignissen, von Authentischem und Fiktivem, ein extravagantes Puzzle. In diesem Erstlingswerk, wie auch in späteren Romanen und Kurzgeschichten, spiegelt sich deutlich die Skepsis des Autors über den heutigen Zustand der Welt wider. Manfred Orlick, Halle (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 12. August 2003
Pynchons erster Roman sorgte bereits kurz nach seinem Erscheinen dafür, daß der damals vierundzwanzigjährige Autor zur ersten Schriftstellerliga Amerikas gezählt wurde - zurecht. Was in "V." behandelt wird, sind allumfassende, zentrale Themen des zwanzigsten Jahrhunderts: Verläuft die Menschheitsgeschichte entlang einer bestimmten Struktur, gibt es "hinter den Dingen" ein verborgenes Prinzip? Funktioniert die Welt überhaupt nach einem Ursache-Wirkung-Schema - oder ist alles chaotisch, unstrukturiert, reiner Zufall? Der Roman und das Lesen selbst werden von Pynchon als Metapher für diese Fragen erhoben; die Struktur seines Romans reflektiert die darin behandelte Problematik.
Sicher erfordert ein Roman wie "V." viel Geduld und Mühe, was nicht zuletzt an den zahlreichen Perspektivenwechsel, Zeitsprüngen und der Figurenvielfalt liegt. Der geduldige Leser wird nach beendeter Lektüre jedoch reichlich entlohnt mit dem Gefühl, etwas erfahren zu haben über einige sehr grundlegende lebens- und geschichtsphilosophische Probleme, die ihm vorher vielleicht nicht in diesem Ausmaß bewußt waren.
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am 29. Juli 1999
Was für ein Buch! Der dürftige Klappentext deutet nur an, was einen erwartet, der sich durch diesen frühen Roman des Meisters frißt. Wer dabei nicht ständig lacht, zunehmend verwirrt über die barocke Handlungsfülle ist oder erste Anzeichen einer durchaus angenehmen Paranoia verspürt und überall in der Realität V-Anspielungen entdeckt, macht etwas falsch. Es bleibt zu hoffen, daß dem größten Romancier der zweiten Jahrhunderthälfte mit seinem neuen Buch "Mason&Dixon" auch bei uns endlich die verdiente Aufmerksamkeit zuteil wird!
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am 22. Dezember 2014
Man hört viel Gutes über V., und ich glaube, die Liebhaber dieses Buches haben recht.
Dabei hatte ich eigentlich einen schweren Start mit dem Roman. Hab mich vor Jahren mal mit idiotischem Pflichbewußtsein durch das Gewirr gearbeitet und gleich danach das Gefühl gehabt, den Text gar nicht gelesen zu haben.
Kürzlich habe ich mich erneut herangewagt. Bin es etwas lockerer angegangen dieses Mal, hab ignoriert, was unverständlich, genossen, was eingängig war. Und hatte tatsächlich meinen Spaß. Das wäre mein Tipp für zukünftige Pynchon-Leser: Sucht nach Stellen, die lustig sind. Spart den Rest für das nächste Mal auf. Lasst es auf einen Versuch ankommen, zur Seite legen könnt ihr das Ding ja immer noch.
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am 1. März 2014
Thomas Pynchon's V. ist ein genialer Debütroman. Mehrmals musste ich beim Lesen den Kopf schütteln, nicht wegen der Handlung oder der Erzählweise, nein, weil ich nicht glauben konnte, das Werk eines 24 jährigen vor mir zu haben.
Seine eigene Mystifizierung schafft eine Dimension dazu: Es ist wenig über Pynchon bekannt, die meisten Fotos von ihm stammen aus seiner Militärzeit. Wer ist dieser Mann also wirklich?

Weltverschwörungsphantasien geistern durch dieses Buch geradeso, wie Figuren mit Besonderheiten. Da gibt es den Alligatorjäger in der Kanalisation von New York, einen Priester mit sehr eigenem Missionsfeld, einen Judasbaum in Florenz, Krieg in Malta, eine Fahrt nach Kuba und immer wieder Begriffe die an den Buchstaben V gebunden sind. Hat die Welt einen Sinn? Und was bedeutet das V. dazwischen? Die (meist jungen) Handlungsträger sind originell und versuchen ihren Platz in einer Welt zu finden, die mehr und mehr ihre Mitte verliert. Und wir schreiten dabei immer wieder vom Beseelten zum Unbeseelten, das immer häufiger unser Leben besetzt. Wenn man bedenkt, dass dieses Buch 1961 erschienen ist, weist es weit voraus. Elfriede Jelinek hat recht in ihrem Vorwort:
"Entweder ist alles an der Geschichte determiniert , oder Geschichte ist völlig bedeutungslos, eine Ansammlung von Anekdoten."

Es ist ein kraftvolles, mit Bildern gesättigtes Buch. Pynchon gilt als postmoderner Autor. Ein Kennzeichen sei, dass die Handlung nicht unbedingt chronologisch-logisch abläuft. Das ist auch hier der Fall. Und doch treibt er es mit den Lesern nicht zu wild. Ich selber hatte das Gefühl, sehr gut voranzukommen.

Ja - ich empfehle diesen Roman sehr gern. Ich bin neugierig geworden auf mehr und schaue begehrlich auf sein Hauptwerk: "Die Enden der Parabel". Der Schriftsteller hat seine Arbeit getan. Nun gilt es dem Leser.
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am 12. Oktober 2014
Auch 45 Jahre nach seinem Erscheinen immer noch der beste Debütroman aller Zeiten. Und das Leben ein Mysterium. Was würde ich dafür geben, diesem Mann auch nur ein einziges Mal begegnen zu dürfen.
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am 22. Oktober 2005
Ein Buch, bei dem ich mich zwingen mußte, es zu Ende zu lesen und nicht vorher in die Ecke zu werfen. Irgendwann nerven einen die zahllosen Sprünge, mal in die Zukunft, mal in die Vergangenheit, nur noch an, phasenweise kommt man überhaupt nicht mehr mit, weil man nicht weiß, ob das Geschilderte ein Traum oder eine tatsächliche Handlung darstellen soll. Figuren tauchen in einem einzigen Nebensatz auf, um dann hunderte Seiten später unvermutet wieder zu erscheinen. Es fehlt ein Rahmen, ein Konzept, eine Idee die all dieses weitgehend zusammenhanglose und wirre Geschehen zusammenhält. Am ehesten ist es noch mit einem sinnlosen Puzzle zu vergleichen.
Einige Passagen sind literarisch gefällig, aber meistens wirkt die Handlung wie in einem mechanisch aufgezogenen Puppentheater. Die Figuren bleiben künstlich, unlebendig und psychologisch blutleer wie schlechte Comicfiguren. Selten war ich so froh, ein Buch durchgelesen und endlich weglegen zu können wie bei diesem. Die tiefere Bedeutung dieses Romans hat sich mir nicht erschlossen, wahrscheinlich aus dem einfachen Grunde, weil es keine gibt. Dies Buch hat mich einfach nur in all seiner inhaltsfreien, hektisch-schrillen Aufgeblasenheit verärgert. Das erste und mit Sicherheit auch das letzte Mal, daß ich etwas von Pynchon gelesen habe. Warum Pynchon der größte lebende amerikanische Autor sein soll, will sich mir jedenfalls nicht erschließen, meiner Meinung nach wird er total überschätzt!
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am 20. September 2015
Ich kann zurzeit keine gradlinigen Geschichten mehr lesen, vom Anfang über den Mittelteil bis zum Ende, alles aufgelöst. Man folgt einer Hauptfigur (oder wenigen Hauptfiguren) durch einen Roman hindurch, gewinnt sie lieb (oder auch nicht), und folgt dem Plot, am besten mit ein, zwei Twists, die das Ganze etwas würzen. Was für mich bei Filmen noch funktioniert, langweilt mich nun in Büchern (auch wenn sie gut geschrieben sind). Und Schuld daran ist Thomas Pynchon.

Seit ich seine Werke im letzten Jahr für mich entdeckte, folgte ich (nach einem kleinen Abstecher in Stephen Kings Welt) den komplexen Gedankenwelten von Roberto Bolano, David Foster Wallace, Italo Calvino und Don DeLillo, um schließlich wieder bei Pynchon zu landen. Jetzt habe ich seinen Debüt-Roman „V.“ ein zweites Mal gelesen, innerhalb von noch nicht einmal einem ganzen Jahr. Und nachdem ich hier schon Rezensionen zu „Bleeding Edge“, „Die Enden der Parabel“ und „Natürliche Mängel“ verfasste, ist es nicht wirklich verwunderlich, wenn ich auch zu „V.“ etwas schreibe.

Ich möchte gleich festhalten: Ich bin ein „normaler“ Leser, der einfach gerne liest, mehr nicht. Am liebsten sind mir Bücher, in denen Sprache, Struktur und Geschichte ein poetischen Ganzes ergeben. So boten mir die Werke von Paul Auster jahrelang das ultimative Leseerlebnis. Ich mag halt Geschichten in Geschichten, metaphorische Handlungen, eine anspruchsvollere aber klare Sprache. All das jedoch hat Thomas Pynchon nun übertroffen.

Ich verstehe, warum der gute Mann so gegenteilige Reaktionen hervorruft. Warum einige (besonders Literaturwissenschaftler und Kritiker) ihn für ein literarisches Genie halten, warum andere ihn für einen aufgeblasenen Blender halten. Ich verstehe, dass Pynchon zu anstregend sein kann oder eben anspruchsvoll ist. In meinen Augen reizt dieser mysteriöse Schriftsteller wie kein anderer, den ich je gelesen habe, das Konzept eines Romans, einer Geschichte aus. Und das hat er schon mit Anfang Zwanzig gezeigt, als er „V.“ schrieb.

Um dem Werk irgendwie auch nur annähernd gerecht zu werden, teile ich diese Rezension in die drei Abschnitte, die ich weiter oben als das Wichtigste beschrieben haben: Sprache, Struktur und Geschichte/Plot.

Sprache: Wo soll ich anfangen? Bei Pynchons Humor, seiner Ernsthaftigkeit, dem manchmal schnellem Wechsel oder der Kombination von beidem? Bei seiner Poesie oder seinen Metaphern? Ich liebe es einfach, wie er a) mit der Sprache spielt und b) die Sprache nutzt, um Dinge auszudrücken, die nicht auszudrücken sind.

Ein gutes Beispiel ist vielleicht aus dem ersten Kapitel das „Apocherium“. Dieses Wort beschreibt (anscheinend) den weit entferntesten Punkt eines Jojos von der Hand, und gleichzeitig erreicht die Figur Benny Profane, das menschliche Jojo, das auf Kriegsfuß ist mit seelen- bzw. leblosen Dingen, ihr eigenes „Apocherium“. Im ersten Kapitel reist Benny von Virginia nach New York. Die Hand ist in dem Sinne wohl eher die Armee, die er verlassen hat, nicht der Ort, aus dem er kommt.

Ich mag so etwas, aber ich kann verstehen, dass es vielen anderen abgeht. Ich glaube aber schon hier feststellen zu können, dass es nicht um die Frage geht, ob Thomas Pynchon wirklich ein brillianter Schriftsteller ist oder nur ein Blender. Es ist lediglich eine Frage des Geschmacks.

Struktur: Tatsächlich ist „V.“ offensichtlich fragmentarischer als viele seiner anderen Werke. Das mag auch daran liegen, dass die Kapitel, die in der Vergangenheit spielen, eigenständige Kurzgeschichten bzw. Erzählungen sind. Am offensichtlichsten ist das im dritten Kapitel, das sozusagen das Spiegelbild von Pynchons Kurzgeschichte „Unter dem Siegel“ ist.

Aufgrund dieser fragmentarischen Erzählweise und der damit einhergehenden verschiedenen sprachlichen Ebenen, lässt sich ein Zusammenhang tatsächlich nur herstellen, wenn man sich die Mühe macht. Was haben z.B. die Geschichten von Porpentine, Godolphin, Mondaugen, Maijstral u.a. mit der Hauptgeschichte, die eher im Beat-Duktus erzählt ist, zu tun? Meines Erachtens schafft es Pynchon genial, sie ebenfalls als Spiegel zum aktuellen Geschehen einzubinden, egal, ob er die einzelnen Handlungen ans Konzept anpasste oder nicht.

Deutlich wird dies z.B. in der Szene, in der Herbert Stencil die Partys der „ganzen kaputten Bande“ mit dem dekadenten Gelage bei Foppls Belagerungsparty vergleicht (und den Vergleich im Dialog dann lapidar als „Melancholie“ bezeichnet). Das Boheme-inspirierte Leben der „ganzen kaputten Bande“ hat natürlich wenig mit der Dekadenz der Reichen in Afrika zu tun.
Oder dann, wenn Esthers unfreiwillige Schwangerschaft und ihre (oder Slabs) Entscheidung, das Kind abzutreiben, Paolas Schicksal aus dem vorhergehenden Kapitel spiegelt, weil sie von ihren Eltern ebenfalls ungewollt war (was ihren Vater Fausto ja u.a. zu seinem Geständnis getrieben hat).

Selbstverständlich taucht in allen Rückblenden das mysteriöse Wesen V. (und Orte, die mit V. beginnen) auf und so fragmentarisch also alles auf den ersten Blick erscheinen mag, ergibt sich auch mit dem Fokus auf V. ein stringentes Puzzle. Vielleicht erschließt sich das dem Leser erst beim zweiten Mal, oder beim dritten. Und auch hier ist es lediglich eine Frage des Geschmacks, ob jemand Lust hat, sich mehrmals darauf einzulassen.

Geschichte/Plot: Es wird Thomas Pynchon immer wieder unterstellt, dass seine Bücher keine Handlung haben. Und ebenso, dass seine Figuren keine Tiefe hätten. Doch je mehr Zeit man mit seinen Büchern verbringt, umso logischer und zwangsläufiger erscheinen die Zusammenhänge, und ja, auch die Charaktere sind alles andere als tot, das Dynamische unter ihnen stellt er hervorragend dar, die Wechselwirkungen. So wie die Kapitel miteinander wirken, so wirken auch die Gruppen. Sie spiegeln sich, sie bilden sich ab, sie bedingen einander. Aber man muss sich auch hier die Mühe machen, es entdecken zu wollen. Pynchons Bücher haben in dem Sinne keine Oberfläche, man kann sie nicht zusammenfassen, man kann sie nur erleben. Und was sonst als genau das ist eine Geschmackssache?

In erster Linie geht es in seinen Büchern um Rätsel, Mysterien (weil die Bücher selbst welche sind), so auch in „V.“. Dort steckt das Rätsel sogar schon im Titel. Der Leser entwickelt die Geschichte zusammen mit dem Buch auf der Suche nach der Antwort: Wer oder was ist „V.“?
Achtung, möglicherweise Spoiler: für mich, beim zweiten Lesen, wurde „V.“ zu weder noch. „V.“ ist auch die Abkürzung für „Versus“, also gegen. Und genau darum geht es im ganzen Buch, besonders um den Gegensatz vom Lebendigen und Leb- bzw. Seelenlosen. Und dann, verkörpert in der Figur V. (Victoria, Vera, der Böse Priester) eine lebendige Frau zusammengesetzt aus leblosen Dingen, eine Mensch-Maschine. Ich könnte das noch viel weiter ausführen, was für Ideen beim erneuten Lesen kamen, aber ich glaube, ich habe meinen Standpunkt klar gemacht.

FAZIT: Pynchons Bücher sind welche, mit denen man Zeit verbringt. Nicht in erster Linie, um in eine andere Welt einzutauchen, sondern um stehenzubleiben, zu staunen und sich Gedanken zu machen. Oder um meinen ersten Satz aufzugreifen: Er erzählt keine gradlinigen Geschichten und genau das finde ich spannend.
So einigen Werken der „Hochliteratur“ wurde attestiert, die Grenzen des Romans ausgetestet zu haben (z.B. „Ulysses“, „Unendlicher Spaß“ oder „2666“), aber erst bei Pynchon hatte ich das Gefühl, dass das Etikett auch stimmte. Denn die Grenzen eines Romans auszutesten heißt auch, sich selbst als Autor nicht zu ernst zu nehmen. Slapstick trifft Drama, Spionageroman trifft Poesie. Viele Gegensätze vereint in einem Buch, was will man (ich) mehr? Auch hier gilt: Probiert es aus, solche Bücher wie „V.“ sind rar in der immer gleicher anmutenden Literaturlandschaft.

Endlich gibt es alle Pynchon-Bücher auch als E-Book. Zeit für eine neue Leserschaft also.
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