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Kundenrezensionen

4,9 von 5 Sternen
179
4,9 von 5 Sternen
Robert Enke: Ein allzu kurzes Leben
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:11,00 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime


am 21. Juli 2016
Ein sehr mitreißendes, spannendes und interessantes Buch. Viele tiefe Einblicke in das private Leben Enkes. Ich bin froh dieses Buch gelesen zu haben und auch mehr zum Thema Depressionen damit gelernt zu haben.
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am 19. März 2015
Ich habe die Karriere von Robert Enke seit seiner Zeit bei Gladbach – mein damaliger Freund war ein Fan der Fohlen – verfolgt. Daher stand dieses Hörbuch schon länger auf meiner Wunschliste. Natürlich war mir klar, dass es mich auf eine sehr emotionale Art und Weise ansprechen würde, aber dass ich bereits nach fünf Minuten erstmals auf den Aus-Knopf drücken würde, um mir die Tränen aus dem Gesicht wischen zu können, damit hatte ich nicht gerechnet.

Im Prolog beschreibt Ronald Reng, wie Teresa Enke sich zu ihrem Geburtstag 2009 ein Gedicht wünschte und Robert Enke tagelang genau das umsetzte. Am Ende standen auf seinem Zettel 104 Zeilen, die er seiner Frau vortrug, er endete mit den Worten

Ich mache mir keine großen Sorgen,
das Heute geht, es kommt das Morgen.
Nur eins ist sicher, hör auf mich:
Ich brauche und ich liebe Dich!

Sein Gedicht war kein poetisches Meisterwerk, aber es waren die Sätze eines bodenständigen Mannes. Und genau das habe ich zwischen den Zeilen immer wieder heraus gehört. So erzählt Teresa Enke beispielsweise, dass sie ihren Lohn aus dem Studentenjob in einer Schuhhandlung gerne direkt wieder umgesetzt hat, was Robert nicht nachvollziehen konnte. Sein Gehalt wanderte auf ein Girokonto und dort blieb es meistens auch. Er war niemand, der sich teure Dinge kaufen musste.

Ronald Reng und Robert Enke wollten die Biographie gemeinsam schreiben. Nun war es Reng alleine, der erzählt, wie Robert Enke am Sportgymnasium in Jena seine Frau Teresa kennen lernte, wie sie erst nach dem Abitur verstand, wie wichtig der Fußball ihm war und ihm deshalb nach Mönchengladbach folgte.

Der Autor greift Erzählungen von vielen Menschen auf, die Robert Enke kannten, beispielsweise von seiner Frau Teresa, seinen Eltern, den Jugendfreunden, seinem besten Freund Marco Villa, Jörg Neblung, Robert Enkes Berater und Freund, seinen Trainern, Torwartnachwuchs, der von ihm gelernt hat.

Es sind Erzählungen, die zeigen, welch starke Frau Teresa Enke ist und wie sehr sie ihren Mann geliebt haben muss, denn das alles mit ihm durchzustehen, hat mich Sicherheit viel Kraft gekostet. Es sind Erzählungen, die betroffen machen und die Fußballfans wieder einmal darüber nachdenken lassen sollten, was sie im Stadion alles von sich geben. Hin und wieder hätte ich dem einen oder anderen gerne gesagt, dass er eine Mitschuld am Selbstmord von Robert Enke trägt.

Es sind aber auch Erzählungen, die den Leser auch an den guten glücklichen Zeiten von Robert Enke teilhaben lassen. Dieses Buch berichtet von allen Profistationen Enkes, von seinen Freunden und Konkurrenten, von Leben und Tod der Tochter Lara und der Adoption von Leila. Es ist die umfassende Geschichte über einen Sportler, der meine Sympathie hatte und den ich nun noch einmal von einer anderen Seite kennengelernt habe, perfektionistisch, aber auch ein Familienmensch, voller Ehrgeiz, aber immer mit einem Blick auf die anderen.

Für mich war es auch eine Reise in die Vergangenheit, ein Wiedersehen mit Uwe Kamps, Rolf Rüssmann, Marco Villa, Stefan Effenberg, Martin Dahlin, Sportmenschen, die mich über Jahre begleitet haben, die aber für mich in Vergessenheit geraten sind.

Ronald Reng hat hier eine Biografie geschaffen, die auf mich authentisch wirkt. Sie ist mit Sicherheit emotional, lässt aber auch Platz zum Schmunzeln und für Freude. Ich war von der ersten bis zur letzten Minute gefesselt. Für mich ist das Hörbuch mehr als gelungen, noch besser, als ich es zu hoffen gewagt habe.
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am 20. August 2012
Es ist zwei Jahre her, seit dem Tod des Hannoveraners und Nationaltorhüters Robert Enke. Doch das Thema Depression wird seit seinem Selbstmord sensibler und offener diskutiert.

In unserer Leistungsgesellschaft, die durch das Streben nach mehr Erfolg und öffentlicher Selbstdarstellung dominiert wird, sind persönliche Schwächen oder gar psychische Krankheiten ein Tabuthema. Schwäche ist gleichbedeutend mit der Aura des inakzeptablen Versagens. Auch im Leistungssport sind psychische Krankheiten - Depressionen, Angstzustände, Burn-out anzutreffen. Auch Profisportler sind nur Menschen, ihr Geld, ihr Vermögen, schützt sie nicht vor dem Druck zu versagen. In der Dunkelheit werden auch ihre inneren Schreie heller und die Einsamkeit ist trotz Erfolg, Geld, Ruhm eventuell immer einen Schritt voraus.

Der vorliegende Roman zeigt nicht nur Einblicke in das Profifußballgeschäft, sondern auch das Leben mit einer Depression. Doch nicht nur Robert Enke ist bzw. war ein Opfer seiner Depression, auch seine Frau Theresa litt, kämpfte und sorgte sich um ihn. Ihre Kraft muss enorm gewesen sein und ihr Arrangement nach dem Selbsttod ihres Mannes selbstlos und bewundernswert.

Die Angst vor dem persönlichen Versagen

Das Buch beginnt mit der chronologischen Laufbahn eines talentierten jungen Mannes, der den Schritt wagt und ins Profigeschäft einschlägt. Anfangs ein Kind voller Lebensmut und Optimismus, bei jedem beliebt und nichts konnte ihn aus der Ruhe bringen. Ein starker Charakter, so scheint es, doch die Vorboten der Schatten hatten ihn schon in Griff. Als 16-Jähriger im Fußballmagazin "Kicker" als Jugendfußballer vorgestellt. Nur ein Jahr später der Profivertrag bei Carl Zeiss Jena. Immer schon wollte er der perfekte und fehlerlose Torwart sein, ein Vorbild, ein Idol - diesen Anspruch an sich selbst konnte er nicht erfüllen. Immer höher hinaus, immer schneller an Reaktionen und Reflexen, niemals dem Gegner oder sich nur einen Hauch von Angst zeigen oder spüren lassen. Zwar entwickelte Enke zu diesem Zeitpunkt einen inneren Schutzmechanismus, doch frei von Ängsten und Sorgen wurde er nie.

Die Angst einfangen oder weglaufen?

Schwierigen Situationen geht man gerne aus dem Weg oder man stellt sich ihnen. Es gibt kaum eine andere Alternative. Als Robert Enke bei Benifica Lissabon unterschreibt, wollte er wenige Stunden später alles hinwerfen. Seine persönlichen Stärken und Erfolge übersah er, als wären sie niemals dagewesen. Die Ängste beherrschten ihn völlig und letztlich gewannen sie immer wieder mehr Schlachten um die Seele des jungen Mannes.
2003 kommt die erste Depression durch. Theresa und Robert Enke hatten eine glückliche Zeit in Lissabon. Ein Transfer nach Barcelona beendete diesen Zustand schnell. Sein Selbstbewusstsein schwand von Tag zu Tag, oftmals hatte er Schwierigkeiten, sich auf einen geregelten Tagesablauf einzustellen. Seine Trainingseinheiten beim Königsclub Barcelona waren desaströs. Vor Angst gelähmt, wurde er schnell den Ansprüchen seines Trainers und des Vereins nicht gerecht.

Er suchte sich professionelle Hilfe, nicht zuletzt haben ihm seine Frau und sein bester Freund dazu geraten. Entgegen seiner innerlichen Überzeugung wechselte er nach Istanbul und nach zwei Spielen löste er seien Vertrag auf. Die ersten Selbstmordgedanken kamen an die Oberfläche und er erkannte, dass er eine Therapie machen muss, wollte er nicht alles verlieren - auch nicht seine liebende Frau Theresa, die zeitweise immer wieder am Ende ihrer Kräfte war.

Als seine Tochter Lara geboren wurde, verlagerten sich seine Prioritäten. Tragisch wurde es allerdings für die Enkes, als bei Lara ein Herzfehler diagnostiziert wurde. Trotzdem ist seine Tochter der Lebensmittelpunkt für ihn und selbst beim zweitklassigen Verein Teneriffa findet er den notwendigen Halt.

Der Wechsel nach Hannover, zurück nach Deutschland, ist für die junge Familie der notwendige Schritt und Rückhalt für sie durch Familie und Freunde.

Bei Hannover 96 wird er zum Medienliebling und zum Starspieler. Durch seine brillanten Leistungen wird er in die Nationalmannschaft gerufen. Der Druck, der damit auf ihm lastet, lässt seine Ängste wieder aufleben. Die Angst davor, dass seine Krankheit entdeckt wird, verschlimmert die Situation. Den Tod seiner Tochter Lara verkraftet er letztlich vielleicht nur durch die Hilfe seiner Frau. Auch die Überlegung, sich stationär behandeln zu lassen, lässt er fallen, denn das wäre dann auch das eventuelle Ende seiner Karriere. Nur durch Einnahme von Antidepressiva funktioniert er bei Einsätzen in der Bundesliga. Innerlich zieht er sich immer mehr und mehr zurück - und tötet sich wenig später.

Kritik

In dem Buch "Ein allzu kurzes Leben" geht es nicht darum, von dem Fußballer und Torhüter Enke zu berichten. Sein Freund Ronald Reng erzählt die Geschichte eines Mannes, der an dem beständigen Druck zugrunde gegangen ist. Dem Leser fällt es schwer zu begreifen, warum Ronald Reng und Robert Enkes Frau Theresa es nicht schaffen konnten, Robert zu helfen. Doch durch die persönliche Nähe und Freundschaft fehlte eventuell auch die Distanz, unkonventionelle Wege zu gehen.

Ronald Reng verschönert oder idealisiert nichts, sondern setzt sich kritisch mit dieser Krankheit Depression auseinander. Durch die persönlichen Einblicke in Robert Enkes Tagebücher und Notizen und vielen, intensiven Gesprächen mit seiner Familie und Freunden, zeigt sich Robert Enke von seiner menschlichen, verletzten Perspektive.

Doch immer wieder sieht man auch, wie verantwortungsvoll und stark Robbi Enke auch war. Wie hilfsbereit er zu Kollegen und Nachbarn gewesen ist. Er beteiligte sich nicht an Intrigen oder Machtspielen innerhalb des Vereins, er wollte immer nur über Leistung überzeugen.

Fazit

Ein allzu kurzes Leben von Ronald Reng und Robert Enke ist ein Testament, ein berührendes Plädoyer für das Verstehen und Begreifen dieser Krankheit, die auch erfolgreiche Menschen zerstören kann und in unserer Gesellschaft noch viel zu sehr tabuisiert ist. Es ehrt den Menschen Robert Enke, aber es ist auch ein Vermächtnis, eine Mahnung zu kämpfen. Nicht nur der Patient, auch die Angehörigen sind von dieser Krankheit betroffen.

Ein allzu kurzes Leben ist nicht nur Fußballern zu empfehlen, sondern insgesamt ein sensibles Buch, das aufklärt und zu verstehen hilft. Großartig!

Autor

Ronald Reng, geboren 1970 in Frankfurt, lebt als Sportreporter und Schriftsteller in Barcelona. Sein Bestseller »Der Traumhüter«, das glänzende Porträt eines unbekannten Torwarts, erreichte über die Fußballgemeinde hinaus eine große literarische Leserschaft. Für Reportagen über Robert Enke wurde er mehrmals mit dem Großen Preis der Deutschen Sportjournalisten ausgezeichnet. Zuletzt erschien sein Roman »The Funny German«

Taschenbuch: 432 Seiten
Verlag: Piper Taschenbuch (November 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3492273169
[...]

Michael Sterzik
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am 7. April 2015
Ein Buch,welches sehr nachdenklich macht und oft auch traurig. Der Kampf Robert Enkes gegen Ängste und seine Depression wird schmerzhaft spürbar. Für Fußballfans sind die langen Spielberichte sicher unterhaltsam,jedoch ich empfand sie oft eher unpassend im Kontext der Geschichte,wenn sie nicht das Gefühlsleben von Robert unterstreichen sollten. Alles in allem jedoch empfehlenswert zu lesen!
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am 6. November 2010
Nicht das erste Buch von Ronnie Reng das ich gelesen habe, aber sicherlich sein "Ungewöhnlichstest".
Wie andere Rezensoren schon ausführen, hat man beim Lesen das Gefühl dass es sich um einen Roman handelt, wird aber durch Erinnerungen immer wieder "gemahnt" dass es leider die Realität ist, die hier beschrieben wird.
Man erfährt im Laufe des Buches, wie stark die (Jugend-)Liebe von Teresa und Robert Enke sein muss, um all die Schicksalsschläge und depressiven Phasen über die Jahre zu überstehen. Einfühlsam führt Ronald Reng in die Krankheit "Depression" ein und zeigt die Zusammenhänge auf die zum Auslöser werden. Aber er erklärt auch deutlich durch viele Beispiele warum Enke sich letztlich nicht outen konnte (wollte ?) und den Gewissenskonflikt in dem er bis zum Schluß stand. Ausserdem ist das Buch das, was Enke und Reng vor Jahren schon verabredet hatten: Ein Rückblick auf die sportliche Karriere von Robert Enke, die - trotz allem - alleine schon lesenswert ist.
Nicht alle Trainer, Spieler und Betreuer kommen dabei gut weg ohne dass Reng dabei andere bloßstellt oder sogar verantwortlich macht für das Geschehene. Auch hier hat es eher erklärenden Charakter wie die Reaktionen einiger Trainer und Spieler Enke und seinen Weg beeinflussen.

Nachdenklich stimmt einen das Schlußwort in dem Ronald Reng von dem Konflikt schreibt, den er beim Erarbeiten des Buches hatte. Den Konflikt zwischen dem Veröffentlichen von Tagebuch Informationen, die Enke als "Vorbereitung auf unser Buch" bezeichnet hat, die aber - nachvollziehbar - auch sicherlich nicht alle "öffentlichkeitswirksam" sind. Ich finde - ohne natürlich das Tagebuch zu kennen - ihm ist dieser Spagat recht gut gelungen. Auch das macht das Buch absolut empfehlens- und lesenswert.

Abschliessend wünscht man sich, dass auch dieses Buch - wie das "Öffentlichmachen" von Teresa Enke zuvor - dazu beiträgt, intern im Profifußball kleiner aber wichtige Änderungen zu bewirken. Es geht nicht darum, es Spielern zu ermöglichen sich zu "Outen" sondern darum Strukturen zu schaffen, die eine professionelle Betreuung ermöglichen. So "intern" wie man auch professionel Verletzungen behandelt oder Spieler ausbildet. Dieses Thema eignet sich auch ausserhalb des Profisports nicht für Öffentlichkeit, aber es much sichergestellt sein dass Spieler wie Robert Enke in der Zukunft die professionelle Hilfe bekommen, die ihre Situation verlangt.
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am 14. Oktober 2010
"Der Tod eines depressiven Menschen ist niemals eine freie Entscheidung. Die Krankheit verengt die Wahrnehmung so sehr, dass der Leidende nicht mehr versteht, was es heißt zu sterben. Er glaubt es hieße nur, die Krankheit loszuwerden. (...) Robert Enke war am Dienstag, den 10. November 2009, acht Stunden in der Nähe von Empede umhergefahren. (...) Dann fuhr er an Empede vorbei zum nächsten Bahnübergang in Eilvese. (...) Er wußte, dass um 18.15 Uhr der Regionalexpress aus Bremen ohne Halt durch Eilvese hindurchraste."

Ronald Reng schildert auf knapp über 400 Seiten das Leben und die Fußballkarriere von Robert Enke bis zu jenem verhängnisvollen regnerischen Tag vor einem Jahr. Enkes Familie, Freunde und Weggefährten kommen zu Wort und man merkt ihnen an, wie erleichtert sie waren, sich das Geschehene von der Seele reden zu können. Der Leser erfährt von ersten Angstzuständen des jugendlichen Zweitligatorhüters von Carl Zeiß Jena, vom Ausbrechen einer massiven klinischen Depression während der Zeit beim FC Barcelona, die Enkes Karriere bereits 2003 fast beendet hätte. Es folgte die mühsame, schrittweise Rückkehr in die Normalität eines Profisportlers und nach dem Comeback in der Bundesliga für Hannover 96 und für die deutsche Nationalmannschaft der nächste schwere private Rückschlag.

Die Schilderungen über die Monate während der zwei akuten depressiven Schübe 2003 und 2009 sind schockierend. Die Auszüge aus Robert Enkes "Depri-Ordner", Tagebuchaufzeichnungen eines zutiefst verzweifelten Menschen, haben mich seitenlang nur mit Gänsehaut weiterlesen lassen.

Trotz der Tragik dessen, was Ronald Reng zu schildern hat, schafft er es auch die glücklichen Zeiten im Leben Robert Enkes in Erinnerung zu rufen. So streut Reng eine Vielzahl wunderbar skurriler Begebenheiten aus der Welt des Fußballs ein. Dennoch ist "Robert Enke - Ein allzu kurzes Leben" natürlich kein Buch nur für Fußballfans. Einige Kapitel sind so packend geschrieben, dass ich mich daran erinnern mußte, dass es sich nicht um einen Roman handelt.

Es bleibt die Frage nach dem Warum. Reng führt die Frage, wie Enke zu retten gewesen wäre, nicht zu einer expliziten Antwort. Er nimmt die Familie und Freunde, die über Enkes Erkrankung Bescheid wußten und das jahrelange Versteckspiel erst ermöglicht haben, ausdrücklich in Schutz. Zurecht weist Reng darauf hin, dass auch die direkt betroffenen Familienangehörigen und Freunde mit Extremsituationen konfrontiert worden sind, die nachträgliche moralische Bewertungen vermeintlich unverantwortlichen Handelns nicht zulassen. Und doch wird deutlich, dass Reng genauso wie so viele andere, die diesem ganz besonderen Menschen die rettende Hand von Herzen gewünscht hätten, beim Schreiben fast daran verzweifelt ist, wie wenig es gebraucht hätte, um den 10. November 2009 zu verhindern.

"Robert Enke - Ein allzu kurzes Leben": Ein bewegendes, großartiges Buch über einen Menschen, der unvergessen bleibt.
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am 6. Dezember 2010
Da es heute ja quasi zum guten Ton gehört, über jeden halbwegs prominenten Menschen mindestens eine mehr oder minder interessante Biographie auf den Markt zu werfen, war ich - auch angesichts des sensiblen Themas - sehr skeptisch, was dieses Buch anbelangt. Nachdem ich dann in einzelnen Magazinen durchweg sehr positive Meinungen gelesen hatte, entschloss ich mich zum Kauf dieses Buches. Bereut habe ich es zu keinem Zeitpunkt.

Ein Buch, dass auf unglaublich einfühlsame Weise schildert, wie ein Mann, dem Millionen zujubeln und der objektiv fast alles erreicht hat, in seinem Inneren dennoch einen Kampf gegen sich selbst führt - und ihn letztlich auf grausame Art und Weise verliert. Nie hat man hier das Gefühl dieses Buch wäre zum Geldverdienen entstanden oder übereilt auf den Büchermarkt geworfen worden. Höhen und Tiefen in Robert Enkes Leben werden beleuchtet und so dem Leser vage verdeutlicht, wie sehr dieser - menschlich wie sprotlich großartige Mann - litt.

Auch wer von Fußball keine Ahung hat und mit der sportlichen Seite nichts anfangen kann, dem sei dieses Buch nahe gelegt. Persönliche Aufzeichnungen von Enke selbst geben diesem Buch eine persönliche Tiefe und Note, wie man sie sonst nur selten findet und beschreiben eine Krankheit, die leider erst nach seinem Tod in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist.

Ein großartiges Buch über einen großartigen Menschen.
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am 13. Dezember 2010
Dieses Buch hat mich dazu bewogen, meine erste Rezension zu schreiben...
Ich habe es gerade ausgelesen und jetzt große Mühe, mich davon wieder zu lösen.
Ganze Passagen habe ich meiner fußballinteressierten Familie vorgelesen. An manche Begebenheiten konnte ich mich noch erinnern.
Ich habe mitgelitten, mitgefiebert und später mitgetrauert.
Der Autor hat ein dickes Buch geschrieben, manche Szene akribisch und detailliert aufgedröselt, und trotzdem wird es nie langweilig oder geschwätzig.
Das Buch ist vieles und trotzdem ist es nicht überlastet. Es ist ein Buch für Menschen, die gerne Biographien lesen.
Es ist ein Buch für Menschen, die einmal hinter die Kulissen des Profifußballs schauen möchten.
Es ist ein Buch für Menschen, die erfahren und verstehen möchten, was im Kopf eines Depressiven vorgeht.
Es ist ein Buch über den Ausnahmetorhüter Robert Enke, der leider krank wurde, sich als Gefangener seiner Lebenssituation fühlte und keinen Ausweg mehr sah.

Ein großes Lob an den Autor, von dem ich schon den "Traumhüter" gelesen habe; ein Buch, welches ich genauso weiterempfehlen kann.
Herr Reng, Sie haben Robert Enke ein literarisches Denkmal gesetzt. Sie schaffen es zu erschließen, was im Kopf eines Fußballprofis bei Erfolg und Misserfolg vorgeht. Wir Zuschauer benehmen uns oft genug im Fußballstadion wie die Gladiatoren in der Arena und werfen die Spieler bei Misserfolgen verbal den Löwen vor.
Sie behandeln das Thema Depression mit großer Sensibilität und den Lesern unter uns, die wir uns mit dem Thema nicht so sehr beschäftigt haben, wird ein bisschen verständlicher, warum ein Kranker nur noch den Suizid als letzten Ausweg sieht.
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am 7. November 2010
... welche Menschen wir zu welchem Zeitpunkt treffen."

Fußball? Eigentlich nicht mein Ding, außer es ist gerade Sommermärchen, und dann werden wir ja alle zu kleinen Bundestrainern.
An der Robert-Enke-Biografie konnte ich trotzdem nicht vorbeigehen. Was läßt jemanden, der für so viele Menschen Vorbild und Idol ist, derartig verzweifeln, daß er nicht mehr leben will?

Ronald Reng schildert Robert Enkes Weg aus dem beschaulichen Jena in die immer weitere Welt des Profi-Fußballs. Vieles von dem, was Enke erlebt, ist gar nicht so ungewöhnlich, wenn auch im Profi-Fußball ein paar Nummern größer als im wahren Leben: Die Furcht vor dem Umzug in eine fremde große Stadt - Der Leistungsdruck am ersten Arbeitstag - Der Vorgesetzte, mit dem man partout nicht zurechtkommt.

Die große Stärke des Buches liegt darin, daß Ronald Reng Enkes Gefühlswelt ganz genau nachzeichnen und nachvollziehbar machen kann, denn als Freund der Familie standen ihm neben vielen Gesprächspartnern Robert Enkes persönliche Aufzeichnungen zur Verfügung. Gleichzeitig baut er aber auch immer wieder eine unerwartete Spannung auf, indem er die Perspektive wechselt, etwa wenn er ein für Enke traumatisches Fußballspiel aus der Sicht des gegnerischen Stürmers - des Helden des Abends - erzählt. Abgerundet wird die Biografie durch viele Fotos, die oft mehr sagen als tausend Worte.

Für den Leser ist dieses Buch ein Wechselbad der Gefühle, denn das bekannte Ende bleibt natürlich die ganze Zeit über im Hinterkopf. Man leidet mit Robert Enke im Fußballtor, man weint mit ihm um seine Tochter, man lächelt gerührt über das Gedicht, das er seiner Frau zum Geburtstag schreibt. Man bangt mit seiner Familie und seinen Freunden, die sich bis zum letzten Tag aufgeopfert haben, um ihn aus der Spirale zu befreien, aus der er schließlich keinen Ausweg mehr wußte. Und man denkt noch lange darüber nach, was ein unbedachtes Wort, eine gedankenlose Geste im falschen Moment in einem Mitmenschen anrichten kann.

Man muß kein Fußball-Fan sein, um von diesem Buch beeindruckt zu sein. Eine einfühlsame, respektvolle, rundum gelungene Annäherung an einen besonderen Menschen.
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TOP 500 REZENSENTam 11. März 2011
"3. September 2009. Habe nicht geschlafen. Scheint alles nur sinnlos zu sein. Fällt mir schwer, mich zu konzentrieren" (379).

Der Freitod von Robert Enke am 10. November 2010 hat ganz Deutschland in einen Schockzustand versetzt. Wieso hat ein Mensch, der glücklich mit seiner Jugendliebe verheiratet und bei seinem Verein Hannover 96 Leistungs- und Sympathieträger sowie designierte Nummer 1 für die WM 2010 in Südafrika war, seinem Leben auf solch grausame Art und Weise ein Ende gesetzt? Wohl kein anderer als Ronald Reng hätte dieses Buch schreiben können. Enke und Reng kannten sich seit 2003 und schmiedeten noch zu Lebzeiten Pläne für ein gemeinsame Buchprojekt. Die Familie gewährte Reng Einsicht in Enkes Tagebücher, mit denen der Autor verantwortungsbewusst und ohne jeden Voyeurismus umgeht. So entstand ein zutiefst beeindruckendes Buch über einen großen Sportler, der an einer schweren Krankheit litt, die er stets versuchte, vor der Öffentlichkeit zu verheimlichen. "Robert Enke - Ein allzu kurzes Leben" ist zugleich ein Buch über eine immer noch verdrängte Massenerkrankung, deren Umgang in der Öffentlichkeit sich trotz aller Bekundungen unmittelbar nach Enkes Tod kein bisschen geändert hat.

Wo liegen die Wurzeln von Enkes Erkrankung? Bereits als Jugendspieler habe er unter Selbstzweifeln und zu hohem Erwartungsdruck gelitten: "Die Angst vor Fehlern setzte ihm zu, dieses Denken: Wenn ich nicht der Beste bin, bin ich der Schlechteste. Damals als B-Jugendlicher in der A-Jugend muss diese Qual begonnen haben" (29). Diese Grunddisposition mag ihn anfällig für Depressionen gemacht haben, so ganz genau weiß man das nicht. 2003 wechselte der junge Enke von Gladbach zum großen FC Barcelona unter dem Trainer Louis van Gaal. Nach einem schlechten Spiel im Pokal wird er ausgemustert. Zudem lässt man ihn spüren, dass er keine Rolle mehr in dem Verein spielen wird. Nach einem halben Jahr wechselt er nach Istanbul zum Trainer Christoph Daum und erlebt gleich zu Beginn ein Desaster. Gelähmt durch seine ausbrechende Depressionserkrankung kassiert er im ersten Spiel drei Gegentore und wird von den eigenen Fans beschimpft und mit Gegenständen beworfen: "Er glaubte, jemand habe ihn in den Zeitlupenmodus versetzt. In seiner Wahrnehmung schien er sich unendlich langsam zu bewegen" (203). Nach nur 15 Tagen floh Enke aus Istanbul und notiert wenig später erstmals in sein Tagebuch: "Denke an S." (222).

Doch Dank Therapie und Antidepressiva bekommt Enke seine Krankheit zunächst in den Griff und erlebt bei Benfica Lissabon erfolgreich Jahre und steigt nach seinem Wechsel zu Hannover 96 zum Publikumsliebling auf, der immer häufiger für die Nationalelf berufen wird. Doch im Sommer 2009 bricht die Krankheit erneut aus, schlimmer und heftiger als beim ersten Mal. Im Gegensatz zu 2003 gibt es dieses Mal keinen konkreten Auslöser. Eine Therapie tritt er nicht an, da er seine Karriere in der Nationalelf nicht gefährden will und zudem Angst hat, das Sorgerecht für seine Adoptivtochter zu verlieren. Zwei Tage nach seinem letzten Ligaspiel gegen den Hamburger SV begeht Enke Selbstmord.

Das Buch beeindruckt durch die Beschreibung des Verlaufs einer Depressionserkrankung. Als gesunder Mensch ist es unmöglich, die Gedankenwelt eines Depressiven nachzufühlen. Aber die im Buch geschilderten Eindrücke lassen einen das Gefühl der absoluten Leere und Sinnlosigkeit zumindest erahnen: "Ich kann nicht mehr. Ich habe nur noch Angst; Angst, das Hotelzimmer zu verlassen, Angst, die Zeitung aufzuschlagen, Angst, die Torwarthandschuhe auszuziehen" (207) sagt Enke 2003. Und in einem Telefongespräch 2009 beschreibt er seinen Zustand mit folgenden Worten: "Ich spüre nichts mehr [...]. Keine Nervosität, keine Freude, nichts. Ich stand auf dem Spielfeld und mir war alles egal" (370).

Fazit: In den zahlreichen Reden nach Enkes Tod kündigten viele Sportfunktionäre ein Umdenken im Spitzensport an. Leistungsdruck dürfe niemals so weit getrieben werden, dass er Menschen innerlich zerstört. Von diesen noblen Vorsätzen ist nicht geblieben. Louis van Gaal, damals in Barcelona und heute in München, bekannt für seine ruppigen Umgangston mit seinen Untergebenen, ist nach wie vor einer der erfolgreichsten Vereinstrainer und genießt seinen Ruf als "Feierbiest". Aber wie sollte es auch anders sein. Wir, die Konsumenten, wollen allwöchentlich die große Show und verfolgen gebannt, wie Stars geboren werden, um anschließend wieder im Abgrund der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern, auch wenn immer mal wieder Menschen auf dem Altar der Leistungs- und Unterhaltungsgesellschaft geopfert werden.
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