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Kundenrezensionen

5,0 von 5 Sternen
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5,0 von 5 Sternen
Eigensinnige Ansichten (Nabokov: Gesammelte Werke, Band 21)
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
Preis:38,00 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime

am 12. August 2010
Der Band enthält Interviews, die Nabokov gegeben hat (S. 13-183), Essays, Vorträge und kleine Schriften (S.185-498), Schmetterlingsschriften (S. 499-571) sowie einen Anhang mit umfangreichen Anmerkungen, einem hilfreichen Nachwort des Herausgebers, Quellenverweisen und einem Register (S. 573-654). Auf den ersten Blick glaubt man, ein nur für Literaturwissenschaftler interessantes Werk in Händen zu halten, dessen Erwerb jenseits dieser Spezies nur für die auf Vollständigkeit bestehenden Käufer oder Subskribenten der Werkausgabe infrage kommt. Bei dieser Einschätzung wird nicht lange bleiben, wer mit dem Lesen beginnt. Tatsächlich liegt hier eine Sammlung von immer interessanten, oft humorvollen und vor allen Dingen vor dem Hintergrund umfangreicher Kenntnisse gefertigter Schriften vor, die sich mit Genuss in einem Zug lesen lässt.
Dass dies sogar für die Interviews gilt, liegt freilich an der Eigenart Nabokovs, keine spontanen Gespräche aufzeichnen zu lassen, sondern auf vorher einzureichende Fragen des Interviewers sorgfältig ausgearbeitete Antworten wortwörtlich vorzutragen. Diese schrieb er auf Karteikarten, die er bei mit der Kamera begleiteten Interviews mehr oder weniger geschickt zu verbergen bemüht war. Das mag absonderlich erscheinen, hat aber im Ergebnis zu einer Sammlung brillanter kleiner Schriften geführt, die seinen Lebensweg aus eigener Sicht beleuchten und viel zum Verständnis seiner Romane beitragen. Erstaunlich ist allerdings die Fantasielosigkeit der meisten Interviewer, die immer wieder gleiche Fragen stellen. Auch gibt es ein völlig misslungenes Interview, in dem der Interviewer partout Nabokov (vergeblich) dazu bringen wollte, das zu sagen, was des Interviewers vorgefasste Meinung war.
Die umfangreiche Mischung essayistischer Schriften zeigt die beeindruckende Breite der Bildung Nabokovs. Nicht jeder wird mit Interesse die Nachrufe auf seine Kollegen und Weggenossen lesen. Auch wird vielen Lesern die Rezension einer Schrift, deren Verfasser sie möglicherweise nicht einmal kennen, wenig Nutzen stiften. Der Umfang dieser, den Literaturfachleuten sicher wichtigen Beiträge hält sich aber in Grenzen. Hauptsächlich findet man fesselnd geschriebene Abhandlungen und Universitätsvorträge, die dem Leser eine Art Studium generale bieten. Die Gedanken "Über Verallgemeinerungen", der Vortrag "Der Mensch und die Dinge", seine Überlegungen "Über die Oper", über das "Stückeschreiben", "Die Tragödie der Tragödie" und über die "Probleme des Übersetzens" sind Lehrstücke dafür, dass wissenschaftliche Texte exzellent unterhaltende Literatur sein können. Selbst die Satiren über die Sowjetliteratur und über Siegmund Freud sind auch heute noch mit Vergnügen zu lesen.
Die Schmetterlingsschriften am Ende des Bandes sind von Nabokov nicht veröffentlicht worden und werden hier erstmals in deutscher Sprache vorgelegt. Sie sind als Zusatz zum Roman "Die Gabe" geschrieben, aber unvollendet und uneingefügt geblieben. Vorgestellt wird ein den "Schmetterlingen im Russischen Reiche" gewidmetes umfassendes Werk des Vaters des auch von den Schmetterlingen begeisterten Romanhelden Fjodor Godunow-Tscherdynzew. Es gibt gute Gründe für die Vermutung, der Vater im Roman habe gewisse Ähnlichkeiten mit dem Vater Nabokovs. Auch Nabokovs Forschungen zur Schmetterlingskunde sind umfangreich und er hatte bis ins hohe Alter Freude an der Jagd nach seltenen oder gar unbekannten Faltern. Ob die Vermutung einer biografischen Erzählung zutrifft oder nur Spekulation ist, kann dem gewöhnlichen Leser gleichgültig sein. Auch muss er sich nicht den Kopf darüber zerbrechen, ob die im Artikel verfochtene Ablehnung der Evolutionstheorie Darwins und eine dem Vater des Romanhelden zugeschriebene überlegene Lehre von den Arten tatsächliche Forschungsergebnisse Nabokovs sind oder nur eine brillant dargestellte Romanhandlung. Dazu wird es den Meisten gerade so an Urteilskraft fehlen, wie den in der Handlung vorkommenden Anhängern Darwins. Geboten wird ohne Zweifel erstklassige Literatur. Für einen geradezu liebenswürdigen Abschluss des Bandes sorgt die Reportage einer Schmetterlingsjagd Nabokovs mit dem Titel "Das Fehlen der Waldnymphen".
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