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Kundenrezensionen

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Diesen Aufmacher schlägt der Walter Krämer den ARD-Tagesthemen vor, falls die Redakteure jemals sein Buch lesen und seine Auswertung der entsprechenden Daten zur Kenntnis nehmen sollten. Doch das wird nicht geschehen, denn scheinbar kann der Autor dieses Buches seinem Zweck dann wohl selbst nicht glauben, denn auf Seite 211 findet der Leser folgenden Aufschrei innerer Verzweiflung: "Seit wann helfen Kontra-Argumente gegen Glaubenssätze?".

Doch wer weiß, vielleicht verschafft der Text dem einen oder anderen Leser dann doch wenigstens eine gewisse Immunität gegen die mutwillige Verzerrung der Wirklichkeit, mit der man uns täglich zu manipulieren versucht.

Krämer, Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik an der Universität Dortmund, sammelt mit seinen Studenten seit Jahren Angstmeldungen. Da wird dann sicher auch die Meldung aus meiner Tageszeitung von vorgestern Platz finden, dass deutsche Kassenbons mit einem schrecklichen Gift verseucht sind. Vom täglichen Verzehr von mehr als zehn solcher Zettel ist daher dringend abzuraten.

Leider erzeugen solche blödsinnigen Meldungen auf Dauer im Unterbewusstsein eine diffuse Bedrohungsangst, die in Glaubenssätzen mündet, gegen die rationale Argumente anschließend kaum noch ankommen. Der Autor versucht es dennoch, schießt dabei aber leider in seinem verständlichen Ärger mehrfach etwas über sein Ziel hinaus. Ich komme darauf am Ende zurück.

Nachdem Krämer seine rhetorische Frage, ob wir Deutsche eine Nation von Panikmachern sind, beantwortet hat, widmet er sich der Funktionsweise der "Panikmechanik", wie er es nennt. Wenn Medien konkurrieren, dann geht es kaum noch um eine eventuell langweilige objektive Berichterstattung, sondern mehr darum, das Publikum mit einer "Story" zu fesseln, um die Einschaltquote oder die Verkaufszahlen zu pushen. Die oben erwähnte Kassenbon-Meldung erfüllt solche Kriterien. Erst nachdem man die Horror-Geschichte wirklich gelesen hat, erfährt man ganz am Ende etwas über die wirkliche (im Grunde lächerliche) Gefahr.

Bei einer solchen "Berichterstattung" bleiben Grenzwerte in der Regel unerwähnt oder werden so verschleiert, dass man sie nicht in Bezug zu realem Geschehen setzen kann. Gerne wird auch der Konjunktiv verwendet. Obwohl keine wirkliche Gefahr im Verzug ist, könnte ja doch vielleicht noch eine entstehen. Wer weiß das schon? Sehr beliebt ist auch die Verwendung von Maßeinheiten, die dem Publikum wenig Erleuchtung bescheren, dafür aber schrecklich klingen.

Der Autor geht im Weiteren noch auf andere Tricks in diesem Zusammenhang ein. Danach beschreibt er im folgenden Kapitel den Irrsinn von Grenzwerten. Unter anderem erwähnt er dabei den "Dioxin-Skandal" bei Bio-Eiern von 2010 und schreibt, dass der erlaubte Grenzwert bei Fisch um ein Mehrfaches höher ist. Mit anderen Worten: Während die entsprechenden Eier wahrscheinlich als Sondermüll entsorgt werden mussten, sind Lebensmittel mit einer möglicherweise viel höheren Dioxin-Belastung völlig untadelig. Doch der Blödsinn geht noch weiter. Was im Norden Deutschlands erlaubt ist, kann im Süden verboten sein. Und umgekehrt. Alles eine Frage des Grenzwertes.

In den beiden folgenden Kapiteln befasst sich Krämer mit der Frage, ob es uns nicht vielleicht zu gut geht, und gewissen Paradoxien in unserer Wahrnehmung. Denn vor bestimmten Gefahren besitzen wir eine recht große Angst, vor anderen wiederum nicht, obwohl das rational eigentlich nicht zu verstehen ist.

Das sechste Kapitel untersucht populäre Irrtümer über Krebs und ihre Folgen, während sich die beiden nächsten Abschnitte mit unserer angeblich irrationalen Chemiephobie und vergifteten Lebensmitteln beschäftigt. Kapitel 9 schließlich diskutiert den Zusammenhang zwischen Leukämie und Kernkraftwerken. Glaubt man dem Autor, dann sind die zum Beleg der von Kernkraftwerken angeblich erzeugten höheren Gefahr, an Leukämie zu erkranken, vorgelegten statistischen Untersuchungen fehlerhaft.

Oder besser: Man kann, wenn man möchte, solche Belege immer finden. Für alles und jeden. Das ist allerdings die einzige Stelle, wo es etwas mathematisch wird, wenn auch wirklich nur etwas. Krämer zeigt dann, wie eine objektive Auswertung vorhandener Daten aussehen müsste. Diese führt schließlich dazu, dass die Leukämie-Rate in der Nähe von KKWs unbedeutend niedriger als normal ist.

Das Buch endet mit der Frage, was uns die fehlende Rationalität am Ende schon gekostet hat oder noch kosten wird. Beispielsweise spekuliert Krämer hier, ob das Verbot von DDT am Ende nicht mehr gekostet als genutzt hat, weil Krankheiten sich ausgebreitet haben, die eine Anwendung von DDT verhindert hätte.

Leider beginnt aber genau hier mein Problem mit diesem ansonsten hervorragenden Buch. Solche Gegenüberstellungen sind nicht nur am Ende nicht wirklich quantifizierbar, sie verleugnen auch ein Problem, auf das Krämer nicht eingeht. Er schreibt, dass die meisten Gifte schließlich natürlich sind und schlussfolgert dann (vereinfacht ausgedrückt), dass unsere Angst vor dem wenigen Zeug, was die Menschen noch zusätzlich erzeugt haben, allein schon der Masse wegen unbegründet wäre.

Er unterschlägt dabei aber erstens, dass der Mensch und seine natürliche Umwelt nicht an (vom evolutionären Gesichtspunkt plötzlich und massenhaft erscheinende) unnatürliche Gifte gewöhnt sind und zweitens, dass beiden nicht nur die einzelnen Giftmengen zu schaffen machen, sondern ihre Summe und die unklare Wechselwirkung untereinander und mit natürlichen Stoffen.

Abgesehen davon hat mir Krämers Buch ausgezeichnet gefallen. Es liest sich leicht und verlangt keine besonderen Voraussetzungen. Auch wenn ich die Skepsis des Autors bezüglich der Überzeugungskraft von rationalen Argumenten gegenüber diffusen Glaubenssätzen teile, bleibt zu hoffen, dass dieses Buch zahlreiche Leser findet.

Fazit.
Ein sehr lesenswerter und äußerst informativer Text, der einen Kontrapunkt zu den täglichen Manipulationsversuchen der Medien setzt.
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VINE-PRODUKTTESTERam 14. Oktober 2011
"Ohne Angst wären wir Menschen ausgestorben" schreibt der Autor im vorliegenden Buch und spricht damit die evolutionäre Entwicklung an: Als die ersten Menschen einen Löwen sahen, flüchteten sie ohne nachzudenken auf einen Baum, andernfalls wären sie vom Raubtier aufgefressen worden. Erst reagieren, dann denken, hieß die Devise! Und dieses Verhalten hat sich bis in unsere Tage erhalten: Auch heute noch sehen wir eine Gefahr - und haben sofort Angst. Nur wird diese Angst heute meistens von den Medien künstlich produziert, denn "schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten" (für die Presse und damit für das Anzeigengeschäft ...). Alle paar Tage servieren uns Zeitung und Fernsehen Schreckensmeldungen: Lebensmittel sind vergiftet, diese oder jene Dinge erzeugen Krebs, hier und dort wird atomare Strahlung freigesetzt und so weiter ...
Da die meisten von uns jedoch ihren Alltag im "Hamsterrad" verbringen, bleibt eigentlich kaum noch Zeit, diese Gefahren kritisch zu hinterfragen und so sieht man sich schnell von Dämonen (oder wie auf dem Cover von Haien) umzingelt.

Walter Krämer versucht, seine Leser von diesen Gespenstern zu befreien, und ich finde, das ist ihm hervorragend gelungen. Seite für Seite führt er uns sachlich, aber durchaus lebendig in die Materie ein und widmet jedem Thema ein eigenes Kapitel.
Wir erfahren z.B., daß der Mensch beim Röntgen (und bei ähnlichen Geräten in unserem Alltag) mit mehr Strahlung belastet wird als in jenen anderen Fällen, die in der "Tagesschau" bedrohlich erwähnt werden (Endlager u.a.).

Wir lesen auch einiges über Krebs. Walter Krämer vertritt die Ansicht, daß Krebs eher nicht von gewissen Umweltbelastungen begünstigt wird, sondern eine völlig "normale" Folge der Zellteilung sei, die insbesondere mit steigendem Alter zunimmt. Da die Menschen heutzutage immer älter werden, gibt es auch mehr Krebsfälle. Dort, wo die höchste Krebssterbensrate sei (also die meisten Alten wohnen), wäre die Lebenserwartung folglich besonders hoch. Walter Krämer schlägt vor, genau dort hinzuziehen. Aber haben wir so etwas jemals in der Presse gelesen?

Sicherlich wird nicht jeder Leser alle Thesen durchwinken, und tatsächlich sollte man die eine oder andere Behauptung von Herrn Krämer genauso kritisch hinterfragen wie man das auch bei den Medien tun sollte - aber fest steht, daß das Buch unsere Welt auf den Kopf stellt und man einen neuen, gelegentlich sogar befreiten Horizont erhält. Schließlich leben Optimisten länger als Pessimisten - und darauf kommt es doch an, oder?

"Analphabeten müssen mit sozialer Deklassierung rechnen, während das Eingeständnis, von Mathematik und Zahlen wenig zu verstehen das soziale Ansehen ... sogar steigert", bemängelt der Autor und beschuldigt mit einem Augenzwinkern Goethe daran, weil dieser für das Selbstverständnis Deutschlands wohl mehr beigetragen hat als jeder Mathematiker. Krämer fordert seine Leser damit auf, sich mehr auf logische Fakten und Zahlen zu stützen anstatt den Wortgewalten unserer Zeit zu folgen. Zum Schluß liest man ein Zitat von Victor Hugo: "Die Zukunft hat viele Namen ... für die Tapferen ist sie die Chance."

In diesem Sinne möchte ich das Buch gerne empfehlen.
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am 6. Oktober 2011
Ein geniales Buch, man müsste es zur Pflichtlektüre in der Schule machen, aber vor allem für die jeden Tag dem Zeitgeist hinterher hechelnden Politiker und die selbst ernannten journalistischen Volkserzieher. Es zeigt die Mechanismen der manipulativen Volksverdummung durch messianische Gutmenschen und Weltverbesserer auf, die täglich eine andere virtuelle Megagefahr ausmachen und als Sau durch's Dorf treiben - fernab jeglichen Realitätsbezuges. Der Schreibstil ist fesselnd, eingängig und überzeugend, dabei aber sine ira et studio. Man ertappt sich anschließend dabei, bei der Zeitungslektüre und ebenso bei den Politmagazinen in ARD und ZDF die täglichen Skandal- und Horror-Meldungen über GAU, Weltuntergang und Todesgefahren allerorten noch mehr zu hinterfragen als bisher. Damit hat Krämer sicher eines erreicht: In den "kritischen" Kulturmagazinen etc. wird sein Buch entweder verrissen oder totgeschwiegen werden. Mehr Anerkennung kann er kaum erreichen ;-)
P.S.: Ich hatte mir gleichzeitig die Neuausgabe von Krämers "So lügt man mit Statistik" (Taschenbuch, 9,95 €) bestellt. Thematisch zwangsläufig etwas trockener, aber ebenso verständlich geschrieben und - bisweilen ironisch - ausgesprochen aufklärend. Der Doppelpack macht resistenter gegen Leichtgläubigkeit und Manipulierbarkeit durch Politik, Interessengruppen und Medien.
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TOP 500 REZENSENTam 8. September 2011
Während jedermann ganz selbstverständlich davon ausgeht, dass Entscheidungen grundsätzlich rational und bewusst getroffen werden, wird durch immer mehr Studien aufgezeigt, wie unglaublich oft wir uns doch unterbewusst beeinflussen lassen. Dieses Buch beleuchtet nun den Teilbereich der Gefahrenwahrnehmung, d.h. vor welchen Krankheiten und Umwelteinflüssen fürchten wir uns und warum.

Es wird schlüssig dargelegt, dass unsere persönliche Gefahrenwahrnehmung zum Teil extrem von der statistisch zu erwartenden Eintrittswahrscheinlich abweicht. Dabei hat unser Handeln, um diese Gefahren zu vermeiden, oft groteske und unerwartete Folgen.

Obwohl der Autor sehr verständlich schreibt, ist der Schreibstil trotzdem der einzige erwähnenswerte Kritikpunkt. Der Autor wird offensichtlich so emotional erregt von der insbesondere in den (deutschen) Medien verzerrten Darstellung der Sachverhalte, dass er zu langen Ausschweigungen neigt und sich viele Aussagen auch an den verschiedenen Stellen des Buches wiederholen.

Fazit:
Man erhält durch dieses Buch sehr faszinieren Erkenntnisse wie (falsch) wir doch die verschiedenen Gefahren einschätzen. Inhaltlich gibt es dabei an den Ausführungen nichts zu kritisieren. Lediglich aufgrund der manchmal bis ins oberlehrerhafte gehenden Art des Autors leidet der Lesespaß zuweilen etwas.
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am 26. August 2011
Wer kann sie noch hören, diese zusammengeklaubten Warnungen über irgendwelche potenziellen Gefahren? Krämers neuestes Buch beginnt mit der Aufzählung aberwitziger Alarmmeldungen, die von den Gefahren durch herabfallende Kokosnüsse und von vermeintlich sich häufenden Hai-Angriffen handeln. Und woran sterben die Deutschen tatsächlich (d.h. vorfristig)? An Übergewicht, zu hohem Blutdruck, an Diabetes, mangelnder Bewegung und Rauchen. Danach kommen Straßenverkehr und Haushaltsunfälle. Und worüber schreiben die Medien am meisten? Über Bakterien in Autowaschanlagen, das angeblich erhöhte Hautkrebsrisiko von Marathonläufern und Erdnuss-Allergien. Die Diskrepanz zwischen Berichterstattung und tatsächlichen Gefahren ist offenkundig.
Krämer geht es nicht um Meinungen, sondern um Fakten und Logik. Untersuchungen belegen, dass die Zahl der Zeitungsartikeln in negativer Korrelation zum tatsächlichen Gefährdungspotenzial eines Risikos steht. Alle zwei Jahre stirbt ein Mensch in den USA durch den Angriff eines Hais, dazu gab es 276 Zeitungsartikel (im Jahre 2002). Jährlich sterben ungefähr 10.000 Menschen in den USA an Hautkrebs; in dem genannten Zeitraum wurden dazu 100 Zeitungsartikel geschrieben. Ob ein einziges Kind je an Bisphenol Alpha in Babyschnullern erkrankte, ist mehr als unwahrscheinlich. Die Medien berichten aber so, als ob die Menschen unmittelbar von einer tödlichen Bedrohung stehen.
Krämer wendet viel Aufmerksamkeit darauf zu belegen, dass die Alarmliste der deutschen Medien und die Bereitschaft der Bevölkerung, darauf anzusprechen, in Deutschland größer sind als in anderen Ländern. Seine Recherche ergab, dass die "Süddeutscher Zeitung" und die "Frankfurter Rundschau" (nicht jedoch die FAZ) drei- bis viermal mehr Angstmeldungen als "El Pais" in Spanien, "Le Figaro" in Frankreich oder "La Repubblica" in Italien publizieren. Weil in Deutschland fast nicht passiert, sind Horrormeldungen aus dem Ausland hierzulande sehr beliebt. Bei der Fukushima-Havarie schien in Deutschland die Welt unterzugehen, nicht in Japan. Die Angst ist ein Meister aus Deutschland. Wir leben wie die Prinzessin auf der Erbse, sagte Krämer. Das winzigste Unbehagen wird zum Skandal aufgeblasen.
Krebs ist die Angstmetapher schlechthin für unsere Zeit. Die Formel, "steht im Verdacht krebserregend zu sein", ist ein probater medialer Panikverstärker. Tatsächlich ist Krebs unvermeidlich, weil bei der DNA-Replikation unweigerlich Fehler auftreten. Je länger wir leben, desto länger haben unsere Zellen Zeit, bei ihren Teilung und Vermehrung Fehler zu machen. Die Krebshäufigkeit in den einzelnen Altersstufen steigt seit Jahrzehnten nicht, was darauf hindeutet, dass die Industrialisierung mit der Krebshäufigkeit nichts zu tun hat.
Ausführlich beschäftigt sich Krämer mit der schon systematisch zu nennenden Desinformationskampagne politisch interessierter Kreise bezüglich einer angeblich erhöhten Leukämierate in der Nähe von bestimmten Kernkraftwerken. Im Rahmen einer internationalen Studie wurden weltweit 240 Leukämie-Cluster (Häufungen) gefunden, vier von ihnen lagen um ein Kernkraftwerk herum. In Deutschland etwa liegen die Erkrankungsraten für Kinder bis 14 Jahre in der Nähe der Kraftwerke Brokdorf, Brunsbüttel, Grohnde, Grundremmingen, Stade, Philippsburg, Lingen und Würgassen u n t e r dem Landesdurchschnitt. Um Brokdorf hatte man sechs Fälle erwartet, es gab aber nur vier. Einen wirklichen Einfluss auf die Leukämierate bei Kindern hat hingegen der soziale Status: die Leukämierate in den reichen Gegenden ist um 50 Prozent höher als in den ärmsten Gegenden.
Krämer weiß aber auch, dass die überzeugendsten Argumente gegen Panikmache an den meisten Menschen abprallen. Die Einstellung zu Gefahr und Risiko ist nicht kopf-, sondern bauchgesteuert. Aber mit Argumenten besteht immerhin die Chance, dass sich die Risikobewältigung Zentimeter für Zentimeter von den Gefühlen weg zur Vernunft verschiebt.
Dieses Buch ist allen Parlamentariern, Journalisten, Grünen und Umweltschützern wärmstens zu empfehlen.
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am 2. Juli 2012
Eigentlich kann einem der Autor Leid tun. Man merkt jeder Seite an, dass er sich dabei den Frust von der Seele geschrieben hat. Den Frust über seine völlig bescheuerten Mitbürger, von denen er weiß, dass jede Hoffnung auf Einsicht und Verständnis vergebens ist. Krämer hält uns allen einen Spiegel vor. Besonders aber jener neuen Gattung Mensch in Deutschland, die über keinerlei naturwissenschaftliche oder technische Allgemeinbildung verfügt, aber sich über alles eine Meinung anmaßt und natürlich mitreden will.

Und er hat recht. Wir leben in einer Gesellschaft, die einerseits Luxus und Wohlstand einfordert, andererseits aber in reinster Vollkasko-Mentalität auf das tägliche Rundum-Sorglos-Paket besteht. Die sich über jede Sau freut, die neu durchs Dorf getrieben wird und die auch den gößten Medien-Unsinn gierig aufgreift. Dass sie sich dabei vor den Karren der allgegenwärtigen Öko-Diktatoren spannen lässt, interessiert keinen. Genausowenig wie die Naturgesetze, die von professionellen Panikmachern auch mal gern außer Kraft gesetzt werden, wenn es der eigenen Sache dient.

Krämer gelingt es oft, mit deutlichen Beispielen die Idiotie der deutschen Panik bloßzustellen. Wenn er z. B. erklärt, gern in einer Region mit hoher Krebsrate zu leben, weil dies auf eine hohe Lebenserwartung schließen lässt. Oder warum die Asbestsanierung mehr Opfer fordert, als ein Festhalten am Status Quo.

Aber ich fürchte, der panikfreudige Deutsche versteht es nicht, weil er es gar nicht verstehen will. Wodurch des Autors Frust noch wachsen dürfte.

Warum nur 4 Sterne? Manchmal verliert Krämer den roten Faden, bringt zu viele Zitate, wiederholt sich oder wird unsachlich. Wodurch man geneigt ist, ein paar Seiten zu überspringen. Was eigentlich schade ist, denn das Buch kann ich ansonsten nur empfehlen.
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am 2. Oktober 2012
Erhellender Einblick, wie die Medien zwecks Auflagensteigerung Ängste erzeugen, Statistiken verdrehen und uns eine Welt voller Gefahren vortäuschen. Der Statistikprofessor Walter Krämer zeigt auf was an der Angst vor Pestiziden im Essen, Dioxin in Eiern oder vor BSE dran ist - nämlich nichts, außer medialer Hysterie. Und sobald die Medien laut schreien müssen die Politiker brav hinterherdackeln und Null-Risiko versprechen - das es nicht gibt.
Das alles baut auf uralten angeborenen Angst-Instinkten auf, die aber in unserer überversorgten und abgesicherten Wohlstandswelt in die Irre führen.
Pflichtlektüre vor allem für Journalisten und Politiker!
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am 8. Juni 2013
Zum "Nebenbei mal Lesen" und als unterhaltsamer Einstieg in die Thematik sicherlich nicht ungeeignet. Insbesondere die Kapitel über Krebsrisiken und die Probleme mit Studien über Leukämiefälle in der Nähe von AKWs bieten einen Einblick in Denkfehler wie Korrelation /= Kausalität und den Zielscheibenfehler.

Daneben hat mich das Buch aber an vielen Stellen enttäuscht. Der Tonfall ist flapsig-polemisch bis überheblich und bietet zum Teil mehr Tirade als sachliche Analyse. Gerade in einem Buch, das von sich selbst behauptet, mit "Logik und harte[n] Fakten" (S. 9) gegen Unsachlichkeit vorzugehen, ist das einfach unpassend. Viele Stellen, an denen sich Krämer über die mangelnde Sachkenntnis von Journalisten aufregt oder einfach Listen von vermeintlich panikmachenden Zeitüngsüberschriften präsentiert, wären besser dazu verwendet worden, die jeweilige Problematik tiefgehender zu erklären und nüchtern die entsprechenden Daten zu präsentieren.

Daneben enthält das Buch einige "Flüchtigkeitsfehler", wie z.B. der Verweis auf mittelalterliche Hexenjagden (die eben nicht im Mittelalter stattfanden) oder ein fiktives Gespräch zwischen viehzüchtenden Cro-Magnon-Menschen (die Jäger und Sammler waren). Das mögen Nebensächlichkeiten sein, aber einem Autor, der mit soviel Herablassung über mangelnde Sachkenntnis von Journalisten und Aktivisten schreibt, sollte das nicht passieren.
Dies ist vor allem dann ärgerlich, wenn er die Lebensumstände der Cro-Magnonmenschen heranzieht, um unsere Haltung gegenüber Gefahren zu erklären, und einfach so einen Zusammenhang zwischen hoher Intelligenz und mangelndem sozialen Interaktionsvermögen herstellt (der laut Krämer dafür verantwortlich ist, dass so wenig Leute gut abstrakt denken können): "Deswegen sind heute Autisten weltweit in der Minderheit. Sie können zwar sehr viel schneller rechnen als andere, haben aber auch ein weit besseres Gedächtnis und sind viel geschickter im abstrakten Denken, aber im Umgang mit ihren Mitmenschen haben sie große Defizite [...]" (S. 135). Das ist gleich auf mehreren Ebenen Unsinn: Erstens sind Autisten eben nicht grundsätzlich intelligenter und bessere Rechner als andere ("Rain Man" ist nicht alle Autisten). Zweitens gibt es keine negative Korrelation von Intelligenz und sozialer Interaktionsfähigkeit, auch wenn das küchenpsychologisch gerne behauptet wird.

Die einzige Grundlage, die Krämer für seine evolutionspsychologischen Ausführungen auflistet ist übrigens "The Naked Ape" von 1968 (!). Prinzipell ist er mit Quellenangaben sehr zurückhaltend: der Fließtext enthält keine Fußnoten und lediglich am Ende jedes Kapitels sind 5-10 Bücher aufgelistet. In einem Buch in dem es ständig um Daten und ihre Interpretation sowie die Schwächen von bestimmten Studien geht, ist das nicht akzeptabel.

Hinzu kommt, dass bei Krämers weitreichenden Verurteilungen von angstmachenden Zeitungsmeldungen oft nicht klar wird, wo denn Warnungen und Ängste mal angebracht sind. So behandelt er (die tatsächlich harmlose) Schweinegrippe und das (sehr viel gefährlichere) SARS als equivalente Fälle von unbegründeter Panikmache. Gerade an diesen beiden Krankheiten hätte er deutlich machen können, wie denn ein adäquater journalistischer mit tatsächlichen Bedrohungen aussehen könnte.

Und hier noch ein paar Alternativen zu Krämer (z.T. leider nur auf Englisch): Für alle, die sich für Panikmache interessieren, würde ich eher Barry Glassner's "The Culture of Fear" empfehlen, das wesentlich tiefer auf die Mechanismen des Phänomens eingeht. Was die Probleme mit der Interpretation von Studien und schlechten Wissenschaftsjournalismus betrifft, empfiehlt sich Ben Goldacres "Die Wissenschaftslüge". Die Wirkung und der Ursprung von Denkfehlern sind in Tavris & Aronsons "Ich habe recht auch wenn ich mich irre" sehr einleuchtend und unterhaltsam erklärt. Und was das Lügen mit Zahlen angeht ist Charles Seifes "Proofiness" ein guter Einstieg.
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am 6. Februar 2013
Habe den Autor bei einem Gastvortrag an meiner Universität erlebt. Witzig, aber kompetent. Das Buch weist auf viele Defizite der Medienberichterstattung über vermeintliche Übel unserer Welt hin. Es ist zudem unterhaltsam geschrieben und verlangt keinerlei Vorkenntnisse (Krämer ist von Haus aus Statistiker ...). Man hat bei der Lektüre seinen Spass und zugleich wird der kritische Blick geschult.
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am 18. Dezember 2011
Ein Buch das sachlich bleibt, Fakten auflistet und uns immer wieder beweist, warum man mit Begriffen wie "könnte", "möglich", ect. für viel Wirbel sorgen kann, ohne eigentlich Fakten auf dem Tisch legen zu müssen.
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