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Die Korrekturen
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
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am 20. März 2016
Wie fühlt man sich, wenn das Gehirn versagt? Jedenfalls so versagt, daß andere nicht mehr folgen können?

Ich konnte nicht aufhören zu lesen und fühlte mich mitunter grauenvoll. Franzen hat grandios beschrieben, was eigentlich keiner weiß: Was erlebt mein Ich, wenn ich dement bin oder Alzheimer habe? Wenn ich womöglich weiß, spüre, irgendwie realisiere, wie furchtbar ich mich daneben benehme und doch nicht anders kann? Wenn ich vor Angst und Ängsten nicht mehr ein noch aus weiß? Aber das nicht vermitteln kann?

Franzen beschreibt eine amerikanische Durchschnittsfamilie aus dem Mittelwesten, etwa aus dem Anfang der 1960er bis zum Umbruch im Baltikum (das spielt eine gewisse Rolle) um die Jahrtausendwende. In Episoden, abwechselnd geschildert aus dem jeweiligen Blickwinkel der Beteiligten, aus einigen Rückblendungen, einzelnen Situationsbeschreibungen und Verknüpfungen lesen wir vom Schicksal der Mitglieder dieser Familie und ihrer Bekanntschaft. Insgesamt ergibt sich ein rundes Bild.

Ein einziges Weihnachtsfest noch möchte Enid, die Mutter, ausrichten für ihre Familie, die inzwischen verstreut ist. Einmal noch sollen sich alle in St. Jude, der mittelwestlichen Spießerstadt, zusammenfinden und zusammen froh sein. Denn Alfred, das früher alles bestimmende Familienoberhaupt, entwickelt sich rapide rückwärts: Zu einem alles bestimmenden, alle terrorisierendem Kind. Ihn quälen Parkinson, Inkontinenz und Demenz, und er quält seine Familie. Er quälte sie schon immer mit seiner Sturheit und seiner Herrischkeit, die er selbst dann noch beibehielt, wenn sie wider jede Vernunft zu einer Niederlage führte. Sein leichtestes Opfer war und ist seine Frau Enid, die, schon immer untergebuttert, jetzt zunehmend nörgelig und nervig reagiert. Beide zusammen penetrieren ihre inzwischen erwachsenen Kinder, die längst mit ihren eigenen Problemen beschäftigt sind.

Trotzdem gelingt es Franzen, sie alle gleichermaßen sympathisch-unsympathisch wie vertraut wirken zu lassen. Nur wenige Figuren sind so wirklich zum Niederboxen (z. B. Garys Ehefrau), finde ich. Allein durch Franzens Erzähl- und Formulierkunst bringt der Leser Verständnis für die Figuren auf: Für den vermeintlichen Versager Chip, für den einigermaßen erfolgreichen und nur scheinbar glücklichen Gary und die gefragte wie gechasste Starköchin Denise. Sie alle haben ihre guten und ihre weniger guten Seiten. Mehr noch die Eltern: Alfred, der absolutistische Herrscher aus Herkunft, anerzogenem Rollendenken und aus Unsicherheit, jetzt degradiert, oder die ewige Magd Enid mit ihrem nörgeligen Märtyrer-Stolz, immer bestrebt, anderen ein schlechtes Gewissen einzujagen. Doch niemand wird in seiner Würde verletzt, selbst dann nicht, wenn die Geschehnisse noch so peinlich werden.

Franzen schafft das. Franzen hat dies alles derart eingängig und nachvollziehbar beschrieben, daß man versteht. Und daß einem Angst und Bange wird. Was geschieht mit mir, wenn ich nicht mehr wie erwartet funktioniere, wenn ich alt werde? Wie gehe ich damit um, wenn ich das - inzwischen erwachsene - Kind dazu bin, und keinerlei Rückhalt finde in meiner eigenen, frischen, Familie, aber irgendwie ein schlechtes Gewissen habe, sei es aus Verantwortungsbewußsein oder Unwillen.

Franzen hat das alles angesprochen. Praktische Lebenshilfe ist das Buch gewiß nicht, will es gar nicht sein, aber es ist das genial formulierte Grauen, und wenn es zu schlimm wird, kupiert der Humor das Entsetzen - und hilft irgendwie ... Lesenswert und nachdenkenswert.
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am 1. Februar 2016
Langatmig sei dieser Roman. Und zäh im Erzählstil. Zäh und langatmig wie ein alter Schlepperkahn, der seine Fahrtrichtung ändern will, stöhnt und ächzt sich dieser Roman über eine (amerikanische) Familie in die Länge. Und genau das - ist das Thema des Romans! Mal ehrlich: Haben Sie schon einmal probiert, "Korrekturen" in ihrer Familie vorzunehmen?! Sehr beeindruckend und keineswegs unrealistisch lässt Jonathan Franzen uns erleben, wie hartnäckig schwierig es ist, auch nur die geringsten Änderungen zu bewirken, wenn es um Familienmitglieder geht. Ändere Dein Leben, so oft Du willst: in den Augen Deiner Familie / Deiner Eltern / Deiner Geschwister / Deiner Kinder bleibst Du immer dieselbe und derselbe - oder nicht?!
3 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 6. Oktober 2015
Franzen erzählt die Geschichte der Familie Lambert Ende der 1990er Jahre mit erzählerischen Rückblenden auf die vorangegangenen 30 Jahre. Vater Alfred versinkt in seiner immer schlimmer werdenden Parkinson'schen Krankheit, Mutter Enid versucht die Krankkheit zu ignorieren und die Tünche über dem brüchigen Familienfrieden immer wieder zu erneuern. Ihr Ziel ist es noch einmal gemeinsam mit der ganzen Familie, d.h. ihren drei Kindern und Enkeln in ihrem Hause in der mittelwestlichen Provinz zu feiern.
Nur die Kinder sind geflüchtet: Der Älteste Gary, mit zumindest einer äußerlich gutbürgerlichen Existenz als Familienvater von ebenfalls drei Kindern und Abteilungsleiter einer Bank, befindet sich in einem unerfreulichen Ehekrieg mit seiner Frau Caroline darüber, wer in der Beziehung "die Hosen an hat" (Gary verliert). Die Dialoge der Beiden, in denen sie satirereif aneinander vorbei reden, gehören zum Besten des Romans. Der jüngere Bruder Chip, der kurz vor seiner Professur als Anglist mit einer Studentin schläft, von der Hochschule entlassen wird und danach keinen Fuß mehr auf den Boden bekommt. Sein Versuch durch Geschäfte mit einem windigen Litauer wieder zu Geld zu kommen, zählt zu den schwächsten Teilen. Und Tochter Denise, die Meisterköchin, und ständige Nothelferin bei Bruder Chip und Mutter Enid, kämpft mit ihrem Coming-Out als Lesbe. Wie diese Familie sich immer wieder in ihren Konflikten verhakt ist wirklich lesenswert. Leider kommt das große gesellschaftliche ganze zwar vor aber doch zu kurz und Franzen kann der Versuchung des Happy-End nicht widerstehen.
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am 26. Dezember 2010
Ich will es gleich vorwegnehmen: Ich habe zuerst "Freiheit" gelesen und weil es mir so gut gefallen hat, habe ich danach die "Korrekturen" gelesen.
Eine Inhaltsangabe will ich hier nicht machen, weil das Buch keine eigentliche Story hat, also keiner Inhaltsangabe bedarf. Es berichtet aus dem Leben der Lamberts, einer 5-köpfigen Durchschnittsfamilie in den USA. Dabei zeichnet J. Franzen ein sehr detailliertes, psychologisch dichtes und wirklichkeitsnahes Bild der Familienmitglieder und der politisch-gesellschaftlichen Situation der USA. Insofern ähnelt dieses Buch sehr dem erst vor kurzem erschienenen Werk "Freiheit". Beide Werke glänzen durch eine wundervolle, oft hintergründige und ironische Sprache. Beide Werke lassen sich flüssig lesen und haben mir überaus viel Freude gemacht. Das soll aber nicht darüber hinweg täuschen, dass Franzen insgesamt ein deprimierendes Bild der amerikanischen Gesellschaft und auch des Menschen an sich zeichnet.
Wenn man also einen "Franzen" lesen möchte, um die brillante Sprache kennen zu lernen oder Franzens Sicht des Menschen und der amerikanischen Gesellschaft zu verstehen, dann genügt einer der beiden Bänder und ich würde hier den zweiten Band, also "Freiheit" empfehlen.
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am 20. Januar 2014
Ein Buch mit Tiefgang. Verschiedene Familienmitglieder werden durch ihr Handeln und Denken fortlaufend präziser charakterisiert. Es entsteht eine Einsicht in die Dynamik der jeweiligen Beziehungen der Familienmitglieder untereinander, in ihrem Zusammenhalt und ihren gegenseitigen Beschränkungen. Anhand der einzelnen Lebensläufe wird die Tragik der jeweiligen individuellen Lebensläufe verallgemeinert. Es ist die Darstellung der normalen Vielfalt begrenzt gescheiterter Lebensläufe. Psychologisch sehr nachvollziehbar beschrieben. Ein tolles Buch.
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am 31. August 2013
Aufgrund eigener Erfahrungen im Hinblick auf Demenz mit älteren Verwandten und Bekannten bekomme ich beim Lesen ein "Putenfell". Manchmal musste ich das Buch weglegen, weil mir diverse geschilderte Situationen so bekannt vorkamen, dass ich einfach mal etwas anders lesen musste. Teilweise zieht sich die GEschichte hin, aber die Übersetzung und die damit erkennbare Sprachgewalt von Jonathan Franzen bügelt alles wieder aus. Tolle Geschichte und wirklich sehr lesenswert, allerdings wahrscheinlich eher für die "ältere" Generation, die mit solchen Dingen zu tun hat. Als wir dreißig waren, haben wir nie an solche Sachen gedacht.
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am 17. Februar 2012
für mich waren dicke bücher immer abschreckend, normalerweise ein kriterium es nicht zu kaufen, aber jetzt kann ich es kaum erwarten, das nächste "dicke" von jonathan franzen zu lesen. ist es nicht oft so, dass man traurig ist, wenn ein gutes buch zu ende ist? hier hat man ganz langes lesevergnügen, die komik kommt auch nicht zu kurz, etwa wenn denise sagt: "gebt mir eine eieruhr, mal sehen wie lange diese ehe hält" aber auch die feine beobachtung und wiedergabe der gedankengänge und psychischen abgründe. ich sage nur 780 seiten literarischer genuss!!
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am 11. März 2003
Schon das Buch hat mich begeistert. Das ganze noch einmal von Ulrich Pleitgen vorgelesen zu bekommen macht doppelt Spaß. Ich würde jedoch jedem raten, zuerst selber das Buch zu lesen, da so das Tragikomische des Ganzen besser als in der Lesung zur Geltung kommt. Die CDs kann ich aber mit und ohne Buch nur jedem Hörbuch-Fan ans Herz legen!
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TOP 500 REZENSENTam 9. November 2003
Was macht gute Literatur aus? Doch wohl auch und vor allem die Eigenschaft, den Leser für die handelnden Personen zu interessieren, weil sie ihm nicht nur plastisch und glaubhaft vor Augen geführt werden sondern weil er sich in ihnen auch ein Stück wiedererkennt. Diese literarische Kunst aber ist rar gesät, und die Mehrzahl der Bücher kommt mit Pappkameraden statt handelnder Personen aus. Franzens Werk hat diese Kunst jedoch auf einen kaum überbietbaren Gipfel getrieben. Enid und Alfred, ein traditionelles Paar aus dem mittleren Westen der Vereinigten Staaten, und ihre drei Kinder Gary, Chip und Denise präsentieren sind nicht nur in ihrer Gebrochenheit sondern auch in der anschaulichen Fülle ihres literarischen Seins faszinierde Vexierbilder der Persönlichkeitspsychologie der Gegenwart. Alfred Lambert, der Familienpatriarch, der innengeleitete Mensch, der langsam aber sicher in den Abgründen der Parkinsonschen Krankheit versinkt und seine Frau Enid, die außengeleitete Mutter Amerikas, repräsentierten die traditionelle Ehe, in der die FRau ihrem Mann den Hintern hinterherträgt und ihm dabei doch die Seele zermürbt, während Gary und seine kapriziöse Frau dagegen die moderne Ehe darstellen, bei dem die Frau dem Mann den Hintern nicht mehr hinterherträgt und ihm trotzdem die Seele zermürbt. Gleich ist Vater und Sohn, dass hinter ihem Leben als Workoholics die Depression und der Wahnsinn lauert, während Chip Lambert, der Linksintellektuelle der Familie, dem flottierenden Zeitgeist in all seiner Fragwürdigkeit bis nach Osteuropa folgt, ohne zu merken, dass auch dieser nach der Partitur des Wahnsinns pfeift. Die mit Abstnd sympatischste Figur des Romans ist die jüngste Tochter Denise Lambert, eine Frau, die in der Mänenrwelt doppelt so tüchtig sein muss um nur halb so erfolgreich zu sein wie ihre Kolegin, eine moderne Gestalt, deren sexuelle Vorlieben in der Beliebigkeit der modernen Gesellschaft gleichsam diffunidiert sind und die ebenso unschlüssig zwischen Hetero- und Homsexualität hin- und herschwanken wie hinsichtlich der Frage, wohin ihr Leben eigentlich treibt. Der Roman aber treibt unerbittlich auf das finale Weihnachtsfest der Famiie Lambert zu, einen Hexensabath der Moderne im Mikrokosmos der Familie, eine Hölle der Nähe und Entfremdung in einem mit einem erschreckend hohen Erkenntiswert für jedermann, der diese Passagen liest.

WIEDERSEHEN MIT DEN lAMBERTS (Die KORREKTUREN JAHRE SPÄTER EIN ZWEITESMAL GELESEN)
Ich habe dieses Buch schon einmal vor acht Jahren gelesen und habe es nun, nach der Lektüre der anderen drei großen Romane von Jonathan Franzen ( Die 27ste Stadt" Schweres Beben" und jetzt Die Freiheit") noch einmal zur Hand genommen. Mit war das Grundgefühl meiner damaligen Lektüre noch durchaus erinnerlich, ein satter, großer Roman mit eindringlich geschilderten Charakteren und einem Handlungsverlauf, der die Lamberts zu einem amerikanischen Paradigma der Jahrtausendwechsels machte.
Ich las nur ein wenig hier und da, und schon war ich wieder drin - war wieder zu Gast bei Enid und Alfred Lambert und ihren so unterschiedlichen Kindern Gary, Chip und Denise, deren Schicksal wie ein Menetel die Grundproblematik auch meiner eigene Generation kennzeichnet. Ehe ich mich versah, hatte ich das Buch noch einmal gelesen - und zwar mit einem Gewinn, den ich nicht erwartet hätte. Es war nicht nur die Dialektik von Widererkennen und Neuheit, die diese Lektüre für mich so faszinierend machte, auch die Schwerpunkte des Romans wirkten diesmal ganz anders auf mich als bei der ersten Lektüre.
Inzwischen bin ich fast ein Jahrzehnt älter geworden, und lese nun die beschriebenen Agonien der Alterserkrankung bei Alfred Lambert mit ganz anderen Augen. Ich bin inzwischen von einem Chip -Existenz in das von Gary und zurück gewechselt und habe vieler meiner Gefühlszustände auf eine so präzise Weise beschrieben gefunden, dass ich mich neu verstehen lernte. Und ich habe so viele Frauen wie Denise kennen gelernt, dass mir ihr Schicksal fast wie eine chronische Krankheit erscheint, die die tüchtigen Frauen unserer Zeit befallen hat. Die Lambert-Mutter Enid, die mir bei der ersten Lektüre noch wie eine Nervensäge vorkam, habe ich in ihrer duldenden Würde und lebenswerten Beschränktheit erst jetzt schätzen gelernt. Und last not least: wieder war ich wie verzaubert von der unglaublichen erzählerischen Kraft, mit der Franzen seine Figuren portraitiert.
Und noch eine Erfahrung habe ich gemacht. Wer wissen will, wie gut Bücher wirklich sind, sollte sie nach einer gewissen zeit ein zweites mal lesen. Dann geht es ihnen wie mit gutem und schlechtem Wein, der über Nacht dekantiert - entweder sind sie so sauer, dass man sie in den Ausguss schüttet oder sie haben erst ihr volles Aroma entfaltet. Franzen Werk gehört natürlich zur zweiten Sorte. Dass das Buch gut war, hatte ich nie vergessen - dass es aber so gut ist, war mir entfallen.
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am 30. Oktober 2002
Enthusiastisch gefeiert und seit Jahresbeginn von vielen Seiten hoch gelobt.
Trotzdem sind einige Leser enttäuscht. Woran mag das liegen?
Das Buch hat keinen eindeutigen Spannungsbogen (oder wer interessiert sich dafür, ob eine Familie zu Weihnachten im Elternhaus zusammenkommt) der Reiz wird eher durch die Sprachgewalt des Autors hervorgerufen.
Wer das schätzt kommt auf jeden Fall auf seine Kosten.
Ein wunderbares Buch über Familie, Bindungen, Bindungsunfähigkeit. Ich habe den Sprachreichtum des Autors sehr genossen und kann den Roman nur wärmstens empfehlen.
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