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Kundenrezensionen

4,3 von 5 Sternen
3
Heimkehr
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
Preis:18,95 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime

am 22. April 2014
Ich glaube, ich habe alles von Toni Morrison gelesen und war überwiegend begeistert. Es fällt mir schwer, etwas über dieses Buch zu sagen, weil meiner Meinung nach alles in den vergangenen Büchern schon da gewesen ist. Hier spüre ich eine Schwere, eine Tristesse und eine Ausweglosigkeit, die die kleinen Rettungen, Verbesserungen oder Lösungen, die sich für die Hauptpersonen durchaus immer wieder ergeben, in den Schatten stellen. Keine leichte Kost für einen Sommernachmittag.
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TOP 1000 REZENSENTam 13. März 2015
Mit «Heimkehr» hat die afroamerikanische Schriftstellerin Toni Morrison einen Zyklus fortgesetzt, der mit dem Roman «Jazz» begann. Dabei steht die Situation der farbigen Bevölkerung der USA zu verschiedenen Zeiten im Mittelpunkt, hier ist es der Rassismus der frühen Fünfzigerjahre. «Hätte Amerika eine Nationalschriftstellerin, so wäre es Toni Morrison» hat die New York Times über die Nobelpreisträgerin von 1993 geschrieben. Eine derartige Wertung kann nur qualitativ interpretiert werden, widmet sich die streitbare Autorin in ihrem Werk doch ausschließlich dem unterprivilegierten farbigen Teil der amerikanischen Bevölkerung, leiht also nur einer Minderheit ihre Stimme, nicht dem gesamten Volke. «Es wird niemand meine Literatur verstehen, der nicht versteht, aus welch anderem Humus sie wuchs als die Literatur der John Updike oder Saul Bellow», hat sie im Interview mit dem kürzlich verstorbenen Fritz J. Raddatz gesagt. Und ebenso eindeutig ist der feministische Blickwinkel, aus dem heraus sie schreibt, die Männer kommen allesamt schlecht weg in ihren Geschichten, so auch in ihrem vorliegenden neuen Roman.

Frank kehrt traumatisiert aus dem Koreakrieg zurück, in dem er seine zwei Kumpels verloren hat. Er stürzt ab, versinkt in Alkohol-Exzessen, trennt sich von seiner Freundin und landet in der geschlossenen Psychiatrie, ohne sich recht erinnern zu können, was ihn dort hingebracht hat. Weil er schlimme Nachrichten über seine innig geliebte Schwester erhalten hat, die im Sterben läge, bricht er aus von dort, will schnell zu ihr. Auf seiner Flucht erlebt er die Solidarität vieler Menschen, die ihm selbstlos weiterhelfen. Er findet Cee in schlimmem Zustand vor, ein dilettantischer Gynäkologe hatte in Narkose medizinische Experimente an ihr vorgenommen. Es sind die schwarzen Frauen ihres Heimatdorfes, die sie wieder aufpäppeln mit allerlei Heilkünsten jenseits der Schulmedizin. Diese starken Frauen, allesamt Analphabetinnen, sind die Stütze der kleinen Gemeinde, sie sind es, die heilen, die für Essen und Kleidung sorgen, den eigenen Garten bestellen, ihre Tiere füttern, Feldarbeit leisten, die bösen Geister fernhalten. Und die bei alledem noch singen, sich die alten Geschichten erzählen, dem Leben zugetan sind trotz aller Fährnisse und Widrigkeiten.

Es mangelt nicht an Grausamkeiten in diesem Roman, auf dem Kriegsveteranen lastet die Erinnerung an den furchtbaren Mord, den er in Korea an einem kleinen Mädchen verübt hat. Ein Trauma schon im Kindesalter war für die bei ihrer lieblosen Großmutter aufgewachsenen Geschwister, wie sie unfreiwillig Zeugen wurden, als ein Schwarzer heimlich auf einer Pferdekoppel verscharrt wurde. Frank findet heraus, dass es sich damals um das Opfer eines grauenhaften Kampfes gehandelt habe, zu dem zwei Farbige, Vater und Sohn, von einem weißen Mob gezwungen wurden, einem Hahnenkampf ähnlich, bei dem einer von Beiden in jedem Fall sterben musste. Ganz untypisch für Toni Morrison endet ihre Geschichte jedoch versöhnlich, um nicht zu sagen kitschig, Frank überwindet seine Psychosen, findet in seiner Fürsorge für Cee wieder Halt und Lebenssinn.

Abwechselnd auktorial und personal aus der Perspektive Franks erzählt, zuweilen sogar durch innere Monologe, in denen er die Autorin selbst anspricht, vermittelt der Roman das Bild eines zutiefst traumatisierten Mannes, dem gleichwohl seine Menschlichkeit erhalten geblieben ist. In schnörkelloser Sprache, mit ungekünstelten Dialogen und in diversen Rückblenden wird in dem schmalen Band das Bild einer typischen Südstaaten-Gesellschaft auf dem Lande gezeichnet. Zeitlich ist das Geschehen im Vorfeld der Rassenkämpfe angesiedelt, die diese Zustände bis zum heutigen Tage allenfalls abmildern, nicht aber wirklich beseitigen konnten - als Stichwort sein nur Ferguson genannt, derzeit Thema in allen Medien. Gerade in Hinblick darauf ist «Heimkehr» ein überzeugender Beweis für das moralische Potenzial der Literatur.
3 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 6. April 2014
Frank (Smart) Money war ein junger, schwarzer Mann, dem der Koreakrieg die beste Gelegenheit bot, dem rassistischen Südstaatenkaff Lotus (Georgia) den Rücken zu kehren. Aus dem Krieg heimgekehrt war er im Leben noch nicht wieder angekommen. Seine Freunde waren in Korea gefallen und suchten ihn immer wieder in unkontrollierbaren Halluzinationen heim. In der neuen Liebe gescheitert, war er schließlich in einer Psychiatrie im Nordwesten der USA gelandet, aus der ihn allein das Wissen, um den bevorstehenden Tod seiner kleinen Schwester Cee wieder herausholte. Auf seinem Weg nach Atlanta begegnet er immer wieder schwarzen Menschen, die einander bereitwillig Hilfe, ein Dach über dem Kopf, ein paar Dollar und vor allem Freundschaft boten.
Als er seine Schwester schließlich in einer Arztpraxis in Atlanta misshandelt und halb tot findet, suchen beide gemeinsam den Weg zurück nach Lotus, dem Ort ihrer lieblosen Kindheit, dem Ort von Grausamkeit, Unmenschlichkeit, dem Gefühl der Wertlosigkeit und dem frühen Tod ihrer Eltern.

Der Roman ist unbeschreiblich dicht an menschlichem Schicksal. Die Episoden der tragenden Charaktere reihen sich aneinander, die Rückblicke selbst erschließen erst die Handlung und ihre Tragweite. Zwischen den einzelnen Episoden folgen wir Franks Selbstgesprächen, in denen er sich immer wieder auffordert, all das niederzuschreiben - die Erlebnisse im Kriegsgeschähen genauso, wie die Vertreibung aus der Heimat, als er noch ein Kind und Cee (Ycidra) ungeboren war. Auch jenes Erlebnis in Korea, das aus ihm selbst einen schlechteren Menschen gemacht hatte, wirft er in die Waagschale.

Ein unglaublich starker Roman über Menschenwürde, Selbstbekenntnis, die Solidarität der schwarzen Bevölkerung im Amerika der Neunzehnfünfziger Jahre und die so lange anhaltende Ungerechtigkeit und Misshandlung schwarzer Menschen im amerikanischen Süden. Meine erste Begegnung mit Toni Morrison, nicht aber meine letzte! Meine ausdrückliche Empfehlung!
12 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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