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Der Roman spielt (überwiegend) in New York und besteht aus zehn Einzelgeschichten und der sie zeitlich und räumlich verknüpfenden Rahmenhandlung über das Leben und den Auftritt eines Hochseilartisten. Dieser spannt heimlich ein Seil zwischen den beiden Türmen des World Trade Centers und führt auf diesem Kunststücke vor. Auch inhaltlich gibt es in diesem Werk Verknüpfungen, da manche Akteure in mehreren Episoden vorkommen.

Colum McCann zeigt Facetten einer Großstadt auf. Seine Protagonisten stammen aus allen gesellschaftlichen Schichten (Artisten, Computerhacker, Ordensleute, Straßenmädchen, Richter, Altenpfleger); ein Hang zu Milieubeschreibungen sozialer Unterschichten - ähnlich wie in "Der Himmel unter der Stadt" - ist unverkennbar. Die Einzelgeschichten sind zwar in sich abgeschlossen, aber auch gleichzeitig Teil eines größeren Zusammenhangs.

Das Vorhaben des Hochseilartisten ist riskant. Die Frage, ob er stürzt taucht mehrfach auf. Die Spannung, die der Akrobat erzeugt, ist ein Spiegel für die Spannungen der Protagonisten in ihrem Lebensalltag. Dieser Alltag in New York, insbesondere in der Bronx, ist gefährlich, wie einige Akteure erfahren müssen. Zwischen Hoffnung und Realität klaffen Lücken. Einige Retrospektiven sind in die Handlungen eingewoben. Autor McCann moralisiert nicht und klagt nicht an.

Die Verbindungen zwischen den Geschichten wirken natürlich und ausgereift. Es entsteht nicht der Eindruck von Konstruktionen wie z.B. in Daniel Kehlmanns "Ruhm", der das gleiche Stilmittel einsetzt. Nicht alle Erzählungen fesseln gleichermaßen. Zu den Highlights gehören die Geschichten über John Corrigan ("Nichts gegen den Himmel, aber mir gefällt's hier") und Tillie Henderson ("Auf H gebaut").
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am 20. Februar 2010
Colum McCann's "Die große Welt" lag schon länger auf meinem Bücherstapel. Nach schlechten Erfahrungen mit einigen hochgelobten amerikanischen Romanen der näheren Vergangenheit ("Union Pacific" oder auch "Heartland"), befürchtete ich eine weitere Enttäuschung ähnlicher Art. Aber weit gefehlt: "Die große Welt" ist ein faszinierender, anrührender Roman über Lebenswege ganz normaler Menschen, die sich in einem besonderen Moment kreuzen.

Es gibt sie, diese besonderen Momente, an die sich eine Generation von Menschen erinnert und ganz genau weiß, was jeder einzelne genau in diesem Moment getan und gedacht hat. Für unsere Generation dürfte der 11. September ein solcher Moment sein. Colum McCann führt uns zu einem früheren magischen Moment, in dem ebenfalls das World Trade Center im Mittelpunkt steht. Ein Artist wandelt auf einem Drahtseil zwischen Nord- und Südturm. Die New Yorker, die dieses Schauspiel erleben, verharren für einen Moment, ihr Leben steht für einige Minuten still.

"Ein Mann hoch oben in der Luft, während ein Flugzeug scheinbar in das Gebäude fliegt. Ein kleiner Fetzen Geschichte trifft auf einen größeren. Als würde der Mann auf dem Seil irgendwie vorwegnehmen, was später geschah. Die Durchdringung von Zeit und Geschichte. Der Punkt, an dem Geschichten miteinander kollidieren."

McCann erzählt vom Lebensweg einiger dieser Menschen, deren Lebenswege sich am Fuß der Türme in diesem Moment kreuzen. Noch am selben Tag kreuzen sich diese Lebenswege erneut, mit tödlichem Ausgang für zwei der Protagonisten. Wie konnte es zu dieser Situation kommen, wie entwickeln sich die Lebenswege der zurückbleibenden Betroffenen nach diesem dramatischen Einschnitt weiter. Der Leser schlüpft in die Haut der Romanfiguren, Prostituierte in der Bronx, ein irisch-stämmiger Glaubensbruder, ein Richter, der seinen Sohn in Vietnam verloren hat, eine gescheiterten Künstlerin und in die Haut des Photographen, der diesen magischen Moment auf Zelluloid festhält. Es entwickelt sich ein Mosaik in Vergangenheit und Zukunft mit sehr aktuellen Anknüpfpunkten an unsere eigene heutige Gegenwart.

Äußerst kurzweilig geschrieben, Momente von Komik und Dramatik, Traurigkeit und Hoffnung verknüpfend, hat Colum McCann ein Meisterwerk geschaffen, welches sicherlich über die kurzfristige Gegenwart hinaus wirken wird.
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am 28. Juli 2011
...immer wieder versteckt im Text. Das hat mich begeistert.

Nicht nur, daß es wunderbar zu sehen ist, wie sich Schicksale einzelner Personen verflechten, auch über Generationen hinweg. Nicht nur, daß die Beschreibungen der einzelnen Lebensszenarien so authentisch, so ehrlich sind, ohne je kitschig oder billig zu werden. Nicht nur, daß die Beschreibung der Zeit, in der die jeweilige Handlung stattfindet, einem diese so unglaublich nahe bringt, egal ob Weltwirtschaftskrise oder Vietnam.

Nein, in all diesen Erzählungen hat der Autor auch noch die Zeit gefunden, wunderbare, ja geradezu zärtliche Formulierungen über das Leben und seinen Sinn einzuflechten, manchmal auch nur als Beschreibungen von Dingen, die zu sehen sind. Vieles davon so tiefgehend, daß man es sich ausschneiden und hinhängen will, weil so schön, daß man lächeln muss.

Wer guten Schreibstil sucht, der fesselt und mitnimmt, aber gleichzeitig noch Augen hat für das kleine eingewobene Schmuckstück auf der Seite, die er gerade liest, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen.
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am 3. Oktober 2009
Nach seinem ersten großen, wunderschönen Bucherfolg, dem New York-Roman "Der Himmel unter der Stadt" kehrt Colum McCann nach zwei weiteren Romanen in seine Wahlheimat literarisch zurück. Und erzählt eine Geschichte, die von vorne bis hinten packt, einen durchschleudert, hochwirft, fallen lässt, schweben, gleiten, hoffen und bangen. Colum McCann erzählt von Huren und Heiligen, Richtern und Rechtsbrechern, Reichen und Armen und schlägt sich dabei nie auf die eine oder andere Seite, sondern sucht die Mitte der Menschen.
Ein junger, irischer, selbsternannter Mönch kommt in den 70ern nach New York und hilft Prostituierten ein leichteres Leben zu führen. Zwei davon sind Mutter und Tochter, die sich durchs Leben schlagen. Die Frau eines Richters ist in einer Therapiegruppe für Eltern, die ihre Kinder im Vietnamkrieg verloren haben. Ihr Mann ist der Richter, der zufällig an einem Tag, die beiden Prostituierten vor sich hat und über ihr Schicksal entscheidet.
An diesem Tag scheint die große Welt für einen Moment ganz still zu stehen - ein Mann balanciert auf einem Seil zwischen den beiden gerade errichteten Twin Towers. Danach überschlägt sich die Welt.
Colum McCann zieht die Blicke hinauf zu diesem Mann, um dann mit seinen Geschichten umso tiefer in die Menschen einzudringen. Multiperspektivisch collagiert er ein Bild dieser 70er Jahre als eine große Vorwegnahme, was an 9 / 11 passieren wird. Die Welt steht manchmal ganz still, bevor sie sich umso schneller dreht.
Wunderschöne Geschichte und wie auch bei "Der Tänzer" oder "Zoli" wundervoll erzählt. Zerrissene Menschen, aber in ihren Brüchen zart und liebenswert. Fallend, aber nicht hoffnungslos. Mit einer großen Sehnsucht nach einer neuer Zeit.
In einem Interview wünscht sich McCann den alten Sozialroman eines John Steinbecks zurück. Das hat er hiermit selber geschafft.
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Am 7. August 1974 sorgte Philippe Petit für Aufsehen. Mithilfe einiger Freunde gelang es ihm, ein Drahtseil zwischen den beiden Türmen des World Trade Centers zu spannen, auf dem er vor den Augen einer immer größer werdenden Menge in gut 300 Meter Höhe seine Kunststücke vollbrachte. Dieses reale Ereignis stellt das verbindende Element der einzelnen Episoden in Colum McCanns Roman "Die große Welt" dar, die, wie sich in deren Verlauf herausstellt, doch mehr gemeinsam haben, als den tollkühnen Seiltänzer.

Im Mittelpunkt der ersten Geschichte steht der Ordensbruder Corrigan, der seine Jugend größtenteils im Suff erbracht hat und nun, Jahre später, von seinem Bruder in New York besucht wird, wo sein Orden ihn hinversetzt hat. Corrigan lebt in einer der übelsten Gegenden der Stadt und ist eine Art Schutzengel für die in der Umgebung tätigen Prostituierten geworden. Doch seine selbstzerstörerische Art kann auch von seinem Bruder nicht gestoppt werden: "Wir haben alle Angst. Wenn du einen Augenblick innehältst, merkst du, dass sie da ist, die Angst. Sie steht uns ins Gesicht geschrieben, liegt uns auf der Zunge. Wenn wir sie uns bewusst machen würden, müssten wir verzweifeln. Aber wir können nicht einfach aufhören. Wir müssen immer weitermachen" (150) formuliert Corrigan die Grundlage seines Handelns.

In der nächsten Episode müssen der Richter Solomon und seine Frau Claire den Tod ihres Sohnes Joshua verkraften, der in Vietnam gefallen ist. Während Solomon sich in die Arbeit flüchtet, muss Claire in ihrem luxuriösen Appartement allein mit ihrem Schmerz fertig werden. Halt findet sie bei einer Gruppe von Frauen, die sich in derselben Situation befinden. Die stammen jedoch alle aus ärmlichen Verhältnissen und Claire ist nervös wie sie reagieren werden, wenn sie beim nächsten Treffen in ihrer Wohnung mit ihrem Lebensstandard konfrontiert werden.

"Wenn man sich die Welt ohne Menschen vorstellt, ist sie so ziemlich das Vollkommenste, was es je gegeben hat" (357). So das bittere Fazit der Prostituierten Tillie, die nach dem Tod ihrer Tochter im Gefängnis sitzt und ihr verkorkstes Leben Revue passieren lässt. In ihrer Lebensbeichte spielt auch Corrigan eine gewichtige Rolle, der sich um sie und ihre Tochter regelmäßig gekümmert hat.

McCanns Charaktere kommen aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten und haben mit den verschiedensten Problemen zu kämpfen. Doch alle eint das Bedürfnis nach ein bisschen Halt in dieser großen und chaotischen Welt, um ihrer Existenz so etwas wie Sinn zu verleihen: "Jeder hockt in seiner kleinen Welt und hat das tiefe Bedürfnis zu sprechen, jeder trägt an seiner eigenen Geschichte, die er an irgendeinem seltsamen Punkt beginnen lässt und dann unbedingt zu Ende erzählen muss, damit sie einen logischen abschließenden Sinn ergibt" (152).

Fazit: Glänzend geschrieben und hervorragend konstruierter Roman rund um das Leben von ganz normalen Menschen mit menschlich-allzumenschlichen Problemen. Colum McCanns "Die große Welt" bietet kurzweiliges Lesevergnügen auf höchstem Niveau und ist somit uneingeschränkt zu empfehlen.
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am 9. Dezember 2009
Bei "Die große Welt" ist ein wenig Durchhaltevermögen gefragt: ausgerechnet das erste volle Kapitel hat einige Längen und suggeriert einen etwas elegisch geratenen Roman. Wer sich davon nicht täuschen läßt, wird reich belohnt: von Abschnitt zu Abschnitt steigert sich McCann in ein im besten Sinne zeithistorisches Werk, daß zudem auf anspruchsvolle Weise unterhält. Auch gelingt es ihm, die Spannung des Plots bis zum Ende aufrechtzuerhalten - was anderen, oft hochgelobten Autoren bekanntlich nicht immer gelingt. Selbst die manchmal etwas zu gewollt philosophierenden Reflexionspassagen stören dabei nicht wirklich. Besonders gelungen: die ausgesprochen geschickt verwobenen Schicksale der Protagonisten - sowie McCanns Verzicht darauf, die Leitfigur des Seiltänzers zu einer allzu platt symbolträchtigen Figur zu stilisieren.

Auch wenn ich mich am Ende entschieden habe, keinen fünften Stern zu vergeben: ein unbedingt lesenswertes Buch!
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am 9. Dezember 2009
August 1974: zwischen den beiden Türmen des World Trade Centers balanciert Philip Petit auf einem Seil. Doch dieser Drahtseilakt bildet nicht den Mittelpunkt des Romans von McCann, sondern es ist lediglich der rote Faden, der viele einzelne Geschichten verbindet. Und diese Episoden handeln von Menschen, die 400 Meter tiefer als Petit an ihrem ganz persönlichen 'Rand der großen Welt' leben.

Der erste Teil dieses literarischen New York Kaleidoskops beginnt ironischerweise in Dublin mit der Schilderung der Jugend von Corrigan. Schon in seiner Jugendzeit hat er ein Naheverhältnis mit dem vermeintlichen 'Abschaum' der Gesellschaft: zwielichtige Figuren, Prostituierte, Alkoholiker und Obdachlose. Als Priester kommt Corrigan dann nach New York, um sich an einem der 'Ränder der Welt' um eine Gruppe von Prostituierten in der Bronx zu kümmern. Hin und hergeworfen zwischen Corrigans Zweifel an Gott und Prügeleinheiten durch die Zuhälter entwickelt sich aber zwischen ihm und seinen Damen ein Vertrauensverhältnis.

In einer anderen Episode erhalten wir Einblick in das Leben des jüdischen Ehepaars Solomon und Claire Soderberg oder vielmehr, wie sie mit dem Tod ihres Sohnes umzugehen versuchen, der in Vietnam einem Bombenattentat zum Opfer gefallen ist. Solomon, der Richter, verarbeitet den Tod seines einzigen Sohnes mit Schweigen, Claire versucht es mit darüber sprechen in einer Gruppe von 5 Frauen, die ebenfalls ihre Söhne in Vietnam verloren habe. McCann vermag es in diesem Teil des Romans mit wunderbaren erzählerischen Mitteln das Leid der Soderbergs zu benennen. Der Sohn Joshua war als Computerexperte nach Vietnam gegangen, um das System zu verbessern, mit dem die Amerikaner die Anzahl der Gefallenen zu ermitteln versuchten. Als er in Vietnam stirbt lesen wir nur: 'Aus Joshua wurde ein Code.'

McCann bringt uns so noch eine große Anzahl von Lebensgeschichten näher, die sich wiederum an ihren Rändern immer wieder mit den anderen Geschichten überschneiden. Sie alle handeln von Menschen, die ihre Lebensbalance verlieren oder schon verloren haben, ganz im Gegensatz zum Seiltänzer Petit. McCann kleidet Beobachtungen in Sätze von erstaunlicher sprachlicher Präzision und seine Prosa bilderreich zu nennen wäre wohl eine Untertreibung. Für Wortungetüme ist kein Platz und die Dialoge sind von einer erfrischend knackigen Lebendigkeit. Das einzig vielleicht Negative ist der ansonsten gelungene Schluß, hier versucht McCann mit einer allzu großen Unwahrscheinlichkeit die erzählerische Klammer zu schließen. Eines steht jedoch fest: das Jahr 2009 wird für mich als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem ich 'Die große Welt' von Colum McCann gelesen habe.
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am 17. März 2012
Am 7. August 1974 balanciert ein junger Mann zwischen den beiden Türmen des World Trade Centers. Ausgehend von diesem realen Ereignis komponiert McCann in diesem Roman anhand von mehreren, zusammenhängenden Episoden ein beeindruckendes Gesellschaftsbild der USA der 70er Jahre. Das arme, drogenverseuchte Leben der Straßenprostituierten in der Bronx, der Schmerz reicher Mütter über den Verlust der Söhne im Vietnamkrieg, das gemeinsame Hoffen auf eine bessere Zukunft - all dies beinhaltet dieses tiefgründige und definitiv lesenswerte Zeitportrait!
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am 16. Oktober 2011
Es ist seltsam, dass man nicht an 9/11 denkt, wenn man dieses Buch liest. Obwohl das World Trade Center ein wichtiger Bestandteil sind ' wenn nicht das zentrale Symbol. Das liegt wohl daran, dass wir es hier mit großer Kunst und nicht mit Kunstfertigkeit zu tun haben.

Colum McCann hat eine echte Begebenheit zum Ausgangspunkt genommen: Am 27. August 1974 ist Philippe Petit über ein zwischen den Türmen des World Trade Centers gespannten Drahtseil gegangen.

Damit fängt der Roman auch an: 'Wer ihn sah, verstummte.'

Dann steigen wir hinunter zu den Menschen auf den Straßen und in den Häusern New Yorks. Gewissermaßen im Zentrum steht der Gerichtsprozess gegen eine Prostituierte. McCann beschreibt mindestens elf Protagonisten: neben dem Seiltänzer und der Prostituierten sind es ihr Richter und die Menschen in deren Umfeld, sowie ein 'seltsamer' Priester (man könnte in ihm auch einen Heiligen sehen), der mit seiner Gläubigkeit und mit seiner Kirche hadert.

Wir bekommen einen multiperspektivischen Einblick in 'Lebensformen' in New York City, bei denen es ' so McCann in einem Interview ' 'ein unsichtbares Drahtseil gibt, über das wir alle gehen, ['] das aber nur 2,5 cm über dem Boden gespannt ist und das viele vielleicht gar nicht wahrnehmen'. *

Die Handlung? Ich glaube, die Handlung ist gar nicht so wichtig. Und auch die Figuren sind nicht nach der Art, dass sie eine/n noch begleiten, wenn man das Buch schon längst zu Ende gelesen hat.

Woran man sich wahrscheinlich erinnert, ist, dass hier 'das Leben an sich' dargestellt wird. Ohne dass McCann ein realistisches Abbild geschaffen hätte. Vielleicht schafft man erst dadurch wirklich ein Kunstwerk, dass viele anspricht (der Roman ist auch nicht 'schwierig' zu lesen) ' und in allen etwas Persönliches auslöst, das mit der Absicht des Autors nicht unbedingt etwas zu tun haben muss.

In diesen persönlichen Welten ist für den Augenblick vielleicht sogar 9/11 bedeutungslos.
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am 17. März 2010
Das Buch beleuchtet episodenartig verschiedene Lebensentwürfe von Menschen, die momentan in New York leben. Dabei entwickeln die einzelnen Geschichten eine ungeheure Sinnlichkeit, die den Leser zu einem starken Identifizierungsprozess mit den einzelnen Akteuren antreibt. Intensive Innenansichten erzeugen eine beeindruckende Authenzität, die besonders berührt, wenn sich die handelnden Personen mehr oder weniger zufällig treffen. Die Beschreibungen der unterschiedlichen Menschen zirkulieren um den legendären Drahtseilakt, welcher als Illustration von natürlichem und unmittelbarem Auftreten wahrhaftiger Poesie im realen Leben dient. Diese poetische Lebensbetrachtung gelingt McCann durchgehend in seinem Roman, der den Alltag und den häufig darin vorkommenden Schmerz des Menschen in einen größeren Kontext setzt und somit in seiner Schärfe abmildert. Die sachliche Beschreibung des Leben als vielfarbigen unaufhaltsamen Prozess und die Untrennbarkeit von Ursache und Wirkung erzeugen ein Gefühl der Natürlichkeit im Umgang mit verlustreichen Schicksalsschlägen, ohne jedoch die Einzigartikgeit des Individuums anzuzweifeln.
Das Buch potraitiert den Menschen an sich in seinen unterschiedlichen Ausprägungen und singt vollkommen unprätentiös und subtil ein wunderschönes Loblied auf die große Welt, in der wir alle leben.
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