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Camus hat sich offenbar sein Leben lang mit diesen Kindheitserinnerungen befasst, er hatte das unfertige Manuskript in seiner Tasche, als er bei einem Autounfall ums Leben kam. Dieser atmosphärisch-anschauliche und detailreiche Rückblick gerät ihm immer wieder zu einem Hymnus auf "das Königliche an seinem Leben in Armut" und "die unersetzlichen Reichtümer, die er so gierig und aus dem vollen genoß" (231). Der Vater war als Soldat gefallen, als Camus, der sich hier Jacques nennt, keine zwei Jahre alt war. Die Mutter war fast taub und sprechbehindert und spielte aus diesem Grund in der Familie nur am Rand eine Rolle. Sie war sanft, von einer undurchdringlichen Trauer, geistesabwesend, für den kleinen Jacques, der sie schmerzlich liebte, unerreichbar. Dominant war vielmehr seine Großmutter. Sie war von spanischer Herkunft, führte ein eisernes Regiment und hatte wenig Verständnis für die Besonderheit ihres Enkels. Was war also so königlich an dieser Armut?

Es war wohl die Tatsache, dass sich die spärlichen Erlebnisse, die Rituale in der Familie, Spiele mit seinen Kameraden, die Eindrücke in der Volksschule, die heißen Sommer im Armenviertel von Algier ihn umso elementarer beeindruckten und prägten, je mehr ihm in seiner Mangelsituation sonst Anregungen und Möglichkeiten versagt blieben. Er musste sich früh in seiner harten Umwelt bewähren, konnte dankbar sein für jede Form der Zuneigung und Anregung und war im Übrigen sich selbst, seiner Tüchtigkeit, Intelligenz und lebhaften Fantasie überlassen.

In erster Linie war diese Kindheit für ihn ein Fest des Lebens. Aber gleichzeitig war sie auch voll von Unheimlichem, Unbegriffenem und in ihr entstanden auch "die heftigsten und schrecklichsten seiner Begierden. wie seine dürren Ängste" (234). Er musste lernen, wie "der erste Mensch" (Titel!) zu leben, d.h. sich selbst zu entwerfen, seine eigene Orientierung zu finden, ohne auf die Unterstützung durch eine Familie oder Tradition zurückgreifen zu können.

Hier wird ein weiterer Grund dafür zu suchen sein, dass Camus sich ein Leben lang mit seiner Herkunft beschäftigte und sich seiner Ursprünge zu vergewissern versuchte. Nur ein Teil des Rückblicks besteht aus direkten Erinnerungen. Über weite Strecken schildert er auch die Umstände, unter denen er seinen Recherchen nachgeht, z.B. wie er mit einem alten Freund über seine Nachforschungen nach seinem Vater redet, wie er mehr oder weniger gleichgültig das Grab des Vaters auf einem Soldatenfriedhof aufsucht und welche überraschenden Gedanken ihm dabei durch den Kopf gehen. Manchmal vergegenwärtigt er sich Szenen, an denen er nicht bewusst beteiligt sein konnte, in Visionen: Wie seine Mutter mit dem ersten Kind niederkam, als sein Vater gerade eine Stelle als Verwalter auf einem entfernt liegenden Gut antreten wollte. Oder (im Flugzeug sitzend) wie die französische Kolonisierung Algeriens stattfand und inwiefern er seinen Vater noch im Zuge dieser Entwicklung sieht.

Damit zeigt sich, dass Camus sich der fragwürdigen Authentizität des Erinnerns sehr wohl bewusst war und dieses scheinbar so schlichte Buch des Erinnerns mit einem hohen Reflexionsgrad schrieb. Das Buch ist nicht nur anrührend zu lesen, sondern gewährt auch einen Einblick in das Innerste dieses großen Menschen, Schriftstellers und Philosophen.
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am 12. Dezember 1999
In dieser Autobiographie schildert Camus seine ersten Jahre in Algier. Er erzaehlt von der Armut und Vielfalt in den Strassen Algiers, von den Gedanken und Hoffnungen der aermeren Menschen dort. Vor allem aber erzaehlt er, wie schwer es fuer einen intelligenten und begabten jungen Menschen ist, Bildung zu bekommen und aus den armen Gassen der Stadt auszubrechen. Auch die Beschreibung seiner Familie und des Miteinanders in der Familie sind faszinierend. Er schildert Lebensumstaende, die den meisten seiner Leser (zumindest heutzutage)vermutlich total fremd und unbegreiflich erscheinen. Der Stil ist sehr angenehm, Camus erzaehlt und laesst Bilder mit einer Deutlichkeit entstehen , die mich immer wieder fasziniert. Das ploetzliche Ende des Buches,bedingt durch den fruehen Tod Camus' tut der Schoenheit des Buches keinen Abbruch. Es ist schade, das es so frueh endet, denn man moechte wissen, wie er sein Leben weiter beschrieben haette, aber die Beschreibung der Kindheit und Jugend alleine ist lesenswert genug. Was diese Ausgabe des "Ersten Menschen" besonders interessant macht, sind die Randbemerkungen Camus. Der Herausgeber hat das Exemplar als Vorlage genommen, das Camus dabei hatte, als er einen toedlichen Unfall hatte. Man bekommt so einen viel aktiveren Eindruck vom Schaffensprozess des Autors, sieht, welche Woerter er als Alternativen gedacht hat, welche Stellen er noch einmal besonders ueberdenken wollte. Dieses Buch ist sowieso allen zu empfehlen, aber besonders denen, die gerne Camus lesen, denn es macht Spass und ist sehr interessant, sich Camus als Jungen vorzustellen, der um seine Bildung kaempfen muss. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 4. Januar 2010
"Wir lassen nie vom Suchen ab, und doch, / am Ende unseres Suchens, sind wir
am Ausgangspunkt zurück und werden diesen Ort / zum ersten Mal erfassen."
(T.S. Eliot)

Heute, am 4. Januar 2010 jährt sich der Autounfall des Albert Camus' zum 50sten Mal. Jener Tag im Jahre 1960 war zugleich sein Todestag, gestorben auf einer Landstraße in Frankreich, dabei ein Manuskript einer besonderen Biographie. Sein Leben unter dem Aspekt der Menschwerdung. Der Ursprungstitel: Adam. Nun: Der erste Mensch; erschienen 1994 aus der ersten Handschrift ohne Änderungen.

Wenn man Camus fragte, wie der Rezensent vor kurzem in "DIE ZEIT" las, was die zehn wichtigsten Worte für ihn sind, dann bekommt man diese seine berühmte Antwort: die Welt, der Schmerz, die Erde, die Menschen, die Mutter, die Wüste, die Ehre, das Elend und die Sonne, das Meer. Dem Schicksal mit Verachtung zu entfliehen, so sein Mythos des Sisyphos, den Tod als glücklich zu empfinden, - natürlich und bewusst - ist Thema im Essay: Der glückliche Tod. Weiterhin: Der Fremde, Die Pest - diese herausragenden Stücke in seinem Schaffen sind die Hinführung zum Menschen in der Revolte, die nur mit dem letzten Menschen endet. Seine Kleine Prosa mit den berühmten Briefen wie auch seine Tagebücher sind bedeutende Meilensteine auf dem Verständnis seines letzten Werkes, eines Fragmentes mit - wie der Rezensent hervorhebt - bedeutender Wirkung und Relevanz in der Betrachtung des Lebens von Albert Camus (1913-1960) zwischen dem Ich und dem Wir und dem Menschen in seiner brüchigen Existenz an sich.

Sonne und Meer, dieses "mittelmeerische Denken" macht ihn zu einem Menschen, der die hohe intellektuelle Größe Sartres nur in der Beschreibung des Einfachen und Einsamen überwinden konnte und so nicht nur Begleiter der Denker allein wurde, sondern eben auch ein "Zeitgenosse unserer Träume" (Radisch). Seine Biographie umfasst im gespiegelten Protagonisten Camus' familiäre Herkunft, Freunde, Sand, Meer, Sonne, sein Verhältnis zur Mutter, das besondere und notwendige Schweigen und die notwendig gelebte Einfachheit, alles in einer bestechenden, sprachlich wunderschönen Betrachtung des Lebens. Eines Lebens, welches beginnt mit einer Rückbesinnung im Zeichen des Todes, nämlich am Grab seines Vaters, der im Jahre 1914 im Kriege fiel, Camus selbst gerade mal ein Jahr alt und ohne jede Erinnerung an den Erzeuger.

"Es wird ein Junge. Möge er schön sein!" So der Wunsch der Mutter im Zuge der letzten Stunden vor der Geburt. Eine wehmütig sorgende Herzlichkeit, die mit der Geburt zum Wegweiser Camus' wurde, die ihn sich erinnernd vor dem Grab seines Vaters und dem Gespräch mit seinem Freund aus der Gleichgültigkeit des Lebens herausreißen konnte in eine neue Betrachtung. Weg von den "konventionellen Gesten" in ein "Wissen, um zu sein, ein einziges Mal, eine einzige Sekunde, aber für immer". Augenblick und Ewigkeit verschmelzen in der Entscheidung, als Vierzigjähriger hinaus- und zurückzugehen an den Anfang, ein letztes Finden am Beginn, um alles neu zu erfassen. Zu finden, wer der Mann im Grabe gewesen war.

"In mir ist eine furchtbare Leere, eine Gleichgültigkeit, die nur noch weh tut ..." Camus tritt hier aus dem Absurden aus und vereinigt sich mit dem was war, er tritt gedanklich und erinnernd ein in eine erneute Jugend, in "ein von der Tragödie noch unberührtes Leben" (Whitehead) und entdeckt doch in dem familiären "Königreich des Elends" eine freie Schwerelosigkeit am Strand, in der Sonne, im Meer. Ihn formt der Respekt zur Mutter, zur Großmutter; ihn formt die klare Beziehung und Vertrautheit zu Regeln. Strafe und Züchtigung der Großmutter waren akzeptierte Maßnahmen und erträglich nur dort, wo "seine Mutter das Gesicht zu wandte, was er zu sehr liebte".

In einer Zeit, wo "selbst das Überflüssige arm war, weil das Überflüssige nicht benutzt wurde", konnte Camus für sich feststellen, dass Armut nicht gewählt wurde, aber sie kann beibehalten werden - oder nicht. In diesem Gedanken steckt die erste Regung eines neuen selbst bestimmten Lebens, um aus der "stummen Resignation" zu entfliehen, sich dem Leben selbst zu stellen. In allem, mit der "gleichen rastlosen Großzügigkeit, mit der sie ihm Gründe zu leben gegeben hatte". Aus der Geborgenheit einer liebenden Mutter, einer strengen, doch zukunftsorientierten Großmutter und einem Lehrer, der das Potential eines guten Schülers erkennt und in Bildung retten möchte, entwickelt sich dieser Autor und Philosoph.

Emotionale Stärkung und hohes Vertrauen in diese eigene Zukunft gaben ihm Großmutter und Mutter in einer Landschaft von Sonne und Meer. Camus' Botschaft mit dieser Biographie ist, dass jeder sich selbst und sein Können in den Mittelpunkt der machbaren Zukunft setzen kann, um selbst seine Lebenspläne in Angriff zu nehmen. Diese Lebensplanung wird vorausgesetzt, diesem Aufbruch aus der eigenen wie immer gearteten Existenz im kulturellen Unbehagen gibt Camus als "erster Mensch" eben personifiziertes Beispiel. Beispiel gibt er in einer Sprache, "die uns ein Element ist, in der wir leben und das unser Denken umhüllt. Sie bleibt für uns alle ein letztes Zuhausesein, ein Unvordenkliches, das eine entfremdete Welt, die alles auf das Machbare allein anzusehen gewohnt ist, uns gelassen hat, und dieses ist die ganze Welt noch einmal, - von innen" (Gadamer). Camus' Weg der Rückbesinnung wirkt im Sinne T.S. Eliots wie eine Vita a priori. Sein gelebtes Leben wird durch diese Reflexion als Wiederkehr abgestimmt zwischen faktischem Inhalt und dem familien-geschichtlichen Schemata.

"Ich habe nie vermocht, auf das Licht zu verzichten, das Glück des Seins, das freie Leben, in dem ich aufgewachsen bin", sagt Camus in der Rede anlässlich der Verleihung des Nobelpreises am 10. Dez. 1957. Er sagt auch, dass seine Kunst Mittel ist, "die größtmögliche Zahl von Menschen anzurühren", ihnen Lebensnahrung zu geben, sei Aufgabe des Künstlers, in dem er seine Ähnlichkeit bekenne. Und in den letzten Tagebüchern von 1959 bekennt er: " [...] ich war fähig, [...] getreulich das Beste meiner selbst zu bewahren." Nichts anderes - und sehr lesenswert - erfahren Sie im letzten Werk. (Neuauflage in 2010)
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am 9. Mai 2014
Ich bin unvermutet auf dieses Buch gestoßen, das unverdient im Schatten seiner bekannteren Werke steht. In keinem Buch seiner Zeit wird die Geschichte und das Kolorit des französischen Algerien so authentisch und dicht beschrieben wie in diesem autobiografisch entlehnten Entwicklungsroman. Für mich ist das eines der wichtigsten Bücher des vergangenen Jahrhunderts, da es in die gesellschaftlichen, historischen und politischen Zusammenhänge der französischen Kolonialzeit vom 19 bis ins 20. Jahrhundert am Schicksal einer bitterarmen französischen Einwandererfamilie demonstriert und dazu noch glänzend geschrieben ist. Dass Camus, der sich sonst etwas spröder liest, hier plötzlich so zarte empfindsame Saiten voll menschlicher Wärme anklingen lässt, hat mich überrascht und mein Urteil über Camus revidiert. Daher absoluter Lesebefehl für meine Freunde und Follower! ...
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TOP 500 REZENSENTam 27. Juni 2010
Camus plante während und verstärkt nach seinem Buch "Der Fall" ein monumentaltes Werk über seine Kindheit und seinen Werdegang zu schreiben und nannte es (und wer Camus noch nicht gelesen hat könnte das für pure Selbstverheißung halten) "Der erste Mensch".

Doch was einem hier in diesen eindeutig autobiografischen und doch als Roman aufgezogenem Szenen vor den Augen tanzt ist das genaue Gegenteil. Es ist ein wunderschöne, geistreiche, tiefe und vor allem ehrlich Ansicht einer Landschaft der Kindheit, eines Seelenlebens. Camus schafft auch in seinem letzten unvollendeten Buch die Balance zwischen intellektuellem Gedankengut und einfacher, bildstarker, erzählerischer Kraft; sein Hang zu den Situationen, die das Leben in seiner ganzen Fülle zu fassen bekommen (wenn auch nur kurz) ist immer wieder wundervoll; die gleichsam zurückhaltende und doch stets akkurate, nach dem Wesentlichen greifende Sprache ist ein ganz besonderer literarischer Genuss.

Das Buch ist sicherlich vor allem für Kenner, Fans und Liebhaber von Camus interessant (auch wenn der Schmerz bei mir groß war, denn das Buch hätte es verdient gehabt, zu Ende geschrieben zu werden), aber auch für jemanden, der einfach mal eine gleichsam erhellende und trotzdem schöne kurze Lektüre haben möchte, ist dieses Buch eine äußerst gute Wahl - wenn man weiß, dass man ein Fragment zu lesen bekommt!

Inhalt: Text + 20 Seiten Anhang mit Skizzen, Ideen und Plänen + 2 Briefe, der erste von Camus an seinen alten Lehrer, dann der Antwortbrief.
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Aus meiner Schulzeit erinnere ich mich noch an Camus Roman "Die Pest", einem Roman der nach dem "Reißbrett" einer bestimmten Philosophie sehr allegorisch geschrieben ist. In dem Jahrhundertbuch "Der Fremde" für das er 1957 den Nobelpreis bekommen hat, schreibt er in coolem Stil, in kurzen Sätzen von einem Menschen der sich selbst und auch der Welt entfremdet ist, der bei aller Gleichgültigkeit keine Glücksfähigkeit entwickeln kann. Der Fremde" ist ein ausgedachter Roman, der vornehmlich auch das sinnlose Blutvergießen in mörderischen Schlachten spiegelt.

Das handschriftliche Manuskript für die bewegende Autobiographie "Der erste Mensch" wurde 1960 in dem Auto gefunden, in dem Camus als Beifahrer, im Auto eines Freundes, tödlich verunglückte. Es ist eigentlich ein Gegenentwurf zu Der Fremde". Wie der Titel sagt, es geht um einen Menschen ohne Wurzel, die er weder in Algerien noch in Frankreich hat und der sich deshalb selber neu zu einem Menschen mit einer eigenen Moral formen muss.

In der genial, wie einen Roman konstruierten Autobiographie, erzählt der 1913 in Algerien geborene, distanzierte Autor in der Figur des Jacques Comery seine Kindheit . Es ist einerseits die Suche nach dem Vater der im Ersten Weltkrieg 1914 gestorben ist. Es ist die Suche nach dem Grab des Vaters, der nicht nur in diesem Buch, sondern im Leben und Werk Camus eine große Rolle gespielt hat. Und so fokussiert er auch hier das Absurde, das immer im Fokus seiner Philosophie gestanden hat, denn sein Vater war jünger als er selber, als er nun am Grab stand. Das entsprach nicht der natürlichen Ordnung, es war eher ein Zeichen von Irrsinn und Chaos.

Ferner sind es die Erinnerungen an die frühe Kindheit, das Leben mit seiner Mutter, Großmutter und seinem älteren Bruder Lucien. Die Erinnerungen an die Schule sind gespiegelt mit dem Besuch in der Bibliothek, der Liebe zur Literatur, dem bürgerlichen Milieu der Schule, der ärmlichen Welt im Kleine-Leute-Viertel" von Belcourt. Seinem Grundschullehrer ist es zu verdanken, dass er die Oberschule besuchen kann. Camus musste dafür während der Ferien in Fabriken arbeiten, obwohl er doch Sonne und Meer so liebte. Und so wundert es nicht, dass es tolle Beschreibungen von der Mystik der Sonne und von der Hitze an den Nachmittagen in Algier gibt.

In großartige Genrebeschreibungen des algerischen Armenviertels sind diese elementaren Kindheits- und Jugenderzählungen eingebettet. Aus seinem Nein in früheren Editionen ist jetzt ein uneingeschränktes Ja zum Augenblick" geworden. Ohne jede Scham, mit einer unendlichen Liebe, ohne jedes Beschönigen schreibt er von seiner fast tauben, stummen Mutter die auch außerdem Analphabetin war und von seiner entbehrungsreichen Herkunft. Die Mutter wird im Buch an vielen Stellen immer ellipsoid beschrieben, sie blieb dem Jungen eigentlich immer fremd. Obwohl er nie wirklich mütterliche Zärtlichkeit von dieser omnipräsenten Mutter empfangen hat, ist dieses herzzerreißend schöne Buch ihr gewidmet, obwohl sie nicht lesen konnte. Das wirft eigentlich Rätsel auf.

Das aus diesem Jungen Camus schließlich ein Nobelpreisträger geworden ist hat er sicher auch seinem Lehrer zu verdanken, dem er in einem Brief am Ende des Buches dafür Dank sagt, dass er in dem Jungen den Bildungshunger erkannt hatte und ihn förderte. Unter diesem Gesichtspunkt ist es auch ein vortreffliches Buch darüber was Literatur alles vermag,
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am 3. Januar 2014
Albert Camus hat schon lange einen Logenplatz in meinem Leben, allerdings habe ich noch nie seine Bücher von der ersten bis zur letzten Seite gelesen. Es waren immer nur Ausschnitte, Biographiefraqumente und Sekundärliteratur. Ich habe also sein letztes Buch, auf das er bei seiner Nobelpreisrede schon hingewiesen hatte als Einstiegsdroge in sein Gesamtwerk gefunden. Ich bin staunend Sprachlos. Es ist ein Buch, dass ich nicht weggestellt habe um zum nächsten zu greifen, ich habe es im wahrsten Sinne des Wortes einige Tage sacken lassen müssen. Es ist so nah am inneren Selbst, es ist so nah am Zentrum des Ichs geschrieben worden, und das mit einer Leichtigkeit und eine Prise Humor die mich Entzücken läßt. Es ist großartig, es ist ehrlich, und mit einer großen Liebe zu seinem Lehrer geschrieben, der im Anhang durch einen Brief den er an Camus nach dessen Nobelpreis an ihn geschrieben hat, und der mit den Worten: "Mein lieber kleiner Junge..." beginnt zu Wort kommt. Das Buch ist unglaublich schön. Empfehlenswert...Empfehlenswert!
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am 14. September 2011
Das Manuskript, das nach dem Unfall Albert Camus' gefunden wurde, ist ein Fragment, 144 Seiten eng handgeschrieben und nicht überarbeitet. Erst 34 Jahre nach seinem Tod wurde es veröffentlicht. Die unleserlichen Stellen werden als solche gekennzeichnet, die Arbeitsnotizen sind mit aufgeführt. Das Manuskript hatte zunächst Francine Camus (die Witwe) mit Maschine abgeschrieben. Bücher von Dieter Wunderlich Nach deren Tod hat die Tochter Catherine lange gezögert, der Veröffentlichung zuzustimmen.

Dies ist kein Roman mit autobiografischen Elementen, sondern eine "Autobiografie in der Form eines Romans" (Süddeutsche Zeitung, 16. / 17. September 1995). Trotz des eingeschränkten Lebens in einem Armenviertel in Algier und der ärmlichen Lebensumstände in einer analphabetischen Familie hört man kein Jammern und Anklagen. Ohne Larmoyanz schildert Albert Camus, wie er zwischen seiner geliebten, fast tauben Mutter und der dominaten Großmutter aufwächst. Auf der Suche nach einer Vaterfigur beginnt der Autor über seine Herkunft zu reflektieren.

Die persönliche, aufrichtige, ungeschönte Lebensbetrachtung des Literaturnobelpreisträgers (1957) ist insofern eine Bereicherung für den Leser als sie zum besseren Verständnis des atheistischen Autors beiträgt, der davon überzeugt ist, dass der Mensch sich gegen seine Situation auflehnen kann.
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am 17. Januar 2014
Aufgrund der Tatsache, dass es dem Verfasser nicht vergönnt war, diesen Text vor seiner Veröffentlichung nochmals zu überar-beiten, hat er auf mich literarisch um einiges schwächer als bspw. "Der Fremde" gewirkt.
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am 7. September 2005
Typtisches Camus Buch, das durch seine Eindringlichkeit und wünderschönen Berschreibungen besticht. Man bekommt das, was man erwartet hat, einen echten Camus. Aber seinen letzen, der auch (leider !!!) nicht fertig geworden ist.
Man lernt das Buch erst richtig schätzen, wenn eine Vorauswahl getroffen wurde, wie der glückliche Tod, die Pest, Licht und Schatten und die Tagebücher (beide Bücher). Dann machen einem die Sprünge in "Der erste Mensch" nichts aus, weil man die Lücken mit Vorwissen füllen kann.
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