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TOP 100 REZENSENTam 1. September 2016
Es ist das erste 184 Seiten umfassende Buch der Autorin Simone de Beauvoir, das ich gelesen und welches mich sehr beeindruckt hat. Die Schriftstellerin hat ihr Buch in drei Kapitel unterteilt: Das Alter der Vernunft, Monolog sowie Eine gebrochene Frau.

In flüssigem und leicht zu lesenden Schreibstil wird das am Wendekreis veränderte Leben der Protagonistinnen erzählt und einfühlsam und tiefgreifend begibt sich die Autorin in die Seele der Frauen.

In der ersten Geschichte erzählt eine Frau von den Veränderungen in ihrer Ehe, vom Vorher und Nachher und vom allmählichen Altern, dem Ekel vor ihrem eigenen Körper und den nachlassenden Liebesbekundungen. Sie war Lehrerin und schreibt jetzt Bücher, ihr Mann André ist Wissenschaftler. Der Sohn ist bereits aus dem Haus und die Ehe versinkt im Alltagstrott. Nachlassende Liebe zueinander und nichts mehr so ist wie es in jungen Jahren einmal war ist das Hauptthema dieses Kapitels.

In Kapitel zwei "Monolog" berichtet die dreiundvierzige Murielle vom Scheitern ihrer Ehe mit Francis, dem Entzug von ihrem Sohn Tristan und vom Selbstmord der Tochter Sylvie. Selbstzweifel zerstören sie, richten den Blick auf die eigene lieblose Kindheit und steigern sich in Hass auf alles und andere und sich selbst.

In Kapitel drei "Eine gebrochene Frau" erzählt die vierundvierzigjährige Monique beginnend am 13. September in Form eines Tagebuches von ihrem allmählichen Eheende mit Maurice und zerbricht an sich selbst, kann sich nicht eingestehen, dass sie ihn in den zweiundzwanzig Jahren bestehender Ehe schon mehrfach verloren und so geliebt hat. Maurice hält sie hin, kann sich zwischen seiner Geliebten Noéllie und ihr nicht entscheiden. Monique klammert sich an jeden Strohhalm, gesteht ihm nach seiner Beichte der Untreue und dem Verhältnis zu seiner Geliebten Freiheiten ein, lässt geschehen und erhofft sich dadurch eine Rückkehr zu ihr.

Monique sucht Zuflucht in der Vergangenheit und will die kommende Veränderung ihres Lebens nicht erkennen. Ein gräßlicher Abstieg in die Tiefen der Traurigkeit beginnt und scheint ihr Leben zu zerstören. Sehr spät begreift sie, dass die Zeit vergeht und sie letztendlich in ihrer Pose erstarrt war.

Die Geschichten der drei Frauen haben Gemeinsamkeiten: Vergängliche Schönheit, wenig oder kein vorhandenes Selbstwertgefühl, Angst vor dem Alter und der Einsamkeit, Enttäuschungen und Frust, geplatzte Illusionen und die Erkenntnis, dass die sinnlich erotischen und berauschenden Nächte der Jugend Vergangenheit sind.
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am 13. März 2017
Alles Bücher die ich bis jetzt hier bestellt hatte sind zufriedenstellend angekommen. In einem einwandfreien Zustand und wo wie in meiner Vorstellung! Danke
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am 9. April 2009
Es war das erste Mal, das ich in den Genuss von Simone de Beauvoirs Romanen kam. Und es war keine Enttäuschung. Alle drei Geschichten zeichnen sich durch einen flüssigen, nüchtern und doch ergreifenden Schreibstil aus. In der 1. Geschichte "Das Alter der Vernunft" setzt die Proganistin sich mit ehelichen Problemen auseinander, welche alle mehr oder weniger durch die Wechseljahre bedingt sind. Sehr lebendig.
Die Geschichte 2 heißt "Monolog" und beginnt mit dem Zitat "Und sie rächte sich durch den Monolog", was zwiefelsohne zutrifft. Eine Frau rechnet darin schonungslos mit ihrem Umfeld ab, von dem sie ausgestoßen wird.
In der dritten Geschichte geht es um eine Ehe, in welcher der Mann eine Affäre mit einer anderen Frau hat. Seine Ehefrau hängt so sehr an ihm, das sie es toleriert. Ohne zu wissen, das sie ihren Mann und auch sich selbst immer weiter in die Hölle führt. Dieses Buch ist sehr lesenswert.
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Simone de Beauvoir, die "Tochter aus gutem Hause", hat den Durchbruch als Schriftstellerin mit ihren beiden existenzialistischen Romanen "Sie kam und blieb" und "Das Blut der anderen" geschafft. Ihr Welterfolg "Das andere Geschlecht" erschien 1949.

"Eine gebrochene Frau" gehört mit zum Besten, was je über ein klassisches Frauenleben geschrieben wurde. Es handelt sich um drei Frauenschicksale, die ihre ausweglose Situation eindrucksvoll beschreiben. Ob Erzählung, Monolog oder Tagebuchaufzeichnung, alle Geschichten haben so unendlich viele Reflexionsebenen und fordern den Leser zum intensiven Nachdenken auf.

Die Titel gebende Geschichte handelt von einer 44 jährigen Frau. Für die damalige Zeit, das Buch erschien 1967 zum ersten Mal, galt die Frau in diesem Alter schon als "alt". Sie hat zwei Kinder, hat ihren Beruf aufgegeben, um die Rolle als Mutter und Ehefrau vollends erfüllen zu können. Sie hat einen erfolgreichen Mann, der sie auch scheinbar uneingeschränkt liebt. Alles scheint bestens in Ordnung zu sein, eben "Heile Welt". Doch dann kommen die ersten Anzeichen, die auf Untreue hindeuten. Sie will es zunächst nicht wahrhaben, fängt an um ihren Mann zu kämpfen. Die Frau mit der er sie betrügt ist noch nicht einmal jünger, aber sie ist erfolgreich im Beruf und sie ist für ihn attraktiver. Und nun beschreibt Simone de Beauvoir in sehr eindrucksvoller Weise den inneren Monolog den diese Frau mit sich führt. Sie versucht Toleranz nicht nur walten zu lassen, sondern bemüht sich auch Verständnis für das Verhalten ihres Mannes aufzubringen. Wir können aber als Leser schon ahnen, wie schrecklich alles schließlich ausgehen wird. Am Ende steht eine grenzenlose Leere und Einsamkeit. Dem Ich fehlte das Du.

Das Buch erschien zu einem Zeitpunkt als die Frauenbewegung wieder in Bewegung kam und schildert diese typischen Frauenschicksale mit einer bis dahin nicht gekannten Eindringlichkeit und einem unglaublichen Einfühlungsvermögen in solche Lebensabläufe. Das hatte man eigentlich von der großen "Theoretikerin des Feminismus"nicht erwartet. Auch vierzig Jahre nach dem Erscheinen dieses Buches empfiehlt sich diese Lektüre.
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am 16. Juli 2009
In diesem Buch werden drei, voneinander unabhängige, Geschichten erzählt, die gescheiterte Frauen zum Thema haben.

- Das Alter der Vernunft
- Monolog
- Eine gebrochene Frau

Eine gebrochene Frau nimmt dabei etwas mehr als die Hälfte des Buches ein und ist auch schriftstellerisch die Krönung dieses Bandes. Die Geschichte erzählt in Form eines Tagebuches, die Geschichte einer Frau deren Mann beginnt, sich das Leben zwischen seiner Ehefrau und seiner Geliebten einzuteilen. Das Tagebuch lässt den Leser die Gefühle und Gedanken der Ehefrau hautnah erleben. Diese Erzählung hat volle 5 Sterne verdient und ist geprägt von de Beauvoirs phantastischem Stil. Ein muss, mehr für Männer als für Frauen, denn hier kann "Mann", deutlicher als in Frauenversteher Lehrbüchern, Einblicke in das Denken und die Interpretationsweise einer Frau erhalten.

Ein Stern Abzug weil die beiden anderen Geschichten ein wenig wie, nicht so großartig gelungene, Lückenfüller wirken. Dazu kommt, dass "Der Monolog" durch die langen Sätze, ohne Satzzeichen, sehr unangenehm zu lesen ist.
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am 17. Dezember 2009
"Eine gebrochene Frau"

Ich würde hier gerne ein paar Worte zu diesem Werk von de Beauvoir verlieren.
In diesem Buch finden sich drei kleine Geschichten, bei der ersten Geschichte handelt es sich um eine Nacherzählung der Protagonistin, die zweite ist als Monolog verfasst und die dritte findet sich in der Form von Tagebucheinträgen. Es handelt sich jeweils um verschiedene Handlungen, die inhaltlich miteinander nicht in Bezug stehen.

Zuallererst möchte ich das Buch persönlich empfehlen, es sind natürlich Geschichten die im Kontext der Frauenbewegung geschrieben wurden, es ist, um es mit Beauvoirs Worten zu sagen, gedanklich den Frauen gewidmet, :"die ihr Leben auf sich nehmen und für ein glückliches Leben kämpfen". Es finden sich aber ebenso nicht gerade wenig existentialistische Gedanken, besonders wenn es um den Selbstentwurf der eigenen Person geht (bzw. damit zentral zusammenhängend: Freiheit), ein Thema was sich besonders gut zur Frauenbewegung in Bezug setzen lässt.

Während nun die erste Geschichte noch recht ruhig daherkommt, war die zweite, wenn auch sehr kurz, bereits sehr beklemmend. De Beauvoir versteht es ausgezeichnet, die Situationen so zu skizzieren, dass es mit dem von ihr angesprochenen "Mit-Erleben/Nach-Erleben" nicht weit her ist.
Den Großteil des Buches macht die letzte der drei Geschichten aus, "Eine gebrochene Frau". Sie ist im gewissen Sinne auch der Höhepunkt, wenn man das in diesem Kontext vorsichtig so ausdrückt. Ergreifend gibt Beauvoir hier das Schicksal einer Ehefrau wieder, welche versucht sich mit der neuen Geliebten ihres Ehemannes (der ihr ein und alles war und ist) zu arrangieren. Sie genehmigt die Affäre offiziell, geht jedoch langsam zugrunde als sie bemerkt, wie sich ihr Mann immer mehr von ihr distanziert.
Das Besondere was alle drei Geschichten auszeichnet und wertvoll macht, ist der intensive Einblick in das Denken und Fühlen der Frauen, was anschließend die Möglichkeit gibt, die eigentlichen Probleme (je nach Sichtweise) herauszustellen.

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In der Tat hat Beauvoir, wie sie selbst angibt, in diesem Werk drei Frauen sprechen lassen, welche sich jeweils in auswegslosen Situationen befanden. Was das Werk nun besonders interessant macht, ist dass sich eben diese drei Frauen uns mitteilen und wir somit Einblick in ihre Spezifik haben.

Wir haben es mit drei Frauen zu tun, die auf jeweils ganz eigene Weise den Fokus ihres Lebens außerhalb ihrer selbst fanden. Wir finden in allen drei Fällen dasselbe Phänomen, im gewissen Maße eine Veräußerung des Ichs, die Verlegung des archimedischen Punktes in das Sein der Anderen.
Zum einen die Mutter, die sich selbst in ihrem Sohn findet bzw. sich dort sucht aber schließlich verständnislos mit ansehen muss, wie ihr Sohn sich gänzlich von ihren Idealen distanziert.
Des weiteren der Monolog der Frau, welche sich durch ihre unbekümmerte Offenheit und den kürzlichen Selbstmord ihrer Tochter als von ihrem sozialen Umfeld ausgestoßen begreift und in einem Monolog die Anderen schonungslos konfrontiert und bloßstellt, die Anderen also ablehnt, ihnen aber doch verhaftet bleibt, was im Absurdem enden muss.
Zuletzt die Ehefrau, welche sich selbst vor allem auch durch ihren Mann begriff und fasste, welcher ihr nun zu entweichen droht, so dass sie durch und durch in eine existentielle Krise gerät.

- Insgesamt drei Lebensentwürfe, die die Anderen als ein wesentliches Element in ihr Leben mit einbezogen, und somit auch die ganze Unabsehbarkeit des menschlichen Tuns mit einluden. Sie entwarfen in dem Sinne ein Leben, bei dem die Dynamik der Unvorhersehbarkeit mit ein wesentlichstes Element bildete. Aber eben diese Dynamik wurde drei mal zunächst ignoriert, bis ihr als unumstößliche Tatsache Rechnung getragen werden musste. De Beauvoir versteht es gut uns drei mal eine gewisse Stärke vorzustellen, welche fast schon alleine ein brauchbares Fundament zum eigenen (Lebens) Entwurf darstellt, dessen Potential aber durch die starke Bezogenheit auf die Anderen untergraben wird.

Schließlich endet jede der drei Geschichten auf eine eigene Weise:

Die erste Frau, die zuletzt begreift, dass der beinahe Zusammenbruch ihres ganzen Lebens nicht zuletzt in ihr selbst seinen Ursprung fand, in der Art und Weise wie sie sich entwarf. Sie schließt mit dem "In der Ferne drohen die Schrecken", wir können diesen Satz Sinne des "Man darf nicht zu weit vorausschauen" verstehen, wie es de Beauvoir einige Zeilen zuvor andeutet, aber wir können ihn auch im Kontext der Rolle der Anderen für den eigenen Entwurf verstehen. Die Ferne ist das, was weit ab von mir und der Integrität meiner eigenen Welt liegt. Je mehr Ferne ich in meine innigste Welt, mein Ich aufnehme, umso weniger Nähe kann mir dieses im Zweifelsfalle bieten. Man darf hier nicht den Wunsch eines Isolationismus unterstellen, die Anderen bilden einen wichtigen Teil meiner Welt, aber ich kann selbst nur als Größe in der gemeinsamen Welt bestehen, wenn ich als ein an sich konsistenter Entwurf in die Welt der Mitmenschen hineintrete, freilich ein Entwurf, der auch noch einen Raum für die anderen lässt, Aristoteles Tugend der Seelengröße mag hier eine Idee vermitteln.

Die zweite Frau fassen wir wohl am besten mit der Phrase "Ende offen". Aber die Situation ist brisant genug. Indem sie (die Frau) sich radikal in Opposition zur Außenwelt stellt aber zugleich auf ihre Relevanz beharrt, bewegt sie sich zwischen der Welt die sie hat jedoch aber nicht will und der, die sie braucht aber nicht haben kann (hier Anschluss an Kierkegaard). Sie droht in jenem Niemandsland zwischen den Welten verloren zu gehen, verrückt zu werden. Sie selbst spricht dem Ende nahe: "nein nein ich werde nicht verrückt sie sollen mich nicht unterkriegen ich werde schon Waffen finden und mich verteidigen.", aber nicht ohne zuzufügen "Was für Waffen denn nur?" Zuletzt ruft sie Gott an "Mach daß es einen Himmel gibt und eine Hölle", der Himmel reicht nicht, sie braucht die Hölle, in welcher ihre Peiniger "sich jammernd in den Flammen des Neides winden", so bleibt das Sein der Anderen relevant, neidisch sollen sie sein, dass heißt, sie sollen in ihr einen Wert konstatieren, den sie nur zu gerne selbst besitzen täten.
Das Ende des Monologs ist bezeichnend "Diese Rache schuldest du mir o Gott. Ich fordere von dir daß du mich rächst".

Die dritte, die "gebrochene Frau", ihr letzter Tagebucheintrag endet mit: "Ich habe Angst."
Aber ist es tatsächlich Furcht, mit der sie endet oder vielmehr die existentialistische Angst, diese Angst die ihr nun klar macht, dass sie die Handelnde ist, und das sie selbst es ist, die aus der Vielzahl von Wegen die nun vor ihr liegen einen auswählen muss, das "ja" setzen muss?
Sie schreibt "Ich stehe auf der Schwelle", und in der Tat, die Talsohle hat sie bereits erblickt.
In Bezug auf ihre Problematik macht sie nicht unbedeutende Einträge in ihr Tagebuch, wie die Anmerkung ihrer Freundin Isabelle "Du lebst vorwiegend für die anderen, und daher lebst du auch vorwiegend durch sie".
Später sagt sie selbst: "Wie gern würde ich mich mit anderen Augen als den meinen sehen!" und verweist damit auf das plötzliche Loch im Selbstentwurf, dass die Abkehr ihres Ehemannes scheinbar hinterlassen hat. Sie selbst gibt uns einen Hinweis, wenn sie später schreibt "Ich...wer bin ich denn schon? Darüber habe ich eigentlich nie nachgedacht". Sie fasst ihre letztliche Lage zusammen: "Also? Ich weiß nichts mehr. Ich weiß weder, wer ich bin, noch wie ich sein müßte. Alles fließt ineinander, die Welt ist ein Magma, und ich habe keine Umrisse mehr. Wie soll ich leben, wenn ich an nichts glauben kann, nicht einmal an mich selbst?".
- Damit steht sie wirklich an der Schwelle und sie weiß gleichwohl, dass sie sich entscheiden muss: "Ich darf mich nicht rühren, niemals. Damit die Zeit und das Leben stehenbleiben. Aber ich weiß, daß ich mich bewegen werde."
In diesem Kontext kommt die Angst, aber die Angst genau bezeugt nun, dass sie um die mangifachen Möglichkeiten(des Selbstentwurfes) die ihr offen stehen weiß und die Angst selbst wird ihr helfen diesmal mit Bedacht zu wählen.

Zuletzt bleibt die Frage offen, wie wir uns selbst finden sollen und welche Rolle dabei die Anderen spielen, de Beauvoir schreibt dazu: "Diese Geschichten haben keine Moral; Lektionen werden nicht erteilt" und im gewissen Sinne überrascht es uns auch nicht dies im existentialistischen Kontext zu lesen. Alle drei Frauen standen bzw. stehen am Ende ihrer Geschichte vor der Aufgabe, ausgehend von den Ruinen ihres bisherigen Entwurfes, zunächst sich selbst zu finden, sich selbst zu entwerfen und vor dieser Aufgabe steht hier auch der Leser, wenn er die drei Schicksale einordnen will.
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am 1. November 2014
Zitat: " Glückliche Menschen haben keine Geschichte.
Erst in der Zerrüttung, in der Trauer, wenn man sich gebrochen fühlt, wenn man merkt, dass man sich selbst entgleitet, hat man das Bedürfnis, von sich zu erzählen."
So schreibt sie, Simone de Beauvoir zu diesem Buch, das ich 1988 das erste Mal las.
Mit 23 Jahren, selbst "Opfer" eines Familiendramas - endlich empfand ich ein wenig Sympathie für meine Mutter, die sich doch irgendwie nicht von meinem Macho-Vater trennen wollte.
Welche Demütigungen eines Mannes, dachte ich damals, lässt sich eine Frau gefallen, wo ist ihr Stolz hin entschwunden ? Im Schmerz meines eigenen Erlebens und der Empathie in Hinblick auf meine Mutter haben mich diese drei Frauenschicksale zutiefst berührt und verstört.
26 Jahre später:
Habe ich damals den Anteil meiner Mutter an dem ganzen Drama nicht sehen wollen, sehe ich ihn jetzt -
Frau und Mann gefangen im Beziehungsdrama - noch fern von heutigen Social-Networks in Eifersüchteleien sich verzettelnd, voneinander entfremdend - vielleicht hat es damals nur ein wenig länger gedauert als heute - mit dem Aus.!
Simone de Beauvoir und Sartre, ein für damalige Verhältnisse außergewöhnlich modernes Gespann, dass die "offene Zweierbeziehung" zu leben versuchte.
Glücklich eine Liebe leben, dem Partner ein Partner, Freund und begehrendes Objekt der Begierde sein und bleiben.
Wie sehr die Schicksale der drei Frauen, die Simone de Beauvoir hier sprechen lässt, auf ihr eigenes Leben an der Seite von Jean Paul Sartre schließen lässt ?
Zitat: "Diese Geschichten haben keine Moral; Lektionen werden nicht erteilt, ich wollte etwas ganz anderes. Man lebt nur ein Leben, aber durch intensives Mit-Erleben, Nach-Erleben gelingt es einem manchmal, in die Haut eines anderen zu schlüpfen. Ich wollte meine Leser an den Erfahrungen teilnehmen lassen, die ich auf diese Weise gemacht habe. Ich fühle mich mit allen Frauen verbunden, die ihr Leben auf sich nehmen und für ein glückliches Leben kämpfen.
...."
für ein glückliches Leben kämpfen " ?.?.?
warum kämpfen, ja genau, wir schreiben das Jahr 2014 und nach wie vor kämpfen Frauen für ihr persönliches Überleben, denn:
Entweder, sie haben hier in Deutschland zumindest einen gut verdienenden Mann an ihrer Seite ( der hoffentlich nicht irgendwann abhaut) oder eine aufgeklärte Mutter gehabt. Dieselbe ließ vermerken: "Mach dich NIE von einem Mann abhängig ! "
Scherz beiseite, nein! Nein - Für all diejenigen, die sich mit der Emanzipation der Frau intensiver auseinandersetzen möchten und auch schonungslose Wortgefechte nicht scheuen, die wissen möchten, wo Alice Schwarzer's frauenfreundliche Gedanken ihre Wurzeln haben, denen garantiere ich Spass, Freude und Gewinn an diesem besonderen Buch.
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am 11. Februar 2003
"Ich habe in diesem Buch 3 Frauen sprechen lassen, die sich aus ausweglosen Situationen mit Worten zu befreien versuchen; Diese Geschichten haben keine Moral; Lektionen werde nicht erteilt; ich wollte etwas ganz anderes"- mit diesen Sätzen leitet Simone de Beauvoir dieses Buch ein und genau das tut sie. 3 Frauen erzählen ihr Schicksal, -sei es als Erzählung, Tagebucheintragungen oder innerer Monolog-,dass die Leser zum Nachdenken, Nach-empfinden anregen soll.
Simone de Beauvoir bringt dieses Buch zum ersten Mal 1967 heraus, also zu einem Zeitpunkt, wo in Fankreich die Frauenbewegung gerade (wieder)im Anlaufen war und mit Sicherheit lieferte sie damals einen interessanten Beitrag und die Möglichkeit für viele Frauen, sich mit diesen Schicksälen zu identifizieren und somit auch zu solidarisieren.
Auch wenn die Situation heute eine andere ist, haben diese "Frauenschicksäle" nichts von ihrer Interessantheit und Aussagekraft verloren.
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