find Hier klicken Sonderangebote PR CR0917 Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More TDZ Hier klicken HI_PROJECT Mehr dazu Hier Klicken Storyteller Unlimited AmazonMusicUnlimited Fußball longss17



Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 14. August 2017
Großartiges Buch mit zahllosen "Geschichten". Fast jeder, der vorkommt, bekommt seine eigene persönliche Biografie, selbst ein Äffchen William Pitt, das seine Späßchen treibt. Ich war schon vom Wolkenatlas begeistert und bin es auch von diesem umfassenden und detailreichen Werk über das Zusammenleben von Protagonisten aus den verschiedensten Ländern und mit den vielfältigsten Absichten 1799 in Japan. Spannender und bewegender Roman von einem wahren Poeten der Neuzeit!
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Wir schreiben das Jahr 1799. Japan hat sich völlig vom Rest der Welt abgeschottet: Kein Japaner darf das Land verlassen, kein Ausländer darf japanischen Boden betreten. Es gibt nur einen Hafen, über den das Land Handel betreibt - Nagasaki, auf dessen vorgelagerter Insel Dejima die Holländer eine Niederlassung der Ostindischen Handelskompanie betreiben.

Der Roman beginnt an dem Tag, an dem der junge Jakob de Zoet zum ersten Mal Dejima betritt. Ihm ist die heikle Aufgabe übertragen worden, die schlampige Buchführung der Niederlassung in Ordnung zu bringen und den neuen Niederlassungsleiter dabei zu unterstützen, den schlimmen Korruptionssumpf trockenzulegen.

"Die tausend Herbste des Jacob de Zoet" beeindruckt in vielfältiger Hinsicht: Als aufschlussreicher Historienroman vor dem farbenprächtigen Hintergrund dieses in jeder Hinsicht fremden Landes, mit dessen Einwohnern man sich nur mit Hilfe mehr oder weniger zuverlässiger Dolmetscher verständigen kann. Es verschafft auch einen Eindruck von den Schwierigkeiten eines globalen Handels, wo der einzige Kontakt zum Mutterland ein einmal pro Jahr einlaufendes Schiff ist, und wo Briefe schon mal mehrere Jahre unterwegs sein können. Da kann man sich nie sicher sein, wer mit wem in Europa gerade Krieg führt und ob die Niederländische Ostindische Handelskompanie überhaupt noch existiert.

Das ist die große Kulisse. Nicht minder schwierig ist das Spannungsfeld, in dem de Zoet arbeitet, der nie mit letzter Sicherheit weiß, wem er vertrauen kann, und dessen Integrität mehr als einmal schwer geprüft wird. Und dann verliebt er, der eigentlich frischverlobt aus Holland abgereist war, sich auch noch in Orito, die begabte, attraktive und ziemlich eigenartige Hebamme, die für ihn, den Holländer, so unerreichbar ist wie das japanische Festland. Oritos Schicksal entwickelt sich zum zweiten, noch aufregenderen Handlungsstrang des Romans, der uns dann endlich auch ins Innere des Landes führt.

Mich hat schon im "Cloud Atlas" fasziniert, wie es Mitchell stets gelingt, Ton, Denkweise und auch den Humor der jeweiligen Zeiten zu treffen, was auch der Übersetzung in leicht abgeschliffener Form, aber immer noch recht gut gelingt. Ein Buch, in das man sich etwas einlesen muss und das man dann nicht mehr aus der Hand legt.
0Kommentar| 4 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 20. Mai 2014
Ehrlich gesagt, konnte ich die Euphorie und den Hype um dieses Buch nie ganz teilen. Selbstverständlich kann David Mitchell großartig schreiben und hat eine nicht endende Überfülle an Phantasie. Die exotische Kulisse dieses Buches - eine holländische Handelskolonie im Japan des ausgehenden 18 Jahrhunderts - ist sehr anschaulich und beeindruckend dargestellt, ebenso die Schicksale seiner Protagonisten Jacob und Orito.

Leider neigt Mitchell m.E. manchmal etwas dazu, sich zu verzetteln: So wird der Leser im letzten Drittel mit einer weiteren Fülle an Personen und Namen konfrontiert (Seefahrer, Soldaten), während der Handlungsstrang des hochspannenden ersten Teiles etwas ins Leere läuft (Dabei war es schon anstrengend genug, sich die chinesischen Namen und Verwandtschaftsverhältnisse zu merken...). Schade, etwas zuviel des Guten, "Wolkenatlas" hat mir mehr gefallen.
0Kommentar| 7 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 4. September 2012
Japan, 1799: Der junge niederländische Schreiber Jacob de Zoet kommt nach Dejima, einer künstlich angelegten und abgeschotteten Insel im Hafen von Nagasaki. Dejima ist der einzige Handelsposten Japans und Stützpunkt der Niederländischen Ostindien-Kompagnie. Als Jacob sich in die gebildete Orito verliebt, die auf Dejima Studentin der europäischen Medizin ist, brodelt das Unheil herauf.

Meine Meinung:

In “Die tausend Herbste des Jacob de Zoet” beschwört David Mitchell eine längst vergangene und gleichzeitig einzigartig skurrile Welt herauf: Dejima, den streng überwachten Knotenpunkt zwischen Japan und der westlichen Welt, gab es tatsächlich. Aus Angst vor der Wiederkehr der Christianierung und Verwestlichung war es den Ausländern nur unter strengsten Auflagen erlaubt, das japanische Festland zu betreten. Und doch waren es die modernen europäischen Kenntnisse, insbesondere der Medizin, die die Wissenschaft in Japan revolutionieren sollte. Der Handelsposten war wie ein Mikrokosmos, ein kleines japanisches Europa und doch wieder nicht.

Vor den Augen des Lesers entfaltet Mitchell eine reich ausgestaltete Welt voller illustrer Charaktere und ihrer Geschichten. Mit Spannung verfolgt man im ersten Teil des Romans die Erlebnisse des jungen und idealistischen Jacob, der in die Ränkeschmiede der Geschäftemacher hineingezogen wird und sich Betrügereien und Erpessungen ausgesetzt sieht. Der zweite Teil widmet sich Orito, die nach dem Tod ihres Vaters an ein ominöses Kloster verkauft wird, um ausstehende Schulden zu tilgen. Dieser Part war für mich der spannendste; die gesamte Handlung im Kloster hat mich mit ihrer Mystik und ihren dunklen Geheimnissen absolut mitgerissen. Im dritten Teil des Buches setzt die Handlung auf einer britischen Fregatte ein, die auf Nagasaki zusteuert. Allem Unterhaltungswert zum Trotz war es mir etwas unverständlich, weshalb Mitchell seinen Erzählbogen um Jacob und Orito so plötzlich bricht und die beiden für einige hundert Seiten komplett aus den Augen verliert. Hier fasert der gekonnt gesponnene Plot plötzlich aus und lässt den Leser bis kurz vor Schluss in der Luft hängen. Warum die über fünfhundert Seiten aufgebaute Geschichte um die beiden so plump für eine etwas aus den Angeln hängende Mast-und-Schotbruch-Episode fallenlassen? Zu spät kehrt Mitchell zu seinen beiden Hauptakteuren zurück, zu wenig erfährt man nach dem packenden Mittelteil über Orito. Schade.

Ich mag Mitchells Potpurri aus eigenwilligen Charakteren, aber manchmal mutet er seinen Lesern doch ein wenig viel zu. Es ist eine Herausforderung, den Überblick bei diesem bombastischen Personenaufkommen zu behalten und es war mir nicht immer ganz verständlich, warum er gerade dem einen oder anderen so großen Handlungsraum ermöglicht.
Die Unausgewogenheit und wenig stringente Erzählweise der Handlung sind mein größter Kritikpunkt an dem sonst durchaus gelungenen Werk. Anmerken will ich noch, dass ich mit Mitchells blumiger Sprache nicht immer warm wurde. Er neigt zu langen Dialogszenen, die für sich wirklich gut erzählt sind, würde er sich nicht ständig selbst unterbrechen mit völlig zusammenhangslosen Einschüben à la “Irgendwo bellt ein Hund” – “Ein rotes Blatt schwebt durch das offene Fenster herein” - “Sie beobachtet eine pulsierende Vene ihrem Hals” etc. Ein auffälliges Stilmittel, das leider nicht mein Fall war und mich selbst nach 600 Seiten noch aus dem Lesefluss gerissen hat.

Fazit:

Ein außergewöhnlicher Schmöker, gut recherchiert und bis zum zweiten Drittel großartig komponiert, ein kunstvoll geknüpfter Faden, der zum Ende hin immer mehr aufdröselt und sich dann heillos verfranst. Einladende Protagonisten, die aber an einer (Über-)Fülle von Nebenfiguren unterzugehen drohen. Es sind Jacob und Orito, die diese Geschichte tragen und den Leser mitfiebern lassen, wehalb ich es enttäuschend fand, dass Mitchell die beiden am Ende so kläglich vernachlässigt. Seine Schreibe ist definitiv herausragend, nur hin und wieder hätte ich mir weniger verkrampft eingestreute Poesie gewünscht.
33 Kommentare| 87 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 25. Januar 2013
Nach Number9dream, dem Wolkenatlas und Chaos war dies mein vierter Roman von David Mitchell und er war ... nunja, anders. Vor allem im Vergleich mit dem Wolkenatlas nimmt sich Mitchell als Erzähler sehr zurück. In puncto Fantasie, Einbildungskraft, Ideenreichtum und detaillierter Darstellung fremder Kulturen entfaltet er aber auch hier wieder sein großes Können.
Ja, es ist ein Schmöker wie er im Buche steht. Ein verführerisches Buch für verregnete Tage (aber auch sonst). Die Erzählung wirkt stimmig, wechselt gelegentlich den Grundton. So finden sich seitenlange Gespräche über Korruption, Probleme an Bord eines Handelsschiffes, dann wechselt die Perspektive und man findet sich in einer "Heist-Movie" ähnlichen Passage, in der die Planung, Durchführung und Konsequenz einer "Entführung" dargestellt werden. Eine Seeschlacht, das wurde hier häufig erwähnt, gibt es dann auch noch.

Was vor allem verblüfft, ist die Stimmigkeit. Die bürokratischen Strukturen des alten Japans werden offengelegt, die Mechanismen von Ehre und Pflicht verständlich dargelegt, die im Hintergrund geschmiedeten Ränke "logisch" (in Anführungsstrichen, da das Betreiben des Abts mit Logik nicht zu vereinbaren ist) ausgeführt.

Von Langeweile war, trotz des auf den ersten Blick trockenen Themas einer Handelskompanie, nie etwas zu spüren. Richtige Japankenner würden sicher besser entscheiden können, wie nah Mitchell an der dargestellten Zeit ist. Ich kann das nicht. Aber das, was mir hier präsentiert wurde, liest sich zumindest stimmig und nicht anachronistisch.

Wie selbstverständlich wirft Mitchell mit Begriffen der japanischen Kultur um sich (das kennt man schon aus Number9dream) und es ist ein ständiger Anreiz, außerhalb des Buches mehr darüber zu erfahren. So etwa bei Seppuku, das man zwar im Buch in Ansätzen erklärt bekommt, das aber dann eine weitere Dimension gewinnt, wenn man sich über das überaus präzise Ritual mit allen uns sicher merkwürdig vorkommenden Regeln informiert.

Um es kurz zusammenzufassen: Dieser Roman ist eine Wundertüte voller Einfälle, die das Weiterlesen jedes Mal aufs Neue belohnen. Mitchell erscheint in diesem Roman als "gesetzter" und erwachsener Erzähler, der souverän in eine fremde Kultur einführt und vom Ende einer Epoche und dem Beginn einer neuen eindrucksvoll erzählt.

(Sollte es so erschienen sein, dass das hier ein leichter, belangloser historischer Roman ist, dann muss dem unbedingt widersprochen werden. Denn dass das komplexe Thema überhaupt leicht zu rezipieren ist, liegt hauptsächlich an der Kunstfertigkeit Mitchells.)

(Kleiner Nachtrag: Der hier gelegentlich kritisierte Stil, Gedanken und Gespräche miteinander zu verschränken, wirkt vielleicht beim ersten Mal irritierend, sollte aber nun wirklich kein Grund sein, Unverständnis hervorzurufen. Es ist sicher von jedem Leser zu erwarten, zwei Dinge gleichzeitig verarbeiten zu können.)
0Kommentar| 22 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 18. November 2012
Jacob de Zoet ist ein überaus korrekter junger Mann, der im Jahre 1799 nach Dejima kommt. Das ist eine künstlich angelegte Insel vor Nagaski und der einzige Handelsstützpunkt, den Japan mit der Außenwelt unterhält. Mit den Holländern wird zwar Handel getrieben, aber Japan zu betreten ist ihnen ebenso verboten, wie christliche Literatur mit zu bringen. Jacob de Zoet soll auf dem korrupten Handelsstützpunkt aufräumen. Die alten Verantwortlichen wurden gerade unehrenhaft entlassen, weil sie sich privat bereicherten. Es kommen also neue Besen – aber schnell wird klar, dass die Neuen genauso wie Alten ebenfalls nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind.
In Dejima betrügt jeder Jeden. Die japanischen Dolmetscher übersetzen nur das, was ihnen in den Kram passt. Die Holländer wiederum versuchen die Japaner übers Ohr zu hauen – und die niederländische Handelskompanie zu hintergehen, gehört bei ihren Angestellten ohnehin zum guten Ton. In diesen Kessel aus Korruption und Intrige kommt der moralisch gefestigte Jacob – und er, der einzige Unbestechliche, macht sich bald schon viele Feinde unter seinen Landsmännern.
Zu allem Überdruss verliebt sich Jacob auch noch in Orito Aibagawa, in eine Japanerin, die also einzige Frau bei dem holländischen Arzt Dr. Marinus studiert und zur Hebamme ausgebildet wird. Durch einen Unfall ist eine Gesichtshälfte von Orito entstellt, aber das macht sie für Jacob nur umso anziehender. In dem Moment als Jacob Orito zum ersten Mal Avancen machen will, verschwindet sie. Und der Text ändert sich radikal.
Was bin dahin ein wunderbarer Historienroman war, wird plötzlich zu einem Thriller. Denn Orito wurde von ihrer Familie verkauft – und zwar an den Abtfürst Enomoto, der ein entlegenes Kloster unterhält. Hier sind mehrere Frauen eingesperrt. Alle sind sie entstellt – und ihre einzige Aufgabe besteht darin, den Orden mit immer neuen Säuglingen zu versorgen. Der Orden hütet ein schreckliches Geheimnis – und als einer der japanischen Übersetzer dieses Geheimnis erfährt, macht er sich auf, Orito zu befreien.
Derweil wird Dejima von den Engländern belagert. Sie wollen die Holländer verjagen, um selbst Handel mit Japan treiben zu können. Wie immer steht Jacob de Zoet seinen Mann – im wahrsten Sinne des Wortes: denn als letzter hält er noch die holländische Fahne hoch, als die Engländer schon längst den Glockenturm mit Kanonen beschießen.
„Die Tausend Herbste des Jacob de Zoet“ ist ein Historienroman, ein Liebesroman, ein Thriller, eine Abhandlung über das xenophobe und isolierte Japan des 18. und 19. Jahrhunderts und die Auf- und Umbrüche Europas zur selben Zeit. Es ist ein Buch über die Selbstbefreiung einer Frau und die institutionelle männerdominierte Gewalt. Es ist ein Text über Macht und die Korrumpierbarkeit von Menschen. Und das ist nur ein kleiner Auszug dessen, was einen auf diesen 720 Seiten erwartet. Leichter zu beantworten als die Frage, was das Buch denn nun ist, ist jene, was das Buch nicht ist: Es ist niemals langweilig. Mitchell schreibt äußerst unterhaltsam. Seine Personen sind aus Fleisch und Blut, die Dialoge pointiert. Selbst die historischen Abhandlungen in dem Roman wirken nicht als Fremdkörper. Hier passt alles zusammen. Hier ist kein Wort zuviel.
0Kommentar| 6 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 31. Dezember 2012
Nein, diesem Buch das Etikett "Historischer Roman" zu verpassen, würde ihm nicht gerecht und es zu Unrecht in eine Schublade stecken mit den am Fließband produzierten Hebammen-, Henker- und Hexenromanen, die zur Modeerscheinung unserer Tage geworden sind.

Mitchells Roman ist in vielerlei Hinsicht sehr viel mehr: Er ist nicht im Mittelalter angesiedelt, sondern im niederländische besetzten Japan des ausgehenden 18. Jahrhunderts - und eröffnet dem Leser allein dadurch eine neue Welt. Und er hebt sich literarisch deutlich von der oben angesprochenen Massenware ab: Mitchell hat bereits mit seinem Vorgänderroman "Wolkenatlas" bewiesen, zu welch großen Leistungen er in der Lage ist.

Zur Handlung: Jacob de Zoet plant in den Niederlanden die Hochzeit mit seiner Braut Anna. Da er seinem Schwiegervater in Spe jedoch nicht gut genug (nicht reich genug?) erscheint, schickt dieser Jacob als Handelsangestellten ins ferne Japan, damit er dort zu Geld und Ansehen käme. Jacob willigt ein und beginnt die Odyssee in den unbekannten Osten. Dass sich die Hochzeit mit Anna dadurch erledigt hat, versteht sich von selbst...

Mitchell entführt den Leser auf eine kleine Insel unmittelbar vor der Küste eines abgeschotteten und fremden Landes. Auf engstem Raum wird gehandelt, geliebt, gelogen und betrogen, geboren und gestorben. Japan liegt in Sichtweite, bleibt aber lange unerreichbar. Was sich von diesem Land aber allmählich offenbart, wird für de Zoet und seinen Konkurrenten im Werben um die angebetete Orito, den Dolmetscher Uezaemon, zum Alptraum.

Ein Lesegenuss, absolut empfehlenswert!
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 500 REZENSENTam 9. September 2012
Wo fängt man an, wo hört man auf bei diesem üppigen Roman, wie beschreibt man mit wenigen Worten, wovon er handelt und welchen Eindruck er hinterlässt? Es fällt mir sehr schwer, mir ein genaues Urteil über dieses mit prallem Leben gefüllte Buch zu bilden. Es geht um Jacob de Zoet, der 1799 auf der Insel Dejima, dem kleinen isolierten Handelsposten Japans landet. In Gedanken bei seiner Verlobten Anna, die ihm versprochen hat, auf ihn zu warten, beginnt er langsam, sich an die neue Welt zu gewöhnen und freundet sich mit dem ungewöhnlichen Dr. Marinus an. Dessen Schülerin, die Hebamme Orito beeindruckt ihn sehr und er entwickelt immer intensivere Gefühle für sie, doch eine Liebe zwischen einer Japanerin und einem Fremden ist zu dieser Zeit undenkbar.

Es beginnt zwar wie eine Liebesgeschichte, doch rückt diese im Laufe des Romans immer mehr in den Hintergrund. Mitchell hat einfach so viele Nebenschauplätze und Abenteuer eingebaut, das man fast den Überblick verliert, wenn man sich nicht genau auf die einzelnen Figuren konzentriert, die dann teilweise auch als Erzähler auftauchen. Diese wechselnde Erzählperspektive ist es auch, die das Ganze so facettenreich erscheinen lässt.

Immer tiefer taucht man ein in die Intrigen und Spiele der Japaner und der Holländer und ab und zu verliert man Jacob de Zoet aus den Augen, der nicht immer im Mittelpunkt des Geschehens steht. Trotzdem ist es letztlich seine Entwicklung um die es sich dreht.

Mir hat das Buch gut gefallen, trotzdem erschien es mir zeitweise zu vollgestopft mit Menschen, deren Geschichten und Abenteuern und obwohl sich die Spannung gegen Ende hin steigert, erging es mir fast wie mit einer perfekten Leckerei – irgendwann hat man genug davon, so gut sie auch war.

Von mir satte 4 Sternchen und die Empfehlung sich selbst ein Bild von diesem dicken Schmöker zu machen.
0Kommentar| 22 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 30. September 2014
...auch wenn ich die eine oder andere Kritik teile, die hier zu lesen ist.

Ja, an manchen Stellen wirkt es zerfasert.
Ja, bei einigen Figuren wird nie klar, warum man sie eigentlich so intensiv vorgestellt hat.
Ja, hie und da laufen die Detailbeobachtungen aus dem Ruder und werden zuviel.

Aber ich muss andererseits sagen, daß ich wirklich schon lange keinen Historienschmöker gelesen habe, der mich gleich von Beginn an so dermaßen gefesselt hat und mich jederzeit, egal, wann ich das Buch angefasst habe, sofort wieder in die Vergangenheit geholt hat. Dieses Gefühl habe ich genossen, denn es gelingt nur wenigen Romanen dieser Art - speziell, wenn es ums alte Japan geht, wo doch oft einfach nur diverse Kirschblüten- und Samurai-Klischees bedient werden.

FAZIT:
Ein faszinierendes Buch voller Farben, Eindrücke und Geschichten - zum Wegfliegen aus dem Alltag perfekt.
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 28. Juli 2014
Der Prolog gefiel mir nicht und die - insbesondere für einen historischen Roman - ungewöhnliche Wahl der Gegenwart als Erzählzeit hat mir den Einstieg nicht ganz so leicht gemacht. Aber insgesamt hat mir das Buch gut gefallen.

Ich finde diesen Roman erfrischend anders. Es handelt sich nicht um einen historischen Krimi, in dem ein Mordfall aufgeklärt wird.
Es wird die Geschichte des Holländers Jacob de Zoet im niederländischen Handelsstützpunktes in Japan, die Geschichte einer japanischen Hebamme und die Geschichte eines japanischen Übersetzers für Niederländisch geschildert. Selbstverständlich sind die Schicksale dieser drei Personen miteinander verwoben.

Es wird netterweise auch weitgehend auf (starke) Klischees und und Kitsch verzichtet.

Einen Stern Abzug gebe ich, weil der Roman meiner Meinung nach in der Mitte etwas zu viel Länge hatte.
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden

Haben sich auch diese Artikel angesehen

10,99 €
9,99 €
12,99 €
12,99 €

Brauchen Sie weitere HilfeHier klicken