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Kundenrezensionen

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am 22. Mai 2013
Warum Sten Naldony den eher komplizierten Dreh einer Zeitreise, wenn auch nur in Form des Geistes" der alten Hauptperson die nicht in das Geschehen eingreifen kann, benötigt, hat sich mir nicht erschlossen. Der Alte, der da seinem jugendlichen alter ego über die Schulter blickt, kann nur beobachten. Er tut das teils amüsiert, teils kopfschüttelnd oder mit Unverständnis für sein früheres selbst. Nicht eingreifen können hätte er auch durch bloße Erinnerung, wie Nadolny selbst, der hier vermutlich Teile seiner eigenen Biographie verarbeitet hat.
Das hätte möglicherweise interessant sein können, ist es aber leider nicht. Der Autor konnte bei mir keine Sympathie oder Interesse am Leben seiner Figuren wecken. Zu betulich, onkelhaft ist die distanzierte Erzählweise. Selbst der doch überraschende Wandel der eigenen Biographie vom Richter zum Schriftsteller erzeugt beim Erzähler nicht mehr als kurzes verblüffen. Man darf annehmen das gewöhnliche Menschen da schon mal in Schnappatmung übergehen oder am eigenen Verstand zweifeln. Hier nicht.

Selbst das wäre verzeihlich wenn irgendetwas von Interesse geschehen würde, was für mich leider nicht der Fall war. Nadolny verliert sich teilweise in überaus detaillierten Beschreibungen von Gegenden, Orten und Handlungen die mich einfach langweilten. Ohne eine Person, s.o., die man gerne oder doch wenigstens mit Anteilnahme durch diese Szenen begleitet, bleibt auch diese Seite des Romans Stückwerk.
Die Erkenntnis das die eigene Biographie durch einige wenige Entscheidungen oder zufällige Umstände im Leben anders hätte verlaufen können wird hier überaus mühsam und wenig überzeugend dargestellt. Wenn schon Zeitreise, dann doch wenigstens so, das aktiv eingegriffen wird. Das hätte Spannung erzeugen und Raum für unerwartete Veränderungen geben können. Auch Raum für weniger verkopfte Überlegungen zur Lebensgeschichte sondern an greifbaren Wandlungen abgearbeitet werden können. So mus man sich mit altväterlichen Betrachtungen, pseudotiefsinnigen Überlegungen und mitunter leicht weinerlichen Erinnerungen an früher begnügen

Dieses hätte, könnte, würde in dieser Rezension zieht sich eben leider auch durch das Buch. Für den Autor vermutlich eine freundliche Rückbesinnung, für mich als Leser eine "na und"? Erfahrung.
22 Kommentare| 8 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 21. Juni 2012
Richter Wilhelm Weitling hat unheimliche Lust auf einen Segeltrip auf dem Chiemsee, den er sich gönnt, bevor seine geliebte Astrid wieder daheim ist. Voller Freude begibt er sich auf das Segelboot, bemerkt hierbei jedoch nicht, dass sich ein Sturm zusammenbraut. Erst als er schon eine Weile unterwegs ist, sieht er das Unheil auf sich zukommen, doch da hilft es auch nicht mehr die Seerettung zu rufen. Das Boot gerät in Seenot. Als Weitling erwacht, muss er feststellen, dass er sich 50 Jahre zurückversetzt vorfindet und den kleinen Willi von nun an begleitet. Er kann sein Treiben beobachten, jedoch nicht beeinflussen. Und so beginnt Richter Weitling Fragen zu stellen. Wie konnte aus diesem schüchternen Jungen der Mann werden, der er heute ist? Warum hat er viele Geschehnisse völlig anders im Kopf? Trügen seine Erinnerungen ihn sogar? Auch Mutter und Vater sieht er plötzlich mit anderen Augen und so bleibt zu fragen, ob die "Sommerfrische" nicht Auswirkungen auf sein weiteres Leben hat?

Ich mag Bücher über Zeitreisen und so fasste ich zu diesem Buch. Sten Nadolny hat eine wunderbare Art zu Schreiben. Seine Sprache ist so breit, mit Ruhe und Bedacht schildert er die Ereignisse. Es ist wirklich ein Genuss dieses Buch zu lesen und sich darin zu verlieren. Gern hätte man die beiden "Jung" und "Alt" noch eine Weile begleiten wollen.

Fazit: Ein philosophischer Roman, der viele Fragen aufwirft, denen man sich selbst einmal stellen sollte. Gelungener Roman, den ich nur zu gern weiter empfehle.
11 Kommentar| 20 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Wer von uns hat sich nicht schon einmal gewünscht, mit den Erfahrungen von heute in die eigene Jugend zurückgehen und alles viel besser und richtiger machen zu können?
Der Richter a.D. Wilhelm Weitling bekommt diesen Wunsch unfreiwillig erfüllt, als er bei einem Segeltörn auf dem Chiemsee verunglückt. Statt im Krankenhaus wacht er an den Körper seines 16jährigen Ichs gekettet wieder auf, als Geist, der sich nur vom jugendlichen Willy lösen kann, wenn dieser schläft.
Monatelang begleitet Weitling sich selbst als Halbwüchsigen und bemerkt dabei, dass sich gegenüber seinen Erinnerungen kleine Änderungen einstellen. Er bekommt es mit der Angst zu tun, ist es doch nicht sicher, dass er in seine Zeit zurückkehren kann und seine geliebte Astrid wiedersieht.
Als Weitling entdeckt, dass sein dementer Großvater ihn hören und mit ihm reden kann, erfährt er, dass eine Zeitreise, wie er sie gerade erlebt, vom Großvater Sommerfrische genannt, sehr häufig vorkommt, und was man tun kann, um in sein erwachsenes Ich zurückzukehren.
Das gelingt Weitling, aber er muss feststellen, dass die vermeintlich kleinen Abweichungen in der Vergangenheit weit größere Abweichungen in der Gegenwart verursacht haben.
Dieser Roman ist ein wunderbares Buch, das man nicht so schnell vergisst und das man sicherlich auch noch mindestens ein weiteres Mal lesen wird, denn es steckt voller kluger Gedanken, philosophischer Betrachtungen und literarischer Bezüge.
Das Buch ist hervorragend geschrieben und spielt gekonnt mit der Idee eines Paralleluniversums und der Möglichkeit, Zeitreisen durchzuführen. Dadurch eröffnet sich eine ganz andere Betrachtung der durchlebten Lebensabschnitte und der getroffenen Entscheidungen, die den weiteren Lebensweg bestimmen.
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Sten Nadolnys neuem Roman "Weitlings Sommerfrische" liegt eine wunderbare Idee zugrunde: Was wäre, wenn wir in der Zeit noch einmal 50 Jahre zurück gehen und uns in den Kopf unseres jüngeren Selbst versetzen könnten? Genau das passiert dem pensionierten Richter Wilhelm Weitling, als er während eines Unwetters auf dem Chiemsee segelt. Der 68-Jährige findet sich als Geist in dem 18-jährigen Willi wieder, kann sich diesem aber nicht mitteilen.

Fortan wundert sich Wilhelm über vieles, was Willi so tut und lässt - wie ungeschickt er zum Beispiel ein Mädchen anspricht, das ihm gefällt, dass er in der Schule eine Art Totalverweigerung an den Tag legt oder dass er sich nicht stärker gegen politische und gesellschaftlichen Meinungen zur Wehr setzt, die in den 50er-Jahren noch Konjunktur hatten - wie den immer noch existenten und kaum verhohlenen Antisemitismus oder die Bewunderung für Hitler bei einigen Unverbesserlichen. Zu Weitlings Entsetzen läuft jedoch das Leben des 18-Jährigen nicht genauso ab, wie er es in Erinnerung hat. Wird er jemals seine geliebte Frau Astrid wiedersehen?

"Weitlings Sommerfrische" ist eine gelungene Mischung aus amüsanter Unterhaltung und tiefergehenden philisophischen Fragestellungen, wie: Können wir eigentlich unseren eigenen Erinnerungen trauen? Wäre, bei nur geringfügigen Änderungen, auch ein gänzlich anderer Lebenslauf möglich gewesen? Auch die Frage, ob Gott existiert, taucht an vielen Stellen auf. Möglicherweise ist der Roman insgesamt einen winzigen Tick zu betulich. Der ältere Weitling dürfte ruhig ein bisschen verzweifelter wegen seines Geist-Zustands sein. Auch die Gefühlsaufwallungen eines 18-Jährigen fehlen weitgehend. Ohne das plätschert der Roman zwar unterhaltsam, aber etwas unspannend vor sich hin. Dennoch empfehlenswert.

Sten Nadolny, geboren 1942, ist durch seinen zweiten Roman "Die Entdeckung der Langsamkeit" (1983) bekannt geworden. Auch "Selim oder die Gabe der Rede" (1990) fand große Beachtung. In "Weitlings Sommerfrische" hat er einige Details aus seiner eigenen Biographie verarbeitet: Wie Nadolny hat eine Weitling-Parallelexistenz des Richters Geschichte und Politikwissenschaft studiert, er ist Autor wie sein Pendant im richtigen Leben, und die Eltern beider waren ebenfalls Autoren.
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am 29. August 2012
Wer an Sten Nadolny denkt, denkt automatisch an sein Buch DIE ENTDECKUNG DER LANGSAMKEIT. Dieser brillante Roman über einen Seefahrer, der mit seiner bedächtigen Art seine Umgebung irritiert und verblüfft, war einfach geprägt von Spannung und grosser Unterhaltung. Was danach kam war eher Durchschnitt, langatmig und sehr bemüht
Umso mehr durfte man auf sein "Alterswerk" gespannt sein. Vorweg muss gesagt werden, dass Nadolny in diesem Roman wieder sehr geistreich und unterhaltsam eine Geschichte erzählt und man als Leser gerne in diese Welt eintaucht, die er beschreibt. Er kann auch wieder witzig sein und wie schon in seinen anderen Büchern recht subtilen Humor entwickeln. Gerne benutzt er da Vorlagen aus seinem "Zettelkasten", die auch als Kalenderweisheiten durchgehen könnten. So heisst es einmal: "Ich kenne einen Neunzigjährigen, der sehr glücklich ist, aber eine Zukunft hat er auch nicht mehr". Oder wenn er seinen kleinen Dachschaden als Wackelkontakt beschreibt.
Der junge Ego gefällt allgemein besser als sein alter Ego, auch wenn beide eindeutig miteinander verwandt sind. Allerdings hat sich Nadolny nicht auf eine stringente Erzählweise einlassen wollen und sich dafür auf eine fürchterliche Konstruktion der Verschachtelung der Geschichte versteift, die das Lesevergnügen doch ziemlich reduziert. Das ist sehr schade, sonst wäre die Freude an dieser Geschichte weitaus ungetrübter
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am 2. März 2013
Die Idee einer Zeitreise in die eigene Jugend ist interessant und vorallem das Zurückkehren in das eigene, nun aber schon veränderte Leben ist gut durchdacht. Trotzdem konnte der Roman keine Begeisterung bei mir auslösen. Das interessante Thema ist so erzählt, das es mich nicht gepackt hat. Das Buch ist mir persönlich nicht spannend genug und vieles fand ich sehr langweilig. Für mich höchstens eine Abendlektüre zum Einschlafen.
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am 15. Februar 2013
Die Idee, sein Leben - um Jahrzehnte zurückversetzt - noch einmal zu leben, ist nicht ganz neu.
Der Protagonist begleitet hier - nach einem Bootsunfall als "Geist" - sein jugendliches Ich durch diverse Stationen seiner früheren Existenz. Durchaus interessant und spannungsfördernd sind die Diskrepanzen im Erleben / Erinnern, die das Nachdenken über den alternativen Verlauf eines bereits gelebten Lebens anregen.
Als leider äußerst nervend - in permanent zunehmendem Maße - wird die ungeheure Fülle von kurzen Detailschilderungen aus dem Damals empfunden: Personen, Landschaften, die nähere Umgebung, Verhaltensweisen, Buchinhalte, Schülerdasein, Lehrpersonen... alles nahezu immer nur kurz angerissen - und schon das nächste!
Und es geht in diesem Stil auch weiter, als Weitling ins tatsächliche, nun in der Tat veränderte Leben zurückkehrt.
Nadolny schreibt das wie unbeeindruckt - undramatisch - auf, klingt alles ganz normal, nicht etwa, als sei da etwas Unerhörtes und Unglaubliches mit seinem Protagonisten geschehen.
Wieder "erschlägt" den Leser eine Detailfülle, denn nun müssen ja Rück- und Querbezüge zu Leben Nr.1 hergestellt werden.
Ich habe - des intensiven Lesens durchaus mächtig - irgendwann den Überblick verloren und die letzten 30 oder 40 Seiten nur noch diagonal durchgeblättert. (Was NICHT heißt, dass ich es nicht noch einmal versuchen werde! Nadolnys Werk hat eine hohe sprachliche Qualität und ist vielfältig gewürzt durch intelligente Einlassungen des Erzählers.)
Vielleicht tue ich Nadolny ja ein bisschen Unrecht: Aber m.E. hat er es zu gut mit der akribischen Umsetzung SEINER Variante von "Wie wäre mein Leben wohl verlaufen, wenn..." gemeint.
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am 30. November 2013
Mit einem genialen Kunstgriff taucht Nadolny mit seinem Leser, der sich gerade noch wohlig in der Gegenwart räkelt, ins kalte Nass ab und in den 50er Jahren, Nähe Chiemsee, Traunstein, Chieming wieder auf. Geistreich, tiefsinnig, hintergründig, weise und spannend wird am Zipf (Bootssteg/ Landzunge) ein Zipfel deutscher Geschichte zelebriert. Zeitreise einmal ganz anders.

Dieser Roman trägt stark autobiographische Züge, denn der Autor ist in der beschriebenen Gegend aufgewachsen, beide Elternteile, Isabelle und Burkhard Nadolny haben sich der Schriftstellerei gewidmet, Isabelle Nadolny ist heute noch ein Begriff, Vorbilder, denen Sten eigentlich nicht nacheifern wollte, und sein Großvater, Alexander Peltzer, war ein begabter Maler. Vom Vater Weitlings, des Protagonisten, schreibt der Autor deshalb: „Ich bin Richter geworden, um anders zu sein als mein Vater, jetzt gebe ich ihm jeden Tag mehr Recht, manchmal dürfte ich ihm sogar ähneln“, von der Mutter: „Hinnehmbar schien mir zu fast allen Zeiten, das sie mich geboren hat.“

Laut wiki ist Sten Nadolny eine Zeitlang in Berlin als Geschichtslehrer tätig gewesen. Glücklich alle, die seine Lehrstunden genießen durften. Sprachwitz, Erzählkunst, eben Können in jedem Wort und Satz, zeichnen Autor und Buch aus. Richter ist er jedoch nie gewesen, aber wie es sich damit verhält, erfährt man in der kurzweiligen Geschichte.

Fazit: „Weitlings Sommerfrische“ ist eine Expedition in die Vergangenheit ohne je den Bezug zur Gegenwart zu verlieren, von Gert Heidenreich meisterhaft interpretiert. Ein Juwel der Gegenwartsliteratur!
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am 20. April 2013
Der Richter a.D. Wilhelm Weitling macht einen Bootsausflug auf dem Chiemsee, an dem er ein Haus besitzt, und wird von einem Gewitter überrascht. Dabei widerfährt ihm ganz Ähnliches wie als jungem Mann schon einmal: Er verunglückt und gerät in Lebensgefahr. Plötzlich verwischen sich die Zeitebenen. Wie in dem wunderbaren Comic-Roman Vertraute Fremde von Jiro Taniguchi erlebt sich Weitling plötzlich in seiner eigenen Kindheit. Als unsichtbarer Geist kann er seinem früheren Ich zuschauen bei Schulalltag, jugendlicher Schwärmerei und dem Umgang mit seinen Nächsten. Nur wenige können ihn, den Geist, wahrnehmen, so etwa sein Großvater. Der teilt ihm mit, dass er so eine Zeitreise auch schon einmal unternommen habe, und nennt sie "Sommerfrische". Zu seiner Verunsicherung stellt Weitlings Geist jedoch bald kleine Unkorrektheiten in seiner Biografie fest. Ein wichtiger Preis, den der Vater, ein Schriftsteller, bekam, bleibt plötzlich aus. Dieser wird daher nie Bestseller-Autor, sondern bleibt zeit seines Lebens verkannt. Und schließlich wird auch Weitling nicht Richter, sondern Schriftsteller. Und nicht seine Mutter ist diejenige, die früh verstirbt, sondern sein Vater. Weitling wird immer nervöser, je länger er seine eigene Geschichte umgeschrieben werden sieht. Oder ist das sogar die wahre Geschichte und was er bisher für die Wahrheit hielt, falsch?
Schließlich wird Weitlings Geist in die Unglückssituation am See zurückgesogen. Wieder kämpft er um sein Leben, doch er kehrt danach nicht in das Leben zurück, das er vor der Bootstour verlassen hatte, sondern in das, dessen Ursprünge er als Geist gesehen hat. Und ganz zum Schluss meldet sich dann noch eine ganz andere Stimme zu Wort, die noch einmal eine andere Wendung parat hält.

Dem Roman von Sten Nadolny, der sich auch hier wieder als patenter Erzähler erweist, der auf überflüssiges Palaver verzichtet, verfügt über einen interessanten, wenn auch in Anbetracht so bekannter Vorbilder wie Charles Dickens' Weihnachtsmärchen oder dem genannten Comic-Roman von Taniguchi nicht sonderlich originellen Ansatz, macht aber nach meinem Dafürhalten zu wenig daraus. Der Schmetterlingseffekt, kleine Abweichung, große Wirkung, auf ein Menschenleben angewandt, das ist eigentlich der Stoff für spektakuläres Hollywood-Kino. Das war erwartungsgemäß Nadolnys Sache nicht. Er zieht das Unspektakuläre, die kleinen, mitunter berührenden Momente des Alltags, dem großen, Weichen stellenden Drama vor. So tritt der Roman, namentlich in den Kapiteln, die den jugendlichen Wilhelm zeigen, zwar lange Zeit auf der Stelle, schafft auf der anderen Seite aber auch eine Atmosphäre, die zum Innehalten und zur Reflexion einlädt über Fragen wie: Was trägt? Was macht mein Leben zu dem, was es ist? Existiert Gott? Der Autor lässt beispielsweise durch die zwei abweichenden Biografien seiner Hauptfigur einen gläubigen und einen nicht-gläubigen Weitling miteinander in Konkurrenz treten. Am Ende verzichtet er freilich nicht darauf, selbst eine Synthese der beiden Modelle anzubieten, die dem Existenzialismus nahe steht.

Fazit: Die zugrunde liegende Idee verspricht mehr, als der letztlich unspektakuläre Roman hält; die Einladung zur Meditation über Grundpfeiler der menschlichen Existenz werden Leser, denen es bei Büchern nicht um schnellen Konsum geht, jedoch dankbar annehmen.
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am 10. Januar 2013
Wilhelm Weitling, Richter a.D. wird mit 68 Jahren bei einem Bootsunfall auf dem Chiemsee, zwischen Leben und Tod schwebend, in den Körper seiner Jugendzeit versetzt. Während der Rettung aus höchster Seenot springt sein „Geist“ zurück ins Jahr 1958 und wird unfreiwillig an den Körper des damals 16-jährigen Willy gebunden. Willy erlitt vor 52 Jahren, am selben Ort einen nahezu identischen Bootsunfall. Während der Rettungsaktion vermischen sich die Zeiten und Weitling kann zunächst die beiden Realitäten nicht mehr einordnen. Ist er schon tot oder lebt er noch? Für die nächsten 7 Monate lebt er als unbemerkter geistiger Begleiter beim 16-jährigen Willy, aber mit dem vollen Bewußtsein des 68-jährigen Wilhelm Weitling. Weitlings „Sommerfrische“ ist diese Zeit der Wanderung zwischen Zukunft und Vergangenheit. Der weitere Fortgang mit allen überraschenden Wendungen und Zeitverschiebungen ist dargestellt als intelligente und literarisch hochwertige moderne Erzählung, auch mit anregenden philosophischen Weisheiten und einer authentischen bildhaften Darstellung der 50-er Jahre. Der Roman verdient die volle Punktzahl. 5 Sterne.
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