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am 23. Juli 2009
Vineland behandelt die Zeit vom Ende der Wilden Sechziger bis hin zur Reagan-Ära in den Achtzigern. Es geht um den Verrat von Idealen, den Verlust von Bürgerrechten (wegen des Kampfes gegen Drogen) und darum, was aus den Mitgliedern der Widerstandsbewegung geworden ist. Es geht um die Lage der Nation, die im wahrsten Sinne in die Röhre schaut, so dass es schon Suchtkliniken mit mobilen Einsatzkommandos für TV-Junkies gibt. Daraus hätte man ein düsteres, deprimierendes oder schlimmstenfalls langweiliges Buch machen können. Pynchon hat ein (bei aller berechtigten Bitterkeit) saukomisches Buch daraus gemacht.
Es ist die Sprache, der Humor, der Tonfall, die absurden Ideen. Pynchon schreibt keine seziererischen Charakterstudien in leisen Tönen, sondern schlägt die ganz große Pauke und ich bin ein erklärter Fan dieses Instruments.
Vineland gilt allgemein als Thomas Pynchons zugänglichstes Buch, weil es eine nachverfolgbare Handlung besitzt, über ein einigermaßen übersichtliches Personal verfügt und (nach seinen Maßstäben) sehr konventionell geschrieben ist. Das mag alles stimmen, aber dennoch ist es kein Buch für Zwischendurch, sondern eine lohnenswerte Lektüre, die den Einsatz des Lesers fordert. Pynchons Texte werden ihm nicht auf einem silbernen Tablett gereicht, damit er sie entspannt genießen kann. Es ist mehr so, als kämpfte man mit einem hungrigen Tier um jeden Bissen und alles, was man für sich erobern kann, zählt unendlich viel. Das muss einem nicht gefallen und vielen gefällt es auch nicht. Mehr als bei allen anderen Autoren, die ich kenne, ist Pynchon Geschmacksache. Meinen Geschmack trifft er wie kein anderer.
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VINE-PRODUKTTESTERam 3. Juni 2008
Weil es das (bisher, nun soll es bei Gegen den Tag so sein) zugänglichste Buch von Pynchon sein soll, habe ich mich herangewagt. Von der Wortgewalt, dem Sprachwitz, dem bizarren, teils derben Humor und der Kunstfertigkeit des Schreibens wird man schier erschlagen. Das Buch ist ein einziges Versatzstück aus skurrilen Begebenheiten, die teils menschlich anrührend, teils historisch hinterlegt sind; natürlich kommen auch asiatische Mythen zum Tragen, sodass man zwischen Realismus und Surrealismus hin- und herspringt. Pynchon zeichnet ein uramerikanisches Bild, wobei ich leider einschränken muss, dass davon einiges an mir vorüberging, weil ich nicht so tief in der amerikanischen Historie drinstecke. Deshalb haben mir auch nicht alle Namen und Begebenheiten, Parallelen und Analogien etwas gesagt. Doch man versteht auch als Europäer genug. Worum es Pynchon geht, hält er gut verborgen. Vergnüglich, wenn auch wegen des hohen Anspruches anstrengend, ist es allemal. Gewiss nicht für jedermanns Geschmack geeignet, aber wer einen Sinn für Außergewöhnliches hat, sollte sich ruhig mal herantasten.
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am 27. Dezember 2006
"Macht es etwa Spaß, Pynchon zu lesen?", ist eine Frage die mir einmal gestellt wurde. Ich konnte sie nicht bejahen. Denn seine Romane lassen oft zu viele gut bewährte Dinge vermissen, die gute Belletristik sehr häufig ausmachen: Dramaturgie etwa, eine spannende, mitreißende Handlungsführung, darf man (zumindest im eigentlichen Sine) nicht erwarten. Auch Figuren mit Tiefe, an deren Schicksal der Leser teilhaben kann, sind eine Mangelware in Pynchons Werk. Meistens beobachtet man Schablonen von Figuren, die hin und wieder auch klar als solche ausgewiesen sind, etwa durch ihre sprechenden Namen, wie Stencil in "V." Pynchons Romane wandern beunruhigend an der Grenze zwischen Realität und kompletter Fantasterei der unüblichen Art. Die Welt die wir hier präsentiert bekommen, ist nicht unsere und der Autor stößt uns manchmal wie mit einem Fußtritt in diese Erkenntnis. (Etwa wenn ein Kugelblitz in "Gegen den Tag" plötzlich im allerwelts-Unterhaltungston anfängt, mit einem Wissenschaftler zu plaudern: "Ich heiße Skip, und du?").

Als Leser von Belletristik will man unterhalten werden und dies kann auf vielerlei Weise geschehen. Dramaturgie und interessante Charaktere, in die man sich einfühlen kann, sind eine Möglichkeit. Aber auch durch bloße intellektuelle Herausforderung kann ein Leser Spaß aus der Lektüre ziehen. Bei Pynchon geht es über letzteres meistens noch etwas hinaus, nicht weil er in einem besonderen Maße anspruchsvoll ist, sondern weil er massiv den Leser aus seiner passiven Rolle des Konsumierens herausdrängen will zu einer aktiven Auseinandersetzung mit seinen Texten (und Literatur im Allgemeinen). Ich glaube jedenfalls das Pynchon an den Zahlreichen Fanseiten, Pynchon-Lesehilfen, Pynchon-Wikis etc. viel Freude hat. Auch durch seine mediale Abstinenz fordert er dazu heraus, sich verstärkt mit literarischen Themen insgesamt, wie etwa der Autorschaft, zu beschäftigen.

Auch "Vineland" ist in diesem Sinne eine Herausforderung an den Leser, und obwohl man beinahe so etwas wie einen Haupthandlungsstrang (mit dutzendweise Sub-Plots) hat, wird man, wie in jedem anderen seiner Romane, mit einem Puzzle konfrontiert, dass gewohnheitsmäßig eine Auflösung haben sollte, aber ähnlich wie bei "Citizen Kane" und der Suche nach "Rosebud", kann man gar nicht am Ziel ankommen. Aus diversen Gründen. Wie Pynchon die Handlungsfäden von "Vineland" gegen Ende immer weiter zuspitzt, und was dann, ganz zum Schluss passiert, das ist wieder einer dieser Fußtritte eines großen Könners. Ich kann es wirklich niemandem verdenken, wenn er darüber, wie auch über viele andere Dinge in diesem Roman enttäuscht wäre.

"Vineland" ist im Vergleich zu Pynchons übrigen Romanen vielleicht tatsächlich insofern der "optimale Einstieg", da der Roman (mit einiger Aufmerksamkeit gelesen) wirklich überschaubar ist, allein schon wegen der Seitenzahl (~480). Wenn man nach dem Lesen festgestellt hat, das man eigentlich nicht schlauer ist als vorher, aber an dem höchst individuellem Humor, der einzigartigen Handlungsführung und den obskuren Einfällen, so etwas wie Freude (oder freudige Verwunderung) gefunden hat, dann ist das schon sehr viel und man sollte seine Nase in "V." halten oder "Spätzünder" und hat dann vielleicht Lust auf mehr.

Insbesondere der extrem eigenwillige Humor scheint mir einer der Hauptgründe dafür zu sein, dass Pynchon vielen nicht gefällt. Wie ein Rezensent der Süddeutschen treffend zu "Gegen den Tag" anmerkte, erscheint Pynchon häufig als eine Art gut gelaunter Märchenonkel der immer noch Einen draufsetzen will und dafür unglaublich gern Irritation des Lesers mit in Kauf nimmt. Wahrscheinlich gibt sehr viel mehr gute Gründe, Pynchon nicht zu mögen, als umgekehrt. Humor ist da natürlich so eine Sache, aber Plattitüden und Banales lassen sich in seinen Romanen auch en masse finden. Und er hat fühlbaren Spaß daran seine von enzyklopädischem Wissen strotzenden Romane damit anzureichern.

Häufig fühlt man sich betrogen. Man glaubt ein Puzzle lösen zu müssen und selbst bei größter Mühsal kommt am Ende vielleicht nicht mehr als eine Zahl wie 49 raus. Leser mit sadomasochistischen Zügen werden bevorzugt. Dennoch ist dieser Autor und insbesondere dieses Buch ein überaus interessantes Stück Literatur und man ist garantiert um eine sehr außergewöhnliche Leseerfahrung reicher geworden (egal, ob im positiven oder negativen Sinne).

Am Ende hilft also alles nichts, außer: LESEN und für sich herausfinden, ob's was taugt. Ich für meinen Teil hatte sehr viel Spaß und kann den Roman jedem Pynchon-Interresierten als Einstieg empfehlen. Ohne Gewähr, versteht sich... :)
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am 27. Februar 2011
Ich habe soeben "Vineland" ausgelesen und wie für viele, war es mein erstes Pynchon-Buch, weil es gemeinhin als sein zugänglichstes Buch gilt. Was aber heißt Zugänglichkeit bzw. Unzugänglichkeit? Bei der Lektüre von "Vineland" hatte ich den Eindruck, einem mit hoher Fantasie und Paranoia ausgestatteten Geschichtenerzähler zuzuhören, der nicht willens ist, sich einer Kritik der reinen Vernunft zu unterziehen und alles mit allem verbindet - in einem Roman ist das selbstverständlich erlaubt, wenn nicht gar eine Forderung. Das Buch wird zugänglicher, wenn man sich davon verabschiedet, ein vermeintlich konsistentes Bild von der Welt zu bekommen. In einer anderen Rezension wurde gesagt, Pynchons Welt sei nicht unsere Welt - ich würde hingegen sagen, Pynchons Welt ist genau unsere Welt: Popkultur, neue wissenschaftliche Erkenntnisse, skrupellose Machthaber, Konsum, Machenschaften, Verschwörungstheorien, Technologie. Vielleicht ist uns Pynchon so schwer zugänglich, weil er sich auf der Höhe unserer Zeit befindet, und uns einen Spiegel vorhält, in dem wir uns noch nicht erkennen können, weil wir noch zu nah dran sind. Aber immerhin: Wir ahnen, dass es sich um ein Spiegelbild handelt.
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am 15. Juli 2008
In Vineland kämpft sich Pynchon bis unmittelbar an die jüngste Geschichte Amerikas heran. Der Roman spielt hauptsächlich in der Nach-68er-Ära mit ihrer gesellschaftlichen Zerfaserung in Drogenkonsum, New Age Irrwegen, östlichen Weisheitslehren auf der einen und der von Funktionsträgern missbrauchten Staatsmacht auf der anderen Seite. Fernsehsucht (Pynchon erwähnt viele bekannte Fernsehserien, z.B. Raumschiff Enterprise), die Ödnis moderner Einkaufszentren und das Verkommen der Rockmusik (viele bekannte Bands werden erwähnt) zu reinem Kommerz, die Entwicklung vom Hippie- zum Yuppietum sind nach wie vor aktuell. Nebenbei liefert der Roman noch einen aufschlussreichen Abriss der Gewerkschaftsgeschichte und politischen Linken Amerikas (Ja, so etwas gibt es!). Bei der Gelegenheit verschafft der Autor den Lesern auch Einblick in die frühe Geschichte Hollywoods. Der Weg scheint unvermeidbar vorgezeichnet in die politische Reaktion und den Neoliberalismus zu führen, welche in der Reagan Ära eingeläutet wurden.
Großartige Literatur, die alle dafür förderlichen Zutaten enthält: eine feine psychologische Zeichnung der Charaktere, die mitten im politischem Zeitgeschehen stehen, einer gehörigen Portion oftmals grimmigen Humors und der bei Pynchon unvermeidbaren Paranoia. Vineland ist vor allem aber das Dokument einer vollkommenen Desillusionierung, die vor nichts halt macht.
Man merkt übrigens an vielen Stellen, dass Pynchon über ausgezeichnete Kenntnisse auf dem Gebiet der Technik verfügt. Er kennt sich z.B. bestens mit Kameras aus und ist offenkundig auch mathematisch versiert. Allein die immer etwas zu plakative Namensgebung scheint eine Art Marotte des Autors zu sein.
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am 28. Februar 2016
Zoyd, ein Althippie, lebt mit seiner Tochter Prairie in der Stadt Vineland. Einmal im Jahr springt er in Frauenkleidern und von Fernsehkameras gefilmt durch die Scheibe eines Restaurants, als Beweis für seine Unzurechnungsfähigkeit, welche ihm die Sozialhilfe sichert. Das beschauliche Leben findet ein jähes Ende, als der Staatsanwalt Brock Vond sein Haus besetzt und den Drogenmissbrauch bekämpft. Zoyd taucht unter, während seine Tochter vermutet, dass die Ereignisse mit ihrer verschwundenen Mutter, Frenesi Gates, zusammenhängen. Mithilfe von DL, einer Ninjakämpferin und Jugendfreundin ihrer Mutter während der radikalen Studentenbewegung, und ihrem Partner Takeshi Fumimota, der ein Büro zur karmischen Schadensregulierung betreibt, kommt sie schließlich auf die Spur.

Vineland gilt gemeinhin als das einfachste und zugänglichste Werk von Thomas Pynchon. Der Roman handelt von drei Generationen Kalifornier und umspannt etwa 40 Jahre ihrer Geschichte, vom zweiten Weltkrieg bis in das Jahr 1984, in welchem die Handlung des Buches spielt. Pynchon setzt sich kritisch mit einer Gesellschaft auseinander, die von Reagonomics, Fernsehen und Shopping-Malls bestimmt wird. Generell erschien es mir wirklich leichter zu lesen als etwa sein Roman Gegen den Tag. Die Handlung ist gut zu verfolgen und vergleichsweise kommen nur wenige Personen vor. Dennoch ist es natürlich immer noch ein Roman von Thomas Pynchon, also kein Buch, das man mal eben zwischendurch lesen kann. Der Leser wird ständig gefordert, mitzudenken und die vielen Anspielungen oder direkten Zitate zu bemerken. In den zahlreichen Rückblenden wird die Arbeiterbewegung der 30er Jahre thematisiert, aber vor allem die 60er und 70er mit ihrer Bürgerrechts- und Friedensbewegung. Typisch für Pynchon gibt es viele kleine Nebengeschichte, voller skurriler Details, Ideen und Verweisen. Seine Geschichte erzählt Pynchon mit einem ganz eigenen Humor, der vielleicht nicht jedermanns Sache ist, mir persönlich aber sehr gut gefällt.

Um in die Welt von Thomas Pynchon einzusteigen erscheint mir Vineland sehr gut geeignet. Hier finden sich schon der typische Humor, die skurrilen Einfälle, die detaillierten Nebengeschichten und das schon fast enzyklopädisch anmutende Wissen, das der Autor verarbeitet. Aber eben alles eine Stufe kleiner als in seinen anderen Werken. Dabei aber in keiner Weise schlechter. Mir hat Vineland mit seinen Charakteren, den Geschichten und seinem Thema sehr gut gefallen und kann nur jedem empfehlen, sich auf diesen Autor, der sich von der Masse abhebt wie kaum ein anderer, einzulassen.
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am 2. Juli 2014
Im Kern handelt das Buch vom Kampf der US-Gegenkultur gegen die übelsten Erscheinungsformen des US-Kapitalismus, sei es der Kampf der Gewerkschaften im frühen 20.Jh., der Kampf gegen die Kommunisten-Hatz in der McCarthy-Ära oder der Kampf der Bürgerrechts-, Friedens- und Kifferbewegung in den 60ern und 70ern. Um die jeweiligen Bewegungen zu untergraben, wurden junge Kriminelle vom FBI etc. umgedreht und als V-Leute, Spitzel wieder eingeschleust. So herrschte auch in God's own country, im Land der Tapferen und Freien die Paranoia, und wer seine Arbeit nicht verlieren wollte, musste aufpassen, was er sagte. Es war ein ungleicher, verzweifelter Kampf, an dessen vorläufigem Ende die Machenschaften der NSA und der weitgehend transparente Weltbürger stehen. Paranoiker wie Pynchon haben Recht behalten. Tja, und ansonsten geht es hier natürlich um Sex, Drogen, Rock'n'Roll, B-Movies und allerhand Schabernack, darunter auch die große Liebe und ihren Verlust. An einer Stelle, in der Forensiker in einem übergroßen Godzilla-Fußabdruck stehen, der natürlich nicht so genannt wird, zeigt Pynchon sehr schön sein Stilmittel der Hyper-Groteske. Nicht nur, dass er überhaupt diese groteske Szene einbaut, nein, er bedient sich in ihrer Darstellung und Ausformung der zigfachen Übertreibung. Einen so riesigen Fußabdruck und die damit verbundenen paranoiden Theorien findet man in keinem Monsterfilm. Pynchon hat das Buch seinem Vater und seiner Mutter gewidmet. Es würde mich nicht wundern, wenn in seinen Schilderungen von Romanzen im 2. WK und in den "mild (sic!) Sixties" so manch (Auto-)Biografisches versteckt ist.
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am 3. April 2013
Ich liebe die ganz harten Sachen: Jahnn, Broch, Joyce, Barnes, Canetti. Lang war ich auf der Suche nach einem modernen Schriftsteller, der die Genußreise fortsetzen helfen kann. Ich habe, vom Medienhype beflügelt, schließlich angefangen, Pynchon zu lesen. Es zog mich hinein wie in einen Strudel. Ein Post-Hippie und Prä-Neocon-Roman mit fulminanten Überraschungen und Volten in fast jedem Absatz. Pynchon ist für mich der neue Nabokov geworden. Das Vergnügen wird göttlich, wenn mit Tequila besoffen gemachte Papageien im Niemandsland vom LKW herunter verkauft werden und einer der Protagonisten seinen besten Vogel in den Ansaugstutzen vom Sportwagenmotor einführt - um mit der Drehzahl die Extase zu regeln. Solche Sachen finden sich fast auf jeder Seite, der Roman liest sich wie die Betrachtung eines Bildes von Hieronymus Bosch.

Da wir ein Buch von Pynchon vorliegen haben ist klar wie Kloßbrühe: Das Auto muss der geschniedelte Automann dann auch noch verkaufen. Fazit: Hochkomplizierte Spaßgenialität.
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am 28. März 2016
Noch unter dem frischen Eindruck der Lektüre stehend, fällt mir beim Nachdenken über den Roman "Vineland" von Thomas Pynchon das Polizeibild eines Toten im Grunewald des damaligen Westberlin ein, das vor etwa 40 Jahren durch die Presse ging. Das Bild hatte etwas mit dem Terrorismus der "Bewegung 2. Juni" zu tun und mit V-Leuten des Verfassungsschutzes. "Vineland" beschwört solche Bilder herauf, denn in diesem Roman geht es um die Nachwehen der Protestbewegung der 60er Jahre in den USA und auch um "informelle Mitarbeiter". Aber bei beidem, bei dem Bild aus dem Grunewald und bei dem Roman, bleiben für mich gewisse Fragezeichen.

"Vineland" von Thomas Pynchon, in den USA 1990 erschienen, gilt als vergleichsweise "zugänglicher" Roman dieses Autors, der andere Romane mit über 1000 Seiten geschrieben hat. Da ist "Vineland" mit 480 Seiten in der deutschen Übersetzung nicht besonders umfangreich. Auch die Zahl der Akteure ist für Pynchons Verhältnisse mit 8 Hauptcharakteren und unter 50 Darstellern insgesamt noch recht übersichtlich.

Trotzdem ist der Roman nicht leicht zu lesen. Die Kapitel sind nicht nummeriert oder betitelt und gehen nahtlos ineinander über. Die eigentliche Handlung spielt sich in wenigen Wochen des Jahres 1984 ab. Schauplatz ist Vineland, ein fiktiver Landkreis in Norden Kaliforniens. Dort wachsen die Redwoods. Der Übersetzer Dirk von Gunteren hat dies nicht eingedeutscht, es müsste wohl heißen "rote Mammutbäume". In die Handlung eingebettet sind immer wieder Rückblenden und -zig wirklich sehr unterhaltsame Geschichten, die es aber zugleich erschweren, der Haupthandlung zu folgen.

Einer der Protagonisten ist Zoyd Wheeler, ein Althippie und Marihuana-Raucher, der mit seiner 14-jährigen Tochter Prairie aus dem Süden in den abgelegenen Norden Kalifornien gekommen ist und dort viele gleichgesinnte Nachbarn gefunden hat. Im Buch ist er ein "Guter", er sorgt für seine Tochter und ist arbeitsam. In ähnlicher Weise wie bei "Tom und Jerry" wird er aber immer wieder von dem Drogenfahnder Hector behelligt.

Hector, ein Latinoamerikaner, gehört zu der Reihe unglaublich verrückter Charaktere in dem Roman. Hector ist fernseh- und videosüchtig und wird seinerseits von seinen Therapeuten verfolgt. Eine weitere Hauptperson, Brock Vond, Bundesanwalt und Befehlshaber im Kampf gegen die Drogen ("War on Drugs"), gibt in dem Roman den Schurken. In einer Szene, die an "Apocalypse Now" erinnert, steht er seitlich in Kampfmontur auf einem fliegenden Huey-Hubschrauber, der sich anschickt, auf die auf einem Schlafsack liegende Prairie herabzustoßen und sie zu entführen. Auch er gilt als "durchgedreht".

Frenesi Gates ist die Ex-Frau von Zoyd Wheeler und Mutter Prairies. Pynchon wählt für seine Darsteller ziemlich ungewöhnliche Namen. Vielleicht soll Frenesi an das englische Wort "frenetic" erinnern, ein Synoym von "frantic", was so viel wir rasend und wahnsinnig bedeutet. Sie hat Zoyd schon bald nach der Geburt ihrer Tochter "aus sexueller Begierde" verlassen, ihr Liebhaber war der oben erwähnte Brock Vond.

Frenesi ist zwar Uniformfetischistin, wie übrigens auch ihre Mutter Sascha, aber ihr Verhalten ist trotzdem nicht ganz erklärlich. Sie ist eine linke Aktivistin in dritter Generation, lässt sich aber trotzdem als "informelle Mitarbeiterin" von Brock Vond anwerben. Und es wird noch schlimmer: in einer Rückblende wird ausführlich, und zwar sowohl heiter als auch düster, ein Campusaufstand Ende der 60er Jahre an einer Hochschule im Süden dargestellt, der schließlich mit paramilitärischen Mitteln niedergeschlagen wurde. Der sogenannte Anführer der Revolte, Weed Atman, wurde vorher von einem Studenten namens Rex mit einer Waffe, die er von Frenesi erhalten hat, erschossen.

Eine Art Gegenbild des Paares Frenesi/Brock sind DL/Takeshi. Die Abkürzung DL steht für Darryl Louise Chastain, eine enge Freundin Frenesis aus der Zeit der Protestbewegung. Sie waren zusammen in dem Filmkollektiv "24 fps". Sie hat einen Teil ihrer Jugend in Japan verbracht und ist eine Meisterin der Kampftechnik des Ninjitsu, dazu gehört auch die Kunst des Verschwindens und Wiederauftauchens. Wegen ihr wird Tokio zu einem Nebenschauplatz des Romans. Einige Kapitel stellen eine hervorragende Parodie auf die Ninjas dar.

DL hat versucht, Brock Vond mit der Technik der "Vibrierenden Hand" heimtückisch zu ermorden. Bei diesem Trick tritt der Tod erst nach einem Jahr ein. Der Partner, der ihr im Bett zugeführt wurde, war aber nicht Brock Vond, sondern Takeshi Fumimoto, ein japanischer Geschäftsmann, der dem gut aussehenden Vond sehr ähnlich sieht. DL bemerkt ihren Irrtum zu spät, tut aber alles dafür, dass Takeshi gerettet wird. Er muss dafür an einen Apparat namens Puncutron in einem kalifornischen Bergkloster der Ninja-Schwesternschaft angeschlossen werden.

Prairie trifft DL bei einer Hochzeitsparty. Sie erfährt von ihr einiges über ihre Mutter. Ein Thema des Romans sind nämlich auch zerbrochene Familienstrukturen. Prairie ist auf der Suche nach ihrer Mutter. Diese ist abgetaucht und lebt nicht mehr mit Vond, sondern mit einem neuen Partner zusammen, ebenfalls ein informeller Mitarbeiter des FBI. Vond sucht Frenesi ebenfalls wie verrückt, was dem Roman Dynamik verleiht.

Das ist noch nicht der ganze Inhalt des Romans, vermittelt aber hoffentlich einen Eindruck von dem heiteren, bunten Panoptikum mit leicht paranoider Tendenz und Pynchons Sinn für Humor. "Vineland" ist darüberhinaus ein politischer Roman mit postmodernen Mitteln. Die Notstandsübung REX 84 war beim Amtsantritt Ronald Reagans ein reales Ereignis und wird von Pynchon mit literarischen Mitteln bearbeitet. Seine Kritik gilt dem Abbau von Bürgerrechten.

Am Ende des Romans löst sich zwar nicht alles, aber manches. Der Bösewicht Vond wird erledigt und für Prairie deutet sich so etwas wie eine Patchworkfamilie mit ihrem kleinen Stiefbruder Justin und zwei Vätern an. Für den Leser ist es trotzdem irgendwie unbefriedigend. Das liegt wahrscheinlich daran, dass der Mord an Weed Atman ungesühnt bleibt. Was aus Frenesi wird, erfährt man nicht. Aber Weed Atman tritt in dem Roman auch nach seinem Tod noch auf, als Thanatoid, ein Wesen aus der Zwischenwelt.

Neben der realistischen Ebene, die teilweise ins Groteske verzerrt wird, hat der Roman also auch eine "übersinnliche" Ebene. Das neblige Vineland war schon bei den Yuroks ein mythisches Land, dessen Natur von Geistern beseelt war. Wer die Yuroks sind, wird nicht erklärt - es müssen wohl die Natives (hierzulande oft Indianer genannt) gewesen sein. Vineland ist somit ein plausibler Ort für ein Dorf von Thanatoiden, bezeichnenderweise Shade Creek genannt. Pynchon setzt somit auch den magischen Realismus als Stilmittel ein, um dem Leser ungesühntes Unrecht in Erinnerung zu rufen.
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am 21. Mai 2012
Der Autor Thomas Pynchon demonstriert uns in seinem Roman 'VINELAND' ein weiteres Mal, wie mit sprachlicher Raffinesse und Feingefühl für Orte, Personen und Handlungen ein Roman entsteht, der den Leser einlädt, in seine Welt einzutauchen und ein Teil von ihr zu werden - wer sich auf Pynchon einlässt, wird belohnt.
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