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am 16. Dezember 2013
Harold Brodkeys „Stories in an Almost Classical Mode" / "Nahezu klassische Stories" dessen zweite Hälfte in Deutschland als Band unter dem Titel "Engel" erschienen ist, macht dort weiter, wo der Band "Unschuld" endete.

In zumeist rund 50-seitigen Kurzgeschichten beleuchtet Brodkey sein eigenes Leben, vor allem seine Kindheit. Dabei steht in der Regel eine Person seines Umfelds im Fokus der Betrachtungen. Seine bösartige -ihn folternde - Stiefschwester Nonie, seine Mutter, sein Vater, sein Kindermädchen, sein Freund. Im Grunde sind dies jedoch nur Projektionsflächen für Brodkeys wichtigstes Projekt: ihn selbst.

Ich empfehle die Auftaktgeschichte zu lesen. Wie seine Stiefschwester ihn in die Falle lockt und der Folter unterzieht, ist packend. Selten hat mich die Erwartung des Grauens so berührt wie hier. Alles Weitere fällt danach stark ab.

Trotz aller immer wieder beschriebenen Zweifel und tastenden Erinnerungen - des erwachsenen Autors - blitzt hier allzu oft ein sehr selbstverliebter zuweilen abstoßend arroganter Charakter durch. Er ist clever und weiß das. Das geht soweit, dass er dem Leser verkauft, er habe - schon als noch nicht sprachfähiger Säugling - seinen Vater intellektuell ausgestochen. Sein Versuch - als Erwachsener - sich die Kindheitserinnerungen zurückzurufen und in Worte zu kleiden, die ihm damals noch nicht zur Verfügung standen ist zumindest sprachlich interessant, aber nicht immer glaubwürdig.

Wie im vorigen Band haben die Außenhandlungen oft wenig Substanz. Da kann schon das widerwillige zu-sich-Nehmen von zwei Löffeln Apfelmus 25 Textseiten in Anspruch nehmen. Sein Kindermädchen singt ihm vor und er denkt richtungslos:
"Sie ertappt mich: ich hasse sie; nein, ich mag sie; ich liebe, vermute ich." Nach solchem Höhepunkt plätschert der Text dann seitenweise weiter. Nur ganz selten haut er einen prägnanten Satz raus:
"Ich meine, ich glaube an die Freiheit, und wenn sie nur darin besteht, daß man sich die Haltung aussuchen kann, in der man fällt.",
Und selbst hier verstottert und verzögert er den Auftakt.

In der Erzählung „Die Jungen auf ihren Rädern“ treibt Brodkey es auf die Spitze. Hier steigert er sich in eine homoerotische Beziehung zu seinem ebenfalls pubertierenden Radfahrkumpel - auf den er genau diesen Beziehungswunsch projiziert. Er glaubt ihn mit absoluter Sicherheit zu lesen und ist enttäuscht, wenn eigene Gesten nicht erkannt werden. Allerdings drückt er seine Zuneigung auch durch Schroffheiten aus - in fester Erwartung, dies müsse doch von seinem Gegenüber als Liebestat erkannt werden. Zugleich "weiß" er, dass jedermann ihm intellektuell unterlegen ist. Brodkey wird hier wirklich zum launischen Ekelpaket. Einerseits habe ich Respekt, wenn jemand seine Maske bewußt derart fallen lässt. Andererseits hätte ich im richtigen Leben keine Geduld, mich mit so einer Persönlichkeit einzulassen. Das Time Magazin höhnte nicht zu Unrecht, Brodkeys Werk bestehe aus nur 4 Wörtern: „Ich, mein, mir, mich“.
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