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am 13. März 2017
Das Buch ist wirklich klasse. Neurologische Erkrankungen werden auch für den Laien verständlich beschrieben und dennoch wissenschaftlich fundiert. Jede Geschichte steht für sich und fasziniert. Toll!
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am 3. Januar 2018
Es beschreibt sehr klar und deutlich verschiedenste Krankheiten. Es verlangt keine Vorkenntnisse und ist für jedermann sehr verständlich und unkompliziert geschrieben.
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am 12. August 2017
Das Buch war in einem super Zustand, als hätte ich es neu bestellt. Für alle, die sich für Neurologie und Psychiatrie interessieren, ist das Buch sehr zu empfehlen!
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am 23. August 2016
Rezension des Buches „Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte“ von Oliver Sacks, veröffentlicht im Rowohlt Taschenbuch-Verlag, Reinbeck bei Hamburg im Oktober 1990, Taschenbuchausgabe, Copyright © 1987 by Rowohlt-Verlag GmbH, Reinbeck bei Hamburg

Dies ist das bekannteste Buch des britischen Neurologen und Professors für Klinische Neurologie Oliver Sacks, der 1933 bis 2015 gelebt hat. Es enthält Geschichten über Menschen mit neurologischen Ausfällen, d. h. mit der Beeinträchtigung oder Aufhebung einer neurologischen Funktion: Den Verlust der Sprechfähigkeit, des Sehvermögens, der Geschicklichkeit, der Identität und andere Mängel und Verluste spezifischer Funktionen oder Fähigkeiten.

Das Buch beginnt mit der Titelgeschichte "Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte". Dr. P. war ein ausgezeichneter Musiker und als Professor an einer Musikhochschule tätig. Hier fiel er erstmals durch gewisse seltsame Verhaltensweisen auf. Manchmal erkannte er das Gesicht eines Studenten nicht, der vor ihm stand. Sobald der Student ihn ansprach, konnte er ihn anhand seiner Stimme identifizieren. Auf der Straße tätschelte er schon mal einen Hydranten oder Parkuhren, weil er sie für Kinder hielt. So kam er zu Sacks. Bei der ersten Untersuchung konnte er beim Anziehen seines Schuhs diesen nicht als solchen identifizieren. An Ende der Untersuchung sah er sich nach seinem Hut um. Er streckte die Hand aus und griff nach dem Kopf seiner Frau, den er hochzuheben und aufzusetzen versuchte. Offenbar hatte er seine Frau mit einem Hut verwechselt. Auch einen Handschuh konnte er als solchen nicht identifizieren. Er beschrieb ihn als eine durchgehende Oberfläche, die eine Umhüllung bietet. Bei Gesichtern oder Szenen war seine Visualisierung stark beeinträchtigt. Seine Tätigkeiten im täglichen Leben, wie essen, anziehen usw., konnte er ausüben. Aber wenn er unterbrochen wurde und den Faden verlor, wurde er ratlos. Sacks konnte ihm nicht sagen, was ihm fehlte. Aber er sagte ihm, was ihm an ihm gefiel. Er war ein ausgezeichneter Musiker. Deswegen sollte er die Musik nicht nur ausüben, sondern zu seinem Leben machen.

In "Der verlorene Seemann" begegnete er dem freundlichen, aufgeräumten Jimmie G. Er sah gut aus, hatte lockiges graues Haar und war neunundvierzig Jahre alt. Er hatte eine herzliche Art, war sehr gesprächig und bereit, alle Fragen zu beantworten. Aber dann setzte sein Gedächtnis aus, und zwar mit dem Jahre 1945. Sacks stellte bei der Untersuchung seines Erinnerungsvermögens extreme und außergewöhnliche Defizite des Kurzzeitgedächtnisses fest. Alles, was man ihm zeigte, sagte oder mit ihm machte, vergaß er gewöhnlich innerhalb von Sekunden. Ereignisse aus früheren Zeiten waren ihm dagegen genau erinnerlich. Er hatte bei der Marine gedient und war 1965 dort ausgeschieden. Tiefe Befriedigung erfuhr er in Gottesdiensten. Dort fand er seine Seele.

Die Geschichte "Der Mann, der aus dem Bett fiel" handelt von einem jungen Mann, der morgens in ein Krankenhaus eingeliefert wurde, die ganze Zeit einen netten Eindruck gemacht hatte, bis er aus einem Nickerchen erwacht sei. Danach war er sehr erregt und benahm sich sonderbar. Er hatte es irgendwie fertig gebracht, aus dem Bett zu fallen, saß laut brüllend auf dem Boden und wollte nicht mehr ins Bett. Er sagte, er habe nach seinem Aufwachen im Bett ein abgetrenntes menschliches Bein gefunden. Das wollte er aus dem Bett schmeißen. Dabei sei er rausgefallen. Dann war es verschwunden. Es hatte sich in Luft ausgelöst.

In dem Kapitel "Hände" berichtet der Autor über Madeleine J., eine sechzigjährige, von Geburt an blinde Frau. Sie war Spastikerin aufgrund zerebraler Kinderlähmung und ein Leben lang zu Hause von ihrer Familie vollständig versorgt worden. Plötzlich konnte sie mit ihren Händen nichts mehr anfangen. Sie seien völlig nutzlos. Sie fühlten sich nicht so an, als gehörten sie zu ihr. Deswegen brauchte sie ihre Hände nicht einzusetzen. Sechzig Jahre lang hatte sie gelebt, als sei sie ein Wesen ohne Hände. Sie motivierten sie, ihre Hände zu benutzen. Indem sie z. B. ihr Essen etwas weiter wegstellten und sie tasten musste, bis sie es fand. Danach machte sie gewaltige Fortschritte. Später formte sie Modelle aus Ton und wurde zur Künstlerin. Sie wurde bekannt als die „blinde Bildhauerin von Str. Benedict’s“ und blühte auf.

Dann befasst sich Sacks im nächsten Kapitel mit "Phantomen": Als Phantom bezeichnet man in der Neurologie die wirklichkeitsgetreue Vorstellung von einem Köperteil beziehungsweise die lebhafte Erinnerung an ihn, die auch Monate oder Jahre nach seinem Verlust noch unvermindert fortbesteht. Bekannt sind z. B. Phantomschmerzen bei Beinamputierten. Er berichtet von einem Seemann, der sich versehentlich seinen rechten Zeigefinger abschnitt und noch vierzig Jahre lang immer wieder das quälende Gefühl hatte, sein Finger sei noch immer gerade ausgestreckt, wie in dem Moment, als er ihn sich abschnitt.

In "Augen rechts" geht es es um Frau S., eine intelligente Frau in den Sechzigern, die einen Schlaganfall hinter sich hatte. Sie hatte den Begriff „links“, bezogen sowohl auf die Außenwelt als auch auf ihren eigenen Körper, vollständig verloren. Da sie sich nicht direkt nach links wenden oder links sehen konnte, drehte sie sich nach rechts und beschrieb damit einen Kreis. Dazu setzte sie sich in einen Rollstuhl. Sie fuhr damit nach rechts im Kreis, bis sie das Gesuchte fand.

Während es im ersten Teil des Buches um „Ausfälle“ geht, befasst sich der Autor im zweiten Teil um „Überschüsse“. Wie steht es mit dem Gegenteil, nämlich einem Übermaß an Funktion? In der Neurologie gibt es kein Wort dafür. Gesteigerte Aktivität lässt nicht nur eine gesunde Fülle und Üppigkeit entstehen, sondern kann auch zu einer bedenklichen Zügellosigkeit führen, zu einer Abweichung und Missbildung. Davon handeln die Geschichten im zweiten Teil des Buches.

Die erste Beschreibung über dies Phänomen erfolgt mit der Geschichte "Witty Ticci Ray". Das Tourette-Syndrom ist gekennzeichnet durch einen Überschuss an nervlicher Energie und durch eine übersteigerte Neigung zu seltsamen Bewegungen und Impulsen, zu Tics, Zuckungen, gekünstelten Verhaltensweisen, Grimassen, Geräuschen, Flüchen, unwillkürlichen Imitationen und zwanghaften Handlungen aller Art. Solch ein Mensch mit dem Tourette-Syndrom war Ray. Er war bei der ersten Begegnung vierundzwanzig Jahre alt und infolge zahlreicher, sehr heftiger Tics, die alle paar Sekunden in Schüben auftraten, fast außerstande, noch irgendetwas zu tun. Sacks schlug ihm eine Behandlung mit Haldol, einem Neuroleptikum, vor. Danach knallte er gegen eine Drehtür, die er früher hektisch durchsprungen hatte, was ihn zunächst entmutigte. Er hatte die Sorge, er bestehe nur aus Tics. Was bliebe ohne die Tics? In drei Monaten erkundeten sie zahlreiche gesunde Potenziale bei Ray. Damit wurde sein Reaktionsvermögen umgeformt. Nachdem er wieder Haldol verabreicht bekam, verschwanden die Tics, ohne dass nennenswerte unerwünschte Nebenwirkungen auftraten. Und daran hatte sich während neun Jahren nichts geändert. Die Zeit war eine glückliche für Ray. Das Ausmaß seiner Befreiung hatte alle Erwartungen übertroffen.

"Amors Pfeil" berichtet von Natasha K., einer intelligenten Frau von neunzig Jahren. Kurz nach ihrem achtundachtzigsten Lebensjahr wurde sie lebendiger und unternehmenslustiger; junge Männer interessierten sie. Ihre Freundinnen machten sich Sorgen; sie flirtete mit jedem Mann. Sie erzählte, dass sie vor siebzig Jahren in einem Bordell in Saloniki gearbeitet hatte. Und das bekommen hatte, was sie „Amor’s Pfeil“ nannte: Syphilis. Eine Prüfung ihrer Rückenmarksflüssigkeit bestätigte, dass sie Neurosyphilis hatte. Es waren Spirochäten, die ihre Großhirnrinde stimulierten. Daher die guten Verjüngungsgefühle. Wie sollte man sie behandeln? Natasha K. wollte die Zeit ihres Gutgehens weiterhin genießen. Deswegen gaben sie ihr Penicillin; das die Spirochäten abtötete, aber die durch sie hervorgerufene Enthemmung und zerebrale Veränderung nicht wieder rückgängig machen konnten. Natasha K. war zufrieden.

Dann kommt das Kapitel des Buches "Die Besessenen". Sie leiden unter einer Form des „Super-Tourette“; dies sei die bösartigste Form des Tourette-Syndroms, die zur Auflösung der Persönlichkeit und einer bizarren, phantasmagorischen, pantomimischen und oft mit einer zwanghaften Nachahmung anderer Personen verbundenen Art von „Psychose“ oder Raserei führen könne. Von einer solchen war eine grauhaarige Frau in den Sechzigern befallen. Sie imitierte die Passanten; als Sacks sie auf einem Spaziergang sah. Sie karikierte die Leute und übersteigerte sie ins Lächerliche. Die Super-Tourette Patienten seien wie keine anderen gezwungen zu kämpfen, um zu überleben, um trotz der ihnen fortwährenden bestürmenden Impulse ein Individuum zu werden und sich als solche zu behaupten. Dies sei ein enorm schwerer Kampf.

Im Teil III des Buches geht es um "Reisen". Sacks meinte hier das eigene innere Reisen, das jeder von uns kennt, die eigener Gedankenwelt, die eigenen Landschaften. Es geht um Erinnerung, veränderte Wahrnehmung, Phantasie, Traum. Als erstes Beispiel für diesen Bereich nahm er die Geschichte "Erinnerung". Die 88jährige, etwas schwerhörige Frau O’C lebte in einem Altersheim. Eines Nachts im Januar 1979 träumte sie lebhaft und sehnsuchtsvoll von ihrer Kindheit in Irland. Vor allem von den Liedern, die man damals sang und zu denen man tanzte. Als sie aufwachte, war die Musik immer noch klar und deutlich zu hören. Sie überprüfte alle Radios im Hause - keines war angestellt. Die Musik spielte in ihrem Innersten noch immer so laut, das sie kaum etwas anderes hören konnte. Eine EEG-Untersuchung ergab, dass sie Anfälle im Bereich der Schläfenlappen hatte. Eine Computertomographie ergab, dass sei eine kleine Thrombose oder einen lnfarkt im Bereich ihres rechten Schläfenlappens gehabt hatte. Nach drei Monaten war die Musik ganz verschwunden. Sie bedauerte, dass sie die Musik nicht mehr hörte. Damit hätte sie ein Stück Kindheit wiedererhalten.

Bei einer Frau O’M war es ähnlich. Sie war ebenfalls über achtzig, intelligent, geistig rege und schwerhörig. Auch sie hörte Musik in ihrem Kopf. Ein Jahr oder länger hörte sie immer dieselben Lieder. Es trieb sie fast zum Wahnsinn. Sack gab ihr krampflösende Mittel. Von da an litt sie nicht mehr an musikalischen Halluzinationen. Ohne diese fühlte sie sich viel besser. Während die andere Patientin sie unterm Strich gut fand, da sie damit ihrer Kindheit ein Stück näher gekommen war und damit Identität erhalten hatte, die ihr wichtig war.

In "Nostalgische Ausschweifungen" schildert der Autor den Fall einer dreiundsechzigjährigen Frau, die seit ihrem achtzehnten Lebensjahr an fortgeschrittenem postenzophalitischen Parkinsonismus litt und seit vierundzwanzig Jahren in einem Zustand von „Trance“ lebte. Sie war in einer Anstalt untergebracht. Die Verabreichung von L-Dopa führte zunächst zu einer einschneidenden Besserung ihres Parkinsonismus und zu einem Abklingen ihres Trancezustandes. Wenig später
kam es zu psychomotorischer Erregung mit verstärkter Libido. Sie nahm auf einem Kassettenrecorder innerhalb weniger Tage zahllose frivole Lieder und Witze und Limericks auf, die sie in jungen Jahren auf Partys, in Nachtclubs und Varietés aufgeschnappt hatte. Aufgrund ihrer wachsenden Erregung wurde die L-Dop-Dosis reduziert. Prompt vergaß die Patientin alle früheren Erinnerungen.

In "Reise nach Indien" geht es um Baghawandhi P. Das neunzehnjährige indische Mädchen wurde mit einem bösartigen Gehirntumor in 1978 in die Klinik eingeliefert. Der Tumor war zum ersten Mal entdeckt worden, als sie sieben Jahre alt gewesen war. Man hatte ihn damals vollständig entfernen können. Dieser Aufschub hatte zehn Jahre gedauert. Dann kam es zu dem aggressiven und bösartigen Rezidiv. Hatte sie früher Grand mal-Anfälle gehabt, war sie nunmehr sichtlich „verträumt“. Sie mochte diese Träume, weil sie sie in ihre Heimat zurückführten. Immer intensiver wurden sie. Das Mädchen wusste, dass es sterben würde. Sie ging nach Hause. Dann starb sie. Damit hatte sie das Ziel ihrer Reise nach Indien erreicht.

In "Mord" schreibt der Autor über Donald. Der hatte unter dem Einfluss von Psychostimulantien seine Freundin getötet. Er war zwar nicht verantwortlich dafür. Aber man musste ihn in eine Anstalt einweisen, um ihn selbst und die Gesellschafft vor ihm zu schütze. Vier Jahre verbrachte er in einer geschlossenen Anstalt. Dort fühlte er sich sicher und wohl. Er betätigte sich gärtnerisch und legte auf dem ungepflegten, verwilderten Gelände Blumenbeete, Zier- und Gemüsegärten an. Darin ging er lauf. Dann erhielt er im fünften Jahr nach seiner Einweisung die Erlaubnis, die Anstalt am Wochenende zu verlassen. Er kaufte sich sofort ein Fahrrad. Damit baute er einen Unfall und erlitt schwere Kopfverletzungen. Nach Wiedererlangung des Bewusstseins war er schrecklich erregt und von inneren Tumulten erfüllt. Die Gewalttat, der Mord, der aus seinem Gedächtnis verschwunden gewesen war, stand jetzt in allen Details, mit fast halluzinatorischer Deutlichkeit vor seinem inneren Auge. Alles lag offen zutage. Er dachte fortwährend an Suizid. Dann machte Ronald`s Genesung nach Jahren Fortschritte. Eine begleitende Psychotherapie stärkte sein Ich. Er hatte sein physiologisches und moralisches Gleichgewicht wiedergefunden.

Dann widmet er sich den "Visionen der Heiligen Hildegard". Er befasst sich mit einer bei ihm allerdings sonst nicht zu findenden Oberflächlichkeit mit den Visionen dieser Heiligen und Mystikerin des 12. Jahrhunderts und schätzt die Visionen als eindeutig durch die Migräne hervorgerufen ein. Er merkt an, dass diese Visionen von Ekstase von einer tief empfundenen göttlichen und geistigen Bedeutung erfüllt waren und dazu beitrugen, dass Hildegard ihr Leben dem Gottesdienst und der Mystik widmete.

Teil IV ist der Welt der Einfältigen gewidmet. Die Geschichten dort und seine Überlegungen dazu machen besonders nachdenklich und rühren an. Sack schreibt, dass ein Mensch intellektuell sehr „tief“ stehen mag, er mag unfähig sein, eine Tür aufzuschließen oder gar die Newton’schen Gesetze der Mechanik zu verstehen – und dennoch mag er die Gabe besitzen die Welt gefühlsmäßig zu erfassen. Das ist die fast sublime andere Seite solcher einzigartigen Menschen. Auch hier wird wieder seine tiefe Mit-Menschlichkeit deutlich.

Gutes Beispiel dafür ist "Rebecca", neunzehn Jahre alt, als sie in die Klinik gebracht wurde, mit gespaltenem Gaumen, hochgradiger, degenerativer Kurzsichtigkeit, so dass sie eine sehr dicke Brille tragen musste. Wenn sie allein auf die Straße ging, verlief sie sich sofort, und sie war nicht in der Lage, auf Anhieb eine Tür aufzuschließen, weil sich nicht zu begreifen schien, in welche Richtung sie den Schlüssel drehen musste. Rebecca empfand eine tiefe Bindung zu ihrer Großmutter und war sehr traurig, als diese starb. Sie liebte die Natur und war mit der Sprache der Poesie vertraut. Sie verfügte über eine unerwartete, seltsam rührende, poetische Kraft. Auf einer tieferen Ebene aber empfand sie kein Gefühl von Behinderung oder Unfähigkeit, sondern eine ruhige Vollkommenheit, eine Lebendigkeit und das Gefühl, eine kostbare Seele zu besitzen und allen anderen ebenbürtig zu sein. Intellektuell fühlte sich Rebecca als Krüppel, spirituell hingegen als vollwertiger, vollständiger Mensch. Sack lernte aus seinen Auffassungen und nahm sie auf ihren Wunsch hin aus der Werkstatt der Anstalt heraus und verschaffte ihr einen Platz in der Theatergruppe. Dort blühte sie auf.

Die Geschichte "Ein wandelndes Musiklexikon" berichtet über Martin A., einundsechzig Jahre alt, der Ende 1983 ins Heim kam. Er litt an der Parkinson’schen Krankheit und konnte nicht mehr für sich selbst sorgen. In seiner Kindheit hatte er leine Gehirnhautentzündung gehabt, die zu Retardierung, Impulsivität, Anfällen und einer halbseitigen Spastizität geführt hatte. Sein Vater war ein berühmter Sänger an der Metropolitan Opera gewesen und von daher hatte er eine bemerkenswerte musikalische Ausbildung genossen. Er war oft kindisch, manchmal auch boshaft, und neigte zu plötzlichen Wutausbrüchen. Im Heim war er bald unbeliebt und wurde von vielen der Bewohner geschnitten. Martin war ein Opernnarr und ein wandelndes Musiklexikon. Er kannte ein neunbändiges Musiklexikon aus dem Jahre 1954 auswendig. Selbst berühmte Musiker konsultierten ihn wegen seines phänomenalen Gedächtnisses, in dem er nicht nur die Musik von zweitausend 2000 Opern, sondern auch alle Einzelheiten der Aufführungen gespeichert hatte. Er konnte jedoch keine Beziehung zu seinem, Wissen herstellen. Er besaß keine Beziehung zu sich selbst. Dann suchte er eine Kirche in der Nähe auf und sang dort mit. Er wurde Leiter des dortigen Chors, was vorher sein Vater gewesen war. Von dieser Zeit war er wie ausgewechselt. Er ging in der Musik auf. Insbesondere die von Bach hatte es ihm angetan.

Die Geschichte "Die Zwillinge" berichtet von den Zwillingen John und Michael, die Sacks 1966 in einem staatlichen Krankenhaus kennengelernt hatte. Sie waren im Radio und Fernsehen in Shows aufgetreten. Siebenundzwanzig Jahre waren sie damals alt und seit ihrem siebten Lebensjahr immer in Heilanstalten gewesen. Mal hatte man sie als autistisch, mal als psychotisch, mal als erheblich retardiert diagnostiziert. Sie beherrschten eine unbewusste kalendarische Rechenweise, die sie in die Lage versetzte, sofort den Wochentag zu bestimmen, auf den ein Datum der entferntesten Vergangenheit oder Zukunft fiel. Sie konnten auch den Termin jedes beliebigen Osterfestes im Zeitraum von achtzigtausend Jahren nennen. Ihre IQs lagen bei sechzig. Rechnen konnten sie allerdings nicht. Sie beherrschten nicht einmal die Grundrechenarten. Zehn Jahre später wurde ihre Heiterkeit bei ihren Auftritten zerstört. Man trennte sie, um sie „in die Lage zu versetzen, ihrer Umwelt in einer sozial akzeptablen, angemessenen Art entgegen zu treten“. Damit hatten sie offenbare ihre merkwürdige numerische Kraft verloren und auch ihre größte Freude und den Sinn ihres Lebens. Sie waren dann fast unabhängig und „sozial akzeptabel“. Ob die Entscheidung über die Trennung richtig war? Ausführlich schreibt der Autor über die Zwillinge und die bei ihnen vorhandenen Phänomene.

In der letzten der Geschichten "Der autistische Künstler" geht es um den einundzwanzigjährigen retardierten José, der unter leichten bis schweren Anfällen litt, mager war und zerbrechlich aussah. Sacks reichte ihm eine Uhr und bar ihn, sie nachzuzeichnen. Das Ergebnis ist im Buch festgehalten. José hatte die Uhr detailgetreu nachgezeichnet und jede Einzelheit wiedergegeben. Später wollte er noch mehr Zeichnungen von dem Jungen. Einige sind ebenfalls im Buch abgedruckt. Der Junge schien eine gut entwickelte Phantasie und Kreativität gehabt zu haben. Es handelte sich bei seinen Zeichnungen offensichtlich um eine Art von Kunst. Er zeigte eine ungewöhnliche Begeisterung und Begabung für das Malen. Diese Zeichnungen waren wahrscheinlich seine einzige Verbindung mit der Außenwelt. Später, nachdem seine künstlerischen Fähigkeiten gefördert wurden, begann er auch zögerlich zu sprechen. Er würde zwar nie eine normale Sprachkompetenz erhalten, aber er war doch bemüht um die Sprache.

Ich habe für diese Rezension die wichtigsten Geschichten von Oliver Sacks, die mir am besten gefielen, ausgewählt. Auf alle Geschichten konnte ich aus Gründen des Umfangs der Rezension nicht eingehen. Lesenswert sind sie alle.

Dies Buch ist interessant geschrieben und auch spannend. Eine winzige Hirnverletzung, ein kleiner Tumult in der cerebralen Chemie, und die betroffenen Menschen geraten in eine andere Welt, zu der Gesunde nur schweren Zugang haben. Darüber schrieb der Autor Oliver Sacks mit großer menschlicher Wärme und versuchte, die Welt dieser Betroffenen ein wenig zu öffnen und Licht hereinzulassen ins Dunkle. Mir hat die Lektüre dieses Buches viel gebracht und gut getan, weil es mein Verständnis für Menschen mit Behinderung erweitert hat. Deswegen kann ich die Lektüre des Buches „Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte“ von Oliver Sacks uneingeschränkt weiterempfehlen.
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am 17. Juni 2017
Es ist ein sehr interessantes Buch mit interessanten Fallbeispielen. Man kann sehen, was für ein Effekt eine Störung im Gehirn bzw. der Wahrnehmung für einen Menschen hat und wenn man sich damit noch nicht so sehr befasst hat, dann erblickt man ganz neue Blickwinkel.
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am 20. Juli 1999
Als mir mein Psychologieprofessor dieses Buch als Lektüre „für nebenbei" empfahl, gingen meine Gedanken sehr schnell in die Richtung: „wieder so'n halbwissenschaftliches blablabla". Das ich es mir dann doch kaufte, sollte meine Meinung jedoch sehr schnell ändern. Als doch recht rational eingestelltem Mensch öffnete mir das Buch die Augen, welch komplexes Stück "Maschinerie" sich doch hinter unserem Gehirn versteckt. Sacks Sammelsurium an interessanten und spektakulären Fällen aus der neuropsychologischen Praxis fasziniert vom ersten Augenblick an und zieht den Leser magisch in seinen Bann. Ich wurde besonders von einem der Kapitel fasziniert, nämlich der Fallgeschichte, die im Kapitel " Der verlorene Seefahrer " diskutiert wird. Ein Mann kann sich an nichts für mehr als einige Sekunden erinnern. Sein ganzes Leben, all seine Erfahrungen sind verloren, sobald sie vergangen sind. Er ist ein Mann ohne Vergangenheit, gefangen in einem Universum der „unbedeutenden Momente". Die aufgeworfene Frage, „Hat dieser Mann eine Seele?", beschäftigte mich mehrere Tage. Eine Antwort ist noch nicht gelungen... Aber auch die anderen vorgestellten „Behinderten" schleichen ins Herz des Lesers und führen einem die Tatsache der Zerbrechlichkeit unserer „normalen" Welt immer wieder auf's Neue vor's Auge. Sehr empfehlenswert.. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 7. November 2016
Eigentlich dachte ich, mir etwas lustiges zum lachen angeschafft zu haben. Leider ein Irrtum - aber egal. Der Inhalt ist eher erst und gar nicht zum lachen und Herr Sacks, ein Psychologe, schreibt eher sehr trocken und wissenschaftlich. Das Buch ist eher etwas für Psychologie-Studenten und Psychiater. Dennoch: Sicherlich ein gutes Buch wenn es den richtigen Adressaten findet.
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am 21. November 1998
Funktioniert das Gehirn wie ein Computer? Die klare Antwort, die Oliver Sacks gibt: NEIN, denn dem Computer fehlt nicht nur die integrierende rechte Gehirnhälfte, sondern noch viel mehr.
In 14 Geschichten, die dem Leser unter die Haut gehen, versucht er das so schwer zu Greifende zu beschreiben, was die eigene Persönlichkeit ausmacht. Uns "Normalen" ist das reibungslose Funktionieren von Teilen des Gehirns am besten klarzumachen, wenn etwas fehlt. In der medizinischen Sprache sind das alles Wörter mit "A" wie Aphasie, Agnosie, Amnesie.. Oliver Sacks beschreibt mit beängstigender Einfühlsamkeit die Welt von Leuten, deren Wirklichkeit sich grundlegend durch diese Verluste geändert hat.
In der Geschichte: "Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte" wird jedem klar, wieviele Schaltstellen im Gehirn einwandfrei zusammenspielen müssen, damit unsere Bilderkennung überhaupt funktioniert, auch wenn unsere Augen voll funktionstüchtig sind. Ein Testmuster beschreibt der Patient so: "Eine durchgehende Oberfläche, die eine Umhüllung bildet... die fünf Ausstülpungen zu haben scheint... eine Art Behälter". Die Abstraktionsarbeit für das ikonische Erkennen, die unsere rechte Gehinhälfte leistet, wenn sie solches Datenmaterial von der linken geliefert bekommt, ist uns Normalen gar nicht klar; wir würden diese Daten sofort als Handschuh "sehen".
In der Geschichte: "Die körperlose Frau" beschreibt er den Fall, wie dem Gehirn dieser Frau die Fähigkeit verloren gegangen ist, die Rückmeldungen Ihrer eigenen Extremitäten zu verarbeiten: sie hat ihren Körper "verloren". Ihr Gehirn schafft es später, durch Kompensation mit andern Sinnesorganen wie dem Gehör ein "visuelles Bild des Körpers" zu schaffen, mit dem sie einigermaßen leben kann.
"Die Ansprache des Präsidenten" entlarvt jeder Patient mit Verlust des Sprachverständnisses als die reine Lüge, während bei den "Normalen" die gesprochene Sprache die Körpersprache des Präsidenten übertönt.
Wie kommen "Die Zwillinge" dazu, sich stundenlang mit dem Erzeugen von bis zu 10stelligen Primzahlen (ohne jedes Hilfsmittel) zu unterhalten, obwohl sie völlig debil sind? Was haben Sie für ein Zahlenverständnis, wenn sie Primzahlen so bilden können, wie wir "Normale" vielleicht Gesichter wahrnehmen, wiedererkennen und ihnen einen bekannten Namen zuordnen?
Oliver Sacks ist Professor für klinische Neureologie am Albert Einstein College of Medicine in New York. Er wurde 1933 in in England geboren und hat seine Beobachtungen von Patienten seit 1970 in Fachzeitschriften und Büchern veröffentlicht. Hier hat er 6 Kapitel daraus zusammengefaßt und 7 neu geschrieben. Seine klare Sprache und das ausführliche Glossar am Ende des Buches machen es auch für einen Neueinsteiger, der sich "nur" für einige Funktionen des Gehirns interessiert, zu einem faszinierenden Buch.
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am 20. November 2003
An sich ist das Buch sehr interessant, auch für Laien. Es gibt Einblicke in die Neurologie und zeigt auf, dass Menschen, die auf den ersten Blick "verrückt" scheinen, gar nicht verrückt sind, sondern ebenfalls ihre guten Seiten und in gewisser Weise eine hohe Intelligenz aufweisen.
Es ist kein Lehrbuch und besteht aus vielen kurzen Geschichten über verschiedene neurologische Störungen. Über "Ausfälle" in jeglicher Hinsicht.
Auf alle Fälle sehr zu empfehlen für jeden, der etwas für Neurologie/Medizin übrig hat, oder einen ähnlichen Fall in der Familie hat. Prinzipiell lässt es sich leicht lesen, doch von Zeit zu Zeit wirft der Autor etwas mit Fachwörtern um sich, die man sich aber normalerweise aus dem Kontext erschließen kann.
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am 20. Dezember 1998
Seit ich das erste Mal durch eine Rezension im STERN auf Oliver Sacks gestossen bin, hat mich immer wieder seine Fähigkeit fasziniert, in einer verständlichen und doch wissenschaftlich exakten Sprache seinen Lesern sein Fachgebiet, die Neuropsychologie, nahezubringen. Ich warte seither immer gespannt auf Neuerscheinungen dieses Autors. In den vorliegenden beiden Bänden beschreibt Sacks in zahlreichen Kurzgeschichten Fälle, die dem Nichtbeteiligten zunächst kurios erscheinen, aber zunehmend Betroffenheit auslösen. Zudem machen sie aufmerksam auf Abweichungen im Verhalten von Betroffenen, die vielleicht noch gar nichts von ihrer Erkrankung bemerkt haben. So hat beispielsweise eine Veröffentlichung von Sacks erst dazu geführt, daß Menschen über ihre "Tics" -oder die ihrer Bekannten- nachdachten und zu der Erkenntnis kamen, daß evtl. eine Krankheit (das Tourett'sche Syndrom) vorliegen könnte. Sehr eindrucksvoll war für mich auch die Erkenntnis, daß von einigen Betroffenen ihr "Anderssein" durchaus nicht als Krankheit oder Manko angesehen wird, sondern als Ausdruck ihrer ganz eigenen Persönlichkeit. Prädikat : Wirklich lesenswert!
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