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Kundenrezensionen

3,4 von 5 Sternen
26
3,4 von 5 Sternen
Wo die Löwen weinen: Kriminalroman
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:11,00 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime


TOP 1000 REZENSENT VINE-PRODUKTTESTERam 13. März 2011
Professor Doktor Gotthart Fabian, Vorsitzender des Altherrenverbands der Burschenschaft Adiunctus, zu Kommissar Rosenblüt, dem er sich weder eng noch in irgendeiner anderen Weise verbunden fühlt. Was Rosenblüt egal ist.

Jedes Buch bekommt ein Etikett, ob es das will oder nicht. Dieses wurde mit "Kriminalroman" beklebt, obwohl es sich partout gegen jede Schublade sperrt. Es ist reich an Facetten, die man mit Gesellschaftssatire, Politikthriller, Science Fiction, Groteske, Humoreske und Streitschrift umschreiben kann. Es ist auch eine Liebeserklärung an einem Hund namens Kepler, an eine Stadt, eine Polemik an sich und eine Hetz- oder gar Hassschrift gegen bestehende Verhältnisse. Was auch immer. Schade wäre es, wenn man diese Geschichte nur unter den Aspekt pro und kontra Stuttgart 21 bewerten würde, was natürlich geschehen wird, zumal der Autor ganz klar Stellung bezieht. Es ist ein amüsantes Buch, setzt aber voraus, dass man über Humor verfügt, am besten über jenem, der die österreichische Variante einschließt. Wer Kottan nicht mag, wird auch mit dieser Geschichte nicht viel anfangen können und wahrscheinlich über den unwahrscheinlichen Plot lamentieren.

Um was geht es? Ein schwäbischer Kommissar im Münchner Exil wird mit einem bedauerlichen, aber auch alltäglichen (das ist besonders bedauerlich) Fall konfrontiert, der die Demütigung eines Einzelnen durch Mehrere beinhaltet. Ein feiger Akt, der den scharfsinnigen Rosenblüt zum Vater des Gedemütigten führt und über einen begeisterten, kriminellen Cineasten ziemlich schnell auf Stuttgarts Halbhöhenlagen, wo eben die Löwen weinen und ansonsten gediegener, bürgerlicher Lifestyle in der schwäbischen Variante gepflegt wird. Hier bekommen wir einen Exkurs in philosophischer (stimmt, eine philosophische Facette hat diese Geschichte auch) Abwatschung der Burschenschaftsherrlichkeit und landen sofort bei den herrschenden politischen Verhältnissen und ihren Köpfen, den Stuttgart 21-Vorantreibern. Womit wir ebenso schnell real und im übertragenen Sinn wieder unten sind, nämlich im Schlossgarten, am kommenden, gigantischen, komplexen Bauloch, das wir und - wer hätte das einst gedacht - die ganze Welt eben als "Stuttgart 21" auf den Punkt zu bringen pflegen. Hier reiben sich die Obenbleiber an den Durchgangsbohrern. Zwei Parteien, die sich trotz "Schlichtung" (das ist der Name einer anderen Satire, die hier keine tragende Rolle spielt) unversöhnlich gegenüberstehen. Jetzt wird es besonders für die Leser interessant, denen der Stuttgarter Politikbetrieb und ihre Darsteller nicht fremd sind. (Was aber nicht heißen soll, dass es für alle anderen langweilig wird.) Beim Namen werden diese Leute wohlweislich nicht genannt, allerdings in ihrer Funktion und manchmal mit Decknamen. "Ratcliffe" zum Beispiel, der Projektsprecher, der nie auftritt, aber immer wieder durch die Geschichte geistert oder "Palatin", der fast noch zum Fußvolk gehört, aber hart daran arbeitet, künftig auch nur noch zu schweben. Wir bekommen einen freudlosen Oberbürgermeister präsentiert, der, wo er geht und steht, düstere Trostlosigkeit zu verbreiten scheint, was den Durchschnittsbürger jedoch nicht belasten muss, weil er mit diesem außer zu Wahlzeiten ohnehin nichts am Hut hat (und umgekehrt). Ein Ministerpräsident wird als stämmige, jedoch leere Hülle dargestellt, behaust von allerlei Typen, und der Erste Bürgermeister der Stadt gar, die es nicht und überall gibt, wird noch einmal in eine äußerst trübe Brühe gestoßen, von der er annehmen durfte, dass sie die kollektive Vergesslichkeit (Gleichgültigkeit, Gedankenlosigkeit) längst ausgetrocknet hat. Dieser Darsteller, ein "in die Jahre gekommenes Bürschlein", wird uns als "Buberlvisage" vor Augen geführt, ein Wort, in dem sich Wiener Gemütlichkeit und Bösartigkeit zu einer perfekten Melange vereinigen und das ich trotz seiner gemeinen samtigen Schärfe unverzüglich in meinen aktiven Wortschatz aufgenommen habe. Wahrlich ein Wort, mit dem man sich langwierige und umständliche Umschreibungen in vergleichbaren Fällen sparen kann.

Diese Geschichte wird jedoch nicht nur von Politikern und Polizisten getragen, ganz im Gegenteil: Wolf Mach und Hans Tobik sind tragende Säulen: Opfer und Täter gleichermaßen. Schöne Frauen gibt es auch, literarische Wesen wie Teska Landau und vor allem Alicia Kingsley, die uns Frauen aus Fleisch und Blut resigniert seufzend zu einem weiteren Stück Schokolade greifen oder ins Fitness-Center rennen lassen, und mit ihnen nähern wir uns dem Zentrum des Ganzen, dem "Schloßgarten-Mechanismus", über den Sie sich bitte selbst informieren, weil Sie mir ohnehin nicht glauben würden. Das Ding hockt tief unter dem Planetarium und gerät während des Finales gnadenlos unter die Räder.

Am Ende der Geschichte meldet sich Heinrich Steinfest in eigenen Sache zu Wort. "Nach dem Theater ist das Leben" sagt er und was er damit meint, sollte nicht nur die Leser dieses Buches dazu anhalten, aufmerksam zu sein und zu bleiben.

Helga Kurz
13. März 2011
11 Kommentar| 35 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 22. März 2017
Mein Ärgernis ist neben dem oft unwichtigen Geschwafel die Frauenfeindlichkeit des Romans.
Junge und schöne Frauen erfüllen die Ansprüche der äußerlich unscheinbaren Männer - wohl
die Männerphantasie des Autors. "Alte" sind ein unerträglicher Rotstift. So kann man die Männerperspektive auch vermitteln!!!
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am 1. Juni 2011
Die Auseinandersetzungen um das umstrittene Bahnhofsprojekt "Stuttgart 21" sind in unzähligen Zeitungsartikeln, Fernsehsendungen, Kommentaren und Hintergrundberichten im vergangenen Jahr beleuchtet und bewertet worden. Ein in der Republik bisher einmaliges öffentliches und transparentes Schlichtungsverfahren war ein Lehrstück der Demokratie, hinter die nun keine staatliche Planung eines Großprojekts mehr zurückfallen darf. Eine über Jahrzehnte stabile Regierung ist gefallen, und nun muss ein Stresstest und ggf. eine verfassungsrechtlich nach wie vor umstrittene Volksabstimmung entscheiden, wie es mit "Stuttgart 21" weitergeht.

Der Kriminalschriftsteller Heinrich Steinfest hat mit dem vorliegenden Buch den Versuch gewagt, das Geschehen zu fassen: "Dies ist ein Roman über das Vorhaben, eine Stadt zu ermorden. Nie erschien mir die Form des Kriminalromans passender, zwingender, befreiender."

Drei ganz unterschiedliche Männer sind es, die sich Heinrich Steinfest für eine spannende Handlung und ein durch und durch gegen die herrschenden Politik und Wirtschaft polemisches Buch ausgedacht hat.

Da ist ein unter sehr mysteriösen Umständen nach Stuttgart gerufener Archäologe, der den Fund seines Lebens macht: bei den Probebohrungen für den Bahnhof wurde im Stuttgarter Schlossgarten ein antikes Artefakt, eine Art Maschinengöttin gefunden, das große Rätsel aufgibt.

Da ist ein ganz normaler Bürger, der aus Wut ("Wutbürger") über die Willkür der Mächtigen und die Ungerechtigkeiten des Lebens seine Frustration materialisiert und sich selbst zum Scharfrichter und Scharfschützen macht, der ein Attentat plant.

Und da ist der Münchner Kommissar Rosenblüt. Er kehrt, einen anderen Fall lösend, in seine Heimatstadt Stuttgart zurück, mit dessen Establishment er früher schon etliche Sträuße ausgefochten hatte und die er eigentlich nie wieder betreten wollte.

All das packt Steinfest zu einem engagierten Stück Kriminalliteratur zusammen, spannend und überraschend. Er versucht nichts weniger, als das Projekt S 21 und die sich daran reibende Bürgerbewegung zu interpretieren. Und er tut es mit viel Poesie, die mehr auszudrücken vermag als alle sachlichen und /oder politischen Zeitungsartikel zusammen.

Ein mutiger, ein absolut gelungener Versuch, ein aktuelles gesellschaftspolitisches Thema in einem Kriminalroman zu bearbeiten.
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am 28. September 2012
Kann ich nur jedem empfehlen. Sehr kritisch, teilweise satirisch. Gute Definitionen des Zustands einzelner Parteien und des Zusammenwirkens von Netzwerken.
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am 13. August 2013
na zumindest typisch für einen Roman von Heinrich Steinfest. Mit abstrusen Verwicklung, erzählt mit der ihm eigenen Virtuosität und mit einigen augenzinkernden Verweisen auf Cheng, seinen (unseren, meinen) Helden...
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am 23. Oktober 2014
.............und Situationserläuterungen verbunden mit einem guten Schuss Zynismus ..... herrlich und spannend. Ich habe danach sofort eine weiteres Buch des Autors gekauft und die Bücher Freunden weiter empfohlen.
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am 20. März 2013
klasse ist natürlich der zeitnahe Hintergrund der Handlung.
Wie üblich bei Heinrich Steinfest, hat er super Ideen die in keinem anderen Krimi zu finden sind.
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am 7. Januar 2013
Ein mit viel Lokalkolorit durchsetzter Kriminalroman, der die Ereignisse in Stuttgart gut beschreibt. Spannung und Auflösung sind schon in Ordnung.
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am 16. Januar 2014
Für ortskundige Stuttgart - Kenner sehr empfehlenswert. Spannende Geschichte, die fesselt. ... ... ... ... ... ... ... ... ...
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am 20. April 2013
Ich kenne alle Bücher von Steinfest, es ist einfach ein Vergnügen sie zu lesen, der Stil ist unverwechselbar, ich liebe ihn
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