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Kundenrezensionen

3,3 von 5 Sternen
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am 24. September 2013
Wer ein paar harmlose, amüsante kulturelle Missverständnisse sucht, ist hier an der falschen Adresse: Anders, als der Titel verspricht, ist dieses Buch als vollständige Dekonstruktion der japanischen Gesellschaft angelegt. Der Autor schildert dieselbe als durch und durch verrottet; in jedem Kapitel werden neue Gruselgeschichten erzählt, neue Abgründe unter der oberflächlichen Niedlichkeit freigelegt. Das liest man anfangs noch mit wohligem Schauer; von Kapitel zu Kapitel jedoch wird die Kritik fundamentaler, ohne dass die Argumente Schritt halten könnten. Diese bleiben stattdessen im Anekdotischen. Unversehens wird einem klar, dass man die ganze Zeit an einem Stammtisch saß -- und glaubt nun gar nichts mehr. Als einzige Gewissheit bleibt: Das kulturelle Missverständnis ist dieses Buch selbst.
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am 27. Oktober 2013
Nach 'Darum nerven Japaner' also ein zweites Japan-Buch von diesem Autor. Selbes Thema, ähnlicher Titel. Bringt so ein Buch überhaupt was Neues, oder wird altbewehrtes einfach recycelt?

Die letzte Frage kann man, wie ich meine, verneinen, auch wenn das Vorwort als Anspielung auf den Vorgänger erklärt, 'die Japaner nerven noch immer'. Die Kritik wird fundamentaler, hier hört man jemanden, der im Land angekommen ist und gerade als Exilant einen schärferen Blick für die Schattenseiten der einheimischen Gesellschaft hat - übrigens ein häufig zu beobachtendes Phänomen! Während in 'Darum nerven Japaner' mehr oder weniger harmlose Lästereien vorherrschten, liegt bei diesem Buch der Schwerpunkt auf ernsthafter Kritik. Beklemmend sind die Schilderungen des offenbar ungerechten Justizsystems, der mal mehr, mal weniger offenen, aber konsequenten Diskriminierung von Ausländern, der allgemeinen Unfreiheit der Japaner, die sich dem Druck ihrer Firma und ihres Chefs beugen, freiwillig unbezahlte Überstunden machen und dann noch den Chef zum Trinkgelage begleiten. Der Supergau von Fukushima wird in einem sehr bewegenden Kapitel behandelt, bei dem einem das Lachen über vorher ausgebreitete Schrulligkeiten im Halse stecken bleibt. Das alles wird, wie ich finde, ohne westliche Arroganz erzählt, der Ton des ganzen ist besorgt und nur teilweise spürt man noch die Distanz des Exilanten - vor allem da, wo es um die von Christoph Neumann diagnostizierte Unfreiheit der Japaner geht. Aber hin und wieder wirkt die Kritik (oder, in diesem Fall, Mäkelei) des Autors überzogen, z. B., als er sich über die ach so unhygienische Angewohnheit der Japaner auslässt, Abends zu duschen bzw. sich zu waschen statt morgens wie jeder gute Deutsche. Nun ja, das ist im internationalen Vergleich, soweit ich das beurteilen kann, häufig, dass man sich vor dem zu Bett gehen wäscht, ob man da so ein Fass aufmachen muss, ist m.E. fraglich. Und um ehrlich zu sein, auch ich gehöre, vor allem, wenn ich morgens früh raus muss, zu den Abendduschern, schlicht weil ich morgens nicht gut aus dem Bett komme;-). *räusper* Aber das nur nebenbei.

Die oben erwähnten Schrulligkeiten wirken ein bisschen als Atempausen, die Passagen über Fans, die hobbymäßig ihrem Idol überall hin nachreisen, über die skurrilen Formen der Kommunikation oder über die übergroße Scheu vor Exkrementen lesen sich dann wirklich wie aus dem Vorgängerbuch entnommen. Aber sie dienen hier als Auflockerung, damit man sich von dem starken Tobak aus vorigen Kapiteln erholen kann, während sie im Vorgänger der Hauptzweck sind.

Stilistisch ist das Buch wie der Vorgänger flüssig und flott geschrieben. Aber diesmal leistet sich der Autor die ein oder andere Schlampigkeit - "ein Mafiosi" statt "ein Mafioso", oder dieses ständige "nämlich". Gerade weil der Vorgänger so sprachgewaltig war, stolpert man beim Lesen über solche Fehler.

Fazit: Eine beklemmende und zu geringeren Teilen lustige Fortsetzung, die natürlich nie eine wissenschaftliche Studie über Politik und Gesellschaft Japans sein wollte. Das macht der Titel und das macht das etwas trotzige Vorwort deutlich, und wer trotzdem bei der Lektüre verwundert und enttäuscht war, "am Stammtisch gelandet zu sein" - da weiß ich auch nicht, was vorher die Erwartungshaltung war. Das hier ist ein programmatisch auf den Putz hauender Erfahrungsbericht, aber einer, der durch über ein Jahrzehnt des freiwilligen Aufenthalts im Land eine ausreichende Grundlage hat, um fundiert kritisieren zu können. Einen Stern Abzug für die stilistischen Fehlgriffe und übertriebenes Gemäkel. Insgesamt aber ein empfehlenswertes Buch für Japan-Interessierte, die nichts gegen politisch unkorrekte Innenansichten aus den Augen eines Ausländers haben.
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am 29. September 2015
Der erste Teil war schon sehr amüsant, also musste ich mir den zweiten auch zu Gemüte führen. Während im ersten Teil noch hauptsächlich eigene Erfahrungen geschildert wurden, werden hier hauptsächlich Geschichten von anderen Personen mit der Meinung und der Erfahrung des Autors gemischt. Das tut dem ganzen aber keinen Abbruch und liest sich dennoch gut. Ich kann es wärmstens empfehlen.
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am 10. Oktober 2013
... unsere Japaner ;-)

Wie sein erstes Buch zeigt dieses wieder einige neue Kuriositäten des japanischen Wesens und Alltags auf, welche sich dem durchschnitstouristen nicht erschließen. Wer das erste Buch gelesen hat, wird jedoch einiges wiedererkennen, aber die neuen Geschichten sind es trotzdem Wert dieses Buch zu holen. Im Vergleich zum alten Buch finde ich, dass sich Herr Neumann nicht mehr so stark "aufregt" sondern mehr mit Witz und Ironie an die Sache herangeht, was einen objektiveren Eindruck vermittelt. Trotz viel Kritik an den Japanern gibt es aber auch immer wieder Lob und Anerkennung.
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am 25. Oktober 2013
Zugegeben: Als ich Christoph Neumanns erstes Buch "Darum nerven Japaner" damals rezensierte, hab ich es nicht unbedingt in den höchsten Tönen gelobt. Und trotzdem: Ich blätterte immer wieder gerne rein und freute mich, als ich vom bevorstehenden Nachfolger "Darum spinnen Japaner" erfuhr.
Nun hab ich es gelesen, der Autor hat bis dahin noch etliche weitere Jahre in Japan verbringen können. Irgendwelche neuen Erkenntnisse des deutschen Tokioters?

Insgesamt ist es ein weiteres unterhaltsames Buch der Skurrilitäten und Besonderheiten des Landes Japan (insbesondere der Stadt Tokio), nur dass die Themen (zumindest teilweise) etwas spezifischer erscheinen. Ging es im ersten Buch etwa ums Feiern, um die Ernährung oder um Sex, erzählt Autor Christoph Neumann davon, warum japanische Erwachsenenfilme der Erotikbranche ihre eigene Kunstform geworden sind, wie Japaner wann gern über Grunz- und Schlürflaute kommunizieren, wie unterwürfig man sich oft im Berufsleben geben muss (und warum ein "Guten Tag" eine Beleidigung darstellt) oder auch wie es sein kann, dass so manche supergünstige Wohnung in den besten Stadtgebieten nicht gerne von Japanern bewohnt wird (Stichwort: Geister).
Sicher, über diese Themen und andere kann man groß und breit schmunzeln, sogar lachen, selbst wenn man weiss, dass nunmal jedes Land seine Macken und Markenzeichen hat.
Stellenweise wird es dann - absichtlich - schon weniger lustig im Buch: So berichtet Neumann von seinen Erfahrungen mit der Katastrophe von Fukushima im März 2011 und erzählt von Zuständen in japanischen Gefängnissen (Ade, Menschenrechte). Stimmungsmäßig also durchaus ein Mix, aber meist geht es doch amüsant zu.
Und ob Arbeitswelt, Liebe & Sex, Reisen oder schlicht das einfache Miteinander in der Gesellschaft, man wird gewiss Themen entdecken, die einen interessieren und in Staunen - oder Kopfschütteln - versetzen.

Vielleicht erweist sich das Buch sogar als hilfreich, wenn es darum geht, Fettnäpfchen im japanischen Alltag - ob als Tourist oder frisch Zugereister - zu erkennen. Beispielsweise gelten, wie erwähnt, andere sprachliche Standards bei der Kommunikation mit Vorgesetzten und Kunden. Und es sicher nicht grundfalsch, weiteres über Sauberkeit und Toiletten in Japan zu lernen.

Ich kann's also empfehlen, für Neuleser auch gern im Doppelpack mit dem Vorgängerbuch "Darum nerven Japaner". Schön, dass sich Christoph Neumann, "Der Deutsche", wieder zu Wort gemeldet hat. Man kann heimlich hoffen, dass er weiterhin in Japan bleibt, um Stoff für ein eventuelles drittes Buch sammeln zu können ;)
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am 10. Juli 2014
Ich bin den letzten drei Jahren etwa 20 Mal nach Japan gereist. Das erste Buch von Herrn Neumann über Japaner - Titel: Darum nerven Japaner - hatte ich gelesen, nachdem ich vor ungefähr acht Jahren erstmalig in Japan gewesen bin. Dieses erste Buch hat mir sehr gefallen, das hier bewertete zweite Buch hingegen nicht.

Ich hatte beim Lesen fast immer das Gefühl, dass sich der Autor von Japanern nicht hinreichend beachtet fühlt. Dass Japan kompliziert ist, weiß Herr Neumann besser als ich, denn er hat Japanologie studiert, dort studiert und sogar promoviert und lebt in Japan seit vielen Jahren. Das lächelnde Auge, mit dem das erste Buch geschrieben wurde, ist verloren gegangen. Und nicht selten wirkt das Buch schnell zusammengeschrieben.

Noch ein paar allgemeine Sätze zum Inhalt: Die Beschreibungen sind nach meiner persönlichen Erfahrung keineswegs überzogen. Meine Erfahrungen decken sich in vielen Bereichen, obwohl ich nicht in Japan gelebt habe und auch nie in die Gesellschaft einbezogen war. Das Kapitel mit den Erfahrungen von Herrn Neumann, die er während der Zeit nach dem Tsunami gemacht hat, ist prächitg gelungen.
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am 28. Juni 2014
Japan, der Inbegriff von Fassade & Wirklichkeit.

Lange hat es gedauert bis Herr Neumann, entgegen aller Anfeindungen u. falsch ausgelegten Ansichten, Puristen die Stirn bot und ein zweites Buch verfaßte. Dies ließ er auch - was ich definitiv begrüße! - gleich im Vorwort ,Japaner nerven noch immer' anklingen.

Mir seinen eigenem ganz willkürlichen Charme, Beobachtung, zwiespältiger Haltung zu seiner Wahlheimat bzw den jap. Sitten & Mentalität, der scharfen Zunge und Erfahrungsberichten, offenbart er dem Laien (wie auch eingefleischten Japanjunkies) erneut eine wahnspritzige Odyssee.

Unbefangen ist der Bericht daher natürlich ganz und gar nicht - kaum einer der mir Bekannten ist es. Darauf legt es Herr Neumann aber auch nicht an, obliegt sein Primärziel nicht nur dem Sermon, sondern der ungeschönten Darlegung der alltäglichen Stolpersteine im Reich der Sonne. Sicher, für uns als Nonsens bis schrullig verschrien, ist für Japaner Normalität. Dazu ist ein Hintergrundwissen förderlich, um die Seitenhiebe lax zu nehmen. Bisweilen nehmen viele Leser -wie oft erlebt- schon das mittlerweile überholte erste Band sehr ernst. Zu ernst! Man geht hier von neutraler Sachliteratur bzw. einem Reiseführer aus, hat also ganz andere Anforderungen an die Lektüre. Daraus resultiert Enttäuschung.

Auf dem Markt finden sich genügend solcher entsprechenden Werke, aber Herr Neumanns 'Einblick' zählt zur Unterhaltungsrubrik, nicht zur Aufklärung. Findige Menschen greifen in fundierte Geschichtsbücher oder, als Beispiel für einen aufschlußreichen Kurztrip: Gebrauchsanweisung für Japan.

Hiesiges Buch hatte wieder Themen dabei, die sich bereits im Vorgänger (Erstausgabe 2002) ,,Darum nerven Japaner'' fanden - nur zeitgemäß. Anderes findet dieses Mal nur partiell Erwähnung. Ansonsten handeln die meisten Kapitel vom Sein & Schein in Japan. Kurz: Das Ganze wirkt modifiziert & erweitert.

Durch ihre Glaubensrichtung(en) und Wortschatz, werden einige weltliche & ethische Ansichten in Japan negiert. Es gibt sie schlicht nicht. Egalitarismus: ein Unding in Japan! War es immer und wird es immer geben. Es bedarf Interesse und Grundwissen, um die Mentalität Nippons nachzuvollziehen bzw anzunehmen. Für einen Durchschnittseuropäer schwierig bis unmöglich.

Was war neu für mich? Eigentlich Kapitel ,,Knast - Das bessere China''. Egal was man meinte bisher zu kennen, das habe ich nicht erwartet. Zwar sinnig, rückkoppelt man alle Eigenheiten Japans, aber dennoch wieder einmal schockierend. Unfaßbar!

Besonders aktiv waren meine Lachmuskeln wieder bei Herrn Neumanns bildlicher Darstellung des Toiletten-Kapitels. Treffend und herrlich!

Kapitel:

- Männer ~ Trostlose Samurai
- Toiletten ~ Sauber - das bin ich mir wert, aber nicht du
- Lügen ~ Es lebe der Buchstabe des Gesetzes
- Niedlich ~ Sehnsucht nach dem ewigen Kawai
- Fernsehen ~ Ersatzparty auf Knopfdruck
- Erdbeben ~ Die Stunde Null
- Luxus ~ Warum billig, wenn's auch teuer geht
- Geister ~ Japaner glauben auch alles
- Knast ~ Das bessere China
- Jobs ~ Firma, laß mich dein Sklave sein!
- Partys ~ Feste feiern, wie sie nicht fallen
- Stars ~ Ruhm durch Berühmtheit
- Grunzlaute ~ Geschwätzige Mundfaulheit
- Osaka ~ Tokio ist überall
- Enge ~ Kein Witz: Kein Raum, kein Platz
- Pornos ~ Die Kunstgattung, die per Gesetz entstand
- Ausländer ~ ,,Willkommen in Japan, ihr A*schl*cher!''

Einzig - was ich der männlichen Spezies wohl nicht ankreiden darf - Herr Neumanns lapidare Haltung u. Darlegung zum Verhütungsmittel No. 1 seit den 50'ern, der Antibabypille, muß ich monieren. Ja, Japaner blenden aus, befassen sich mit unliebsamen Dingen ungern bis gar nicht. Und auch wenn hier die Blindheit des Durchschnittsjapaners an den Pranger gestellt wird, so kann sich Herr Neumann gleich an die Schlange hinten anstellen. Diese ach so praktischen Verhütungsmethode, ein revolutionärer Vorsprung für geplante Kinderlosigkeit, ist keineswegs harmlos oder positiv. In der Mainstream-Presse wird man kaum etwas dazu finden (lediglich in unabhängigen, nicht gefälschten Studien), ist die Gabe künstlicher Hormone ein massiver u. schädlicher Eingriff auf den weiblichen Organismus. 2005 hat die Weltgesundheitsorganisation Verhütungsmittel - besonders die mit vielen synthetisch enthaltenen Hormonen - als schlichtweg krebserregend eingestuft. Nur eine Nebenwirkung von vielen. Vergleiche mit Pillenschluckern u. Pillenfreien zeigten eindeutige Ergebnisse. Mittlerweile werden auch in Deutschland Pharmakonzerne von Opfern verklagt.

Zum Abschluß gab es noch ein kleines Intermezzo, ein abschließendes Wort Neumanns: ,,Über dieses Buch''.

Alles in einem verdient dieser Spaß wenigstens knappe drei Punkte von fünf. Bei mir sicher durch den Kenntnisstand etwas befangen. Trotzdem: Unterhalten tut Neumanns Darbietung noch immer.
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am 2. Januar 2014
Wer sich an Japan erfreuen will, sich euphorisch auf einen Trip vorbereiten will oder leichte Kost zum Lachen lesen will, dem ist von diesem Buch abgeraten.
Was das Buch ist, ist meiner Meinung nach eine Hetz-Tirade gegen die Japaner, die der Autor manchmal einfach nur nicht richtig versteht - oder nicht verstehen will. Allzu oft fasste ich mir an den Kopf, wie man DARAUS nur so unglaublich negative und verallgemeinernde Schlüsse ziehen kann. Kostprobe gefällig?

Thema Glauben, Zitat: "Einen Gottesdienst mit gemeinsamem Gebet oder Gesang sucht man ebenso vergeblich wie einen Priester oder Vorbeter, der die Gläubigen bei dieser Zeremonie spirituell begleiten würde. Wer einen Schinto-Schrein besucht, muss alles selbst machen." Danach erklärt er die Vorgehensweise des Betens. "Der Philanthrop mag hinter dem Schinto-Treiben spirituelle Befriedigung vermuten, und sicher gibt es auch einige Menschen, denen das Ganze Seelenfrieden verschafft, und bestimmt steht irgendeine uralte schintoistische Tradition hinter diesen Ritualen [...] - aber das alles spielt keine Rolle, weil es für die Japaner am Schrein keine Rolle spielt. Auf die Frage, warum sie sich dieser Prozedur unterziehen, hat bis jetzt noch jeder Japaner geantwortet: <<Weil man das an einem Schrein so macht.>> "

JA UND? Nur, weil sie dem Autor ihre eigenen, privaten Gefühle nicht erzählen, muss das nicht heißen, dass sie keine haben. Und wieso überhaupt fordert Neumann, dass es einen Priester oder Vorbeter geben müsste, der die Betenden "anleitet"? Ist es nicht wunderbar, wenn man seinen Glauben auch mit sich selbst austragen kann? Findet er es so viel besser, dass bei einem christlichen Gottesdienst einzig und allein der Pfarrer etwas zu sagen hat, und alle anderen stumpf und ohne selbst nachzudenken ihm nachplappern? Das kann er gerne besser finden, aber genau so dürfen die Japaner ihr privates Beten besser finden. Da braucht er sich nicht drüber lustig machen, indem er noch hypothetisch verdammt, dass Japaner auch beten und Geld spenden würden, wenn man in Rom eine Fake-Schinto-Schrein aufbauen würde. Was er aber tut. Aber auch hier: Was ist denn daran so schlimm, wenn man seinen Glauben überall hin mitnehmen kann und ihn auch in Rom zB praktizieren kann??

Ich verstehe diesen Mann einfach nicht: Warum lebt er überhaupt in Japan, wenn er doch alles so abgrundtief abstoßend findet? Weiteres Beispiel:
"Japanische Städte sind auf den ersten und auch auf den zweiten Blick total austauschbar; sie schauen alle gleich aus, und zwar alle gleich hässlich. Historische Gebäude sucht man vergebens..."
Wie bitte??? Was sind denn für ihn Tempel und Schreine? Dass in Tokyo kaum noch welche stehen, hängt damit zusammen, dass die Stadt im 2. Weltkrieg zerbombt wurde; deswegen steht da kaum noch etwas Altes. Aber in unzählig vielen anderen Regionen stehen historische Schreine und Tempel - die werden natürlich renoviert, oder zählt das dann auch nicht? Ich hab keine Ahnung, was Herr Neumann erwartet, vielleicht Fachwerkhäuser en masse.

Das Buch läuft einfach vollkommen auf dem Prinzip: "Was ich nicht kenne oder verstehe, find ich doof". Das liest man überall heraus. Ich ertappte mich immer weiter damit, selbst bei neutral beschriebenen Passagen, auf eine veralbernde, abfällige Schlussfolgerung zu warten. Die kam auch meistens.

POSITIVES
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Das Kapitel über Fukushima war sehr gut. Ich hatte vorher noch keine persönliche Schilderung gelesen, aber diese war echt gut und sorgte für Gänsehaut.

Bei dem Kapitel über das Justizthema glaubte ich Herrn Neumann ein wenig. Dadurch, dass zuvor (und auch danach) alle Mecker-Themen nur auf Anekdoten-Niveau waren, war ich zwar skeptisch über seine weiteren Ausführungen, aber hier glaubte ich ihm. Ähnlich beim Thema über die Pflicht-Überstunden in japanischen Firmen; über dieses Thema las ich aber schon andere Texte, wusste dies also bereits.

FAZIT
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Trotzdem, alles in allem: Das Buch ist einfach nur gehässig. Wer über Japaner lästern will, ohne andere Sitten und eine andere Kultur zu erlauben, hat hiermit gutes Material gefunden. Das ist kein "ungeschminkter Erlebnisbericht", wie der Klappentext es sagt, sondern engstirniges Meckern bis zum Abwinken.
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am 7. Dezember 2013
Christian Neumann hat mit diesem Buch ein wunderbares Stück "lehrreiche" Unterhaltungslektüre geschaffen, dass seinen Charme durch seinen flapsigen Tonfall, seine Erfahrung aus erster Hand (er lebt selbst seit vielen Jahren in Japan) und das breite Spektrum an Themen gewinnt.
Ich habe das Buch vor meinem Japan-Urlaub begonnen und danach abgeschlossen – und fand viele Beschreibungen von Absurditäten bestätigt (v.a. im hervorragenden Kapitel über Japanisches Fernsehen).
Berührend bzw. bedrückend sind die Kapitel über seine Erinnerung an Fukushima 2011 und der Bericht über die Japanische Justiz: der Autor zeigt dabei, dass es ihm nicht nur um locker-flockige Themen geht. Und er hält den Bogen zur Realität durch immer wieder eingestreute Anekdoten aus seinem eigenen Leben oder Gesprächen mit Einheimischen.
Meiner Meinung nach ist das Buch ein hervorragendes Geschenk für jeden, nicht nur für Japan-Reisende.
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am 10. August 2015
Japaner sind schon ein spezielles Völkchen.

Wer sich halbwegs aufmerksam auf einschlägigen Spaßseiten im Internet rumtreibt, wird früher oder später zwangsläufig über bizarre Exponate aus dem Land der aufgehenden Sonne stolpern. Stimmungsanzeigende Katzenohren sind da nur ein fast noch harmloses Beispiel.

"Darum spinnen Japaner" ist ein würdiger Nachfolger von Christoph Neumanns Erstlingswerk "Darum nerven Japaner" und erzählt von weiteren schrulligen Auffälligkeiten, mit denen der Wahl-Japaner in seiner neuen Heimat konfrontiert wurde.

Das Buch lässt sich flüssig lesen und ist großteils inhaltlich sehr kurzweilig. Der Autor lässt immer durchblicken, dass er viele Dinge zwar auch nach mehreren Jahren nicht unbedingt versteht, diese aber irgendwann mit Humor nimmt. Wenn man sich einige Kapitel so durchliest, bleibt einem vermutlich auch nichts anderes übrig.

Insgesamt überwiegen die humorvollen Aspekte aus dem Alltag der Japaner, was ich in dieser Form von dem Titel auch erwartet habe. Vermutlich deshalb haben mich die dennoch vorhandenen Kapitel mit vorrangig politischen Inhalten weniger interessiert. Das sollte Geschmackssache sein. während des Lesens hat mich auch das mittendrin eingeschobene und thematisch ernste Kapitel über das Erdbeben und den Tsunami im Jahre 2011 ein wenig irritiert, weil es in der Positionierung ein Bruch in der Gesamtstimmung war und hätte es zu diesem Zeitpunkt lieber ans Ende des Buches gewünscht. Da einige der folgenden Kapitel aber in Teilen darauf aufbauten, passte die Kapitelsortierung letztendlich doch ganz gut.

Für manche Kapitel hätte ich mir als Bonus gerne ein paar Illustrationen gewünscht, die hätten hier teilweise bestimmt gut reingepasst. Aber auch ohne war es wieder ein wirklich amüsantes Buch, das mir einige neue Erkenntnisse über dieses schrullige Inselvolk verschaffte.
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