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Junge rettet Freund aus Teich
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
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am 31. Juli 2015
Heinz Strunk nennt seinen Protagonisten Mathias Halfpape, so wie er selbst im wirklichen Leben heißt. Es ist also naheliegend anzunehmen, dass Strunk autobiografische Versatzstücke in diesem Roman verarbeitet hat.
Erzählt wird Mathias‘ Kindheit in drei Teilen. Der Autor lässt seinen Protagonisten selbst zu Wort kommen und ihm gelingt das Kunststück, in jedem Teil den altersangemessenen Sprachduktus genau zu treffen.
Da erzählt das Kindergartenkind im ersten Teil aus seiner sehr beschränkten Welt und Sichtweise zwischen Großelternhaus und Kindergarten. Der Grundschüler erweitert seinen Horizont und setzt sich intensiv mit der Beziehung zu seiner Mutter auseinander. Der pubertierende Mathias bewegt sich am Rande des Verbotenen und spricht die Sprache des heranwachsenden Außenseiters.
Noch stärker schafft Strunk es, jenen Außenseitern einen Raum in seinem Buch zu verschaffen, die sonst nur als Statisten des Lebens wahrgenommen werden. Schonungslos und hemmungslos zeigt er den nervösen Klavierstimmer, der durch seine Nervosität zum Gespött der Leute, den rauchenden Gärtner, der mit steigendem Alkoholpegel zum Ekel wird.
Fast zärtlich zeigt Strunk den inneren Verfall von Mathias‘ Mutter, einer Klavierlehrerin, die ihr Dasein zwischen talentlosen Schülern und den wenigen Konzerten fristet. Schleichend entzieht sich Mathias innerlich seiner Mutter, die ihren Sohn nur noch mit elendigen Hausaufgabenkontrollen an sich binden kann.
Großen Raum erhalten die Alten in diesem Buch- die Großeltern, Oma Emmi, die Großtante, bei der Mathias seine Ferien verbringt, Frau Klippstein, Frau Donath- liebevoll beschreibt Strunk deren altersgemäßen Verfall und auch hier wird nichts beschönigt, sondern schonungslos ehrlich beschrieben.
Besonders gut hat mir gefallen, dass es dem Autor gelingt, die ersten ungetrübten Kindheitserinnerungen langsam mit der grausamen Wirklichkeit zu durchziehen. In die muntere Kinderplauderei mischen sich ernste Untertöne, die der Leser irgendwann nicht mehr überlesen kann. Ich habe bei der Lektüre oft gelacht und ein paar Sätze weiter standen mir die Tränen in den Augen, so schnell wechselte die Stimmung, so authentisch habe ich diese Schwankungen empfunden. Dabei bleibt Strunks Sprache stets nüchtern, fast teilnahmslos. Ein Buch ohne Schnörkel, das ich gerne gelesen habe und das mich gut unterhalten hat.
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am 28. Mai 2014
"Fleisch ist mein Gemüse" - mit dem Buch wurde Heinz Strunk bekannt. Es liegt schon lange in meinem SUB (Stapel ungelesener Bücher) relativ weit oben kam aber nie zum Zug. Ob sich das bald ändert? Die Chance besteht, denn...
"Junge rettet Freund aus Teich" erzählt die Vorgeschichte dazu. Die Jugend von Matthias, das ist Strunks realer Vorname. 3 Zeitabschnitte (1966/70/74) erlebt Matthias im Alter von 6, 10 und 14 Jahren und berichtet davon in der Ich-Form. Der Stil ist ein wenig dem Alter angepasst, der 6jährige verwendet deutlich kürzere Sätze als der 14jährige.

1966 geht es noch recht harmlos zu. Matthias pflegt Hobbies an die ich mich aus eigener Erfahrung erinnere (Autokennzeichen aufschreiben) und die Streiche sind noch recht harmlos, auch wenn dabei schonmal ein Feld in Flammen gesetzt wird. Eine dicke Unstimmigkeit fällt auf: zu Weihnachten 1966 bekommt Matthias ein Mondauto geschenkt, das ist m. E. deutlich zu früh.

1970 zeigen sich zunehmend Risse in den sowieso schwierigen Familienverhältnissen. Zugleich wird der Roman immer mehr zur Zeitreise mit Wiedererkennungswert für alle die dabei waren: Berry-Eis, Deep Purple, Mr. Frosty, Disco mit Ilja Richter, später noch 'Was bin ich' und die Shiloh-Ranch.

1974 ist Matthias mitten in der Pubertät und alles wird noch problematischer. Die Streiche enden schonmal mit Straftaten und besonders das Verhältnis zur alleinerziehenden Mutter gestaltet sich schwierig. Auch in der Schule läuft es nicht immer gut, dafür spielen die Mädels eine zunehmend wichtige Rolle. Das alles endet dramatisch aber ich will nicht zuviel verraten.

Wenn ich richtig recherchiert habe ist der Roman stark autobiographisch geprägt aber nicht alles hat sich real so ereignet. Die Konflikte sind nachvollziehbar und glaubwürdig erzählt. Lustig ist das alles nicht - ich habe Heinz Strunk vorher der Komiker-Ecke zugeordnet was für seine anderen Bücher möglicherweise mehr zutrifft - aber durchaus unterhaltsam.

Nun ist es sicher bald Zeit für "Fleisch ist mein Gemüse"...
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am 18. Mai 2013
Heinz Strunk gelingt es in, wie ich finde, großartiger Weise, eine sehr eigene und seltene Kombination von zärtlicher Melancholie und schrägem Humor in seinem neuen Roman hervorzubringen. Als ich in der Ankündigung des Verlages las, "Junge rettet Freund aus Teich" wäre ernsthafter als seine Vorgänger, war ich erst nicht wenig skeptisch (zumal ich auch den letzten Roman "H.S. in Afrika" nur "so mittel" fand) - inzwischen bin ich absolut begeistert.

Strunk schildert in drei Etappen (66,70,74) seine Kindheit und Jugend in Hamburg-Harburg, somit die Zeit unmittelbar vor "Fleisch ist mein Gemüse". Wer Ausflüge und Erinnerungen in die 70er Jahre mag, wird seine Freude an dem Buch haben (Es erinnert mich etwas an G. Henschels "Kindheitsroman" und gefällt mir sogar noch mehr): "Was bin ich", Vampir Horror Romane, "Die Leute von der Shiloh Ranch" "Kung Fu" und ähnliche Geschichten und Dinge aus den 70ern kommen hier unter anderem vor. Große Klasse seine Darstellung von Deep Purple oder von dem WM Finale Holland Deutschland 74 ("...ob sich die Giftzwerge aus Holland jetzt noch die Butter vom Brot nehmen lassen..."). An einigen Stellen musste ich schon ziemlich lachen, andere Dinge wiederum sind sehr berührend und traurig.

Bei Heinz Strunk gilt m.E. wie bei kaum einem anderen Autoren: Unbedingt das Hörbuch besorgen!! Strunk liest wirklich klasse, meistens hektisch, aufgeregt, manchmal nuschelt er vor sich hin, manchmal verhaspelt er sich und muss dann über sich selbst lachen; super, wie er seine Mutter, Oma Emmy oder Manfred darstellt. Er lässt es sich auch wieder nicht nehmen (wie auf, glaube ich, jedem Hörbuch) selbst zu singen (Deep Purple!)...sollte man sich nicht entgehen lassen. Sehr empfehlenswert.
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am 17. Januar 2014
Ein Leben ist im Werden. Hamburger Umland. Die Sechziger. Der kleine Mathias und seine Mama wohnen bei den Großeltern, einen Papa gibt es nicht. Glückliche Strassenspiele und kleine Freundschaften. Mama liest am Abend vor: „Manchmal geht es einem Menschen ja so, dass man ganz zerknirscht ist. Doch in solchen Situationen gibt es einen Trick, um sich aus diesem schwarzen Loch selbst wieder herauszuziehen. Du musst an das Weltall denken, und deine Probleme werden auf einmal ganz klein." Die Welt - sie ist schön.

Oma Emmi in Todtglüsingen: Freiheit. Der neue Freund mag "Fiesta Mexicana", Mathias steht auf Deep Purple. Trotz aller Widersprüche: Oma Emmis Koteletts sind die besten. Daneben: "John Players Navy Cut" - Rauchen mit Stil.

Schule: Gymnasium die 5. - Mama wollte das so - eine einzige Niederlage, die Relaschule könnte was werden.

Am Ende - Mathias geht auf die 17 zu: Oma Emmi dahin, irgendwie sind weniger Kinder auf der Strasse, Mama hat einen Dachschaden und nichts ist mehr so, wie es einmal war.

Bedarf es noch mehr Worte? Eine wunderbar schön zu lesende Geschichte eines sich etwa 1962 der Welt zugewandten Erdenbürgers, der Komik und Tragik, Irrungen und Wirrungen auf dem Weg von den Kleinkinderschuhen zum Teenager, wunderbar zu beschreiben weiss - übrigens ganz nebenher auch erwachsen wird.

Für Erdenbürder, die etwa zwischen 1960 und 1965 der Welt "Hallo" gesagt haben, eine vergnügliche Lektüre mit Wiedererkennungswert. Eine kleine Remembertour in die Höhen und Tiefen, die Ängste und Highlights auf dem Start in ein Leben - das eigene Leben. Wohlig zu lesen, wenn es draußen kalt ist und man sich hinter den Ofen zurückkriechen möchte.
Und wer denn weiß, was ein "Eddel" ist, findet sich noch viel leichter in diese Story hinein, der das Ettiket "Entwicklungsroman" übrigens gar nicht Genüge tun würde. Dazu nämlich ist diese schöne Geschichte einfach zu tappsig, schlichtweg am puren Leben zu nah geschrieben. Wunderbar!
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TOP 500 REZENSENTam 8. März 2013
Eine Tragikomödie in drei Akten ist "Junge rettet Freund aus Teich", und weil das kleine Protagonistchen so heißt wie der Autor, bevor er Heinz Strunk wurde, darf man wohl annehmen, dass der Roman autobiographisch zumindest inspiriert ist.

Zu Beginn ist Mathias sechs Jahre alt. Seine wichtigste Bezugsperson ist seine herzensgute Oma, denn seine Mutter ist Musiklehrerin und viel außer Haus, und sein Opa verlässt seine Kellerwerkstatt tagsüber kaum. Seinen Vater kennt er nicht, denn der war schon anderweitig verheiratet. Aber eigentlich fehlt er ihm auch nicht. Es ist das letzte Jahr vor der Schule, und schöner könnte man es kaum haben.

Vier Jahre später ist das Leben schon komplizierter geworden. Das Gymnasium ist die Hölle, was vor allem an dem sadistischen Mathematiklehrer liegt. Auch sonst plagen ihn die üblichen Nöte eines Zehnjährigen, allen voran das Bedürfnis, sich vor seinen Altersgenossen nicht zu blamieren, und sich bei dem, was man demzufolge so anstellt, nicht erwischen zu lassen. Die Erwachsenen sind sowieso ein Kapitel für sich.

Weitere vier Jahre später ist nichts mehr so, wie es war. Als wenn Mathias' und seiner Freunde hochgradige Pubertät nicht schon dramatisch genug wäre, manifestiert sich bei der Mutter eine manische Depression. Wenn man nicht wüsste, dass das Leben in "Fleisch ist mein Gemüse" weitergeht, würde man das Buch am Ende voller Sorgen aus der Hand legen.

Heinz Strunk ist ein Meister des richtigen Tons. Er schafft es, jeweils den Sechs, den Zehn- und dann den Vierzehnjährigen so lebendig denken, fühlen und sprechen zu lassen, dass beim Lesen immer wieder eigene Erinnerungen hervorgekitzelt werden, an all die Dinge, die man selbst in dieser prähistorischen, computerlosen Zeit so getrieben hat. An all die Schrecken und Ängste, die einen gequält haben, aber auch die Erleichterung, wenn man mal wieder davongekommen war. Wonne und Grausen, eng vereint.
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am 18. April 2015
Junge rettet Freund aus Teich

„Junge rettet Freund aus Teich“ ist mal wieder 'ner autobiographische Aufbereitung von Heinz Strunks verhunzelten frühen Jahren. Wie immer schön einfach geschrieben, so dass es von echter menschlicher Sprache praktisch nicht mehr zu unterscheiden ist. Im Gegensatz zu einem Thmas Man z.B. schreibt Herr Strunk seine Texte nicht, um sich anschließend einen drauf runter zu holen, sondern er holt sich einen runter, um anschließend drüber zu schreiben. Das ist erfrischend, tabulos, echt, lustig, aber auch sehr traurig. Das kann er!

Dieses Buch hier ist zwar erst verhältnismäßig spät in einer Reihe autobiographischer geprägter Strunk-Texte erschienen, erklärt aber nachträglich so einiges, weil’s chronologisch allen Vorgängern voraus geht. Dazu kommt noch ein genialer Kniff: Der Autor nimmt sich drei Phasen seiner Kindheit – als er sechs, zehn respektive 14 Jahre alt war – und schildert jeden Abschnitt aus der Sicht und weitgehend auch mit dem Sprachschatz ebendieses Vergangenheits-Strunks oder eher aus der Sicht von Mathias Halfpape. So hieß Herr Strunk nämlich damals noch.
Ganz geschickt wird einem so mit verdeutlicht, welche Sprünge Heranwachsende in vier Jahren hinlegen. Vom erfahrungshungrigen, vom Leben und seinen noch so frischen Details faszinierten Bub, der sich auf seinen täglichen Obstkuchen freut, mit seinen Freunden draußen rumrennt und bolzt, sich wie Bolle auf Weihnachten freut und gern dem Regen lauscht hin zum desillusionierten Marathon-Masturbator, der sich von Familie und Freunden entfremdet und genervt den ganzen Mummenschanz mit Schulstress, ersten sexuellen Erfahrungen, Drogen- und Alkoholmissbrauch abreißt, während er nur noch dran denken kann, quakend wie ein Frosch die nächste Ladung Sperma in die Matratze abzufeuern.

Widerlich, so 'ne Entwicklung so explizit vorgesetzt zu bekommen! Zu sehen, wie ein hoffnungsvoller Junge durch innere und äußere Umstände, schlecht gewählte Kontakte und Entscheidungen dann doch wieder in 'ne destruktive Richtung abdriftet und aus Gelegenheit kriminell wird. Aber so is das!
Strunk lässt nix weg und zeigt uns so mal wieder wie kaum ein anderer, was Junge sein bedeutet. Jede Frau, die mal wissen will, was in 'nem Typen in den entsprechenden Altersabschnitten vor sich geht, die liest hier bitte einfach mal rein. Jeder Mann, der hier rein liest, wird denken: Ja … Mist! Wir sind scheiße und eklig!

Aber endlich sagt's mal wieder jemand!
Das sind die Punkte, die einem immer fehlten, als man z.B. über sieben Bücher und Jahre hinweg Harry Potter beim Großwerden begleitete. Der hat – angeblich – nie wie ein Frosch gequakt und in sein Himmelbett abgemolken, während er die Namen seiner Mitschülerinnen blökte. Und Butterbier ist auch kein Morphium. Wir wollen die Wahrheit wissen, Frau Rowling!

Aber zurück zu dem Teich-Buch: Inhaltlich sollte man mit keiner dramaturgisch schlüssigen Aneinanderfädelung von Ereignissen rechnen; braucht man auch nicht, weil das Leben ja so nicht funktioniert. Es werden die drei Kindheitsabschnitte exemplarisch erörtert und die narrativen Lücken, die durch die vier Jahres-Sprünge oder Weglassen entstehen, schließt man selbst, weil man das so oder so ähnlich auch mal erlebt hat, wenn man nicht rad mit 20 auf die Welt gekommen ist.
Und dennoch versteckt sich zwischen den Zeilen eine sich anbahnende Katastrophe, die so subtil daher kommt, dass sie einen umso härter am Ende trifft, weil man auch denkt: Stimmt, hätte man mal kommen sehen können, wenn man nicht so sehr von der Pubertät abgelenkt gewesen wäre bzw. abgelenkt werden wollte, weil man's irgendwie doch hat kommen sehen, aber nicht sehen mochte.

Sehr gut, lesen!
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am 23. Mai 2013
Hamburg-Harburg, Mitte der sechziger Jahre. Hinter gepflegten Vorgärten und verputzten Reihenhausfassaden verbergen sich tragisch-routinierte Familiengeschichten, eingeknickte Lebensläufe und tiefe Schicksale, aber eben auch die vermeintliche Unbeschwertheit einer Kindheit, wie sie fast überall und in jeder Zeit zu finden ist. In dieser Kulisse von Garagenbolzplätzen und Gartenhecken wächst Heinz Strunk alias Mathias Halfpape auf. Mit seiner Mutter lebt der sechsjährige Mathias bei seinen Großeltern in der Siedlung und schildert das Leben eben so, wie es ein Sechsjähriger erzählen würde: Freundschaften und Streitereien mit den Jungs aus der Gegend, die nervöse Vorfreude auf den ersten Schultag, das gute Essen der eigenen Oma und die Sicht auf eine Mutter, die im Leben festzustecken scheint. Es ist die wunderbar leichte Sichtweise eines Kindes auf Dinge, die weit schwerer wiegen im Alter. Strunk beschreibt genau die Zeit in unserem Leben, als Freizeit noch am Vormittag begann, die Luft von dem Geruch frisch gemähten Rasens erfüllt war, Erwachsene entweder Schurken oder souveräne Helden waren und die meisten Sorgen nach kurzer Zeit von allein wieder verschwanden.

Im nächsten Teil seiner Trias über die Jugend erzählt Strunk die Geschichte zu einem späteren Zeitpunkt weiter: Mathias ist inzwischen zehn Jahre alt, das Haus, in dem die vier Mitglieder seiner Familie leben, ist wesentlich beengter als noch vor ein paar Jahren und die Sicht des Jungen auf das eigene Leben und das seiner Familie scheint allmählich ihre Unbeschwertheit einzubüßen. Doch da tut sich eine neue Chance auf: Mathias verbringt die Ferien auf dem Land, bei einer alten Verwandten und erhofft sich Freiheit, wilde Abenteuer und ein Leben abseits der zwanghaften und immer schwieriger werdenden Beziehung zu seiner Mutter.

Im letzten Teil ist Mathias vierzehn und das Erwachsenwerden wird immer mehr zur Tragödie.

Beim Lesen dieses Romans scheint man sich zwangsläufig immer wieder die Frage zu stellen, ob Heinz Strunk nun ein unglaublich fantasievoller Autor oder aber ein unglaublich scharfsinniger Beobachter ist, denn zuweilen meint man fast, die eigenen jugendlichen Gedanken und Kindheitserinnerungen zu lesen, so gut trifft der von vielen als Kultautor gehypte "Heinzer" den Ton jener Gedanken. Und nicht nur das: Jeder der drei Teile scheint seine eigene Stimmlage zu besitzen, als alterten die Kapitel mit ihrer Hauptfigur. Auf eingehende und mitreißende Weise berichtet Strunk von den Grauen des Alterns, den Herausforderungen des Individuums und der düsteren Kehrseite familiärer Fassaden. Es ist ein tragischer, ein trauriger und, trotz seiner kindlichen Leichtigkeit, ein ernster Roman. Und doch blieb so etwas wie eine letzte leichte Distanz zwischen mir und der Geschichte. Ich kann das gar nicht genau benennen, aber ein letzter Funke ist einfach nicht übergesprungen. So mitreißend und einnehmend der Roman an einigen Stellen ist, so fremd, skurril und manchmal sogar abstoßend wirkt er an anderen.

"Junge rettet Freund aus der Teich" ist jedoch allemal ein gelungener und kluger Roman, den man lesen kann und sollte.

auch zu lesen auf buchpiraten.blogspot.com
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TOP 1000 REZENSENTam 31. März 2014
So richtig wusste ich nicht, was mich bei diesem Buch erwartet. Entsprechend unvoreingenommen bin ich an die Geschichte heran gegangen - und entsprechend enttäuscht war ich von der ersten Hälfte des Buches.

Heinz Strunk alias Mathias Halfpape erzählt von seiner frühen Kindheit Mitte der 60er bis zu seiner Jugend Ende der 70er Jahre in Hamburg-Harburg. Hier lebt es mit seiner allein erziehenden Mutter bei den Großeltern, geschwisterlos und ohne jegliches Wissen über den Vater. Die Oma als eigentliches Familienoberhaupt, der Opa als geachteter Mann im Stadtteil, die Mutter als talentierte Musiklehrerin. Was als heimelige kleine Chronik beginnt, entwickelt sich von hier an zu einer mit den üblichen Verwerfungen gespickten Familiengeschichte jener Zeit.

Vier Jahre später beginnt für Mathias ein neuer Lebensabschnitt. Mit dem Urlaub fern von der behütenden Mutter lernt er neue Gleichaltrige auf dem flachen Land Niedersachsens kennen. Erstmals verheimlicht er Erfahrungen und Abenteuer, belügt Familienangehörige und findet Geschmack an leiser Rebellion. Das Gymnasium wird zum ersten großen Misserfolg, das Verhältnis zur Mutter leidet. Der körperliche Verfall seiner Großeltern setzt ihm und den Familienverbund zu.

Der letzte Teil der Geschichte dreht sich 4 weitere Jahre später um die voll entflammte Pubertät, die zu Diebstahl, Lügenkonstrukten und offenen Verwerfungen führt. Die Freunde auf dem Land entpuppen sich als gefährliche Enttäuschung, der Versuch der Mutter neue Selbstständigkeit zu finden, zerstört Vertrauen und Familienbanden. Mathias wird schwieriger und zieht sich weiter zurück, die Realschule wird zur Hängepartie.

"Junge rettet Freund aus Teich" bildet wohl mehr oder weniger autobiografisch das Leben des Autors ab. Entsprechend muss niemand mit einem wohl austarierten Happy End rechnen. Dem bedarf es auch nicht, bieten doch die Abschnitte 2 und 3 reichlich Lesegenuss, der durch ein weich gespültes Ende nur hätte verlieren können. Leider ist der erste Teil des Buches deutlich zu lang geraten und bietet wenig, was zum Weiterlesen animiert. Die heile Welt eines 4-jährigen ist einige Seiten lang ganz niedlich, aber hier breitet sie sich über rund 40% des Buches aus und weist deutliche Längen auf. Der Anfang der Geschichte ist also Kampf. Hat man sich durch diese Hängepartie gequält, wartet auf den Käufer eine wirklich lesenswerte Geschichte.
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am 22. Juni 2013
"Fleisch ist mein Gemüse" war bzw. ist natürlich ein tolles Buch und sorgte zurecht dafür das Heinz Strunk als Autor der Erfolg beschieden war der ihm mit seinen sonstigen Unternehmen nicht - oder nur im bescheidenen Maße - beschieden war. Mit den nachfolgenden drei Romanen gelang es dem Autoren aber nicht an die Klasse seines Erstlingswerkes anzuknüpfen.

Besonders sein letztes Buch "Heinz Strunk in Afrika" empfand ich als sehr schwach. Es gab in dem Buch keine neuen Ideen und der Mann hatte auch nichts neues zu sagen. Schade drum, dachte ich.

Umso mehr bin ich angetan von Strunks neuem Werk, "Junge rettet Freund aus Teich" in dem es, wieder mal, mutmaßlich, stark am die eigene Biografie angelehnt, um drei Lebensphasen, in der Kindheit und Jugend des Hauptprotagonisten geht.

Wie immer wird aus der ungeschönten Ichperspektive erzählt und wie immer ist es die pure deutsche Tristess die einem hier entgegenschlägt und mir nur allzu bekannt vorkommt.

Strunk gelingt es sehr gut die drei Entwicklungsphasen seiner Figur/bzw. seiner selbst, sprachlich glaubwürdig zu verpacken und Redensarten/Mundart einzufangen.

Das Buch nimmt einen vielleicht nicht ganz so schnell gefangen wie sein Erstlingswerk (was nicht heißt das der anfang nicht unterhaltsam wäre) aber es wirkt länger nach.

Ich habe jedenfalls gelacht - und zwar laut - und war nicht selten gerührt.

Ein tolles Buch.
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TOP 1000 REZENSENTam 20. August 2013
Der Blick zurück mit einer Mischung aus Aufrichtigkeit, Melancholie und Humor, das beherrscht Heinz Strunk vermutlich wie kein Zweiter. Authentisch und ungekünstelt schreibt Strunk aus Kindheit und Jugend in Hamburg Harburg sowie den Ferien im Norden Niedersachsens, in Todtglüsingen.
Die Erlebnisse aus drei Lebensabschnitten, 6, 10 und 14 Jahre alt, die Mathias Halfpape hier erzählt gliedern das Buch. Dem Alter entsprechend verändern sich Ton und Sprache der Erzählung. Die Unterschiede sind nicht riesig, aber doch spürbar. Wer wie Strunk in den Sechzigern geboren ist, dem wird vieles aus diesem Jahrzehnt und den Siebzigern nur zu bekannt vorkommen. Das wird aber nie zur bloßen Nummernrevue oder einem diffusen „früher war’s besser“. Davon ist Strunk weit entfernt. Im gelingt es in den besten Abschnitten das Gefühl für diese Zeit an diesen Orten wiederzubeleben. So war es halt. Anders, aber nicht schlechter oder besser. Dennoch, wer in dieser Zeit aufgewachsen ist und mit Mathias in seine Kindheit und frühen Jugendjahre zurückreist, zu „Kung Fu“, „Der große Preis“ oder auf die „Shilo Ranch“, dem typischen Essen und zu „Bluna“, wer ihn und seine Freunde begleitet beim Bolzen, draußen Spielen, auch mal auf der Straße, Autos kommen nur sehr selten vorbei, zu den Freundschaften, dem wird bewusst, dass diese Zeit Lichtjahre entfernt ist von dem wie gleichaltrige heute aufwachsen. Fast ein anderer Planet.

Mathias wächst in einfachen Verhältnissen auf, lebt mit der Mutter bei deren Eltern. Der eigene Vater ist schon lange verschwunden. Die Verhältnisse werden immer schwieriger je älter Mathias wird. Die kindliche Unbeschwertheit weicht zunehmend einem Gefühl von Beengtheit. Abenteuer und Freiheit winken in den Ferien in Todtglüsingen, bei einer Verwandten. Der reicht das Geld gerade so zum Durchkommen, aber mit Mathias ist sie für einige Wochen nicht alleine. Der Junge findet Freunde und die ersehnte Freiheit, mit kleinen Abenteuern, die in diesem Alter so aufregend sind. Davon kann in der Schule wiederum nicht die Rede sein. Die Schilderung subtiler Demütigung durch einige Lehrer dürfte vielen Lesern in Variationen bekannt vorkommen. Das Mathias Mutter im Lauf der Jahre unzufriedener mit ihrem Leben wird, ihre Beziehung sowohl zu den Eltern als auch zu Mathias problematischer, beeinflusst das Heranwachsen des Jungen mehr und mehr.
Zahllose Begebenheiten und die mit ihnen einhergehenden Gefühlen, sei es Freude, Angst, Geborgenheit, Wut, Ohnmacht, Scham oder Eifersucht sind aus dem Leben gegriffen, authentisch und in ihrer Schlichtheit sehr eindringlich. So etwa die Schilderung der Freundschaft zwischen den Jungs in Todtglüsingen inklusive Angeberei, kleinen Gemeinheiten und den Dingen die die Kumpels auf keinen Fall erfahren dürfen. Einsamkeit und Altersarmut sind schlichte Tatsachen, Teil des Familienlebens und werden nicht beschönigt.
Der Humor ist in diesem Roman meist subtiler als in „Fleisch ist mein Gemüse“, und ein mit Melancholie durchsetztes Schmunzeln weit häufiger als lautes Lachen. Aber einige schön abstruse Erlebnisse hat Strunk auch hier in seinem unnachahmlichen Tonfall zu erzählen.

Der Autor erinnert bei allem persönlichen auch an die universellen Wahrheiten über das Aufwachsen und Erwachsenwerden. Seine Erinnerungen verklären nicht, sondern erzählen vom Schönen ebenso wie vom Schrecklichen, vom Peinlichen und vom Aufregenden, von langweiligen Sonntagnachmittagen wie von herbeigesehnten Fernsehabenden. Ein lesenswertes, stellenweise berührendes Buch dessen Stimmung nachwirkt.
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