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Kundenrezensionen

3,8 von 5 Sternen
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3,8 von 5 Sternen
Letzte Einkehr: Tagebücher 2001 - 2009 (mit einem Prosafragment)
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
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am 15. März 2014
Die Bücher von Imre Kertesz lese ich seit 1990, nachdem sein Auschwitz-Roman damals noch in der dt. Erstübersetzung unter dem Titel "Mensch ohne Schicksal" erschienen war. Kertesz ist ein Gigant der europäischen Literatur. "Roman eines Schicksallosen", "Kaddisch für ein ungeborenes Kind" oder "Ich - ein anderer" sind Marksteine eines dem Überleben abgerungenen Schreibens. Es sind unikale und im besten Sinne rücksichtslose Werke der Selbstbehauptung. Was Kertesz sich mit der Veröffentlichung von "Letzte Einkehr" antat oder was der vermutlich darauf drängende Rowohlt Verlag ihm damit antat, ist die Demontage eines greisen Schriftstellers, der sich darin gefällt oder es zumindest nicht lassen kann, das Versiegen seiner kreativen Fähigkeiten endlos jammernd zu kommentieren.
Wozu, fragt man sich und fragt auch Kertesz sich selbst die ganze Zeit, wurde dies geschrieben? Damit wir mit dem Autor verzweifelt die Arme heben und über die Glückskatastrophe des Nobelpreises stöhnen? Damit wir sein postsexuelles Ehedesaster protokollarisch zu Kenntnis nehmen? Damit wir seine Unfähigkeit bedauern, sich den diversen Verlockungen des literarischen und geisteswissenschaftlichen Betriebes zu verweigern? Damit wir uns mit ihm über sein verdientes und zugleich zerquältes Taumeln durch die Luxusressorts dieser Welt ärgern, über seine abendfüllenden Unsinnsbegegnungen mit Hinz und Kunz, nach denen er sich im Turmzimmer und anderen nicht mehr funktionierenden Arbeitsorten der verschenkten Zeit wegen martert und sich wohl hundertfach aufruft,damit aufzuhören und sich wieder dem zuzuwenden, wozu sein Talent und sein Leben ihn verpflichten!?
Dieses Tagebuch wäre besser unveröffentlicht geblieben. Es ist das Dokument eines umfassenden Niedergangs und überhaupt nur voyeuristisch zu ertragen. Selbstverständlich blitzen bei einem Autor dieses Formats hier und da Einsichten auf, interessante Konflikte werden angerissen, Weiterzuerzählendes wird angedeutet. Aber alles wirkt kraftlos und wie zerbrochen. Dieses von 2001-2009 reichende Tagebuch erweist sich als traurige Niete.
Weil ich mich so nicht von Kertesz verabschieden wollte, las ich hintendran zum zweiten Mal "Ich -ein anderer" und war, was seinen einst brillanten Tagebuchstil angeht, wieder begeistert und versöhnt. Mir fiel auf, wieviel Zeit er sich im Unterschied zu" Letzte Einkehr" für Geschichten genommen hat. Wieviel Zuversicht diese Texte verströmten, obwohl seine düstere Weltsicht doch dieselbe war. Das Sterben der ersten Frau, der Blick eines Dackels in der Budapester Straßenbahn, verrückte Erlebnisse am Rande einer Lesung in Leipzig sind in "Ich-ein anderer", aus dem Tagebuch-Ärmel geschüttete literarische Ereignisse! Großer Mann, ruhe in Frieden!
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am 2. Februar 2016
Die gute (linksliberale, linksbürgerliche) Gesellschaft der Bundesrepublik feiert I. K.s Tagebücher, wenngleich in nicht ganz stimmigen Metaphern: „Das Werk von I. K. ist ein Staudamm, an dem die Nachkriegsliteratur nicht vorbeikommt.“ (Iris Radisch, DIE ZEIT)
Ob sie die Tagebücher gelesen hat? Einige wiederkehrende Themen:

RASSE UND RELIGION

11. Januar 2004 Die Abendmaschine war voller ärmlicher Araber … Eine sonderbare Art armer Familien, mit Frauen, großköpfigen, aggressiv brüllenden Kindern; anstatt mit ihnen Mitleid zu haben, assoziiere ich Bomben und Terror. Europa wird bald zugrunde gehen an seinem einstigen Liberalismus, der sich als naiv und selbstmörderisch erwiesen hat. Europa hat Hitler hervorgebracht, und nach Hitler waren keine Argumente mehr geblieben: Dem Islam taten sich alle Tore auf, man wagte nicht mehr, über Rasse und Religion zu sprechen …

21. Januar 2004 … wie die Muslime Europa überschwemmen und in Besitz nehmen, direkt gesagt, zerstören werden; darum, wie Europa das alles handhabt, um selbstmörderischen Liberalismus und die Dummheit der Demokratie. Das ist stets das Ende: Die Zivilisation erreicht einen überzüchteten Zustand, in dem sie nicht nur nicht mehr fähig, vielmehr auch nicht mehr willens ist, sich zu verteidigen; in dem sie, unverständlicherweise, ihre eigenen Feinde verherrlicht.

24. März 2004 Weimar. … Im Park lungern Angehörige eines Fellachenvolkes herum, spielen mit Eisenkugeln irgendein billardähnliches Spiel, die mitgebrachten Thermoskannen stellen sie auf dem Rand des Goethedenkmals ab.

19. November 2004 Es bricht eine mörderische Welt an, Nationalismus, Rassismus; Europa beginnt zu erkennen, wohin seine liberale Einwanderungspolitik geführt hat. Plötzlich wird man gewahr, daß es Fabelwesen, die man multikulturelle Gesellschaft nennt, gar nicht gibt.

3. Februar 2006 Das tägliche Elend des Verfalls Europas. … Es begann mit einer Erhebung gegen die östliche Tyrannei (Perserkriege) und endet mit einer Kapitulation vor der unwürdigsten östlichen Macht (Palästinenser). Requiem aeternam …

MASSE UND ELITE

28. Juli 2001 Aber was treibt die Politik an? Letzten Endes sind die großen Visionen, wie die eines Spengler oder meinetwegen auch der Bibel, noch die ehrenwertesten Versuche. Die träumerischen Weltordnungen der großen Mystiker, die geheimnisvollen Tiefenwelten der alten Mythen – darin liegt etwas vom Verhängnis des Menschen verborgen; im Vergleich dazu ist die wissenschaftliche Sichtweise, trotz ihres Apparats, ihres Wissens, ihrer Erfolge, von kindlicher Naivität.

22. August 2002 Die Welt der Ironie ist die Welt Mephistos – doch auf sie wartet die Niederlage, auf die Begünstigten aber die Erlösung. Die jüngsten Entwicklungen geben Goethe recht. Die Masse braucht eine Werteordnung, sonst schafft sie sich ihre eigenen Werte, und dann wehe dieser Welt.

KOMMUNISTEN UND LIBERALE

13. Juni 2004 Die fette rotte Ratte, die mir um die Füße springt, ist ein besonders charakteristischer Vertreter dieses Typs und illustriert bestens, daß Kommunist zu sein in erster Linie eine Frage von Charakter und Beschaffenheit ist und erst in zweiter Linie eine sogenannte Überzeugung. Dieser Charakter ist ein typisches Zivilisationsprodukt der späten europäischen Dekadenz. Auch er greift, wie der Faschist, die eigene Existenzgrundlage an.

(SÜD)OSTEUROPÄER

1. März 2006 (Rumänien) Gemeine Menschen, ein ganz gemeines Land, die bloße Berührung ist, als würden mich Kröten aus dem Sumpf anspringen.
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am 8. Januar 2014
bewertung abzugeben finde ich voll k... ich verstehe gar nicht wozu dass gut sein soll und ich muß noch immer 5 wörter schreiben
33 Kommentare| 4 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 18. Februar 2014
dieses Buch habe ich mir aufgrund der Empfehlung von Frau Iris Radisc gekauft. Bücher, die sie für lesenswert hält - sind immer großartig.
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